Nr. 9» Zweites Blatt
159.Jahrqan,
Samstag 24. April 1909
Erscheint ttigllch mit Ausnahme des Sonntag-.
Die „Siebener gantfltenblätter" werden dem »Anzeiger" otermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblati für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seil- fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
GmeM-AMMr für Merheim
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Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Universikäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^oL Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
u impfe in Nonstükrtinopel.
Ein Teil der gestrigen Meldungen, anscheinend die vom Jildiz ans inspirierten, mochte den Anschein erwecken, als ob die Lage sich gebessert hatte. Und noch im gestrigen Schamlik, dem auch der Sultan beiwohnte, teilte der Großwesir den anwesenden ^Diplomaten mit, es sei ein Telegramm aus San Stefano von dem Präsidenten der Nationalversammlung eingelanfen, das deren treue Ergebenheit gegenüber dem Sultan versichert. Ferner teilte Marschall Kamphvevener Pascha den Anwesenden namens des Sultans mit, der Kommandeur des ersten Korps MahMud Schefkett drückte telegraphisch sein Erstaunen über die Gerüchte aus, die maze dänische Armee sei gekommen, um den Sultan abzusetzen. Ter Zweck des Borgehens der Armee sei nur die Wiederherstellung der Ordnung und die Bestrafung der Anstifter der letzten Unruhen.
Das sind, wie man jetzt sieht, nur verzweifelte Versuche des Jildiz gewesen, die Hauptstadt über den wah'r-n Stand der Tinge zu täuschen. Lange hat die Täuschung nicht vvrgehalten, denn die Operationsarmee der Jungtürken, die noch gestern vo" den Mauern Konstantinopels stand imb sich zunächst der Kasernen zu sichern wachste, ist inzstnschen in Koirstantinopel eingerückt. Tort jH, wie man uns meldet, heute seit 'Tagesanbruch Gew ehr- und Geschützfeuer aus der Richtung des Jildiz vernehmbar. Tie Truppen des Komitees sind heute nacht einmarschiert. Man glaubt, daß sie trotz des seit 5^2 Uhr vernehmbaren Feuers keinen ernstlichen Widerstand finden, da man annimmt, daß die Truppen der Garnison aus Furcht vor Strafe schwachen Widerstand leisten.
In der Sitzung der Nationalversammlung in San Stefano, die mit 150 gegen 8 Stimmen die Ab setzung des Sultans beschloß, nxtren etwa 220 Deputierte und 19 Senatoren anwesend. Die Hauptfrage ist jetzt, ob der Scheich ul Islam sein Fetwa erteilt. Die Nachrichten über seine Haltung sind widersprechend. Wie es heißt, war bis zum Erscheinen der Kriegsflotte die Stimmung der Versammlung für den Sultan nicht ungünstig; sie schlug also auf die Nachricht, daß die Marine der Freiheitsarmee sich anschließe, um. Ein großer Teil der Garnison von Konstantinopel verweigert den von der jungtürkischen Armee geforderten Eid. 'Der Thronfolger Reschad soll sich an Bord eines Kriegs schiffes vor San Stefano befinden. Wie Daily Mail aus Saloniki Meldet, hat i>cr' OberkomMandierende der jungtürkischen Truppen, Mahmud Schefket Pascha gestern gemeinsam mit dem Parlament in San Stefano beschlossen, an den Scheich ul Islam die Aufforderung zu richten, durch ein Manifest Reschad Effendi zum Sultan zu proklamieren.
poE iiifdte Ccmesfcbatu
Die Budgetkommisfion des Reichstages
nahm gestern einen Zentrumsantrag an, den Reichskanzler zu ersuchen, er möge Herbestühren, daß erstens: den Beratungen bei Rechnungskommission ein Mitglied des Rechnm.gshoies beiwohnt, und zweitens: daß der Budgetkommission und der Rechnungskommission Erinnerungen des Rechnungshofes, soweit sie grundsätzliche Fragen der staatsrechtlichen Verwendung der Einnahmen betreffen, mügekeilt werden. Atli Antrag des Unterstaalssekretärs Twele wird int Protokoll festgestellt, daß damit nicht ausgesprochen sein soll, ein Mitglied des Rechnungshofes hätte nunmehr jeder Sitzung der "genannten Kommission beizuwohnen.
