Montag 18. Juli 1909
159. Jahrgang
Erstes Blatt
Zahlreiches Publikum hatte sich! etwa aus Neigung nach rechts. Man dürfe in fo ernsten eingefunden und empfing das > Dingen, wie der Reichsfinantzreform, nicht Maschine sein.
Fürstenpaar mit Hochrufen.
Bezugspreis: monatlid) 75 Vs., vierteljährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal!5Pft auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und , Vermischtes^ K. Neurath; sür „Stobt u. Land" und „Gerichts-
l": E. Leb; sür den Anzeigenteil: H. Beck.
nachmittags 5i/< Uhr ein. , vor dem Hauptbahnhofe eingefunden und empfing das
rür Blusen und Kleider einfach u. doppeltbreit | von billigst bis elegant ifeter I75 bis 500 K
Nr. 16«
ker Gießener Anzeiger rycheinl täglich, außer Zonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich .SiedenerZamilienbliitter; ,,iveimalwöchentl.llreis- »laltsiu den Ureir Sieben । Lienstag und Freitag); ,-veimal monatl. Land» wirtschaftliche Seitfragea . ernfprech - Anschlüsse:
ir die Redaktion 112, Lerlag u. Expedition 51 Adresse sür Depeschen:
Anzeiger Gießen.
fOrnfest
n . Di:
k»err von hei;! bleil-t „nationalliberaler" Abgeordneter!
R. B. Worms, 18. Juli.
Im großen Saale des Fest- und Spielhauses fand heute nachmittag eine Vertrauensmännerversammlung des Rerchs- taaswahlkreises Worms-Heppenheim statt, "i der Frhr. Heyl zu Herrnsheim über die politische Lage sprach und seine Stellungnal)me im Reichstag bezüglich der Reichs- finanzreform rechtfertigte. Die außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung begrüßte den Redner mit lautem Beifall. Herr v. Heyl führte aus, er habe sofort nach dem Reichstagsschluß sich verpflicht^ aefühlt, den Vertrauensmännern seines Wahlkreises Rechenschaft abzulegen. Er habe die Ehre, den Wahlkreis seit 34 Jahren als national- liberaler Abgeordneter zu vertreten und auch sonstige Ehrenämter in der Partei w bekleiden, da könne man sich wohl denken, daß er seinen Entschluß zum Austritt aus der Partti nur aus ernsttn, wohlüberlegten.Gmunden gefaßt habe, nicht
Lvnahme von Anzeigen - - ,
tift vorrÄgs"s"uE Rotationsdruck und Verlag der Srühl'schen Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 5chu!strahe 7. g“;,
< 3||li um " Kicbcr.
vethmann-hovwegz wahlrechttrede.
Es verlohnt sich, in diesem Augenblick die Ausführungen : iriAerzugeben, die &err von Bethmann-Hollweg am I 53. März 1906 im Vratßif d)cn Abgeordneten Hause über die Preuß. Wahlreform machte. Diese Rede ist um so bedeutsamer, als j e uns jelst wieder unmittelbar an die Kernfrage heranfühtt, um lerentwillen die Konservativen unter Leitung des Herrn v. Heyde- ircrnd den Fürsten Bülow gestürzt haben. Taten sie das, weil sie "ine wirkliche Reform des preußischen Wahlgesetzes wollen, so mß man erst recht wissen, wie Herr v. Bethmann-Hollweg ,1 diesem Problem steht, und das hat er, wie gesagt, in jener Sitzung anseinandergesetzt. Hier ist das Wesentlichste dieser Rede: „Wenn die Geschickte einmal das Verdikt über unser Achtes Zeitalter abgeben Ivird, dann wird sie es rühmend her- ^nheben, daß es ein Grundzug unserer Zeit war, die niederen trab armen Sästchten der Bevölkerung in erhöhttm Grade an den i'egramgcn der Kultur und der Zivilisation teilnehmen zu lassen; dber sie wird uns nickst den Tadel ersparen, daß wir bei diesem Gtrebcn in eine Abhängigkeit von den Stimmungen der Vkasse „nuten sind (lebhaftes Bravo und sehr richtig! rechts), die wie ,-n Alb auf unserem gesamten öffentlichen Leben lastet. Es ist , ^vas durchaus Ungesundes; es ist ein Unheil, daß wir jede po- imsche Aktion abhängig machen müssen von den Wirkungen, die sie auf die Sozialdemokratie ausüben wird. (Bravo! rechts.) ... Ich erblicke in dorn Bestreben, die Schwachen des Volkes , inporzuhcben, ein großes, vielleicht das größte und edelste Gesetz brr Menschheft; auch ich will an seiner Verwirklichung mit- .