Die heutige Nummer umsatzt 10 Selten.
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Die Baadadbahn.
In einem Artikel über die Bagdadbahn, den Dr. Paul Rohrbach in der dieswöchigen Nummer der „Finanz- Chronik" veröffentlicht, ist u. a. folgendes zu lesen:
„Die VerwirNichung des Wiederbeginns der Arbeiten an der Bagdadbahn erhält dadurch eine besonders interessante Note, MB ihr die türkische M ini ster reise nach Koma und die
909.
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:ovinz Oberhessen.
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politische Tager^charr.
Da8 Geheimnis der Doggerbankaffäre und die Frage der Unterseeboote.
j o l u t nnroahr, da» i v q e n d ro e 1 d) e e cb i 111 e gegen Deutschland getroffen wnrdeii oder da» irgend ein solch idiänö- licher Betehl, wie ibn der Leqalioiisrat erwähnt, gegeben worden in. Lolche Geschichien verdienen die Verurteilung aller Leute feder 'Kartei und in beiden Ländern, die vernebelt, tote wichtig eine gute
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(t Dr. Spohr bejinbd.
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— Wider die Fremdwörter. Das neueste Helt der im Belserschen Verlage zu Stuttgart erscheinenden .Zeitiragen deS christlichen Volkslebens" (Band 34, Helt 5, Nr. 261) bringt eine sehr lesenswerte Abhandlung von Proß Dr. Theodor Immer Der Kampf gegen den Fremdwörtermitzbrauch in unterer Muttersprache und seine Berechtigung". Wie fruchtbar namentlich die letzten Jahrzehnte auch an Erörterungen der Fremd- ivorrfrage gewesen sind, so ist doch diesem jüngsten Beitrage ein besonderer Wert zuzusprechen, weil er, indem seine anziehende Darstellung den Leser ‘effelt, den gewünschten Einfluß nicht oer- iehieu wird. In der Gliederung des Stoffes schimmert überall der geschichtliche Faden durch. Ter Rückblick auf die Vergangenheit zeigt eben am deutlichsten, was wir zu tun haben, um uns zu erlösen aus jener inneren Unfreiheit dem Auslande gegenüber, di» in unserer Sprache noch allzu sehr an den Tag tritt. Ist es eines deutschen Denkers würdig, wenn Eduard v. Hartmann in feiner Philosophie des Unbewußten schreibt: „Alle Relationen, die das bewußteTenkensichdiskursio expliziert, sind nur Reproduktionen expliziter ober Explikationen impliziter oder explizite Reproduktion e u impliziter Beziehungen, die schon vorher vom intuitiven Denken gesetzt oder mitg« setzt s i n d." In ähnlicher Weise, so bemerkt Imme mit Recht, heben auch gewisse Kunstkreise eine fremdartige, gesuchte, nur auf öllhe- hiebe Feinschmecker berechnete Redeweise, durch die sie sich rote jene Gelehrten hochmütig von ihren Volksgenossen abjperren. Alan kann die Schäden des Fremdwörterunfugs leider in die verschiedensten Kreise unseres Volkes hm verfolgen. So forderte em badisches Arbeiterblatt dieser Tage die Wähler wieder einmal auf «denn diese widersinnige Verwechslung von Veto und Votum wiederholt sich gar oft), ihren Unwillen gegen die Klaffenherrschaft durch ein massenhaftes Veto für den sozmldemokrattschen Kandt- baten zu bekunden. Mit Nachdruck verweist der Veriaffer auf daS segensreiche Wirken des Deutschen Sprachvereins, der einen bedeutsamen Teil seiner Tätigkeit gegen die in der törichten Vorliebe für überflüssige Fremdwörter heroorlretende Fremdsucht richtet, und erinnert noch einmal an das schöne Wort im'eres großen Jakob Grimm: Man klagt über die fremden Ausdrücke, bereu 6tn- mengen unsere Sprache schändet: dann werden sie wie Flocken zerstieben, wann Deutschland, sich selbst erkennend,- stolz alles aroßen Heils bewußt sem wird, das ihm aus feiner Sprache ber- oorgeht. Dann werden neue Wellen über allen Schaden strömen.
