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Hermann SH*J
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Samstag 23. Oktober 1909
Zweites Blatt
159. Jahrgang
Nr. 249
Gießener Anzeiger
•ildjrtnl «glich mtt NuSnahme bt3 Sonntag«.
General-Anzeiger für Gberhejfen
ERotottonSbrucf and Verlag öer Lrüdl'sche» UnwersilätS - Buch- und 6tetnbruderel R. Lange. Dießen.
Dre „Sletzener ZamiliendlSNer" werden dem .HnjCTfler* viermal wöchentlich beigelegl, daS „Eretsblati für 0« Kreb Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „randwirlfchaftlichen Seit» kragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul» (trage 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:112. rek.-AdraAnzeigerGießen.
jener wirklich nii
Muster schule in------------ ......, . -
man arbeitet doch auch selbständig imb bringt eigenen Geschmack zur Geltung. Tie Seche, die von überall herlommt, ivird in Kirin und Ashikapa gefärbt (mit deutschen Farben übrigens zumeist) und dann wiederum aufgcspult, um sich endlich zum starken
Gewebe zusammenzusügen.
Tas Interessante in dem Bezirk ist die Organisation des Verkaufs, die wirklich mustergültig ist. Schon vor der Restauration (1868) hatte man in beiden Städten Weberciocrbände, die eine Kontrolle über die Qualität der Waren übten. In den Stürmen der Resraurcttion gingen mit so manchen anderen
Tem Verband in Ashikapa gehören sämtliche Weber des Ortes an. Sie bezahlen weder Beitrag, noch haben sic sonst direkte Lasten. Der Verband besoldet eine Reihe von Beamten, die die fertigen Gewebe, noch bevor sie aus den Markt lammen, besichtigen, prüfen und je nach ihrer Qualität abstempeln. Am 5., 10., 15., 20., 25. und 30. jeden Monats sind dann Markt
beherrschende Gedanke, der das Reichsgericht schuf. Dieser Gedanke macht nicht halt vor dnae conformes. Im Gegenteil, gerade wo die Unterinstanzen konform in den Niederungen des Rechts blieben, wo sie sich scheuten, gewohnte Bahnen zu verlassen, neuen Gedanken Raum zu geben, neue Probleme zu erfassen — man denke hier nur an die unser Zeitalter beherrschende Sozialpolitik, an die gewerblichen Schutzgesetze und anderes —, einmal hinauszugehen über den bloßen Wortlaut des Gesetzes, m. 4- W. unser Recht weiterzubilden: da beginnt recht eigentlich die Aufgabe eines höchsten Gerichtshofes. Sier darf er nicht durch die Äußerlichkeit der Konformität behindert werden.
Bei den künftigen Erörterungen über die Entlastung des Reichsgerichts wird man an diesen Bedenken und Argumenten schwerlich Vorbeigehen können.
politische Tagesschau.
Zur Entlastung be8 Reichsgerichts.
DaS Reichsgericht ist überlastet: daran ist kein Zweifel. Man ist auch allenthalben — auch in der Reichsregierung und dem Reichsparlament — von der Notwendigkeit überzeugt, Abhilfe zu schassen, und fast jeden Tag begegnet man neuen Vorschlägen zur Abhilfe. Gegenwärtig rückt, so schreibt die „Natl. z:orresp." in den Vordergrund: Einführung des Difformitäts- prinzips. Nach ihm sollen diejenigen Urteile der Oberlandes- oerichte nicht anfechtbar sein, durch die das Urteil der ersten Instanz bestätigt wird. Also: wenn zwei übereinstimmende Urteile her beiden unteren Instanzen vorliegen lduae conformes), keine .Revision an das Reichsgericht. Auf die innere Uebereinstimmung der beiden Vorderurteile soll es nicht ankommen. Auch nicht cuf die Verschiedenheit des Tatbestandes. Gegen diesen Vor- » Mag erhebt sich, weil er die nationale, die unitäre Bedeutung l eS Reichsgerichts in ihrem Kern treffen würde, im „Leipz. Tgbl." eine gewichtige Stimme. Es wird darauf hingewiesen, wie auf i ic Art unserer einheitlichen Rechtsentwicklung die ernstesten Gefahren drohten: wie bei der Herrschaft dieses Prinzips hie menschliche Bequemlichkeit und die stammesgcnössische Sonderart leicht zur Ausbildung einer ausgesprochen partikularen Reckt- orechung führen könnten. Das wird im einzelnen an allerlei Beispielen belegt. Auf den Einwand aber, daß auch bei der Anwendung des Difformitätsprinzips das Reichsgericht zahlreiche Fälle werde aburteilen können, wo die Sprüche der Vorinstanzen nicht zusammenfielen und daß somit die Möglichkeit an der Weiterbildung unseres Rechts zu wirken, ihm schließlich doch nicht ver- ffchränkt werde, antwortete der Verfasser:
Zunächst würde sich nach unseren Befürchtungen die Zahl der duac conformes schrittweise vermehren, das Gebiet, auf dem das Reichsgericht herrscht, würde immer kleiner werden. Solche Entlastung wäre sicher vom Hebet Weiter dürfen wir eben gerade darauf nicht verzichten, daß der Berufungsrichter im einzelnen konkreten Falle sich dessen bewußt sein soll, daß sein Urteil, gleichviel ob es zu gunsten des Klägers oder des Beklagten lautet, der Nachprüfung eines höchsten Gerichtshofes unterliegt. Nur dieses erzieherische Bewußtsein erzwingt die Gebundenheit an die Rechtsprechung des Reichsgerichts. Es ist falsch, dem Berufungsrichter in die eigene Hand zu geben, ob eine Nachprüfung möglich sein soll oder nicht. Und endlich, die Nevisionsinstanz hat nicht nur die Aufgabe, dem einzelnen zum Rechte zu verhelfen: sie soll uns die Einheit des Rechtes iidient. Mag auch die Revisionsinstanz zutreffend dahin verstanden werden, daß ihr Ziel dadurch erreicht werden soll, daß möglichst viele Einzelfälle richtig, also einheitlich entschieden werden: immerhin ist die Rechtseinheit als solche der große.
Deittfcbcs Reich.
Aus Sonder bürg wird berichtet: Der Redakteur S c e n- s o n des dänischen Blattes „Dybbel Posten" wurde vom Sonderburger Schöffengericht wegen Beleidigung desLand- gerichtsratcs Dr. Hahn, Vorsitzenden des Deutschen Vereins, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Hofbericht der „Karlsrul-er Zeitung" meldet: Der Groß- h e r z o g v o n S a ch s e n ist am ss-reitag zu |einem offiziellen Besuch üei den großi'xnzvglichcn Herrschaften in Babenw.iler eingefroren Der Groß her zog ermattete den Gast am Balprhos in Atuellheim, wo die Ankunft um 12 Uhr 22 Min. erfolgte. Beide fuhren nach Badenw.ile-, wo die Grrßl-erz-ogin den Gast begrüßte. Ter Groß- Herzog gedenkt bis Samstag in Badenweiler zu oerblctbcn.
Ter sächsische Landtag wird zum 9. fJtoüembcr ein- berufen.
Briefe aus Japan.
Von Dr. Fritz Wertheimer.
Vin. Dör Hauptseidendistrikt Kirin-Ashikapa.
Ashikapa, im September 1909.
Dingen auch diese Institutionen unter. Aber da wurde das Gewebe immer schlechter, bis es Ende der siebziger Jahre in
monatlich vermieten, vielleicht auch noch die Rohmaterialien liefern und einen Taglohn bezahlen, gegen den der Heimarbeiten webt: und endlich die Fabrik selbst. Es herrscht in dem ganzen Bezirk eine starke Tendenz zur Zenttaltsation in der Fabrik, weil man hier einheitlicher und straffer arbeiten und auch die Konjunktur besser ausnützen zu können glaubt. 10 000 Webstühle laufen jetzt ungefähr in Kirin und nicht weniger wohl in Ashikapa, und in beiden zusammen beträgt der Wert des Warenumsatzes vielleicht 40 Millionen Mark. Tabei teilt man sich ziemlich in die Bedürfnisse des Marktes: Ashikapa stellt mehr Seidengewebe mit einem Bamnwollfaden her, jene fein- gemusterten und geschmackvollen Kimonostoffe, die der oornehme Japaner und dte Japanerin trägt, Kirin dagegen mehr die rein seidenen Muster, die dann der Globetrotter in Kioto als „echte Kiotoseide" kauft (weil sie an Güte und Schönheit '.cht nachstehtt. Allerdings bezieht man aus der Kioto die Muster für manche Neuheiten, aber
Die englischen Finanzen.
