Issue 
02/11/1909 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Nr. 257

General-Anzeiger für Oberhchen

y

Menelik auf dem Sterbelager.

Die Gewerbeschule in Nidda.

Singspiel-Ensemble

Eintritt

jchast in Addis Abbeba.

Bahnhofstr. 51 ttAch bis gititag. iu Paris, hochintcresssr mhnie.

lug, humoristischer Schs^

ergreifendes Drama.

Schattenseiten, Humorist t Kunftsilm, ca. 300 1 Drama von Paul Rou.. n, stürmischer Lachecjoig. ichend.

et -er Programmwcf in- zwar Mittwochs it

v

in

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» strotze 7. Expeditton und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tet.-AdruAnzeigerGretzen»

Tghaus

rseld.

Wöllwarth-Lauterburg, Oberlt. im Großherzogl. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Rgt. Nr. 25, wurde unter Beförderung zum Hauptmann, vorläufig ohne Patent, nach Württemberg kommandiert behufs Verwendung als Battr.- Chef im 3. Württemberg. Feldart.-Regt. Nr. 49.

" Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be- etzende Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Ebersberg. )em Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentations­recht zu.

" Regimentsjubiläum feiern im kommenden Jahre die in 1860 gebildeten 'Regimenter des Gardekorps, nämlich das 3. und 4. Garde-Regiment zu Fuß, 3. und 4. Gardc-Grenadier-Regiment Königin Elisabeth bezw. Kaiserin Augusta, 3. Garde-Ulanen- und 2. Garde-Dragoner- Regiment, sowie das 1810 gebildete Garde-Pionier-Bataillon. Voraussichtlich werden die Feiern alle am 4., 5. und 6. Mai 1910 in Berlin slattfinden. An vielen Orten haben sich die rüheren Angehörigen zusammengetan, um Reisekassen zu gründen, um Sonderzüge zu erhalten usw. Am Sonntag hatten sich auch in Frankfurt a. M. auf Einladung des Gardevereins Frankfurt ehemalige Angehörige der genannten Truppenteile von Frankfurt, Hanau, Biebrich, Gießen usw. zusammengefunden, um die zu unternehmenden Schritte zu beraten. Das Resultat der Versammlung war, daß die nötige Teilnehmerzahl für einen Sonderzug ab Frankfurt a. M. gesichert erscheint, wenn weiter keine Zersplitterung eintritt und sich sie Teilnehmer von Wetzlar, Limburg usw. ebenfalls anschließen. Der Vorstand des Frankfurter Gardeveceins hat die weiteren Vorbereitungen übernommen. Der Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt wird 17,60 Mk. ab Frankfurt betragen, von anderen Stationen entsprechend weniger. Zur Erlangung eines Sonderzuges sind 240 Personen erforderlich. Die Zahl muß jetzt schon festgestellt werden. Die Vereine und früheren Angehörigen, sowie auch sonstigen Personen, die an der Sonderfahrt und an den zu erreichenden Vergünstigungen ev. mit Familienangehörigen teilnehmen wollen, wollen sich also recht bald mit dem Vorstand des Frankfurter Garde­vereins ins Benehmen setzen.

" Der Sänger vom Rhein, Franz Flaig, der schon so oft die hiesigen Korporationen mit musikalischen und Gesangsvorträgen erfreut hat, ist wieder einmal m unsere Mauern eingekehrt. Nach Jahren haben wir ihn gestern abend in gemütlichem Kreise wieder einmal musizieren hören, und allgemein war man erstaunt über die große Vollkommen­heit, die er auf seinen selbst erdachten, originell zusammen- gestellten Instrumenten erreicht hat. Es ist nicht zu viel ge­sagt, wenn man seinen Darbietungen einen künstlerischen Charakter zuspricht. Umsomehr tragen seine Bescheidenheit und sein freundliches Eingehen auf ihm geäußerte Wünsche dazu bei, ihn zu jedermanns gern gesehenen Freund zu

3 M 'M

Erscheint tSglld) mit Ausnahme des Sonntags.

DieEirtzener §amMend!3tter" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, boS Kreisbloti ffir öen Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Kirchenplatz 9. 1 te W ii fc N®

großes Unheil anrichteten.