-beiten, und an ihr mitzuarbeiten muß ein Stolz für jeden starken sein. Aber dieses Streben darf nicht den alleinigen ob ausschließlichen Inhalt unseres Schaffens und Wirkens bilden, parallel mit ihm muß das Streben gehen, die besten und idealsten ' Ernste, die ein Volk, ja darüber hinaus: die die Menschheit z-u I produzieren vermag, zu Führern des Lebens Mmachen; denn wenn . «s nicht geschieht, nur aus dem Zusammenwirken beider Strömun- . itn, geht für das ganze die Richtungslinie hervor, die nach oben , v I«ist; und es ist hohe Zeit, daß die Kräfte, die nach aufwärts cchen, wieder frei werden. (Lebhaftes Bravo rechts.) Mir scheint, üis sollten auch diejenigen bedenken, die so ungestüm nach einem ii cuen Wahlrecht rufen, und die sich in erster Linie als die Ver- - itetcr der moderneti Entwicklung fühlen .... Die Fortschritte A lofercT Industrie, die Erfindungen auf dem Gebiete der Technik, a ix-r Chemie, der Physik, der erobernde Fleiß unseres Kauftnanns, jz o ie Entwicklung unserer Landwirtschaft, und so paradox cs klinyen R trag, das gewaltige Aufstteben unserer Arbeiterschaft, was send .. denn diese Dinge anders als Zeichen dafür, daß Triebkräfte in r| ic Hier em Volke arbeiten, welche nicht schematisch nivellieren, welche V nicht gleichmachen wollen, sondern höher hinaus, welche das Beste * auslesen wollen? Und nun gar auf geistigem Gebiet! Es mag ■ i (it’ivflgi sein, in einer Zeit der Gärung, wie der unserigen', Prognosen stellen zu wollen; sie werden immer subjektiv ge» A scr.bt sein. Aber wenn man herauszulesen versucht, was unsere H chriftsteller wollen, die den Besten des Volkes das Herz be- J liegen, wenn man nach einer Erklärung trachtet, warum denn btc religiösen Dinge unsere Zeit so beschäftigen, so im Innersten wegen, wenn man sieht, wie unsere Philosophie langsam, aber allmählich, dem großen Aristokraten des Geistes, Kant, die Wege dLhnt, wie auch unsere Naturphilosophie den Keim ihrer Entt w^cklungslehre, weniger auf den Anfangspunkt der Linie als aus die Gewißheit zu legen beginnt, daß das Niedere zum Höheren I.ruszufteigen berufen ist, ja, meine Herren, es ist denn bei allen diesen Erscheinungen wirklich ein Zeichen weltfremder Schwär- nierei, toenu man sagt, daß die Kräfte in unserem Volk noch nicht iLltorbcn sind, welche nach dem Wahren und Höheren suchen , Bravo!), welche dem einfach Menschlichen wieder zu seinem Rechte lerhelsen wollen, und welche sich voll Unwillen abwenden von beit Auswüchsen einer Bewegung, die schließlich alles Menschliche zu vernichten trachtet, weil ihr nichts Menschliches mehr fettig ist, nicht die ewigen Gesetze der Treue und Liebe zum Stamme des eigenen Volkes (Bravo!), der Achtung vor Haus uaib Herd und vor allem, was Haus und Herd bergen, der es gilt, ihre Macht zu etablieren auf den Fundamenten von Haß und Terrorismus? (Sehr richtig!) Ja, meine Herren, es bestehen in unserem Volke noch die Kräfte, welche dieses Treiben satt toben, und diesen Kräften wird unsere Zukunft gehören!" (Bravo!)
Diese Rede ist nicht nur sachlich bedeutsam, sondern sie kenn- zeichnet auch interessant die ganze Art, in der Bethmann-Hollweg eit die Probleme der Zeit herantritt.
