Ausgabe 
23.1.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 19

auch die Aerzte treffen soll, die schon feit Jahren in Italien ansässig sind, bedeutet es eine große Härte. Sowohl int Interesse der in italienischen Kurorten praktizierenden deutschen Aerzte, wie in dem unserer dort Heilung suchenden Landsleute, wäre es daher gelegen, wenn die deutsche Re­gierung baldigst ein Gegenseitigkeitsverhältnis mit Italien anbahnen würde. Aber nicht nur mit Italien, mich mit England, dessen Kolonien deutschen Aerzten jetzt verschlossen sind, sollte ein solches Abkommen getroffen werden. Bei der in Bälde zu erwartenden starken Zunahme der deutschen Aerzte ist die Erleichterung der Niederlaffmtgsmöglichkeit im Auslande ein dringendes Bedürfnis.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. In dieser Woche wurde die direkte Telegraphenver- dtndung London-Karschi ((Souüeniement Bombay) über Teheran eröffnet. Die Enliernung beträgt 9000 Kilometer. Es ift die längste Telegraphenstrecke und vertäust fast ausschließlich über Land.

Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: es® 5L Red aktion: 112. Tell-Adr^AnzeigerGießen.

Gietzener Chealerverein.

Gesamtgastspiel des Grotzh. HoslheaterS und der Hosrrmstt in Darmstadt.

Der Troubadour.

Der Melodienreichtum Verdis bezaubert doch immer Wieder von neuem, bie Wirkung dieser UHufif scheint nimmer verblassen zuttvollen. Und so hatte denn auch die gestrige Ausführung dD^Troubadour* wiederum ein zahlreiches Publi- Bum ins Theater geführt, so daß alles big aus den letzten -Platz besetzt war. Die Aufführung selbst war nahezu muller- ziltlg, und die Darmstädter Gäste verstanden es auch dieses Mal, sich aufS neue in die Gunst der Zuhörer hincin- ziischmeicheln. ÄuSgezeichnet war vor allem die Regie des Lberregisseurs Val deck. Die einzelnen Bühnenbilder waren liS in die geringste Einzelheit sein und sorgfältig aus- xearbeitct und zu einer harmonischen Gesamtivlrkung abge- summt. Die prächtigen Bühnendekorationen waren vom Theatermcister (errn Jenny in Gießen hergcstelll Worden. Kapellmeister Kittel hatte die unsichtbare Künstler* shar des Orchesterraumes seil in der Geivalt seines Taklslockes Die Chöre, namentlich der Zigeunerchor und der Chor der Slonncn, waren sehr sicher und schön. Somit waren alle günstigen Vorbedingungen sür eine gute Gesamtaussührung gegeben. Die Solisten aber, auf die sich naturgemäß das Hauptinteresse des Zuhörers richtete, waren, roie, man es von den Darmstädtern ja nicht anders gewohnt üt, aus voller künstlerischer und stimmlicher Höhe.

Besonders angenehm wirkte die kräftige und so überaus sympathische Stimme des Herrn Dram sch (Graf Luna). Die Darstellung war ein wenig steif und unbeholfen; aber

Wirkung.

Sehr gut, gesanglich und darstellerisch, war der Fer­nando des Herrn Drapal. Frl. Ja nczak' als Inez, Herr de Leeuwe als Ruiz, Herr Sautier als Bote und Herr 5Notz als alter Zigeuner führten ihre Heineren Rollen sehr hübsch aus. # n*

Zulassung zur Praxis itt Italien. Die

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Lrlchetnl tätzlich mit Ausnahme des Sonntag«.

