Ausgabe 
18.11.1909 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 18 November 1909

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Nr. 271

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2 Herrn _ wnftat) Rorpkt irtschrittl.pol iidungs-Verein ireitay den 19. M, m Uhr, im Hoiel Schilf ortraq w".^* Die Volksbewegung 1848 und ihre Bedeut? für die Gegenwart. sle willkommen. - [W

' GIESSEN de Ten ptoERTE w Truppe lannetti

Anfang

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hessische Zweite Kammer.

N.B. Darmstadt, 17. Nov.

Am Ministerttsche: Staatsminister Dr. Ewald, Minister des Innern Dr. Braun, Finanzminister Dr. ©na uth, Mi- nisterlalräte Süffert und Lorbacker. Vor schwach besetztem Lause wird die Sitzung um 9»/« Uhr eröffnet. Es werden zunächst verschiedenezur vorläufigen Beratung" gestellten Vorstellun­gen den zuständigen Ausschüssen überwiesen, darunter die der ber­einigten hessischen staatlickfen Unterbeamtcn, betr. Gehaltsver­besserung, die des Vorstandes des Hessischen Landeslehrerverems, betr. anderweitige Regelung der Gehaltsverhältnisse der Lehrer an Volksschulen, der hessischen Lehrerwittven, betr. die Neu­regelung ihrer Witwenbezüge, der Verbände der mittleren Ver- waltungs- und Justtzbeamtcn, bett. Gewährung einer Teuerungs­zulage, der Dominialsorstwarte, betr. Aufbesserung ihrer Gchalts-

Bilber vom Südpol.

In ihrer Einfachheit erschütternd wirken folgerte knappen ?agebuchblätter des kühnen Polarforschers. 30. Januar. Wir toben keine Abwechselung in der Nahrung und können nur mit Cilfe der jämmerlich dünnen Biskuits mit dem Vorrat an Pferde- sl-isch haushalten. Ter Plasmonproviant rst erschöpft uni) wir chcht minder nach diesem Tagesmarsche. Ter Schnitten ist m schlimmer Verfassung, doch einmal erst am Tepot wird schm alles in Ordnung kommen. Die Oberfläche besserte sich nachmittags unb ist tatsächlich besser, als wir erwartet haben. Dre Temperatur beträgt 3,Ü 0 Reaumur unter 9iull: cs ist warm und klar. Os □ar wieder schwere Arbeit, doch hatten wir nachmittags den Dind mit uns. Wild ist immer noch elend und marschiett teil­nahmslos in seinem Geschirr. Wir nähern uns, mit Eilschritten dem Depot. Die Tagesrationen sind wieder aus 1»/- Pfund re­duziert. Wir sind sehr matt, das Wetter ist gut. 31 Sanuar. Ausbruch um 7 a. m. Wild's Zustand ist schlecht: «kann nicht riehr ziehen. Um 4 p. m. fanden wir den ersten bet Schnechugel, Üc wir als Wegweiser aufgeworfen hatten. Wir kampttrten um ( P. m. Sehr schlechte Oberfläche. Tagesdistanz 21,^0 Kilometer. 1. Februar. Abmarsch um 7 a. m. Stellemveue schrecklicher Toden. Wild sehr schlecht. Fanden wieder ^chneehugel. Kam- lietten um 6 p. m. Tagesdistanz ca. 22 Kilometer. Fe- Äruax. Aufbruch um 6.40 a. m. Nachttast um 7 p. m an rnserem Depot. Auch ich leide jetzt an Dysenterie: bin total er- iböpft. Schlechter, wellenförmiger Boden. Tagesdistanz 213/. Kilo- neter. Rays Geburtstag. Wurde mit 2 Stücken -Zucker gefeiert, ias macht 5 Stück pro Mann. 3. Februar. Mit neuem «-cklittcn und 60 Kilogramm Mehrgewicht. Aufbruch um 8-40 X m. Nachttast um 5.30 P. m. Nur 8 Kilometer vorwärts cetonunen. Entsetzlich weiche Oberfläche.

