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19.2.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Matt

L 89. Jahrgang

Freitag 19. Februar 1909

Der

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M8 General-Anzeiger für Oberheffen tH

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Lede der Abgeordneten AöhIer-tangLdorf zum Etat der Reichreifenbahnratr.

STt der Sitzung des Reichstags vom 16. Februar ent­wickelte sich zum Schluß noch ein heftiges Gefecht über die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft, von der außer dem ebenfalls anwesenden Mitgliede der Ersten Rammet, den Fürsten yn. Löwenstein sich alle hessischen Abgeordneten beteiligten. Es sprachen die Abgg. Haas, Freiherr v. Heyl, 'David, Ulrich und Köhler-Lclngsdorf; der Letztere sehr kurz wegen der schon sehr vorgerückten Stunde (7 Uhr abends). Da unser Berliner stenographisches Bureau die Ausfüh­rungen des Abg. Köhler-Langsdorf mit demselben Bericht an nns nicht mehr zur postalischen Abfertigung bringen tonnte, so lassen wir sie hierunter nunmehr noch nach- trLglich folgen:

Abg. Köhler-Augsdorf: Meine Herren! Ich will nicht die Debatte zum Schluß kommen lassen, ohne zu be­stätigen, daß in Hessen nicht aUes eitel Freude und Wonne fei über die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft. Vieles ist ja bester geworden mit der Zeit; der ganze technische ^Betrieb der Bahnen ist verbestert worden, entsprechend den seitherigen allgemeinen besteren gewerblichen Verhältnissen. Aber das ist doch beachtenswert: als ich im Fahre 1890 in die Kammer eintrnt, hatten wir in der Staatskasse 13 Millionen Mark Ueberschüsse, jetzt oder richtiger im Fahre 1908 haben wir dafür 386 Millionen Marl Schulden, und die sind zumeist durch die Eisenbahnen gekommen. Bis Ende 1909 wird die Staatsschuld über 425 Millionen Mark betragen. Wir zahlen dann 15 Millionen Mark Zinsen dafür. Wenn wir einmal von Berlin keine bedeutenden Ueberschusse mehr bekämen, wir wüßten nicht, was wir bei dieser kolossalen Schulden- wirtschaft anfangen sollten. Die Eisenbahnen, die Bahn­körper und die Bahnhöfe, sind zwar besser aufgebaut worden, aber doch in erster Linie mit unserem Äelde. Fch weiß die Zahlen nicht auswendig, aber ich erinnere mich, daß aus dem Betriebsfonds nur die Bauten im Betrage bis zu ungefähr 50- bis 70 000 Mark erledigt werden: das andere aber müssen wir aus unserer eigenen hessischen Tasche bezahlen. Fch will nur die Herren, die dem hessischen Landtag angehören, daran erinnern, daß wir aus unserer Tasche für den Darmstädter Bahnhof allein 10, ja fast 11 Millionen zuzuschießen haben: und der Staatsvoranschlag für 1909 weiß dazu noch weitere 6 Millionen Mark Ausgabe für Eisenbahnzwecte mehr auf.

Doch um es hilft zu sagen: das ganze hessische Volt hat manches an dem Vertrage auszusetzen und wünscht daß wir endlich zum System der Reichseisenbahnen kommen mögen. Seinerzeit hat, wie im Namen der nationalliberaleu Partei der Herr Abgeordnete Haas aus­führte, ytan geglaubt, daß man mit der ^lufrichtung des Gemeinschaftsvertrags mit Preußen den Weg der Reichs­eisenbahnen beschreite. Fch habe damals, als der Vertrag im hessischen Landtag vorlag, schon gesagt, daß das ein IJ-.rf

Gießener A(onzertverein.

3. Jubiläumskouzert zur Feier des 90. Stiftungsfestes des Akademischen Gesangvereins.

Manfred.

