Erstes Blatt
ISS. Jahrgang
Mittwoch 21
S
4
■
e
tS
General-Anzeiger für Gberheffen
=5
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
KL
gelotet lvurde, i|t von Leiche zerstückelt worden
Tie
war.
»
Günstigste
ras
£«S
Otto
Hessische
k
1
ä'S' 55
7c C
*
Marokko.
König Alfons ist nach Madrid abgereist, um dem Ministerrat zu präsidieren. Auck Ministerpräsident Maura hat sich aus Santander nach Madrio begeben. Tie Nachrichten aus Melilla machen Frosten Eindruck. Neue Verstäriüngen werden sofort über Malaga nach dem Riff abgehen. Augenscheinlich ist dec ganze Riff im Aufruhr. Spanien wird 50 000 Mann auf die Beine bringen müssen, um wirksam kämpfen zu können.
Der Kampf bei Melilla zwischen den Spaniern und Mauren dauerte 12 Stunden: im ganzen waren daran 2000 Spanier und 6000 ?Nauren beteiligt. Diese bewiesen eine ganz hervorragende Taktik, indem sie unter guter Benutzung des Geländes durch Scheinangriffe die Aufmerksamkeit von der Stelle, wo der Hauptangriif erfolgen sollte, abzulcnkcn suchten. Tiefer begann gegen 9 Uhr abends. Trotz^des mörderischen Artilleriefeuers drangen die VUruren mit größter Todesverachtung durch die Traht-
Gretzettev Stad.theater.
Prima Ballerina.
Operette in drei Akten von M. Reimann und Schwarz. Musik von Otto Schwarz.
Hindernisse der spanischen Hauptstellung vor, so daß es an vielen Orten, auch bei den Geschützen, zum Handgemenge kam. General Marina war unaufhörlich in der vordersten Front und spornte die Truppen zum Aushalten in der Verteidigung an. Um 3 Uhr morgens war der Angriff abgeschlagen.
Tie Streitkräfte der Marokkaner bei dem letzten Kampfe bei Melilla betrugen über 6000 Mann, während die Zahl der spanischen Truppen, die ihre Stellung verteidigten, sich nur auf 2000
Mann belief. Gin spanischer Unteroffizier, der von dem Feinde ictötet lvurde, ist von diesem ^ortgeschleppt worden, nachdem die ie Mauren versuchten, die Leichen -
teile zu verbrennen: es gelang jedoch den Spaniern, den toten Kameraden dem Feinde abzujag^n. Auch die Marokkaner erhallen Verstärkungen, besonders von algerischen Kabylcn. Ter heilige Krieg ist proklamiert worden und ein kräftiger Widerstand der Marokkaner dürfte zu gewärtigen sein.
Bei der Einschiffung von Truppen nach Melilla kam es in Barcelona zu Zwischenfällen. Junge Leute rotteten sich zusammen und zogen mit dem Rufe: „Rieder mit dem Krieg!" durch die Straßen. Die Polizei trieb die Menge auseinander und verhaftete mehrere Personen.
2.-!
3
Nr. 168
?t-r Gießener Anzeiger «rscheinl täglich, außer tzonnlags. - Beilagen: i iconfil wöchentlich LießmnLamilienblliUer; -weiinal ivöchentl.llreir- tlaitiütdenllreisGietzen f. icnstag und Freitag); jwcimal moitatl. Land- virtschas!ljche3eitscagen slernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlagu.Expedition 51 Adresse für Depeschen:
rinzetger Gießen.
Annahme von Anzeigen
isböi-Äck
:ßg, Mittwoch u. Steil: bei \* sbäcker Noll, Mäusbur»
Juli 1909
<rezug-)^rcr^.
monatlich 75 Ps.,viertel- jäl-rlich Mk. 2.20; durch Abhold- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post SDlt.2.— oicrtel- jahrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal IbPf., aufwärts 20 Pfennig.