rarischm Kreisen Wiens ist bie <2>t immu ng gegen ch 1 e n t he r ziemlich scharf. Man madjt ihm bas Zuftandetvmmen lenes Vertrages zum Vorwurf, durch den es dem Burgtheater last unmöglich geworben war, über Kainz zu verfugen, trotz bes Myen Gehaltes, bas ber Künstler erhält. Auch i|t man, wte bre,N. Bad. L Z mitteilt, ungehalten darüber, daß bie Schillerfeier im Burg theater ohne Kainz statt suchen mußte und daß Eenther sich gesteigert hat, Byrons „-sarbunapal" ui ber Bearbeitung von Kainz aufzusühren, bie jetzt in Berlin gegeben werben voll.
2lus der baqrrilchen Kammer.
München, 17. Nov. In der.heutigen Nachmittags- Sitzung der Kammer der Abgeordneten .gab vor Antritt in die Tagesordnung Ministerpräsident Freiherr v. Po de-, wils eine Erklärung zu den gegenwärtigen Erörterungen in der Presse ab, die, durch die Ansprache des Mrnisterial- direktors von Geith über die Lage der katholischen Kirche in Bayern hervorgerufen, auch in der Kammer der Abgeordneten kü^lich zu einem Angriff gegen die Regierung geführt hatten, daß eine unverantivorUtche Stelle öen Ministerrat zur Stellungnahme im Falle, Geith veranlaßt habe. Ter Ministerpräsident betonte, daß van keiner Seich bei der Regierung ein Vorgehen gegen Geith an-
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n 2 hrt d e s Sultans aus ber anatolischen Bahn unmittelbar vorhergegangen sind. Die Dahngesellschast hat dabei ein offizielles Lob von türkischer Seite über die von ihr geleistete Kulturarbeit erhalten. Dieses Lob ist allerdings urt helfen Grade verdient, uich die Anerkennung der türkischen Regierung über das Gesehene hat sich denn auch offenbar in eben'o übenaidienber wie erfreulicher Weise dahin ausgedrückt, daß bie Arbeiten an dem neuen Bauabschnitt nicht nur bis tzelis, wie im vorigen Jahre bestimmt wurde, sondern gleich bis Mossul in Angriff genommen werben sollen. Es wäre interessattt zu wissen, ob nut der Bezeichnung von Mossul als Enhpunkl des jetzigen Bauab- schnitts gleichzeitig auch der Endpunkl für den sogenannten deutschen Einfluß innerhalb des Bauprojekts angedeuttt werden soll. Gerade Ptpssul ist ja bekanntlich von englischer Seiw wiederholt als ber Platz genannt worden, bis wohin unter allen Umständen, wenn ber Ueberlandweg nach Persischen Golf überl>aupt zustaube kommen solle, ber Einfluß GmglQnbä bon Süden her reichen müsse. Indessen das ist in gewissem Sinne noch Zukunftsmusik ..." «. r,t
„Viel wichtiger ist dagegen eine andeve Frage, über btt Jdxm in nädrfler In Km ft entschieden werben wirb, nämlich bie Führung ber Trasse unmittelbar östlich von Abana.^Jch habe sowohl bei meinem Besuche in Adana im vergangenen eonmter, als auck> in Konstantinopel mit großer Bestimmtheit vom verscoiedenen Setten die Versicherung gehört, daß man ernsthaft daran benfc, die Bahn nicklt sdnrch das Binnenland nach Aleppo zu führen, sondern so. dav sie'unmittelbar an ber Küste entlang um den Golf von Alexandrette hertrmgeht und sich bann von biesem Punkte ans ostwärts zur Ueber- ick'reittmg des Amanusgebirges im Zuge ber arten Straße über Den Paß von Beilan rnenbet. Zweifellos würde das für die Bauarbeiten eine technische und finanzielle Erleichterung bebeuten, gleichzeitig aber taud} einen völligen Bruch der türfifdien Regierung mit ujrat bisherigen Prinzipien über den Eisenbahnbau. Aneicd Trübere Prinzip kann vom türkischen Standpunkt aus dahin ans^edruM werden, daß eine strategisch wichtige Bahn unter keinen Umstanben in den Wirkungsbereich einer fendlichen Flotte gelegt werotn durste. Diese Erwägung war auch bei dem Entwurf des Proiekts der Dagdadbahn maßgebend. Es kann gar keinem Zweifel unter liegen, daß die türkische Militärmacht in Europa und Anatolien jlarfl genug list, mn nicht nur Ausstandsverfucksfl in den Provinzen Bagdad, Tamasttis und Hedschas, sondern auch Angriffe von außen her mit vollkommener Sicherheit abtzuschlagen, sobald bie StteUttafte miß er Eisenbahn dorthin transportiert werden tonnen.