Es ist ganz unbeschreiblich. wie Possart Vie Sprache hand­habt, was er aus einem jeden einzelnen Worte macht. So, tote er das Wort spricht, gewinnt es Leben und eine Bedeutung, die man darin wdjer garnicht gesucht hat: das Wort bekommt seine Eigene Phbsiognom^. es bekommt Schönheit, c5 bekommt Seele. Ä> lange man Possart nicht gehört hat, alynt man ja gar nicht, welches hohen Wohlllangs unsere Sprache fälstg ist welche Schönheit darin schlummert. Possart ist es, wie man weiß ja auch erst gewesen, der Sckmmnnns Manfred zu seinem zechten großen Erfolge verhalfen Ijat. Dieser <nW, seltene Sprech füitftier bat erst eigentlich das Verständnis für dieses Werk er­schlossen. Auch Schumanns Manfred ist eine Seele iw ffeubarung seines Urhebers, nne es jedes gwßc üunstwerk ist: nur der Mangel an wirklichen Sprechkünstlern ist es ja gewesen, der es verhindert hat und auch beute noch vielfach verhindert, daß dieses ..dramatisches Gedicht" nach Gebühr gewürdigt wird. Possart 'st nicht rnrr ein gwßer SprechMnftler, sondern auch eine wirklich künstlerisch kmustindenbe und durch und durch musikalische Natur. Wie er den Text des Ntanfred auswendig spricht, so keimt er aud) jede Note der Schumanuschen N^usik auswendig. Das ein zelne Wort fällt ihm genau auf die entsprechende %ote. Wort und Musik verschmelzen hierdurch förmlich in eins und erzeugen eine Wirkung, die man wohl erleben, aber nichts mehr öeschreiben kann Wie Possart vor allem die Beschvörung der Astarte ausgestaldei das wird ihm wohl schwerlich einer uachmaclxu. Mit vechaltem n Atem lauschte das Publikum den Worten, die Mrnnsied an dieser Stelle an die Erscheinung der toten röten _ richtet.

Welt bin ich durchwandert, doch deines Gleichen sand ich nicht.' Diese Worte Manfreds und hie weiter folgenden:nur einmal laß dich Ist)reu" waren schon mehr gesungen als gesprochen. So innig Vers lochten sich hier Wort und Musik, lind dann gescltuh etwas, was wohl keiner ohne tiefe Ergriffenheit und Rührung - oder wie man cs sonst nennen mag - in sich ausgewomnvew Haben wird: Die Frage Manfredsdu liebst mich noch?" und bii kurze und doch so vielbedeuteudc Antwort AstartesManfred!'

Tie Chöre waren, vvrzüglcch, und wenn sie nicht zur vollen Geltung kamen, so lag das wieder an den bekannten akustischem

Vorlagen, die Einkommensteuergesetz-Novelle, das Haus bet schäftigen.

politifebe Tagesschatt.

Die Besetzung des preußischen Kultusministerium?.

Wieder einmal wird aus den Ministerialdirektor Schwartzkopfs als auf den kommenden Mann hingewiesen. DerHannov. Konr." stellt dem gegenüber fest, daß die Ernennung dreses ausgesprochen fonieroatioen Parteimannes einem Affront gegen die Liberalen gleichkomme. Es tfl unerfindlich, wie man glauben kann, durch seine Ernennung dem Versöhnung-Werke in Schule und Kirche zu dienen. Daß ober die .Herstellung des Friedens, zumal in der Schule und in der Lehrerschaft, gerade jetzt eifrig anzustreben ist, darüber herrscht wohl in den weitesten Kreisen Uebereinstimmung. Durch Erfüllung wirtschaftlicher Wünsche des Lehrerstandcs eröffnen sich der Friedensarbeit verhältnismäßig gute Aussichten. Die llcbertiaqung des gesamten NnterrichtSwefens in die verantwort­liche Leitung eines ausgesprochenen Parteimannes würde dem Tltfc- trauen neue Nabrung geben und die Flammet! wieder anfachen. Daß die liberalen Parteien des Abgeordnetenhauses zur Stabil lerutrg eines dauernden einseitig-konservativen ParleircgitnentS im KultuS-- ininislerium ein freundliches Gesicht machen sollten, wird wohl niemand erwarten. Es ist nach unseren Informationen richtig, daß sie sie alS Affront betrachten würden. Das ist. so viel wir wissen, auch schon mehr als einmal zum Ausdruck gebracht worden.

Deutsche und englische Flottenrüstungen.

