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22.6.1909 Erstes Blatt
 
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Dienstag dem 29. Juni im Schöffengerichtssaal deS Amts, gcrichts zu Offenbach seine ordentliche Mitglieder-Ver- sammlung unter Vorsitz deS Herrn Generalstaatsanwalts Dr. Prectorius abhalten.

Mainz, 20. Juni. (Sine Erinnerungshalle a n Richard Wagner will ein auswärtiger Maler hier er­richten. Sie soll in die Anlage kommen und Gemälde aus Wagners Werken enthalten. Der Erbauer will die Kosten durch Eintrittsgeld decken und dann die Halle der Stadt zum Geschenk machen. Nachdem die zuständigen Kommissionen ihr Einverständnis damit erklärt haben, kommt die Angelegenheit am Donnerstag zur endgültigen Entscheidung vor die Stadt­verordneten. Durch Vermittlung des Oberbürgermeisters Dr. Gottelmann wurde der S t r e i k der Aktienbranerei nach sechs­wöchiger Dauer heute beendigt und der Bierboykott aufgehoben. Ter neue Tarif tritt am 1. Juli in Kraft; von den Streikenden werden 70 Prozent wieder eingestellt.

te. Oppenheim, 21. Juni. Der gestern hier ab­gehaltene 21. hessische Feuerwehrtag bestimmte als Ort für den nächsten Feuerwehrtag 1912 Gießen, Friedberg und Nidda hatten sich gemeldet in Anbetracht, daß die Friedberger Feuerwehr 1912 ihr goldenes Jubiläum feiert, Friedberg i. H.

Wetzlar, 21. Juni. Die dritte Lahn-Berbands-Re- gatta luirb am 25. Juli hier abgehalten. Der Wetzlarer Ruderklub hat drei Rennen auszuschreiben: Junior- Vierer für Lahn-Vereine; Lahn-Vierer für Lahn-Vereine, Großer Vierer, Wanderpreis des Prinzen Eitel-Friedrick) (Verteidiger Rg. Sachsenhausen).

X Aus dem Hüttenberg, 21. Juni. Nachdem am Sonntag unter großer Beteiligung in Dornholzhausen das Hüttenberger Krieger-Verbandsfest gefeiert wurde, rüsten sich die Gesangvereine für nächsten Sonntag zur frohen Sängerfahrt. In Groß-Rechtenbach wird daß 4. Verbandsfest deS Hüttenberger Sängerbundes in Verbindung mit der Fahnenweihe des dortigen Gesangvereins Lieder­kranz abgehalten. Als Massenchöre kommen zum Vortrag: Brüder reicht die Hand zum Bunde" von Mozart undAm Rheine ist Leben" von Becker. Die Chöre wurden unter der Leitung des Lehrers Drescher-Hochelheim geübt. Die Musik stellt die Dtarburger Stadtkapelle.

[] Marburg, 20. Juni. Heute wurde hier das Jahr esse st der Jungfraucn-Vereine Ob er Hessens abgehalten. An die Festpredigt in der reformierten Kirche schloß sich eine Nachfeier in den Stadtsälen, bei der die Jungfraiien-Vereine kirchliche Lieder vortrugen. Ansprachen hielten Pfarrer Heermann, Pfarrer Möller und Professor Bornhäuser.

sc. Frankfurt a. M., 20. Juni. Eine außerordentliche Generalversammlung desMitteldeutschen Viehhändlervereins" fand heute 4 Uhr in derHarmonie" hier unter Vorsitz des Saun Wallerstein (RöLelheim) statt. Die Versammlung war gut besucht. Frankfurt a. M., O b e r Hessen, die Kreise Hanau, Usingen und Höchst, sowie Unterfranfcn waren vertreten. Der Vorstand wurde neugeivählt. Er besteht aus: S. Wallerstein i Rödel beim), Vorsitzender; Siegmund Seelig (Frankfurt a. M.), Stellvertreter; Ad. Straus; iBockenheirn), Schriftführer; Elias S? o i in a n n iFriedberg), 2. Schriftführer; Aron Heß (Frank­furt a. M ), .Voariicvcr; als Beisitzer: Bernhard Lorsch iFrank- furt a. Wj, Rarhan Stern Friedberg«, David Sohlinger (Aschaffenburg«, S. Strauß II. >Wachenbuchen), Fritz Himmelreich «Eschborn-, Vena Stern Rodheim v. d. H.>, Gustav Grüue- b a u nt (Vilbel i. TaS"abgelaufeue Geschäftsjahr hat einen Ueber- sauis; von 317 Mk. ergeben, weshalb für das lausende Geschäfts­jahr der Vereinsbeitrag nur zur Hälfte erhoben wird. Zum Schlüsse wird bemerkt, daß eine Anzahl Mitglieder ans dem Verein ausgetreten sind, die sieh den neugegründeten Viehhändlervereinen von Nassau, Ob er Hessen und dem Vogelsberg ange­schlossen haben.