London, 23. Okt. Aus Anlaß der Verhandlungen^ Über bie Finanzbill im Unterhaus unterbreitete der ^-ckwtz- lamlet Lloyd George heute den Voranschlag der Er - tr wssteuern, wie er infolge der Aenderungen, welche an Vt/i Gesetzentwurf vorgcnomrnen wurden und im dichte der: nn taufe der letzten W Monate gemachten Wahrungen revidiert vurde. Er führte aus, daih die Zugestandmise, die m_®;5U9 auf die Wertzuwachssteuer und die Steuer für unbebautes Land ae° nacht worden seien, sich mehr als ausgleichen würden durch die 'eranschlagten Erträgnisse aus den neuen Abgaben von Bergbau real en. Mit Ausnahme der Branntwein - Abgabe ent- vickelten sich alle Einkünfte gut Die P ost an st a l t en machten nsolge der Besserung im Handel gute Geichäste. (Beifall b^i )cn Ministeriellen.) Die Stempel ft euer wache erlfebuche Fortschritte. Er habe den Mehrertrag aus der Branntwein- st eit er auf 1600 000 Pfund Sterling geschätzt und schätze ihn etzt auf 800 000 Pfund Sterling, sehe aber einen Mehrertrag von 300 000 Pfund Sterling über die ursprüngliche Schatzung des Ertrages aus den Erbschaftssteuern voraus. Die revi- Icrtcn von ihm jetzt unterbreiteten Voranschläge zeigten einer» 'cits eine Zunahme von 1850 000 Pfund Sterling über den ursprünglichen Budgetvoranschlag, anderseits eine Abnahme von •? 100 000 Psund Sterling, so da«ß eine Differenz von 2o0000 "3funb Sterling verbleibe. Er habe ursprünglich für die Aus- ^leickissumme 488 000 Pfund Sterling Vorsorge getroffen, aber im Hinblick auf die Nachtragsetats von 200 000 Pfund Sterling aur Unterstützung der Arbeitslosen und andere kleine Bedürfnisse, Wage er jetzt vor, noch 500 000 Pfund Sterling aus dem cZchuldenttlgungsfonds zu entnehmen
... heißem Dampf tötet), und der zweite Prozeß der Gewinnung eines Fadens aus vier oder fünf Seidenkapseln |
Es sind zwei blühende Provinzstädte, bekannt seit alters- her. Wenn in Tokio einmal ein Landmann besonders viel Geld ausgab, bann sagte das Volk, er muß aus Kirin fein, und Maler und Poeten zogen schon in frühen Zeiten nach Ashikapa, wo sie reiche Leute als Gönner fanden. Ein wenig hat fich das ja verändert. Tie Löhne sind höher geworden und die LebenSbedingungen sckstechter, aber wohlhabend ist die Gegend immer noch. Es sind richtige Weberstädte, die beiden, faum eine halbe Stunde Bahnfahrt auseinanderliegend und ungefähr gleichmäßig je 35 000 Einwohner zählend. In jedem Lause schnurrt die Spindel und saust das Schisflein des Web- fttihls. Wenn man in Kirin durch eine Straße geht, so sieht man zu beiden Leiten schnell fließendes Känalwasser vor jedem Hause fast ein kleines Mühlrad treiben, das drinnen im Hause wieder den Webstühlen die Räder dreht. Freilich nicht überall hat man Wasserkraft. Vom eteftrijdjen amerikanischen Webstuhl modernster Konstruktion bis zum alten einfachen Holzstuhl, dessen Schifflein man noch mit der Hand hin und herwersen muß, fiel t man so ziemlich sämtliche Systeme. Und man hat auch so ziemlich alle Arbeitssysteme da noch: Tie ursprünglichste Art der Hausarbeit, wo der Webstuhl Eigentum des kleinen Haus- pwduzenten ist, der sein Rohmaterial selbst einkaust, um sein Arbeitsprodukt auch selbst zu verkaufen; dann ein System, wo der Websmhl noch dem kleinen Mann gehört, er aber das Rohmaterial schon vom Zwffchenmeister bekommt, an den er auch das bestellte Gewebe abliefert, um dafür seinen festen Preis zu bekommen: ferner die nächste Stufe, bei der der Zwischen- ,
meister, der seine Maren wieder an den Großfabrikanten ab- zieht sofort feine Kommission mit 2 pro Mille in Ansatz und gibt, ober auch die Fcchrik gegen billiges Geld den Webftuhl1 übersendet dann nach Schluß des Marktes die Liste der ab-
Nm 3. November werden deutsche, englische, spanische und französische Techniker als Delegierte ihrer Regierungen in Paris zusammentreten, um den Entwurf der in der Algecirasaktc vorgesehenen Bergbauordnung für Marokko in technischer Hinsicht einer Prüfung zu unterziehen. Der Entwurf der Bergbrniordnung wurde mit Zustimmung Mulay Hafids von dem durch Iben Machfen angestellten französischen Ingenieur Porche ausgearbeitet. Nach vollzogener Prüfung soll der Ent- wurs gemäß der Algecirasaktc dem diplomatiich.nl Korps in Tanger zur Genehmigung vorgelegt und dann du »ch den Sultan veröffentlicht werden. Die Vorprüfung der Bergbauordnung durch die Techniker soll die Prüfungsarbeiten durch das diplomattsche Korps vereinfachen. Der Entwurf Porchcs stützt sich auf Bergbaugesetze in verschiedenen Ländern.
