Nr. 20
Erstes Blatt
158. Aahvgang v L 3P?otttaö 25. Jammr 1908
Der Gtetzener Anzeiger «rscheinl täfllid), mißet Sonntags. - Beilagen: etc rin al wöchentlich OiebenerFamkllrnblStter; zweimal ivöcbentl.Kteis: rlaUfürdenttreisGiehrn ^Dienstag undFreiiaa); zweimal monall. Land» vtrtichaflliche Seltfragen f^ernfprech • Anfchlüfse: Ifn die Rednluon 112, Uerlafl u. Expedition 61 Adrefie tüt Depeichen:
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n Jy öy Verantwortlich
|V< A für den politischen Teil,
General-Anzeiger fur Oberhessen WW NvtaNsnrdruck und Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vuch- und SteindruSerel li. lange. «edaNIsn. Expeditien und vru-ierel- Schiilftratze 7.
Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten,
ncreicn erhalten im Nahmen ihres bisherigen ftontingentd eine Er Mäßigung der Fabrikalstcuer eingeräumt 7) Die Rückzahlung von Beträgen bei der Ausfuhr von Spiritus findet nur in Höhe des dafür wirklich gezahlten Steuerbetrages statt. 8) ^ie #0* brikatsteuer kann unter näher festzusetzeuden Bedingungen gestundet werden. ,,,
Unseres Erachtens sind diese Vorschläge im großen und ganzen durcliaus geeignet, der ^u.',lLinmiJ.on n s Unienage zu dienen. 6>eioinnen Sie doch überdies noch dadurch an Wert, daß der Verband der Spiritusinleressentcn unter Zugrundelegung einer zwischen 110—120 Mark gestaffelten g-abrilatneuer, einer De- naturierungsprümie von 5 Mark und unter BerückstchUgung des süddeutschen Reservats mit 7 Mark pro Heitolrter aus einer solchen Steuerreform einen jäl)rlicl)en Reinertrag von ca. 227 Millionen 'JJcaif herauSrechuet. Das wücoe ocgeiutuer den b.sheeigen Einnahmen ein Mehr von 107 Millionen Mark bedeuten, von dem gut und gern jährlich 7 Millionen für die Berzinsnug und Amortisation der Abiindungen und Entschädigungen verwendet iver- oen konnte. . , , n
Ob die Subkommission diesen Weg geht, will freilich erst abgewartet werden. Vielleicht hat fich durch den Widerftaud, oen die konservativen der ^Rachtaststeuer und die Freisinnigen oem Branullvcinmotiopol cutgcgeusctzeu, die ganze innere Situation so schwierig gciLiitci, oast die -LUorri-nnnswit gar nicht mehr in öie Lage kommt, eine neue Vraniitweuisteuervorloge auszuarbeiten. Das Sturmlausen der Konservativen gegen den Neichskaiizler luiin jedenfalls darauf Inn, da st jie an einem Znitandekommen der Reül)sfiuanzresorm unter seiner Aegide kein Interesse mehr haben, oast sie lieber den Block in Stücke gehen und den Reichskanzler verschwinden sehen möchten, elje sie in die Rachlaststeuer willigen, ehe jie auf das Arauuliveinmonopol und das last not least au) jq§ Dreiklassenwahlrecht in Preußen verzichten. Warten wir ab, was die nächsten Tage bringen.
Dc Nockes Ne ich.
In der Ausgabe des Dofberichtes soll künftig eine Aenderung einlretcn. Soweit der Bericht die Polstische Tätigkeit des Kaisers betrifft, soll er fortan nur noch durch den Rein-s- Anzeiger, je nach Bedarf jioci bis dreimal wöchentlich der Oeffcnt- ticht'eii übermittelt werden. Dagegen wird die Berichterstattung über alle anderen hö,ischen Vorgunge privaier Natur, insofern sie )id) zur Verdisentlichnng in den Zeitungen eignen, auch weiterhin in oer bisher Ligen Weste erfolgen.
Todesfälle. Der R e i ch s t a g s a b g e o r d ne t e für den Wahlkreis 18 Hannover, Senator Reefe (natl.) ist in Stade in der vergangenen Nacht gestorben. — Der ehemalige pol- u i f ch e N e i ca s t a g s a b g e o r d n e t e P r i n z C h a r t o r y s k i ist an Unterleibstyphus gejtorben.