X. Ha non, 21. Juni. Eine stark besuchte Versamm- lung beratschlagte über die Einleitung einer zweckmäßigen Werbetätigkeit für den Hansa bu n d. Einstimmig wurde die Notwendigkeit einer starken Organisation und die Gründung eines Lokalkomitees betont. Für die nächsten Tage ist die Einberufung einer großen Versammlung beabsichtigt. Frei­herr Laur zu Münch Hofen in Ottweiler, dessen mutmaß­liche Wahl wir schon mitteiltcn, wurde jetzt amtlich als Landrat und Polizeidirektor bestätigt.

W. Homburg v. d. H., 21. Juni. Die Groß­herzogin-Witwe von Luxemburg in Begleitung ihrer Tochter, der Großherzogin von Baden, trafen heute nach­mittag um 6 Uhr, von Schloß Königstein kommend, in Dorn­holzhausen ein, um der Witwe ihres Kammerherrn, Freifrau v. Dieskau, einen Besuch abzustatten.

fc. Schloß Wilhelms höhe, 21. Juni. Ter Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise von Preußen treffen am Vvrniittage des 5. August voraus­sichtlich auf Schloß Wilhelrnshöhe ein. Ter Kaiser wird von Schloß Wilhelrnshöhe aus in der Zeit biS zum 2d. Aug. der Eröffnung des OfsiziersgenesungsheiiuTaunus" in Falkenstein zunächst anwohnen. von da sich nach derSenne" begeben, um die dort zusamiuengezogene Kavalleriedivision zu berichtigen. Ein Besuch des Kaisers in Eleve gelegent­lich der 300jährigen Gedenkfeier des Anfalls der Jülich-Clevi- schen Erbschaftsmasse an den Brandenburg-Preußischen Staat ist dann vorgesehen. Die Besichtigung von netten des 18. Korps auf demGroßen Sande" bei Mainz reiht sich nach dem 15. August an, toelckie einen Besuch bei ben Priuzlich Hessischen Herrschaften auf Schloß Friedrichshof im Taunus im Gefolge hat. Bon schloß friedrichshof aus njirb der Kaiser mit Prinz und Prinzeffin Friedrich Karl von Hessen (meiin auch inoffiziell) die Jla" in Frank­furt a. M. in Augenschein nehmen. Am 2d. August wohnt die Kaiserliche Familie der Eröffnung des neuen Hoftk)eaters in Kassel bei. Zu Beginn des September verlaßt die Kaiser­liche Familie Schloß Wilhelrnshöhe, um sich zu den Kaifer- Paraden und den daranjchließeiiden Manovern der bayri­schen, württembergischen und badischen Truppen im Mckar- und Jagstkreis und an der Frankenhöhe zu begeben.

Sport.

Bei dem am Sonntag den 20. Jitni. vom Gaua des Deutschen Radfahrer-Bundes veranstalteteil lOO^Kilometer-Peniien errangen in Gruppe I, Fahrer unter 33 -3^0re, i>en 1. erj C. Muhl in 3 St. 50 Min. 47 oct, ben 2 Preis KtHmte^ lmiq m 3 St. 56 Min. 18 Sek., bat 3 ^eis Fd. ^nker m 3 St. 57 Min. 48 Sek.; in Gruppe II, Fahrer von 33 bis 40 Jahre, den 2. Prpis 'N. Rödiger m 5 St .9 Min. in Gruppe III, Fahrer über 40 Jahre, 1 Preis K. Lower in4t Ct 57 Min., 2. Preis A. Höß in 5 et. 24 Mm. ^^igung an dem Rennen war in diesem Jahr nicht ]o ^bhaft, wie nn vorigen Jahr, da die meisten Fahrer die Hitze und den starken Gegenwind scheuten. , ,. , .

