Erstes Blatt
Montag 22. Februar 1909
u. Land" und „Gerichts.
159. Jahrgang
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Nr. 44
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Bettagen: viermal wöchentlich SietzenerZainilienblätter; ßwermal ivöchentl.Areir- vlatt für ben Kreis Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Lanö- wirlschasUiche Zeitfragen Fenisvrech - Anschlüfle: für bte Redaktion 112, Verlag u. Expedition 61 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gieße«.
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General-Anzeiger für Gberhefsen
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
(Ein Kompromiß über die Reichzfinanzresorm.
Wenn men den Blättern deS Zentrums und der Kvnservativrw Glauben schenken wollte, dann wäre am Freitag die Entscheidung (über die Reichesfinanzresvrnr gefallen und die Reform gesichert. Mm! Freitag hat nämlich die Subbommission ihre Arbeiten bv- xndet, nachdem man sich nach der „Germania" geeinigt hatte, ,die Rachlaßsreuer ebenso lme die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten und den Ausbau des Erbrechts ,des Staates fallen zu lassen und dafür eine Besitzsteuer in Höhe 'von 150 Mrlliomm Mark, die von den Emzelstciaten durch Steuern vom Besitz und Einkommen, einstiveilen nach der Kopfzahl der ^Bevölkerung aufzubringen ist, an Stelle der Matril'ularbeiträge treten zu lassen, so daß die Matrikularbeiträge der Einzelstaaten, itoelche die Regierungsvorlage selbst auf 50 Millionen Mark er- ft;vhen tvvllte, um weitere 100 Millionen Mark erhöht werden. Es wurden darüber eine Reihe programmatischer Punkte festgcstellt, die von dem Llbg. Weber redigiert und mit einem schriftlichen ,Bericht der Finanz- unt> Steuerkommission des Reichstags, die am TonnerStag wieder zu einer Sitzung zusammentritt, unterbreitet werden sotten. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen als sicher an, daß die Verständigung innerhalb der Subkommission und mit der Regierung auch die Zustimmung der Finanz- und Steuerkommission finbat wird, womit dann ein wichtiger Teil der ReichSfinanzresornr eine befriedigende Lösung gefunden haben würde, falls nicht Fürst Bülow daran Anstoß nehmen sollte, daß das Zentrum mit seinen Verbesserungsanträgen dabei mitgewirkt hat." '
Die Freude des Zentrumsblattcs über diese Verständigung in der Reichsfinanzresvrmfrage scheint indessen verfrüht zu sein. Ti- Beschlüsse der Subkommission finden allem Anschein nach nicht bte Zustinrmung der Regierung. An der Spitze dcr „dcordd. Allg. Ztg." wird eine offiziöse Auslassung veröffentlicht, in dcr ausgesprochen wird,^ daß die Mitteilungen der Presse über die Verhandlungen dcr Subkourmissiou nicht in vollem Maße zutrefsen. Insbesondere sei es nicht richtig, daß die Beschlüsse das Ergebnis einer Verständigung mit der Reichsfinanzverwallung bilden. Die bei der Beratung anwesenden Vertreter des Reichsschatzamts haben keine zustimmende Erklärung abgegeben, da sie damit von der vorn Bundesrat bisher eingenommenen Stellung abgewichen tvärm.
Sehr absprecheud urteilt die Nationall. Korresp. über den Antrag der Subkonmttssion, der an dem heutigen Stand der Dinge nichts wcsenlliches änbcrit würde, aber in Wirllich.keit ein gefährliches Manöver bedeutet. „Man will zunächst die erforderlichen Gelder durch eine Besteuerung des Konsums zu- [ammentrageit und die Frage der dirckien Steuern dann seelenruhig auf den St.Nimmerleinstag verschieben. Eine solche Politik werden die Nation alliberalen nicht mit- sttachcu. Wer gibt denn die Garantien, daß jenes Gesetz, das die Matrikularbeiträge in r-on den Einzelstaaten einzuführende: Wesitzsteuern verwandeln will, auch vour Reichstage oder den Einzel- Landtagen angenommen wird?"
