^*•9$ Erstes Blatt ISS.Jahrgang Donnerstag 2S. 2lpril 1S0S
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Verlag u. Expedition 51 xf A< V * er X^L\ < ** für den politischen Teil:
SS General-Anzetger für Ooerheffen bk für die Tagesnummer « 4 u ® ' 1 u.Land" und „Gerichts-
bis vormittags 9 Uhr. HO!anottsont(! und Verlag -er Vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. feQl": für den
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seilen.
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
T . n-f , . Berlin, 21. April.
, Eisenbahnkursbuch nimmt leider zu wenig Rücksicht auf ms DMengesetz des Reichstages, sonst hätte man einen süddeutschen • cj rntl^r gelegt und der kostbaren Zeit des Reichstags zwei ange Reden der Herren Erzberger und Ulrich erspart, die sich rwnche und erfolgreiche Mühe gaben, einer Anzahl süddeutscl-er Ubgevrdneten das rechtzeitige Eintreffen-zur namentlichen Ab U i mniung über den städ t i schen Oktroi zu ermög- nchen. Werter hatte die Fortsetzung der gestrigen Debatte ersicht- kernen Zweck. Die Ankündigung der namentlichen Abstimmung hatte das Haus gefüllt, und mit nahezu Dreiviertelmehrheit wurde den Gemeinden di- erbetene Gnadenfrist versagt.
Und dann begab sich ein Wunder. Als nächster Punkt stand auf der Tagesordnung die dritte Lesung des polnischen ™ ? $7 egen daspreußische Enteignungsgesetz;
und obgleich zu gleicher Stunde über die gleiche Materie int preußischen Abgeordnetenhause gelegentlich der Beratung des Be- rrchts der- Ansiedlungskommission gespvoä)en wurde, sich also die schönste Gelegenheit bot, dieselben Reden noch einmal zu halten, konnte der Präsident mit der Eröffnung der Debatte zugleich auch "ihren Schluß verkünden, und man wandte sich dann dem letzten Gegenstände.der Tagesordnung zu, dem Antrag der wirt- schaMicheu Vareinigung auf eine soziale Ausgestaltung des E r fr n d c r r e ch t s d e r A n g c st e l l t e n. Im Laufe der letzten Jahre ist diese Frage mehr und mehr in die öffentlich Er- ortenmg gerückt, ist in zahlreichen Artikeln der Presse besprochen, in den Versammlungen der Organisationen, besonders der Angestellten, verhandelt worden, und hat wie bekannt, die letzte Tagung des deutschen Iuriftentages beschäftigt, wie sie auch der Verein Mr den gelverblichen Rechtsschutz auf die Tagesordnung feiner demnächstigen Stettiner Tagung gesetzt hat. Die Begründung des Antrags, der ganz allgemein eine größere Berücksichtigung der Interessen der Angestellten bei der bevorstehenden Revision des Patentgesetzes der Regierung ans Heitz legt, übernahm der Abg. Uttmann. In der Hauptsache machte er sich "den Standpunkt des Bundes der technisch-industriellen Angestellten zu eigen. Mer die extreme Forderung des zwingenden Eigentumsrechts des An- Melltim an seiner Erfindung glaubte doch auch er nicht ausdrücklich vertreten zu sollen. Statt dessen empfahl er neben einer Zwingenden Vorschrift über die Nennung des Namens des Erfinders in der Patentschrift sowie eine Herabsetzung der Patentgebühren, wogegen von Feiner Seite Widerspruch erhoben wird, gesetzliche Festlegung der Entschädigungspflicht des Firmeninhabers. Ter Zentrumsabgeordnete Nacken und der Mannheimer Sozialdemokrat F r a u ck äußerten sich ungefähr im gleichen Sinne. Mer die mit den gewerblich-technischen Verhältnissen aus reicher Praxis angehend vertranten Herren Dove und Dr. Junck von den Santen der Freisinnigen und Nationalliberalen sahen sich benu gegenüber doch genötigt, auf die praktischen Schwierigkeiten hin- iuroeifen, die ftch der Durchführung dieser so einfach scheinenden ^rderung in den Weg stellen. Insbesondere ist es die häufig große Schwierigkeit, festzustellen, wer in Wirklichkeit der Erfinder ist, da namentlich bei den sogenannten Etablissementserfindungen fte vielleicht sogar zeitlich auseinanderfolgende Tätigkeit einer Meitze von Männern erforderlich ift, ganz abgesehen von dem Eingreifen glücklicher Zufälle, um eine Erfindung wirtschaftlich verwertbar zu machen. Aber bei seiner allgemeinen Fassung konnte der Antrag einmütige Zustimmung finden, und diese Sym- .mthiekundgebnilg der gesetzgebenden Körperschaft wird bei der Acesorm des Patentgesetzes immerhin richtunggebend wirken.