Bor einer großen Zuschauermenge erledigte ber Gieveuer Ächballllub twu lüäfc tas SvNMSrfPtel und

zwar gegen einen jr(ten Gegner, den Marburger 23. f. 23. Daß Gießen 1900 das Spiel mit 41 gewann, hatte niemand voraus gesehen. Marburg suchte seine Machtlosigkeit mit unfeinem Spiel auszugleichen. Gießen 1900 blieb trotzdem vornehm nnb ver­schenkte einen sicheren Gewinn vor dem feindlichen Tor. Das «Viel war trotz der großen Hitze äußerst schnell. Marburgs beiles war die Deckung und der Mittelhalb, auch gefielen einige jüngere Spieler der Stürmerreihe. Bei G. F. E. verdient der gesamte Sturm und die Halbreihe hervorgehoben zu werden, die Deckung wie immer, der Tormann durfte sich sonnen.

Universitäts-Nachrichten.

fc. Marburg. Der a. o. Professor der Malhematik, Geh. RegierungSrat Alhard v. D r a ch begeht am 23. ds. seinen 70. Geburtstag. Geheimrat Traeh ist Bezirkskonfervator für den Regierungsbezirk Gaffel.

vermischtes.

* Eine Ballonfahrt im Gewitter. Kürzlich« unternahmen die Herren Goeren und F. Franceson von Bitterfeld aus unter Führung des Leutnants Franceson eine BallonMachtfahrt, deren Verlauf im nachstehenden anschau­lich geschildert wird: Bei schwachem Nordost-Wind ging die Fahrt zunächst über Bitterfeld in ungefährer Richtung auf Chemnitz zu. Mit dem Hereinbrechen der Dunkelheit hörte man Donner, nahm aber keine Blitzerscheinung wahr. Zunächst dachten die Fahrenden an fernes Artillcrie-Nacht- fchießen, dann glaubte man, es' rühre von einem Feuerwerk her, das in der kleinen Stadt Wurzen auf dem Schützen­platz abgebrannt wurde. Nachdem der Ballon in etwa 600 Meter Höhe über die Köpfe der dort jubelnden Volksmenge um 10 Uhr abends hinlveggefahren war, sah man am Horizont Blitz auf Blitz folgen; ein Gewitter, bei beffen dLäherkommen unbebingt hätte gelandet werden müssen. Die Hoffnung, .daß das Unwetter, dem Ballon vorauseilend, die Wei-terfahrt ermöglichen würde, erfüllte sich leider nick)t. Bald prasselte dichter Regen auf die Ballonhülle herab; ein Sack Ballast nach dem andern mußte geopfert werden. Blitz auf Blitz flackerte am Horizont auf, der ferne dumpfe Donner wurde immer deutlicher. Tann nahten sich dunkle, schwere Wolken, und grelle Blitze knatterten in unmittel­barer Nähe des Luftschiffs. Nun hieß es, so rasch wie möglich landen. Tas Ventil durfte nicht gezogen werden, weil dadurch eine Entzündung des Gases entstehen konnte. Nur langsam drückte der immer heftiger einfetzende Ge­witterregen ben in etwa llOOMeter Höhe schwebenden Ballon herunter. Zunächst berührte das disrchnäßte Schleppseil den Erdboden. In diesem Augenblick waren der ganze Korb, die nassen Taue, die Kleider der Mitfahrenden, selbst Teile der Ballonhülle übersät mit ganz kleinen, leuchtenden Flämmchen, die über- und durcheinander hüpften und die Gestalt von kleinen Kügelchen hatten. Es war das St.- Elmsfeuer, das zuweilen an hohen Schiffsmasten und im Gebirge beobachtet juirb. Bald verschwand diese Erscheinung wieder, der Ballonkorb senkte sich langsam auf ein Kar­toffelfeld herab; der Führer ließ nun das Gas durch Ziehen der Reißbahn entströmen. In dem mit'*bem Verpackungs- Plan überdeckten Korbe warteten die um 12 Uhr nachts glücklich bei Chemnitz gelandeten Ballonfahrer das Ende des gerade über ihnen stehenden Gewitters ab, um beim Morgengrauen das Ballonmaterial zu bergen.