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Die Finanzkommission des Reichstags
setzte gestern die Beratung des Branntweinsteuergesetzentwurfs fort. Bei der Beratung des § 34, Neu- verantagung zum Kontingent, wurden die dazu gestellten Anträge der Reichspartei und des Zentrums, die eine schärfere, unter anderem eine jährliche Neuveranlagung bezwecken, zurückgezogen. Bei der Abstimmung wurde ein Antrag des Zentrums angenommen, wonach Brennereien, die zum Lufthefeverfahren übergehen, nicht nur wie die sonstigen Hefebrennereien um i/2, sondern um 2/s im Kontingent gekürzt werden; im übrigen wurde die Regierungsvorlage angenommen. Bei dem § 35 entsteht eine längere Debatte über die Grundsätze der Kontingentierung. Es wird bemängelt, daß die Veranlagung zum Kontingent in Preußen nicht den Aussührungsbestimmungen des Bundesrats gemäß gehandhabt werde. Ein preußischer Regierungskommissar betont auf das entschiedenste, daß in Preußen stets im Geiste des Gesetzes vorgegangen und auch nicht gegen die Ausfüh rungsbestimmungen verstoßen worden sei. Der Paragraph wird darauf in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen, jedoch werden den früheren Beschlüssen zufolge statt zehn Jahre fünf Jahre festgesetzt. Bei den §§ 40 und 41 wird länger debattiert über den Schutz der kleinen Obsr- brenner. Es werden einige neue Erleichterungen in das Gesetz ausgenommen. Schließlich beschließt die Kommission, die Regierungen um die Liste für das ganze Reich von den Gütern zu bitten, die bei ausgesprochenem Rübenboden nur des Kontitcaents wegen Kartoffeln bauen und mit dem Kontingent bedacht sind. Damit ist der Kontingent erledigt.
Zweijährige Dienstzeit in Frankreich.
Der Gesetzentwurf über die Rekrutierung für die Marine, der zu Beginn der nächsten Tagung der Kammer vorgelegt werden wird, enthält dem Vernehmen nach u. a. die Bestimmung, daß die in die Mariner oUen eingeschriebenen Seeleute nicht mehr das Recht haben sollen, ausschließlich in der Flotte zu dienen. Der Staat soll die Befugnis haben, sie je nach Bedarf der Kriegmarine oder dem Landheer zuzuteilen. Der Grundsatz der zweijährigen Dienstzeit soll in Zukunft auch auf die Kriegs- miarine jur Anwendung gelangen. — Dem „Siecle" zufolge würde die Streitmacht Frankreichs durch diese neue Rekrutierungs- form' um ein weiteres Armeekorps vermehrt werden können.
Einmarsch russischer Truppen in Persien.
