Ausgabe 
21.7.1909 Zweites Blatt
 
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Mittwoch 21. Juli 1909

Zweites BirOr

1 »9. Jahrgang

Nr. 198

Erscheint ISglich mit Au«nahme deS SanntagS.

i >ezug aus die Stärke unerreicht, und emsig wird daran rbeitet, Britanniens Uebergewicht zur See für die Dauer

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ist. Nur Don Darmstadt wird ein stetiges Ansteigen der stellen- suchcnden Dienstboten gemeldet und bemerkt, daß jetzt von einem

Die Gründung eines württembergischen Landes­verbandes des Deutschen Bauernbundes ist in die Wege geleitet

Ärbeitsmarft in Hessen u. Hessen-Nassau im Juni 1999.

Frankfurt a. M., im Juli 1909.

An der wenig günstigen Lage des .Arbeitsmarktes im Be- nchtsmonat hatten das Baugewerbe und Metallgewerbe den größten

7. Kongreß dec christlichen Gewerkschaften.

ii.

S. u. H. Köln, 20. Juli.

Heute referierte Paul Krug, Gewerkscl)aftssekretür in Stutt­gart überEntwicklung und Stand der deutschen Arbeiter- v e r s i ch e r u n g". Der Redner führte aus: Bon jeher haben die christlichen Gewerkschaften besonderes Gewicht darauf gelegt, Aufklärung zu tragen in den Arbeiterstand über die Rechte und Pflichten, die er auf Grund der verschiedenen Versicherungsarten

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitätS - Buch- und Sleindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Englands Wichrwehr.

Seit Jahren ist man in England bemüht, die Verteidi- nng des Reiches, des Mutterlandes wie der Kolonien, i reformieren und ouszubaucn, weil man sich sagt, daß augenblicklichen Berttidigungsverhältnifse den Auforde- ngen der Neuzeit nicht in vollstem Maße entsprechen, as die Seestreilkräfte anlangt, so steht in dieser Hinsicht ingland zweifellos auf der Höhe, die britische Marine ist

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61.

Redaktiome^IlS. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Die»ietzener ZamiNendlotter^' werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? Kreisblatt für den Kreis Siegen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Die zranksurter Thoma-Ausstellung

Von unserem Frankfurter Korrespondenten.

nuime Icqou* cunvenatioiL, ifterten unter 05156 an ^p.ncr Anzeiger erbeten^

c au» Sortierer foion iernbc Bcschäsliguna neii u emaaen in her Gew:- e des Gießen. An;eiqcst. i|

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Bezeichnend hierfür sei, daß gegen den Berichtsmonat im Bor-j x^nzler, der der deutschen Landwirtschaft volle Gerechtigkeit Wider­jahre 60 stellensuchende Mädchen mehr zur Einschreibung ge- fahren ließ." Kein Kanitz könne diese Inschrift versilbern, kein! langten, während die offenen Stellen um 8 abgenommen haben.! ^ahn sie auskratzen imb keine schwarze Krähe sie verwischen.

Der Passantenverkehr war entsprechend der ganzen Lage des , Landtagsabgeordneter W a m h o f f führte aus, daß er vom Bunde Arbeitsmarktes auch int Berichts.nonate sehr lebhaft. Von den! der,Landwirte ausgesastofien worden ,er, weck er von dreiem keine Crganen des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes wurden, i Jnstrukttonen über lerne Parlamentartw)e -^attgkert habe ent-* - - - - - «-=---< ! gegennehmen wollet:. Er habe bet der Wahl von 1897 den

Führern des Bundes erklärt, wenn sie ihn mit geschlossener Marsch- route in den Reichstag senden wollten, dann sollten sie lieber einen Dienstmann nach Berlin schicken. Redner betonte die Ütot- Wendigkeit, tüchtige Vertreter der Bauernschaft in die Parla­mente und kommunalen Körperschaften zu entsenden. Im Schluß- Worte faßte Wachhvrst de Wente die Ziele des Bundes in die Worte zusammen: Schutz der deutschen Landwirtschaft, Erfüllung der nationalen Pflicht, Stärkung des Reichsgedankens. Darauf wurde die Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vater­land geschlossen.