Der ostPreustische Städtetag hat an den Landtag eine dringende Vorstellung wegen der bollständiycn Besetiiguug des O-enieindesteuervorrechtes der Beamten, Geistlichen und Lehrer ge- richtet. .
Aus der Werft des Vulkan ist am Samstag der kleine Kreuzer „Ersatz Jagd" vom Stapel ge.aujen. Das Schiss, das als erstes mit rein deulschen Turbinen ausgerüstet ist, erhielt in der Taufe den 9Zameit „M a i n z".
Die Ausschmückungs-Kommission des Reichstages trat neuerdings zu einer Sitzung zusammen. An dem schon gc- jastten Beschlust, die Jank scheu Bieder zu bezahlen, ste aber nicht wieder im Sitzungssäle anzubringen, wurde nichts geändert. Jrn übrigen wurden die Verhandlungen der Kommifston |ür vertraulich erklärt. .
Der Kreistag des Landkreises Aachen beschloß in seiner letzten Sitzung endgültig, am Dreilägeroach bei Rötgen in der Eifel mit einem ^lüoitenau'swande von 5,2 Millionen Mark eine Talsperre zu errichten, die zur Versorgung des Landkreises mit Trinkwasser dienen soll. Der Kreistag beledigt sich nut einem Kapital von 1530000 Mark, während der Rest der Aausumme von den 12 Gemeinden des Landkreises aujzubringen ist.
Die Ablehnung der Branntweinmonopols.
ak. Die Finanz- und Steuerkommission hat gestern den § 1 des neuen Branntwcinsteuergesetzes gegen die Stimmen der Kvn- strvaliven und Rationalliberalen abgelehnt und damit den Monopolcharakter der Vorlage beseitigt. Ja,'noch mehr: jie hat mit Hilfe einer Majorität aus Zentrum, Freisinn und Sozialdemokratie beschlossen, die Weiterverhandlung über die Vorlage einstweilen amszusetzen und eine Subkommission zu wählen, welche die Aus- Qabe haben soll, eine neue, sich aus dem Boden der reinen 'sabrilationssteuer bewegende Vorlage auszuarbcüen, für die ganz beslinuilte Richtlinien vorgesä-rieben worden sind. Es soll nämluy bn dieser Vorlage die bisherige Maischbottichsteuer, Materialsteucr imb Brausteuer fortsallen und an ihre Stelle eine derartige Er- to(jUng der Verbrauchsabgabe (als reine Fabrikatsteuer) treten, bast dadurch ein jinauzietles Erträgnis sichergestellt wird, welches um 1UO Millionen großer ist, als die v.s.-ecige steuereimiahnu nus dem Branntwein. Selbstverständlich müstte dabei anf die verschiedenen Produktionskosten der einzelnen Brennereien, sowie an. die den süddeutschen Staaten zugestandenen Reservatrechte Rücksicht genommen und überdies eine wesentlich Herabsetzung der Schulingentsspannung von 20 Mark in Erwägung gezogen werden.
Dast die Herabsetzung des Branntweinzwischenhaudelsmonopi ls, durch welches allein den landwirtjchajtlicyen Brennereien ihr bis irriges Privilegium gesiä-ert werden konnte, in agrari|tf)en iCstiien üiel böses Blut machen wird, ist klar. Wohl stellte sich auch . seichsick'atzsekreiär Dr. Sydow schützend vor die bisherige Kvn- fangeniierung und das Monopol, indem er betonte, dast ohne ste bet Kaiupj aller gegen alle entbrennen müstte und die süddeutschen : [ejeruate nur durch Aufrechterl-altung der bisherigen Liebesgabe rn Höhe von 20 Mark geschützt werden tönnlen. Aber daran lasten u ie Beiatungen der Kvmmijsion ihre Abstimmung schon jetzt feinen Zweiiel, dast, wenn es überhaupt zu der Verabschiedung einer neuen räranutweiusteuer im Reichstage kämmen soll, diese einen wesen.Uch anderen El-arakter tragen wird, ais ujn oie Sydowsche Vortage wrsah. Zentrum, Polen, Freisinnige und Sozialdemokraten, zu bencn gewist noch einige Reichsparteiler und Ratioualliberale rammen werden, haben im Reichstag so sehr das Heft in Händen, ba f|mr eine Vorlage, die sich in den der Subkommstsion vorge- L-ichueten Linien beioegt, Aussicht ans Annahme hat.
