Nr. 2
Zweites Blatt
1 ZA. Jahrgang
Montag 4. Januar 1909
Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Tonntag«.
D'e „Gießener LaniiÜLNblätter" werden dem „Sliiaeiflev* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblctt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Eeneral-MZeiger für Overhefsen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl^ch« UnwersuälS • Buch» und Sieindruckeret. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» ftrnüe 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion: ^^112. Tel.-AdruAnze'gerGießen»
Kolrtrfehe
Der Kaiser und die Kommandir enden Generäle.
Am ouinä.ag ijcu im Kgi. 311 Be.lui das übliche Diner der kommandierenden (yciierütc stat-g?snnden. Nach Aushebung der Tafel hielt der Kaiser einen sachlich-militür. Vortrag über bie Ausgaben und Lehren der lebten Manöver. Der Kaiser wies an der Hand von Karten auf diejenigen Momente der Manöver hin, die nach seiner Meinung geeignet sein könnten, anregend und betehrelld zu wirken. Am Schluß dieses militär-technischen Vortrags spielte bei Kaiser mit einigen Worten culf die Vorgänge an, die sich im Anschluß an die Veröffentlichung des Dail.) Telegraph-Jnterviews ereigneten. Der Kaiser sprach in sehr ruhiger Weife unb das, was er sagte, ließ ernennen, daß die lebten Ereignisse einen sehr ernsten Eindruck ans ihn gemacht haben. Er oerlas auch einen kürzlich erschienenen Revue-Artikel und fügte hinzu, buy dieser Arcilec uugeiahr das enthalte, was er selbst über bic juugüea Vorgänge sagen funme. Ars der Kaiser seine Siebe geendet, nahm der rangälteste der anwesenden Generäle das Wort, tmille dein Monarchen und versicherte ihn des rüÄhaltlo eften Vertrauens der Armee.
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WaS g>hl in China vor?
Tin kaiserliches Edikt hat den Rücktritt des leitenden chinesischen Staatsmannes Yuan-shi-lais verjügt. Als Grund wird angegeben, daß er an „Rheumatismus" leibe. Es wird ihm besohlen, alle Aemter niederzulegen und in seinen Geburtsort zurückzulehren. Durch ein weiteres Edikt wird Narung zum Mitglied des Großen Rates ernannt. Natung dürste voraussichtlich an die Stelle Auan-shi-iais treten. Die Entlassung Auan-shi-kais kam gänzlich unerwartet. Infolge der Ernennung des Mandschus Natung zum Mitglied des Großen Rates verbleiben nur zwei Chinesen im Großen Slate. Beide gehören der alten Schule an Liang Tun-yen wird interimistisch Yuan-shi-cais Skach- folger. In Peking glaubt man den Rücktritt Z)uan-shi--kais aus Jntriguen und Mandschus zurückfuhren zu sollen. Es scheint, daß nur die japanischen Vertreter einen Wink erhalten haben, daß ein derartiger Schrill geplant sei; die ausiändisch-n Gesandten sind erst um 2.50 Uhr nachmittags davon in Kenntnis gesetzt worden. Zwei Stunden später kamen dec englische, der deutsche und der amerikanische Gesandte in der englischen Gesandtschaft zu einer Konferenz, die bis 7 Uhr dauerte, zusammen. Man darf annehmen, daß sich eine größere Abordnung von diplomatischen Vertretern zum Chef des Staatsrats, Prinzen Ching, begeben wird.
Deutsches NeLch.
Frauen als $ö t e t l t ü c g e r. -er „Berl. Lokalanz." meldet aus München: Dura- Beifügung des Justizministers sollen zunächst 50 Frauen an den bäuerischen Gerichtshöfen zur Verteidigung zugelassen werden.
Abänderung der Gewerbeordnung. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreifenb die Abänderung ber Gewerbeordnung vom 28. Dezember 1908. Das Gesetz tritt am 1. Januar 191u in Kraft.
Eine polnische Pa.z.lliertLng.ba.at für Lberschlcsien ist von dem Reichs- und Lindiagsabg. Korfanty und anderen Polen in Kattowitz gegründet worden.
General Castro ist vorgestern morgen wieder in die Privatilinik de§ Professor Israel übergesiedelt.
Ausland.