Kurz und bündig und unsinnig. In dem vom Brixener Bisä-of approbierten St. Angela-BlatteDas Apo­stolat der christlichen Tochter", das unter der Redaktion eines Priesters in Wien erscheint, finden sich int 11. Jahrgänge folgende bezeichnende Urteile über Größen der Weltliteratur:Felix Dohn verherrlicht das Heidentum auf Kosten des Christentums." Dies kurze Urteil genügt, ihn grundsätzlich zu verdammen.Sptel- haoens Romane sind leider fast olle durchweht von revolutionärem

und ungläubigem Geiste und halten sich auch von sittlichen Ueber- griffen nicht fern."Bechsteins ALärchenbuch ist für katholische Institute nicht zu empfehlen."Die Bibliothek für die beutj'cbe Jugend ist protestantisch, also nicht zu empfehlen."Der Wald- schulmeifter von Rosegger enthält tropfenweise sehr viel anti­religiöse und antikirchlichq Ansichten und Bemerkungen."Rosegger ist eine reichbegabte Dichternatur, . . . leider dient er der frei­sinnigen Richtung. In sittlicher Beziehung finden sich in Roseggers Werken Anklänge an seinen lüsternen Gönner Robert Hamerlmg." Auch Rudolf Baumbach wird verfehmt, dennso frisch und an­genehm B. schreibt, so ist er in 1 einem sprudelnden Uebermut nicht frei von Ausfällen gegen Religion, Priester und Kirche." Schade, daß er als Kind des protestantischen Thüringens öfters gegen Kirche und Geistlichkeit in spöttelnder Weise zu Felde zieht." ScheffelsEkkehard" ist einePersiflage des Mönchs- ledens." So werden weiter noch Ibsen, Bulwer, Dumas, Gang- Hofer kttrz und bündig verdammt. Ten Vorwurf, heidnische Ideen zu verherrlichen, hat man übrigens auch schon dem kath. Weber, dem Dichter von Dreizehnlinden gemacht. Das genügt.

Aus dem Referendarexamen. Herzlich gelacht wurde kürzlich auf dem Breslauer Oberlandesgericht über eine unerwartete, doch verblüffend richtige Antwort, die einer der Kandidaten im Referendarexamen auf eine an ihn gerichtete Frage gab. Der Herr Examinator verlangte vom Prüfling eine kurze Darstellung der Geschichte des Oberlandesgerichis. Er half ihm dabei ein wenig ans imb bedeutete ihm, daß dieses Gericht früher Appellationsgericht, vordem aber Oberlandesgericht ge­heißen habe, wie es auch heute wieder heiße, und er begehrte dann weiter zu wissen, aus welchen Ursachen und zu welchen Zeitpuntten die Namenswechsel erfolgt seien. Da der Kandidat keine befriebigenbe Auskunft zu geben wußte, sagte ber Herr Examinator:Ich will eine andere- Frage stellen: vielleicht zeigt sie Ihnen den rechten Weg für die Beantwortung meiner ersten Frage. Gesetzt den Fall, wir befänden uns je^ irn Zeit­alter Friedrichs des Großen. Wie würde der große König die Herren dieses Gerichtes, wie würde er beispielsweise mich an­reden?" Ohne Besinnen erwiderte der Kandidat:Mit Er!" Bezwungen von dieser unanfechtbaren Wahrheit, ftimmten die Herren Examinatoren dem Prüfling rückhaltlos bei.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Gerhart Hauv un anns MärchendichtungHanne le" ist mit wenigen textlichen Umänderungen von dem bekannten Kom­ponisten Erlanger, der mit feinemPolnischen Juden" und feiner .Aphrodite" bereits bedeutende Erfolge erzielt hat, in Musik gefetzt worden. Erlanger, ber irt Paris lebt, stammt aus Frankfurt.

