Zweites Matt
158. Jahrgang
Nr. 166
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
bündlerisches reaktionäres Herz mit einem nationaltiberalert
Verschiedene
Die „Sletzener Famlllenblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS ..Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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gleich auch alle Versuche zu einer Wahlreform in Preußen im Keime zu ersticken, unb sie haben habet in schöner Rücksichtslosigkeit den Fürsten Bülow niedergerannt. Heute bemerken sie, daß ihre Handlungsweise selbst unter ihren eigenen Anhängern Empörung erregt hat, und sie hegen die leise Befürchtung, daß ihr Sieg ein Pyrrhussieg gewesen sein könnte. Darum fordern sie ihre Getreuen auf, durch Versammlungen und andere Mittel eine energische Agitation einKuleiten.
Gewand umkleideten.
In der Diskussion ergriff Herr Be ck m a n n aus Gteßen das Wort. Er hielt eine vom Thema oft sehr weit ab- schweifende soKiaÜ>emokratische Agitationsrede. Er machte den Freisinnigen zum Borwurf, daß sie bereit gewesen seien, 400 Millionen indirekter Steuern zu bewilligen, und hielt ihnen dann alle möglichen „Sünden" vor.
Herr Dr. Bogt führte dagegen aus, daß die Frei- - —T- i -Fl A_1 —kX X1 T w Vtwxi i
von
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Montag 18. Juli 1908
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnioerfitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- sttaße 7. Expedition und Verlag: e-rzK bl. Redaktion: ey@112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
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stände bezeichnen sollen. Der Nachahmungstrieb hat nun weiter merkwürdige Blüten getrieben. So gibt ein Berliner Blatt mit Namen „Bus" dem Leser ein Rädel auf, dessen Lüning „Bühne und Sport" sein soll. Aelter ist die „B. Z. am Mittag". Seit einiger Zeit sieht man in Berliner Strafen Frachtwagen tahren, die die merkwürdige Bezeichnung „Bz-Bg" tragen. Das soll nnm-j lich heißen „Bahnamtlich zugelassene Berliner (Äepäckberörderung ! Das aller merkwürdigste ist mir aber, so schreibt ein Aritarbetter der „K. Z.", dieser Tage passiert, indem ich einen Brrenumchlag erhielt, der als Kopf die merkwürdrgen Hieroglyphen tragt: D G K u S. i. W. u. B. Ich habe zuerst verbucht, auA eigenem Verstände ohne Kenntnis des ^efinhalts eine Lösung Nr diese Buchstaben zu finden, und es erschien mir schließlich als das Wahrscheinlichste, daß hier cm Deutscher Getwlsensc^fts-, .Konsum- und Sparverein in Württemberg und Badems ui Frage kommen könne. Die Auslegung war vielleicht fjfe'ffmrug, aber falsch, denn es handelt sich um em Werk: ,'Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz Gelehrte, Künstler und Schnft- steller in Wort und Bild." Darauf zu verfallen, war allerdings nicht leicht. Wenn es in dieser Weise weitergeht, so kommen wir zu einem Buchstabengestammel, das wir unserer deutschen Sprache gern erspart sehen möchten.
— Ein Besuch bei Goethe. In dem soeben erschienenen 30. Band des Goethe-Jahrbuchs (Frankfurt a. M./ ötütten u. Loe- ning) teilt P. Köbke einen Brief aus dem Jahre 1823 mit, in bem ein junger dänischer Student, der spätere Kunsthistoriker N. L. Höhen, einen Besuch bei Goethe in Weimar schildert. Arn ersten Ostettag ging der junge dänische Verehrer des deutschen Dichters in das Goethesche Haus und befand sich bald dem Hausherrn gegenüber. Er trug, so schildert er ihn emen langen blauen Nock hatte ein lose gebundenes gesticktes Tuch um den Hals, das ergrauende Haar war gepudert. . Er bewegte sich mit Leichtigkeit, seine gerade, feste Haltung verriet ferne Spur einer soeben über standenen Krankheit. Sein Antlitz war ernst und doch milde, die Hautfarbe bräunlich, alle Züge ließen den Greis erkennen, jedoch ohne Schwäche. Besonders merkwürdig waren Mir seine Augen: das Weiße war stark gelblich, auch hatten die Runzeln des hohen Alters sich zahlreich um die Augenlider gesammelt: die Pupille besaß aber noch die schöne braune Farbe ungetrübt, sie Mnkeltt fast Die Stimme war ein wenig schwach, aber autzerst weich und leicht fließend. Tas. Sprechen fiel mir sehr rchwSll M wollte
men-eben positive Arbeit leisten wollten. Um wenigstens, ben notwendigen Steuern 100 Millionen als direkte Steuern durchtzusetzen, waren die Freisinnigen bereit, in den sauren Apfel der 400 Millionen indirekter Stenern &h beißen. Durch doktrinäres starres Negieren erreiche man gar nichts. Die Finantzreform ganz und gar in liberalem Sinn durchzusetzen, war bei den gegenwärtigen Stärkeverhältnissen der Parteien unmöglich. Auch die Sozialdemokratie müsse den Standpunkt aufgeben: alles oder nichts. Wenn sie den Kamps gegen rechts positiv hätten fördern wollen, dann hätten sie bei der letzten Wahl für Heyligen-
„Ls bleibt dabei."
