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21.5.1909 Erstes Blatt
 
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für die Redaktion 112, W// Verantwortlich

Verlag ,r. Expedition 51 AM < Arf 9 * ev v^r* *- «f ** für den politischen Teil:

WM General-Anzeiger für Gberhefsen MM

bis vormitlag-b 9 Uh" Botattonsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchulstratze 7. ur<Becf.

Das Geheimnis des Diamantenmachers.

In Paris hat am 18. Mai der Prozeß gegen denDia°- mantenmacher" Lemoine begonnen. Lemoine erschien vor dem Richter sehr elegant, heiter und überlegen, und wenn er sich auch durch seine Dreistigkeit einige Zureckjtweisungen zuzog, so hatte er doch meistens die Lacher aus seiner Seite. Als der Prä­sident Dreyruß ihn nach den Diplomen fragte, die ihn dazu be­rechtigen, sich Ingenieur zu nennen, erwiderte Lemoine:Ich glaubte wirklich nicht, daß ich das erst noch beweisen müßte, ilanij ich nicht Diamanten machen?"Wo haben eie denn das ge­lernt?" fragte gutmütig der Präsident.Etwa während Ihrer Militärzeit?" Lemoine lacht 'hell auf und erwidert:Der frerr Präsident belieben Witze zu machen." Tann erzählt er bie Ge­schicks vvii der Entdeckung ALoissans, und ime er, Lemoine, dazu gekommen sei, diese Gntdeckmig weiter zu führen.Machen Lie uns das doch einmal vor," lagt der Präsident,Sie wissen ja, daß uns die Formel Mannt ist, die Sie für Sir Wernher in einer Bank deponierten und die der Sachverständige für Schwur bei erklärte. Ist das Ihr Rezept?"Gott bewahre," repliziert Lemoine,das ist natürlich Unsinn! Aber Herr Wernher hatte mir damals noch kein Geld gegeben und später habe ich io viel für Experimente ausaeben müssen, daß ich heute noch etwas von ihm »u erhalten habe." Der Präsident erwidert darauf:Später halte Sir Wernher .Ihnen jedenfalls Geld gegeben, und Sie haben ihm Ihre Kunststücke vorgemacht. Sie haben im Schmelztiegel wirklich Diainantenstaub gefunden. Wann hatten Sie den eigen! lich hincingetait?" Lemoine springt entrüstet aus:Sie können mir nicht beweisen, Herr Präsident, was Sie da behaupten! Ich aber werde beweisen, was ich kann ." Im weiteren Verlaufe der Sßerhanblung gab Lemoine dann sein Rezept preis, wonach er Diamanten künstlich hergestettt haben will. Auf Drängen des Präsidenten sagte er, nach einem Berichte des Berliner Tage­blatts:Ich sehe mein Geheimnis preisgegeben, ich schenke da­mit eilt Vermögen fort; aber was Hilst es? Ich habe es ver sprachen, und ich bin ein ehrlicher Mann." Er sammelt sich, während alle im Saal Befindlichen sich näher herandrängen; obwohl kaum einer mehr an das Diamantenwunder glaubt, will doch jeder etwas von dem Geheimnis erwischen. Lemoine gibt folgende Erklärung ab:Der Fehler des Verfahrens von Moissan. war, daß er nur gaiu kleine T-iamanten erzeugte. Ich jagte ntir, es muß doch auch gelingen, größere Gesteme Herzust,ellen.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Zur Reichzfinanzreform.

Es hat mmmehr dem Anschein, als wenn bie erwünschte Klärung in der Frage bet Rcichsfinanzreforin nicht mehr lange auf sich warten lassen werbe. Der Parteiausschuß der konservativen Partei für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt veröffentlichte imAnhaltischen Staatsanzeiger" einen Artikel, der offenbar ein Ginlenken der Konservativen in der Erbschafts­steuerfrage darstellt. Zum Schluß heißt es: Sollten die Par- teicn der Linken ihre ablehnende Haltung aufgeben und 400 Millionen indirekter Steuern bewilligen, und sollte dann das Zustandekommen der ganzen Finanzreform davon abhängen, daß die Erbschaftssteuer in irgend einer Form angenommen wird, so ist der Zeitpunkt gekommen, wo die Konservativ«! zu er­wägen haben werden, ob es möglich ist, die gegen diese Steuer bestehend«! Bedenken so abzuschwächen, daß deren Annahme als ein geringeres liebel erscheint als das Scheitern der für das Fortbestehen des Reiches unerläßlichen Finanzreform."

