Ausgabe 
22.6.1909 Erstes Blatt
 
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tarif. Macht geht d«

hört nut die Weite'.

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Bez» gsp reis: monat lich 75 Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Dck.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: G. Anderson; f. Feuille­ton und , Vermischtes K. Neurath; sür©labt u. Land" undGerichts-

.8 Fälle von bet cht ch auf unter dein Ec. ft: Ohne Wiberspru-bl nun gegen al ba§ ein. (Wer W

-uc Materien in den :se Materien nur in ^gegenständ skhen. iecht haben fast alle nd ich erinnere auch 1879, die clausula ! enthielt, mitbet« rllärungen zu diesem )cnil.) Ter Antrag erhoben und ist ohne n luotben. (Ztürm. eh: auf dein Ctand, utzc von Minotitäten i 'Scitimmungcn. Im stheit beschließen, Iras

Paul Langerhans f.

Der Senior der Berliner Stadtverordneten Dr. Paul Langerhans ist am Montag früh im Alter von 89 Jahren gestorben. Vor einigen Wochen war er infolge eines Ohn­machtsanfalles in seiner Wohnung gestürzt und hatte hierbei einen Bruch erlitten. Seitdem träufelte er, und in

den letzten Tagen verschlimmerte sich der Zustand des Greises, wie wir bereits gestern gemeldet, stetig. Langer-- Hans war, wie wir demTag" entnehmen, einer alten Su­ttner Familie entsprossen. Schon sein Vater stand im Dienst der Kommune, und im Einführungsjahr der Städteordnung, 1809, wurde er Ratsmaurermeister, eine Stelle, die damals

politifc^e Lagesschart.

Großadmiral v. Köster.

Am geftrigen Tage beging Großadmiral v. Köster die 50jährige Wiederkehr des Tages, an dem er als Kadett en- aspirant in die Königlich preußische Marine eingetreten war. Dem Jubilar gingen aus diesem Anlasse zahlreiche Glück­wünsche zu. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen und die Kronprinzessin von Griechenland erschienen gestern vormittag in der Villa des Großadmirals zur ^glück- wünschung. Prinz Heinrich von Preußen überreichte dem Großadmiral eine Kabinettsordre, durch die dem Jubilar die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden verliehen wer­den. Das kaiserliche Handschreiben hat folgenden Wortlaut: Hamburg, den 21. Juni. Ich spreche Ihnen zu dem heu­tigen Gedenktage Ihres.vor 50 Jahren erfolgten Eintritts in den Dienst der Marine den herzlichsten Glückwunsch aus und erinnere mich 'hierbei erneut gern und dankbar Ihrer hohen Verdienste um meine Marine. Als äußeres Zeichen meiner gnädigen Gesinnung verleihe ich Ihnen die anbei folgenden Brillanten zu meinem hohen Orden vom Schwarzen Adler. Mit dem Wunsche, daß es Ihnen ferner Wohlergehen möge, verbleibe ich Ihr wohlgeneigter Wil­helm I. R.

Professor v. Martens f.

Der in den letzten Jahren viel genannte russische Völkerrechtslehrer Professor v. Martens ist auf einer Reise in seine livländische .Heimat plötzlich gestorben. Friedrich v. Martens wurde am 27. August 1845 zu Perncru in Livland geboren. Nach Beendigung seiner Studien wurde er 1871 Dozent des Völkerrechts an der Petersburger Uni­versität, 1872 Professor des Staatsrechts an der kaiserlichen Rechtsschule und am kaiserlichen Alexander-Lyzeum daselbst und im folgenden Jahre ordentlicher Professor an der Uni­versität. Im Jahre 1874 wurde er dem Reichskanzler Fürsten Gortschakow für besondere Aufträge zugeteilt. Seitdem spielte er bei allen internationalen Fragen, die Rußlands äußere Politik berührten, als juristischer Sach­verständiger und Berater eine wichtige Rolle. Im Jahr« 1891 war er im Auftrage der russischen Regierung Schieds-» richter m der Neufundlandfrage zwischen England untj Frankreich. Seine Teilnahme an den Haager Konferenzen, am Portsmouther Frieden zwischen Rußland und Japan, an der Algeeiraskonferenz dürfte noch in allgemeiner Er­innerung fein. Die letzten Jahre war er ständiges Mit­glied des Konseils des russischen Ministeriums des Aeußen^

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Speisewagen nicht führt, und in dem er noch eine längere Fahrt zurücklegcn muß. Die Bedienung auf den Stationen durch die ambulanten Büfetts und die Speisen und Getränke herumtragen­den Kellner ist notorisch ja auch eine keineswegs dem Bedürfnis! gerecht werdende, da es an Zeit fehlt, das Reisepublikum zu befriedigen.