DerdeutscheB^^, .. ,,ir Frhr. v. Marschall hat namens seiner Regierung der Ps^r.e die Ertiärung-abgegeben, daß die Türkei bei der geplanten Erhöhung der Einfuhrzölle und ber Einführung bestimmten Monopole,fest
Liiernes FeurUeton.
— An dem 100. Stiftungsfest der Zelter- schen Liedertafel, des ältesten deutschen Männer- gesangvereins, ber am 24. Januar 1809 von Zelter gegründet wurde, wird die Zeltersche Liedertafel ihre Geschichte veröffentlichen, die, von Professor Dr. Kuhlo bearbeitet, ein ungewöhnlich interessantes Werk ist und gleichzeitig eine Art von Berliner Kulturgeschichte ber letzten hundert Jahre barstellt. Um dies zu erläutern, braucht nur darauf hingewiesen zu werben, daß Goethe lebhaftesten Anteil an der Zelterschen Gründung nahm, und daß Theodor Körner, Heinrich v. Kleist, Brentano, C. 91L v. Weber, Rückert, Mendelssohn, Otto Nicolai als Mitglieder ober als Gäste in der Zelterschen Liedertafel verkehrten.
— Der Lauch st edter Theaterverein. Am 20. Dezember sand in Halle a. S. die erste Sitzung des Lauchstebter Theatervereins statt, der unter dem Eindruck des Erfolges ber biesjährigen Aufführungen Menandrischek Komödien unb ber Goetheschen „Iphigenie" sich begründet hat. Er beschloß, im Frühsommer 1909 vorerst Goethesche Stücke, die sonst nicht im Spielplan erscheinen, darzubieten unb denkt zunächst au sein altes Lauchstedter Eröffnungsspiel „Was wir bringen", sowie an die jedem Goethe-Freunde teure „P andor a".
— Eine Vereinigung für ästhetische Forschung ist in Berlin gegründet worden. Sie hat den Zweck, „durch Vorträge unb mündlichen Gedankenaustausch zwischen Vertretern philosophischer, historischer, ethnologischer und naturwissenschaftlicher Kunstsorschung sowie theoretisch interessierten Künstlern die Anschauungen über Wesen unb Aufgaben der Kunst und ber einzelnen Künste zu vereinheitlichen unb zu vertiefen". Den ersten Vorstand bilden Prof. Dr. Max Dessoir, Julius Hart, Prof. Dr. Max Herrmann, Dr. Leopold Schmidt, Privatdozent Dr. 4llfred Dier- l'andt, Prof. Dr. Heinrich Wölfflin unb Privatdozeut .Dr. OStar Wulfs.
Alt-Heidelberg in .. a = tschechischer
auf bie wohlwollenbste unb 'reundschafilichste Un.erftü^ung ber beutschen Regierung rechnen könne. Die gesamte hiesige europäische unb türkische Presse hebt die Bedeutung dieses Schrittes hervor, dessen Wichtigkeit keines Kommentares bedürfe.
König Eduard soll beabsichtigen, Ende Februar eine Mitlelmeerreise zu unternehmen unb dem türkischen Sultan einen Besuch abzustatten.
Senatswahlen in Frankreich. Bei den gestrigen Senatswahlen wurden nn er^en Wahlgang 23 Republikaner, 24 Radikale, 20 Sozialistisch-Radikale, 8 Pro- tzressisten und 4 Konservative gewählt. 21 Stichwahlen sind erforderlich. Unter den Gewählten befinden sich u. a.: Cle menceau, Deswurnelws, Couga.is, Jsan Dapay, M^linard, Pierre Daudiu, Sarricn, Frei-cinet, ALaujan und Ribot. 15 Deputierte sind zu Senatoren gewählt.
D e r t o l l e 'M u l l a h hat luicbcr einige den Engländern besreunbeie Siäuime angegriffen.
Krieg in M i 11 e 1 u m e r 11 a 1 Wie das Blatt „Sun" aus Skew-Orleans meldet, werden Truppen aas Honduras, Guatemala und Salvador bei Amapala zujammengezogen, um Wicaragua anzugreifen und den Prä,identen Zelaya zu stürzen. >
Spenden für die ©pfer der Lcddebcn-Uatastrophe.