In der nun folgenden, sehr lebhaften Debatte sprachen die Redner, auch die, die in einzelnen Fragen anderer Mei- nung zu sein erklärten, sämtlich den Wunsch und die Bitte aus, daß Frhr. v. Heyl seine Erklärung zurücknehmen und sein Reichstagsmandat, das er so lange Jähre zum Segen des Wahlkreises und des Heimatlandes innegehabt habe, auch fernerhin beibehalten möge. Die Versammlung nahm darauf mit lauten Bravorufen einstimmig folgende Resolution an:
„Nach Anhörung der Gründe, welche unseren langjährigen, hochverdienten Reichstagsabgeordneten zum Austritt aus der nationalliberalen Fraktion veranlaßt haben, erklären wir unser volles Einverständnis mit dem Vorgehen des Frhrn. v. Heyl, da wir in seiner Gegnerschaft gegen die Erbschaftssteuer keine Verletzung der nationalliberalen Grundsätze zu erblicken vermögen und es in unserer Partei von jeher Sitte war, in wirtschaftlichen Fragen — denn nur um eine solche handelte es sich int fraglichen Falle —« jedes Mitglied nach eigener lleberzeugung, nicht auf Grund bindender Fraktionsbeschlüsse, im Plenum abstimmen zu lassen. — Dazu kommt, daß auch andere hervorragende Mitglieder der Partei vor nicht langer Zett sich ebenfalls als Gegner der Erbschaftssteuer bekannt haben und daß wir in Anerkennung der großen Verdienste, welche Frhr. v. Heyl durch seine wertvolle Mitarbeit bei der Gesetzgebung aus Handels- und sozialpolittschem Gebiete sich erworben hat, den dringenden Wunsch hegen, die Interessen unseres Wahlkreises auch fernerhin durch Frhrn. v. Heyl im Reichstag vertreten zu sehen nach den altbewährten Grundsätzen der ncttionalliberalen Partei." — Im Hinblick auf diese einmütige Erklärung und die immer wiederholten Bitten! der Redner danktt Frhr. v. Heyl für die ehrenvolle Ver-» rrauenskundgebung und erklärte sich bereit, das Mandat, beide halten und im Sinne der nationallideralen Partei weiter ausüben zu wollen im Interesse des Wahlkreises und des Vaterlandes. Mit einem dreifachen Hoch aus Frhrn. v. Heyl schloß die Versammlung. (Der AuSgang dieser geschickt inszenierten „Kundgebung" war von vornherein nicht zweifelhaft. Ob freilich die hessische nationalliberale Landespartei sich einen nationalliberalen Abgeordneten gefallen läßt, der nicht nationalliberal ist, bleibt ak^uwarten Red. d. G A.) '
Der Thronwechsel in Persien.
Ein Erlaß der Generale Sardar Assad und Sipahdar; verkündet die Thronbesteigung des ältesten S o h n e s des abgedantten Schahs unter dem Namen Sultan Achmed Mirza und die Regentschaft Asid El Molk. Sipahdar dementiert die von den Soldaten des Schahs verübte Plünderung und läßt alle geraubten Sachen ins Parlw- mentsgebäude bringen, wo sie den Eigentümern zur Verfügung gestellt werden.