rtiMMUngsdild aus dem preutz. Abgeordnetechäüxf
Berlin, 21. April.
Die Osterferien sind vorüber und frisch gestärkt sind die preuß. Äolksboten zur parlamentarischen Arbeit ins Hohe Halis an der Hrinz Albrechl-Slraße ziirnckgekehrt. Einst,veilen freilich bei weiten, nicht alle: als Herr v. Kröcher zu Beginn der Sitzung die Häupter fi’iner Lieben zählte, da fehlte manch niehr oder minder teures Haupt. Und denen, die da sind, hängt offensichtlich noch so etwas ime Ferienstimmnng an : das Tagespenfun,, der E t a l und die Denkschrift der Anfiedel nngskom Mission, begegnet mur geringem Interesse, und in den Wiedersehensgesprächen geht ckie aiisiührliche Darlegrma des Kommissionsberichterstatters Wam-
hoff ungehört verloren. Tas ändert sich auch nicht, als der Pole S e y d a ans Rednerpult tritt, um das alte unvermeidliche polnische Klagelied über die Ansiedelungspolitik zu singen. Erst als Herr Glatze l von den Nationalliberalen das Wort nimmt, beginnt das hohe Haus mehr diligemian, zu prästieren. Nach der larmoyanten Polenrede wirkt die rnhige, entschiedene Sprache des national- liberalen Redners doppelt sympathisch und Interesse weckend. Im Ganzen ist er mit der Ansiedelnngspolitik einverstanden, mir im Einzelnen, so vornehmlich gegen die unzweckmäßige Bildung von Restgütern und die Uebersvannnng des Genofienschastsgedankens, hat er Bedenken. Der künstlichen Genossenschaftszüchtilng tritt im Interesse des ostdeutschen Mittelstandes anch der Freisinnige Wolff- Lissa entgegen, während sein konservativer Namensvetter Wolff- Gorki mit einem heiteren, einem nassen Ange der den Güterpreis drückenden Wirkung des Enteignungsgesetzes gedenkt. Herr Ströbel, der „Vorwärts"-Redakteur, kommt noch mit einem Anathema gegen die Ansiedelnngspolltik und markiert den Schirmherrn der unter- drückten Polen, ein Beginnen, das Herrn R e w o l d t von den Freikonseroativen zu einer Erwiderung von sreilich nicht überwältigender Kraft reizt. Dann hat man für heute genug — morgen ist anch em Tag!
Die wirren in der Türkei.