DieGietzener Zamtlienblätter" werden dem ,91ntct(ier viermal wöchenllich beigelegt, daS Itrdsblatl für den Krcfs Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirlfchaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

wieder gut. Sehr sympathisch wirkte auch dec Gesang von Frl. Suchanek (Leonore); schade war es nur, daß sich die Sängerin in den Koloraturpartien so große Zurückhaltung auserlegte. Die Stimme ist sehr weich und zart und wohl­klingend. DaS Spiel war gut. Auch Frl. A. Müller hätte als Azucena im 2. Akte vielleicht noch etwas mehr aus sich herausgehen sollen; die an sich schon schöne Wirkung diesei Partie wäre sicherlich noch um vieles gesteigert gewesen, so aber blieb hier die höchste Wirkung, die nur durch einen wilden TemperamentSausbruch zu erzielen ist, aus. Man denke, es ist doch eine südliche Sonne, die hier alle die schaurigen Er­eignisse von verhexten, geraubten und verbrannten Kindern, von Gift und Brudermord beleuchtet. Es sind heißblütige Menschen; und nun gar noch Zigeuner. Am wirksamslen war Frl. Müller im 4. Akte in ihrem Duett mit Manrico. Ihr Pia- niksimo war herrlich. Die Darstellung war im Allgemeinen aus- gezeichnet. Herr Wolf bot als Mcmnco mit dec Stretta des 3. Aktes eine wahre Glanzleistung. Ec singt nicht immer leicht und mühelos, aber hier tat er's. Die Stimme gewann förmlich mit den höheren Lagen an Feuer und Farbe und Glanz. TeS schönen Duetts mit Azucena ist schon gedacht worden, aber auch die Duette nut Leonore waren von ausgezeichneter

Gemaßregelte Zeitungen in Rußland. Sechs Petersburger Zeitungen, darunterRetsch",Storno" und die deutschePeterLd. Zig." wurden wegen Wieoergabe der Meldungen auswärtiger Blätter über den russischen Lockspitzel Azew mit Geldstrafen von 3001U00 Rubel belegt.

2 e r Sultan unwohl! Nach Londoner Vlattermeldungen aus Konstantinopel trat bei der Liebllngssrau des Sultans, die schon seit längerer Zeit unheilbar erkrankt war, vorgestern der Tod ein, der den Sultan außerordentlich betrübt Dem Blatte Jkdam zufolge desindet sich auch dec Sultan seit einigen Tagen unwohl. ________________________

Sottt:?che Tagesschau.

Aeoderung der Gefch'astZordnuug des Reichstages.

Die GefclKftsordnunc'.sb.mmii,ion des Reichstage» oeschloß in (tyrer freu Ligen Sitzung, daß sie in einer Besetzung von 28 Mit­gliedern für die ihr üoerwiesenen Anträge zu entsä)erden haue, dre sich aus das Znterveliation^recht usw. beziehen, daß lie auer fni Llle übrigen Fragen nur eine normale Besetzung von 14 Mit­gliedern Haven soll. Auf Grund einer Zusammenstellung der ixuijUneÜcii 3tage.i trat man gestern in bte BescpNltzsanung em iciü) zivar erstens üuer die F-rage: Wie Hut die Beya,».älung ein» erbrachter Interpellationen von Seiten dcS Reichskanzlers zu et» 5)1 gen? Angenommen wurden folgende Anträge: (LZ soll unter* schieden ivt-ioen, ov der Reichskanzler sich Zur sofortigen Bcant- Noortung bereit erklärt: in diesem Falle sofort; oder ob der Mieiä-slänzier die Beantwortung ablehnt: in diesem Falte so- bort Wenn dec Reichskanzler einen späteren Tag bestimmt, an b«mt er antworten will, ist zu unterscheiden, ob dicscr Tag inner» zwei Wochen von der Einbringung an liegt: in diesem Falle 1 en dem vom Reiässkanzler bestimmten Tage; oder ob dieser Tag außerhalb dieser Frist liegt: in diesem Falle kann der Ovetaivtng Erschließen, ob und wann er eine frühere Besprechung vorne hrnni lütU. Ties: Beschlußsaisung hat in einer der meisten drei Sitzungen o (yne Diskussion zu erfolgen. Wenn der Reichskanzler eine Er­klärung, ob urw wann er eine Interpellation beantworten wolle, nicht abgibt, bestimmt der Reichstag die Zeit der Besprechung. Ferner soll an der in der Praxis nicyt burchgestihrten Bestimmung t>er Gescl)ästsvrdnung sestgehalten werden, nach der der^ Prä­sident in der nächsten Sitzung des Reichstages den Reichs canzler mgi, ob und ioaiui er die Zuterpellaiwn beantworten werde. Schließlich wurde beschlossen, daß em Antrag auf Besprechung einet Interpellation, die der Reichskanzler beantwortet oder ab- Sckehitt hat, der lluterstutzung von 3U Mitgliedern bedarf.