Noch schärfer urteilt die „Köln. Zeitung: „Tas Kompco- wiß in der oben bezeichneten Form läuft auf nichts anderes^als auf eine Teilreform; hinaus, auf eine Erhöhung der indirekten Steuern ohne gleichzeitige Anspannung der direkten. Damit ist aber die Voraussetzung für das gäuze 3ieformwerk, die conditio sine qua von, einfach auf die Seite geschoben, und damit ist cd allen, die auf eine gesunde Reform hinarbeiten, von,vornherein mMöglich gemacht, dem EinigungsVorschlag ihre Zustimmung zu geben. Der Antrag Gamp, auf 5cm' das Kompromiß in der Hauptsache sich «ufbaut, besagt, es sei bis zum 1. Oktober 1909 in den Bundesstaaten das Gesamtvermögen nach einheitlichen Grundsätzen festzustellen, pnü die Umlage des Fchlbetrags auf die einzelnen Staaten sei nach Maßgabe dieses scstgestellten Vermögens vor- ^unchmen. .Abgesehen davon, daß die auf diese Weise angestrebte KZereüelung der Matrikularbeiträge auf der Unterlage des Vermögens allein auch nicht einwandfrei erreicht loerben tarnt, verkennt der Antrag völlig die techuisci)en Schwierigkeiten, die sich einer solchen Vermvgensscststellung entgegen türmen. Tas Kompromiß .hat deshalb, wie es heißt, den Termin auch gleick) um -zwei Lahre verlängert. Aber indem cs so die Scylla umsegelt, treibt es der C^irybdis zu. Denn es erhebt sich sofort die Frage,
«Siebener Aonzertverein.
ii.
Festmahl und Ball.
Auf diese schwungvolle Rede des beliebten Borsitzerchen, die tait starkem Beifall ausgenommen wurde, folgte ein fröhliches Gedicht, das die Mühen und Arbeiten bei den Pwben recht treffend /und mit liebenswürdigem Humor schilderte und das von Fräulein sStrack ryht wirkungsvoll und mit guter Launq vorgetragen 'Lvurde. l
Nachdem dann Geheimrat Krüger eine Reihe wn Glück- wunschtelegraMincn verlesen hatte, nahM ^eine Magnifizenz Prof. Dr B a r t h o l o m a e im Namen der Gälte ua5 Wort zu längerer Rede, in der er mit launigen Worten das Verhältnis von Universi- ftät und Konzertverein erläuterte und „richtig" stellte. ES sei nicht das Verhältnis wie zwischen Mutter und Krird, wndern wie 'das zwischen Eheleuten, die in langer erfolgreicher Ehe zuiammen- lebten unb noch viele Jahre zusammenleben »vollen. Daß es dabei -micht immer ohne gegenseitige lleine Zwistigkeiten und Rerbmeum 'abainge, das sei nur natürlich, aber das cryohe die rfremidschaft und die Zuneiguiig. Daß die Käufe nicht so weny feien wie die schwellenden fSessel eines Tamensalons, das liege daran, datz tie Universität die .Aula unrechterweise in erster £ime für die Studierenden gebaut habe, ein Fehler, den sie aber schon langst eingefehen habe unb tief bereue. Mit einem Hoch auf den fest- aebcnbtn Verein schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Ausftchrungcn. Als Vertreter der ^tabt über- Bttttelte dann Beigeordneter Keller die besten Wünsche der ^tabt Sinb würdigte des näheren die guten Beziehungen, die zwischen der Stadt uitb dem Kvnzertverc x beständen und wünschte ihm für die nächste Zukunft einen recht stattlichen Saalbau, damit die großartigen Darbietungen. des Vereins auch zur besten Geltung
was in der Zwischenzeit werden soll, und man stellt dazu unwillkürlich die Nebenfrage, wie lange diese Zwischenzeit wohl Werben wird, denn an die zwei Jahre glaubt im Ernste kein Mensch Tie Lösung, die unS mit dem Kvmvvomiß angefbnnen wird, ist sonach ein Verlegenheitserzeugnis schlimmster Art, wett mit ihr die übelsten Befürchtungen wahrgemacht würden, daß nämlich die Reichsfinanzreform lediglich mittels Verbrauchssteuern, also auf Kosten der breiten Masse, bewerkstelligt werden soll. Die Konservativen sorvohl roie das Zentrum haben, frettich wiederholl beteuert, sie seien für eine Belastung des Besitzes, aber sie stellen mit ihrem Kompromißvorschag einen Wechsel aus, bat — die Einzelstaaten honorieren sollen."