Die heute aus Konstantinopel vorliegenden Meldungen klingen beruhigender. Hiernach sind die Gerüchte der letzten Tage von der Abdankung, Verurteilung, Absetzung und der Flucht des Sultans nicht richtig. An Widersprüchen fehlt es allerdings auch in den heutigen Meldungen noch nicht, so daß es noch immer nicht möglich ist, sich ein klares Bild von der jetzigen Lage in Konstantinopel zu machen. Nach der einen Meldung sollen die Verhandlungen zwischen den Jungtürken und dem Aildiz gescheitert sein, nach den andern ist eine Verständigung zwischen der Regierung und der Leitung der mazedonischen Truppen auf folgender Grundlage zustande gekommen: Die Absetzung pes Sultans wird fallen gelassen; der größte Teil der Konstantinopeler Garnison wird entlassen und durch Salonikier Gendarmen die den Sicherheitsdienst übernehmen, ersetzt. Die Salonikier Truppen, deren Vorhut sich bereits dickt vor der Stadt befindet, werden vorläufig nicht einmarschieren. Die Regierung wird einen entsprechenden Ausruf an die Bevölkerung erlassen. Alle Truppen werden einen neuen Eid leisten. Die Regierung übernimmt die Bürgschaft für die Unterwerfung der gesamten Garnison mit Ausnahme eines kleinen Teiles der Nildisbesatzung. Die Kriegsflotte wird zu Manöverübungen den Hafen verlassen.
Auch in Saloniki, in Komiteekreisen, wird behauptet, daß alle Bedingungen des Komitees in Konstantinopel angenommen worden seien. Der „Tanin" soll von heute in Saloniki erscheinen.
Heber 200 Offiziere find ermordet.
Der Sohn des Sultans, Prinz Mehmed Burhan Essendi, den die öffentliche Meinung als bei den letzten Ereignissen kompromittiert betrachtet, hat an einige Blätter ein Schreiben gerichtet, in dem er das Gerücht für falsch erklärt, daß er sich vorige Woche unter die vor dem Aildis demonstrierenden Artilleristen gemischt habe, und auch andere Gerüchte bestreitet. — Die Zahl der in der letzten Woche ermordeten jnngtürkischen Offiziere wird jetzt auf 262 angegeben. Acht von ihnen wurden vor dem Mdis ermordet. Bemerkenswert ist, daß die gestrige Proklamation der Salonikier Armee nicht nur vom Kriegs- und Marineministerium allen hiesigen Truppen, sondern auch von der Pforte allen Zivildepartements mitgeteilt worden ist. Der Eindruck auf die Garnison scheint allgemein recht günstig zu sein. Widerstand ist nicht zu erwarten. — Bisher wurden bei der Vorhut der vorrückenden Truppen ca. 200 verdächtige Personen, darunter einige erwiesene Emissäre, verhaftet. — Der Großwesir, der Kriegsminister und der Korpskomman- dant, die demissioniert hatten, haben auf Drängen des Sultans ihr Entlassungsgesuch zurückgezogen. — „Jeni Ga-
zetta" zufolge wurde der Divisionsgeneral Emin, der Kommandant der 12. Division in Diarbekir, zum Marineminister ernannt.
Außer den Wilajets Saloniki, UeSfüb, Monastir, Adria- nopel und Janina, erkennen auch vier Wilajets in Kleinasien die Regierung nicht an und weisen ihre Befehle zurück. Der Korpskommandant von Saloniki wendete sich an alle Korpsbereiche und hat sie zum Anschluß aufgefordert; bisher ist nur von feiten des vierten Korpskommandos in Erzingjan ein formeller Anschluß erfolgt, die übrigen Kommandos scheinen zu schwanken. — Von einzelnen Truppenkommandos im übrigen Korpsbereiche sollen bereits Zu- stimmungs- und Anschlußerklärungen vorliegen.
Tie Kammer
hielt gestern eine kurze geheime Sitzung ab, der etwa 100 Deputierte beiwohnten. Dem Vernehmen nach haben in der Sitzung die Deputierten, die mit der heranrückenden Armee in Berührung gekommen sind, über ihre Mission berichtet. Einige Abgeordnete sollen abermals die Verlegung des Sitzes der Kammer nach San Stefano gefordert haben, was von mehreren anderen Deputierten bekämpft wurde. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt; wegen der Beschlußunfähigkeit des Hauses wurde die Sitzung aufgehoben. Rach San Stefano haben sich noch einige Deputierte begeben.