Dysenterie infolge Genusses von Pferdefleisch. Wild ^hr Mecht . "tf) selbst fühle mich schwächer, die anderen ebenfalls. Schttaste^ -2id)t, knappe Nahrung. Oberfläche schlimmer als je. -schriee icgt 1 Fuß tief. Wir standen um 4.30 morgens auf, ^^dem wir rst um 11 Uhr abends zuvor zur Ruhe gekommen waren Gem^g ür heute. Temperatur 120 Reaumur. Frost. Wetter tnwi. - 4. Februar. Kann nicht mehr schreiben, rott hegen alle an rkuter Dysenterie darnieder. Ein entsetzlicher Tag. Wettermarjcy mmöglich. Aussichten ernst. Wetter heiter. 5. Februar ->cur 12% Kilometer vorwärts. Todmatt. Tyseuterie besser, doch Adams

schlimmer. Kampierten um 5.30 p. m. Wir finden unsere Weg­weiser regelmäßig. Bei halber Ratiofi zu schwach, um viel schrei­ben zu können. Ich juche jetzt viel nach geologischen Exemplaren. Gott gebe, daß wir uns durchkämpfen können. Tie Besorgnis wächst. 6. Februar. Legten beute 16 Kilometer zurück. Wir sind alle etwas wohler: auch der Boden bessert sich. Entsetzlich hungrig. 6 Biskuits und ein Näpfchen Pferdefleisch ist die ganze Mahlzett. Trafen Wegweiser vom 28. November und schlugen Lager dort aus. Ich hoffe, der Dünger wird uns nicht allzusehr schwächen. Vielleicht können wir morgen mehr leisten, denn wrr bemerken Anzeichen einer südöstlichen Brise. Temperatur 10,20 Reaumur unter Null. 7. Februar. Starker Schneesturm. Adams und Marshall erneute Dyfenterieanfälle. Todmatt. Nah­rungsmangel, fühle mich elend. 8. Februar. Tagesdistanz 19.320 Kilometer. Wir hatten bis 10 a. m. heiteres Wetter. Aufbruch vvm Lager bei Schneesturm. Wild und ich endlich in Ordnung. Fühle mich halb verhungert. Wir sprechen von nichts anderem. Nichtsdestoweniger kommen wir, Gott sei Tank, täglich vorwärts. Noch 111 Kilometer bis zum Chinamandepot. 9. Februar. Starker Schneesturm im Rücken und so kamen wir 23 350 Kilometer vorwärts. Adams noch nicht aus dem Posten. Alles Sinnen, Trachten und Reden ist Nahrung. 10. Februar. Kräftiger Rückenwind. Kamen heute 33.280 Kilometer vorwärts. Lebensrnittel sind unser ein und alles, woran wir denken. 11. Februar. Weitere Wegweiser angettoffen. Eine wahre Er­lösung Wir können an nichts weiter als an Proviant denken Wir sollen das Tepot in 2 Tagen erreichen. 12. Februar. Heiterer windstiller Tag. Um 6 p. m. sah Adams die Tepot- flagge." Aus Shackleton: 21 Meilen Vvm Südpol. Verlag Süsjerott, Berlin *

_ Ein Goethe-Bil dnis auf einer Banknote. Wir lesen in derNeuen Freien Presse": Von all den zahlreichen Porträts (Ärethes, die uns die bildenden Künste geschenkt, dürfte wohl keines so merkwürdig sein als jenes, das sich längst vergessen und verschollen auf einer Banknote befindet. Man hat ja Goethe-Bildnisse in Edelsteine geschnitten (von Hirsch Facius), hat ihn auf Kaffeetassen verewigt und sein Antlitz durch jederlei Technik festgehalten; aus einem Kassenschein in der Nach­welt fortzuleben, hat sich der Dichter wohl kaum träumen lallen. Dieses Papier ist vielleicht das letzte seines Stammes. Es ent­hält manche Details, die mit der Kulturgeschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zusammenhängen.

die vereinfacht werden tonnten, so die Ministerialabtei- lungern, die Oberförstereien, die Amtsgerichtsbezirke, die Steuerbehörden, Staatsschulden- und Hauptstaatstt s.e, Ober» rechnungskammer, Kreisämter u)n>.; allein die Veran­lagung zur direkten Steuerkasse jährlich über 500 000 Mk.

Auch der 2T6g. Bähr hat einige Anträge gestellt, deren Zweck Sparsamkeit ist. Er will die Anzahl der Beamten, besonders der aladernischen, vermindert wissen, ferner die staatliche Bautätigkeit auf das aller- notwendigste beschränkt haben wir haben früher den gleichen Vorschlag gemacht und endlich eine Neurege­lung der Diäten und Umzugskoften der Staats­beamten herbeiführen.