Wie im einzelnen die überaus schwierige Materie ber Jörannb tveinsteuergesetzgebung zu ordnen ist, wird Sache der Subkom- Million {ein. Vorschläge hierzu sind bis in die lüngstc Zeit hinein so viele gemacht worden, dast die KomMissionsmuglleder mir Hieb nicht in Verlegenl>eit kommen tonnen. Am mastvollstcn ben landwirtschaftlichen Brennereien gegenüber ist vielleicht der- jcnige, den der Reick)stagsabg. Frhr. v. Gamp in der Zeitschrift „Das deutsäie Volk" macht. Da er aber noch an der Monopolisierung des Zwischenhandels mit Branntwein festhält, wenn er auch seine Härten mildert, kommt er jetzt nicht mehr in Betracht. Dagegen hat, wie wir meinen, das Projekt, wclcins der Verband deutscher Spiritus- und Spirituoseninteresfenten Mitte November Lern Reichsscliatzsekretär unterbreitete, alle Aussicht, den Ver- Iiandlungen der ^uofbntnuiiion einigermaßen zur vrichtiu-imr zu Lienen.
Es waren hier in der Hauptsache folgende Prmkte vorgesehen: H) Erhoben wird nur eine einzige ©teuer in Form einer Fabrikat steuer beim Ucbergang des Spiritus in den Verkehr, wie das na auch die Kommission will. 2) Die bisherigen Vergünstigungen »ous dem Konlingent fallen fort, woran nach den Bejchlüsjen der tLommijsion wohl in vollem Umfange nicht zu denken ist, so dast xs sich 3) nicht um eine vollständige Abfindung der Kontingents- Ihrennercien, sondern um eine Entschädigung in gewisten Grenzen nu handeln braucht. 4) Den landwirtschaftlichen Brennereien bis 6(00 Hektoliter Jahreserzeugung, ferner den Qualitäts- und Ma- tierialbrennereien wird eine Ermäßigung (Staffelung) gewährt, iö) Um die Ausdehnung des Verbrauches von Spiritus zu gewerb- Ilichen Zwecken zu fördern, ist für die Denaturierung eine Prämie gu gewähren. 6) Die süddeutschen landwirtschaftlickien Bren-
2Lus!and.
Neuer russischer M a r i n c m i n i st e r. Der bisherige Gehilfe des Marineministers, famtreabmiral Wojewodski, wurde zum Marineminister ernannt.
MildeRichter. Der russisck)e General Alexejew wurde vom Maiinegcricht von der Anklage der Erpressung jreigesprochen, aber für sclmldig befunden, als Marinestabsoliizler willwend des Krieges mit Japan zu der englischen Firiila 5)otchk.st Beziehungen unterhallen und von ihr 9500 ätubcl erhalten °u haben. DaS Urteil lautet auf Dienstentlassung und die gewtzmästigcn Folgen sowie auf eine Geldstrafe von 1050 Rubeln.
Ferdinands G l a n b e n s w e ch f e l. Nachrichten aus Sofia zufolge beabsichtigt Fürst Ferdinand sich tn diesem Sommer in Tirnowo zum Zaren von Bulgarien krönen zu lasten und zum
rusiijchen Glauben überzutretcn. . v n.
A u s China. Durch ein erlassenes Edikt wird Liang Tun Pen zum Prufidenteu des Wai.vupu ernannt. .
InWashingtvn wuroe der Schiedsgerichtsvertrag mit Brasilien unterzeichnet. _______________
Ans 5-taOi uiiö
Gietzen, 25. Ianucir 1909.
PreirauSschreiben.
(Wiederholt, weil bei der ersten Veröffentlichung durch eine unbeachtet gebliebene Korrektur ein sinnentstellender Absatz stehen geblieben war.)
Der Vogelsberg hat sein Winterkleid angezogen, und Schnee und Eis liegen über Feld und Flur. Pflug und Egge ruht, und der Landwirt geht seinen häuslichen Beschädigungen nach, mit alles sür die koininende Feldarbeit vorzubereiten und sein Vieh und sein Haus in guter Ordnung zu halten. Für sich selbst hat der Lanowirt jetzt wieder mehr Zeit, als in den arbeitsvollen Tagen des übrigen Jahres. Um den warmen Ofen schart fich die Fannlie, sanimeln sich Freunde und Bekannte, um Meinung und Erfahrung zu tauschen, um alte Erlebnisse zu besprechen, die längst einmal gewesen sind. Da fällt manches schwere Wort und manche gute Geschichte wird erzählt aus ernster und heiterer Zeit, von Krieg und Siegen. Die Zeit geht dahin und mancher, der vieles zu erzählen wüßte aus seinem und seiner Freunde Lebe-n, nimmt es mit sich ins Grab, wenn feine Zeit dahin ist.