** Unbestellbare P o st s e n d u ng e n. Bei der Ober- Postdirektion in Darmstadt haben im Jahre 1W8 31 772 Post­sendungen (5824 Briefe, 25 480 Postkarten und 468 Sructiaajcn; aus Orten des Großherzogtums dessen vernichtet werden mu,!en, weil ihre Zustellung weder an den Empfänger noch an den Ab» sender möglich war. Die Zahl ist gegen das Voriahr um 5980 gestiegen. Bei 21684 Sendungen (2444 Briesen, 18,824 Post- tarten und 416 Drucksachen) hatte der Absender sich aut oder m den Sendungen nicht genannt. Wie viele Unannehmiichkeiten mögen den Empsängern und den Absendern aus diesem Anlast erwachsen sein, und wieviel ungerechte Vorwurfe über Unzuver- lässigkeit sind woist gegen die Postvcrwaltung und ihre Beamte erhoben worden! Immer ivieder müssen wir daher den Brie,- schrcibern empfehlen, in oder auf den Postsendungen stets Rame uiid Wohnung des Absenders, sei es handschrisilim, oder durch Abdruck eines Stempels anzugeben, damit ihnen, falls der Emp­fänger nicht ermittelt wird, die Sendungen zuruckgegeben werden können.

6 Elpenrod, 1. Nvv. Unser Ort feierte gestern den -leg der Einwci hstng des neu erbauten Schuld aus es. ^raunen am Ende der Straße nach N.Lder-Gemüuden, erheot sich der Must-rbau. Kein Luxusgebäude, aber stüvoll und nist ein­fachen Mitteln wirkend. Em schöner Festzug durck-zog unter .Mit­wirkung zweuw 5iapellen unsere Torsstrasten und machte toalt

Giessen.

w-SSÄ Die ÜM.S*

AnfangdUd' 3 Novbr-'

***^sS>

X Nidda, 1. Nov. Leute wurde in emfackier Weise der Erweiterungsbau der Gewerbeschule eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Es hatten sich dazu u. ern- gejunden der Aufsichtsrat der Schule, Abordnungen des^Stadt- rals, des Borstaiides der Sparkajje und der Krügelchen ^ttstuug und von der Zentralstelle für Die Gewerbe Geh. Regierungsrat yioad aus Darmstadt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrcus, Möbel» fabrifant Ringshausen, gab seiner Freude Ausdruck, da st heute dem Bedürfnisse der Erweiterung des Schulgebäudes Rechnung getragen sei Aus dem Ueberblick über die Entwicklung der schule ,eit ihrer Gründung 1841 entnehmen wir folgendes: Der damalige Kreisrat Seitz von Nidda hat den Anstoß zur Gründung der Schule gegeben; am 1. November genannten Jahres wurde |lc mit 21 Schülern eröffnet. Das Lokal stellte die Stadt, den ersten Fonds, 900 Gulden, die Sparlajse. Bis 1860 entwickelte sich die Schule gedeihlich weiter. Als aber dann der tüchtige Letter Fritsch von der Schule schied, um in das Steuerfach überzugehen, kam die Leitung der Schule in öänbef die ihrer Ausgabe nicht gewachsen waren. Dazu kam Interesselosigkeit weiterer Streue1 und zuletzt die Gewerbefreiheit, die im Ansang ihres Bestehens bei vielen den Gedanken aufkommen ließ, man brauch^ jetzt nicht mehr zu lernen. So war die Folge, daß 1868 die schule eine ging. Da wurde 1874 der Ortsgewerbeverem gegründet, oer die Sache wieder in die Land nahm. Nachdem man in verschie­denen Lokalen sich beholfen hatte, bescklost man Ende der 80er Jahre, einen Bau aufzurichten. 1890 wurde der Grundstein gelegt und 1891 konnte der Bau eingeweiht werben. Als erster Mehrer an die Gewerbeschule wurde berufen der fetzige Gewerbe- fchulrat Meyer zu Darmstadt, nach ihm der jetzige Letter »en? Löhn. Der Bau erwies fich nach mehreren Fahren als zu klein. und wurde erweitert. Aber es fehlte immer noch an vmum, darum, wurde ein ganz neuer Bau dem alten angefügt. A?er Redner sprach noch allen Lelsern und Förderern des Baues teinen ^anl aus und sprach die Erwartung aus, daß, wie seither aus dem alten, so auch aus dem neuen Bau viel Segen ausgehen möge, :91ermir ergriff Hauptlehrer Höhn das Wort und führte aus, daß in der Zeit des Medergangs des Handwerks auf den -titel ,,Meister tein großes Gewicht mehr gelegt worden sei, das set fetzt anders. Seitdem unser Großherzog durch fernen Sinn für Kunst ^dte Wege gezeigt, gelte es zur Umsetzung des Gedankens m die Dat tüchtiger Meister. Diese zu bilden sei Zweck der schule. Er schloß mit einem Hoch auf nnsern kunstsinnigen Landesfürsten. Geh. Regierungsrat Noack sprach hierauf aus, daß man die schöne Einweihungsfeier ,0 schlicht mtt> einfach gestaltet habe; er rühmte die guten Leistungen der Niddaer Schule, die vorbildlich sei für andere, und gedachte besonders der un­ermüdlichen Tätigkeit des Vorsitzenden des Aufsichlsrats und des Förderers der Schule, Landtagsabg. Erk. Wenn er auch bei der schwierigen Finanzlage des Staates keine »vettergehenden Unter- nÜbungen im Augenblick in Aussicht stellen könne und die Schule eben au- eigenen Mittein erhalten werden muffe, so könne er doch die Zusicherung geben, baß die Staatsregierung, soweit es in ihren Kräften stehe. Schulen, bie etwas leisteten und existeiizberechtigk seien, nicht im Stiche lassen werde. Den Schülern nef der Redner zu, daß sie nicht bloß tüchtige Handwerker, sondern auch, brave und solide Menschen werben möchten: es komme da hauptsächlich auf die Gesinnung an. Nach einigen Worten des Bürgermeisters Roth und des Vertreiers der Krug'schen Stiftung, Pfarrer Werner, wurde ein Rundgang durch den neuen Bau angetretaL Er besteht außer den Nebenräumen aus zwei großen hellen e>alen nnb einer geräumigen Werkstätte, besonders für sNobellierarbetterr un Erdgeschoß. Der Ban bat Wasserleitung und Zentralheizung. Ailaenrm wurde die praktische Einrichtung des nad) oem Plane unb unter der Leüung des Hauptlehrers Höhn ausgefuhrtew Baues anerkannt. S(a die Feier reihte sich un Gasthaus zur Traube em kurzes Zusammensein bei einem Glas Wem. Bis jetzt besuchen 40 Schüler die Tagesschule.