Etne auch für Deutschland sehr intereffante Frage rottrbe gestern im englischen Unterhause angeschnitten. Der Abg. ByleS (lib.) fragte nämlich bei dem Premierminister an, ob er ferne Auf­merksamkeit auf die Anregungen nichtamtlicher Art gerichtet habe, die von einflußreichen Persönlichketten in Deutschland ausgingen und auf die Möglichkeit eines deutsch-englischen Abkommens bc- ireffend die Flottenrüstungen hindeuteten unter der Bedingung, daß England das beschleunigte Tempo ferner Schiffsbauten mäßige; ferner fragte ByleS, ob oer Besuch des Königs in Deutschland er­hoffen lasse, daß irgend eine derartige Regelung eingeleitet werde. Premierminister Asguith erwiderte: Mir sind die von Byles er­wähnten nichtamtlichen Anregungen nicht vor Augen gekommen. Soweit ich unterrichtet bin, hält die deutsche Negierung an ben Gesichtspunkten fest, die sie uns bekanttt gab, daß nämlich ihr Ma- rineprogratnnt ihren eigenen Bedürstusjen gemäß festgesetzt ist, und durch das, was wir tun, nicht in der geringsten Weise beeinflußt werden kann. Sie ist auch der Meinung, daß e§ natürlich ist, wenn wir diejenigen Schritte tun, die wir zum Schutze unserer eigenen Interessen zu tun für notwendig halten. Daber sind wir in Berlin zu keiner Abmachuna gekommen. Fck vertraue aber darauf, daß der Besuch des Königs klar gemacht Hal, daß die Flottenausgaben nicht fo aufgeülßt werden dürfen, als ob sie irgend eine Friktion der beiden Länder in sich schlöffen. (Beifall.) Auf weitere Frage"Byles: Sollen wir annehmen, daß zwischen dem Flottenproaramm der beiden Mächte kein Wettstreit besteht und daß die Flottenstärke der einen nicht davon abhängt, was die andere tut ? erwiderte Asguith: Ich wünsche nicht, daß da? oder irgend etwas angenommen wird, ivas ich nicht sagte. (Gelächter.) Man ging hierauf zu anderen Beratungen über.

*

Zur Lage auf dem Balkau.

In eingeweihten türkischen Kreisen wird eine Meldung der N. Fr. Presse", wonach die Türkei eine Konvention mit Oesterreich zwecks Verteidigung des Sandschaks Novibazar gegen einen e ü e n t. serbisch - montenegrinischen Angriff gewünscht habe, bestätigt. Es wird hierzu bemerkt, daß Oesterreich in seiner Erklärung gelegentlich der Annexion Bosniens bereits mündliche Belsichernngen an die Pforte im Sinne einer Neutralitätsstellung des Sandschaks gegeben har. Die Pforte lege hohen Wert darauf, schon zur Beruhigung der Albanesen, daß diese Erklärung, sei es alS besondere Konvention ober Annex zum Protokoll schriftlich sixiert werde. Bei der Verhandlung Fiber das Rekrutenkontingent in Budapest bezeichnete Ministerpräsident

3rrtum sei. Heute scheint man zu erkennen, daß es nicht der richtige Weg war. Mr hätten uns gegen Preußen schroffer und zurückhaltender verhalten sollen, es wäre gewiß besser gewesen. Also, meine Herren, das hessische Volk ist nicht eitel Freude und Wonne über seine Eisen­bahngemeinschaft mit Preußen. Man hat viel an ihr auszusetzen, unsere besondere Liebe aber gilt der lleber- nahme des gesamten Eisenbahnwesens auf das Reich.

Stimmungsbild aus dem prruh. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 18. Februar.

