findig, daß sic häufig das ganze iit den letzten Wochen gewonnene Resultat der Untersuchung tvieder umstoßcn, so daß der Richter Von vorn wieder anfangen muß; dann freut sich Wert!! Bei den Vernehmungen schont er niemanden; er freut sich, wenn er durch seine Aussagen einen anderen komPromitieren kann; so ist es ihm setzt gelungen, so viel Belastendes gegen den früheren Ministerpräsidenten Christensen ausMsagen, daß, wenn diesen auch eine kriminelle Schuld nach dem Strasgesetzbuch nicht trifft, alle Ursache zur Erhebung einer Anklage vor dem Staatsgerichtshofe gegeben sein wird. Seiner Wurden ist Alberti nun endlich entkleidet ; dieser Tage roairbe öffentlich bekannt gegeben, daß er feine Zulassung als dänischer Reichsgerichtsanwalt verwirkt habe. Las Mobiliar Albertis wird dieser Tage versteigert. Alberti besteht aber darauf, daß ihm, entsprechend einer Bestimmung des Kontursgcsetzcs, vom Erlöse ein Betrag von 60 Kronen belassen werde, damit er dadurch b\e. Kosten von — ätoci — Oere täglich für die Reinigung der. Zelle durch das Grfängmspersoiml zahlen könne: sonst müßte der „Herr Minister" seine Zelle selbst reinigen; das will er doch nicht. m v .
* .Leider zu f bä t". Ein trug iE) innerer Vorfall wird dem „B. T." von einem Leser berichtet: Mit großer Bestürzung eilt ein hiesiger verheirateter „Lebemann" zu seinem luristischett Berater, einem bekannten Rechtsanwalt, und zeigt ihm die soeben empfangene Gantersche anoithnte „Zuschrift". Nach reiflicher Heber» fegung gibt der Rechtsamvalt seinem besorgten Klienten den Rät, der getreuen Gattin alles zu beichten!, in' der sichere. Voraussicht, daß nach kurzem „Sturm." die Verzeihung nicht ausbleiben dürfte. Kaum ist der unglückliche Ehemann von dannen geeilt, als der Rechtsanwalt den Besuch zweier anderen Klienten empfängt, die ihm ebenfalls die Ganter scheu „blauen Karten" vorzeigen. Hierdurch auf den Schwindel aufmerksam gemacht, tel-chhonierte der Anwalt schleunigst seinem ersten Klienten.: „Nicht beichten, alles Schwindel!" und erhält hierauf die trostlose Antwort: „Leider '$u sM, bereits gebeichtet."
* Eine merkwürdige Katze. Man schreibt der Voss. Ztg. ans Brüssel: Dom Hund, der dieser Tage von Köln zurück nach Holland wanderte und glücklich bei seinem 'Besitzer eintraf, darf eine Katze gegenüber gestellt werden, die hier von sich reden macht. Eine hiesige Dame halte einer Freundin aus Lille, die jüngst zu Besuch hier weilte, ein Kätzchen zum Geschenk gemacht, das sich aber in Frankreich nicht wohl fühlte. Sieben Tage nach der Abreise ihrer Freundin hörte die Brüsseler Dame mitten in der Nacht ein Miauen, das ihr den Schlaf raubte. Als sie aufhorchte, hörte sie, daß eine Katze an der Haustür kratzte. Rian machte Licht, öffnete die Türe und siehe da: das Kätzchen sprang vergnügt der Herrin in die Arme. In sieben Tagen hatte die Katze den Weg von Lille nach Brüssel zurückgelegt; sie war schon am Abend der Ankunft davon gelaufen.