Das vorherige Lösen einer Platzkarte würde bei der langsamen Abwickelung der Platztärtenausgabe in einem langen Zug auch so lauge Zeit erfordern, daß ost die Benutzung des Speisewagens illusorisch werden würde. Wir wissen wohl, daß sich die Maß- nahmm dagegen richten, daß oft Fahrgäste während der ganzen Fahrt im Speisewagen verbleiben und anderen die Benutzung! des Speisewagens dadurch unmöglich machen. Aber gegen solche Ausschreitungen kann durch eine entsprechende strenge Verordnung Abhilfe geschafft werden. .Der Bewirtschafter des Speisewagens müßt« nur zur strikten Durchführung dieser Verordnung nicht nur be­rechtigt, sondern auch verpflichtet sein. Die obigen Maßnahmen würden ein großes Uebel nur durch ein noch "größeres beseitigen; und den Verkehr erschweren.

Zsumaliften unö Schriftsteller.

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. S- ir. H. Breslau, 20. Juni.

Unter sehr zahlreicher Beteiligung von Delegierten aller deut- schen Journalisten- und Schriftstellervereine, auch der Oesterreichs und der Scywerz, trat heute wie bereits kurz gemeldet tm Festsaale des Neuen Konzerthauses der 16. Deutsche Iour- nalisten- mid Schrntstellertag zusammen, dessen Verhandlungen diesmal besonders bemerkenswert sind, da sie unmittelbar nach dem Kongretz des Bundes Deutscher Redakteure stattfinden, und dieser Vorgang sowohl wie der inzwischen seitens des Vereins der Zeitungsverleger geschaffeneNormalvertrag für Redakteure" zur Erörterung steht. Ferner werden die Alters- und Jnvalidenver- slcherung der Redakteure und Schriftsteller, der Verkehr zwischen den Redaktionen und ihren Mitarbeitern, die Rechtsprechung in bezug auf das Urheberrecht, Unterstützungsfragen und anderes zur Besprechung gelangen. Auf der Tagung sind vertreten der Verein Berliner Presse, der Verein Berliner Journalisten, der Berliner Journalisten- und Schriftsteller-Verein, der Deutsche Lehrerschriftsteller-Bund, der Deutsche Schriststellerinnen-Bund, der Verband der Rheinisch-westfälischen Presse, der Württemberg. Journalisten- und Schriftstellerverein, die WienerConcordia", der Journalistenverein für Mähren und Schlesien, sowie die Journalisten- und Schriftsteller-Vereine von Hamburg, München, Dresden, Hannover, Leipzig, Mainz, Mannheim, Karlsbad und Breslau. Der Oberpräsident und der Regierungspräsident hatten ihr Fernbleiben entschuldigt, ebenso die beiden Breslauer Reichstagsabgeordneten Fürst v. Hatzfeldt und Schulrat Pfundtner. Dagegen nahm der Oberbürgermeister Herrenhausmitglied Bender mit dem Stadtverordnetenvorsteher und mehreren Stadtvervi "eten an der Tagung teil, ebenso der Rektor der Breslauer Universität Prof. Uthosf. Den Verhandlungen war gestern die General­versammlung derPensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller" vorangegangen. In dieser erstattete Prager aus München den Geschäftsbericht und wies daraus hin, daß der Zu­gang der Mitglieder ein erfreulicher sei. Die Mittet der Pensigns- anstalt sind in der Hauptsache in erstklassigen Hypotheken an­gelegt. Die Mitgliederbeiträge bezifferten sich im verflossenen Jahre auf 109 633,02 Mk., der Zinsensaldo belief sich aus 64 095,92 Mk. Die außerordentlichen Einnahmen erreichten den Gesamtbetrag von 25 652,83 Mk. Redner wies zum Schluß auf das neue Bersicherungsgesetz hin, das am 1. Januar 1910 in Kraft tritt. Das Aufsichtsamt hat der Pensionsanstalt mit- geteilt, daß sie sich in einzelnen Bestimmungen dem neuen Gesetze anpassen müsse, und hat auch in entgegenkommender Weise einen entsprechenden neuen Statutenentwurf der Pensionsanstalt ein- gesandt. Die staatliche Versicherung werde, so meinte der Redner, lehr spät, vielleicht erst nach 10 Jahren kommen, und'sie werde kaum den Wünschen der Journalisten entsprechen; diese müßten sich also aus eigener Kraft helfen. Der Rechenschaftsbericht, die Jahresrechnung und der Prüfungsbericht wurden einstinilnig genehmigt. Das Verwaltungsbudget für 1910 wurde mit 20 500 Mk. festgesetzt. Das Gesamtvermögen der Anstalt beziffert sich gegenwärtig aus ca. 1 800 000 Mk.