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Anteil. So berichtet z. B. Mainz über geringe Bautätigkeit und i auch in Frankfurt a. M. würben noch viele Arbeitslose bieser I Branche gezählt. Von keiner einzigen Stabt bes Berbanbsgebietes ' wird günstiges über das Baugewerbe beruhtet. Auch die Arbeils- < Marktlage im Metallgewerbe ist noch immer als sehr flau zu bezeichnen. Mainz, Offenbach, Kassel, Worms und Frankfurt a. M. melden noch immer großes Überangebot von Arbeitskräften dieser Branche und teilweise sogar weitere Beschränkung der schon redu- . zierten Arbeitszeit. Eine größere Maschinenfabrik am Rhein , laßt schon längere Zeit nur an 4 Tagen in der Woche je einen . halben Tag arbeiten. In der Holzindustrie ist die Bauschreinerei ' noch schlecht beschäftigt, besser dagegen die Möbelschreinerei, doch sind auch hier die Arbeitskräfte noch immer leicht zu bekommen. . Dagegen herrscht schon seit Monaten hauptsächlich in den kleineren Städten und auf dem Lande ein ziemlich flotter Geschäftsgang in der Wagnerei, der auch im Berichtsmonat noch anhielt und war die Beschaffung ber nötigen Arbeitskräfte oft nicht sofort möglich. Im Bekleidungsgewerbe ist der Beschäftigungsgrad im allgemeinen noch xufriedenstellend zu nennen. Die Beschaffung der Arbeitskräfte machte aber keine Schwierigkeiten, nur in Kassel war Mangel an Schneidern. Die Defchäftigungsgelegenheit im Buchdruckergewerbe hat sich noch nicht gebessert: in Frankfurt a. M. verblieben z. B. Ende Juni 77 Arbeitslose (27 mehr als zu der gleichen Zeit im Vormonat). Der Geschäftsgang in diesem Gewerbe wird bis zur Mitte des Berichlsmonat sogar als schlecht bezeichnet. Die Portefeuille- und Sattlerwarenindustrie war im allgemeinen nach Meldungen aus Offenbach besser als im Vor­monat beschäftigt. Aus derselben Stadt dagegen wird von der Schuhindustrie eine Verschlechterung der Lage gemeldet, die nicht nur auf den auch sonst eintretenden etwas ruhigeren Geschäfts­gang nach Pfingsten zurückgeführt wird, sondern auch auf die allgemeine wirtschaftliche Depression, die die Händler mit den Herbstausträgen und Nachbestellungen zurückhalten läßt. In ver­schiedenen betrieben dieser Branche wurde die Arbeitszeit auf 7 Stunden pro Tag reduziert. In der Chemischen Industrie war der Beschäfttgungsgrad in Oestrich, Winkel, Mühlheim und Fechenheim gut, wenn auch nicht derart hervorragend, daß da­durch das große Heer der arbeitslosen ungelernten Arbeiter in nennenswerter Weise verringert wurde, die doch sonst gerade in dieser Industrie noch am leiästesten Unterkunft finden. Durch diesen Ueberfluß von ungelernten Arbeitern war wenigstens die Landwirtschaft in ber Lage, ihren Bebarf an Arbeitskräften ohne Schwierigkeiten zu becken, wenn auch bas Material nicht immer ein erstklassiges war. lieber ben Dienstbotenmarkt liegen Mel­dungen, mit Ausnahme von Darmstadt, nicht vor. Es ist aber auch nicht anzunehmen, daß die Lage für die Arbeitgeber, wenigstens was ben weiblichen Dienstbotenmarkt anbelangt, besser geworden