Ohne große Debatten ururde der Bergetat in zweiter Lesung am Donnerstag erledigt. In der Hauptsache drehte sich die Erörterung um die öffentlich- rechtliche Stellung der Bergarbeiter und technischen Grubenbeamten, nur der Natiouallibe' rale Macco warf noch einige allgemeinere Fragen auf. So die der Kohlenpreisbildung, auf die das Kohlensyndikat nach seiner Ueberzeugung, die er ausführlich begründete, keineswegs den Einfluß hat, den man ihm gern nachsagt. Daß der nationalliberale Redner von den starken Kohlen­preisschwankungen ganz und gar nicht erbaut ist, versteht sich am Rande, und als Abhilfsmittel, das er vorschlug, die Regulierung der gesamten Kohlenförderung, wird am Ende auch trotz aller Schwierigkeiten angewandt werden müßen. Der technisch-industriellen Beamten nahm sich der Volks­parteiler Dr. Sch epp mit Wärme und Beredtsamkeit an, und Herr Le inert, der Sprecher der Genossen, führte bewegliche Klage über die Lage der oberharzischen Erzbergleute. Der Handelsminister unterschrieb mit großes Entschiedenheit Herrn Maccos Warnung vor allzuweitgehender einseitiger Rücksichtnahme auf die Wünsche der Arbeiter, die an der Existenzmöglichkeit der Industrie notgedrungen ihre Grenze finden müsse, lind allseitig zollte man ihm Beifall, als er mit Nachdruck erklärte, vornehm­lich die Verhetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitneh- mern sei die Ursache der vielen polizeilichen Vorschriften, die am Ende ebensowenig im Interesse der Arbeiter wie in dem der Unternehmer lägen. Die Frage der Beein­trächtigung des Koälitiünsrechts der Arbeiter und der tech^ nisch-industriellen Beamten streifte Herr Delbrück nur oben­hin, gegen die Klagen des Herrn Leinert über Arbeitgeber- terrorisnruö spielte er nicht ohne Geschick den Hinweis auf den sozialdemokratischen Terrorismus gegenüber allen Andersdenkenden aus. Die Spezialdebatte brachte nichts besonderes, und der Etat wurde nach kurzem Hin und Her genehmigt. In der dritten Lesung der Pfarrerbesol­dungsgesetze, die nun folgte, konnte Herr Hoffmann endlich seine Philippika wider die Staatskirche dem Gehege der Zähne entströmen lassen. Ein Heiterkeitserfolg ivar das einzige Ergebnis dieser gar zu sehr an der -Oberfläche klebenden, aus einem Mosaik hitziger Tiraden bestehenden Rede. Kein weiterer Redner nahm das Wort, nur die Vor­lage für die evangelischen Geistlichen passierte ohne weitere Gefährdung die dritte Lesung. Am Freitag soll die Auf­besserung der katholischen Geistlichen und hinterdrein gleich das A Und -O, die conditio sine qua non aller Besoldungs-

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Verhältnissen unseres Theaters. Anzuorkennen ist die Sicherheit der Einsätze. Besonders gefielen mir der Zweite Geist (Soprani, die Partie des ersten Basses im Goist-erbannflnchvon deinen Tränen kocht ick> Sasl" und oer m-ehrstimmigg Schluß des Zaub-r- bannsdie Sehale gieß ich auf dich aus". Sehr schon warm auch die Ehorsatze der Geister ArimanS unb das wunderbar ergreifende Requiem am' Schluß.

Die Worte Astartes sprach Frl. Achterberg mit Wärme unb Empfindung. Das letzteManfred" mar hinreißend. Den verbindenden Text sprach Herr Neurath recht deutlich und gut. Das Orgel,viel des Herrn Gör lach war ebenfalls zu loben.

Eine ganz besondere Freude gewährte das Orchester (die verstärkte Kapelle des Zoologischen Gartens in Frankfurt a. M.). Es schmiegte sich den Worten aufs beste an, war fein abgetönt, rein und sicher. Alle diese Vorzüge konnte man insbesondere in der nnrnderbar schön gespielten Ouvertüre wahrnehmen, sowie in der Zwischenaktmusik der 2. Abteilung und bei derRusturg der Alpenfee". Ganz außerordentlich schörc wurde aber auch die unvollendete Sym'phonie Schuberts gespielt, die dieses letzte Fubi läumSknzert ein leitete.

Tie Gießener haben bekanntlich schon einmal das Glück ge­habt, Possart den Manfred sprechen zu hören: es ist, wenn man nns recht bmd)tet, vor zwanzig Jahren gewesen. Wie man das Schnmannsche "Werk damals aufgenontmen hat, entzieht sich der Kenntnis des Referenten, aber diesesmal war es ein Jubel ohne Gleichen. Es war wirkliche Jubiläums st immun g.