Tie Erdbeben-Katastrophe, die an Schrecklich teil alles üibertrifft, was die Erde bis jetzt an lluglückssallen sah, Hal alsbald überall die Mildtätigleit familicher Kulturvoller angeregt. Auch in Denischland spenden zahlreiche Hände, uni die Folgen des Unglücks nach Möglichkeit zu mindern. Wenn trotzdem der Gieß. Anz. diesmal von ber Eröffnung einer besonderen Sammlung ab sah, so geschah dies, weil er im letzten Jahr schon dreimal — für Zeppelüi, Torrau- eschingen unb Radbob — bie Gebesreubigwii feiner Leser fast schon über Gebühr in Anspruch nahm unb auch von anderer Seite die Möglichkeit zu Spenden für die Opfer der Crbbeöen-Katastrophe gegeben war. Für Gießen unb Umgebung ist auf Anregung ber Großh. Hanbelskammer eine Hilfsaktion in bie Wege geleitet worben unb wir bitten alle, bie sonst Gaben an uns abgeführt hätten, sie ben angegebenen Sammelsiellen zuzufuhren.
Zur Empfangnahme von Geidspenben haben sich bie Mittelbeutsche Krebitbank unb bie Bank für Handel und Industrie bereit erklärt. Nach den letzten Nachrichten herrscht noch großer SJlangel an warmen Kleidungsstücken, Lebensmitteln usw. Die großen Hamburger Schiffahrtsgesellschaften lassen nun im Laufe dieser Woche Extradampfer mit gesammelten Gaben abgehen. Für unsere Stadt hat es die, Vorstandschaft des Detaillisteu-Vereius übernommen die eingehenden Liebesgaben zu verpacken und zu befördern. Es wird dringend gebeten um Zuwendung von: Warmen Kleidungsstücken (auch ge;rag ne und ältere), Decken, Tüchern,' Jack-n, Sachen aus Geschäften, Hemden usw., ferner Konserven und Lebensrnittel. Die Annahmestelle dafür ist im Restaurant Kaiserhof, Schulstraße, bis einschließlich Mittwoch den 6. Januar, vorm. von 10—12 Uhr und mittags von 2—5 Uhr. Auf Wunsch werden sie auch abgeholt unb genügt Nachricht an: Detaillisten-Bcrcin, Hotel Kaiserhof ober telephonische Nachricht unter Nr. 73.
Aus StadL und Laad.
Glegen, 4. Januar 1909.
Die hessischen Volksschulen im Staatshaushalt.
Die Volksschulen erforbern im Jahre 1909 einen Staatszuschuß von insgesamt 2 619 440 Mark, b. L 2400 Mark mehr als im Vorjahre. Unter bie)en Ausgaben besinben sich bie Gehalte für 21 Kreisschuliuspektoreu, bie Mundart. Im tschechischen Theater in Budweis gibt augenblicklich eine tschechische Theatertruppe ihre Vorstellungen. Zn ihrer Benefizvorstellung wählte die Direktorin, die die Hauptkraft der Truppe ist, das allbeliebte Studentenstück „Alt-Heidelberg" unter dem Titel „Die erste Liebe des Kronprinzen". Die Handlung blieb ganz unverändert, spielt auch in Heidelberg. Die „burfari" traten jedoch ohne Band unb Kappe, nur mit Hüten und großen Stöcken auf, damit sich das Publikum nicht „provoziert" fühle. Auch bas Gaudeamus wurde gesungen. Das Publicum geizte keinesfalls mit dem Beifall und amüsierte sich in diesem urdeutschen Stück auf das beste. Ob der deutsck)e Aptor die tschechische „Verbesserung" mit Dank akzeptieren wird, ist eine andere Frage.