Die konservative Partei, die gegenüber den «nklagenden Morten des Fürsten Bülow bisher die Taktik
Schweigens zu befolgen versuchte, hat sich nun doch ,i einer Entgegnung aufgerafft. Unter der mutigen Ueber- schrift: „Es bleibt dabei" veröffentlicht die „Konservativ. Zorresp." folgende Erllärung:
sein Blld so gern recht genießen, cs mir so recht einprägen; cs wpr mir deshalb ganz unmöglich, den Versuch zu machen, eine ordentliche Unterredung anzuknüpfen und obschon eigentlich gay keine Pause eintrat, war das Ganze doch vielmehr nur eine Reihe von Fragen und Antworten und aphoristtschen Acußerungen als ein eigentliches Gespräch. Er erkundigte sich nad) Carus (dem: Gynäkologen, Kunstkrittker und Landschaftsmaler Karl Gustav Carus), bedauerte das Schicksal Tiecks, daß dieser herrliche Mann fast stets leidend sein müsse, fragte, welche Richtung meine Reiset zunächst nehmen würde, womit Oehlenschläger sich beschäftigte^ sprach von den zahllosen Schwierigkeiten, die mit meinem Studium verbunden seien, meinte, es werde einem einzelnen Mann fast unmöglich sein, die Geschichte der neueren Kunst zu liefern. Ich beantwortete kürzlich seine Fragen: ein paarmal folgte auf meine Antwotten ein „Dm, hm. Ja, ja", aber ganz leise. Seine Stimme zeigte fast kein Sinken oder Fallen; nur ein einziges Mal stieg sie. Als wir nämlich von Carus sprachen, äußerte ich, es sei mir fast unbegreiflich, wie dieser Mann außer seinen Pflichten unb literarischen Arbeiten noch Zeit behielte, sich so viel mit der Malerkunst zu beschäftigen. Er antwortete, dies erscheine auch ihm außerordentlich, „doch — hier ließ er die Stimme steigen — wer das Leben recht zu gebrauchen weiß, der kann wirklich äußerst viel ausrichwn". Es schien mir, als ob er selbst, indem er dies sagte, sich seines ganzen tatenreichen Lebens besonders bewußt fühlte. Der Diener erschien während des Gesprächs, zog die Türen zusammen, da jemand — ich weiß nicht wer — eine -Dtusik- stunde haben sollte. Ich wollte mich empfehlen. Goethe bat mich aber, noch zu bleiben, und bald darauf ertönte eine herrliche Frauenstimme dann und wann bis ins Zimmer. Endlich wünschte er mir alles mögliche Glück und lud mich ein, ihn zu besuchen- wenn ich auf meiner Rückreise wieder durch Weimar tarne. Ich ging wieder in den Garten, um mir diesen ganzen mir so merkwürdigen Auftritt für mich selbst unter den stillen Bäumen recht zu wiederholen. Tie so oft erwähnte Ruhe seines ganzen Wesens trat erst jetzt gar lebhaft an mich heran; ja, je mehr sich mir die ganze Szene wieder ins Gedächtnis tief, um so größer erschient sie mir. Es herrschte wirklich ein seltsamer Kontrast zwiscl>en der lebhaften, sanften Stimme und dieser totalen Ruhe, ja Unbeweg- licksteck seiner ganzen Stellung: es war, als hätte eine herrliche antike Marmorstatue plötzlich Leben und Stimme erhallen. . -
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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ffaebt eintveteu müssen.