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foiveit Meldungen von ben kommunalen dezw. Kreisarbeitsnach- weisen und Herbergen zur Heimat Vorlagen, 8296 Stellen ver­mittelt (gegen 8472 im Vormonat-, darunter: Bingen 1, Diez 1, Wildungen 1, Homberg (Ae>z. Kassel) 2, Eltville 3, Wiesbaden (Herberge zur Heinrafi 5, Corbacy 6, Eschwege 7, Marburg 11, Worms 12, Oberlahnstein 14, Fechenheim a. M. 16, Fulda 16, Darmstadt (H. z. H.i 17, Kreuznach 18 Wetzlar 25, Herborn 26, Kreuznach (H. z. 28, Weilburg 38, Hanan 4o, Gießen (H. z. H.- 62, Frankfurt a. M. lH. z. H.) 71, Gießen 135, Limburg a. L. 147, Friedberg i. H. 192, Witzenhausen 273, Worms 285, Offenbach a. M. 287, Darmstadt 367, Mainz 554, Kassel 746, Wiesbaden 1274 und Frankfurt a. M. 3571.

Bei den Ortskrankenkassen in Kassel, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Gießen und Friedberg haben, was die Versicherungs­pflichten anbelangt, die männlichen und weiblichen Mitglieder abgenommen, bei den Kassen Frankfurt a. M. und Fulda nur die weiblichen und bei Worms nur die männlichen versicherungs­pflichtigen Mitglieder. Eine Zunahme der versicherungspflichtigen männlichen und weiblichen Mitglieder ist eingetreten bei ben Kassen Offenbach, Kreuznach und Wetzlar und bei Worms ist die Zahl der versicherungspflichtigen weiblichen Mitglieder ge­stiegen. Die Zahl der fteiwilligen weiblichen Mitglieder hat nur bei Worms und Gießen abgenommen, ist bei Darmstadt, Fried­berg und Wetzlar unticräubert geblieben unb hat bei allen anderen Kassen zugenommen. Die Zahl der fteiwilligen Mitglieder hat zugeiwmmen bei den Kassen in Käfiel, Offenbach a. M., Wiesbaden,

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H > Fecht zu erhalten. Bekannt ist die lebhafte Flotten- itation, die feit einigen Monaten eingesetzt hat und die ;e des in England so sehr verhaßten Deutschen Flotten- t TcinS ganz bedeutend hinter sich läßt. Das Ziel ist der freinlächtestandard, und die Bewegung hat die Bevölke- vng so ergriffen, daß die liberale Regierung, die ursprüng- uh sich den Plänen auf einen schnelleren Flottenausbau i versetzte, nicht anders konnte, als dem Drängen nachzu- Icben unb den Beschlüssen des Parlaments auf eine schnellere lerstärlung der Seestreitkräfte zuzushimmen. In dieser usicht kann es für die Engländer heißen:Lieb Vaterland, tiaft rulftg sein!" -umal auch die Kolonien sich bereit rQart haben, an dem Flottenausbau mit^uwirken, und i ch sonst bereit sind, den größten Teil des eigenen Schutzes u übernehmen. Dies bedeutet für Großbritannien eine be­achtliche Entlastung, weil ein aroßer Teil seiner Streit- rjftc in einem Weltkriege durch die Verteidigung der Kolo- rien in Anspruch genommen würde. Ganz anders dagegen f\bt es mit den Landstreitkräften, die ja seit je ein Kreuz fit die Engländer bilden. Auf diesem Gebiete ist im Laufe lcr Jahre viel herumexperimentiert worden, alle möglichen i nrichtungen sind getroffen, aber zu dem einen grund- l. -jenbcn Schritte, der der Wurzel des Uebels mit einem Male (helfen würde, kann man sich absolut nicht entschließen; ie Einführung der allgemeinen Heerespflicht. Von er- oprenen Offizieren wird diese Institution dringend gefor-