Der griechische K r i e g s m i ni st e r gab bei der Einbringung des Heeresbudgets die Erklärung ab, er könne der Armee eine aktive Reserve von 200000 Mann schaffen und eine zweite Reserve von 88 000 Mann. Mit der Reserve der Nattonal-Garde in Stärke von 143 000 Mann macht dieses zusammen 431000 Mann.
Aus Belgrad wird gemeldet: Der Skupschtina wurde am Freitag der Etatsvoranschlag für 1910 vor gelegt. Danach sind für das nächste Jahr an Einnahmen 112 800 000 Dinars, an Ausgaben 111500 000 Dinars vorgesehen. Der Etat des Kriegsministeriums beläuft sich auf 26 Millionen Dinars gegen 27 Millionen des laufenden Jahres.
Den Befehl über die in Täbris zurückgeblieben« russische Truppenabteilung hat der Kommandeur des ersten Schützenbataillons Oberst Tschaplin übernommen.
Aus Täbris wird gemeldet: Hier zirkulieren alarmicrenbe Gerüchte über Plünderungen in Ardebil. Post-Kara- ivancn und Telegraphenvcrbindungen sind seit einigen Wochen unterbrochen. Die Vorbereitungen zu dem Feldzuge gegen RakHirn Khan schreiten infolge Geld- und Patronenmangel nur langsam fort: Ans Teheran sind 200 persische Kosaken und 400 irreguläre Reiter eingetroffen, welche nach Ardebll zum Ersatz des belagerten Sattar Khan gesandt werden sollen.
Das dä n i s ch e F o l k e t h i n g nahm nach Ablehnung der von der Rechten und den Sozialdemokraten eingebrachten Mißtrauensanträge mit 49 gegen 44 Stimmen den von den Radikalen eingebrachten Antrag an, in dem dem gesamten Ministerium Holstein das Mißtrauen ausgesprochen wird. Dafür ftimmten die Radikalen, die Sozialdeinokraten und acht Mitglieder der Rechten, dagegen die Gruppen der Linken. Der Rest der Rechten enthielt sich der Abstimmung. Der Ministerpräses erklärte, daß das Ministerium demissioniere.
nur in wenigen Großbetrieben noch vor sich geht. In Maebashi ist einer der ältesten dieser Betriebe, in dem 185 Arbeiterinnen nebeneinander sitzen, vor sich das Becken mit dem stets laufenden bockenden Wasser, nt das man die Kokons ein paar Minuten legt, um dann den Faden auf Spulen zu wickeln. Sonst aber kauft man die überall gleichförmigen Spulen mit dem Faden darauf aus dem ganzen Lande zusammen, um dann in wenigen Hauptgegenden die weitere Verarbeitung zu konzentrieren. Ta wird Samt von der kleinen Spule der Faden zuerst gereinigt und auf eine größere Spule gerollt, wobei man schon feine Qualität feststellt und ihn auch so viel als Halbfabrikat nach Amerika versendet und dann geht das Garm aus dieser Fabrik in die Webereien, wo das Seidengewebe hergeftellt wird. Auch diese Webereien befinden sich in ganz bestimmten Bezirken, deren größter der Kirin-Ashikapa-Bezirk ist.