^ Wenn a(etr bre Bahn an ber Küste entlang geführt wird, ,o wurde das! Weiterbestehen jener Sicherheit jeder zeit m das B e l i e b e niemer fremden Macht gestellt erscheinen, sobald die polittsche Littm- tiou im Orient sich irgendwie züspitzt. Bon Payas bis Alexaw- drette d h a-ui einer Strecke von ca. 100 Kilometer, irurDen bie Schienen unmittelbar unter den Kanonen einer feindlichem Flotte liegen, und das würde bedeuten, daß die Verbind. mA Aw ade mit dem ant meisten gefährdeten Teilen des Reichs nn kritischen 9Jlonrent zu funktionieren aushört. _zßeber wäre es der Türkei dann möglich, bie Truppen aus den Bezirken oer Jrmeen ton Damaskus und Bagdad nach Klemasiem und ^Europa zu bringen, noch föiiute sie im umgekehrten <yafle m,Schrien oder Mesopotom en mit Verstärkungen aus den eigentlichen Kernlan« dern ihrer Macht auftreten."
Die politische Wichtigkeit der geplanten Abänderung der Trasse ist also eine sehr große, und tvenn sie Wirklich reit wird, so würde das geradezu eine prinzipielle neue Orientierung der türkischen Politik bedeuten.
— Ein neuer Köpern ikus. Man schreibt aus Rom, 14. November: Dem alten Kopernikus ist wieder einmal ein Gegner erstanden. Er heißt Michele Pittaluga, ist Kapitän eines Segelschiffes, das zwischen Genua und Argentinien fahrt und hat, wie er mitteilt, in 40 Jahren unausgesetzter Durchkreuzungen des Meeres Gelegenheit gehabt, astronomische Beobachtungen, Berechnungen und Ueberlcgimgen anzustellen, die an der Irrtümlichkeit de^ Kovernikamschen Weltsvstems nicht mehr zweifeln lassen. Auch Kepler, Tycho de Brahe, Galilei, Newton sind nach ihm auf dem Holzwege gewesen. Als Ergebmffe seiner Untersuchunaen, die man m italienischen Zeitschriften ernsthaft erörtert, stellt er folgende Leitsätze auf: 1. Tie Erde dreht sich nicht um die öoii ne; sie vendelt unter gleichmäßiger Drehung um die eigene Achse nn Saufe eines Jahres um 22’;, Grad nach Norden und nach -Lüden, worauf der Wechsel der Jahreszeiten beruht. 2. Alle Himmels- ferner sind mit eigenem Lichte begabt und besitzen Anziehungs- und Abstobungsfraft, wodurch sich ihre Bahnen erklären. 3. Tie sonne ist 44mal kleiner als die Erde, dies beweisen die Sonnenfinllernme. 4 Tcr Mond bat eigenes Licht. 5. Tie behauptete Fortbeioeguug der Sonne in der Richtung auf das Sternbild des Herkules ist eine Täuschung - die Sonne steht still und hat nur eine Achsendrehung 6 Tie Erde ist als das Observatorium der Welt zu betrachten. 7 Der Mond ist der Erde so nahe, daß diese ihn durch ihre Rundung verdecken und so die Mondsinsternilie hervorriuen kann. (Tas ist nicht gerade Neuheit!) 8. Tie große Enuernnng der Souue von der Erde ist eine Fabel. Es wäre unedlen heb, dotz bei so ungeheurer Entfernung die Sonnenwärme unter dem Gleicher 45 Grad Celsius erreichte und an den Polen ewiges Eis ^beilehen ließe während der Unterschied in der Weglänge der Sonnenstrahlen verschwindend klein wäre. Astronomen mögen sagen, welche von den Bedeiiken Pittalugas Beachtung verdienen. Btel- I leicht das letzte?