Verantwortlich
für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und .Periiuschles" K. Neurath; für,Stadt u.Land" und »GerichtS- faal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.
s oornttuags^^'uk" Rotctfonsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinörurferei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulftraße 7.
für
"ahrrä^er
”8)
2 .
5|=;
«e.li
M 0.
? e
S^sS-C®.
Bä
--«LZ
2Ä
e.v
2^
3 k
’s
OK
-.5 - V h
Aolitijche Tagesscha«.
Aus dem Orient.
Wie amtlich mitgeteilt wird, besteht nicht die Absicht, aus Anlaß des türkischen Rationalfestes am 27. Juli eine Amnestie zu erlassen. Auch der Belagerungszustand wird nicht aufgehoben werden.
Der Vertrag der Türkei mit den Orientbahnen wurde durch eine Jrade des Sultans bestätigt.
Die türkische Kammer hat mit 99 Stimmen gegen neun Stimmen den Artikel 4 des Vereinsgesetzes, durch den na- tionalpolitische Vereitte verboten werden, angenommen. Die Verhandlung t>.rf.f sehr stürmisch.
Die Haussuchungen bei der griechischen Bevölkerung werden von den türkischen Behörden energisch fortgesetzt. In der Umgebung von Kacallria beschlagnahmten Soldaten versteckt gehaltene Grao-Gewehre und verhafteten mehrere griechische Dorfbewohner.
Ter neue persische Herrscher iit am Dienstag nachmittag unter großem Jubel der Bevölkerung aus Saltanata- bad in Teheran ecu gezogen u.io hat im Palais Wohnung genommen. Die Rationalisten und Bachliaren brachten ihm lebl-afte Ovationen dar. Ein Zwischenfall hat sich nicht ereignet.
e
=5.V
Mein Lager von tüWM Mi Wd" ta Marken Dürkopp, Weil, Mars, Triumph „itundohneTorped«- Freilauf
Garantie,verkaufen* heute, um * räumen, b°^ unter Preis. P«/.
<5 _ S e u C
" " 4)^
Sdäjj
>ieSlciben nAÄh'
die Pflicht, Garantien zu fordern, bevor sie die von chr verlangten Mittel bewillige. Ministerpräsident Eiern en- eeau wandte sich in scharfer persönlicher Rede gegen Del- ccrfse, indem er sagte, die Kammer möge erklären, ob Telcasse, welcher durch seine Politik Frankreich zu der Demütigung von Algeciras geführt habe, das Recht habe, einer Regierung den Vorwurf der Sorglosigkeit inbetreff der Vorbereitung der nationalen Verteidigung zu machen. DelcassS erwiderte mit heftigen Angriffen auf die parlamentarische Vergangenheit Clemenceaus und erinnerte an dessen feindselige Haltung gegen F-erry. Hierauf rechtfertigte Delcasss seine eigene auswärtige Politik. Sodann wurde zur Abstimmung geschritten und die Priorität der von der Regierung angenommenen Tages er Jourde mit 212 gegen 176 Stimmen abgelehnt. (Große Bewegung.) Ministerpräsident Clemeneeau und die übrigen Minister verließen den Sitzungssaal und boten alsbald gemein i am ihre Demission an. Präsident Falliörcs nahm die Demission an, ersuchte aber das ^babinett, einstweilen die Geschäfte weiterzuführen. Er bat Clemeneeau, über die politische Lage mit ihm zu beraten.
pcter Kronen^ Tel 680 Süd-W
Was Ausstattung und Darstellung zu tun vermögen, um einem neuen Bühnenwerk den Erfolg zu sichern, das war bei der gestrigen Erstaufführung der PrintaBallerina geschehen, nnd so ist es weiter kein Wunder, daß es auch Md dürftig und auch die Ausführung zeigt an keiner Stelle eine einigermaßen angenehme Fülle. Ein richtiger, schrnäch- tiger Operettentext, über dessen Albernheiten man hin und nieder einmal lacht.