Die russische Regierung hat sich an die fremden Regierungen mit einer Zirkulardepesche folgenden Inhalts 'gewandt : Vom ^Generalkonsulat in Aserbeidschan waren 2)nt> leilungen ^ingegangen, daß in dem von den Truppen des Schahs belagertet! Täbris eine Hungersnot ausgebrochen sei und den russischen und anderen Konsulaten, ebenso wie t>en russischen und fremden Bewohnern dieser Stadt seitens der Gegner des Schahs, die den Kampf mit den Truppen her Regierung führen, wie auch seitens der durch Hunger zur Verzweiflung gebrachten Ortsbevölkerung ernste Gefahr drohe. Deshalb war der russische Geschäftsträger in Teheran
angewiesen, dem Schah zu erklären, daß die russische Regierung, falls die persische Regierung nicht unverzüglich Maßregeln zur Sicherstellung für die Proviantzufuhr Für die Konsulate und die fremden Untertanen in Täbris, wie auch für die friedliche Ortsbevölkerung ergreift, sich genötigt sehen werde, eine Militärabteilung nach Täbris zu entsenden, um die. Konsulate und Ausländer zu schützen und ihnen und der Bevölkerung die Proviantzufuhr zu sichern. Trotz des Versprechens des Schahs, den Komman deuren der persischen Truppen und dem Prinzen Ain ed Dauleh zu befehlen, die Proviantzufuhr nach Täbris zuzu- lafsen, hat der Prinz die Zufuhr nicht zugelassen. Konsulate und Ausländer verbleiben somit in ihrer gefährliche-, Lage. Angesichts dieser Wendung der Dinge hat. die russische Re- gientng beschlossen, die dem Schab angekündigte Maßregel auszuführen und einer russischen Truppenabteilung nunmehr den Befehl gegeben, aus Dschulfa nach Täbris auszurücken. Die Ziele, die diese Abteilung verfolgt, sind oben erwähnt. Sobald in Täbris die Ordnung wieder eintritt und das Leben und Eigentum der Konsularvertreter wie der russischen und fremden Untertanen außer Gefahr ist, wird die Abteilung abberufen.
Deutsches Reich.
Der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge haben gestern nachmittag eine Fahrt in Pinassen zur Insel Pontikonisi, der sogen. Toteninsel, gemacht, wo der Tee eingenommen wurde. Den Rückweg zum Achilleion machten die Majestäten zu Fuß.
In der Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen in der vom Reichstage beschlossenen Fassung die Zustimmung erteilt.
Dem Reichstage ist ein Gesetz betreffend die zollwidrige Verwendung von Gerste zugegangen. Nach dem Entwurf ist es verboten, Malz aus Gerste, die bei der Einfuhr in das deutsche Zollgebiet nach einem niedrigeren als dem für Malzgerste bestehenden Zollsätze verzollt worden ist, zu Brauzwecken zu verwenden.
Dem einberufenen Gesamtvorstande der konservativen Partei wird von dessen Ausschuß empfohlen, die Reichstagsfraktion aufzufordern, mit aller Entschiedenheit auf das Zustandekommen der Reichsfinanzreform hinzuwirken und zum Ersatz der Ausdehnung der Nachlaß- und Erbanfallsteuer eine Reichswertzu- iv a ch s st e u e r in Verbindung mit anderen geeigneten Besitzsteuern vorzuschlagen und den Vorschlägen der Regierung bezügli.chi des Bieres, des Branntweins und des Tabaks im wesentlichen beizutreten. _____________________________
ArrslanH.
Monarchen Begegnungen. Aus Rom wird der „Neuen Freien Presse" von vorzüglich informierter Seite mitgeteilt, daß in den nächsten Wochen vermutlich eine Begegnung zwischen den Königen Eduard und Viktor Emanuel, spater zwischen dem König von Italien und Kaiser Wilhelm stattfinden wird. Der genaue Zeitpunkt und der Ort der Entrevuen ist noch nicht bestimmt.
Der Handelsvertrag zwischen Rumänien und Oesterreich-Ungarn ist unterzeichnet worden.
Großbritannien hat die Unabhängigkeit Bulgariens anerkannt.
Der französische Ministerrat hat beschlossen, die Effektivstärke der Besatzung des Schauja-Gebiets um 3000 Mann zu verringern. Die Gesetzesvorlage des Marine- ministers betreffend die Rekrutierung der Marinesoldaten wurde gutgeheißen. Der Abinister des Auswärtigen, Pichon, sprach hierauf über auswärtige Angelegenheiten.