Da nun,viele dieser Erinnerungen es verdienen, der Nachwelt überliefert zu werden, haben wir uns entschlossen, unseren Lesern wie int vergangenen Jahre so auch in dein ' laufenden einige Preisausgaben zu stellen, die der ober* hessischen Eigenart ent.prechen und für unsere Mitarbeiter sowohl, als auch für unsere Leser von größtem Interesse sein dürsten. Außerdem haben wir z. T. solche Aufgaben 1 gestellt, deren Inhalt nur den alten Leuten noch gegen-- ' wärtig ist und die es wert sind, der Allgemeinheit erhalten zu bleiben.
Als wir im vergangenen Jahre zum erstenmal mit unseren Aufgaben au die Oeffeutlichkeit traten, haben sie ! weit über das hessische Land hinaus Beachtung und Anteil^ i nähme gefunden. Männer und Frauen aus allen Kreisen der Bevolterung haben im Verein mit uns gewirkt, haben । Anregungen und Fingerzeige gegeben, um unseren Bestrebungen immer mehr Boden zu erobern und alle Kreise I unserer ländlichen BevöNerung zur Mitarbeit zu gewinnen.
Gicszener AonzertVereLer« v.
Kanrmermusik-Matinöe.
Das gestrige Konzert in der Neuen Aula gab dem leider nicht besonders zahlreichen Publikum Gelegenheit, einen Sänger von nicht alltäglicher Bedeutung zu hören. Herr Nicolaus Naumow verfügt über ganz gewaltige Stimmittel. Sein weicher, wohlllingender Bariton ist namentlich in den mittleren und höheren Lagen von einer seltenen Schönheit und Reinheit. Die Tongebung verrät eine ausgezeichnete Schulung. Die Aussprache ist gut, wenn ruch nicht immer deutlich. An den Russen erinnert die Aussprache nur wenig, und man muß schon sehr scharf acht geben, um etwa bei den Silben en oder zu Anklänge an das Russische herauszuhören. Was das beste an diesem Sänger ist: er hat Empfindung und zwar keine bloß künstlich angelernte. Darum gelang es ihm auch so vortrefflich, aus den vier Brahms'schen Liedern den ganzen, eigenartigen Stimmungszauber hervorzuhvlen. Und wie fein rith zart verstand er es, auch den Worten der Dichtung Ausdruck zu verleihen. Liszts „Vätergruft" mit der zum teil mystischen, zum Teil grausigen Stimmung fand durch ihn ebenfalls eine hübsche und verständige Wiedergabe. Am schönsten fand ich aber den Vortrag von Schuberts ^Prometheus". Wie sich hier das scharsgeschuittene blasse Asketengesicht des Sängers belebte und rötete vor innerster Teilnahme; mit welcher Kraft schleuderte er hier seine lachenden Unverschämtheiten dem Gotte hinauf: „Ich Dich ehren? Wofür?". . . . „Hier sitz ich, forme Menschen nach meinem Bilde, ein Geschlecht, das mir gleich sei, zu leiden, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich, und Dein nicht zu achtens Jedes Wort eine ganze Geschichte menschlichen Leidens und Wollens, eine Anklage und eine Rechtfertigung. Für den Sänger besteht gerade hier leine geringe Gefahr, die Gefahr nämlich, der gewaltigen Wucht des Dichter- tvortes die rein musikalische Schönheit um der höheren Wirkung willen zu opfern. Herr Naumow verstand es ober, beides zur vollen Geltmtg zu bringen. Das ist c^htos Llustlerijches Empfinden.
Sehr zu loben war bei den Liebern die verständnisvolle und diskrete Klavierbegleitung des Herrn Professors Traut mann. Außer der Klavierbegleitung bei den fünf umfangreichen Liedern des Programms und einer Zugabe spielte Herr Trautmann auch in den beiden Trios und in der Sonate von Brahms mit. Eine ganz außergewöhnlich anstrengende technische Leistung, bei der man Herrn Trautmann nicht einmal am Schluse des Konzertes auch nur eine Spur von Ermüdung anmerkte. Das Spiel war wunderbar rein und exakt von Anfang bis zu Euve; aber das ist noch das geringste Lob, das man Herrn Trautmann nach dem gestrigen Konzert spenden kann. Sein Vortrag zeigte echte künstlerische Beseeltheit und eine erf-chöpsende Klar- heit der Interpretation, die das Anhvren seines Spiels zu einem hohen Genuß machte.