6io üderraftheudeS Wahlresultat.

Bei der NeichSlagS-Ecfatzwahl in Siegen wurden ab­gegeben für Vogel (natl.) 17 924, für ßie. Wtumm fehtistl -soz.) 15 699 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt- Im ersten Wahlgange bekam Mumm 13 436 Stimmen' , fein chrlstllchsoztaker Gegenkandldat 957. Die National- Hbcralen hatten 7824, die freisinnige Vereinigung 4182, das Zentrum 3049 und die Sozialdemokraten 17u7 Stimmen.

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Unsere

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tätigung des DeutschNims zu verekeln trachte, und bemerkte, die Deutschen werden in Prag keinen Fuß breit und fernen Hauch dessen preiegeben, was ihnen gehört Wenn die bieaicrima nicht imstande fei, die Rechte der deutschen ©möenteii in Prag, an der . Slätte der ältesten denlschen Universität, Farben zu tragen und ihr Teulfchtiiln zu bet öligen, zu schätzen, so werde sie uiu so werugei den nalionalen Frieden schaffen können, dessen^Präliminarien ui einer Enquete ouegehandelt werden sollen. Redner appellierte schließlich an die Regierung, den Denlschen den erneÄ Kuliucstaatee ivütbigen Schutz angedeihen zu lassen. (.Leüall.)

Ausschreitungen farbiger Polizeisoldaten.

Die .Nordd. Allg. Zig." schreibt: Hebet Oie ÄuZschreitungen einigeravbiger Polizeifotdolen un Hinteriande twxi Sudlameiun, über die bereits private Metdnngen durch Die fresse gegangen sind, ist inzwischen auch der Bericht des ®ouveiirem-eni5 an amt- lieber Stelle enigetroffen. Stach demselben haben laiiochtich Po- lizeisotdaten der Station Fannde in Teng-Teng Jdiroere Aus-, jchreilungen gegen Eingeborene und HcmsjaS oeiub-i. Em em-! aeborener Häuptling ist' an den ertitlenen Verletzm^n geitorben. '2lnf dem Wege nach Jnunde, wohin die Schuldigen von dein Stationsleiler in Foto geschickt wurden, sind einige von den Te° hquemen desertiert und Haven sich dann vermu'Mch an den Kämpfen bei Baturi beteiligt, in denen wie oere.ts tcidjer gemeldet Leutnant Reuter tötlich v-erwnirdet wurde, vauptnrann Dominik begab sich alsvald persvlllich nach DrngTTeng und stellte et ne angehende Unterjuajung an. Zhc Ergebnis war, datz drei Polizeisvidaien zum Tode oeturteilt lvorden find. Einer von ihnen wurde, nou) ehe das Urteil vollstreckt wrrden konnte, von »einen eigenen, über die Ausschreitungen selbst in hvchltrm .Ucotzr' ausgebrai.-ten Stammesge>wsten gelyncht. L>er. Gour>etneut fral einen weiteten Bericht in Aussicht gestellt

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Kongostaat und d:utsche Diplomatie.