Rotahonfbrutf anö Vertag der Arübliche» llnroerüiätB Buch- und StembrudertL R. Lange, Gießen.

Redaktion, ExvedMon und Druckerei: Schul» straße 7. Exoedinon und Verlag - &L Redaktion: 112. reü-AdruAnzeigerGiebea.

Samfltenblätter" werden dem Anzeiger' otermal wöchenilich beigelegt, da» jlrttsblati für öen Kreil Siehrn" zweimal wöchenilich DieLandwirtschaftlichen Lett- fragen erscheinen monatlich zweimal.

Regierung zu schützen. Nach einigen weiteren Ausführungen deS Abg. Orb ist die Besprechung erledigt.

Der Gesetzentwurf Über die Abänderung des Gesetzes betr. die Ruhegehaltsverhältnisse und die Versorgung der Hinterbliebenen der im hessisch-preußischen Gu'enbabnfcienit an- gestellten Staatseisenbahnbeamten wird dem Ausschußanlrag ent- Iprechend ohne Debatte angenommen. Das Gesetz enthält rück­wirkende Kraft bis 1. April 1908. $.

Der Antrag der Abgg. Köhler und Bahr, bett, bte Einführung einer B a n k u m s a tz st e u e r wird vom Dause für erledigt erklärt. Die Regierung hatte dem Ausschutz ihre Meinung >ahin ausgesprochen, daß der Anttag durch das 3u|tanbetonunen >er Reichssinanzreform gegenstandslos geworden fet

Bei Beratung des Anttags Ulrich und Gen., die Erhebung einer Kirchensteuer bett., stellt Abg. U 1 ri ch fest, dost seine Partei nach wie vor an der Ansicht festhalte, daß die Kosten für die religiösen Bedürfnisse nur von denjenigen getragen werden tollten, welche die religiösen Einrichtungen auch benutzen. Eine Benutzung der allgemeinen Staatsgewalt dürfe hier nicht stattsindcn. Dieser Meinung seien nicht nur die Angehörigen seiner Partei, sondern auch zahlreiche Andersdenkende. Der Anttag Ulrich wird darauf dem Ausschußanttag entsprechend mit allen gegen 6 Stimmen

Zur Beratung kommt hierauf die dringliche Anfrage des Abg. Berthold, die Zustände in der Eisenbahnwerkstatt Darm­stadt II betreffend. Minister Gnauth verliest eine Erklärung, die die in der Anfrage erwähnten Anstände widerlegt. Auf Anttag des Abg. Berthold kommt die Besprechung der Anfrage der Abgg. Ulrich und Genossen, betr. Eingriff der El {en - bahndirektion Mainz in das Selbstbestimmungsrecht ihrer Beamten u. Bediensteten, zur Beratung gestellt. Nach Mitte lung ter Regierung hat die Eisenbahndirektton zur Begründung ihrer Stellungnahme darauf hingewiesen, daß die in Mainz bestehende Spar-, Konsum- und Produktionsgenossenschaft, um die es sich handelt, unter Mitwirkung des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr David gegründet wurde und daß bis vor einiger Zeit der sozialdemokratische Stadtverordnete Liebmann die Gesckwfts ge­führt habe. Es sei auch festgestellt, daß am 1. Mai der Mal­eier wegen die Verkaussläden der Genossenschaft geschlossen waren. Die Eisenbahndirektion hatte sich zu der Annahme be- rechttgt, daß die Geirossenschaft unter sozialdemokratischer Lei­tung stehe und die Beteiligung von Bediensteten der.ntaats- eisenbahnverwaltung an dieser Genossenschaft mit den ihnen ob­liegenden Pflichten unvereinbar sei. Im übrigen handle es sich bei dem Verbot um eine dem Einfluß der Regierung entzogene Angelegenheit, da für die allgemeinen Dienstverhältnisse der Be­amten und sonstigen Funktionäre der Eisenbahngemeinschast ledig­lich die dem preußischen Eisenbahnminister unterstellten Behörden zuständig sind. ar 3

Abg. Orb (Soz.'i ergeht sich hierzu in längeren Aus­führungen. Die preußische Eisenbahnverwaltung nehme dem Ar­beiter die Wohltat der Gesetze. Ter Redner erwähnt einige Firmen, die ihren Arbeitern im weitesten Maße Freiheiten gewahren. Eine derartige Besttmmung, wie sie in Mainz getroffen wurde, werde vielleicht nur noch in Rußland zu finden sein.