* Der Ursprung der „Zeitungsente". In der ganzen Welt weiß ntan, daß „Ente" im figürlichen Sinne gleichbedeutend ist mit Märchen. Man gebraucht den Ausdruck be- > anders dann, wenn man eine von einer Zeitung ui die Welt (■ejefcte Lügennachricht charakterisieren will. Es dürften aber nur ivenige wissen, wie der so schmackhafte Vogel, welcher die Ente geschätzt wird, zu der etwas zweifelhaften Ehre gekommen ist, frei erfundene Zeitungsnachrichten mit seinem Namen zu decken. Man darf daher der Zeitsck>rift „Nos Leetures" dafür dankbar sein, daß sie den Ursprung des Wortes „Zeitungsente" zum Gegenstände von Forschungen gemacht hat und die Ergebnisse dieses Spezialstudiums jetzt der Oeffentlickchelt preisgibt. Ein Bürger vvn Brüssel namens Cornelis,«n — so liest man in der Revue — hatte besondere Gründe, gegen die Journalisten erbittert zu sein. Es geschah nun, daß eines Tages ein unglücklicher Heiiungsmeusch, der sich auf der Nachnchtenjagd befand, das Pech hatte, auf den Jvurnalistenhasser Cornelis,on zu stoßen. Dem Heinde der Presse war diese Begegnung sehr erwünscht, und er benutzte die Gelegenheit, um den Federfuchser gehörig hineinzu-
leaen; zu diesem Zwecke erzählte er: ihm' eine aufregende Geschichte von den tragischen Schicksalen einer Entensamilic. Er habe, sagte er, 20 Enten in einett engen Käsig gesetzt und ihnen nichts zu fressen gegeben. Tags drauf sei eine von den Enten von ihren Artgenossinnen mit den Schnäbeln totgeschlagen und radikal aufgefressen worden: am zweiten Tage fei eine andere verschwunden gewesen, am dritten Tage eine dritte und immer so weiter, bis nur noch, als letzte Vertreterin der Entenfamilie, die zwanzigste Ente übrig gewesen sei; diese habe das Fleisch bon neunzehn andern Enten im Mimen gehabt. Der Journalist, der allerdings keine Leuchte seines Standes gewesen zu sein scheint, brachte die phänomenale Geschichte sofort in die Zeitung; andere Matter druckten sie nach und die dcachricht machte die Reise um die Welt m weniger als 80 Tagen! Tas übrige kann man sich denken. Ter böse Cvmellison rühmte sich des Streichs, den er der Presse gespielt hatte, und man nannte fortan jede lügnerische Zeitungsnotiz eine „Eule".
* Auf der Wanderschaft. Handwerksbursche (Sachse, auf der Landstraße nach Darmstadt): „Sagen Se 'mal, mei Gudster, sind das, was mär da in der Farne sieht, die Därme (Türme) vvn Darmstadts
Äleittc Tageschronik.
In Elberfeld ereigneten sich infolge des Glatteises zwei schwere Straßenbahnunfälle, wobei em Wagenführer feinen Tod fand. Ein Wagen wurde fast vollständig zertrümmerr. Ein zweiter Wogen kam ins Rulschen und stürzte die Böschung hinab. Don den vier Passagieren wurde eine Frau schwer, die übrigen leichter verletzt.
In Sluhlweißeuburg erschien gestern früh ein maskierter Kerl und zwang das Perional mit vorgehalteuem Revolver, ihm die Geld b riefe, die 58000 Kronen enthielten, zu übergeben. Ter Räuber tötete einen Postbeamten und verwundete einen anderen. Zwei Postbeamte packten nun den Räuber, einen Diener der StuhlreelßenburgerKorreküonS-AnstaU namens Stephan Kern, und erschlugen ihn.
Im Wald von Kapuvar in Ungarn wurde ein deutscher Ballon bemerkt, der tu den Daum-kronen! sestsaß. Die Insassen am 31. Dezember in der Nähe von Berlin ausgestiegenen Ballons waren der Leutnant Strinker und ein anderer Herr. Sie hatten 36 Stunden i in S chnee st u r m zugebracht. Der Ballon konnte noch nicht freigemadjt werden. Die Lust- schisser wurden im Schloß des Barons Berg herzlich ausgenommen.
Der Schnellzug Bafel-Pans fließ am Sarnslag bei Chaumont mit einem Personenzuge zusammen. Zwei Eisen- b a h n b e a m t e und drei J( e i f c n D e wurden dabei getötet.
In Mittel- u u d- N o r d e u r o p a hält die Kälte an. Auf der Elbe sind weitere 18 Schisse eingefroren. Die Lage einzelner Schisse ist gefährlich.
Von dem vierten h o l l ä n d i, ch e n H u s a r e ii r e g i m c n t e inZutphen wurde nahezu eine ganze Schwadron unter Führung eines Korporals fahnenflüchtig. Es gelang, die Ausreißer einzuholen und znr Rückkehr zu bewegen. Der Korporal, der Vlnstifier, wurde nahe der preußiichen Grenze verhaftet.
Bei R i p e u (Jütland) verhaftete cm Grenzgeudarm einen Mann, in desstn Besitz em Packet nut goldenen und sil- b erneu Kränzen geiunbcii wurde. Er gestand, sie im Roeskilder D o m g e st o h 1 e u gu haben.