So erhebt Lord Roberts mit Macht seine Stimme (für, aber die Mahnungen verhallen ungehört, der Eng- nber kann sich nun einmal nicht dazu entschließen, zwangs- üfe in einem stehenden Heere zu dienen. Für die Miliz itb die Freiwilligen begeistert man sich allenfalls, weil diese riegsspielerci nur ziemlich kurze Zeit dauert, aber den i strengenden Dienst, wie man ihn in Deutschland und (tberen Ländern des Kontinents zu leisten hat, scheut der . urchschuittsengländer und überläßt dies Leuten, welche das Idateuhandwerk als Beruf betreiben. Der jetzige Kriegs- : inister Haldane versucht alles mögliche, um die Wehrkräfte V'X' Landes zu erhöhen, Divisionen werden aufgestellt, große s tanöverübungen veranstaltet, aber man hat doch das Be- (chtsein, daß alles dies unzulängliche Mittel sind. Es >ißt nun, daß man den in Südafrila und Jüdien bewährten :neral Kitchener an die Spitze eines Reichsgeneralstabes tflcn will, mit der Maßgabe, die Heeresorgawisation zu (erwachen und zu kontrollieren, um auf solche Weise mög- ichste GleickMäßigkeit in die Truppenteile des gesamten cttifchen Reiches zu bringen. Ob dies möglich sein wird, freilich eine andere Sache, denn auch in den Kolonien le steht die Wehrkraft überwiegend nur aus Milizen und ob tiefe allzugroßen Wert haben, ist zum mindesten fraglich. Kluch die Wahl Mcheners wird wenig nützen, wenn man ficht, wie gesagt, das ganze System von Grund auf ändert. Zinmerhin aber darf man nicht außer acht lassen, daß En^ zland eben Seemacht ist und bleiben wird, so daß fein Lan.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

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diese ist nicht zu leugnen so reif unb vollendet auch schon in den 70 er Jahren viele Bilder sind), immer wieder findet, ist die schlichte, sozusagen selbstverständliche Einfachheit unb die Innigkeit, mit ber das Motiv ergriffen und durck-gesührt wird. Bei KüniÜern von der Art Hans Thomas verliert die Frage, ivelcher Schule oder Richttmg sie angehören, ganz ihre Bedeutung unb auch ganz das Interesse. «.«,<.

Er hat nie anders als aus innerem Drange, aus der Freude, an der Schönheit, die sein begnadetes Auge sah, geschaffen, und die Ausdrucksrnittel sich ohne Rücksicht auf irgend eine herrschende Mode selbst gebildet. Er war aus Naturnotwendigkeit Maler und dichter in dem Sinne, daß er Empfindungen und Stimmungen, die der Tickter mit feinem Mittel, Dem Worte, ausdrückt, mit ber Farbe so roieberjugeben versuchte, wie sie fein anbächtiges Herz empfand. Tas tft ihm nun bereits in ganz unmittelbarer Weise bei ben Bildern aus ben 70er u. 80er Jahren gelungen, die man auf ber Ausstellung in einer besonders guten Auswahl studieren kann. Aber so ganz voll unb reich und ganz persönlich Hingt es uns doch erst aus ben Bildern ber letzten V/8 Jahrzehnte ent­gegen. Hier ist bic innige Verschmelzung mit bem Geiste ber Natur vollendet, unb bie Technik bietet bem Meister die Aus­drucksmittel, um auch bie feinsten unb stabilsten Schwingungen der Empfindungen lviederzugeben. Ruhige, ftifle, andächtige Lebensfreude das also ist das Element, in bent sich Hans Thomas, des beutfeben Meisters, Kun ftam reinsten unb restlosesten verkörpert. Die mythologischen Szenen, namentlich ber Ausdruck ber jauchzenben Ausgelassenheit, gelingen ihm weniger, zumal wenn man an Ludwig v. Hofmann oder an Böcklin denkt. Die Entwick­lung zu seinem heutigen Stil war eine innere Notwendigkeit, das läßt diese Frankfurter Thoma-Ausstellung überzeugend er­kennen. Eine Auftählung einzelner Bilder zu geben, würde doch zu roeit führen. Man sieht viele Hauptwerke (sthralsburg", Paradies",-Sommer",Kahnfahrt"Laurerbrunner 2al", Gefilde ber Seligen"), aber auch vieles, was man selten ober gar nicht bisher zu sehen Gelegenheit hatte. Die Ausstellung ist eine schöne Huldigung zum bevorstehenden <0. Geburtstage (20. Oktober) bes Meisters. Dr. Z.