Inzwischen hat, nun auch am gestrigen Himmelfahrtstage der Zentralvorst and der National liberalen Par­tei in Berlin getagt und Stellung genommen zur Lage. Eine dem Zenttalvorstand Dor gelegte Resolution fand lebhafte Zu- ftinrmimg und wurde mit 71 gegen 2 Stimmen angenom'mcn. Die Resolution lautet folgendermaßen:Der Zentralvorstand der OZotionalliberalen Partei, überzeugt von der Notwendigkeit einer ungesäumten und gründlichen Reform der Finanzen des Reiches und durchdrungen von tiefer Sorge um baä Zustandekommen des großen Werkes 'spricht der nationalliberalen Fraktion des Reichstags heu Dank und bie Anerkennung der Partei aus für die entschlossene .Haltung, die bie Fraktion in bet gegenwärtigen Lage eingenommen hat. Der Zentralvorstand steht entmutig aus dem Boden der Anschauungen der Fraktion, daß angesichts der 'bie Machtstellung und das Ansehen des Reiches schwer schädi­genden nicht länger ertragbar«! Finanznot eine Mehrbelastung der Massengcnuß- unb Verbrauchsartikel um annähernd 400 Mil­lionen Mark unumgänglich und auch erträglich ist unter der Vor­aussetzung, daß weitere 100 Millionen Mark an Steuern auf den Besitz gelegt werden. Er hält hierbei in Ucbcrcinftimmung mit der Reichstogssraktion eine allgemeine Besitzsteuer für die notwendige Vorbedingung des Zustandekommens der Reform und betrachtet nach Ablehnung der Reichsvermögenssteuer die erweiterte Erbschaftssteuer unter .Heranziehung der Kinder und Ehegatten in kinderloser Ehe als die zur Zeit allein mögliche und am wenig- licit drückende, bie Finanz Hoheit und das Finanzgebahren der einzelnen Bundesstaaten am meisten schonende Form einer solchen allgemeinen Besteuerung des Besitzes. Der Zentralvorstand spricht sein Vertrauen ans, daß die Reichstagsfraktion auf diesem ihrem wohlerwogenen und von der Partei im Lande wie auch sonst , von den weitesten Kreisen unseres Volkes gebilligten und mit Freude begrüßten festen Standpunkt beharren wird."

lieber das Ergebnis der Besprechungen des Kaisers mit dem Reichskanzler in Wiesbaden verlautet noch nichts, aber der Reichs­kanzler zeigt sich mit dem Ergebnis seiner wiederholten Be­sprechungen mit dem Kaiser in hohem Grade befriedigt. Tie gleichzeitige Angelegenheit des Grasen Wedel wie des Fürsten Radolin am kaiserlichen Hoflager hat übrigens mancherlei K'om- binattonen veranlaßt, die jedoch als hinfällig bezeichnet werden können: der Kaiser hatte lediglich den Wunsch, dem Statthalter von Elsaß-Lothringen die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden persönlich zu überreichen. Bezüglich der inneren Politik behält der Reichskanzler, wie der Lok.-Anz. erfährt, nach wie vor freie .Hand, eS wurden keinerlei bestimmte Maßnahmen getroffen. Fürst v. Bülow begleitete den Monarchen von Wiesbaden nach Frankfurt a. M. und kehrte von dort gestern abend nach Berlin zurück.

Ausland.

Der Zustand der Königin von Italien gibt 'Anlaß zu großer Besorgnis. Sie leidet seit längerer Zett «n Nermm schmerzen. Professor Bacelli besucht die Königin häufig. Sie erhielt in den letzten Tagen wiederholt Ern- spritzungen zur Linderung der Schmerzen.

