Ausgabe 
23.1.1909 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.

A. Preisanfgabeu allgemeiner Art.

1.

fitten

2.

3.

4.

ländliche

2.

3.

Wie dem Wie

verschwenden?

Wieviel Arbeitszeit kosten uns die Wega

Erörterung ein, um dem ehrlickien Willen seiner Regierung Aus­druck zu verleihen, auch ihrerseits für eine liberale Anwendung des Vereinsgesetzes Sorge zu tragen.

Bevölkerung bestimmt.

B. Landwirtschaftliche Preisfrage».

wirken Geiz und Verschwendung bei Füttern der Milchkuh?

kann man am besten recht viel Kuttey

ständige Ausarbeitung legen, doch stellen wir es dem Ermessen eines jeden anl)eim, diese Ausarbeitungen in hoch­deutscher Sprache oder oberhessi,cher Mundart abzusassew Die vorstehenden Arbeiten unterbreiten wir allen unseren Abonnenten in Stadt und Land, die folgenden da­gegen sind der Natur der Sache nach vorwiegend für die

flfitatHtl aller?In# ttt werden sollten. « Mehrheit.)

jfer Geheimrat Fischer:

das- die Durchführung M erfolgen soll, und es wird :!ncn gädcn Rißgrifje vor­der Uebergangrzeit; n. Ich habt schon zu einer Reichs fache war, bei allen os tjorunt bei Landlage? den, und eS tourte toter mr icb das jetzt nach Ein» täte. 2er Redner tod\t in unter TmleML

Aus Stadt und Land,

(Sieben, 23. Januar 1909.

Preisausschreiben.

Der Vogelsberg hat sein Winterkleid augezogen, und Schnee und Eis liegen über Feld und Flur. Pflug und Egge ruht, und der Landwirt geht seinen häuslichen Be­schäftigungen nach, um alles für die kommende Feldarbeit vorzubereiten und sein Vieh und sein Haus in guter Ord­nung zu halten. Für sich selbst hat der Landwirt jetzt wieder mehr Zeit, als iu den crrbeitsvollen Tagen des übrigen Jahres. Um den warmen Ofen schart sich die Familie, sammeln sich Freunde und Bekannte, um Mei­nung und Erfahrung zu tauschen, um alte Erlebnisse zu besprechen, die längst einmal gewesen sind. Da fällt man­ches schwere Wort und manche gute Geschichte wird er­zählt aus ernster und heiterer Zeit, von Krieg und Siegen. Die Zeit geht dahin und mancher, der vieles zu erzählen ivüjjte aus seinem und seiner Freunde Leben, nimmt es mit sich ins Grab, wenn seine Zeit dahin ist. Wir haben uns daher entschlossen, wie im vergangenen Jahre so auch in dem laufenden unseren Lesern einige Prelsaufgaben mit sich ins Grab, wenn seine Zeit dahin ist.

Da nun viele dieser Erinnerungen es verdienen, der Nachwelt überliefert zu werden, haben wir uns entschlossen, unseren Lesern wie im vergangenen Jahre so auch in dem laufenden einige Preisaufgaben zu stellen, die der ober- hessischen Eigenart entsprechen und für unsere Mitarbeiter owohl, als auch für unsere Leser von größtem Interesse ein dürften. Außerdem haben wir z. T. solche Aufgaben gestellt, deren Inhalt nur den alten Leuten noch gegen- wärtig ist und die es wert sind, der Allgemeinheit erhalten zu bleiben.

Als wir im vergangenen Jahre zum erstenmal mit unseren Aufgaben an die Oeffentlichkeit traten, haben sie weit über das hessische Land hinaus Beachtung und Anteil­nahme gefunden. Männer und Frauen aus allen Kreisen der Bevölkerung haben im Verein mit uns gewirkt, haben Anregungen und Fingerzeige gegeben, um unseren Be­strebungen immer mehr Boden zu erobern und alle Kreise unserer ländlichen Bevölkerung zur Mitarbeit zu gewinnen, damit die ungehobenen Schätze an Erlebnissen, Geschichten, Sagen, Liedern u. a. zu Tage gefördert würden.

Wer immer sich an unseren Preisaufgaben beteiligen will, soll uns willkommen sein, und wie im vergangenen Jahre werden sich wohl auch diesmal die Pfarrer und Lehrer zu Anregung und Hinweis, zu Rat und Hilfe bereit finden, wenn es gilt, merkwürdige Begebenheiten zu er­zählen oder die geeigneten Leute zu ermuntern und zu beraten. Jeder, der Zeit und Luft hat, seine Kenntnisse und Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, ist uns willkommen, mit was und auf welchem Gebiete es auch immer sei.