Die russische Regierung hat den ftemden Regierungen folgende N o t e z u g e h e n lassen: Am Samstag morgen suchte der Schah Muhamed Ali mtt seiner Familie und seinem Gefolge Zuflucht in der Sommerresidenz der kaiserlichen Gesandtschaft. Gemäß dem in Persien bestehenden Brauch ist dem Schah Zuflucht und Gastfreundschaft gewährt und ihm die gebührende Ehre erwiesen worden. Nach unserem Abkommen mit dem Londoner Kabinett wird die Person des Schcchs von den vereinigten Truppen der russischen und englischen Gesandtschaft bewacht; über den von ihm bewohnten Räumen wehen die russrsche und englischeI
Inp-hN ernt, sicher „Radikal", « schc 50 W. ' tierinania-Drogerie
Carl Seibel ankfurler Str. R?clcck>
9?rIBUnei
ändern müsse als Mann nach seiner lleberzeugung handeln und das habe er getan. (Lebh. Beifall.) Die nationallib. Fraktion habe schon viel größere Schwierigkeiten zu überwinden gehabt, aber noch niemals sei ein solcher Fraktionszwang versucht worden, wie jetzt. Wenn der Abgeordnete )ie Interessen seiner Wählerschaft verttete, dann dürfe die Fraktion nicht den Geßlerhut aufstecken wollen, ganz abgesehen davon, daß Art. 29 der Reick)sverfassung das imperative Mandat verbiete. Er habe auch dem Vorsitzenden; der hessischen Landespartei, Herrn Dr. Osann, schriftlich eine Anschauungen dargelegt und erllärt, er werde sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurücklegen, wenn die Vertrauensmänner verlangen würden, daß er für die Erb-' chaftssttuer stimmen solle. Er erinnere daran, daß er nicht nur Vertreter der nationalliberalen Partei, sondern auch, Kandidat des Bundes der Landwirte seit dessen Bestthen gewesen sei. Redner ging dann aus die einzelnen Steuer-■ arten bei der Finanzreform näher ein und betonte, daß gerade die Erbschaftssteuer, die plötzlich auf die Fahne der Nationalliberalen geschrieben wurde, von maßgebenden Füh- rern der Partei bis in die neuere Zeit ebenso bekämpft' wurde, wie vom Bund der Landwirte. Auch Eugen Richter habe das getan und Reichskanzler Fürst Bülow habe sich 1905 im Reichstag ebenfalls scharf dagegen geäußert. Hätten sich die Nationalliberalen im Reichstag in den Kompromißverhandlungen beteiligt, so wäre in der Finanzreform gewiß manches anders geworden und Fürst Bülow wäre Reichskanzler geblieben. Wie könne man da behaupten, die Ko ns er- bativen hätten den Reichskanzler gestürzt? Den Reichstag aufzulösen, sei einer der unvernünftigsten Vorschläge gewesen. Die Sozialdemokratie hätte eine ungeheure Wahlhetze entfaltet und ihre Mandate wieder verdoppelt und' bas Zentrum wäre in der Lage gewesen, nach zwei Seiten Majoritättn zu bilden. Der Hansabund sei nicht gegründet für die Steuerreform, sondern für die nächsten Handelsverträge, es werde ihm aber nicht gelingen, eine so gute feste Organisation, wie die des Bundes der Landwirte, zu zerstören. Der Redner erllärt, er habe dem Heidelbergev Programm entsprechend bei Wahrung der Interessen von Stadt und Land immer die richtige Mittellinie eingehalten. Nachdem er jetzt den ernsten Schrttt getan und das imperative Mandat nicht angenommen habe, gebe er jetzt auch sein Mandat in die Hände der Bertrauensmätmer wieder zurück.
11 Prhii
ÄW
-KW
-K W
Porto
Barl Hsintze,
Strassburg i.Rianco *
»u°
Die veamten-Vesoldungsrevision in Hessen.
Die Denkschrift der Regierung zur Revision der Besoldungsordnung der Beamten und der damit in Verbindung gebrachten Fragen einer Revision der Wohnungsgeldzuschüsse und der Hinterbliebenen Versorgung der Beamten, sowie der GehaltsverhälMisfe der V o l k s s ch,u l - (ehr er und Lehrerinnen ist nunmehr im Druck fertiggestellt und den interessierten Krciseir zugänglich gemacht worden. Das bedeutungsvolle Aktenstück enthält vier völlig von einander gc= trennte Abschnitte, und jedem davon sind mehrere umfassende Anlagen mit Tabellen und vergleichenden statistischen Uebersichten beigefügt, lieber den allgemeinen Inhalt der Denkschrift und deren hatlvtsächlichste Gesichtspunkte haben wir bereits eingehendere Mitteilungen gemacht. Wenn wir heute auf die Darstellungen der Denkschrift näher eingehen, so müssen wir bemerken, daß die einleitenden Ausführungen erst dann, recht beurteilt toerden können, wenn man die dabei gegebenen statistischen Anlagen näher betrachtet. Die Regierung beschränkt sich darauf, das Ergebnis ihrer UnteftuchnngeLi und Vergleiche mttzuteilen und betont, daß sie sich vorbehält, auf ihr Ergebnis nach Erledigung der Reichs- ftnanzreform und Feststellung des finanziellen Verhältnisses zwischen dem Reich und den Bundesstaaten zurückzukommen, resp. den Landständen geeignete Vorschläge zu machen. Wer indessen mit der Kunst des „Zwischen den ZeilenleseNs" nickst ganz unbekannt geblieben ist, der wird aus den sehr vorsickstig gehaltenen Bemerkungen zu den einzelnen Abschnftteu den Eindruck gewinnen, daß die Regienmg zwar den guten Willen besetzt, für die Besserstellung der hessischen Beamtenschaft im Allgemeinen einzutreten, aber dabei doch an das Sprichwort denkt: „Non omnia possstmus omnes", und keinesfalls darauf eingehen wird, allen Wünschen der interessierten Beamtengruppen Rechnung zü fragen, deren Erfüllung in Verbindung mit den Forderungen der verschiedenen Abgeordnetenanträge (wie schon in unserm früheren Attikel bemerkt) nach ben ungefähren Berechnungen eine jährliche Mehrausgabe von 3 453 100 Mark und dazu noch eine Pensionserhöhung im Beharrungszustande von 726 800 Mark erfordern würde.