Die italienische Regierung erhielt von der Pforte auf ihr Ansuchen die Erlaubnis, daß zioei italienische

Kriegstransporte, die aus Rußland Mphtha bringen I r sollen, die Dardanellen passieren, unter der Bedingung, I *

daß die Schiffe desarmiert werden.

Automobil nach Frankftirt a. M., wo sie um 12 Uhr mittags vor der Festhalle eintraf. Der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Oskar, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nahmen in der Hoftoge Platz, von Fanfarenbläsern: m Landknechtstracht mit Tusch empfangen und vom Publikum! mit Hochrufen begrüßt. Die Festhalle war wiederum dicht ge­füllt. Die Spitzen der Behörden und die Gefolge nahmen neben der Hoftoge Platz. Kurz nach 12 Uhr mittags begann das Wett- s i n g e n der einzelnen Vereine, deren jeder das PreisliedR h e i n- s a ge" von Emanuel Geibel, komvoniert von Otheg raven, und sodann einige selbst gewählte Lieder vortrug. Ms erste Gruppe langen: der Oberbarm er Sängerhain-Barmen, der Quartett-Ver- ein-Tüsseldors, Freundschaft-Pforzheim, Phttomele-2üsfeldors,Bar- mer Sängerchor-Barmen und der Kölner Männergesangverein. Die durchweg tadellosen Leistungen fanden reichen Beifall, an dem sich auch das Kaiserpaar lebhaft beteiligte.

Nach Schluß des Vortrags der ersten Gruppe kurz nach 2 Uhr verließ der Hof die Festhalle. Die Majestäten frühstückten bei ben Prinz Friedrich Ä'arlschen .Herrschaften und trafen mit diesen gegen Vs4 Uhr wieder in der Festhalle ein, worauf sofort ber Gesangwettstreit mit ben Vorträgen ber zweiten Sängergruvpe seinen Fortgang nahm. Es fangen in der zweiten Gruppe folgende Vereine: Deutscher Sängerkreis-Elberfeld, Concordia-Karlsruhe, Erfurter Männergesangverein-Ersurt, Bonner Liedertafel-Bonn, Wiesbadener Männer-Gesangverein-Wiesbaden, Kreuznacher Lie- dertaftl-Bad Kreuznach, Liederhalle-Karlsruhe und der Sänger- chor des Turnvereins Offenbach. Nach Beendigung des Wett­singens kehrte der Kaiser mit dem Prinzen Oskar kurz nach 6 Uhr im fülltomobil nach Wiesbaden zurück. Die Kaiserin mit ber Prinzessin Viktoria Luise unb ben Damen ihres Gefolges hotte bereits gegen 5 Uhr bie Festhalle verlassen unb in Automobilen die Rückfahrt nach Wiesbaden angetreicn.

Im Weinrestaurant des Festvlatzes versammelten sich gestern mittag die Mitglieder der Ausschüsse, die Preisrichter und geladene Gäste zu einem Eröfsnungsftühstück, bei dem Oberbürgermeister Tr. Ad icke s als Vorsitzender des Hauptausschusses der Freude über die Fertigstellung des Halleubaues Ausdruck gab unb in warmen Worten ben Erbauer berjelben, Prof. v. Thiersch-München, feierte unb bie Ovferwilligkeit ber Frankfurter Bürgerschaft hervor- hob, bie ben Bau ermöglicht hat. Prof. v. T h i e r s ch crroibeitc in kurzen Tankesworten, wobei er vor allem auch ber Jngenieur- kunst als helicnber Schwester ber Architektur gebuchte.

Aus Statt sint Land.

Gießen, 21. Mai 1909.