ende Tase

^ONZERte

»Truppe. C

0 Jannettl

Anfang8ühr. enst ein

Amend.

am alten Schulhause. Nach dem sachnen Gesang der Schulest nahm Lehrer Schmoll in markigen Worten Abschied von ber alten Schule. Vor der neuen Schule leitete wiederum (Slwrgefang der Schüler die Feier rin. Kreisschill Inspektor Eck hielt eine Ansprache. An knüpfend an den Tag der Reformation und Luthers Sendschreiben an die Städte wegen Errichtung von Schulen, zeigte Redner, wie der Festtag ein -Lag des Tankes, des Gelöbnisses und der Hosfnung sein müsse im Sinne des Lehrers aller Lehrer, Jesu Christi. Mit dem Wunsckse, baß der Neubau allen Fähr­nissen der Zeit begegnen möge, schloß die eindrucksvolle Ansprad-c. Kreisbauinspctwr Fischer überreichte den Schlüssel Kreisrat Hölzinger. Unter herzlickfen Worten des Tankes für die Opfer­bereitwilligkeit der Gemeinde, der Anerlcmmng ber Aktsierleisiung des Bauinspektvrs und des Hinweises, daß das neue Schulhaus ein Wahrzeichen der Gemeinde Elpenrod sei, übergab er dem Bürgermeister Lutz den Sdstüsscl zum Oeffiren des Baues. Ein Festessen in der Zöllschen Gastwntschast folgte. Bei der Tafel bradjte Kreisrat Hölzinger das Hoch auf Kaiser und Gvoß- herzvg auS. Kreisschulinspektor Eck toastete auf den so bereit­willig entgegengekommenen Bürgermeister Lutz, Kreisbauinspektor Fischer auf Bauführer und Arbeiter des Neubaues, Lehrer Schmoll auf die Kreisbehörde, Lehrer Strack aus Rstipperten- rod auf die Führer von Schule und Bauleitung, und Lehrest Ruckeis Hausen rechnete aus, daß auf 1 eben Kopf der Be­völkerung zur Begleichung der Baukosten täglich nur Vs Pfennig kämen.