Die heutige erste Hauptversammlung wurde von Chefredakteur Dr. Hamburger (Breslau) mit einer Begrüßung der Dele­gierten und Ehrengäste eröffnet. Hierauf nahm Oberbürgermeister Dr. Bender das Wort zu folgender Begrüßungsansprache: Einen Ausdruck unserer Sympathie möchte ich Ihnen zu Ihren Beratungen aussprechen. Schlesien ist ein gastliches Land und Breslaus Behörden sind stolz darauf, immer eingetreten zu sein für freies Wort und freie Schrift. (Beifall.) Wir wünschen, daß Ihre Tagung fruchtbringend sein wird und den Erfolg hat, den Sie sich versprechen. Wir begrüßen Sie als die Künder der Gegenwart, die uns sagen, was unsere Mitmenschen tun und treiben. Nicht einen Tag möchten wir die Presse entbehren, und würden uns sehr verarmt fühlen, wollten die Journalisten sich auf die Streikbank setzen. (Heiterkeit.) Aber auch die Ver­künder der Zukunft sind die Journalisten. Neue Gedanken, neue Ziele, neue Bestrebungen regen Sie an und zeigen die Mittel zu ihrer Verwirklichung. Wenn Sie nun nach Breslau kamen, so werden viele von Ihnen das Empfinden haben, daß sie sehr abgerückt sind von den Zentren der Kultur. Ich hoffe, die Tagung wird dazu beitragen, die Ansicht zu verbreiten, daß sich auch hier am Strande der Oder und unweit von den Pollacken gut leben läßt. Wir stehen auf altem Kulturboden und sind stolz daraus, eine solche Tradition zu haben. Wenn Sie allerdings fürstliche Schlösser, fürstliche.Museen und fürstliche Theater suchen, dann werden Sie uns rückstäiidig finden. Wenn Sie aber das suchen, was Bürgersleiß sich errungen hat, was wir uns selbst geschaffen haben, so werden Sie begreifen, daß wir stolz sind auf unsere Heimat. Der Stand der Journalisten ist ein Stand, der uns alle angeht. Wenn Sie Ihre beruftichen Verhandlungen pflegen, so liegt uns das nicht fern, und wenn Sie Ihre eigenen materiellen Interessen sicher stellen wollen, so verfolgen wir auch das mit lebhafter Sympathie und hoffen, daß Ihnen ein glück­licher Erfolg beschieden sein möge." Der Oberbürgermeister bat dann, nach dem Schlüsse der Tagung der Stadt Breslau einen Besuch ftn Rathaufe abzustatten und sprach sein lebhaftes Be­dauern aus, daß es ilM selbst nicht möglich sein werde, die Journalisten dort zu empfangen, da er durch parlamentarische Geschäfte in Berlin sestgehatten sei. Die Rede des Oberbürger­meisters wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Es folgte dann der Bericht des Vertreters der Münchener Vensionsanstalt Prager (München) über die Lage der Pensions- anstalt mid deren gestrige Hauptversammlung. Nachdem noch Leher (München) über die Erledigung der copiright-Frage ge- iprochen, erstattete Direktor Schaum berg (München) den G c - ichäftsber icht. Er führte aus: Als München den Vorort übernahm, war eben der Kampf um die Jnferatensteuer entbrannt. 2er Vorort hat im Namen des Verbandes eine Petition an den Reichstag gerichtet und die Verbandsvereine zu energischem Protest aufgeforbert, der dann auch erfolgte. Es sei nicht öum mindesten euch den Bemühungen der Journalisten und Schriftsteller zu banken, wenn die drohende Gefahr der Anzeigensteuer von der Dresse abgewendet wurde. Etwas überraschend kam die Kunde lon den Bestrebungen, die die Schaffung einer neuen journalisti- Ichen Korporation bezweckten. Die Stellungnahme des Vororts Zu diesen Bestrebungen war klar vorgezeickstiet. Es galt, die Sutereffen des Verbandes zu wahren, eine sezestion zu vermeiden imb zu versuchen, ob sich die erstrebten Ziele nicht durch eine Eonderorganisation der Redakteure und der festangesteltten MU- erbeiter innerhalb des alten Verbandes durchführen ließen, -öu diesem Sinne sprachen sich die Vertreter des Vorortes Dr. -tics (München) und Chefredakteur Scharre (München» aus. Der voll­zogenen Gründung des neuen Bundes gegenüber konnte der Vorort mnsomehr eine beobachtende Reserve bewahren, als der Vuno Deutscher Redakteure wiederholt betonte, daß 1 einerseits nicht die Absicht bestände, dem alten Verbände feindlich gegenubergutreten, Mi er vielmehr in allen wichtigen Fragen Hand in Hand mit W gehen wolle. (Beifall.)