Finanzminister Gnauth entgegnet: Es handle sich hier um eine Sache, für welche die Großh. Regierung nicht zuständig sei Die Handlung der Eisenbahndirektion befinde sich hier in Uebereinftimmung mit dem preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten, der seine Stellungnahme im vorigen Fruhiahr _euum Gesinnungsgenossen der Fragesteller gegenüber im preußischen Abgeordnetenhause klar und überzeugend verteidigt und vertreten ^^Slbg Raab <Soz.) wünscht eine Erklärung der Regierung, ob sie mit dem Verbot der Eisenbahndirektion an tue Arbeiter, sich an dem Konsumverein zu beteiligen, einverstanden sei oder nicht. Jeder rechtlich denkende Mensch müsse das Verbot ver­urteilen. Die Leute seien infolge ihrer niedrigen Löhne und im Interesse ihrer ganzen Lebensführung gezwungen, sich an dem Verein zu beteiligen. Die hessische Regierung sollte bemüht blei­ben, ihre Staatsangehörigen gegen die Eingriffe einer fremden

I* abeick.

öerroaltungsreform in Hessen.

Wir haben mit anderen hessischen Blättern vor einigen Wochen bereits dargelegt, daß die düstere Finanzlage H- sscns aLch eine Prüfung des kostspieligen Verwaltung i'apparatcs ifordere und haben eine Vereinfachung des Verwaltungs- firpcrs empfohlen, durch die dem Lande viel gespart h>:r= flttt könnte. Erfreulicherweise ist denn auch jetzt in der Seiten Kammer ein entsprechender Antrag eingegangen, innen Begründung unsere Ausführungen bestätigt. Und Dar ist cs die nationalliberale Fraktion, die in dieser -ache die Initiative ergriffen hat. Uns wird aus Darm­stadt berichtet:

Zur Frage der Organisation der Staatsbe­hörden und der Vereinfachung der Staatsver- löal tu n g haben die Abgg. £>a a §, Noack, Dr. Osann il Gen. soeben bei der Kammer folgenden Antrag ein- gebracht:

Wir beantragen: Hohe Kammer möge Großh. Regie- nmg ersuchen, alsbald einer aus Vertretern des Landtags und der Regierung, von letzterer einKuberufenden Kom- inission Vorschläge vorzulegen zur Neuorganisa- i io n der Staatsbehörden im Sinne einer wesent­lichen Vereinfachung und Verbilligung der Jerroaltung entsprechend den in der Zweiten Kammer in dm letzten Jahren vielfack> geäußerten Wünschen und st er von den Behörden durch Großh. Ministerium des Innern am 11. August 1909 eingeforderten Gutachten."

Der Antrag ist von sämtlichen 18 Mitgliedern und den beiden Hospita-tten der n a t i o n a l l i b e r a l e n ,,'taktion unterzeichnet. In der B e g r ü n d u n a wird starauf hingewiesen, daß den bisher gelegen lich der Budget- icrbanblurigen in der Kammer geäußer.en Wünschen und Zorschlügen auf eine Vereinfachung der Staatsverwaltung mb der Organisation der Staatsbehörden bis jetzt greif» Fore Vorschläge seitens der Regierung nicht gefolgt sind, tie Finanzlage aber dringend bald ge durchgreifende Maß­regeln erfordere. Auch Preußen habe eine R form der ^ernxiltuiig für notwendig erachtet und sehe diese Reform l icht etwa in einer Einschränkung des Schreibwerks, sondern s eile den Behördenaufbau, die Verteilung der Derwaltungs- ceschäfte auf die Behörden und damit die wichtigsten Dinge ter inneren Verwaltung zur Beratung. Ja dem kleineren dessen sei die Staatsverwaltung in einer den Großstaaten a(;nlid)en Weise vielverzweigt und so reich organi iert, daß für die Besoldungen der Beamten, für Pensionen und Hinter- bliebenenversick>erungen nicht nur sämtliche Einkünfte aus sten direktm Steuern des Landes, sondern noch etwa vier