Legationsrat a. D. vom Rath hat bekanntlich vor y einigen Tagen geschrieben, sechs englische Unterseeboote i hätten aus Anlaß der Doagerbanlaffäre den Bef.hl gehabt, - !kdes herannahende deutsche Kriegsschiff in die T-efe zu jenken. Verschiedene deutsche Blätter haben auf Anfraaen ■ in Berlin bereits mitgeteilt, daß diese Erzählung falsch sei. Jetzt veröffentlichen auch die Londoner ministeriellen „Daily News" auf Grund Erkundigrmgen an os izicl.er -telle ein rückhaltloses Dementi. Sie Leden zu, hiß zur Zeit der Doggerbankaffäre eingehende maritime Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden.
,Tie Heunatstolle in Cromarti), die Kanalflotte m Gibraltar unb die Ailttelineer-Flotte erhielten Befehl, sich zu gegenseitiger 1 Unterfttihung und Kooveralion bereit zu halten. In den Werften ■i v irnvöe bie Arbeit an verschiedenen Linienschiffen und Kreuzern^ bc* { Ischleunigt, und die Flotte wurde darauf vorbereitet, das russische Q><id)iDüber nötigenfalls aufzuhalten oder ihm nach Lftafien zu ■ lol^eiu llnteiieebootc wurden nach Tover geschickt und andere I-ctbereitungen gegen Eventualitäten getroffen. Es in aber ab-»
Stimmung zwischen beiden Regierungen und 9lationen ist."
Im Zusa.mmcnl.ang mu d eser G.schichte b schäftigt sich ein Artilel in den eben erschienenen Mitteilungen des deutschen Flottenvereins mit oen Vorschlägen — die auch Herr vom Rath versoclst — den Bau von Linienschiffen zugun st en der Unterseeboote ein-uschränken Es heißt in diesem Artikel:
Der Wert des Unterseebootes als einer wirksamen Vertn- digungswasse ist nicht zu untersck.wtzen. Andererseits aber dars man den Wert dieser neuen Waffe auch nicht überschätzen, und das geschieht neuerdings nach zwei Richtungen: nach der technischen und der politischen Seite. Bald nach dem Einietzen der Galstersck>en Aktion hat Herr vom Rath seine Ideen ausgegrisfen, weil sie angeblich einen Weg anzeigten, um uns mit England z u verständigen. In dunklen Farben waren bte Folgen ausgemalt, die uns aus der Durchführung des Flottengeietz^ erwachsen müßten, und als schweres Geschütz wurden bie Briese bes verstorbenen G-'heimrats v. 5oolstein über unsere verfehlten Flottenrüstungen ins Gefecht geführt. Tann aber erklang es plötzlich anders. Öerr vom Rath entdeckte, baß es für eine
1 solche Verstänbigung bezüglich ber Flotte keine Formel gäbe, und zog berraus ben Schluß, baß biese auf einer breiteren politischen Grunblage ausgebaut werben müßte. Dazu sollten an- scheinenb bie bekannten Verständigungskomil-ees biesseits und icn- seits des Kanals den Weg bahnen, sowie in letzter Zett die „Baumwollreden" beS Staatssekretärs Ternburg in Manchester und „die höslül^ Ansprache" des deutschen Botschafters an die bortigen Kaufleute. Mitten hinein in biese sansten Friebens- klänge aber schmetterte Herr vom Rath ganz unvermittelt wlne bröhnenbe Kriegsfansare. Von fachmännischer Seite ist »ernt vom Rath bereits nachgewiesen, baß biese angebliche Stattomerimg von 6 UMerseebvoten bei Helgolanb technisch unmöglich gewesen sei, unb herzlich wirb bas Gelächter bes „Gewährsmannes bes Herrn vom Rath über ben Kanal geklungen sein, baß er ihm biesen „Seebären" hat aufbinben können. .