Die Denkschrift macht im ersten Abschnitt über die Revision der Besoldungsordmrng die für die Wünsche der Beamten sehr wertvolle Feststellung, daß eine Anzahl Bundesstaaten in letzter Zeit sehr erhebliche Opfer für die Besserstellung ihrer Beamtin gebracht habe. In Baden sind die Gehalte durch Gesetz vom 12. August 1908 um durchschnittlich 15 Prozent erhöht worden, was im Beharrungszustand eine Mehrausgabe von 4 300 000 Mark ausmacht; in Saijern ist durch die dleuregelung der Beamtengehalte, in der Absicht, die bayerischen Staatsbeamten in ihren Bezügen den preußischen und sächsischen Beamtin nicht nach- fteben zu lassen, eine jährliche Mehrbelastung von nmd 17 Mlll. Mk. entstanden, in Sachsen wird ein jahrl. Mehrbedarf von8 800 000 Mark erforderlich und auch Preußen hat rückwirkend bis 1. April 1908 eine wesentliche Aufbesserung der Beamtongehälter und des Wohnungsgeldzuschusses durch Gesetz vom 26. Mai d. I. ein- treten lassen, wodurch ein aus direkten Steuerzuschlägen aufzubringender Vtehrbedarf von 88 700000 Mark erforderlich geworden ist; für die Reichsbeamten sind in den beiden Vor- janreir Teuerungszulagen im Befrag von rund 50 Millionen bewilligt worden und das in diesen Tagen genehmigte Besoldungsgesetz 'hat ebenfalls zum Teil erhebliche Gehaltsverbeßerungen bracht.
In Hessen ist 'die letzte allgemeine Gehaltsaufbesserung her Beamten vor 10 Jahren erfolgt, während der 1907 bewilligte Wohnungsgeldzuschuß den Beamtin ohne Dienstwohnung eine Verbesserung von durchschnittlich nur 7 Prozent ihrer Bezüge brachte. Die Denkschrift konstatiert diese Tatsachen und fügt bann hinzu, daß auch m Hessen das Verlangen, das Diensteinkommen der Staatsbeamten den jetzigen Verhältnissen anzupassen, um so nachdrücklicher erhoben toerben wirb, als nach der Neuregelung der Gehaltsverhältnisse in den meisten übrigen Bundesstaaten und im Reich „das Diensteinkommen der hessischen Staatsbeamten zum Teil sehr bedeutend hinter den Beamtenbezügen in ben meiiten übrigen Bundesstaaten und im Reiche zurückstehen wird." Weiter betont die Denkschrift: „Daß die Dienstbezüge der hessischen Staatsbeamten so weseiitlich hinter den Sätzen der übrigen Bundesstaaten und des Reiches zurückstehen, sei um so mißlicher, als in Hessen eine große Zahl von Beamten der Reichspost- itnb Tele- graphenverwältung und des Mllitärs, sowie von Beamten der hessisch-preußischen Eisenbahngemeinschaft, die nach preußischen Grundsätzen bezahlt werden, ihren Amtssitz hat und die bedeutenden Unterschiebe in bem Gehalt und m dem Wohnungsgeldzuschuß zu Verstimmung Anlaß geben. Wenn somit einerseits die allgemeine Verteuerung der Lebenshaltung, nne der Vorgang vieler Bundesstaaten und des Reiches Wünsche nach einer Ausbesserung des Diensteinkommens der Staatsbeamten zeitigte, so ließen auf der andern Sette iwch mehr die im Lauf der ^ahre hervorgetretenen Härten und Unebenheiten in der durch das Gesetz vom 9. Juni 1898 festgesetzten