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15.12.1909 Erstes Blatt
 
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die Post Mk.2. Dienet- jährt. aufe|d)L Besiellg. 3etlenpvet4: lokal 15'Uf^ auswän» 20 Pienniq. Gbctvebnheur: '21 Goetz, veraukwonlich fm beu poluijchen Zeil; August

monailich75V^ viertel- jährlich Atk. 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o 'UL; durch

Nr.294 Erstes Blatt 1a9.Iahrgarig Mittwoch 1».Dezember 1909

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Louahme von LnzetzeN 0/ a/ i I I I u. Land" und.Gerichts-

porn^naflTo'iib Bofafionsbrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch. und Stdubrnderei R. Lange. Rebaftton, Gxpebllion unb vruderetr Zchulstratze 7. Au^iaenie^b's"Bleck'

Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.

Die Nannermann'schen rtonzessionen in Marokko.

Ter Reichstag hat sich ausführlich mit den deutschen Interessen in Marokko, speziell den Bergwerkskonzessioncn der Brüder Mannesmann beschäftigt, und da darüber immer noch diplomatische Verhandlungen schweben, mag einmal ausführlicher dargelegt werden, um was es sich handelt.

Als Sultan Abdul A s i s in Rabat weilte, benutzten die Franzosen diese Gelegenheit, ihm Zugeständnisse unb Zusagen für sich selbst aus ihm herauszudrücken, die den Charakter einer wirtschaftlichen Monopolstellung hatten Teulschland hat gegen diese Abmachungen erfolgreich pro* testiert, weil sie der Akte von Algeciras zuwiderlaufen, die wirtschaftliche Gleichberechtigung seh setzt. Als nun nach der Entthronung von Abdul Asis Sultan M u l a y H a f i d im Gegensatz zu Frankreich an ein Syndikat von Deu.scheu, den Gebrüdern Mannesmann, Minengerechtsame ver­lieh, wurde von Frankreich derselbe Einspruch erhoben Offenbar liegt aber die Sache hier ganz anders, denn es handelt sich hier keineswegs um eine Monopolstellung der deutschen und darum um keinen Verstoß gegen die Alge- cirasakte. Wir finden in Berliner Blättern ein neues Gut­achten des Bonner Professors Zorn, der bekanntlich der Offizielle Vertreter Deutschlands bei der Haager Frieoens- lonferen^ war; in diesem Gutachten werden sämtliche, vom Staatssekretär Freiherrn v. Schoen am 10. Dezember 1309 im Reichstage verlesenen Einwendungen derUnion des inines marocaines" erschöpfend beleuchtet. Prof. Zorn w.ist ebenso wie vorher schon Lammasch die Haltlosiakeit dieser Einwendungen Punkt für Punkt auf Grund unerschütterlicher Rechtsprinzipien nach. Zorn sagt u. a.:

Zuvörderst muß hier abermals und nachdrücklich betont wer­den, daß es dem diplomatischen Korps nach der Algeciras-Akte, außer in den hier ausdrücklich ausgeführten Fällen, rechtlich in keiner Weise zusteht, ein marokkanischrs Staatsgesetz anzunehmen nt-cr abtzülehnen. Es ist geradezu frivole Willkür, eine solche Bc- Äug auszustellen. Durch die Rechtsgutachten von ersten

Lehrten der ganzen Welt ist zu absoluter Evidenz fest- gestellt, daß nach dem klaren Wortlaut der AlgeciraL-Akte ein m a r v k t a n i s ch e s M i n e n g e s e tz der Zustimmung des diplomatischen Korps Nichtbedarf. Ganz ebenso leicht­fertig uitb wertlos sind die weiteren Behauptungen von dem M a n n e s m a n n s ch e nM o n o pv l" und der dadurch bewirkten Verletzung der durch die Algeciras-Akre garantierten wirtschastlick/en Gleichheit". Es muß auch für diesen Punkt geradezu als frivole Willkür bezeichnet werden, solche Behaup- cungen aufzustellen Don einemMonopol" könnte doch nur die Neve sein, wenn die Mannesmannsche>n Konzessionen sich auf das ganze große Reich Ma­rokko bezögen. Ties ist aber in keiner Weise der Fall. Shir ein verhältnismäßig recht kleiner Teil des marokkanischen Bodens ist durch die Konzessionen den Brüdern Mannesmann zur berg- trertsmäßigert Ausoeutnng überlassen. In lotä^m Falle aver VonM onopol" zu sprechen, ist ein unerhörter Miß­brauch eines Wortes, das seinen anerkannten unb fe|i> bestimmten Sinn hat, in dem man von Postmonvpol, Telegraphen- monotÄ, Branntweinmonopol, Tabakmonopol usw. spricht. Man wüßte es ja sonst auch alsMonopol" bezeichnen, wenn etn Berg- tverlseigentümer allein, wie es sein Recht ut. sein EigerUum ousnützt Tie Mannesmannschen Konzessionen schaffen kernMo-

Giekzener Stadttheater.