In der Vudgetrvmmi,sa)ri des prein-s.ages erklärte gestern t>et Staatssekretär dcS Ausinärtigen aus eilte Anfrage hm,tätlich des Ko n go sta a tes: Die belgisckL älegienmg machte uns bic Mitteilung, daß nach der Annahme der betceifenben Ge»etze durch twtd Parlament und deren Sanktionierung durch den Komg die i»uoerane Gewalt des Kongostaatcs am 15. Älovemöer aus Bel- Lieu übergegangen fei. Wir Haven von dieser Mitteilung Kennt- ir's genommen. Die Angliederung dos Kongo,toates an Belgien ist damit auül uns vollendete Tatsache geworden. Der Staatssekretär besprach sodann die Haltung Deutschlands in der Angliederungsfrage und fuhr dann fort: Der Umstand, dag, Deubschlaud der Uebetnahme deS Kongostaatcs durch Belgien kcuicr- ld Sck-wiecklgkeiten bereitete, bedeutet nicht, daß Deut,wrand als Signatar her Kongo-Akte mit allem, was fia) im ehmiaiigen tlongvstaat zutrug, einverstanden ist. Auch wir hatten Manches On den borügen Verhältnissen auszusetzen. Wir Haven aucr stllö angenommen und sind auch jetzt üoerzeugt, daß unter belgifayer Tercscl)ast eine Sanierung der in der Oesfentlichkeit |o viel gerügten Zustände eurtreten werde. Zum Schlüsse der Sitzung der Buoget- Lmmission kündigte der Staats!etcernr eingehende pltit-- Teilungen über die Frage des diplomati> cuen Lienstes. Er halte es sür aussichtslos,diedeut f ch c Diplomatie nur mit Worten gegen d ie vielfachen Nngtisseer-solgreichzuverteidig en. deren Gegenstand ssie namentlich in der Presse gewesen sei. Die Drpwmatie müsse stich das Vertrauen, das ihr an manchen Stellen gegenwärtig nicht bezeigt werde, durchTaten er­werben. Aber er wolle doch das Eine betonen, dag, bie Angriffe gegen unsere Vertreter im Auslande, sowie man sie näher prüfe, meist sich in nichts auflösen und der greifoaren Unterlage ent» Mehren. Vielfach ici auch die irrige Meinung vertreten, daß die Politik ihren großen Zweigen von unseren Vertretern brauben bestimmt werde. Tie Zentrale allein leite die ^litik im Dllgrmeinen wie im Einzelnen; sie allein habe die Verant- yortung zu tragen und übernehme sie in vollem MaM.

Angelegenheiten Böhmens.

In der gestrigen Sitzung des österreichischen Abgeordneten- lauses gelangten fünf Dringlichkeitsanträge, die Angelegenheiten Bödmens betressend zur Verhandlung. Abg. Wolf jchilderte Oie Noc'älle in Vrag, wo man den Teuifchen dg? Leben und die Be°

Srtzuttg Oer JsraOiöcrorOnctcn«

Gießen, 21. Jark.

(Schluß.)

Gelanderrwerb für die Bahn Lollar-Londorf.

Der Vorsitzende gibt Keniunis von dem Urteil des Kreis- ausschnsses. des Kreises ßrict-berg bezüglich der Ausbringung dec St oft eti für den Geländeeriverb zur Nebenbahn Lollar-Londori. Tie Stadt ist (wie wir seinerzeit beamteten), zur Zahlung von 45,69 Proz. der Geländeeaverbskoslen per urteilt worden. Tas machte nach einer damaligen Berechnnng rund 107 OUO 'Ulf., welche Summe fiel) inzwischen auf 113 975 $IL erhöht Hal. Tas Urteil wurde in Friedberg mündlich verkündigt, ist aber bis jet-t der Stadt noch nicht 'zugesiellt worden. Tagegen hat die Landes- bypochekendank am 31. Dez. v. I. sich schrnlllch erboten, den auf die Siadt Gießen eiufnlleiiDen Anteil Oer GeländeerwerbLkosten, die semerzeu von Oer Bank vorgelegl worden sind, auf die eiaöt zu überschreiben. Ter Vorsitzende hat ihr geantwortet, daß der Stadt em Urteil bis jetzt nicht zugegangen jet unO sie unter allen Um° ständen Relurs veriolgen werde. In diesem Sinne beantrage er jeut schon, gegen das Urteil Oes Kreisansichusses zu Friedberg Be- ru'ung emzuiegen und Geh. Zuiuzral Dr. Guisteisch zu ersuchen, die Siadl auch »ernerhm m der Angelegenheit zu vertreten.