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JllP ' ®rite88latt ISS.I-hrgaag Di-nötag 22.Juni 1909

erscheint täglich, außer Oh A

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WGletzener Anzeiger

Verlag u. Expedition 51 yrar < xv-r q> A w

WW General-Anzeiger für Oherhessen bis vormittags 9 Uh^ ^0^ütlon§druck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderef B. Lange. Bedaktion. Expedition und Druckerei: ZÄulftraße 7. fnaI": e- HebHlür den ................ ||- ' 1 * U Anzeigenteil: H. Beck.

Die vorliegenden Anträge zur Reorganisation des Verbandes pursten zu einer toeiteren Besprechung der Angelegenheit führen. Von den Beschlüssen des Wormser Verbandstages beanspruchte der über denNormalvertrag" die größte Bedeutung. Redner teilt hierzu mit, daß die Kommission zur Ausarbeitung eines Normalvertrages mit dem Verein Deutscher Zeitungsverleger auf dessen Hauptversammlung in München verhandelt habe, und daß hierüber später ein besonderer Bericht erstattet werden würde. Die Stellungnahme zu den sich mehrenden Fällen von Schaden­ersatzklagen gegen Redakteure und Mitarbeiter auf Grund der §§ 823 ff. des B. G. B. soll späterhin erfolgen. Endlich war der Vorort beauftragt worden, Erhebungen über die Möglichkeit einer Stellenvermittlung für Redakteure anzustellen. Der Vorort ist der Frage noch nicht nähergetreten. Die bisherige Organisation des Verbandes macht die Durchführung jedenfalls unmöglich. (Bewegung.) Der folgende Beschluß der Wormser Tagung, Schiedsgerichte bet den Vereinen einzuführen, ist von einer größeren Anzahl Vereinen bereits verwirklicht worden. Darauf wurde in die Erledigung der Tagesordnung eingetreten.