In seinem Schlußwort betonte der Redner, daß die Freisinnigen recht daran getan hätten, für Heeres- und Marineforderungen, die zur Sicherheit Deittschlands notwendig waren, ein=jidxeteu, und oaß sie es auch fernerhin tun wurden. Dem vom Geäner aufgestellten Sündenregister der Freisinnigen stellte Referent die Gegenrechnung gegenüber (Bündnis mit dem Zentrum bei den bayrischen Land- tagSwahlen ufw.) und dann riet er Herrn Beckmann, doch bei Leuten wie David und auch Herrn Vetters etwas zu lernen, der in Lollar sehr maßvoll und sachlich gesprochen habe.
Nach herzlichen Worten des Dankes an den Redner schloß der Vorsitzende um 1/27 die Versammlung. Die Zahl, der Vereinsmttglieder war inzwischen fast auf das Dreifache gestiegen, und zahlreiche weitere Beitrittserklärungen sind noch zu erwarten.
MW
Aus Stadt und Land.
Gießen, 19. Juli 1909.
•• Ein Schulmuseum. Durch eine Verfügung der Groß. Schulabteilung ist ein , Hessisches Landes-Schulmuseum" mit dem Sitze in ® arm ft ab t errichtet worden.
** Friedensvereine in Hessen. Das kirchliche Verordnungsblatt enthält ein Ausschreiben des Oberkonsisto^ riums an die evang. Dekanate und Pfarrämter, betreffend : Bildung von Friedensvereinen zur Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten. Das alte Wort besteht ja leider noch zu Recht: „Ja, ja, Prozesse kosten Geld", aber auch das andere: „Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozeß." Nicht bloß wegen der Gerichtskosten, sondern auch wegen alledem, was drum und dran hangt, Aerger, Verdruß, jahrelanger, Leib und Seele vergiftender Haß und Hader usw. Könnte man die Rechtsstreittgleiten vor ein Friedensgericht bringen, wo sie gütlich und kostenlos geschlichtet werden, so wäre unendlich viel gewonnen. Diesem Ziele, streben die Friedensvereine zu, wie sie im Oldenburgischen mit glänzendem Erfolge bereits bestehen.
'* Nette Aussichten. Während die Steuererhöhungen in allernächster Zelt zu wirken beginnen, werden Getreide- und Fleischpreise unaufhörlich steigen. ^Welche Fleischpreise wir zu erwarten haben? Darüber", so schreibt die .Allgemeine Fleischer-Zeitung", „geben die letzten Berliner Viehmärkte einen Anhalt. Trotzdem der Schweinefleischkonsum in der jetzigen Jahreszeit erfahrungsgemäß am schwächsten ist, ist der notierte Preis sprungweise auf 67 bis 68 Mk. pro 100 Pfund für Schweine gestiegen, in Wirklichkeit sind aber bis jetzt 74 Mk. bezahlt worden; im vorigen Jahre zu derselben Zeit betrug der Preis 58 Mk. pro 100 Pfund. Wir stehen aller Voraussicht nach vor Fleischpreisen, welche höher sein werden, als sie seit Jahren gewesen sind".
** Tierschutz. In der Schweiz kann man an manchen Orten Schilder sehen, auf denen steht: „Quäle dein
politische Lagesschau.
Die Privatbcamtenorganijation im Jahre 1908.