Zn Syrien
ist die Bevölkerung wegen der Vorgänge in der Hauptstadt aufs äußerste erregt. Sie zwang den Jerusalemer Gouverneur und den Jaffaer Kaimakam zu schwören, daß sie an der Verfassung festhalten und keine Steuern nach der Hauptstadt einsenden, bis die Verfassungstreue des Ministeriums feststeht.
Im Wilajet Alepo greifen die Ruhestörungen weiter um sich. In Antakije und Biredschik kam es zu Ausschreitungen. Die Engländer und andere Fremde flüchteten in das englische Vizekonsulat. Der englische Kreuzer „Diana" landete in Alexandretta 50 Mann.
Nach einer Meldung aus Aleppe vom 20. April sind 400 Verbrecher aus der Zitadelle vom Payas entfloyen; sie überfielen Kirkhan, mordeten, plünderten und zogen dann Antiochia zu, wo Massakre und Plünderung seit 24 Stunden andauern. Ein englischer Kreuzer ist vor Alexandretta eingetroffen.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Alle Ingenieure des Holzmcmnschen Baugeschäfts aus Frankfurt a. M, die am Bau der Bagdadbahn in Bagdscheh, östlich von Adana, beschäftigt waren, sind mit ihren Familien gerettet. Aus dringendes Betreiben der Direktiou der Bagdadbahn sandten die Behörden Truppen, die die Ingenieure: vor der Niedermetzelung durch die Kurden retteten.
politifd^e Lagesscharr.
Der Seniorenkonvent des Reichstages beschloß in feiner gestrigen Sitzung, daß von der nächsten Woche ab jeder Dienstag und Donnerstag für Kommissionssitzungen, insbesondere für die Arbeiten der Finanzkom- mission, frei bleiben soll. An den übrigen Tagen sollen die Plenarsitzungen wie bisher um 2 Uhr beginnen, so daß die Finanzkommission jeden Tag Zeit zur Arbeit hat. Auf die morgige Tagesordnung soll der Antrag Ablaß betreffend die Einfuhrscheme gesetzt werden. Darauf folgen die Beratungen über die Aenderungen des Strafgesetzbuches in erster Lesung, sowie die zweite Beratung der Zivilprozeßordnung und das Bankgesetz, ferner die Sicherung der Bauforderungen und die Vorlage betreffend den .unlauteren Wettbewerb. Die Interpellation Albrecht über die Arbeiter- pensionsgesetze kann nicht vor dem 28. April, die Vorlage betreffend das Berner Uebereinfommen nicht vor dem 2. Mai zur Beratung kommen.
Hkincs LeLLiUeton.
— DieneueFrauenkleibunginaußerbeutschen Ländern. Unter biefer Ueberfdjrift lesen wir in bem Organ Les deutschen Verbanbes für Verbesserung ber Frauenkleibung J5) i e neue Frauenkleibung" (Verlag von Paul Neubncn m Köln): „Der Kampf um bie neue beutfdje Frauenkleibung, ber »cls ein Kamps um Frauenrechte zu bezeichnen ist, richtet sich auf ftie Gesundheit des weiblichen Geschlechts und stützt sich auf bie Ibeen bes modern en Kunstgewerbes. In den außerdeutschen Ländern findet dieser Kampf immer mehr Nachfolger, und hierbei treten anch bie nationalen Gesichtspunkte sckftirfer hervor. In Äoll and besteht eine „Vereeniging Vakschool voor Verbetering Han Vronwen - en ÄinberHeebing" mit vielen, bas ganze Laub umfaüenbeii Vereinen, und hier ist bie neue Frauenkleibung viel- llicht mehr in die arbeitenden Klassen cingebrungen als irgendwo sonst. Es bestehen dort zwei Zeitschriften, welche bie Verbreitung ter „Reformkleibung" fördern, das „Maandblad" und bie allerdings auch sonstige Ziele verfolgende Zeitschrift „De vrouw en brar Huis". Eine sehr gute Zeitschrift „Schoonheid boor Ge- smbljcib" ist leiber wieder eingegangen. In O e st e r r e i ch be- siicht feit längcrm eine Vereinigung für Verbesserung ber Frauen- fteibung mit bem Sitz in Wien. Dieser Verein ist infolge ber grmeinfamen