n. Schlitz, 1. Nov. Am Samstag wurde die zurzeit hier stattfindende Geflügelausstellung im Beisein des Protektors Grasen von Schlitz, gen. v. Görtz, eröffnet Mit (Genugtuung kann der noch junge Geflügelzuchtverein des Schlitzerlandes auf diese seine erste Veranstaltung zurück- blicken, gab sie doch ein schönes Bild von dem ernsten Wollen und Streben, auch in unserer Gegend die Geflügelzucht auf eine höhere Stufe zu führen. Prachtexemplare von Nutz- geflügel waren vorhanden unb machten den Preisrichtern ihre Arbeit oft recht schwer. Die zahlreichen Besucher roaren sich einig im Lobe über das Dargebotene. Im benachbarten 'Rieder-Stoll feierte gestern Lehrer Em ich unter zahlreicher Beteiligung von Gästen aus nah und fern sein 40jährige s D i e n st ju b i l äu m. Der evang. Kirchen- üorfianb ließ durch seinen Vorsitzenden eine prachtvolle Statue des segnenden Christus von Thonvaldsen überreichen. Die Glückwünsche des Detanats Lauterbach übermittelte Dekan Schmidt. Rechtsanwalt Scheer aus Lauterbach feierte den Jubilar int Auftrage des nationalliberalen KreiS- walflvereins als treuen Parteifreund. Zahlreich waren außerdem die Glückwünsche, die aus nah und fern eintrafen. Möge dem Jubilar, der mit dem 1. November in den Ruhe­stand tritt, ein schöner Lebensabend beschieden fein.

X Wißmar, 31. Okt. Dienstag, 9. November mittags um 12 Uhr, wird in der Gastwirtschaft Brück hier bie Herb ft-Kontrollversammlung für Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Odcnhausen, Salzböden, Vetzberg und Wißmar abgehalten. __________

machen.

** Waldfrüchte. Einen ungemein reichen Samen­ertrag liefert wie schon kurz berichtet wurde int laufen­den Jahre die Rotbuche. Ihre schöngeformten, brev» kantigen Früchtchen und die rauhaarigen, harten Fecht­hallen bedecken schichtweise den Boden des .Hochwaldes. Buch­eckern gibt es nicht alle Jahre, am allerwenigsten in fo völlig gesundem Zustande, wie in diesem Herbste. Häufig sind die Früchte schon am Baume wurmstichig. Ter Förster rechnet mit diesen Tatsachen und laßt den für die Verjüngung seines Laubwaldes außerordenllich günstigen Momcnc nicht ungenutzt vorübergeheu. Waldarbeiterhacken" zurzeit im lichien Hochwald, um auf diese Weise die Samen unter die Erde zu bringen, damit sie im nächsten Frühjahre leimen unb so in wenigen Jahren den alten Bestand durch jungen Anflug" ersetzen. Lücken im jungen Forste werden ein» gesät. Dies Verfahren ist einfach und billig und liefert gewöhnlich ein befseres Resultat als die Einpflanzung einer Parzelle mit verschulten Pflänzchen. Auch die Tier­welt des Waldes wird die reiche Ernte in ihrem Bereich mit Freuden begrüßen. Für Eichkatzen, Mäufe usw. ist iuol'l bei so reich gedecktem Tisch das Leben un kommenden Winter eine wahre Lust. Vor Jahren sammelten arme üeute in gebirgigen Gegenden tue Bucheckern und bereiteten ein wohlfeiles Speiseöl daraus. Jetzt ist diese Beschäfti­gung, wenigstens im Vogelsberg, ebenso verschwunden wie die Flachskultur. u v _.

Beleuchtet Fuhrwerke und Fahrräder. Die Zeit ist jetzt wieder gekommen, in ber alle Fuhrwerksbesiger unb Radfahrer ihre Fahrzeuge mit einer Laterne versehen müssen. Schon ost ist es pas'iert, daß Radfahrer und Fuhr- werke, die nicht bclcuchlet waren, gegeneinander prallten und

politische Sagesscharr.

Mangel an Persönlichkeiten.