Tiefland.

Von Eugen d'Albert.

tEesamtgastspiel des Großb. HostheaterS und der Hosmusik zu Darmstadt.)

Während soeben d'AlbertS neuestes Musikdrama ,Izeyl' Lei seiner Uraufführung in Hamburg und vor wenigen Tagen im benachbarten Frankfurt eingehende Beachtung bei der Kritik unb stürmischen Beifall beim Publikum gefunden hat, ließ »nS heute d.e Munifizenz des Theateroereins und das Ent- tziegenkommen der Generaldirektron des Darmstädter Hof- ähenterS hier dessen VorläuferTiefland', in einer, eS sei $on vornherein gesagt, vollendeten Aufführung kennen lernen. Lum erstenmal hat sich in diesem Werk d'Albert, vielen wohl mir alS der ausgezeichnete feinsinnige Pianist bekannt, dem Musikdrama zugcwandt, nachdem er zuvor schon sein reiches Können als Komponist, namentlich eine eigenartige und her­vorragende Charakterisierungskunst, in einigen helleren Opern ind Musiklustspielen, wie -Tie Abreise' und .Flauto solo', gezeigt hatte. Und in eigenartiger, ganz besonderer Weise )at er auch hier wieder die Aufgabe erfaßt und gelöst; so daß fein Werk wohl eine Anlehnung, oder bester Anknüpfung an lie venstischen Musikdramen eines Mascagm, Leoncavallo u. a. And doch ctwyS ganz Eigenes darstellt. Der Stoff des DramaS, Die inJzeyf, von Lothar bearbeitet, erinnert durchaus, licht nur im Lokalkolorit die Handlung spielt m Spanien an die Vorwürfe der genannten romanischen Muilldramen; tr ist reichlich sentimental angekränkelt und lägt beim bloßen Lesen des Librettos in seiner so unwirklich säuberlichen -oer- Jeilung von Tugend und Verderbtheit, Naivität und Nasstne- Aient, herzlich unbefriedigt. Sebastiano, der reiche Grün lerr, hat Alarta, ein armes Bettelmädchen, das er m ihrer Dunderbaren Schönheit hat tanzen sihen, noch al-^> ha e Lind zu seiner Geliebten gemacht. Schulden zwingen ihn, «ine reiche Braut zu suchen, die er auch findet; deren Bater riacht ober die Bedingung, daß er zuvor )em <erha in mit Maria löse. Er kann und will nicht von ihr tos, And um sie ewig zu behalten, aber doch die Be ingung zu erfüllen, will er sie an einen seiner Knechte, einen «einen Hirten Pedro, verheiraten, der mit ihr m ie Mühle ziehen soll, in die er ihren '-bettel - -boter «inst als Müller gesetzt hatte. Pe)ro hat bis dahm -allein hoch- m den Bergen die Herden seines ^errn ge-

nopol", sondern lasjen den weitaus größten Teil des marokkamscpen Bodens durchaus frei für andere Unternehmer, die sich gleichfalls Konzessionen vom Sultan ran Marokko erwirken können.

Mit der durch die Algeeiras-Akte garantiertewirtschaftliche Gleichheit", ferner haben die Manncsmannscheu Konzessionen schlechterdings gar nichts zu tun. Tic Algeciras-Akte garantiert diewirtschaslliäie Gleichlwit" nach dem Prinzip der sogen, offenen Tür". Und mit Recht erkennt man gerade in diesem 'Ihinit einen der größten Grundsätze der Algcciras-Aktc. Tas Hoist: Ten Angehörigen aller Nationen soll in gleiärer Weise, ohne jeden besonderen Vorzug einer bestimmten Nation, die Möglichkeit gewährt fein, im Gebiete des Staates Akarokko Hansel zu treiben, industrielle Unternehmungen zu gründen, sich überhaupt an der wirtsck^aflkichen Entwickelung Marokkos zu beteiligen. Tie Gc- trüber Mannesmann haben von dieserwirtschatllichen Gleicki- heit" den Gebrauch genutzt daß sie mit vieler Arbeit und vielen Gefahren, mit viel Kapitalausmand unb mit encrgisä)er Ini­tiative sich ein gewisses Bergwerlsgebiet beim Sultan gesichert haben. Lediglich von der durch die Asxieciras'-Aktc gesicherten wirtschaftlickien Frerheit haben die Brüder Mann^mann Gebrauch gemacht. Ter gegen sic erhobene Einwand, sic hätten dies Prinzip der Algeciras-Atte verletzt, entbehrt jeder Begründung; ja mehr als dies es muß mit altem Bewußtsein der höchsten Vcrantt wort!idffeit dies ausgesprochen werden, er ist gegenüber der angestrengten und mit großem Kapitalaufwand burchgejührten bcutid?en Arbeit eine Frivolität. Es wäre doch nicht mehr unb nickst weniger als sinnlos, wenn etwa behauptet werden sollte, der Sultan müsse nach dem Prinzip der Gleichheit verschiedenen Be­werbern je gleiche Teile an ein und derselben Konzession geben!"