Die Musik ist ziemlich oberflächlich und im allgemeinen .tickst viel wert. Recht hübsch ist das Kuß-Duett, das Oalzerquartett und das Vorspiel zum dritten Mt. Da ist Lcurte und Melodik. Auch das Lied vom Hahn jifstl ganz
Die Zuschauer unterhielten sich sehr gut, denn mit fMfe einer kunterbunten Verwechselung ist immerhin eine Mrütlick)e Spannung gewahrt, bie dann in einer schließlichen Verlobung chr gutes Ende findet.
Leitung und Darstellung hattcn alles aufgeboten, was ton Erfolg sichern kamt, wie sich denn überhaupt die feit» irrigen Operetten einer ausnehmend guten Einrichtung zu eirfreuen hatben. Tie Bühnenbilder waren geschmackvoll iub farbenprächtig zusammengestellt und verrieten den fEigen Regisseur, der sich eine weise Beschränkung.aufzu- erlegert vermag. Fränzi G r o ß k o p f spielte die Prima Ballerina mit guter Laune und fand in Bruno Hildebrandt al8 schneidigenc Ziethenhusar einen tüchttgen Partner. Recht Msch und humorvoll, wenn auch etwas übertrieben, war Kichard Hel sing, der auch die Leitung hatte, in seiner trottelhaften Rolle als Roderich und Edgar Pauly als Wachtmeister. Lore Scholz war eine reize icke „alte Schachtel" und Gret-e Brill ein sehr nettes Mündel. Willy Sch wind war als Peter reck)! gut und brachte namentlich das Lied vom Hahn sehr hübsch zur Geltung. Von den ülrigen wäre noch Paul Urban als Ballettmeister zu er- wähnem Die von Lina Oldini getanzle Gavotte wurde sehr schön ausgeführt und fand auch sehr starken Beifall. Das Orchester lvurde von Alfons Mourot flott und sicher geleitet, und so vereinten sich alle Kräfte zu einem hübschen, freudigen Gelingen. N.
Max Klingers Mrnumentü!gema!de.
Dy. Leipzig, den 15. Juli 1909.
Unter den glänzenden Festakten, die das Festprogramm der dreitägigen Universitätsjubelfeier in Leipzig vom 28 —30. Juli vorsieht, vermißt man mit einigem Staunen die feierliche Enthüllung des aewaltigen Wandbildes, das der gründlich erweiterten Aula der Universität von Max Klingers Hand beschert worden ist. Es ist einstweilen nur von entern Festakt in der Wandelhalle der Universität am Morgen des 30. Juli die Rede, bei dem das Standbild des Königs als Rektor mggnificentissimus (von Prof. Seffiter; enthüllt werden soll. Bon einer Feier in der Aula aber verlautet nichts — und doch bedeutet die Fertigstellung des Ricseubildes, an dem DLax Klinger feit drei Jahren malt, ein künstlerisches Ereignis von so weittragender Bedeuttmg, daß sie ganz von selbst als die Höhe dieses iocitangelegten akademischen Jubelfestes erscheinen müßte! In den neunziger Jahren bereits war die Regienmg an Klinger mit dem Austrag einer Ausmalung der Aula zum 500 jährigen Universttätsjubiläum herangetreten; cs zerschlug sich indes jener Plan, um erst vor etwa drei Jahren wieder aufeutaudjen und nunmehr feste Form anzunehmen. Seit jener Zeit arbeitete .Klinger an dem großen Wandbild, das zum erften Male seiner- lange gehegten Sehnsucht nach einer £ei|tung größten Stils auf dem Gebiete der Mowumen.almalerei Befriedigung gewähren sollte. Man hat ihn als den genialsten Graphiker des modernen Deutschlands gebührend gepriesen, hat seinem eigenartigen bildhauerischen Schaffen Aufmerksamkeit und Anerleunung aezollt — nur dem Maler stand mau zögernd und imeittschlossen gegenüber. Sein „Christus im Olymp", fein „Parisurteil", die „Blaue Stunde" regten in ihrer Zwitterstellung zwisclwn Monumentalmalerei und rein koloristischer Pointierung scharfe Diskussionen an, aus denen sich eine bündige Klärung des Urteils nicku ergeben wollte. Um so mehr lag es Klinger am Herzen, einmal in größtem Umfang darzutun, was ihm als Maler vorschwebte, einmal zu beweisen, was er auf diesem Felde künstlerischer Tätigkeit zu geben imstande sei. In dem ihm von der Stadt erbauten Atelier mackste er sich an die Arbeit, entwarf die Kartons zu dem zwanzig Meter langen, sechs Meter hohen Bilde, das er dann im Lause dieser drei Jahre vollkommen eigenhändig, auf alle sonst üblichen HUfskräste verzichtend, vollendet hat. Ende Juni ist nun die Rieseuleinwaud ans dem J-nterimsatelier in die Ank» über führt worden; dort legt Sthnger zurzeit die letzte Hano an sein Werk, immer noch ändernd und aroeitend an den Details und vor allen Dingen die harmomsckte Einfühntng in den etwas bunten Deforationsstil der Aulaarchr- te'tur überwachend.