Nach unseren Erfahrungen im vorigen Jahre scheint uns die jetzige stille Zeit am geeignetsten zu sein für den Landmann, um Betrachtungen und Erwägungen anzustellen und prüfenden Untersuchungen nachzugehen. Wir haben deshalb jetzt erst unsere Preisaufgaben gestellt und zwar erheblich mehr als im vergangenen Jahre, denn die da­maligen zahlreichen Bewerbungen haben uns mit guten, freudigen Hoffnungen erfüllt.

Wir stellen diesmal sieben Preisaufgaben; vier all­gemeiner Natur und drei für die landwirtschaft­lichen Kreise, die hoffentlich alle eine reiche Ausbeute ergeben.

Wir beabsichtigen also Preisauszeichnungen zu ver­teilen:

nrki (W wird Ik­onen bestossen.

1 Uhr: Desplchmig der

MmmMtzrbild gus dem Reichstage.

In der verstärken GejcÄistsordnungs'.owinission unlerhielt mein sich gestern über die von den Liberalen für die Geschäftsordnung vor geschlagene Bestimmung, daß an die Besprechung von Inter­pellationen Anträge geknüpft norden können. Nur wenige Stunden später mußte der verdienstvolle Vorsitzende der Geschäftsorbuungs- kommission Tr. Junck sein Bedauern darüber aussprechen, daß dies nicht schon heute bei der Interpellation über das Vereins­gesetz möglich ist, da sonst der deutsche Reichstag dem Staats­sekretär v. Bethmann-Hollweg ein überwältigendes Vertrauens­votum für seine Handhabung des Lereiusgesel-cs aussprechen würde und brausender Beifall bekräftigte die Wahrheit dieser seiner Be­hauptung. Freilich wie das Hornberger Schießen ist die Be­sprechung dieser Interpellationen doch nicht abgelaufen. Noch niemals sind die aggressiven Absichten der interpellierenden Oppo­sitionsparteien so in das Gegenteil verkehrt worden, wie diesmal. Und der Sprecher der Nationalliberalen, Tr. I u n ü, der auf eine reiche Anwaltspraxis zurückblicken kann, sand laute Zu­stimmung für seine Behauptung, daß er noch niemals eine Be­weisführung erlebt habe, mit einem so roitbtigen und crdrücken- oen Veweismaterial wie hier. Die Redner ber. Konservativen, der Reichspartei und der liberalen Fraktionsgemeinschäft brachten oiese Uebnzemgung auch für ihre Parteifreunde zum Ausdruck und selbst der ?2bg. Go t Hein, der vor den Weihnachtsscrien einen sehr scharfen Angriff gegen Herrn v. Bethmann-Hollweg gerichtet hatte, gab in voller Loyalität die Erklärung ab, er habe sich da­mals geirrt, und wenn der von ihm bekämpfte Spracl^nparagraph nun einmal im Gesetz stehst so ist es nach dem Verhalten der polnischen GewerHchafterr auch durchaus berechtigt, ihn auf diese anzuwenden.