— Das Mittelglied zwischen Mensch und Affen. Ueber die telegraphisch gemeldeten, aufsehenerregenden Mitteilungen, die der Direktor des Naturhistorischen Museums Perrier auf Grund einer Arbeit von Boulle der Pariser Akademie der Wissenschaften gemacht hat und die sich aus bie Auffindung eines Skelettes beziehen, bas ein Zwischenglieb zwischen Mensch unb Affen barstellt, werden jetzt genauere Einzelheiten berichtet. Die Entbeckung ist bas Ergebnis ber Ausgrabungen, bie bie Abbös Bouyssoui unb Bardon bei Chapelle-aux-Saints in ber Correze vorgenommen haben: hier fanben sie ben nur leicht beschädigten Schädel und die Gliebmaßen eines Wesens, bem ein be- sonberer Name gegeben werben muß, ba er ber lebenben Menschengattung nicht angehört und zugleich in wesentlichen Merkmalen von ben Affen sich unterscheidet. Die Gebeine wurden in der Pleistocaen-Schicht gesunden, der geologischen Formation, die etwa dem Ende der Tertiär- und dem Anfänge der Quartärzeit angehört. Neben den Gebeinen fand man die Zähne eines Rhinozerosses. Jener Mensch, den Perrier in seiner Mitteilung als den ältesten der Welt bezeichnet, lebte in einer Zeit, wo das Klima Frankreichs also nahezu tropische .Eigenschaften aufweiseu mußte, in einer Epoche« in der bie Fauna sich aus. dem langhaarigen
inkl. Wohnungsgelbzuschuß, Tagegelber unb Reisekosten 1'39 540 Mart erforbern. Für D i e n st z u l a g e n nach Maß^ gäbe ber Gesetze über bie Gehalte ber Vol^sschullehrer zahlt ber Staat 1909 an Lehrer unb Lehrerinnen 2 015 000 Mark, an Schulverwalter unb Verwalterinnen 30 000 Mark. Diese Dienstzulagen beliefen sich im Jahre 1905 auf 1675 042 Mark, 1906 auf 1 676 726 Marl unb 1907 auf 1985 212 Mark. Vom 1. April 1908 ist bas neue Gesetz über bie Gehalte der Lehrerinnen in Kraft getreten, das ungefähr 15 000 Mk. mehr gegen 1907 erfordert. Es werben ferner als Zulagen an Lehrer, Schulverwalter unb Schulgehilsen an bejonberä ungünstig gelegenen Orten 10 000 'Diart (Zuschüsse an befind- tiv angestellte Lehrer bis zu 150 Mark) als Vergütung an Katecheten 16 000 Mark unb als Vergütungen der den Lehrern usw. bei vorübergehender Dienstunsähigkeit beigegebenen Vertreter und Gehilfen, sowie zur Vertretung der zu nrilitärtschen Hebungen eingezogenen Lehrer, Schub- Verwalter unb Schickgehiljen 52 üOu Mark ausgegeben. AIS Zuschüsse an bedürftige Gemeinden zur Aufbrcngung der Lehr-rgehalte toerb^n für bas Jahr 1909 41 000 Mark ht Anspruch genommen, zur Unterstützung bebüiftiger Gemein- ben bei Aufbringung ber Kosten des Forlbckduugsfchulunte'r- richts 32 200 SKart und zur Abhaltung von Unterrichts- lursen für Handarbeitslehrerinnen 3700 Mark. Zur Unterstützung von Gemeinden bei Schulhausneubauten sind auch für das neue Jahr wieder 80 000 Marl im Erat vorgesehen. Der gleiche Betrag ist im Jahre 1908 auf folgende Gemeinden verteilt morden: Kreis Ben-Heim: Laudenau; Kr. Darmstadt: Waschenbach, Mnlche»; Lr. Erbach: Hatngrund, SJiomart, Stockheim; Kr. Groß-Germu Astheim, Walldorf; Kr. Heppenheim: Unter-Flockenbach, Trösel, Weiher; Kr. Offenbach: Frvschhauseu; Kr. Alsjeld: Strebenborf, Udenhausen, Ermenrod, Elpenrod; Kr. Tübingen; Fauerbach, Ham-Grundau; Kr. Friedberg: Schwalheim; K r e i s G i e ß e n: Daubringen, Lauter, Kesselbach; Kr. Schotten: Glashütten, Slieder-Seemen, Feldkrücken; Kr. Lauterbach: Obermoos, Nösberts, SteiiisuN, Stetzhausen; Kr. Bingen: Heidesheim; Kr. Worms: Weinsheim.
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•• Lanbesunioersitäl. Als Vertreter der Landes- uniöerfität wird der ordentliche Profcssor der Zoologie Geh. Hofrat Prof. Dr. Spengel an der Darwin-Feier in Cambridge, die im Ium d. I. Üatlfinöei, teilnehinen.
*♦ Die neue deutsche Arzneitaxe ist für dass Großherzogtum Hessen am 1. Januar in Kraft getreten.