Castro, den man in Amerika nicht landen ließ, ist gestern in Paris wieder eingetroffen. Bei seiner Landung in Nazaire äußerte Expräsident Castro Freunden gegenüber sein Bedauern über die Haltung, welche die französische Regierung ihm gegenüber eingenommen hat. Er beklagte, nicht in Fort de France habe landen zu dürfen, da er von dort aus versucht hätte, eine Armee aufzustellen und die Gewalt wieder an sich zu reißen.
Sca? SiaStvePSvdneten-
Schluß.
Gießen, 22. April. Laugesuche.
Ein Baugcsuch des Emil Koch für Selterswcg 75, das die Umwandlung der Durchfahrt für Geschäftszwecke verlangt, soll nach Jiem Antrag der Baudeputation abgelehnt werden.
Stadw. Winn fordert ans diesem Anlaß eine Aenderung des Ortsbaustatuts. In Darmstadt und Mainz werde dock) auch keine Durchfahrt Verlar,gt. Die Bestimmung, daß jedes Haus eine Durchfahrt haben müsse, stamme noch aus der Zeit, in der die Wasserleitung und die Löschvorrichtungen nicht auf der jetzigen Höhe standen. Bei dem fraglichen Haus könne man doch nicht mit einer Spritze in den Hof fahren. Man solle nicht auf die Revision der staatlichen Bauordnung warten, die schon lange angekündigt sei, aber leider noch immer auf sich warten lasse. Das Ortsbaustatut sollte jetzt schon in drei Richtungen geändert rverden. Die Einfalntsvorschrift müsse wegfallen, ebenso die Vorschrift, daß der Hof eine bestimmte Form haben müsse. Es genüge Die Vorschrift, daß ein Fünftel des Grundstücks unbebaut bleiben müsse. Ferner sollte gestattet werden, daß man mit Holz bauen könne. Zurzeit gebe es fast kein Baugesnch ohne Dispens, wodurch den Bauherren viele Opfer an Zeit und Geld auferlegt seien.
Der Vorsitzende stimmt darin bei, daß eine Aenderung der Bauordnung wünschenswert sei, aber in der Richtung, daß mehr, Licht uni> Lust geschaffen werde. Vor allem teile er den Wunsch, daß endlich einmal die staatliche Bauvrdmmg geändert iverde. Einige Punkte der lokalen Bauordnung als besonders änderungsbedürftig hinznstcllen, damit komme man nicht, durch.
Stadtv. Plank unterstützt die Forderung nach einer Revision der Ortsbauordnung. Namentlich für Geschäftsstraßen sei die durchbrochene Bauweise sehr schädlich. Die aus seuerpolizeilichen Gründen vvrgeschriebene Durchfahrt habe den ihr zugeschriebenen Wert nicht, denn ein Schlauch könne viel mehr leisten als eine Spritze.
Der Vorsitzende betont, daß wir in den Geschäftsstraßen im allgemeinen geschlossene Bauweise hätten. Wo durchbrochene Bauweise sei, hänge dies mit der früher hier üblichen Grundrißgestaltung zusammen, aber nicht mit der Bauordnung, denn die Einfahrten könnten überbaut werden.
Stadw. Winn meint, es bauten auch andere Leute als Bauunternehmer, deshalb solle man nicht sagen, daß solche Forderungen nur im Interesse der Bauunternehmer erhoben - würden.
An dem Haus im Seltersweg habe er nichts verdient, wohl aber einen schlechten Zustand verbessert.
Der Vorsitzende erkennt an, daß Herr Winn manchs Besserung im Interesse der Stadt geschaffen hat.
Beig. Keller weist darauf hin, daß für den vorliegenden Fall die Ortsbausatzung eine mildere Forderung erhebe, wie das Gesetz.
Auf Anwag des Stadtv. Petri wird das Baugesuch noch einmal an die Kommission zurückverwiesen, damit diese einen! Augenschein nehmen kann.