so schleck tem Rufe stand, daß cs kaum verkäuflich^war. Ta gründete man denn Schulen und kam nach rangen Jahren ivieder zu oen heutigen Verbänden, die sich bald aufs Beste bewährten.
tage, an denen Hausvroduzenten und Großfabrikcn ihre in der Zwischenzeit fertig gestellten Gewebe in eine Markthalle bringen und seilhalten. In die Preisfestsetzung mischt sich der Verband nicht ein, wo bl aber notiert er offiziell jeden Berkaus und Preis, zieht sofort feine Kommission mit 2 pro Mille in Ansatz und
In der Gesamtausfuhr des Jnselreiches vom Jahre 1907 mit 432,5 Millionen Yen, figuriert der Posten „Seide m Geweben und Garnen" mit über 16fr Millionen, also über entern' Drittel. Die rohe Zahl zeigt ohne viele Worte die Bedeutung der Seidenzucht und Seidenweberei für die Bokkswirtsck-aft des Landes. Natürlich datiert diese Exportbedeiitung erst seit der Öessnung des Reiches für den fremden Handel, allein bei dem' Sfjcn Eigenverbrauch der Bevölkerung, die bis zum Erlaß von 7uSgesetzen vor der Restauration ganz allgemein 1 eibene Kimonos trug, war mich schon vorher die Seidenzucht außer- ordeittlich wichttg. Sie ist, wie so vieles im japanischen Leben imb in der japanischen Kultur über Korea von China her importiert worden, ein chinesischer Hcrrfck>ersohn soll sie mit einer Anzahl chinesischer Seidenweber schon im zweiten Jahrhundert über das Land verbreitet haben. Seit der Zeit Pflanzte man Maulbeerbämns und züchtete Seidenraupen. Zuerst geschah das ttüöbl in primitiver Manier, aber als mit der Eröffnung des Landes die Nachftage des Auslandes stieg, als eine Epidemie unter den Seidenwürmern Europas auch einen guten Markt für Seidenraupeneier schuf, da steigerte man die Produktion. Auf der Weltausstellung in Wien im Jahre 1873 lernte man dann euch mehr nach wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten, errichtete Bruthäuser und Versuchslaborawrien und hob die wichtige Industrie mit aller Macht, so daß sie heute zünden sicherften und bcstfundiertesten des ganzen Landes zählt. Leit man den Maulbeerbaum auch als Hecke und Grenzlinie verwendet, und die Eier des Seidenschmetcerlings aus staatlichen ^ober privaten Bruthäusern beziehen kann, ist die Aufzucht der Scidenwürmer und die Herstellung des Seibenfadens eine Hausinbustrie ge- toorben, die so ziemlich in ganz Japan von Frauen und ^Familienangehörigen int Nebenberufe betrieben wird. Etwa 2,5 Millionen Familien tun bas in Japan u.nd verschaffen sich dadurch manchen Verdienst, so daß ber Prozeß der Würmer zücht überhaupt nicht mehr lohnend int Großbetrieb geschehen kann (aus hm Eiern kriechen die Würmer, die mau mit zerkleinerten Maul- lecrbaumblättern füttert, bis sie sich eingesponnen haben, woraus man sie in I
Die Reife der Zaren.
Frankfurt a. M., 22. Oft. Der Sonderzug des Zaren traf um 2 Uhr 57 Min. auf der Station Frankfurt a. M.— Bocken heim ein. Nack erfolgtem Masckstnen wechsel wurde um 3 Uljr 5 Min. die Fahrt fortgesetzt.
F r a n k f u r t a. M., 22. Okt. Mit dem Zaren fuhren der G r o tz- herzvg von Hessen und Prinz Heinrich^vvu Prinißen, um ihren ^rwandten zu begrüßen und ihn eine Sttccke zu begleiten.
Straßburg, 22. Okt. Der russische Hoszug trat beute abend 7 Uhr 28 Min. mit einiger Verspätung, durck einen Defekt des Güterwagens in Sauterbirrg veranlaßt, aus dem hiesigen Hauptbahnhofe ein, der vollständig abgefverrt war. Um 7 Uhr 38 Minuten erfolgte die Weiteriahrt über Lyon nach Rvm.