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

In Frakturlettern gehalten, lautet der orthographisch nicht ein­wandfreie Text dieser nur auf der einen Seite mit einer Stahl­platte bedruckten Geldnöte, welche auf zehn Taler (Dollars) lautet, wie folgt:Die Northampton Bank Verspricht an C. Pretz oder Vorzeiger auf verlangen Zehn Thaler zu bezahlen. Allentaun (ficj), Serba Caunty (!), Penni-^eptember 26. 1839. John Rice, Ca>- sirer John Eckert, President." Wett sonderbarer noch als dieses eigentümliche Englisch-Deutsch sind die vier Eckvignetten dieser auf den Ueberbringer lautenden Anweisung. Die nach der Union ausgewanderten Deutschen haben ihr Papiergeld mit den Heroen ihres Heimatlandes oder eigentlich ihrer Heimatkunft geschmückt. Aber wie seltsam ist ihre Wahl ausgefallen! Von allen ihren Dichtern und Denkern haben fic, wie begreiflich, Goetche für würdig befunden, unter den representative men Germaniens zu figurieren. Tas Bildnis Goethes in einem Medaillon ist eine gute Reproduktion des berühmten Gemäldes von Jagemann aus dem Jahre 1806, keines der sympathischsten der Porttäts des Tichters, aber dennoch eines seiner bekanntesten. Die drei übrigen Gefährten des großen Weimarers, die neben ihm das Notenbild verschönern helfen, dürften freilich etwas befremben. Tenn nicht Schiller, iwch Mozatt oder Luther oder gar Kant, nein, den Poeten Klopstock, den Asttonomen Herschel und Josef Haydn nahm man in ihr neues Vaterland hinüber.

Carmen Sylvas Schützling. Von einem Wunder menschlicher Willenszähigkeit, von einem einarmigen blinden Pianisten, der sich dank der sorgenvollen £>ilfe der Königin von Rumänien aus Unglück und Armut zu viel bewunderter Künstler­schaft emporschwingen konnte, erzählen die Answers interessante Einzelheiten. Es handelt sich um den Pianisten Wladimir Do- lanski, der in Bukarest geboren wurde und als 14 jähriger Knabe durch eine Explosion einen Arm und das Augenlicht verlor und als hilfloses Waisenkind davongettagen wurde. Seine Verwandten schickten ihn in ein Blindeninftitut, wo der Unglückliche die Ge­schichte eines ungarischen Musikers hörte, der mit einer Hand meisterhaft Klavier spielte. Von diesem Tage an begann W. mit eiserner Energie Musik zu studieren; von frühester Kindheit an war es seine Sehnsucht gewesen, Musiker zu werden, und ein starkes Talent stützte seinen Willen. Er übte täglich 12 ja 14 Stunden und seine Zähigkeit blieb nicht erfolglos: nach 2 Jahren bereits war er ein hervorragender Klavierspieler, der mit einer Land eine Unzahl von Werken auswendig spielte. Carmen Syloa interenierte sich für das Schicksal des begabten Knaben, sie formte für seine Ausbildung und setzte ihm eine Monatsrente von 75 Frs. aus. Heute verdient der einarmige Blinde aus eigener Kraft das Lundertfache.

GiesSe,

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9 Ein weiterer Anttag des Abg. Ulrich verlangt, daß auch auf dem Steuerzettel die Höbe der Kirchensteuer zum Ausdruck kommen solle. Nack einigen Ausführungen des BeriÄtcritatters Abg. Übel wird der Antrag gegen die Stimmen der Sozial- )cmoTraten vbgelehnt.

Zu dem Anttag der Abgg. Dr. Frenay und Gen., betr- Maßnahmen gegen d i c Arbeit s 1 o f i g ke 11, hat Aog. Raa bden Ausschußbericht erstattet. Der Ausschuß ist einstimmig der Auffassung, daß der schon im Dezember 1908 eingebrachte ttn- ttag auch jetzt noch seine Berechtigung habe und beantragt, mc Regierung zu ersuchen: Auf alle staatlichen und kommunalen b& Hörden in dem Sinne einzuwirken, daß dieselben

1 durch Vornahme von Notstandsarbeiten der ArbeitSlosi(p- feit nach Möglichkeit entgegenwirken,

2 bei allen Unternehmungen und Arbeitsvergebinigen naty Möglichkeit die am Ort des Unternehmens ansässigen Ge' schäftsleute berücksichtigt und, falls auswärttge Unternehnurr zugezogen lverden, diesen zur Pllicht machen daß sie möglichst die am Orte des Unternehmens ansässigen Ar­beiter berücksichttgen."

Abg. Raab (Soziald.) ist der Meinung, daß die Regierung gegen die Arbeitslosigkeit mehr tun könnte. Es tollten die vor­gemerkten Arbeiten möglichst rasch in Angriff genommen und in erster Linie inländische Arbeiter berücknchtigt werdeit. Be­sonders rügte er, daß beim Tarmftädter BahnhvsSbau so Dreie ausländische Arbeiter hcrangezogen wurden.