Das Gemälde, das 4Vs Met^r über dem Boden in die den Fenstern gegenüberliegende weltliche Längswand der Aula cin- gejügt und von wrinthischen Pilastern flankiert ilt, geht unmrttel- bar 'in die Heimat des Klingerschen Schaffens zurück, es zaubert oie großen Zeiten des alten Hellas heraus- Aber das Charak-
Dsutsches Reich.
In österreichischen Blättern wird ein Besuch des deutschen Reichskanzlers bei Kaiser Franz Josef ungetündigt. Es ist richtig, daß Herr v. Bethrnann-Holl- weg sich mit der Absicht eines solchen Besuches trägt; über den Zeitpunkt der Ausführung aber steht noch nicksts fest. Ebenso ist noch nicht bestimmt, wann der Reichskanzler seinen Wunsch, sich dem König von Italien vorzustellen, ausführt. Vermutlich erfolgen beide Besuche int Herbst.
Der Kais er ließ dem Fürsten Bülow ein prachtvolles Blumen-Arrangement überreichen. Tas Fürstenpaar ist am Dienstag vom Parkhotel in Kleün-Flottbeck nach dem Dampfer Augusta Viktoria gefahren, um morgen die F^hrt nach Norderney anzutreten. Sie kehren Mitte September für wenige Tage nach Klein-Flottbeck zurück und begeben sich dann nach Italien, wo sie den Winter verbringen werden.
Von verfch-iedenen Zeitungen ist die Nachricht verbreitet worden, daß die preußische Staatseisenbal)nverwalrung beabsichtige, in Eit- und Personenzügen die Frauenab- teile äbzuschasfen. Wie die „Nordd. Alla. Ztg." erfährt, ist von einem solchen Vorhaben nichts bekannt.
Bei der gesttigen Reichstagsersatzwahl im zweiten pfälzischen Wahlkreise (Neustadt a. H.) fielen auf Dr. Oeh 1 ert (Ver. Lib.) 9105 Stimmen, auf Huber (^oz.) 8384 Stimmen, auf Dr. Lehmann (Bd. d. Landw.) 2487 Stimmen und auf Sieben (Ztr.) 7056 Eitimmen. Eine Reihe Ortschaften steht noch aus, doch dürfte Stichwahl zwischen Dr. Oehlert und Huber erforderlich, sein.
Das älteste Mitglied der bayerischen Kammer der Reichs- räte, General der Infanterie von Fri-es, ist im 86. Lebensjahre gestorben.
Die Nnanzkommission der württ. Ersten Kammer hat einftimmig beschlossen, von der Denkschrift der Regierung über die Bildung eines deutschen Staatswagenverbandes Kenntnis zu nehmen unter folgeilder Erllarung: Die Kommission sieht in dem Verband einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem engeren Zusammenschluß der deutschen Eisenbahnen. Sie ersucht die Regierung auf die Errichtung dieses aus nationalen Volks-
Die Nordlandsahrt der Kaisers.