* Arme Junggesellen! Der Temps erzählt von einem merkwürdigen Urteil des Gerichtshofes zu Reims: Im Marne-Departement starb kürzlich der Bürgermeister von Aveney und hinterließ der Stadt Epernah sein Ver­mögen im Betrage von 2 Millionen Frank. Die Neffen des Verstorbenen, die leer ausgingen, fochten das Testa­ment an und behaupteten, ihr Oheim fei bei der Abfassung geisteskrank gewesen. Beweis: Der Herr Bürgermeister habe sich damit vergnügt, im Gewand eines Kardinals trom­melnd durch die Straßen seiner Gemeinde zu ziehen; er habe sein Dienstmädchen nachts durch Pistolenschüsse ge­weckt, habe tagelang in seinem Garten Drehorgel gespielt usw. Auch wurde nächgewiesen, daß der Erblasser mehrfach in der Irrenanstalt zu Ehalons untergebracht werden mußte. Tie Stadt Epernah dagegen ließ durch zahlreiche Zeugen bekunden, baß der Verstorbenezwar ein Original ge­wesen ist, baß aber bic oben berichteten Exzentrizitäten nicht über bie Tollheiten nnb Späße hinausgegangen seien, wie sie alten Junggesellen eigen zu sein pflegen". Ter Gerichtshof von Reims hat sich biefer Meinung angeschlossen, und Epernah hat die zwei Millionen für seinen Stadtsäckel gerettet.

* Schusterjunge:Sagen Se mal, Mämiecken, is es nicht langweilig nischt zu tun?" Bettler:Ja, heillos. Aber ich klage nicht. Es hat eben jeder sein Päckchen zu tragen."

* H ö ch st e Dressur.Warum, Herr Professor, haben Sie dem Gaul einen Knoten in ben Scknveis gemacht?"Damit er nicht vergißt, um 11 Uhr nach Hause zu traben!"

Kleine Tageschronik.

Der Intendant Emil C l a a r vorn Frankfurter Schau­spielhaus feierte gestern das 30jährige Jubiläum seiner Tätig­keit als Bühnenleiter m Frankiurt a. M.

In Köln war ein reicher Amerikaner in die Betrachtung des Domes versunken, als zwei Männer sich zu ihm gesellten, die sich gleichfalls als Amerikaner ausgaben. Sie mußten den Ameri­kaner derart zu nehmen, daß dieser ihnen seine gesamte Barschaft von 5000 Alk. und einen auf 1200 Mk. lautenden Scheck eines Kölner Bankhauses in die Hände gab. Erst nach dem Verschwinden seiner beiden angeblichen Landsleute entdeckte er, daß er Gaunern in die Hände gefallen ist. Von den Dieben fehlt jede Spur.

Am Sonntag abend zog die Eisenbahndirektion Berlin sämtliche Revisoren des 9tordbahnbezirkcs und der Bernauer Strecke zusammen, um den an den Sonntagen vorkommenden Fahr- gelbhinterziehungen entgegenzutreten. Ucbcr 200 Per­sonen würben mit Fahrkarten 3. Klasse in der 2. Klasse betroffen.

Tas Militär-Luftschiff Parseval 2, dessen Vropeller- KonstrnkNon einer Abänderung unterzogen worden war, hat am 21. d. M. früh bei Berlin wieder einen A u f ft t e g unternommen, der aber nur 15 Mimiteu dauerte, da die Konstruktion sich trotz der vorgenommenen Verbessernng wiederum nicht bewährt hat.

Im evangelisch-theologischen Seminare zu Maulbronn ist fast bic Hälfte der Zöglinge erkrankt: die Krankheit äußert sich in Kopfweh, Schmerzen im Unterleib und Fieber. Tas Medizinalkollegium hat bie Untersuchung cingclcitet.

An der b a i) r i s ch « b ö h m t s ch e n Grenze stießen geltem nacht zwei bayrische Grenzaufscher mit einem aus etwa 8 bis 10 Maun l-eflehenden S ch m u g g l e r t r u p p zusammen, der 6 Ochsen nach Bayern einschmuggeln wollte. Die Ausseher nahmen ihnen drei Ochsen ab. Es kam zu einem blutigen Kampf, in dessen Verlauf einer der Grenzwächter von einem Schmuggler durch 6 Aiessersttche schiver verletzt wurde. Ter Schmuggler, der die Aiesserstiche geführt hatte, wurde verhaftet.

Nach einer gelungenen Kreuzfahrt über die Schweiz und den Allgäu landete vorgestern vormittag der unter Führung des Hauptmannes von A b e r c r o n in St. Gallen aufgestiegene Ballon Stuttgart des ^Aärttembergischen Pereins für Luftschiffahrt glatt in der Nähe des oberbaperischen OrteS Murn au.