Das Berl. Sagebl/ stellt wehmütige Betrachtungen laruber an,' daß eS bei den Wahlschlachten so viele frelfinmge Reichen gegeben habe. Dann meint das Blatt, daß der Mangel an Persönlichkeiten Schuld daran trüge, gibt also daß die Führung schlecht war und das Zutrauen bei Wähler nicht gewann. In dem Artikel heißt es:

Diejenigen, denen der Niedergang des FraktwnsfreifmnS As notwendige Folge der sozialdemokratischen Bewegung uni) 2er ganzen Entwickelung erscheint, haben gewiß mchr ganz un­echt, aber sie haben auch nicht ganz redjt. Man setze den Fall, -er Liberalismus in seiner heutigen Form hatte noch bw Dolk Wideriiandsliaft von einst unb die volle Begeisterungsfayigkett - für wen sollte er sich begeistern unb wen konnte er auf den Schultern tragen? Die Schultern einer Volksmenge sind cm chiva ulend er Thron, und nur der behauptet fich dort oben, bei huedies bie anderen überragt. Ist es wahr, daß überragende Minbüxiten nicht existieren und daß es m Dentichland^an ^erfon- jid)teilen sehlt, und ist bie Fraktion wirklich der Extrakt allen uvlitischen Talents? Die Debatten mancher soziaGolttischen Kon- qreffe deiocisen, daß diese Ansicht doch allzu pesstv"stt>ch ift, und Männer wie die beiden Heidelberger Max und Altted Weber mu nur zwei zu nennen nähmen es wohl " vielen Bcreins- rößen auf. Gewiß, auch die soziawemottatischen Kandidaten nd nicht gerade welterschütternde Genies, aber bie ivozial- r emo fr atie ist bie Partei der Gesamtwirkung unb des Maffen- . ^ttls. Die Liberalen haben das schöne Fremdwort^ndwidualis- > üus" aus ihr Banner gesetzt, unb bie Partei des Jndividualisuius ttcdarf der Individuen." .

Dec Individualismus aber, so mochten wir hmzufugen, l^aßt daS Schlagwort, und das ^Becl. Tagebl." ist gerade ein von Phrasen und Schlagworten wie von Älnpassung an i>aS Begehren der Massen strotzendes Blatt! Wir haben be­reits früher dargetan, daß es auch den Nationaüiberalen^ an guter Führung mangelt. Während der Liberalismus über eine zahlreiche Presse verfugt und Mangel an Persönlichkeiten [)at, scheint es bei den Konservativen umgekehrt zu sein. Die ^Rreujjtg.* beklagt es nämlich, daß ihre Partei eine zu wenig unterstützte und mangelhast organisierte Presse defttze, und sie eiläßt einen großen Aufruf, um diesem Bedürfnis abzuhelfen.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 2. November 1909.

"AuS dem Militärwochenblatt. Frhr. von

Aus Abessinien kommen ernste Nachrichten. Der grpfce Löwe, Kaiser Menelik II., ber schon seit Herbst vorigen Jahres fort» petzt kränkelte, ringt, wie wir schon kurz meldeten, infolge 1 nes neuen Schlaganfalles mit dem Tode, so daß der Thron- . olger, Prinz Sidi Jeassau, schon vom Patriarchen im Beisein orr Minister zum Negus Negcsti gesalbt, und da er minberjabriQ, Der Vrzekönig Ras Tassama zu seinem Vormund und zum Ver- uefer des Landes bestellt wurde. Man würde diese Eile, mtt >cr hier Vorkehrungen für den Tod des Kaisers Menelik noch .ei seinen Lebzeiten getroffen werden, kaum verstehen, wenn I inan sich nickst erinnerte, daß die Kaiserin Tai tu, die rveite Gemahlin Meneliks, mit der Thronsolge seines Enkels, iDic sie am 18. Mai b. I. feierlich erklärt wurde, niemals ein­verstanden, sondern stets bemüht ivar, emen ihrer Nefsen aus i cn Thron zu bringen, ein Bestreben, dem nun durch die Salbung bei etwa zwölfjährigen Prinzen unb bie Bestellung eines Reichs- »erwesers ein für allemal der Boden entzogen werden soll. Ob das gelingt, ob die Kaiserin Taitu, die unter den Ras immerhin 1 inen bedeutenden Anhang Hai, sich bei dem letzten Willen Ateneliks hc)d)eibet, muß vorläufig dahiugestetlt bleiben. Thronstreitig- icuen unb innere Wirren sind in Abessinien auch letzt mcht j Lusgeschlossen, und im Interesse der an Abessmien iitteresfterten 'Dlädfte, im Interesse des ganzen abessinischen Kulturforimiritts loare es nur zu wünfchen, baß bie ftemben- unb resormsreundlrche Fartei Meneliks bie Oberhand gewänne. Denn em Sieg ber Kaiserin Taitu, die augenscheinlich, wie bas z. B. bie Entlaffung >cs deutschen Leibarztes unb des deutschen Erziehers des ^hrou- olgers, sowie die plötzliche Abreise des eine Art Vertrauensstellung rin abessinischen Hose einnehmenden Dr. Zintgrafss beweisen, nicht nur alles deutsche Wesen, sondern das Fremdländifche über» t>iuät mir ihrem Haß verfolgt, müßte zu schweren Komplikationen rauschen Äbefiinien und dem Auslände führen. Damit aber wäre das ganze Lebenswerk Kaiser Meneliks m Frage gestellt, das in einer Hebung ber Kultur Abessiniens durch Anschluß an die europäischen Mächte gipfelte. ,