Der soziale Ausschuß von Vereinen technischer Privatangestellter hat wiederum eine Umfrage über die Mitgliederbewegung in den deutschen Angestelltenverbänden veranstaltet. Die Zuwachsrate ist 1908 hier und da geringer als 1907. Bei den kaufmännischen Vereinen beträgt sie 29 909 gegen 39 271 des Vorjahres, bei den Verbänden der Bureaubeam- ten 995 gegen 1327. Hingegen nahmen die Technikerverbände um 6910 zu (6404 im Jahre 1907), die Verbände landwirtschaftlicher Angestellter um 4892 (994); andere Verbünde, die von einer statisttschen Tabelle der „Sozialen Praxis" als „Verschiedene" zusammengefaßt werden, um 10 255 (5348). Die '.reichende Konjunktur ist also auch an diesen Verbänden nicht spurlos vorübergegangen. Immerhin haben nur wenige einen Mitgliederverlust zu verzeichnen, bei den meisten äußert sich der Einfluß der Krise nur darin, daß die Mitgliednzunahme geringer wurde. Einen erheblichen Verlust hat der Verein der deutschen Kaufleute sowie der Frankfurter Verband kaufmännischer Vereine zu verzeichnen. Der Verein für Handlungskommis von 1858 sowie der kaufmännische Verband für weibliche Angestellte und der Verband reisender Kaufleute hatten dagegen eine größere Mitgliederzunahme zu verzeichnen als im Vor- fahre. Der Bund der technisch-industriellen Beamten hatte trotz der ungünstigen Konjunktur und der Kämpfe mit den Metallindustriellen eine Mitgliederzahl von 2244 zu verzeichnen._______
zreifinnkge Versammlung in Lich.
Die Versammlung gestaltete sich zu einem vollen Erfola der freisinnigen Sache. Schon lange vor 4 Uhr begann sich der Saal zu füllen. Die Zählung ergab später gut 200 Anwesende. Glasermeister Scherff eröffnete die Versammlung durch ein Hoch auf Kaiser und Großherzog. Dann begann Herr Elösser seine Ausführungen über die politische Lage. Man hörte ihm mii gespannter Aufmerksamkeit zu, und sehr oft wurde er durch Beifallsrufe unterbrochen. Am Schluß war der Beifall außerordentlich lebhaft.
Der Redner führte zunächst aus, daß die politischen Verhältnisse in Deutschland deshalb so traurig geworden seien, weil der Idealismus gefehlt habe. Man habe die selbstsüchtigen wirtschaftlichen Interessen zu sehr in den Vordergrund gestellt. Nur der entschiedene Liberalismus habe in dieser Beziehung — so viele Fehler er auch sonst gemacht habe — seinen Schild rein erhalten, er habe immer die allgemeinen, Die nationalen Gesamtinteressen über seine wirtschaftlichen Interessen gestellt. Dann setzte der Vortragende klar und ttaftvoll die Stellung der Freisinnigen zur Neichsfinanzreform auseinander und fritifierte scharf die pfuscherhafte Steuermacherei des konservattv-klerikal-polni- schen Blocks.
Zu dem Verhältnis zwischen den politischen Parteien in Hessen übergehend, führte er aus, daß die Nationalliberalen den Freisinnigen.mft Unrecht zum Vorwurf machten, daß sie den Linksliberalismus auch in Oberhessen zu verbreiten suchten. Jede Partei habe das Recht, ihre Ideen den Wählern vorzurragen und die zu sammeln, die sie zu überzeugen vermöge. Die Ncttionalliberalen hätten kein Recht, den Wahlkreis Gießen als ihre ausschließliche Domäne zu betrachten. Die Freisinnigen seien den National- liberalen an sich nicht feindlich gesinnt. Wenn sie sich wirklich liberal betätigten, sähen sie in ihnen nahestehende Bundesgenossen. Sie sollten nur ihren Säuberungsprozeß fortführen und eine reinliche Scheidung eintreten lassen zwischen denen, die wirklich nationalliberal seien und denen, die ihr
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5)__________Marküttatze
jiudjt ein Haasmadch« Prinzessin. Servin n. liier vorh. Näher, oundtzr. tenderger, Sellersw.81.»