Im Heizraum des im Kieler Hafen liegenden großen Kreuzers Prinz Adalbert sprang die Kapsel-Mutter einer Stopfbüchse ab. Durch den aussttümenden Dampf wurde der Heizer Mat- ko w s k i sofort getötet, der Maschinistenmaat Max Schramm lebensgefährlich verletzt.

Am Sonntag ist der Direktor der Pariser Wach- und Schließ- GcUlschaft, Löffler, geWMy, nachdem ex verschiedene Abon­

nements-Beträge cinkassiert hatte und auch seinen Angestellte^ ben Lohn schuldig geb lieben war. Ilebrigeüs soll auch bic Staats­polizei gegen Löffler eine Untersuchung wegen Spionage esti- geleitet haben. Löffler ist deutscher Staatsangehöriger.

Wie aus Cagliari (Italien) berichtet wird, sind in der dortigen Gegend große H e u s ch r e ck e n s ch w ä r m e aufgetreten und haben außerordentlichen Schaden anaerichtct.

In Cincinnatti begann am 19. 3uni das zehittägige 3 0. .T u r n f e ft des Nordamerikanischen Turner- b und es. Die auswärtigen Teilnehmer wurden in 350 Armee­zelten, die durch Kougreßbcschluß zur Verfügung gestellt worden sind, untergebracht. Auf besondere Anweisung des Kriegssekretärs beteiligt sich das in Fort Thomas stationierte' zweite Bundes-- infanterie-Regiment an der geplanten großen Turnerparade. Abends werden auf dem Gouvernement-Sguare üi Gegenwart einer vieltausendköpfigen Festmenge lebende Bilder von dem vor­jährigen Frankfurter Turnfest vorgesührt.

Literarisches.

G r i e b e n s R e t s e f ü h r e r, Band 34, Ostende 4. Auf­lage. Allen Reisenden, die diesen berühmten Badeort aufsuchen, ivird das Büchlein ein zuverlässiger Ratgeber sein. Von einem, mit den Verhältnissen genau bekannten Autor bearbeitet, enthält es in gedrängter Form alles Wissenswerte, über die Reise nach Ostende, das Vetkehrsivesen sowie über die Uuterfunft und Verpflegung in den Hotels.^ Aber nicht nur Ostende, sondern auch alle übrigen belgischen Seebäder sind in .dem Bande ausführlich behandelt. Allen Besuchern dürften die Kartenbeilagen, vor allem der neue Plan von Ostende willkommen sein.

Handel.

Berlin, 19. Juni. Saatenstand in Preußen Mitte Juni (wenn 2 gut 3 mittel bedeutet«: Winlerweizen 3,2, (Mitte Juni 1908: 2,3), Sommerweizen 2,8 (2,6), Winterlpelz 2,4 (2,2), Wiuterroggen 2,9 (2,4), Sommerroggen 3,0 (2,7), Sommergerste 2,7 (2,6), Haser 2,7 (2,5), Erbsen 2,8 (2,7), Ackerbohnen 2,8 (2,6), Wicken 2,9 (2,6), Kartoffeln 2,8 (2,8), Zuckerrüben 2,8 (2,7), Winterraps und Rübsen 3,5 (2,6), Flachs 2,9 (2,6), Klee 3,5 (2,1), Luzerne 3,3 (2.2), Rieselwiesen 3,3 (2,1), andere Wiesen 3,7 (2,4).