Chefredakteur Giesen (Frankfurt a. M.) berichtete an erster Stelle über die Verhandlungen der Kommission, die in Sachen be3 Normalvertrages für Redakteure gelegentlich des Münchener Zeitungsverlegertages mit diesem verhandelt hat. Der Redner hob hervor, was alles erreicht sei und bedauerte, daß dem nicht mehr fei. Es fei aber jedenfalls nicht unterlassen worden, um die berechtigten Interessen der Redakteure zu wahren. Wenn nicht alle Wünsche Erfüllung fanden, so sei das dem Widerstande der Verleger zuzuschreiben. Prager (München) erklärt sich von den Verhandlungen nicht für befriedigt, soweit wenigstens die soziale Fürsorge in Frage komme. Er hätte den Anschluß der Verleger an die Münchener Pensionsanftalt gewünscht und be­dauere, daß das nicht gelungen sei. Die Ablehnung der Forde­rung sei in ziemlich schroffer Form erfolgt. Die Kommission möge dal)er weiterhin nichts unterlassen und diese Forderung im Auge behalten. (Beifall.) Rechtsanwalt Armer (BreSlau) will alles weitere der Zukunft überlassen und hofft, daß der Norma l- vertrag sich bewähren werde. Dr. Steinbach (Wien) ist von dem Vertrage ebenfalls unbefriedigt und wünscht eine ein­gehende Agitation zu Gunsten feiner weiteren Ausgestaltung. Vieles sei trotzdem erreicht worden. Bedauerlich fei nur, daß die Frage des Minimallohnes nicht geregelt sei, wie schon längst in Oesterreich, wo ein solcher von 200 Kronen festgesetzt sei. Giesen (Frankfutt a.M.): Man hat mit Absicht keinen Mini­mallohn fejigelegt, damit nicht wie in anderen Fällen der Mini mallohn als Maximallohn betrachtet werde.. Diese Gefahr liegt ziemlich nahe. (Sehr richtig.) Redner bedauert, daß die Bericht­erstattung der Zeitungen über die Verbandstage eine so spärliche sei. Die Zeitungen sollten berücksichtigen, daß es sich um ihre ureigensten Interessen handelt und mindestens ebenso ausführlich berichten, wie etwa über eine Gastwirts- ober eine sonstige Tagung. Landtagsabg. Müller (München), Chefredakteur derMünchener Post" führt aus, daß der Verein Arbeiterpresse längst das erreicht habe, was der Verband deutscher Journalisten- und Schriftsteller-Vereine mit dem Normalvertragc letzt erzielen wolle. Redner wünscht eine straffere Organisation, wie sie Sozial­demokraten mit Erfolg auf den verschiedensten Gebieten durch­geführt hätten. Stossers (Düsseldorf) ist ebenfalls der Meinung, daß man dort der geschlossenen Organisation der Ver­leger gegenüberstand. Es sei schon sehr schwierig gewesen, das Zugeständnis der Nebenbeschäftigung mit Theaterstücken, Romanen und anderem durchzubringen. Unter diesen Umständen fei das Erreichte sehr erfreulich. Redner ist ebenfalls gegen Einführung eines Minimallohnes, da die Verleger zu lange bei diesem stehen bleiben würden. Es sprechen noch Schaumberg (München), Meister (Berlin), Scheller (Karlsbad), die durchweg der Kommission Dank für das Erreichte aussprechen.

Gegen die Ulasjenunterschieoe in den Speisewagen der Eisenbahn

wendet sich eine Eingabe des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands an den preuß. Minister für öffentliche Arbeiten.

Es heißt dort: Im Bereiche der preußisch-hessischen Staats­eisenbahnverwaltung sollen, wie verlautet, Neuerungen in bezug auf die Benutzung, der Speisewagen eingeführt werden, tvelche darin bestehen, daß a) eine Trennung zwischen Reisenden der ersten beiden Klassen und solchen dritter Klasse in besonderen Abteilungen eintreten, und b) der Speisewagen erst 20 Minuten nach Abfahrt des betreffenden Zuges von der Abgangsstation zur Benutzung offenstehen und vorherige Lösung der Platzkarte iwt- wendig sein soll. Für die Maßnahme unter a) ist ein Bedürfnis nicht vorhanden und es muß eigentümlich berühren, wenn in unseren Tagen, wo die Standesnnterschiede doch mehr und mehr verblassen, seitens der Eisenbahnverwaltung einem solchen K lassen- geift Konzessionen gemacht werden sollen. Wir stehen nicht an, eine solche Verfügung als einen sozialen Mckschritt zu bezeichnen.