Die „Hohenzollern" ist am Montag nachmittag 5i/2 Uhr tei schönstem Wetter, von der Festung und dem Panzer< I sch ff sjiorge mit Salut empfangen, in Bergen eingetroffcn I Lnb rin ihrem gewöhnlichen Platze vor Anker gegangen • ’akurzem Besuch des deutschen Konsuls Mohr und des -ommaudanten Generalmajor Rissen bestieg der Kaiser s iie Swaluppe, um den gewohnten Besuch bei seinem alten » Bekannten, dem Schirmfabrikanten Eriksen, zu machen. Bei | .ier Landung geriet die Schaluppe in den Schären fest, mrde jedoch sckinell iviedet flott, ohne sichtbaren Schaden I -enommen zu haben. Der Kaiser verweilte zwei Sttmden
Eriksen. Um 8 Uhr ging der .Kaiser wieder an Bord V 5n ig Haakon traf um 12i/j Uhr in Bergen ein, wo | ,-r vom Minister Treutier und dem ehemaligen Minister ich eisen an der Station empfangen wurde. Der König .. nafon stattete alsbald dem Kaiser an Bord der „Hohen ( allein" einen Besuch ab, den der Kaiser sofort erwiderte. A 1 n 1 Uhr gingen die Majestäten an Land. Um 2 Uhr ; „ab der König zu Ehren des Kaisers auf Floeien bei | ’ ergen ein Frühstück. Bei der Frühstückstafel brachte König jaaton in einer kurzen Ansprache/seine Wünsche für einen \1 i igenehmeri Aufenthalt Kaiser Wilhelms in Norwegen zum I ins druck! und trank auf das Wohl seines Gastes und auf |l .aö der kaiserlichen Familie. Der Kaiser dankte für den II iftfreicn Empfang und sprach seine besten Wünsche aus ir Norwegen und sein Königshaus. Llm Abend fand ein I Tiner an Bord der „Hohenzollern" statt, zu dem außer |l utm König Haakon und seiner näheren Umgebung auch
• üiaatsminister Attchelsen und Konsul Mohr geladen waren. 1 Der Kaiser fährt am Donnerstag mit den: König auf || her Bergens bahn bis zur höchsten Gebirgs-Station Finse.
Der Sturz öcs französischen Ministeriums.
Das Ministerium Clemeneeau, das sich seit 20. Oktober -H f 06 — eine für französische Verhältnisse ungewöhnlich lange U tdt — im Amt befindet, ist gestern zirrückgetteten. Es > : nrzte, weil ihm die Kammer bei der Absttmmn.ng über die I Il iitersuchungsergebnisse der Marinekommission ihr Ver-, -men versagte. Die entscheidenda Kammersitzung rnrhrn Wsslgenden Verlaus:
In der Verhandlung über die Marine hat endlich der ■ lllarineminister Picard das Wort ergriffen; er wendet ■ : d) gegen den Pessimismus, der besonders im Bericht der 5 1 itersuchungskommisfion vorherrsche, und bemüht sich, den .ündrtlck dieses Berichts zu mildern. Im weiteren Verlauf 4 )cr Beratung errtärte Emmmruel Brousse, Frankreich habe ■ '.r' Milliarden für die Marine aufgewendet, besitze aber in ■ Lahrtzüt feine Marine. Als Heilmittel schlägt der Redner H;)»r, die Politik aus der Marine zu verbannen. Sodann dlte Delcasss eine herbe Kritik an der Flottenpolitik 1 ter hrei vorhergehenden Minister. Er erhob Sen Vorwurf, « teß für den Bail kleiner Schisse und für die häufige Aende- jj :mg der Pläne für die großen Kreuzer und durch schlechte || ^'llswahl der Schiffskessel große Vergeudung getrieben wor- 1 ten sei. Die Regierung habe ihre Pflicht verletzt, indem sie glicht geeignete Maßnahmen getroffen habe, um Unglücks- 11 falle wie bet der „Jena" zu verhüten. Die Kammer habe