Tie Bedeutungder MannesmannschenKon- Zessionen i n M a r o k k o für bie bcu schc Volksw.r schäft, jpe-siell für bie den sche Eiseninbustrie, tritt in nach­stehender, der , Rhcinisch-Westfäl schen Zeitung" aus Berlin zugegangenen Zuschrift klar zutage :

Die Rolle, bie Deutschland in den letzten Wochen in der Pariser internationalen Kommission gespielt hat, welche mit der Ausarbeitung eines marokkanischen Bergwerts- gesetzes beauitragt war, hat sogar in Frankreich einiges aller­dings crugenebmeS Staunen erregt. DieUnparteilichkeit" des deutschen Delegierten ist nämlich nach dem Zeugnis eings- weihter Franzosen so weit gegangen, daß sie beinahe wie Partei- lichtert gegen die deutschen Interessen gewirkt hat. Man hat nämltch in Frankreich durchaus nicht verstanden, warum Teutlch- iand, ohne EinspNlch zu erheben, die Oberleitung des marokkanischen Bergwesens praktisch Frankreich über» tassen will, und das in einem Augenblick, in dem die unwiderleg­lichen Rechtsansprüche des deutschen Marvkko-Minensyndikats es dem deutschen delegierten außerordentlich leicht machten, allen französischen Zumutungen mit dem Hinvxis auf die Unntöglichkcit, diese Reckstsansprüche zu annullieren, erfolgreich gegenüberzutreten. Obwohl mm der wn dieser Kommission ausgearbeitete Gesetz­entwurf in seinen Einzelheiten noch nicht bekannt ist, so steht doch schon so viel fest, daß seine ganze Tendenz dahin geht, die deutschen Minenkonzessionen durch eine Art juristischen Gewaltstreiches wenn nrrist ganz zu unterbrüden, so boch so weit zu schmälern, baß der französische Eisentrust auch in Dkarokko bie Oberhanb gewinnt. Wenn man beben ft, baß bieser selbe Trust bereits bie riesigen Erzlager Lothringens unb bie noch kolossaleren Lager bes Tschcbel Quenja in Algerien besitzt unb bemnächst wahrscheinlich mit ben großen schwedischen Erzbesitzern ein internationales Konsortium mfben wird, von dem bas eisenarme Teutschlanb binnen kurzem burchaus abhängig werden muß, so erscheint bie Tarangabe der deutschen Eiseninteressen in Marokko vom Standpunkte der deut­schen Bolkswirtschast aus als ein geradezu verhängnisvoller Fehler. In Marokko hat Deutschland die einzig mögliche Gelegenl)ell,

- _1. III I llliy i ihmi TATOirTm

hütet, monatelang oft ohne Menschen zu sehen; ohne je ein Weib gekannt zu haben, erbittet er eS sich all» abendlich im Gebet; als ihm Sebastiano seinen Willen mit- teilt, glaubt er sein Gebet erfüllt; mit sprachloser Rührung erfüllt ihn der Anblick der Schönheit Martas, unb voll Freude eilt er hinab ins .Tiefland^, zu den Menschen. Die empfangen ihn mit Spott und Hohn ob seiner