9'tcnelit II wurde 1644 als Sohn des ehemaligeu Königs om Schoa, Sahela Selassi, geboren. Trotzdem im Jahre 1856 Kasa, der Sohn des Statthalters von Quara, alle ^eillonig- c?id)e unter fich vereinigte, und auch Schoa lerne öelbftandigfeit , tinbüBte, gelang es Menelik, die Tochter Kafas, der den Namen Theodorus I. angenommen hatte, zu heiraten und fich, als Slaifer Ibeodor sich 1868 während der Belagerung von Magdala durch Vic Engländer das Leben nahm, wieder zum Könige von Schoa aufzuschwingen. Zwar stand er als solcher unter der Überhoheit des Nachsolgers Theodors, des Kaisers Johannes, aber als die,er 1889 starb, unterwarf sich Meneltk gan,z Abefsrnien unb ließ sid) am 3. November bcsselben Jahres feierlich zum ..egus Regem und zum Kaiser von Aethivpieit ausrufen unb fronen, ©erabe 20 Jahre also hätte Menelik II., wenn er fetzt bie Augen schließt, unb seine starke Natur nicht wieder dem -todc ein Schnippchen schlägt, den abenmifdfcn Katferthron inne gehabt.

Uncndlid) viel verdankt ihm Abeutnien. (5r lief; ctabie, Brücken und Straßen anlegcn, berief fremde Fngenieu^ uw Sand, suchte Abessinien in jeder Weife der abendlandifdfen au erschließen und es wirtschasilid) mit den Kulturmadsten durch Abschluß von 93erträgen zu verknüpieu. Wohl fchwantte er, nachdem es ihm durd; die blutige schlacht von .tdua (189b ge­lungen war, Abessinien von dem ihm drohenden italiemfcheu Protektorat zu befreien, zwischen England und Frankreich hm ind her, aber nidst zum Schaden seines ^.anbe». X)C na^dem cs das Interesse des Landes erheisdste, fchlug er ück) auf die etne »der andere Seite unb wußte sogar gegen cutc eng 111d) ,ran_0li 11 du lleberrumpclung nod) Italien, Rußland, die Bereinigten «taatut mb Teutschlaub auszuspielen. -0 eickennt der englifch-ttan- zösisch-italienische Vertrag vom Dezember l906 uoer den Dahn- lau von Dschibuti nad) Abdis Abbcda ausdrücklich bit ^ntcgritat Abessiniens an und fid)ert dort allen Nationen das Recm ver offenen Tür, währeiw speziell die beutfchen Inter es 1 en d:i r u) einen Handelsvertrag wahrgenonmieu werden^ denen ^üfafiub räs Verdienst der deutschen Expedition uom ^abre loub U-Cl Legattonsrat Rosen ist, und der die freuiidschastliaicu Bcztehungen -iwiidfcn Teutsafiaud unb Abeisinicn so verstartte, batz mt September 1907 sogar eine Soiidergesandtschm: Katser^.xetielitä in Berlin weilte, ganz abgesehen von der 93i mfimg ir. LNtt- arasss an Stelle des Schweizers Dr. Jlg als Berater Katfer Reneliks, der Berufung eines beuifd)en Leibarzies, eines dcutiawn Lrinzengouoerneurs und der Errichruug einer deutfchen Gefandt-

isheim.

SBalüflnra?;

in Abend:

»ei»! 'M

heiterö-rüblittödtuibcr' i Henn

Guitav stoüm

äu, gtHüNtl M

?r, abends 8 Mr,

es Konzert A

L'K-».

Ar-

«W

Zweites Blatt 159. Jahrgang Dienstag November 1909

a AA A ? yA AA MokationSdruck und Verlag ber vrahlfche»

fi VV/'. 1 UnwersilätS - Buch- und Stemi) ruderet

Woviiu