*' Vom Großh. Hofe. Die GroßherzoglßchLn Herrschaften machten, n. d.Tarmst. Ztg.", am Dienstag vormittag in Mainz einen Gang in bie Stadt und besuchten nachmittags mit Gefolge bas Mliseum. Während der Mittags- afel im Palais konzertierte die Kapelle des Regiments Groß­herzogin auf dem Schloßhof. Rach Beendigung des Haeudel- Konzertes fand gegen halb 10 Uhr abends ein Bankett in ber Liedertafel Hott, dem der Großherzog mit den Herren der Begleitung beiwohnte. Am Mittwoch mittag 12 Uhr fuhren die Großherzoglichen Herrschaften im Auto nach Wiesbaden tim Gefolge die Oberhofmeisterin, der diensttuende Kammer- Herr und Flugelabiutant v. Schroeder) und folgten um 1 Uhr einer Einladung der Kaiserlichen Majestäten zur Tafel im König!. Schloß aus Anlaß des GeburtsfesteS des Kaisers von Rußland.

"Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog Haden dem Mitglied der Preußischen und Hessischen Eisen­bahnbirektion zu Mainz, Negierungs- und Baurat a. D. Büscher, aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Staats» eisenbahndienst das Ritterkreuz 1. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Friedr. Herrmann zu Kefenrod die Lohrerstelle an ber Gemeindeschule zu Bös-Gesäß.

* Wichtig für Handwerksmeister. In der kürz­lich eröffneten Ausstellung in Wiesbaden hat sich auch die Hessische Han d werker-Zentra l - Gcn o ssenschaft mit einer Sammelausstellung von Hilfsmaschinen der verschieden- slen Branchen, von Motoren, Werkzeugen, Beleuchtungseinricht- iingen und dergl. beteiligt, die als ganz hervorragend zu be­zeichnen i|t. Wir machen die Handioerksmeister besonders aufmerksam, diese bedeutsame Einrichtung der Hessi­schen Handwerkskammer sich genau anzusehen.

** Koedukation. Offiziös wird mitgeteilt: In der 82. Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 8 ds. Mts. wurde der Etat des Mädchenschulwesens beraten und dabei auch die Frage erörtert, ob es zulässig und rätlich sei, Mädchen in die höheren Knabenschulen aufzunehmen Abg. Tr. Kaufmann sprach sich dagegen aus und begründete seine Ansicht u. a. mit dem Hinweis auf Erfahrungen die in Hessen gemacht worben seien. Nach dem amt­lichen Sitzungsbericht sagte er:Dann möchte ich bezüglich der Frage der anderen Bundesstaaten auch noch darauf ausmerksam machen, daß noch in allerjüngster Zeit in einem unserer deutschen Bundesstaa-en, Hessen, sich die Koedukation in einem Falle recht wenig bewährt hat. Es ist mir mit- geteilt worden, daß in einem Gymnasium des Bundesstaates oo Uor Schulverwaltung gezwungen gewesen

ist, 28 junge Mädchen die dort hospitierten, Knall und Fall entlaßen aus Gründen, bie man beim Direktorium naher erfahren kann." Hierzu ist folgendes zu bemerken: Ein ,vall der von Herrn M>g. Tr. Kaufmann mitgeteilten Art isr in teinem Gymna>ium des Landes vorgekommcn, weoer in allerjungiter Zett, noch früher. Tie Schulverwaltung ist noch niemals in der Lage gewesen, eine Schülerin oder tme Hcypitanttn wegen schlechter Führung aus einem Gym- naiium entfernen zu müssen. (Hospitantinnen werden übri­gen^ in den höheren Knabenschulen nur ganz ausnahms­weise ausgenommen.) .Weder in einem Gymnasium noch in

Begnadigt. General Stößel verließ Mittwoch vormittag 10 Uhr und Admiral Nebogatow um elf Uhr die Peter-Pauls-Festung.

Die persische Kolonie in KHnstantinopcl ver­öffentlicht ein Flugblatt, das gegen das Vorgehen Rußlands in Persien protestiert und den Schutz der europäischen Mächte verlangt.