* • Zur Förderung des taufmänni)d)en Fort- bildungSunterrichtS werden im Jahre 1909 wiederum 17 500 Riark Slaatsbeitrag geleistet. Davon erhalt die Vanbel§li-l)vnnfiaU in Mainz einen Beitrag von 6300 Mt. (gegen 6000 S)ik. i. V.). Die übrigen Zuschüsse verteilten sich 1908 wie folgt: Darmstadt 2130, Offenbach 2690, Gießen 2060, Alsfeld 820, Lauterbach 230, Friedberg 900, Bingen 980 und WormS 1890 Mk.
* • Ein Eis fest (Kunst- und Wettlaufen mit Konzert) veranstaltet morgen der Eisbahnoerem
• • D l e Zigeuner plage. Zur Landplage werden zur Zeit wieder die Zigeiiner. In der Gegend von Bellers- l) e i m und Göbelnrod vergeht keine Woche, ohne daß die Bewohner der Dörfer und Gehöfte von diesem Gesindel heim- gesucht werden. Daß sie es nicht nur aufs Betteln abgesehen haben, beweist folgender Bericht des »Grünberger AnzeigersE: „Beltershain, 30. Dez. In einem Hause unseres OrteS dewährten zwei Zigeunerinnen wieder einmal die Kunst des ilangstugerns. Sie kamen m das Wohnzumner deL Landwirts Petri und bettelten die mit einem kleinen Kinde be-
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Mamlnuth," bem Rhinozeros unb verschiebenen Hirschgattungen zusammensetzte. Die genaue Untersuchung besi Schübels ergab eine Reihe bisher noch nicht beobachteter Eigentümlichkeiten. Die Kinnlade ist stark verlängert, und der Kiefer enthält feine Eckzähne. Die Schäbelhöhle zeigt in ihrem Volumen menschliche Entwicklung, während int übrigen die Schädelform, das Hervorragen der Augenhöhle« auf den Affen hindeuten. Die Nase ist außerorbentlich groß, unb von bem Stirnbein durch eine tiefe Furche geschieden. Der schnauzenartige Charakter des Gesichts ist stark ausgeprägt. Auch die Verkleinerung des zitzenförmigen Fortsatzes des Schläfenbeines verbindet diesen Schädel mit dem! Affen. Die aufgefundenen Gliedmaßen sind gekrümmt unb lassen daraus schließen, daß jenes Wesen meist gebückt und auf allen Vieren sich fortbewegte. Das scheint auch bestätigt zu werden durch die tiefe Stellung des Hinterhaupts loches, die daraus hindeutet, daß der Kops oft gegen die Erd« gebeugt wurde. Die Genickmusleln müssen von außerordentlicher Stärke gewesen sein, um den Kopf tragen zu können; man erkennt bas aus bem Muskelansatz, der zeigt, daß bas Wirbelbein meist in horizontaler Stellung verharrte. So vereinigen sich alle Merkmale, um ein Miktelglieb zwischen? Menschen unb Affen erkennen zu lassen. „Der in ber Corröz« aufgefunbene Menschentypus muß zwischen den Duboisscherr Pithekanthropus und ben heutigen Menschen eingcreiht werben. Er übertrifft den im Neanbertal aufgesunbenen Schöbel an Alter um ein Erhebliches unb ist auch älter als ber in Spy in Belgien entdeckte prähistorische Rienschen^ schäbel."
— Kleine Chronik aus Kunst unb Wissenschaft Ter Charakter als „Geheimer Regierunasraf ist dem ordentlichen Bro'esior der 'Jifd)äologte und Direktor des archäolo- logifchen und des lunslgejdnchtllchen Apparates an der Umueiiiiät Marburg, l>r. phil. Ludwig von Sydel verliehen worden. — Urhr. Fraiiz von Preirfcheu, Prolesjor der Gyiiäcologre an dev Uiuversliät Gieüsivald, ist im Alter von 64 Jahren in Wiesbaden g e st 0 r b e n. — Ter König der Belgier errichteto eme Stillung, die der Stadt Coburg jährlich 30000 Mark sichert, durch die Kunst und Wisjenfchaft, Philantwpte, Volkslüldungj und Volkswohljahn gefördert iverdeu iollen.