Handel.
— Priva tdiskout. Ter erhebliche Rückgang deS Privat- diskonts — in Berlin bis 2% Proz., alfo um V, Proz. — übte einen belebenden Emsbiß auf die Börse am ersten Geschä'tStag un neuen Jahr aus. Alan hatte zwar mit einer schnellen Erlclchter- ung der Geldsatze gerechnet, wurde aber doch durch die rasche Verbilligung überrascht. Tiefe erklärt sich daraus, daß einerseits die Geldnehmer m der Erwartung rückläufiger Zinssätze nut der Einreichung von Wechseln zurückhallen, wahrend anderseits die Anstalten, die ihre flüssigen Gelder zum Teil in Wechseln anlegen, mit gvöBern Kauianslragen am Wechjelmarkt waren. Ta die Ansprüche an die Rsichsdauk, wie immer zum Jahresfchluß, erheblich gewesen sind, so dürften die Rückzahlungen an die Bank den offenen
Markt doch wieder mehr in Anspruch nehmen, so daß der Privat- roechselzinsfutz die starke Ermäßigiing zunächst vielleicht nicht voll behauptet. Immerhin zeigt der Vorgang die auf dem Geldmarkt herrschende Richtung deutlich an, und diese dürfte, sobald die Riick- lüsse bei der Netchsbank die Einwirkiingen des Jahresschlusses wieder ausgeglichen haben, auch zu einer weiteren Verbilligung der Geldfätze führen.
— Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten. Der» Wert der Ausfuhr aus dem Hamburgischen Ksnsularbezirk nach bett Vereinigten Staaten betrug im letzten Vierteljahr 4 868 155 Doll, (i. B. 4 045 059 Toll.), mithin mehr 823 096 Doll. Im ganzen Jahr, betrug der Wert der Ausfuhr 18744147 Doll. (i. V. 18 221451 S)otL)„' mithin mehr 522 626 Doll.
Märkte.
re. Frankfurt a. M., 4. Jan. (Orig.-Telegr. des „Giefti Anz/) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise»! Wetzen Alk. 20.75—2.100, Kurhessischer Alk. 20.25—20.50, La Plata Alk. 24.25—24.75, Kansas Alk. 205—24.75, Roggen (hiesiger) Alk. 17.00—17.25 Gerste (Wetterauer» Mk. 18.50—laiöO, Franken- selber DU. 17.50—18.00, Hafer 16.00—17.00, Aiais Tlf. 17.25—17.50. Weizenmehl Alk. 31.50—32.00, 00—00, 2. Qualität Alk. 30.50 bis Alk. 31.00, 3. Qualität Mk. 29.00—30.25, Roggenmehl o
Alk. 27.75—28.00, 1.Qualität Alk. 26.75—27.00, Weizenklere Alk. 9.75 bis Alk. 10.00, Roggeickleie Alk. 10.50—11.00, Maiskeirne Mk. 12.50 bis Alk. 13.50, Franken, Pfälzer. Ried Alk.00.00-00.00. Alles per 100 Kg. ab hier.
te. Frankfurt a. M., 4. Jan. (Stiegt. Orig. - Bericht be5 „Gieß. Änz.".) Amtliche Notierungen bet heutigen Viehmarkt- p reife. Zum Verkaufe [tauben: 310 Ochsen, 42 aus Oesterreich, 41 Bullen, 0 aus Oesterreich, i98 Kühe, Fersen, Stiere unb Rmber, 293 Kälber, 490 Schafe unb Hammel, 1920 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 Schaflämmer. Bezahlt würben für ICO Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 78—80 Mk^ 2. Qualttät 73—75 Alk., 3. Qualität 60—63 Alk.: Bullen: 1. Qual. 66—68, 2. Quak 62—64; Kühe 1. Qualität 69-72 Alk.,, 2. Qual. 60-62 Alk., 3. Qual. 48—50 Alk., 4. Quak 00—00 Alk.,, 5. Qual. 00—00 Alk. Bezahlt wurden sür bas Pfund Schlacht- ; gereicht: Kälber 1. Qualität 90 bis 95 Pfg., Lebendge,vicht 53—57 Psg., 2. Qualität 80—86 Pfg., Lebenbgereicht 48-52 Psg., Schlachtgere. 60—65 Psg.; Schafe: 1. Quak Schlachtgere. 70 bis 00 Psg., 2. Qual. 56—58 Pfg. Schreeine:. 1. Qual. 73—74 Pf., Lebenbgereicht 57—57,5 Pf., 2. Quak 71—72 Pf., Lebenbgereicht 56,5—00,0 Psg., 3. Qu al. 65—70 Psg., Lebenbgereicht 00—00 Pfg. Geschalt gut, kein Uebersland.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung sür Hesieu am Dienstag den 5. Januar: Trub unb neblig. Trocken. Temperatur rote heute. Nur un Süben Hessens leichtes Tauroetter. Alelst roindslill. Schneebericht des Schiklub Wandervogel-Gießen vermittelt vom Landwirtschastlichen Wetterdienst in Gießen.