Ein Baugesuch des Friedrich Am end für die Neustadt soll solange zurückgestellt werden, bis das Fluchtlinien-Festsetzungs- 0erfahren durchgeführt ist.
Ein Gesuch der Firma Wallenfels u. Sauer für die Bleichstraße, das die Erlaubnis zur Anbringung eines Erkers ine Obergeschoß erbittet, wird befürwortet.
Dagegen erfährt ein Gesuch des Georg Klar! wegen Ein- bauung eines Pissoirs in den jetzt schon viel zu kleinen Hof des Hauses Marktplatz 5 Ablehnung.
Ein Baugefuch von Hch. Winn für die Neustadt wegen Anbringung von Erkern wird nach kurzer Besprechung genehmigt.
Bei dem Grundstück Wetzsteingasse 31 will der Besitzer Schmidt eine Holzeinfriedigung anbringen, wofür der erforderliche Dispens erteilt wird.
Städtische Arbeiten und Lieferungen.
Bei der Dampfkessel-Anlage im Schlachthof-Neubau sollen gegen den ursprünglichen Plan mehrere Aendernngen angebracht werden, die hauptsächlich eine spätere Erweiterung der Anlage erleichtern sollen. Dadurch entstehen 6450 Mk. Mehrkosten, die aus Ersparnissen gedeckt werden können. Die Versammlung stimmt zu.
Es folgt eine Anzahl freihändiger Arbeitsvergebungen. Das Hochbauamt und das Tiefbauamt beantragen die Anschaffung je eines Nivellierinstruments. Während die Kommission nur für das Tiefbauamt ein Instrument bewilligt haben! will, tritt Stadw. Winn für die Beschaffung von zwei Jnswu- merrten ein. Es wird nach seinem Anwag beschlossen.
Die Asphaltierungs - Unterhalwngsarbeiten werden zum' seitherigen Preis wieder an K. Rübsamen übertragen.
DenGebr. jKahl wird die Lieferung von 600 Kübikmeterst Kies zum Preis von 3,75 Mk. übertragen.
Für die Plock straße sollen Gail'sche Klinker beschafft werden, was genehmigt wird.
Aus Anfrage des Stadw. Löb er sagt der Vorsitzende zu, daß die Bürgersteige in der Plockswaße baldigst in Ordnung! gebracht werden sollen.
Auch für einen befestigten Fußweg in der Ost-Anlage wird die beantragte Beschaffung Gail'scher Klinker genehmigt.
Für die Walzarbeiten soll, soweit die Heyligenstaedt'sche Walze nicht zu haben- ist, wiederum die Limburger Walze zu den seitherigen Bedingungen angenommen werden.
Der Fußgängersteig der Wieseckbrücke im Zuge der Bis- Marckswaße, die Holzbelag hat, soll aus Holzzement hergestellt werden. Man ist damit einverstanden, ebenso mit der Vergebung der Arbeit aus freier Hand an die Lolatwerke.
In der A l i e e st r a ß e soll ein Versuch mit Kunstgranitbordsteinen gemacht werden. Der laufenbe Meter kostet 3,75 Mk. Auch hierbei stimmt die Versammlung zu.
Die Lieferung von B a s a l t p s l a st c r st e i n e n wird nach Vorschlag der Deputation an vier der mindestsordernden Firmest vergeben.
Die Ausbesserung des S ch u l b a d e s an der Lahn, das durch das Hochwasser sehr gelitten hat, wird an Schubecker und Bechtold freihändig für 495 Mk. vergeben.
Aus Wunsch der Sanitätäfolonne wird die Einrichtung! eines Desinfektionsraumes und die Beschaffung einer weiteren: Tragbahre beschlossen und dafür 300 Mk. bewilligt.
Nach dem Gelände an der Aktienbrauerei sollen jetzt schon Kabel verlegt werden, dam.it spätere Wiederaufbrüche der jetzt herznstellenden Straßen, die dahin führen, vermieden werden Die angeforderten 14 500 Mk. werden bewilligt.