Besoldun^sordnung eine Milderung oder Beseitigung durch eine Reviswn als erwümcht erscheinen. Die Landstände wie die sJtegienmg haben «ich denn auch der Erkenntnis nicht verschlosten, datz Matznahmen in beiden Richtungen auf die Dauer nicht zu umgehen sind, wenn der Staat begründeten Llnsprüchen seiner Beamten auf eine angemessene und den Zeitverhältnissen eMsprechende GegMleistung für die ihm gewidmete Arbeitskraft gerecht werden will.' — In welcher Weise das hier regierungsseitig unumwunden Äugeltanbene Mißverhältnis durch das beigebrachte statistiiche Material bestätigt wird, soll ein zweiter Artikel näher bariun.
wiefjcner Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
diim Aanzleuvechsel.
Am Freitag und Samstab fanden längere Besprechungen zwischen dem Fürsten Bülow und von Bethmann-Hollweg statt. Man nimmt an, daß in diesem Gespräch der scheidende Wrst seinem Nachfolger die l-rage der auswärtigen Beziehungen des Reiches eingehend tergetegt hat. Fürst Bülow empfing in den letzten Tagen mehrere der in Berlin anwesenden ftemden Botschafter, darunter den englischen Botschafter Goschen. Am Samstag empfing der Fürst den rumänischen Gesandten Dr. Beldiman. Dieser iüberreichte die Jnsianien des dem Fürsten von Wnig Karol i von Rumänien verliehenen Ordens Kärl L, eine Auszeichnung, die der Regel nach nur an Souveräne verliehen wird. König Karol hatte die Verlechung dem Mrsten von Bülow in einem sehr herzlichen Telegramm angezeigt.
Am Sonntag mittag, kurz nach 12Vs Uhr, fuhren der Fürst und die Fürstin von Bülow! im offenen Zweiftänner durch die Wilhelmstrcrße nach dem Lehrter Bahnhös. Auf dem Wege hatte sich zahlreiches Publikum angesammelt, das das Fürstenpaar mit Hochrufen begrüßte, wofür beide dantten. Viele folgten auch im Wagen, der rm Schrttt fuhr. Auch vor dem Bahnhof sowie auf dem Bal)nsteige wurde der Fürst von dem zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Auf dem Bahnsteige hatten sich eingefunden: Reichskanzler von Bethmann-Hollweg und Gemahlin, sämtliche in Berlin weilende Minister, Staatssekretäre und Beamten der Reichskanzlei, des Auswärtigen Amtes, eine Reche ftem- der Diplomaten, sowie im Auftrage des Kaisers der Kom- tnandeur der ersten Garde-Feldartillerie-Bridade, Flügel- , adjutant Oberst von Heineocius, der der! Fürstin ein prachtvolles Blumenbukett überreichte. Ehe sich Fürst von Bülow von den Erschttnenen verabschiedete, verweilte er in längerem Gespräch mit dem Reichskanzler von Bethmann- Holllveg. Als sich der Zug 1.20 Uhr nach Klein-Flottbek in Bewegung setzte, stimmte bas Publikum das Lied an: „Deutschland, Deutschland über alles" und rief: „Auf Wiedersehen!" ' ,
Fürst Bülow und Gemahlin trafen in Hamburg
ittirii und Einsätze hervorragend. A usirahl
i.Salomon&Cie.
I<r kostenlos/^*
BÄ* anheim empfehlen: äis?C Xen.wohlscbn.eek.» wdheitswasser. steter für Giessen: eisel, Sonnenstr.
' Telephon-*
Men |909
Oe . Modern- - « »»onendon
SW ückl-SpK-