Seit ein paar Jahren hat ber Frankfurter Kunstverem, ber jetzt unter zielbewußter unb weitblickender Leitung steht m jebem Gommer eine große, mehrere Monate lang dauernde Ausstellung kremfMitet, die in ber Regel das Lebenswert einer bedeutenden .'liiastlerpersönlickfleit umfaßt. Die diesiährige gilt Ö ans I noma, einem Meister, dem zu huldigen Frankst^ beionbe^ : Ursache hat, denn er war lange Jahre selbst em Franksurter . 1-nl hat hier seinen Ruhm wachsen sehen, freilich hier auch hart im Anerkennung ringen müssen. Aber er hat auch viele irreunbe Mer gefunden, die ihm seine Bilder abgekauft haben, und die tont heute bie Erfahrung machen können, daß das Mäzenatentum Msweiün zugleich ein gutes Geschäft ist, denn die Preise, ber st über von damals und von heute geg eneinander gehal tert, zeigen, W) em Spekulieren in Bildern oft ebenso einträglich ist, wie der Rntauf von Wertpapieren und Grundstücken. So kommt es,daß kr größere Teil der Frankmrter' Thoma-Ausstellung hmigeit toivaten Kunstfteunden zu banien ist, bie ihre Schatze bereittotllig Wieben haben. Die Ausstellung vereinigt mehr als 100 Biwei, uni) bie Auswahl ist so getroffen, daß aus ^tten Lchaffensepochen b« Meisters Belegstücke vorhanden sind, von 1870 cm aus '^Auch' ^die Jahre vor 1870 sind vertreten, aber bie drei bilder aus detst Jahre 1857, 1861, ^9 ste^M vereinzelt rr als charakteristisch gelten ^ fointeu. ^anbsthaft von

1357 würde kaum jemand den spateien -thoma erkennen, weder in lei Farbe, noch in ber ZeickMtng, wMti man bie Wahl des !h-mas, bas ruhige, träumende Bersenktfem in die Natur als rinnt Wesenszug Thomas in Anspruch.nehmen w^lb Eim un- kTfennbarc Einheit ber Per, öackichkeit bleibt denn als Ender geb ms, reim man die lange Reihe ber in etoft wid.

'('jiebeiicn Bilder aus ben übrigen Jahren durchiuustert. Un- Miicin mannigfaltig finb die Motive aus ber unrgel^Men <i>elt, ):e des Meisters Phantasie angeregt unb zur Gestaltung be rudjtct haben. Landschaften meist von: Chmiakter ruhiger, Mer Stimmung zuerst auS der deutschen veunat, water vielfach kdotive aus Italien, dazwischen eine Zeitlang mit Vorliebe mytl)o- k>gische Szeneii, Nixen und Faum im Vollgemme des Dafems, tetircfjeiteu (Großmutter unb Enkel ober Kruder)zenen), ab unb pt ein Porttät, wenn ein Kopf bas Maler äuge besonders^ an« i.ijte unb endlich ivieber Rückkehr zur heimischen Latidst.)ast: h-j ist bas Ergebnis einer Wahrsck)ou über bie uiel]eiligen Ehernen

Meisters, wie sie die Ausheilung zeigt. Ta-5 ^Einheitliche |mn, das sich bei allem Wechsel ber Väalweise löte]er ist nicht jn Leugnen) unb bei aller Vervollkommnung ber Technik (auch

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___________ .ecmacht ist und bleiben wird, so daß sein Land­ler erst an zweiter Stelle kommt. Allerdings tonnte im Hinblick auf die Fortschritte der Technik sehr wohl einmal dec Fall eintreten, daß England gezwunaen wäre, zu seiner Verteidigung auch die Landstreitträfte yeranzuziehen, und htm dürfte es um Albion ziemlich schlecht stel-en.

Worms und Gießen, ist sich gleich geblieben in Darmstadt, Fried­berg i. H. unb Wetzlar unb hat abgenommen in Frankfurt a. M., Mainz, Kreuznach und Fulda.