„Fürst Mlow hat sich in längeren Ausführungen einem Ver- ::ct& der Presse gegenüber über die leckenden Grundsätze seiner ü-olitik unb insbesondere auch über die näheren Umstände, die zu inem Rücktritt geführt haben, ausgelassen. Wir können, da sich riefe Darlegungen fast ausschließlich gegen unsere Partei ober ceren Führung richten, daran nicht vorübergehen, obwohl es uns ndersttebt, in eine Preß-Polemik mit dem soeben ausgeschiedenen -taatdmanne einzutreten. An der Richtigkeit der von dem Redner üer konservativen Reichstagsfraktion, dem Abg. Dr. v. Heybebrand unb der Lasa, angeführten Tatsachen läßt sich trotz anscheinender -'Bemängelung auch nickt im kleinsten Punkte rütteln. Sie sind rber Probe gewachsen, lieber die Schlußfolgerungen und die ~aran geknüpften politischen Deduktionen allerdings wird man 1 utürlich, je nach dem Parteistandpunkte ober ber Stellung als neutraler Staatsmann immer verschiedener Meinung sein können. /jüS, berührt uns Wecker nicht, änberi freilich auch weiter nichts. Somit besctnänken wir uns auf wenige Richtigstellungen: Gerade jtt konservativer Seite ist dem Fürsten Bülow von allem Anfang □n die schwache unb bedenkliche Seite seiner zugespitzten Block- rvlckik nicht verhehlt worden. Dafür, daß sich diese allmählich leichwohl immer schärfer und einseitiger entwickelte, tragen die onservativen keine Stfyulb. Man müßte ihnen dafür eigentlich "ank wissen, daß sie im Bettrauen auf die allgemeine staatsmännische Begabung des Fürsten Mlow immer wieder ihre Be- t»mken unterdrückten. Aber zu einer Zwangsjacke konnten sie ,»rs Verhältnis zwischen den Parteien schließlich nicht werden listen. Auch so weit konnten sie es am Ende nicht kommen lassen, um einer allgemeinen politischen Theorie willen bei ber nachge- itnefenen Unmöglichkeit, mit den Liberalen vorwärts zu kommen, das große nationale Finanzreformwett in Gefahr zu bringen, lag eine solche „Taktik der Konservativen" den Reichskanzler zA Falle bringen mußte, ist direkt falsch; sie konnte vielmehr für itn, wenn er sich um der großen Sache willen entschlossen hätte, ' -m Geschick von demjenigen ber einen ober ber anderen liberalen Fraktion zeitweilig zu trennen, geradezu rettend werden. Auch jetzt 11 och trotz des offenhmbigen Versagens der Liberalen bei der indirek- len Besteuerung ihnen zurückschauenb eine befriebigenbe Mitwirkung ur Lösung ber großen Reformaufgabe zuzutrauen, verrät mehr I ptimismus, als uns verstänblich unb mit ben Tatsachen ber- v mbar ist. Daß sich Fürst Bülow, wie er betont, große und, wie a.id) wir hoffen, bleibende Verdienste um unser Staatsleben er- irorben hat, ist mit aller Entschiedenheit unb Offenheit von bent Vertreter unserer Partei im Reichstage anerkannt worben. Daß alle biese Erfolge aber nicht trotz ber Konservativen, wie Fürst lülow meint, fonbern unter ihrer tätigsten Unterstützung errungen roorben sinb, liegt so klar zutage unb steht geschichtlich so fest, baß irim zu einem jetzt beliebten Bestreiten bi es er Tatsache nur ben Eops schütteln tarnt. Die hieran geknüpfte versteckte Anklage ngen unsere Pattei richtet sich von selbst. Es mag bet Fehler Der Liberalen unb auch bes Reichskanzlers unb seiner Berater geraden fein, baß sie bis zuletzt an einen „Umfall" ber Konser- v etiven geglaubt haben, beren Ueberzeugungstreue unb Festigkeit aiischein«rd als nicht zum Programm ber konservativen Partei gell orig betrachtet würbe. Dafür aber können bie Konservativen wichts. Es ist recht gut möglich, daß bie Haltung ber konser- v-ttiven Reichstagsftaktion im Lanbe auch jetzt noch nicht überall v oll verstauben unb nach Gebühr gewürdigt wird. Dafür sorgt (eiber auch eine übermächtige gegnerische Presse, bie gewiß auch nicht verabsäumen wirb, bie Darlegungen bes ihr näher, als der | u nserigen, stehenden Staatsmannes in diesem Sinne auszubeuten.