Aus Caraeas. Ein Dekret widerruft die Aus­fuhrzölle auf Kakao, Kaffee und Häute.

wenn es möglich ist, die Temperatur und den Druck entfprechcnd zu erhöhen. Das war nicht leicht. Ich mußte eigene Oefen Um- Itrmeren und Tiegel erfinden, die widerstaubsfähig genug waren: mein Ofen ist ein Zylinder von feuerfestem, stark komprimiertem Lon. xsn diesen Zylinder ivcrden zwei Elektroden eingeführt, bie fto) in ber Mitte des Apparat berühren. Der Tonzylinber wirb in einen zweiten Zylinbcr von Kohle unb in einen brüten von Eisen geschloffen, um ben man zur Sicherheit noch Stahlbänder legen kann. Aehnlich ist ber Tiegel, nur besteht er aus Eisen unb aus einem Bierdeckel, der, sobald der' Schmelzungsprozeß beginnt, das innere luftdichr abfchließl. In den Tiegel wird das chemisch reine Eisenpräparar, bei- nach Moissan her gestellte Kohlenswub und das Quech'ilber getan. Dann wird der Tiegel zwischeri die Elekttoden gestellt und 'allmählich die Hitze zur größten Ent­wickelung gebracht. Je länger der Truck und die Hitze dauern, um so größer werden die Tiamanten. Mein Verfahren ist nicht ungefährlich für Unkundige. Ich bediene mich seiner mit Sicher­heit. Ich habe jetzt mein Geheimnis verraten und überlasse dem Gericht, das mich baju zwang, bie Verantwortung."

Nachbem Lemoine mit dien Anzeichen ber Bewegung ge= enbet hatte,beantragte ber Verteibiger Labori bie Vertagung ber Verhanbliing auf ben 14. Juni, bamit bie Wissenschaft sich über Lemoines Verfahren äußern könne. Tas Gericht stimmte nach kurzer Beratung bem Mitrage zu.

Wettstreit tzentscher Mnnergesangvereine.

Frankfurt a. M., 19. Mai. Heute abenb 8 Uhr begann bet b ritte Gesangswettstreit beut ich er Manner­gesangvereine um ben Dom Kaiser gestifteten Wanbcrpreis in bet großen Festhallc mit einem Begrüßungskonzert. Die Halle, nun zum ersten Male öffentlich benutzt, überwältigt burch ihre Timcnnonen. Lieber 13 000 Zuhörer unb 2000 Sänger füllen Parkett, Galerien unb Pobium, ohne baß ihre Fülle be­ängstigend gewirkt hätte: bie riesigen architektonischen Linien ber Eisenkonstniktion kamen burch bie Perienreihen elektrischer Be­leuchtungskörper, bie sich an ihnen hinziehen, klar unb einsach zum 2lusbruck. Gegenüber bem Pobium erhebt sich in ber Höhe ber ersten Galerie bas große Kaiserzelt mit Purpur-Balbachin, zu bem Trepven mit golbcnen Gelönbern emvorsühren. Bei prächtigem Wetter, vom Publikum überaus stürmisch begrüßt, trafen bie Majestäten gegen 8 Uhr im Automobil vor ber Festhalle ein, mit ihnen Prinzessin Viltoria Luise, Prinz Oskar von Preußen unb Prinz unb Prinzessin Friedrich Karl von Hessen mit ihren beiden ältesten Söhnen, ferner Reichskanzler Fürst v. Bülow und die Tarnen unb Herren ber Umgebungen. Unter Fansarenklängen würben sie empfangen vom HmiptauSschuß mit Oberbürgermeister Tr. Abickes an ber Spitze unb von bieiem und dem General­intendanten v. Hülsen-Häseler zur Loge hinaufgeleitel. Gepanzerte Ritter präsentierten am Eingang zum blumengeschinücklen Treppen­haus ihr Gewafs: Pagen in altniebcrlänbncher Tracht und Ehren- rungfrauen schritten voran und besetzten, nachdem die Majestäten an der Brüstung des Logenzeltes erschienen waren, die oben er­wähnten Treppen. Tas auf 160 Mann verstärkte Orchester ber Frankfurter Oper setzte mit ber Nationalhymne ein, bie alle An­wesenden stehend mitsangen. Tas Konzert begann mit Richard Wagners Kaisermarsch, vorgetragen vom Orchester, den 2000 Sän­gern des Sängerbundes Frantfurt a. M. und ber Frankfurter Sängervereinigung unter Leitung von Pros. Maximilian. Fleisch; bie Orgel spielte Tomtaveltmeister Harrmann. Beim Schlußsatz erhoben sich bie Mafestäten, bas Publikum folgte unb brach bei Enbe bes Vorträge^ in brausende von der Halle bonnernb wider- fchallcnbe Hurrarufe aus. Es folgte: Gott ber Wettenschöpfer, Hymne für Männerchor, Orchester unb Orgel von Pemvaur unb bann a capeiü gesungen bie Vottslicber:Es waren zwei Königs- tinber",Tie Loreley" unbIch weiß nit wie mir ist?" Chor, Orchester unb Orgel brachten sobann Mahomet's Gesang von Lothar Kempter zu Gehör. Weitere Voltslieber folgten, nämlich:Tief trunt im Tal", bannMei Bun" unbHeimkehr", bas letztere mit einem Baritonsoto des Opernsängers Aböls Müller: dieses Lied mußte wiederholt werden. Den Schluß machte das nieder­ländische Tankgebet. Tie Tonwirkungen in ber Halle sinb vor­trefflich. Tic Pianos ber Volkslieber klangen weich unb rein. Die ganze Wucht ber Tonmasjen von Sänger, Kapelle unb Orgel bereinigten sich im Tankgebet beionberö wirkungsvoll zu einer unvergleichlichen Steigerung. Du Zuhörerschaft spendete reich­lichen Beifall. Oberbürgermeister Tr. Abickes brachte, bevor der Hoi bie Festhalle verließ, ein breifaches Hoch auf bie Maiestäten aus, in bad alle jubelnb einftimmtcn. Ter Kaiser hat sich mit bem Erbauer ber Festhalle, Prof. v. T h i e r f ch , unb StabtrHt Schaumann über ben Bau ber Festhalle unterhalten unb aus ben Händen der Herren zwei Exemplare der Tenkschnft über ben Fest- hallenbau entgegengenommen.