Herr Roer en, bet die Besprechung' einleitete, hatte eine peinliche Ausgabe. Das rheinische Zentrum hat so lange und so heiß seine polnischen Freunde umworben, daß es setzt nicht mehr gut zurück konnte. Ta zeigte denn Herr Roeren eine christ­liche Gesinnung, indem er nach den Worten der Bergpredigt handelte und die polnischen Freunde des deutschen Zentrums liebte, und segnete, die ihm fluchen, und wohlzutun suchte denen, die es beleidigen und verfolgen. Um daS zu rönnen, mufjte er nun schon wohl oder Übel die Tatsachen un£> Erfahrungen ignorieren und so behauptete er denn in das Höllengelächter hinein, das neue Veremsgesetz habe nirgends einen Fortschritt g.bracht, habe überall nur neue Fesseln gelegt, sei ein Ausnahmegesetz. Entzückt riefen ihm die Polen Bravo. Sie selbst kamen ebenso wie die Sozialdemokraten heute in der Bespreckmug noch nicht zu Wort. Für die Konservativen sprach ihr Vertreter bei der Beratung d.s Vereinsgesetzes, Herr Gans Edler zu Prittitz. Er stellte als das überraschende Ergebnis dieser Verhandlung die außer­ordentlich geringe Anzahl der Verstöße heft, mit denen die Inter­pellanten aufwarten konnten, und Tr. Junck nannte cs ein arm­seliges Material. Aus den süddeutschen Staaten ist über­haupt nicht eine einzige Klage gekommen und gegenüber oen wenigen Beschf.verden, die abgesehen von der polnischen Klage über das Verhalten untergeordneter Behörden in Preußen und Sachsen erhoben werden, führte Tr. Junck als Milderungsgrund an, daß in diesen beiden Bundesstaaten die Polizei es sich jahr­zehntelang zur Aufgabe gemacht habe, aus dem Gebiete des Ber- cinS* und Versammlungsrechts Lorbeeren zu pflücken. Sein Ver­trauen auf die Persönlichkeit des Staatssekretärs und auf die ehr­lichen Ansichten der Landesregierungen, die sehr bald für eine Abstellung dieser Mi^riffe Sorge tragen würden, ergänzt der Wortführer der freisinnigen Volrspartei, Tr. Müller-Mei­ningen, in einer überaus wirksamen Rede durch einen Appell an die Vertreter der Landesregierungen, die ec leben einzelnen l>er Reihe nach Unter allseitiger beifälliger Heiterkeit apostro­phierte arm sie zur Nachahmung der klugen Taktik der Regierung seines engeren Heimatlandes Bayern anzufeuern. Daß die Polizei- oureaufratie in Preußen und Sachsen schon in kurzer Frist von der Anwendung des Vereinsgesetzes ausgeschlossen werden könnte, wagt Der freisinnige piednec kaum zu hoffen, und er führte einige drastische Falle ihrer Betätigung an: der Freispruch, den er gegen diese beiden Regierungen fällte, hatte den Zusatz: aber, bitte, tuen Sie es nickst wieder! Indes in der Vertranenserklürung für Herrn o. Bethmann-Hollweg stimmte er dem Wortjülwer der benachbarten nationalliberalen Frakuion mit voller Freudigkeit zu, und ver­nichtend war die Abrechnung, dLe er mit den ihn um heulenden Nachbarn aus den sozialdcmokratisckien Bänken hielt bei seinem Rückblick auf die Beratung des Vereinsgesetzes vor einem Jahre. Mit den Polen beschäftigte sich der Redner der Reichspartei, der Provinzialschulrat Kolbe, aus gründ seiner in der Ostmark gewonnenen Erfahrungen. Ter einzige Däne im Hause Herr Hansen klagte über die Anwendung des Sprachenparagraphen in Nordschleswig, uni> der Abg. Dr. Ricklin mußte zwar für das Elsaß zugestehen, daß man sich dort unter dem Vereins­gesetz bisher durchaus wohl befinde; aber er benutzte die Gelegen­heit, zu einem Vorstoß gegen das neue Regirne in seiner Heimat und sprach Befürchtungeu für die Zukunft, die der neu ernannte uvmmifsar der Reichs ländischen Regierung, Geheimrat

Zählung eingeflochten;

für unterhaltsam geschriebene Berichte über die Er­eignisse im Jahre 1848 und ihre Wirkung in den einzelnen Gemeinden;

für gute Darstellungen aus der O r ts ge sch ich te, d. h. der Entwickelung, den Wandlungen und Ereignissen, denen der Ort im Laufe der Zeit unterworfen war;

für Schilderungen der Erlebnisse und Tätigkeit von

Oberhessen in Paris.

Wir betonen, daß wir hierbei großen Wert auf selb!-

venn man auch wollte."

Ob Fürst Bülow mit seiner Rede im Abgeordnetenhause die 6on ihm erhoffte Wirkung an einer sehr hohen Stelle erzielt M entzieht sich mchürlich unserer Kenntnis, aber die einzelnen Parteien sind von t*.cfer Rede nichts weniger als erbaut. Geradezu I erbost sind die Konservativen. DaS zeigte sich auf der Jahres- drrsammlung des Konservativen Provinzialvereins Westpreußens. Tort ertlärte bei; Abg. v. Oldenburg:Die Rede werde wesentliche Aenderungen der politischen Konstellation und ebenso eine g ro ß e Aenderung dec Stellung der Konser­vativen gegenüber dem Reichskanzler im Gefolge haben. Tie Nachlaßsteuer sei für die Konservativen unannehmbar. Tie Drohungen vom Ministertische werden diesmal nicht mehr ziehen. Auf Drohmrgen mit dem Rücktritt des R.eichswnzlers wird nicht, mehr eingegangen. Die Abgeordneten müssen mehr als bisher. Fwnt machen gegen Kompromisse. W«.r werden schützend iror dem König stehen und vor niemandem zurücktreten, nicht vor dmr Ausland, nichr vor den süddeutschen Demokraten, nicht vor