Finanzminister Dr. Gnauth entgegnete hierauf, daß beim! hiesigen Bahnhofsbau preußische Vorschriften maßgebend seien. Wegen Verwendung der aus-ländisären Arbetter leitens der aus- führenden Saufinna Ijabe diese erklärt, fte la, um ihren Ver­pflichtungen nachkommmi zu können, gezwungen gewesen, Aus­länder mit heranzuziehen. _

Abg Köhler (wild) beleuchtet die Arbeitslosigkeit in brt Landwirtschaft. Die Arbeiter müßten sehr gut bezahlt werden. Im übrigen sind- er es komisch, daß man in der Industrie über Arbeitsmangel klage, während auf dem Lande Arl^itermangel berrfefje. Von dem jetzt namentlich beim Zentrum Herri chendeni Lumanitatsdusel und den sozialpolitischen Kinkerlitzchen wolle er nichts wissen. , _ .

Abg. Mvlthan (Sentr.1) spricht für den Anttag^ Beim D«. geben der Arbeiten werde viel gesündigt und es sei besonders M rügen, daß auch bei staatlichen Bettieben viele ausländische Arbeiter herangezogen werden. .

Minister des Innern Braun führt in tangerer Rede au5, daß der Gedanke, noch Möglichkeit einheimische Arbeiter zu bc- schaftigen, schon seit Jahren das eifrige Bestreben der Regierung war. Ein allzuscharses Betonen der a u s s ch l i e ß t\a>en peran* ziehung des heimischen Gewerbes habe aber auch feine Kehrseite. Durch zu strenge Vorschriften veranlasse man auch die Nachbar­staaten zu ähnlichen Bestimmungen. Im übrigen erklärt per Minister, daß die Regierung mit der Ausschußfassung des An­trags einverstanden sei. Cs sei auch auf Grund der veranstal­teten Enguete festzustetten, daß eine allmähliche wirtschaftliche Besserung für den Winter erwartet werden könne

Abg. Tr. Ofann CTcatlib.) führt aus, daß die städtischen Arbeitsnachweise keinen großen Erfolg hätten: cs könnte inten­siver gearbeitet werden, wenn sich die Städte äu einem allge­meinen Bunde für die Arbeitsnachweise zusamnienschttetzen wurden.

'.Millionen darüber hiumts verausgabt w?rden müssen. Man hätte daher erwarten dürfen, daß angesichts der Fmanznot des Landes die Regierung in erster Linie an die Frage der M HIlifTfr MlNifiW Verbilligung der ganzen Verwaltung im Sinne der bereits ow ihinbrtX K m der Oeffentlichkeit und in der Kammer geäußerten Wünsche

ÄM. Zchlreiche üiL I erangetreten wäre, ehe dem Lande die Erhöhung der

q envünschl. '-1 Steuern um 25 bis 30 Prozent in Aussicht gestellt würde,

lesnteicken bitten«« Sjon feiten der Regierung seien aber die bei den letzten

I äftldgetberatunaeu gemalten Vorschläge zum Teil mit uder^allseiiig zu^beteduw einiger Zurückhaltung, Kum Teil mtt dem Zweifel, ob eine lad) dem Bornm nnMti s.i nxsentliche Verminderung der Äusgaben überhaupt mog ich iserhos tStainmml|iiz ausgenommen worden, so daß man zweifeln tonne, gemütliches 1 ^ie Reform- und Reoraaniscttionsvorschlage besondere

Berücksichtigung finden würden. Die Begründung weist t^nn au| bic ähnliche, vor 30 Jahren vorgenommene Re­vision der Verwaltungsbehörden hin und betont, daß der '.Knister des Innern die Möglichkeit einer Dezentral.sairon bereits zugegeben habe und damit die Möglichkeit einer Vereinfachung der Organisation besonders in den Ministe­rien gegeben sei. Das kleine Hessen mit 1130 000 Ein­wohnern fhibc in drei Ministerien sieben be­sondere selb st ändigeAbteilungen und neben den hrei Ministern 11 Ministerialräte und an 40 Vortragende Räte, sowie eine große Anzahl Hilfsarbeiter. Die Begrün- f? bung führte dann im einzelnen diejenigen Behörden auf,

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