Tagung bes deutschen Bauernbundes.

S.u. H. Graubenz, ben 19. Juli.

Der ivcugegrünbete Deutsche Bauernbund hielt hier zum ersten-' mal eine Versammlung ab, zu der über 600 Ansiedler und Bauern! erschienen waren. Landwirt Moritz (Wilhelmsaue) wies den Vorwurf zurück, daß ber Bauernbund einen Keil in die Landwirt­schaft treibe. Die Führer im Bunde der Landwirte finb Wege gegangen, auf denen zu folgen uns nicht mehr möglich war. Reichstagsabgeordneter Wachhvrst de Wente, der Vorsitzende des Bauernbundes, schilderte dessen Entwickelungsgeschichte. Warum sollten die, die auf gemäßigt liberalem Boden stehen, nicht mit- rofrfen können zum Wohle der Laiidwirtschaft. Die Landwirtschaft hat es doch sehr nötig, auch diese sJ)tänner vor ihrem Wagen zu sehen. Wenn der Herr Major Endell aus Posen im Deutschen. Landwirtschastsrat es ausgesprochen hat, daß die Grvßgruudbeü'-er bie geborenen Führer ber Bauern seien, so sei bas ein Rriß- ttauensvotum dem Bauembunbe gegenüber. (Lebh. Zustimmung.) Reichstagsabgeorbueter Sieg berechnete ben Bettag ber neuen Steuern in Reich, Staat und Kommune auf beinahe eine Milliarde. Herrn von Hetidebrand bliebe es Vorbehalten, den Einwand weg­zuwischen, als ob die Konservativen die Erbschaftssteuer gblehnten, weil sie ben Familiensinn zerstöre. Für die Konservafiven waren im Grunde nur politische Beweggründe maßgebend. Von den konservattven Abgeordneten war in diesen Tagen vergessen wor­den, daß sie Komprvmiß-Kandibatvn sind und daß, sie Rückfichr zu nehmen haben. Der jetzige Reichskanzl-er ist ein Philosoph unb einer der gebildetsten Leute im ganzen Reiche, aber seiner gaw- zen Charakteranlage nach fehlt ihm die gepanzerte Faust, bie heute ein Reichskanzler haben muß, um im Reiche Ordnung zu halten. Hoffeittlich entwickelt er sich noch nach bieser Richtung hin. Eines aber ist sicher, ein Kanzler, der es wagen sollte, die Ostmarken- polittk zu opfern, für Zentrum und Konservative, der würde weggefegt werden, wie Spreu vom Winde. Bei der mißglückten Finanzrefvrm werben bie erwarteten 500 Millionen ausbleiben und auf die jetzige Gesetzesmack>erei wird eine Reformgesetzes­macherei folgen, bei ber man die Erbanfallsteuer wieder hervor­holen wirb. Das Erstarken bes bäuerlichen Gedankens kann auch ich von meinem Standpunkt als Großgrundbesitzer aus wür­digen. Er ist der Zwillingsbruder vom Mittelstand, mit dem er in Stadt und Land lebt unb ioebt. Die Treue zu Kaiser unb Reich muß seine Devise sein, bann kann ihm niemand einen} Vorwurf machen. Reichstagsabgeordneter Löscher kam auf bie vom Fürsten Bülow gewünschte Grabinschrift,Hier ruht ein grarifcher Reichskanzler", zu >prechen und meinte, daß dem Fürsten _______ .. . _ _ _ . Zülow von ber beutfdjen Bauernschaft eigentlich bie goldene Jn- stbotenmangel nicht mehr gesprochen werden kömw. schuft gesetzt werden müßte:Hier ruht ein deutscher Reichs- für sei, daß gegen ben Berichtsmonat im Bor-1 fanj(ct/ ber ber deutschen Landwirtschaft volle Gerechtigkeit wider- .'ir<4w>nho Wnhrfipn mpfir i'.tr fS"-rrtffßrf*ihilTro FAnrr» Sim» hprlilhrrn ii'in'

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