zurück, nach vorne!" Bezeichnend für die Stimmung der Konser­vativen Herren war auch die Mitteilung des Herrn v. OLenburg, daß er ein Telegramman den Reichskanzler, entgegen der der sonstigen Gepflogenheit, diesmal nicht abgesandt habe.

Es hat nach allem den Anschein, als wenn Fürst Bülow jetzt erst am Anfänge neuer schwieriger Kämpfe stehe. Nicht besser ergeht es seinen Kollegen in der Ministerpräsidentsckiaft Oesterreichs und Ungoi-ns. Ungeklärt ist die Lage in beiden Hülsten der Donau- monarchie, und eine neue Ministerrrisis kann heute oder morgen, hier und dort die leitenden Männer hinwegscgen. Wir hier in Gießen haben erst vor wenigen Tagen Gelegenheit schabt, aus Dem Munde des österreichischen Abg. Wolf die besten Aufklä­rungen über unseren österreich-ungarischen Verbündeten zu hören, und die unsagbaren Schwierigkeiten der österreichischen inner- politischen Fragen richtig zu würdigen. Die Aussührungen dcs Abg. Wolf haben uns den Rest mancher schönen Illusionen ge- n-ommen und uns auss neue gezeigt, daß da§ Deutsche Reich eigentlich keinen einzigen wahren unb treuen Freund in der Welt hat unb im Notfälle ganz allein auf sich selbst angewiesen ist. E. A.

politische Wochenschau.

Gießen, 23. Ibül ^Großes Kopfzerbrechen hat die Rede hervorgerusen, die Fürst Bülow dieser Tage im preußischen Abgeordnetenhause gehalten hat. Aenßerlich war kein rechter Anlaß zu dieser Rede gegeben, wenigstens schien cS der großen Masse der Uneingeweihten so. Verwunderlich war svdann, daß Fürst Bülow sich gerade das preußische Abgeordnetenhaus ausgesucht halte, um über die Nach- laßsteuer, M i n iste rv er antwort! i chkcit und Sozialistengesetz zu sprechen. Ihrer Natur nach, hätten sich diese fragen besser für den Reichstag geeignet Warum Bülow im Abgeordnetenhause gesprochen hat unb nicht im Reichstage, darüber findet sich in den Zeitungen ein lebhafter McinungSaus tausch, a'.is dem uns bis setzt nur das Eine hervvrzugehen scheint, daß man die wahren Leweggrunde nicht kennt Wie das Berliner Tageblatt übrigens von gut unterrichteter Seite erfahren haben will, soll in Hvf- kreisen der Wunsch bestehen, daß in die Novelle zur Abänderung des Strafgesetzbuches einige Bestimmungen auf genommen werden, die sich fdjätfer gegen die Sozialdemokratie kehren könnten. Fürst Zülow sei so wird versichert der Verwirklichung dieser Ißüufdje abgeneigt, und er soll seine sehr wenig geschickten Droh- sngen gegen die Sozialdemokratie nur vorgebracht haben, um jene HofLroise wenigstens einigermaßen zusriedcnzustellen.

Tie. Annahme, daß die ganze Rede eigentlich nur für den Kaiser bejtinrmt gewesen ist, hat sehr viel Wahrsck^einlichkeit. Man ioeiß es ja, daß wiederum geheime Kräfte tätig sind, den Kaiser itiib den Kanzler zu trennen. Tiefen Kräften entgegenzuwicken, ist doch offenbar die lange Rechtfectigung Bülows bestimmt ge­wesen. Daß Bülow gehofft haben mag, mit seinen Bemerkungen .über die Nachlaßsteuer auch nur einen der konservativen Gegner dieser. Steuer zu überzeugen, das sollte man der Klugheit Bulows nicht zutrauen. Diese Bemerkungen haben wohl einen ganz andern Zweck gehabt unb mögen den Patriotismus und die Selbstlosigkeit gewisser Kreise trefffid) illustriert haben. In diesem Zusammen­lange gewinnen auch die Ausführungen Bülows über ein Sozia­listengesetz nur die Bedeutung eines Rechtfertigungsversuches.