Die Speisewagen sind eingeführt worden, seitdem die Schnell- unb Eilzüge selbst an Hauptstationen in der Regel nur einen kurzen Aufenthalt nehmen, so baß es dem Reisenden nicht mehr möglich ist, in den Speisesälen der Bahnhöfe mit Ruhe fein Frühstück, Mittagsmahl ober Abendessen einzunehmen. Das trifft den Passagier der brüten Klasse, die als vottstümlichste zu gelten hat, doch genau so, wie den bet ersten und zweiten Klasse! Dazu kommt, daß die Reisenden, der beiden oberen Klassen so sehr in der Minderzahl sind, besonders seit die Tariftesorm mit den gestaffelten Schnellzugszuschlägen erster und zweiter Klasse doppelt der dritten und die Fahrkartensteuer in Kraft sind, daß sic den Speisewagenverkchr gar nicht rentabel machen können. Die Reifen­den der dritten Klasse aber würden in erheblicher Weise in der Benutzung beschränkt werden, denn zu ihrer Bedienung reicht der zugewiesene beionbcrc Abteil nämlich in keiner Weise aus. Im Abteil erster unb zioeiter Klasse wird es 'leere Plätze geben, während der Abteil dritter überfüllt sein wird. Das wird zu großen Aergerlichkeiten führen und für die Bewirtschaftung der Speisewagen nachteilig fein, ja sogar die Rentabilität in Frage stellen. Und müssen denn die Reisenden dritter Klasse nicht für Speisen und Getränke dasselbe zahlen, wie die erster und zweiter Klasse- Also auch vom Standpunkt der Gerechttgkeit aus ist die Maßtrahme als verfehlt anzusehen.

Gerade der reisende Kaufmann aber ist in vielen Fällen auf die Benutzung des Speisewagens angewiesen. Er muß früh­zeitig noch den Zug benutzen und Hot nicht mehr Zeit gehabt, zu frühstücken. Oder- er denutzt schnell noch einen Abendzug, um an einen anderen Platz zu kommen, ohne daß es ihm möglich war, am letzten Platze noch sein Abendessen einzunehmen. Ihn würde die durch nichts g ererbt fertigte Erschwerung in der Benutzung der Speisewagen besonders hart treffen.

Und auch zu der Maßnahme unter b) liegt unseres Erachtens fein Grund vor, wohl aber wirkt sie lästig und erfchiverend beim 1 Umfteigcverkehr. Der Reisende wird oft gezwungen sein, schnell im Speisewagen eine Erfrischung zu suchen, da er vielleicht in ! der v. n Viertelst-.!u' in einen Zug übergeht, der einen

dem Range des Stadtbaumeisters entsprach. Der junge Langerhans studierte Medizin und ließ sich als praktischer Arzt in Berlin nieder. Das Jahr 1848 hatte den jungen Mediziner mit ganzer Wucht in den Strudel der Politik und des öffentlichen Lebens gerissen, und er ist darin ein unermüdlicher Schwimmer bis zu seinem letzten Atemzuao geblieben. So wurde er Landtags- und Reichstagsabgeord- neter und seltsamerweise erst später Stadtverordneter. Er gehörte von 1881 bis 1902 dem deutschen Reichstage und von 1875 bis 1904 dem preußischen Abgeordnetenhause an, war also nahezu dreißig Jahre am parlamentarischen Leben beteiligt, eine Zahl, die nur sehr wenige erreichen. Er trat 1861 der neu begründeten Fortschrittspartei bei und blieb ihr und ihren Nachfolgerinnen treu, machte Ende der acht­ziger Jahre die Fusion zur deutsch-freisinnigen Partei mit und schloß sich bei der Trennung der beiden divergierenden Teile der freisinnigen Volkspartei an. Eine führende Stel­lung hat er in ihr wohl nicht bekleidet, aber fein Wort galt etwas, und wie bei feinen Freunden Beliebtheit, genoß er bei den Gegnern allgemeine Achtung als ein arbeits-, eifriger, tüchtiger und überzeugungstreuer Mann. Am besten hat Langerhans selbst fein Wirken und Wollen einmal in einer Ansprache gekennzeichnet.Ohne Eigenlob," so sagte er,darf ich von mir sagen, daß ich mein ganzes Leben bestrebt gewesen, treu, wie keiner, der Stadt und der Bürger­schaft zu dienen. Ich bin ohne Schwermut durchs Läen gegangen. Aber weil glücklichere Verhältnisse mich um­gaben, darum habe ich mich bemüht, Armut und Elend zu lindern." Ein Stück kerndeutschen/ geraden, schlichten' Bürgertums ist mit demalten Langerhans" dahingegangen.