Sprache beider Länder mit dem deutschen Verbände für Verbesserung der Frauenkleibung baburch in näher er Beziehung, doch bas Organ bes beutschen Verbandes „Die, neue Frauen- fleibung" zugleich Organ des Wiener Vereins ist. Allem Anschein nach ist bie Bewegung in Oesterreich im Wachsen begriffen. L-on England wird berichtet, daß bie Königin Alexanbra ben Mmpf gegen bie gesunbheitsschädliche Korsetttnobe ausgenommen hbibe, und daß bie „Times" sich für bie Schaffung einer englischen sl.ationalmobe ausgesprochen, ba bie Pariser Mode für die Engländerinnen vielfach stillos ivirke und nicht auf bie verschiedenen Berufe, Stände und Beschäftigungen ber Trägerin Rücksicht nehme. Alach in England bestaub bis vor kurzem ein Verein für Verbesserung ber Frauenkleibung, ber bie „Healthy and Artistie Dreß Keview" herausgab. Dieser Verein hat sich leiber aufgelöst, boch ifi anzunehmen, daß er durch Anregungen von „oben" und durch brie Unterstützung ber Presse, ohne welche beiden Faktoren der Lrmpf so unendlich schwierig ist, eine Neubelebung erfahren wird. &!t Rumänien hat bie Königin Elisabeth, die allen sozialen Bfirebungen reges Interesse zuwendet, schon häufiger ihre Stimme
erhoben zugunsten einer gesunbheitsgemäßen Frauenkleibung unb hat ihren Einfluß nach biefer Richtung auch in ben Mäbchen- fchulen geltenb zu machen gesucht. In Frankreich hat es sich neuerbings sehr lebhaft geregt; bie bort bestehenbe „Ligue bes meres be fanrille" hat ihre Grundsätze in einer Broschüre „Poirr la beaute naturelle be la femme, contre la mutilation be la taille par le corfet" zusammengefaßt. Wenn bie Liga ihre Ziele auch nicht ganz so radikal verfolgt wie bie beutsche Bewegung für Verbesserung ber Frauenkleibung, sv ist ihr Kampf gegen bie gesunb- heitzerstörenden Pariser Kvrsetterzeugnisse boch von deutscher Seite mit der größten Sympathie zu begrüßen. Die Liga stützt sich übrigens, wie bie Broschüre zeigt, in ihren Bestrebungen bereits auf bie Zustimmung einer großem Anzahl mebiziuischer und tünstlerischer Autoritäten. Von Italien wirb berichtet, baß die Königin Elena und bie Königin-Witwe Margherita ben Kampf gegen bie ausschweifenden Pariser Frauenmoben aufnehmen und einen Ausschuß von Künstlern ins Leben rufen wollen, der Entwürfe zu Kleidern unb Hüten liefern soll. Die beiben Königinnen gedenivn eine italienische Nationalmobe zu sckwffen, was ihnen um so aussichtsreicher erscheint, als bie italienischen Damen burch hohen eigenen Schönheitssinn ausgezeichnet seien. Nimmt man enblich hinzu, baß die norbischen Staaten, vor allem Dänemark, burch ihre hoch entwickelte Körperkultur bes weiblichen Geschlechts ganz von selbst bie Jbeen ber Reformkleidung pflegen — mögen auch eigentliche Vereine für neue Frauenkleibung kaum vorhanden fein —, so ergibt sich, baß bie Ideen der neuen Frauenkleibung bereits fast ganz Europa mit ihrem Netz umspinnen. Selbst in Rußland, wo in Riga ein Verein für Verbesserung ber Frauenkleibung gegrünbet worben ist, unb in Griechenland sind Spuren dieser Bewegung deutlich erkennbar. Für uns Deutsche aber, die wir mit unferm das ganze Reich umfassenden deutschen Verband für Verbesserung der Frauenkleidung an ber Spitze biefer Äülturbeioegung schreiten, für uns ergibt sich bie besondere Aufgabe, nicht nur ber Ausbehnung nach, fonbern auch nach der Art unseres Kampfes an der Spitze zu bleiben; mit ber beutschen Grünblichkeit diejenige Zähigkeit zu vereinigen, bie uns bisher zu immer sortschreitenben Erfolgen geführt hat."