Iflm so energischer müssen unsere Freunde tätig sein, durch persön- lähen Verkehr und in Versammlungen bie alte Treue unb Zusammengehörigkeit ber konservativen Partei, bas gegenseitige 83er» rwren zu beleben unb zu befestigen. Mögen auch manche Elemente in-hr gouöcrnementaler unb schwcmkenber Richtung von uns sich trennen. Die Stärke einer Pattei beruht am letzten Enbe nicht auf ihrer Zahl, unb wir haben bie gute Zuversicht, baß die Partei nid den letzten Kämpfen schließlich stärker und einiger hervor-
nngmann's Lchuhh«,
Babnboisirahe 58. s« n kl. ruh. Familie wird i ’oeir. 0. jetzm. auf 1.0.15.2?: ldchcnueiüchl, welches gulti ich kochen kann. Hausoü j. Näher. Frau Wechendr nzvlah 6II.|E
^hen wird als je." , „
S)ie konservative Partei mag sich sehr stark fühlen, a"ber die Gründe, mit denen sie hier arbeitet, sind doch sehr schwach. Die Wahrheit ist, daß die Konservativen es vor- g -zogen haben, sich mit dem Zentrum und den Polen zu i) ttbunben unb den Fürsten Bülow zu stürzen, statt die Erb- ickstiftssteuer anzunehmen, die ihnen unbequem war. Sie fyaben einen Beweis ihrer Macht geben wollen, um zu-
Nlcluer Fe„illcton.
— Pros. Dr. A. Hansen wurde zum Mitglied der Kais. I üropoldin.-Carolin. Akademie der Naturforscher gewählt.
I— Wortungeheuer. In Frankfurt ist die „Jla" er- öfmet worden. Sv las man dieser Tage in fast Amtlichen deutschen Rettungen Wir haben von allem Anfang an dieses Wortungeheuer uirmtcbcrt, das nur einem Unfug seine Entstehung verdankt, ben ein einigermaßen geschmackvoller Meirich nicht mmhen sollte. Es isi wirklich ein Unfug, wenn lange Bezeichnungen badurch für ben Sprachgebrauch abgekürzt werben, datz man aus ihren Anfangsbuchstaben ein einziges Wott bildet. Die Schwerfälligkeit unb Finge vieler Firmennamen macht es allerdmgs zu einer unbilligen Anforderung sowohl an das Gedächtnis wie an dre Sprach- organe, sie immer in ihrer ganzen Vollstarwigteck zu toieberbolen Barum aber macht man so fange Nomen, statt kurze, prägnante? Ms vor 15 Jahren die Herren v. Hansemann, ftatnentann und tr. Tiedemann im Posenschen ben „DeMschen Dftinmrfcrmerein' bildeten, da nannten bie Polen ihn spotM) nach ^den AnsanFs- brchstaben dieser drei Männer den „KKT-SBerem . Diese Be- itidnumg wurde flugs von so neuerungsiuchtigen als phantaste- losen Deutschen aufgeschnappt - und das neue spractzlKe U-chnl iubm seinen Lauf. Es folgte bte ,,.Haniburg-A^ka-Paket ahtt-- Äktien-Gesellschaft", bie bie Abkürzung Hapag wählte em Wort, Iörcd heute gar nicht mehr zutreffend ist, weck bie Geiellschaft ihre Strnrienmg geändert und „Hamburg-Amerika-Linie heißt. Nach ixm Beispiel von Hapag bildeten sich «ntbere JbTur^ttngen, fa „Sebag" (Berliner elektrische Drolchken-Aktien-Geselllcha,.-, die ihren Namen, wo sie in andern Städten austritt, durch Aenderung d<s ersten Buchstabens ber andern Stadt Mipaßt: so Sebag tut Hamburg. Besondere Freude scheinen die Abkurzungen ben Auw- mobilfabrifen zu bereiten, berat wir haben NAG, RAI, 8Ab, laamit bie Neue Automobil-Gesellschaft, bte Reichenbacher Automobil-Fabrik unb bie Sübdeutsche Automobtlsabrik in Gaggenau gemeint sind. Um das zu behalten und auseinander zu halten, wird man einen mnemotechnischen Kursus durchanachen müllen. Lei den großen elekttischen Gesellschaften hat sich ARG für die Mgemeine Elektrizitätsgesellschaft vollkommen eingebürgert, eoenio BEW (Berliner Elektrizitätswerke), wogegen andere Abturzungen <mf diesem Geschäftsgebiet glücklicherweise noch nicht Gemeingut geworden sind. Ebenso unsinnig sind bie Bezeichnungen Asga und Aphi, die; zwei große Fabriken für photographische Gegen-