Die beiden übrigen Mitspielenden, die Herren Adolf Redner (Violine) und Johann es Hegar (Cello), wurden von ihren Freunden vor undnach jeder Progranim- nummer mit Applaus begrüßt.
Im 3. Satze des TrioS in G-moll von Goetz gefiel mir Herr Redner neben Herrn Trautmann ganz besonders gut. Herrn Hegars Spiel litt hier wie auch namentlich in der Sonate op. 38 von Brahms ganz beträchtlich unter einer gewissen inneren Zerrissenheit. Herr Hegar, dessen Spiel ja technisch korrekt war und es weder an Ausdruck, noch an Empfindung fehlen ließ, vermochte es nicht immer glücklich eine bestimmte Stimmung bis zum Schluß fest zu halten. Diese unglückliche Art des Vortrags wirkte natürlich auch auf Herrn Redner ein und beeinträchtigte ein wenig die Wirkung feines Spiels. Nur, wo die Violine es vernwchte, sich frei zu entfalten, wie eben im oben erwähnten Trio von Goetz, kam sie zu voller, schöner Geltung. Einen ganz reinen und ungetrübten Genuß gewährte Beethovens Trio in B-dur. Diese herrliche und namentlich in ihrem Schlußsätze so abwechslungsreiche und interessante Komposition wurde von allen drei Spielern meisterhaft wiedergegeben. Ich habe Herrn Hegar noch nie so gut spielen hören wie gerade in diesem Trio. -v
Aus unbetreteiien psadeu Chinas.
6. Vonrng der cücseilschcm für Erd- und Völkerkunde.
Dem Vortragenden in der letzten Veranstaltung dieses Winters, Dr. Georg Wegener aus Berlin, verdanken die Mitglieder der Gefellschast für Erd- und Völkerkunde schon manchen genußreichen Abend. Versteht er es doch meisterhaft, in fesselnder Weife interessante Bilder von Land und Leuten vor dem Auge der Zuhörer vorüberziehen zu lassen. Auch für diesmal hatte er ein Gebiet ausgewählt, das feine packende Wirkung auf die Zuhörerschaft nicht verfehlte: Die seit nahezu 100 Jahren von keines Weißen Fuß betretene und zum Teil gänzlich unerforschte Provinz Kiaugsi int Stromgebiet des JangtjeUang. Diese gewaltige Wasserader ist bis Hankau, einer Strecke von Hamburg bis Budapest, von den größten Schiffen befahrbar. Roch bis Jt- schang verkehren kleinere Dampfer, und nach Uebcrtoin». düng der oberhalb dieses Platzes liegenden Stromschnellen wäre eine schiffbare Flußstrecke von 2400 Kilometer Länge hergestellt. Welch bedeutenden Anteil daher der Jang- tfeiiaug einst bei einer kommerziellen Erschließung deS Landes haben wird, tritt noch besonders hervor, wenn man bedenkt, daß seine Uferlandschaft zu den dichtest bevölkerten Teilen Chinas zählt und durchweg uraltes Kulturland darstellt. Schon jetzt bildet der mächtige Strom mit seinen vielen, meist schiffbaren Seitenadern eine Verkehrszentrale von ungeheuerer wirtschaftlicher Bedeutung.
Dr. Wegener bereiste dies Gebiet int Jahre 1901, beteiligte sich an dem verunglückten Versuch einer deutschen Firma, mit eigens gebautem Dampfer die Stromfchnellen oberhalb Jtfchang zu überwinden, wobei er nur das nackte Leben rettete und wiederholte die so unterbrochene Reife in den Jahren 1906/07. Die Provinz Kiaugsi umfaßt daZ Flußgebiet deS Kankiang, dessen Wasser zur Zeit der Schnee schmelze an seiner Mündung durch den angeschwollenen Jangtsekiang zu dem Pojang-See abgestaut wird (zehnfache Größe des Bodensees!). Am Unterlauf des Stroms liegt die bedeutendste Stadt Nantschang mit etwa 300006 Einwohnern. Die Bewohner der Kanebene sind kleinwüchsig, mit etwas stumpfsinnigem Gesichtsausdruck, entwickeln abetf