Stadtv. Haubach findet es sehr mectwürdig, daß eine Bahn gebaut werden tonne, Oie kaum einen Vorteil für Oie Stadt biete, ihr aber erhebliche Spier awerlcge. Tte Lage von Gießen an der nordlvestlichen Grenze bringe ihm ohnehin viele ^Nachteile m Bezug aui feine Verlehrsverhällnisje, da die preußische EitenbahnpoMik naturgenräß die Interessen der preußischen Orte -u fordern fuchs. Er erinnere nur aii die Führung der Bahn ins Hinterland von Niederwalgern au-, die den starten Verkehr zwischen Giegen und 'öcin Hinterland zugunsten von 'jJiarburg sel;r beeinträchtigt habe. FrmM,rt wurde even'alls zu unguiiltcn von Gießen bevorzugt- Taß die kleruereu oirerhefstichm Städte unter sich bessere Bahn­verbindungen haben wollen, sei natürlich tuib nicht zu beanltaubcn. Gießen habe aber dadurch manche -Had)teile, weshalb man er­warten dürfe, daß den Gießener Verkehrswünschen feine Hinder­nisse bereitet würden. Statt dessen mache man ihm stets -Lchwterig- feiten, wie man bei der Entwickelung Oer Kleebachtaldahn- Angelegcnheit »ehen könne. Er ersuche unseren Landtag-abg. Dr. Gul flei sch, diese £ tilge nn Landtag zur Sprache zu bringen.

Siadw. Tr. Gutf letfch ist mit den Ausmhruugen deS Vorredners vollständig einoerfiQnben. ES feien teilweise dieselben, die er in Friedberg vor dein 5lreisausjchnß gemacht habe. Die Grunde des Urteils feien zwar noch nicht bekam-t, aber für ihn siehe fcfi, daß es zu Unrechi ergangen fei. Von einer Aussprache mi Landtag verspreche er sich nach trüberen Ernährungen nicht all* zuviel, aber er werde bie Sacl»e zur Sprache btrngen. Wie sehr man Gießen m fernen Bahuivunschen vernachlchfigr habe, habe inan bei der ttoiizefsionspLtlängerung der Liebertalbahn gesehen. Während Gießen mit Vorarbeiten für die eventuelle Erwerbung der Bahn und ihre Verlängerung ins Hinterland beschäftigt ge- wesen sei, haue der damalige ^Teisrat von Bechtord auf Ansvage der Regierung, ohne die Stadt in Kenntnis zu setzen, einfach erELart, der Stonzejsionsverläugerung ständen Bedenkcu ntdjt un Wege. Gießen sei in den letzten Jahren geradezu von Bahnen umzingeU: worden, die ben Verkehr von hier abzietzen. Man habe aber nichts gesagt und den anderen oderhrssischen Städten die Bahnen wider* jpcucys- und neidlos zukommeit lassen. DaS werde uns aber letzt schlecht gedankt, wie bas Urteil ui der GelänbectWerb-Ange- legenheit beweise. Ohne unfer Zutun, gegen unseren Wlllen und ohne uns zu fragen ist die Bahn gebaut worden, veren Altert Gießen jetzt mitoezahleu soll. Ec fei der Ansicht, baß bas ixü Gesetz nicht richtig auslege, wenn es üblich werbe, die Ltodte zu Bahlwaukosten hecaitäuzieheii, an beneu sie höchstens un cm* serntesteu Sinne interessiert sei, bann geoe es keine Grenzen mehr nnb bie Neigung bet Städte, irgendwelche BaHnbouten zu unter* stützen, werde erstickt, z. B. Ur Gießen hinsichttrch der Bahn aaü) Mrichstein. Tie Eittscheiduirg sei deshalb gesol-rllch für bie wirtschastlichen Jnteresjen und die Finanzen der,-Städte. Er sei dafür, daß man das Urteü auf jede Weise angreue.

Stadv. Heichelheim teilt mit, daß bie Erlaubnis zur Vor­nahme ber Vorarbeiten zur Kleebachtalbahn inzwifchen erteilt würbe und von ber Handelskammer bereits bie ersoroerlicheti Schritte eingcleitet wurden.