Der Kaiser unb bie Kaiserin üermerlten gestern abenb nach Schluß bes Begrüßungskonzertes noch längere Zeit in bem Emp- sangssalon, ber vor ber Kaiserloge liegt, nahmen Erfrischungen und hielten Cercle. Ter Kaiser unterhielt sich besonders mit Oberbürgermeister Tr. Avieles und mit Geheimrat Prof. v. Tiersch. Se. Majestät hat eine Reihe von Ordensauszeichnungen verliehen.

u. a. dem Oberbürgermeister Dr. Adickes den Stern zum Roten I Adlerorden 2 Klaffe mit (fichenlaub, bem Geheimen Rat v. Thierfch ben Stern zum Kgl. Kroncnorben 2. Klasse unb dem Polizeipräsi- benten Scherenberg ben Roten Ablerorben 3. Klasse der Schleife.

Heute morgen nahm die Kaiserliche Familie am Gottesdienste in der Schloßkirche zu Wiesbaden teil und begab sich dann im

Roosevelts Jagdbeute schwillt immer mehr an. Tic amerikanischen Blätter führen genau Buch über das von ihm erlegte Getier und befrachten im übrigen jene Iagdreise als eine unerschöpfliche Quelle des Ulkes. Nach einem über New-York nach London gelangten Jagdbericht aus Mombasfa hat Süwfevelt bis jetzt folgende Beute gemacht: Sechs Löwen, zwei Giraffen, zahlreiche Antilopen, ein Hippopotamus, ein Rhinozeros und ein Okapi,lieber die Erlegung des letzteren," heißt cs strafend in der Tepefche o^ls New-York, wo man den Nimrod scharf kontrolliert, ist bisher ntchts bekannt geworden." Einige Blätter korrigieren die Beschreibung, daß Roosevelt wie ein Schuljunge getanzt habe, als er das Rhinozeros nrcdergesfrcckt hatte. Er habe wie ein In­dianer geranzt, heißt es jetzt.