Es klingt ungemein verlockenb, wenn Bizeabmiral Galster dem gebuibigen Leser vorrechnet, baß bas Unterseeboot sich neben bem Vorzüge seiner billigen 5)erstellung beswegen als „^riederis- hott" erweisen würbe, weil es nicht ben aggressiven Eharakter bes Linienschiffes habe. Aber gleich barauf versucht er anscheinend den Zweifel m ber eigenen Brust zu ertöten, utbem er her vor- bebt, baß man schon jetzt biesen Schiffstyp zu einer krastigen Ofsensive verwenben könnte. Das ist zunächst em seltsamer Widerspruch, ber bei unserem Gegner bie erwünschte Beunruhigung Über unsere angeblichen finsteren Pläne keineswegs herbeifuhren würbe. Aber selbst wenn man davon absehen und die Behauptung gelten lassen wollte, baß England dem Tatbeweis Glauben schenken würde, so wäre damit für uns noch gar nichts gewonnen.^
Es ist eine im Völkerleben durch bie Geschichte erhärtet« Wahrheit, baß iebe berartige Nachgiebigkeit ohne zwingenden Grund als ein Beweis von Schwache ausgelegt wird, die gerade die entgegengesetzten Wirkungen Hervorrufen mutz. Die tn England mächtige Kriegspartei, die ihren Hauptrückhalt bei den Konservativen hat, würbe ohne jeben Zweifel mit verstärkter zum balbigen Losschlagen drängen. Und sie würde mit der Behauptung, daß wir aus Schwäche zurückwichen, unb weil wir in finanzieller Ohnmacht unser Flottenbauprogramm ausgeben mutzten, wahrscheiiüich Glauben finben. „ . .
Wir glauben, daß diese Ansichten durchaus sttchhalttg sind und hoffen, daß der Reichskanzler nicht so leichten Herzens unb ohne Prüfung ber Tatsachen sich vorn Standpunkte seines Vorgängers in der Flottenfrage trennen
ll 38.- an.
- Umtausch gesi°i" werden angenom^
ICUines Feuilleton.
Der Roman der Zwöls. Unter dieser eigenartigen liebet- lÜriit ist, wie wir schon mehrsach mimetcilt haben, int Sertan voii K W. Mecklenburg, vorm. Ritter tn Berlin em Buch > jhridjienen, das von 12 angesehenen deutschen Schriftstellern ge- fI miniam versaßt ist. Der Gedanke ist nicht gerade neu, in Fiankreich ist er schon, wie kürzlich mitgeteilt, vor langen Jahren, soviel ich mich entsinne, von V. Hugo in die -pat umgesetzt roort'en, aber wenn er auch neu wäre, so ist er doch nicht gut. Ufr, wenn es ein Witz sein sollte, zum Besten irgend eines gemeinnützigen Zweckes meinetwegen, aber der Verlag nennt bey Äach ein „Kunstwerk". DaS ist aber gelinde gesagt, eine Ärrschleierung unb außerbem bie unzillassige^ Verivcndung eines Tortes mit bem wir das beste und schönste bezeichnen, was Mckliche Geister uns geschenkt haben. Und dagegen muß man argehen. Der Verleger hätte sich 'bescheiden sollen und cm Wert, ben jede Berechtigung zum Kunsttverk mangelt, als das zu be- ieid)nen, was es ist: als einen Witz. Denn roa» kann ichlietzlich atbetd heraus kommen, wenn ein Schriftsteller nach dem anderen einen Absatz schreibt, der zwar aus ben vorhergehenben üßt, aber ohne gemeinsamen Grundgedanken ist. Wcnn nun gar iuä) ein Preisrätsel die Kauflust für das Buch steigern ivl, bann ist bas schoii ganz übel unb aus bem Witz wirb ein Gffchäftsknisf. Der Leser soll nämlich bie Verfall er ber ^nzelnen Abschnitte erraten, bie natürlich durch nichts kenntlich ge- snrcht sind. Mitarbeiter an dem Buche sind, wie Wit in Nr. -4d itton mitgeteilt: Hermann Bahr — Otw Julius Bierbaum Ltto Ernst — Herbert Eulenburg — Hanns Heinz Ewers — Gustav Falke - Georg Hirschfelb — FelE Hollaenbcr — Gustav . Meyrink — Gabriele Reuter — Olga Wohlbruck — Ernst v.
Lolzogen.