Die „Freisinn. Ztg." glaubt auch nicht, daß die liberalen Parteien, die eine ausreichende Besteuerung des Besitzes für Reichszwecke verlangen, auf solche problematischen Mnfteleien eingehen tönneiL „Wir haben den Eindruck," so schreibt das freisinnige Parteiorgan, ,chaß die Subkommission zwar über einzelne {fragen Klärung geschaffen, aber eine befriebigenbe Lösung der ihr gestellten Ausgabe nicht gefunden hat. Tie Steuerkommission »vird über die ganze Angelegenheit abermals eingehend verhandeln und sich auch erneut mit der Frage beschäftigen müssen, ob nicht, wenn die Nachlaßsteuer keine Mehrlfcit finden sollte, ein Ausbau der bestehenden Erbschaftssteuer angezeigt und durchführbar ist. Kommt eine Verständigung über die Frage direkter Reichssteuern nicht zustande, so haben die liberalen Parteien., Ivie in der Kommission bestimmt ausgesprochen ist, kein Interesse an der Beratung der weiteren Steuerproiekte."
Der hessische §taat;voranschlag.
Ter Bericht des Finanzausschusses der Zweiten Kammer über den Staatsvoranschlag 1909 ist nunmehr fertig gestelll. Er empfiehlt im allgemeinen Genehmigung der angesetzten Positionen, lieber die finanzielle Lage des Landes, die bekannllich leider nicht die beste ist, besagt der Bericht in seinem einleitenden Teil u. a. folgendes:
Ter wirtschaftliche Niedergang ist nod) nicht zu Ende. Tie Lage ist verschärft durch die hinzugekonunene und noch nicht erledigte orientalische Frage. — lieber die Lösung der Reichsfinanzreform herrscht noch Ungewißhett. Schwer lasten diese Verhältnisse auf bau Reich und es leiben darunter die Bundesstaaten bei F-ertig- ftellung dcr Hauptvoranschläge für 1909.
Ueberall lserrscht Finanznot. Seit Jahren hobelt wir teilten Hauptvvranschlag zu verzeichnen, der ein so wenig erfreuliches Bild unserer Finanzlage entrollt, wie der vorliegende. Ter ganze Erfolg der 1907er Reform unserer Finanz an ist in Frage gestellt durch die inzwischen eingetretenen Schwierigkeiten.
Ter Ausblick in die Zukunft ist getrübt, denn das Gleichgewicht imt Hauptvoranschlag für 1909 konnte nur hergestellt werden durch Verwendung von 1058 382 Mk., fast des ganzen Ueberschusses, aus früheren Jahren.
tzinzu! kommt noch die Entnahme von 1905 800 Mk., and beit Bestärken des erst vor wenigen Jahren gegründeten Ausgleichsfonds.
Wir Müssen anerkennen, daß der tzanptvoranschlag mit großer Sparsamkeit ausgestellt ist.
Die Vermehrung der Beamten ist auf das äußerste beschränkt. Unb doch verlangt der Hanptvoranschlag eine Gesamtausgabe von 62 654 436.53 Mk. gegen 60 233 005.01 Mk. für 1908, demnach eine Mehrausgabe von 2 421 431.52 Mk., worin freilich ein durchlaufender Voften in Einnahme und Ausgabe von 1033 116 Mk. (Kap. 70 Landsskreditkassc) enthalten ist.
Tie Ausgaben werden in den einzelnen Kapiteln des Verwaltungsteils nachgewiesen. Bei feinem hat der Ausschuß eine Beanstandung gehabt.
Wiv verweisen auf die Dorn' Ausschuß erstatteten Berichte.
Rur auf einzelne, nicht zu umgehende Mehrausgaben möchten wir schon an dieser Stelle aufmerksam machen.
.Hauptabteilung VIII.
Ministerium des Innern verlangt einen Zuschuß von 12 721107 Mk. gegen 12 305 045 Mark in 1908..
Hauptabteilung XI.
Ausleihungen und Staatsschuld einen Zuschuß von 13114 925.97 Mk. gegen 12 309 304.42 Mk. in 1908.
Hauptabteilung XU.
Pens Tonen
eilten Zuschuß von 3 485 408 Mk. gegen 3 273 216 Mk. in 1908.
Bei diesen drei Hauptabteilungen allein eine Mehrausgabe
gegen 1908 von 1 433 875.55 M., Ausgaben, an welchen nichts gespart werden kann, wett sie aus Verpttichtungen des Staats, wie Gehalte, Zinsen der Schulden und aus Pensionen betrete
lieber die Entwicklungen der zunehmenden PensionSIafteni lasseu wir die nachsteliendeu Zahlen folgen:
1901/1902 3.079.779 Mk. Rechnungsergebnir,
1902/1903 3.115.187 ,
1903/1904 3.131.207 „
1904 3.185.446 ,
1905 3.225.830 „
1906 2.233.100 ,
1907 3.217.785 , Voranschlag,
1908 3.273.316 „ ,
1909 3.485.408 „
Nach der gegebenen Finanzlage imd so lange die Reichs- finanzresorm nicht unter Tach ist, kann an die Regelung der Beamteilbesoldungsftage nicht I>crangctretcn werden.