Die yiorbfetic des Vogelsberges (Gegend von Herbstein, Lanzcnhatn, Ilbeshausen) trägt cme Schneedecke von 3 Zentimeter Ticke.
Kalkutta, 4. Jan. Im einer Vorstadt kam es zwischen Muhamedanern und Indern zu ernsten Zusammenstößen, so daß Militär zur Hilfeleistung für die Polizei herangezogen werden mußte. Die Streitenden wandten sich darauf gemeinsam gegen die Soldaten, welche feuerten und mehrere der Angreifer töteten und verwundeten. 200 Verhaftungen wurden vorgenommen.
P aris, 4. Jan. Bei den gestrigen Senatswahlen wurden gewählt 26 Republikaner (davon 7 neu), 31 Rabi^ kale (12 neu), 30 Sozialisten (15 neu), ein unabhängiger Sozialist, 10 Progress ist en (4 neu) und 5 Nationalisten (1 neu\ 1
Zum bevorstehenden Anlagetermin haben wir nachfolgende Effekten-Gattungen Z|U den beigesetzten Kursen — so lange unser Vorrat reicht und ohne besonderen Widerruf — abzugeben: Kurse
4 °/0 Württemberger Staais-fonieähe......... 102=—
4% Frankfurter Hypothekenbank-Pfandbriefe, Serie S7, vor 1910 nicht rückzahlbar . . 100.—
4 % dergL, Serie 20, unkündbar bis 1915 ............100.50
3 1/3 °/0 derghj Serie 69 ............... 93.—
3 V» % Frankfurter Hypothekenbank - SCommunal« ObSigationesv, ...... 94 —
4% Raeinische Hypo^^enhank-lPfatidbrief^, unkündbar bis 1917 . . . . . . 100.60
4 °/0 Pfandbriefe des Frankfurter Hypothe&en-^redii-^ereins, Serio 46 ... 9Ü.—
4 % dergS., unkündbar bis 1913, Serie 43 ...... ...... 99.20
4 % dergi., unkündbar bis 1915, Serie 47 ....... ..... 99.50
4% depgL, unkündbar bis 1917, Serie 48.............100.—
4 °l0 Beniner Hypothekenbank Akt-Ges -Pfandbriefe........100.25
4 °/0 Preussische Pfandbriefbank-Hy poft'■e&en-Pfandbrief-?, unkündbar bis 1917 . . . luO 25
4 °/0 dergU.j unkündbar bis 1914 . . . • - . . • - . - - - - 99.60
4 °/0 d rg unkündbar bis 1915 ............... 99a8Ö
4 % % Obligationen der Eiektrüzitäts-^kt -Ces. vorm. W. Lsi mty^r & Co. in Frank-
' iurt a. ßfl. Jaj.re 8903 — rucfeZÄ^fc^r ä ^3 °/0.......99.25
4 % Deutsche Schutz gebiet »-Anleihe (unter Bürgschaft des Deutschen Reiches) .... 100.70
4 °/0 Ostp< euss&sche Provinziar-Obiisjatsonen..........100.25
Kamerun-Eisenbartn-Siammanteil« B mündelsicher (Minimal-Dividende von 3 % und Amortisation
ä 120 % vom Deutschen Reiche garantiert). ......... 94.—
Wir halten ferner ein ständiges Lager in
4 tu-.d 313°j0tigen Sta dt-ArJ. eih en
die wir zu günstigen Bedingungen abgeben und vermitteln den An- Werk®.aller sonstigen an den Börsen gehandelten Werte.
Giessen, 30. Dezember 1908.
Bank für Handel und Industrie
Kie&keH&s&iuistg Heessen Muller. Dietz.