- Als Nachfolger des .HofburgthealLr-Drtektots Schlen- l ber m Wien wirb außer Bavon Bet g er, Gregvti, va gewann unb Grube auch ber Hauslehrer des Erzherwgs Frieo- nch, Czerny, genannt. Das Gerücht über bie AmtÄrieber- lerung Scblenthcrs wirb an allen Mstänbigen otmen,, jomjgi ber obersten Leitung des Hortheaters, bes ^.berhonnellttns Fürsten Montenuvvo als von Direktor Schlenther selbst t n A b- r-de gestellt. Es besteht jedoch kein Zweifel barmt, dotz ^Aenthers Stellung nicht mehr so fest ist- wie ehebem. Unter
schMspielern des Burgthsaters unb in matzgebenben ltte^ leicht das letzte
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Erftes Blatt ISV.Jahrgang Donnerstag 18. November 1909
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^^^ragesniimiiier fiotatlon$bru(f unb Verlag der vrühl'schen Unlv.'vuch- und Sleindruckerei H. Lange. Heöaftion, Expedition und Druckerei: rchulstraße 7. llnzeigenteil: H.' Beck.
vormittags 9 Uhr. ____________ ___——
Vie inneren Kampfe in England.
Nach der Eröffnung des englischen Oberhauses hat Lord «ansbown, ber Führer bet ft'onferbQ.töen, wie wir reitern schon berichteten, solgenben Antrag eingebracht: „I h [tite, Kenntnis davon geben zu dürfen, daß ich vor ber t reit en Lesung ber Finanzbill beantragen werde, daß bas t b c r t) a u § n i d) t b e r e d) t i g t i|t, feine Zusti mm ung : u bieser Bill zu geben, bis sie bem Urteil des ! L n b e s unterworfen ist."
Damit kann ber Gang ber Ereignisse in Englanb mit ^emlicher !Sid>erheit vorausgesaat werben, benn die 2nsdown'sd>e Entschließung wird sicher angenommen wer- -m. Am näd>ften Montag will bas Oberhaus in bie Er- :-:terung bes Antrages eintreten, aber biese Erörterung i-irb keine Ueberrasd)ung mehr bringen 92ad) ber Annahme n,>n Lansbowns Antrag irürb bas Gesetz an bas Haus der emrinen znrückgehen, unb bie Regierung wirb bie Aus- kjung des Parlaments vollziehen. Sd)on hat ber Handelsmuster Churdstll am Sonnlag in Bristol erllart, bie Lords : -gingen einen Gewallakl gegen bie Verfassung, und in bem Sturm, ben biefer Kampfruf entfessel.', werbe b;e spitzfindig ^isgeklügelte Begründung ber Verwerfung, baß bte Lords nicht berechtigt feien, bte Bill anzunehmen, untergehen.
Demgemätz lauten auch die Preffeftimmen, die heute • icd) bas Wolss sche Bureau berbrei et werben:
London, 17. Nov. Die konservativen Blätter äußern isich begeistert über bie geschickte Abfassung des Antrages t'ansbownes und er Hären, es sei keine Rebe bähen, bem Aillen bes Volkes ein Beto aufzuerlegen, sonbern ber An- ag bekräftige bloß ben Grundsatz, baß das Volk herrsche. Sie liberalen Blätter hingegen bezeichnen den Antrag als tire Kriegserklärung und betonen, Asquith dürfe üiner Anregung folgen, Unterhandlungen Mtzuknüpfen, die Zwecken würden, em provisorisches Budget anzunehmen, klveldfes bie ben Lords unangenehmen Steuern nicht enthalten würde. Ungebrochene Tätigkeit ungezählter Gene- .ttionen — sagen diese Blätter weiter — unb die von konservativen Parteiführern seit 300 Jahren abgegebenen Erklärungen sollen jetzt mit Füßen getreten werben, um bie unheilvollste Revolution der Geschickte herborzurufen. Das L'üii5 ber Lorbs stehe da als ein schamloser unb selbst- kd)tiger Verteidiger der Pribilegien des G-runbbefitzes unb kbcr Alkohvlinteressenten, sowie als Vorkämpfer der Be- [ teuerung der Nahrungsmittel.