In der Thronrede ist ausgeführt und von dem iöerm Fincutz- Minister wiederholt betont worden, auch in seiner Rede vom 4. Ja- nn.ar ds. Js., daß, vorausgesetzt, daß sich die Finanzlage des Landes nicht durch tveitergebenbe Ansprüche bes Reichs (über die vorgesehenett 80 Psg. pro Kopf Matrttularbeiträge hinaus) unb weiteres Anhalten ber schlechten wirtschaftlichen Lage verschlechtert, voraussichtlich für 1910 eine Steuerer Höhung von 25 bis 30 Prozent eintreten müsse.
Tie Steuerer Höhung sei bann nötig:
1. Zur Deckung des Fehlbetrags ün Haupworanschlag für 1910:
2. zu einer auch nur müßigen Schuldentilgung nach dem Vorgang des Reichs;
3. zur Befriedigung begründeter Ansprüche der Beamten, Lehrer und £>interbliebcneit von solchen.
Daß eine Steuererhöhung nicht zu vermeidett sei, darüber war man sich schon tut Ausschuß im vorigen Jahre flar; dieser Meinung haben wir bereits in der Einleituttg zum Bericht für 1908 Ausdruck gegeben.
Wenn die Ausgaben für die Staatsverwaltung vmt Jahr zU Jahr wachsen, die Einnahmen bagegen nicht gleichen Schritt hallen, so ist ber gegebene Weg, memt nichts in ben Ausgaben gespart werden famt, nach neuen Einnahmequellen Umschau zu halten.
Ter Ausschuß hat sich bemüht, schon int vorliegenden Hauptvoranschlag aus neue Einnahmen hinzu wetten, um eine in Aussicht stehende Steuerer Höhung herabzuntinderu. Wir verweisen, hier auf die betreffenden Vorschläge im Bericht des Ausschusses.
Während unsere Einnahmen aus Domürten des Großher- Kvglicheu Hauses ein erfreuliches Wachsen aufweisen, mußte bet den Staatsdomänen (bei bat Erträgen aus ber Prcußisch-HessischL'.r Eisenbahngemcinschaft) eine Minberetmmhme von 2 050 000 2?i-Z- vorgesehen werden.
In der langen Reihe der steigenden Erträge au5 her Gemeül- schast haben wir zum zlveitenmal cüieit Rückgang zu verzeichnen. Wemt das ganze wirtschaslliche Erwerbsleben sich in einer laitgan» hallenden Ääüsis beftndct, ist es selbstverständlich, daß alle Lei-- kshrsaustalten, der Eiscnbahrtbctrieb iuii) auch die Schiffahrt har^ getroffen werden.
Ter Rückgang des Güterverkehrs ist züml großen Teil die- Hauptursache der Mindererträge auS den Etsenbahnen.
Das gleiche Bild zeigen die Ergebnisse der anderen deutschen Eisenbahnverwaltungell. Mit der "Wiederkehr des Aufblühens deS Erwerbslebens werden auch die Ertrage aus bgr Eisenbal-ugc- meiuschaft wieder wachsen.
Tie EütnalMen aus bireften Steuern sind mit 14 928 000 Mark eingestellt.
Bei Stempel mußte ein Ausfall von rund 700 000 Mk. eilt* gestellt werden.
Die EinnahlNeN aus Stentpel in den ersten Äconaten des Jahres 1908 haben ganz erhebliche Mütdereiunabmen nachge- totefett, weil das gesamte Jmmoblliargeschäft infolge der wirt- schaftltchen Lage fast auf einem Ruhepunkt mtgelaitgt ist.
Im Vermögensteil ist für Eisenbalmzwecke eine Kapitalausnahme von 9 707 590 Mk. und eitle solche von 4137 565 Mk. für andere außerordentliche (im allgemeinen nicht werbende) Zwecke vorgesehen.
liniere Schuldenlast wächst demnach wieder um rund. 14 Mitt Mark.
Ter Stand der eigetttlichen Schuld (ohne die Landeskredrt^ kasseschuld) betragt am 1. April 1909 407 038 434 Mk. Unsere Einnahme aus der Preußisch-Hessisckren Eisenbohngemetnschaft: deckt zicrzett nicht mehr die Zinsenlast unserer Gesamtschulden. Wir lassen die Tabelle folgen, welche die Aufklärung gibt.