Belfort, 22. Okt. Der Kaiser von Rußland ist um 9 Uhr 25 Minuten abends in der Grenzstation Petit Gvoix eingctcosfen, wo er von einer Abordnung im Namen des Präsidenten Falliöres begrüßt wurde imb die dein Kaiser im Zuge bis nach Belfort des Geleit geben wird, wo die Anlunft um 10 Uhr 7 Minuten erfolgte. Nackbem sich die Ab. orbnung verabschiedet hatte, setzte der Kaiserliche Sonderzug die Fahrt nach Italien fort.
Racconiai, 22. Okt. Aus Anlaß des bevor stellenden Be- suckZes des Kaifcrs von Rußland prangt Racoonigi in reichem Festschmuck. An vielen Orten erheben sich hohe Masten mit italienischen und russisckien Fahnen. Die Bahnhosshalle^ist durch die von Mast zu Mast sich schlingenden Flaggen und Stoffe in eine via t- iumpl-aliS verwandelt. In der Stadt herrscht reges Leben. Vom Bürgermeister wurde ein Manifest veröffentlicht, in dem bie Bürgerschaft aufgesordert wirb, bent willkommenen Gaste imb erhabenen Dolmetscher der Gefühle der befreundeten großen Nation einen Empfang zu bereiten,, der die Liebe der Italiener zu dem lfvchherzigcn russischen Volk widerspiegele, dessen Matrosen bei dem großen Erdbebenunglück in Süditalien brüderlichen Herzens und heldenmütigen Sinnes zu Hilfe geeilt seien. m
Rom, 22. Okt. Ter Bürgermeister von 9t o rru Nathan, ist abends nach Racconigi ab gereift. Tie Giomale d'Jtalia" sagt, da der Besuch be-5 Kaisers Nikolaus nicht in Rom stattsindc, habe bcc Kenia den Wunsch geäußert, in diesen Tagen den Bürgermeister von Rvm in seiner Nähe zu haben.
22H5 Stadt und Land.
(Sieben, 23. Oktober 1909.
** In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer Nik. Kredel zu Petterweil auf fein Nachsuchen unter An- irkennunq seiner mehr als ßOfäbriqen treuen Dienste; ber Lehrer Friede. Erb. Krick zu Dftbofen auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste.
" Erledigt ist die Stelle eines Katastergcometers bei dem Kaiasteramt.
** Wohltätigkeitsfest zum Besten des Säuglingsheims. Auf Einladung des Komitees hatten sich gestern nachmittag eine große Anzahl von Frauen sowie einige Herren in Steins Garten eingefunden, um den bereits ausgearbeiteten Plan des Wohltätigkeitsfestes zum Besten des Säuglingsheims eingehend zu besprechen. Fabrikant K l i n g s p o r führte in seiner Begrüßungsansprache aus, daß nach seiner ganzen Anlage mit diesem Fest keine Schädigung der Gießener Geschäftswelt verbunden sei und daß alles getan werde, um auch nur der geringsten Beeinträchtigung vorzubeugen. Es sollen deshalb in erster Linie Erfrischungsbuden errichtet und der Verkauf anderer Gegenstände auf das allerkleinste Maß beschränkt werden. Der Grundgedanke des Festes ist ein Jahrmarkt in Ober- Hessen, ber sicherlich um so größeres Interesse erregen wird, als sämtlich mihvirfenben Damen in echter Tracht erscheinen werden. Die Festtage sind, wie wir schon mitgeteilt haben, auf den 13., 14. und 15. November festgesetzt und werben burch bie Anwesenheit des G ro ß h e r z og l i ch e n Paares voraussichtlich noch eine besondere Anziehungskraft erlangen. Bedauerlicherweise trifft der eine Kirmestag, der 14. Nov., mit dem Konzert des Konzertvereins zusammen, doch soll darauf jedwede Rücksicht genommen werden. Besondere Anziehungskraft werden auch die von Frau Goll-Oldini eingeübten Tänze beweisen, zu denen sich mehrere Damen gemeldet haben. Architekt Meyer gab darauf seine Ideen über die Ausgestaltung der Säle bekannt, von denen der größte als Marktplatz in einem oberhessischen Städtchen hergerichtet werden soll. Vor alten charakteristischen 1 Häusern, in denen u. a. auch eine Spinn st ube und eine Kegelbahn untergebracht ist, werden die luftigen Buden und