Nun ist das Fest verklungen, und man wird es versmheu, in nüchterner Betrachtung das F-azit zu ziehen. Man wird sich die Frage zu beantworten haben, ob uns diese Jubilaumskonrerte .-inen wirkliä-en ästhelischen Gewinn gebracht und ob sie sirr die musikalischer: Bestrebungen unserer Stadt emen Fortschritt be- i)cuten? Ohne Zweifel. Diese rvohlgelungenen Jrrbilaumskonzerte haben vollauf enviesen, daß auch in Gießen auf nrusikalischqm Gebiete Großes geleistet werden kann. Diese Konzerte haben der: Beweis erbracht, daß sich in unserem Konzerwereine hohes fiärtfc 1 arisches Wolle:: und Können harmonisch vereinigen. Wo diese beiden Faktoren vorhanden find, da 'kann man sich getrost an >as Höchste in der Kunst wagen, nur darf man die strengste Selbstkritik nie außer acht lassen. Gerade in kleineren SbLsten übt es mitunter keine größere Gefahr für den Fortschritt zum 6öfteren. Besten und Höchsten in der Kunst, als die verständnislose Anhimmelung und das EntzÄcktsem über jede Leistung auswchmK- los. In Gi^ßM ist das PEdyn im atenröra von

kritiklosen Bewunderung iveir entfernt. Das Gießener Mtonicrtt publillm: nimmt alles Schöne dankbar entgegen, aber es übk doch zugleick) Kritik und spornt damit die Konzertgeber zu immer besseren Leistungen an. Nur so ist es auch zu erkläre::, wie unser kleines Gießen so sormvolleichete Aufführungen hat biete:: kömwn. Einer, der Diel über das Wesen tret Kritik nachgedacht hat, (Hebbel, Tagebücher vag. 230; sagt:Es gibt nur eine einzige Kritik, die zu respektieren ist. Diese entwickelt fidji aus dem Innersten der Sack)e heraus. Sie sagt: Dies hast du gewollt, denn dies hast du wollen müssen, und untersucht nun, im welchem Verhältnis sein Vollbringen zu seinem Wollen steht. Jede andere ist vom liebel." Schade, daß die Wahrheit dieses WoAes zu 'wenig bekannt ist: wie mancher Äerger, wie nrarrche Gereiztheit würde dann schon im Keime erstickt, wir: manches böse Wort der Gegenkritik bliebe da ungesagt. So lange wir im Endlichen ilebe::, werden, sich Willen und Vollbringen aiuf)üt unserer: bester: Werken nie decken oder restlos ineinander aufgehen. Das wisse:: die großen Schaffenden selbst am besten, und nur kleinliche Eitelkeit oder Unverstand allen: kann meinen, daß dort schon das Höchste erreicht worden sei, too überhaupt etwas ge­wollt imirbc. ?tuf diesem Standpunkte steht der Gießerrer Akadun. Gesangvereu: -wie gesagt glucklicl-erweise nicht. Herr Professor T r a u t m a r: n ist ein viel zu ernst unb ehrlich strebender Süünfttier, um sich durch den äußeren Beifall blenden zu lassen. Mit un­ermüdlicher, ja stauneusiverter Energie und Geduld hat er auch dicsesnml Säuger unb Orchester für die großen und schimerigen Ausgaben vorbereitet, die ihn: mit den drei. Jubilaumskonzerten gestellt waren. Wie glänznü) diese Aufgaben gelöst worden sind, das ist schon zur Genüge hervvrgchoben worben. Eine so vollendet Mairsredartffüht'ung, wie die gestrige, kann nur ein großer Künstler zmvege bringen, wie wir ihn in Herrn Trautmann glücklicherweise, unser eigen nennen.

Herrn Prof. Trautmann verdanken nicht nur der Aka­demische Gesangverein unb der Gießener Kvn^ertverein, sondern! unsere Stadt überhaupt und die mufifliebcnbcn Kreise n»eit darüber tzsrraus unendlich viel. Als feinsinniger Musiker unb Dirigent, begabt mit einer ganz außergewöhnlich n Arbeitskraft, ist ep der rechte Mann, den ntufikalischen Bestrebungen hier die rechten. Wege und Ziele, zu weise::.

Mit einem solchen Dirigenten an der Spitze wird dem Aka­demischen Gesangvereine ein weiteres Wachse:^ Bllchen unb Ge­deihen mr Interesse der ytunft nie fehlen.n.