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Im Auftrage des Kirchengesangvereins überbrachte Kirchcnrat D. Schlosser die besten Wünsche znr Jubelfeier und würdigte in längeren Ausführungen die Verdienste des beiher» feitigen Dirigenten. Qb Redner auch den Auftrag Halle, die erften Kon^rtkrttiken des Gieß. Anz. in ellvos eigentümllcher Form zu besprechen, darf füglich bezweifelt werden, und lag auch wohl nicht im Interesse des festgebenden Vereins, der sich gewiß mit uns hierüber sehr wunderte. Tie etwas gestörte Stimmung wurde durch die schwungvolle Rede bes Geheimrats Behaghel, die voll liebenswürdigen und schlagenden Witzes und gesunden Humors war, wieder in das richtige Gleise gebracht. Es ist leider nicht möglich, die geistsprühende Rede des näheren wiederzugeben, ohne die launige Kritik, die der Redner übte, zu zerpflücken. Er schloß seine viel belachte Rede mit einem Hoch auf Die Damen, Denen im Könzertvercin von jeher bas langersehnte St immrecht gewährt sei, das sie zu Mitz und Fvonunen der ganzen Bevölkerung in burchauS anerkennenswerter und lobenswerter Weise ausübten. Reicher Beifall folgte auf diese von sonnigem Humor durckÄeuchtetcn Llusfuhrungen deS allseitig beliebten Redners.
Nach einer kleinen Pause dankte Professor Twautmann mit sichtlicher Rührung für die vielen herzlichen Beweise der Anerkennung unb wies auf Die vorzüglichen Leistungen ber Sängerinnen unb der Sänger hin, die sich in wvcl/enlanger ?Crbeit eifrig bemüht hätten, ihre großen Aufgaben würdig und weihevoll zu lösen. Er trank auf das Wohl der Mitglieder.
Auf die Solisten sprach Rechtsamoall Mendelsohn, dessen Hoch begeistert ausgenommen wurde. Damit war der Redereigen erledigt.
Nach dem Essen, das von dem Wirtschafter des Gesellfchafts- verLinä in anerlennLNswerter Güte geliefert ivorden war, begann ber Ball, dem nicht nur die Jugend in ausgiebigster Weise hui- digte. Erst gegen fünf Uhr verzogen sich die letzten späten Gäste.
So nahm ber Verlauf des Festes einen ebenso Mneu W
sckluJ fixie die drei 5wnzcrte, die auf3 neue den Beweis von der hochstrebenden Kim st des KonzertDereins und seines tüchtigen Leiters erbracht hatten, und mit Stolz können bte Mitglieder auf die Tage der Arbeit zurückblicken, denn außer der reichen Lußereu; Anerkennung dürfte auch der innere Gewmn nicht unerheblich sein.. Die Gießener Bürgerschaft aber wird sicherlich auch den Eindruck" gewonnen haben, daß es bringend wünschenswert ist, einen Konzert- sactt zu bauen, in dem die von ausgezeichnetem Jtteiß und fühlcudem Können zeugenden Darbietungen des hochstehenden, Vereins zur besten Geltung kommen. Dem Jubelverein aber .ein herzliches Glückauf für die folgenden Jahre und Jahrzehnte.
*
— Eine wertvolle Schenkung für das Goerhe- museum in Frankfurt a. M. haben nach einer Mitteilung' ber „Südwestdeutschen Korrespondenz" die Tetthaber ber Firma I. u. S. Goldschmidt, Frankfurt, gemacht. Es handelt sich babcc um Wachsbilder des cl-ernaligen Domvikarius Hardy in Köln, ben Goethe bei einem Auscnthalle bart besucht und sich außerordentlich für den von Hardy gepflegten Kunstzweig begeisterte. Tiesü Arbetten, die einst Goethes verständnisvollen Anteil erregten und die besonders wertvoll für die Erkenntnis der Kunstauffassung Goethes sind, werden nmunti/r dem FrMrkfurter GoellMiuscum einverleibt werden. Tie Sammlung umfaßt 24 Einzeldarstellungen, jede/ genau Goethes Beschreibung entsprechend, in einem Derglaften Kästchen verwahrt,
— DerPrinzregent von Bayern, ber ant Samstag die von verschiedenen bayerischen Künstlern aus geführten, für das Bayerische ?lrmeemuseum bestimmten Gemälde beiichtigte, überreichte dabei Angelo Jank, der als künstlerischer Beirat bte Ausführung der Bilder überwacht hat, als Zeichen der Anerkennung den Verdienstorden vom heiligen Michael 4. Klasse.
— Der bekannte Landschaftsmaler. $äitßei; ,yt ig Dresden ün Aller von, 81 Jahren gestorben.