Wie man selbst in ausgesprochen national liberalen Kreisen über. Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie denkt, zeigt deutlich genug ein Artikel der Kölnischen Zeitung. Dort heißt «5 H. a.:Wir sind der Meiirung, daß diese T«ihung mit Aus­nahmegesetzen selbst dann verfehlt war, wenn sie nur eine Ver­beugung vor den Kvnservativen vorstellen sollte; denn diese sind zu kluge Politiker, um sich durch eine solche Fata morgana blenden M lassen Lebhaften Widerspruch fordert es heraus, wenn der Reichskanzler seine geheimn!svolle Schwenkung gegen die Sozial- Lemokeatie mit dem Satz begründet, die Sozialdemokratie ziehe ihre Listigsten Pfeile, ihre fchärfften Waffen aus den Köchern der liürgerüSen Presse, aus den Arsenalen der bürgerlichen Parteien. 53ir sind weit davon entfernt, alles gut zu heißen, was die Pac- inen unb die Presse des Büxgevtzums über die Sozialdemokratie gefugt haben, aber man sähe doch den Wald vor lauter Bäumen nicht, und es zeugte von einer gefährlichen Verblendung, wenn man sich der Tatsache verschlösse^ daß die UeLelstänbe des Lügimes, mit deren dleformicrung nun südlich begonnen wird, in erster Sieihe das sind, was die Sozialdemokratie gezüchtet hat und ihr Len Zulauf sichert. Hier hat haher zu allererst die Bes.erulrg «inzusetzen: man darf der SvLialbemokratie nicht als Scheibe Lienen und ihr ermöglichen, mL ihren vergifteten Psei.en so oji ind Schwarze zu treffen. EL ist daher vom Standpunkt des Liberalismus aus eilte recht unliebsame Ueöerraschung, daß die preußische Regierung und der Deutsche Reichstag noch immer der Hoffnung leben, die Sozialdem^ratie mit dem untauglichen Mütel ber Ausnahmegesetzgebung bekämpfen zu können. ES lüge aua, »ahe, zu vermuten, daß Füi-'st Bülow beabsichtige, damit den Konservativen einen Köder hiuzuwerfeu, um sie zu veranlassen, die ihnen widerstrebende NachLaßsteuer zu schlucken unb die ReichS- ßinanzreform zu sichern. AÜer eine solche Annahme hat kurze Steine, denn der Reichskanzlei: wie die Konservativen werden fick, darüber klar sein, daß Aui^cahmegesetze gegen die Sozialdenw- ftaten keine Mehrheit finbtti; der Versuch der Regierung, sie Lurchzusctzen, würde daher micht nur das Ende deS Blocks bc- Leulen, sondern auch die so üfotwendige Reform der Reichssinanzen »iiimöglich machen. Noch vor zwei Jahren hat Fürst Bülow aus den Siuf nad) Ausnahmegesetzen geantwortet, daß die Regierung eine Vermehrung ihrer Behagnisse bis jetzt nidjit für nötig halte, wnb wir meinen, inzwischen hätte sich die Lage denn doch nicht derart gestaltet, daß bad fßolf mit Zuversicht unb Vertrauen ber Siegieruiig Waffen in die Haub gäbe, um Millionen von Slaats- lücgern in eine Ausn-ahmcAvttrlng zu drängen. Wenn Fürst Bülow ten zuletzt 1895 gescheitLRerr Versuch, das Bürgertum auf den Stoben eines neuen Sozülliste-ngesetzes zu einigen, jetzt wieder auf rehmen wollte, so hätte tir. so ziemlich die ungeeignetste Plattform Lewöhll, die er fid) au suchen konnte, denn überall, wir glauben, Lis in die konservativen. Reihen hinein, hat sich mittlerweile die Keberzeugung festgesetzt daß man eine Partei, die 31 * */» Millionen Döhler ins Feld stelltz mir Polizeigesetzen nicht erdrosseln Lann,

für die besten Schilderungen von HochKeits- und -Gebräuchen, möglichst in eine Er-

(onsunte! Giessen und Ums*1 ässws« iae der Wiesbadener

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Nr. 19 Erstes Blatt 1S9. Jahrgang x Samstag 23. Januar 190S

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General-Anzeiger für Oberheffen sZW

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