Stadtv. Dr. Biermcr führt aiis, es sei nicht zu bestweiteik, daß Preußen in Eisenbahnsragen von seiner Macht rücksichtslos

WU f« Ru dem t»n bet wn des Bvubcs ben^ otcnrciormcr veramwlN or;ra; con Dr. Strecker r -ie ftbWn GumdlaW k itcrjeiorm*, ter am M enb 8*;; W m v°iel M r-ofl von -Ceficn

fontöR, dm L. Jim. M. Sc-

Usammenkunf

?t Sammd Qiinj, (»QierfaüK Komman^

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ionntaß, den 21. Januar U WW zum Tünsberq.

Sbfahvt &* «ach RMb- iftt wüllommev.________

Deutsches Ueich.

Der vorgestrige Vortrag des Reichskauz* lers beim Kaiser dauerte ztvei Stunden, stand aber nicht im Zusammenhang mit der angeblichen BersttmmanL der Konservativen gegenüber dem Kanzler.

Zum 5 0. Geburtstag des Kaisers kommen, wie jetzt fcststeht, sämtliche deutsche Bundesfürsten nach Berlin, mit Ausnahme des 88 jährigen Prinzregenten Don Bayern, der sich seines hohen Alters wegen durch feinen ältesten Sohn, den Prinzen Ludwig, vertreten läßt.

Die Spannung zwischen den Konservativen u n d d e m F ü r st e n B ü 1 o w hat ben Berliner Mitarbeiter des PariserMatiw' veranlaßt, den konservativen Abge­ordneten von Treuenfels zu interviewen. .Herr von Treuen- sels legt die bekannten Gründe ber Konservativen gegen die Erbschaftssteuer dar und meint dann, die Konservativen würden lieber die ganze Finanzresorm scheitern lassen, als diese Steuer annehmen. Ter bei den Konservativen durch die Landtagsrede Bülows erzeugte schlechte Eindruck habe fich verschärft.

Das deutsche Weißbuch über Marokko ist dicuckfertig abgeschlossen. Der stellverlretende Gesandte in Tanger, v. Wangenheim, ift der Bearbeiter, er begibt sich in den nächsten Tagen auf seinen Posten nach Athen.

Landtagsneuwah linBerlin. Nur un 12. Ber­liner Wahlweise soll eine Landtagsnenwahl vorgcnommen werden. , t ~ r

Das sächsischeWahlgesetzist gestern in der Fas­sung der außerordentlichen Wahlrechtsdeputalion von der Zweiten Kammer mit großer Mehrheit angenommen worden.

Zn der Steuerkommission des Reichstags beantragten die Nationalliberalen bei dem zur Beratung stehenden Gesetzentwurf über das Erbrecht des Staates, die Beschränkung der Großeltern auf die Borerbschaft zu slreichen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit ange­nommen. Ebenso wurde Artikel A des Entwurfes mit 15 gegen 13 Stimmen angenommen.

AttsLan-.

Die König ick von Englano hat sich eine leichte Er­kältung zugezogen, sodaß sie daö Zimmer hüten must Tieier Um- sUuw läßt ine Befüichllmg laut lueioen. Vast bte Königin mög- licherwriie nicht rutztzeitig wieber reisefertig sein wirb, um, wie aepiaill, an Dem Berliner Besuch des Königs teilnehmen zu können. _________________________

ber Geiana mochte diese geringe Unvolltomiuenhctt reichlich!Münch. Med. Wochenschr." schreibt: In Italien wird dem- oer ^cian9 »wcyie . ' ----- ein Gesetz durch die Volksvertretung angenommen

werden, das für die zahlreichen in Italien ohne italleu. Diplom praktizierenden deutschen Aerzte einen schweren Schlag bedeutet. Die Ausübung der ärztlichen Praxis sott in Zukunft von der Eintragung in die schon besteheudett provinziellen Aerzteverbände abhängig gemacht werden. Nur Aerzte aber, die in Italien approbiert sind oder üt einem Sanbe, das italienischen Aerzten Gleichberechtigung gewährt, können diesen Verbänden beitreten. Damit würde also den deutschen Aerzten an der Riviera, am Gardasee, in Rom usw. das Recht, bei ihren Landsleuten zu praktizieren, ge­nommen. Soweit das Gesetz rückwirkende Kraft besitzt, also

Zweites Blatt 139. Jahrgang Samstag Ä3. Januar 1909

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General-Anzeiger sür Gderhessen