Berlin, 19. Juni. In den Bemerkungen derSta­tistischen Korrespondenz" heißt es: Die auf bic gute Entwicke­lung der Saaten gesetzte Hoffnung im Berichtsmonat ist nur teiliveise in Erfüllung gegangen. Die allgemeine Witterung war viel zu kühl und die Nieberschlage nicht überall eindringlich! genug. Es wurden wegen der widrigen Witterungsverhältnisse des Frühjahres noch nachträglich Umpflügungen infolge der Winter- schaden nollvendig. Ziemlich oft wird über starke Verunkrau­tung t>cr Sommerung geklagt, ebenso sollten tierische Schäd­linge in Akassen vorgekoinmen sein. Mäuse sollen im allge­meinen kaum zu bemerken sein und von Pflanzenkrankheiten find nur Kleekrebs, Mehltau und Wurzelbrand angegeben. Der Stand des W i n t e r w c i zens ist vorläufig nur in Ost- iuib West- preichen sowie in ben Regierungsbezirken Stralsund, Posen, Schles­wig, Lüneburg, Osnabrück, Minden, Trier, Aack>en und Sig­maringen etc. beftiedigend 'anzusehen. Winterspelz hat sich in Sigmaringen, wo er am meisten gebaut wird, .gut entwickelt. Der Stand des W i n t e r r o g g e n s wird vielfach als dünn bezeichnet: auch soll das Stroh fast allgemein zu .kurz geblicbeii fein. Hier und da ist Roggen vor der Blüte zum Lagern ge­kommen. Winterraps und Rübsen sollen derart .gelitten haben, daß auf eine allgemeine Besserung jetzt nicht mehr zu rechnen ist. Recht ungünstig lauten bic Nachrichten über Futterpflan­zen, deren Ertrag oftmals nicht die Arbeit lochten soll. Wiesen sehen hier und da - wie int April rotgrau aus, Sontmer­hol m - und H ü l s e n f r ü ch t e haben, ausgenommen Roggen, ziemlich zufriedenstellenden Stand, ebenso Flachs. H a tf f r ü cb t e sind nicht überall gleichmäßig aufgegangen. Kartoffeln sind hier und da erfroren. Zuckerrüben werden durch Aaskäfer vernichtet, so baß Neu Pflanzungen stattftnden müßten.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 22. Juni. 6 eit- und Stroh markt. Angcfahren waren 10 Wagen Heu und 2 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 4.80.5.30, Stroh Mk. 3.003.50. Alles je 50 Kg. Die Zufuhr kam aus den Kreisen Büdingen und Fried­berg. Tendenz fest.

Gieheller Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch dem 23. Juni: Veränderliche Bewölkung. Gewitterregen. Zunächst warm, später kühler. Westliche Winde.

Original-Drahtmel-ungen.

Berlin, 22. Juni. Die F i u a n z k o m m i s s i o n hat den 9a der Erbansallsteuer der Regierung mit 14 Stimmen (Konservativen, Zentrum, Polen) gegen 14 Stimmen abge­lehnt.

Stuttgart, 21. Juni. Auf dem Truppenübungsplatz Münz in gen wurde ein in Auzcigcrdeckuntz stehender Soldat durch ben Kopf geschossen. Er starb im Lazarett.

Breslau, 21. Juni. Die Typhuserkrankungen in Altwasser sind jetzt auf 343 angewachsen.

Posen, 21. Juni. Das Torf G r o ß - El s i n g c n bei Nakcl wurde gestern von einem Groß feuer heimgesucht, das durch Spielen der Kinder mit Streichhölzern entstanden ist. Vier große Bauerngehöftc mit 16 Gebäuden wurden eingeäschert, eine W ö ch n e r i n und zwei Kinder kamen in den Flammen u m.

Wien, 22. Juni. Wie dasNeue Wiener Tageblatt" von autoritativer Seite erfährt, ist die Meldung von einer schweren Erkrankung des spanischenThron-Prätendentcn Don Carlos irrtümlich. Dieser hält sich zurzeit in dem Luft­kurort Warese auf.

D e b e n 6 u r g , 22. Juni. In dem Orte Turje brach Groß- feuer aus, wobei 34 Bauerngehöftc eingeäschert wurden. Drei Personen kamen in den Flammen um.

Petersburg, 22. Juni. Die Cholera beginnt nun­mehr auch in der Umgebung in verstärktem Maße auszutreten. Gestern waren 70 neue Erkrankungen zu verzeichnen.

London, 22. Juni. Hier tritt das Gerücht auf, daß im September eine zweite Zusammenkunft zwischen König Eduard und dem Zaren ftattfinben werde, und zwar entweder in der Nordsee oder Ostsee.

London, 21. Juni. Hier werden abenteuerliche Lust- slottenpläne erwogen. Unter anderem beabsichtigt man den Bau eines Lustkreuzers, der 227 500 Kubikfuß fassen soll und 25 Fahr­gäste mit einer Geschwindigkeit von ctiva 25 Kilometer befördern soll. Die öffentliche Sammlung für eine Luftflotte ergab seit­her 2693 Pfund Sterling.

Madrid, 22. Juni. Die Königin von Spanien wurde heute früh von einer Tochter entbunden.

Athen, 22. Juni. Laut offizieller Meldung aus Canea hat die kretische Regierung die Verständigung erhalten, daß die ftcmdeit Truppen-Kontingente am 27. Juli Kreta ver­lassen werden.

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