— Eine Grillparzer--Ausgabe der Stadt Wien. Der Stadlrat von Wien hat den Beschluß gttaßt, das Andenken Franz Grillparzers durch die Veranstaltung einer würdigen kritische« Ausgabe seiner sämtlichen Werke zu ehren, und hat den Professor der deutschen Sprache und Literatur an der
deutschen Universität in Prag Dr. August Sauer mit der Herstellung dieser Ausgabe betraut, die im Verlage der Buch- und Kunsthandlung Gerlach & Wiedling in Wien in 25 Bänden erscheinen wird. Cie soll neben allen abgeschlossenen dichterischen und prosaischen Arbeiten auch die Entwürfe und Fragmente, die Studien und Tagebücher, die B r i e s e von dem Dichter und an ibn, endlich die von ihm verfaßten Aktenstücke in umfassender Weise vereinigen. Zur Vervollständigung des in der Wiener Stadtbibliothek bereits ausgesammelten bedeutenden Handschristenschatzes wendet sich die Bürgermeisterei an alle Besitzer von Handschriften Grillparzers, insbesondere an alle Bibliotheken, Archive, Theater, Vereine, Verlagsbuchhandlungen, Autographensammlungen usw. mit der Bitte, dem Herausgeber alles zerstreute einschlägige Alaterial zugänglich zu machen. In Betracht kommt alles, was sich von Grillparzers Hand erhalten hat, unter anderem die vielen Stammbuchblätter, Sprüche, Epigramme, Widmungsexemplare seiner Dramen oder seiner Porträts in Privatbesitz; ferner Druckexemplare feiner Werke, in die er V e r b e f f e r u n g e n eingetragen hat, Bücher oder Maimskripte, die er mit Bemerkungen versehen hat; auch scheinbar wertlose Auszeichnungen, selbst wenn sich ihr Inhalt zur Veröfientlichung nicht eignen sollte, können unter Umständen in größerem Zusammenhang Bedeutung gewinnen.
— Karl Busses Gedichte. Die vor siebzehn Jahren zuerst erschienenen „Gedichte" des damals neunzehnjährigen Karl Busse, die seinen Namen bekannt machten und hochgespannte Erwartungen erweckten, treten jetzt ihren Weg in einer neuen sechsten Alistage an. (Stuttgart, Cotta.) Busse hat sie dem Andenken des Prinzen Emil Schönaich-Earolath gewidmet und ihnen den folgenden schonen Wegspruch zum Geleit gegeben:
Wie meine Jugend, die nicht sterben kann, Siehst du, mein Buch, mich still und fremb heut an. Gluck, Sehnsucht, Schmerz, die du in Liedern sängst, Mit andern Namen ruf' ich sie schon längst. Es mißt meu, Blick dich ohne Lust und Leid' Zieh' deine Bahn im alten Wanderkleid l
Ich hab' fein Recht, ein neues dir zu geben.
Du warst mir fremb. Du lebst dem eigenes Leben.
~ 7 kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft.
V HO- ltzebuustag begeht am 24. April der emeritierte orbent- l 4tJT f?F b-: kl)ll°iopöic und Pädagogik an der Prager deutschen Unwersstat Hofrat Dr. phil. Otto W i l l m a n n.