Stadw. Troß ist nicht gegen diese Forderung, möchte aber dieselbe intensive Forderung den Straßen in der inneren Stadt zugewendet haben. In der großen Mühlgasse z. B. sei erst kürzlich ein Wagen stecken geblieben, dort müsje unbedingt baldigst Kanali- jation und Wasserleitung eingeführt icerben.
Der Vorsitzende bemerkt, beides fei schon in Aufwag! gegeben.
Errichtung eines weiteren Volksschulgebändes.
Der Vorsitzende führt dazu aus, es bestehe wohl kein! Zweifel, daß die neue Volksschule bald gebaut werden müsse. Als Bauplatz komme ein Platz jenseits der Wieseck in Frage, in welcher Stadthälfte nach den angeftelüen Ermittlungen 911 Schulkinder wohnen. In dem Quartier zwischen Frankfurter Straße und Aktienbrauerei wohnen 518, im Quartier Stephanswaße—, Schifsenberger Weg 160 und im Quartier Licher Swaße—Kaifer- allee 233 Kinder. Demgemäß wird vorgeschlagen, das neue Volks- schulgebäude auf dem städtischen Gelände an der Credner- straße zu errichten.
Stadw. Krumm fragt an, ob der Platz angesichts der Nähe; der Bahn und des dadurch zu befürchtenden Lärms und der Rauchentwicklung geeignet sei. Er beanstandet ferner die an der Nord-Anlage errichtete Schulbaracke, die geradezu wie ein Stall aussehe und keineswegs zur Verschönerung der Anlage beitrage.
Der Vorsitzende bemerkt, eine Belästigung der Volksschule an der Crednerswäße durch die Nähe der Bahn sei-nicht zu befürchten. An der Schulooracke lasse sich nichts ändern, maifl müsse sie hinstellen, wo Platz sei.
Stadw. Winn erinnert daran, daß er schon früher das Mälzereigebäude der ehemaligen Avienbrauerei als für Schulzwecke sehr geeignet bezeichnet habe.
Nach Ansicht des Vorsitzenden, der gestern in dem Gebäude war, ist es für Schulzwecke nickst zu brauchen.
Nachdem noch Stadw. Gabriel sich für die Errichtung des Schulhauses an der Crednerswaße ausgesprochen, wird dementsprechend beschlossen.
Verschiedenes.
Von der Feldbereinigungs -Gesellschaft für die Gemarkung rechts der Lahn wird gewünscht, daß die Stadt die Kosten der Chaussierung der Abfahrten und Feldwege übernehmest möge, was 56 600 Mark tosten würde. Es wird besckstossen, die Uebernahme der Chausfierungskosten für die Kreisstraßenzufuhren abzulehneu, soweit nicht die Straften von der Stadt unterhalten iverden, dagegen im übrigen das Gesuch zu genehmigen. Die Ausführung der Arbeiten soll im Jahr 1910 erfolgen, soweit eine Verschiebung bis dahin möglich ist.
In die Kommission zur Ueberwachung der Blutlausvertilgung werden die Stadwerordnetcn Löber (Obmann , Helfrich, Simon und Troß gewählt.
Ein Angebot von Oskar Gutmann, der das Straftengelände! für die kürzlich gestrichene Swaße an seinem Besitztum zum Preue von lo Mark für den Quadratmeter unter verschiedenen Bedingungen anbietti, wird abgelehnt. Es wird jedoch beabsich- wgt, oie Swaße wieder in den Ortsbauplan aufzunehmen, da Herr G. durch das Angebot zugegeben bat, daß ihre Anlage für die Ausnutzung seines Grundstiicks kein Hindernis ist.
Die Wegparzelle Flur VI Nr. 141, die auf den Namen der Stadt eingeschrie^n war, wird von ihr und dein