teristische ist und das prachtvoll Künstlerische dabei: nicht die Menschen spielen hier die Hauptrolle, sondern die Natur, die in einer ganz wundervoll konzipierten und aufgebauten Landschaft vorüberzieht. Links schweift das Auge über ein in Sonne und flimmernden Lichtduft getauchtes blühendes Jnselland, schim- membe Gestade heben sich aus dem tiefblauen Archipel, ein Land ewiger Schönheit und Jugend breitet sich aus. Nach rechts zu schließt sich der Grund, hohes Gebirge umrahmt eine waldige Wiese, aus deren Vordergrund ein ticfdnnkler Teich mit sckpm- memben Lichtern hervorleuchtet. In diese Landschaftsdichtung sind nun zwei Szenen aus dem geistigen Leben der Blütezeit Griechenlands hmeingeflochten. Links Homer auf erhöhtem Felsen - sitz, einer Schar von sitzend lauschendem Jünglingen in erotischer Begeisterung mit weitausgestreckten Armen seine Gesänge zitierend, während vor ihm, aus den Fluten heraus, Aphrodite, den blauen Schleier lüftend, empocsteigt. Rechts auf der Waldwiese zwei ernste mäckstige Gestalten: Plato und Aristoteles, denen ein junger Schüler die Ankunft des in voller Rüstung Herbeiellen den Alexanders des Großen ankündet. Es ist also eine VerharrlicchinJ des griechischen Geisteslebens, die Klinger in diesen 37 Gestalten hat geben wollen, und dieses Thema paßt ja für die akademisck-e Oertlichteit, für die es geschaffen, vottrefllich. Dennoch, dem Künstler Klinger mar es nicht um Gedankenmalerei zu tun — er wollte vor allem als Maler wirken, daher dies UebeiTuiegen des Landschaftlichen über das Figürliche, daher auch dies Hervortreten des koloristischen Elements, das dem ganzen Bilde seine besondere Wirkung gibt. Es sind ftöhliche, starke, ungebrochene, prachtvoll weinarrderklingende Farbenakkorde, die auf dieser Leinwand aufbluhen, sie fesseln das Auge, ehe es noch daran benfr, sich die tieferen gedanklichen Reziehurrgen Har zu machen. Und doch liegt zugleich ein monumentaler Rhythmus der Linien in der großzügigen Gliederung des landschaftlichen Aufbaues. Deutlich sieht man mut, wohin Klingers malerisches Streben drängte — er hat in diesem llniversitatsbllde, darüber kann gar kein Ztveifel sein, eine Höhenleistung der koloristisch beseelten Monr- mentalmalerei vollbracht, die seinen Ruhm auf eine neue und breitere Basis stellen wird. Die Leipziger aber haben alle Ursache, dessen bei ihrer Jubiläumsfeier gebührend eingebenf zu sein.
*
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Die ftühere Leiterin des schleswig-holsteinischen Museums für vPrrländische Altertümy, F-räulein Prof. Mestors, ist in der letzten Nacht im Äebensj'r.bre in Kiel gestorben. — Der siebente Kongreß<be<5 internationalin Instituts für ZozioLoaie wurde gestern.irr Bern eröffnet — Zum gestern eröffneten Antralkotzol-KongreßinLondon überbrachte der deutsch Delegiette dce Glückwüniche des neuert deutschen Reichskanzlers den Erfolgen des Kongresses, für dessen Aufgaben der Kcrnzl'r das allergrößte Interesse hab?. — Tie 50iährige Doktors-'-r begeht heute der Proiessor der Ohrenheiltunde an Der 23 e r 11 n c r Unwerjität, Geh. Medizrnalrat Dr. trieb. August Lucae.
'r
- v
*-■- k-b
Spills: Q Öl u <4 y ."ä »-
' .2 a«vt-
Isl iBO &
--- u®*.'
SS ’J - C;
■Q ~