Arglosigkeit; Macta stößt ihn von sich und läßt

sich überhaupt nur durch den sie dämonisch be-

herrschenden Willen des Herrn zur Heirat mit ihn,

Vüingen. Aus der Abneigung gegen den, von dem sie glaubt, daß er ihre Schande kenne und sich habe verkaufen lasten, wird aber dann Zuneigung und schließlich glühende Liebe, die durch den Tod von deS Geliebten Hand ein sünd­haftes Leben sühnen will. Ec aber, der die Menschen im Tiefland verachtet und durch die Erkenntnis aus einem welt- iremben Hirten ein Mann geworben ist, will sie mit sich in die reine Luft seiner Berge führ-n; Sebastiano, der die Braut verloren hat und nun fein Ein? und Alles in seiner Geliebten sieht, will sie daran hindern; im Zweikampf er­würgt ihn Pedro und befreit ziehen sie nun beide in bie öerge,hinauf zu Luft unb Licht unb Freiheit." Man sieht, die Shiubolik be§ Tieflandes ist recht schwach begründet; aber Handlung und fortreißende Dramatik weist der Stoff auf. Wunderbar ist nun, wie d'Albert diese Dramatik für sich wirken läßt und sie doch durch seine Musik erst zu bem nicht nur neroenspannenden, sondern auch künstlerisch er» greifenden vollen Eindruck kommen läßt, den wohl alle Vörer heute haben auf sich einwirken losten. Melodramatisch fast mutet einen die Gesangssprache an, nur selten unter­brochen ober sich hre und da steigernd zu melodiösen Perioden, wirklicheLieder^ überhaupt Sur einzelne wenige enthaltend und diese mir mehr als Einlagen, wie das Tanzlied Sebastianos, die Erzählung Nuris von der Wette zwischen Engel und Teiisel übrigens em KabiiiettSstückchen musikalischer Charakterisierung in Orchester und Gesang Aber wie wirken diese melodiösen Steigerungen gerade in ihrer Seltenheit, wie die melodramatische rezitativarlige Sprache im übrigen auf bem Llnietgrunb bes malenden, oerknüpfenden, erläuternden Orchesters! Und wie prächtig steigert sich besten Sprache von ber Itiien Malerei der Sternennacht hoch oben auf den Bergen mit bem einförmigen Herdengelänte und der Htrtenp'eife an bis zu der stürmischen vonvärtSdrängenden Leidenschaft des zweiten Auszugs! Wie fein schildert uns das Orchester die

dem intemationnUii Eisenlcuft gegenüber bis zu eurem Wien Grade seine Unabhängigkeit zu wahren. Das von den Brüdrm Mannesmann geleitete Mcarvkto-Minenspndikat hat durch ver­briefte Reriüe Deutschland die Möglick.feit gesichert, feine (Eilen» Industrie mit Rohstoff zu versehen, ohne unter dem faubiiiii'djen Joch des französstcken Eisenringcs hindurck-zukriechen."

Man begreiit in ber Tat die Nachgiebigkeit unb selbst- losigleit ber deutschen Regierung nicht, und wir müssen immer wieder darauf zurückkommen, daß unser Staats­sekretär des Auswärtigen, v. Schoen, seinen Aiisgaben nicht gewachsen zu sein scheint. Man will betanntlim jetzt einen Ausgleich der Interessen beider Mineusynei.ate in Marokko erstreben, ba in beiden Siinbiialen Deutsche wie auch Fran­zosen vertreten seien. DieDeutsche Tagesztg." hat voll­ständig recht, luenn sie bie bürftigen Erklärungen des Herrn v. Schoen, ber im Reichstag immer wieber mit Verheißungen für ben Ausschuß aus wich, mit ber folgenden herben KrUU beglcuet: .

Zwei Aeußerungen des Frhrn. v. Schoen müssen wir be- sondcrs bemängeln. Er erklärte gestern, daß er nicht genauer darüber untemdtfet sei, in welchem Maße beutfdje Interesten in derUnion" und im Mannesmann-Syndikate vertreten feien; er konnte nidjt einmal eine ernschiedene Auskunft aus die J-rage des Abgoordneten Erzbergcr geben, ob das in letzterem in stärkerem Maße der Fall sei. Es muß doch außerardentlich besremden, nxnn der Leiter unserer auswärtigen Politik noch in diesem Stadium einer wichtigen Streitfrage, die schon lange int Mittelpunkte schwieriger diplomatischer Verhandlungen steht, über einen ihrer bedeutsamsten Gesichtspunkte so unzulänalich unterrichtet ist. Roch bciiernt) enber aber war eine Aeußerung des Herrn Staatssekretärs vom Samstag. Er meinte und machte sich damit eine in gewisser Weise völlig sinnlose Behauptung desfranzösijchen" Syndikats zu eigen, es wäre ja schr schön, wenn sich die Hvssrningen verwirkliriien würden, daß beutidie Interessen in Marotta ein Monopol der Erzgewinnung erlangen könnten. Von einemMonopol" ist bei der Konzession der Mannesmanngruppe absolut nicht die Reoe; ihr Anspruch erstreckt sich vielmehr nun aur etwa ein Zehntel bes marokkanischen Gebietes. Man kann nur a.nnehmen, daß e.'uch in diesem Punkte ber Frhr. v. Schoen! unzulänglich unterrichtet war, sonst hätte er doch eine Aeußerung nicht tun können irnd tun dürfen, welche nur als die Akzeptierung einer Terminologie ausgefaßt werden tann, die von französischer Seite angewandt wurde, um ein deutsches Interesse voc ba öffentlichen Meinung zu diskreditieren!

Auch in anderen deutschen Blättern w'rb solch scharfe Kritik geübt Wenn auf bie mitgeteilte amtlich bemen Vierte Behauptung berTägll Rundsch.", Herr v. ©l)oen habe im Reichstag sich vom fra.izösischen Geschäfts TrägerInstruk­tionen" geholt, alsbald ber Kaiser bem Staatssekretär sein Vertrauen auägebriuft hat, indem er sich bei ihm plötzlich zum Essen ansagte, so beweist das gar nichts. Es ist traurig genug, daß ein solch allerdings höchst sonderbares Gerücht auch nur einen Augenblick von jemand geglaubt werden konnte! ______________________

politische SagesSchcin.

Tie Einigung der Linksliberaleu.

Den Vorverhandlungen zur Einigung ber Linksliberalen geht es ähnlich wie den Vorbereitungen -ur dleform des preußischen Wahlrechtes: sie dauern lange und roerbeit ängstlich vor ber Oessenttichkeit gehütet.Der Einigungs­ausschuß ber brei linksliberalen Parteien hat seine Aufgabe mmaaMMMwaaMMMBMKMW iii»BanMMwn mtihh iiimm Liebcsltiininung, wie fein den reinen naiven Sinn des ein­samen Hirten, der von bem Weibe träumt, unb, als es ihm im Traume erscheint, bann die Gottesmutter sieht: ,Unb wie sie ging, ba neigten sich die Bäume, ba dufteten die Blumen stärker unb bie Vögel fangen, wie ich's nie gehört.' Ergreifend auch ist Dlartas Erzählung zum alten Tommaso, ergreifend' ihr Zwiegesang mit Pedro, das einzige Duett der Oper, Pedros Erzählung von seinem Kampfe mit dem Wolf u. a. Inuuer mehr wächst man so in bte anfangs so eigenartig anmutenbe Orchestersprache unb bie ganze Ton­sprache bes Werkes hinein, immer mehr zieht uns baS Werk in seinen Bann, unb eS ist der Musiker in erster Linie, besten Kunst unS festelt.

Die Aufführung, für die baS auSverkauste HauS mit jubelndem, nicht enden wollendem Beifall bankte, war auS einem Guß und restlos bewundernswert. Kaum weiß ich, wen von den Darstellern ich herauSgreifen soll; hatte unS doch Darmstadt seine Besten gesandt unb alle Rollen aus­gezeichnet besetzt. Die Tlarta Frl. GeyerSbachS und ber Pedro Herrn 6p em ann§ waren Glanzleistungen, waS Ge- >ang und namentlich auch Spiel anlangt; nicht weniger vortrefstich der Sebastiano des Herrn Weber, ber Tommaso oeS Herrn Stephani, bem man wohl eine größere Partie gewünscht hatte; überaus lieblich war die quellklare Nuri des Frl. Zeltler. Auch bie kleineren Partien wurden an­sprechend gegeben, baS Spiel des CgorS war ungezwungen und echt, Regie unb Scenerie vortrefflich. Tas Orchester unter Herrn Hofrat be Haan spielte vorzüglich unb darf auch für sich seinen ganz besonderen Anteil am schönen Ge­lingen des Abends in Anspruch nehmen. Schade war, baß an dem Schluffe des Vorspiels durch bas laute Rumoren auf der Bühne beim Szenenwechsel die feine Schönheit des Zwischenspieles fast verloren ging; wenn es nur um solchen Preis ging, hätte man lieber eine kleine Pause ertragen. Auch der Souffleurkasten hätte im allgemeinen weniger hör­bar sein dürfen.

Zum Schluffe sei dem Vorstand beS TheatervereinS Dank gesagt dafür, daß er Mühe und Kosten nicht gescheut hat, unS dieieS Wr-rk zu bescheren; Dank aber auch besonders der Generaldirektion des Großh. HostheaterS, die in uneigen­nütziger Weise unter Verzicht auf Gewinn uns nun schon so oft, wie auch heute wieder, einen solchen Genuß ermög­licht hat. *m-