Ausgabe 
2.10.1909 Erstes Blatt
 
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'festzuhalten und wirst chnen txrt, die Pflege der Rcligwx vernact-- triff egt zu haben. *

Präsident FaNiöres gab, wie aus Paris gemeldet wird, toent Generalisfimirs Tchefket Pasck»a am ^rrntag in Rom- bornNtt ein Frühstück, au welchem au.f. der türkische Gesandte, der M.irristervrds ident Brüurd, Der Minister des Aeußern Pcchon und der Üriegsnriniswr General Brun teilnahmen. Schefket ist ^jbmtn abends mit dem Qrientexpreßzuge abgereist.

(Ein neues Simpliziffimus-Verbot.

Aus Bayern wird wieder einmal ein Vorfall be- richtet, der nicht nur in liberalen Streifen der schärfsten Kritik begegnen wird.

München, 1. Oft. Das bayerische Berkehrsnrinisterium bat sämtliche Eisenbahndirektionen angewiesen, den Verschleiß des .Simplizissimu^ in sämtlichen Bahnhofsbuchhand- kungen ihres Bezirks mit sofortiger Wirkung zu unter­sagen. Diese Entschließung ist eine Folge der Nummer des Simplizissnnus", in der Prinz Ludwig zum Gegenstand von Manöverkarikaturen gemacht worden war.

Dieses Verbot muß jeden wahrhaft national empfinden­den Deutschen aufs peinlichste berühren, denn hart und klar zeigt sich hier der sprichwörtlich gewordene bayrische Partikul'arismus wieder einmal in seinem hellsten Lichte.

Ms der Simpli<zissimus nach den schweren November­tagen des vorigen Jahres die Person des Kaisers in einer Art und Weise angriff, daß selbst freiheitlich gesinnte Leute das Blatt mit Entrüstung beiseite legten, da hatte man in ^Bayern nicht nur kein Verbot in der Hanb, sondern höchstens ein belustigtes Lächeln auf den Lchpen. Ja sogar bis in die letzten Tage hat der Sirnplizissimus den Kaiser mit stets wachsender Keckheit in Wort und Bild schwer angegriffen und keine bal)erische Hand regte sich. Nun aber die bayri­schen Sonderinteressen in einer an sich harmlosen Karikatur berührt erscheinen, erhebt sich der behäbige Löwe und ^eigt knurrend die Zähne. Eigentümlich! Und dazu noch dieses abgebrauchte Ouacksalbermittelchen, das doch wirklich schon hu alt ist, um irgend welchen Eindruck zu machen oder gar den Absatz des Blattes zu verhindern. Hat man denn nicht gesehen, das; die mehrfachen Verbote auf sächsischen Bahn­höfen den Absatz des Simplizissimus nur gefördert haben, und hat Preußen in der richtigen Erkenntnis dieser Tatsache, das kleinliche Mittelchen des Bahnhofsverbotes nicht längst stillschweigend beiseite gelegt. O simplizissima Bavaria !

politische Tagesschau.

Geistliche Abgeordnete in Bayern.

Bei der jüngst erfolgten Landtagsnachwahl im bayerischen Wahlkreise Sulzbach wurde ein katholischer Geistlicher als Ab­geordneter gewählt. Hierzu nimmt nun der katholische Pfarrer Münsterer in Rondori imBayer. Vaterland" Stellung, indem er schreibt:

Die Gegner und die Feinde haben nicht so unrecht, die meinen, es reichen die geistlichen Herren schon bald, die in der Kammer sitzen. Ich sage mir ball auch: Gibt es denn in einem Wahlkreis gar keinen braven Katholiken, der die schwere Bürde des parlamentarischen Weißwurst- essenS im Pronnerstraßenrestaurant auf sich uehmen könnte? Müssen denn bei uns in Altbaycrn überall die Geistlichen im Vordergründe stehen? Im katholischen Rheinland ist das ganz anders. Da machen alles die Laien, die Geistlichen sind im Hintergrund als hochangesehene Berater, als Truppen aber gehen tapfere katholische Laien . . . Und dann nimmt es sich so dumm aus, wenn so ein Landtagspfarrer mitten unter der Tagung auf einmal ein Monstrum von Orden kriegt oder wenn er sich in der Stille blaue Strümpfe stricken lassen kann die Domherren tragen solche von violetter Farbe oder gar, wenn er sich um eine gute Pfarrei bewirbt. Ich gebe zu, daß er das alles vollauf verdiem hat, aber dennoch nimmt eS sich halt so - dumm aus, wenn ein Landlagspfarrer auf einmal befördert wird. Denn gebissen hat der sicher niemanden von den Regierungsmenschen. Höchstens war er ganz kolossal klug.

Daß ein lmyerischer katholischer Geistlicher selbst derartig ur teilt, verleibt dreien Feststellungen eine besondere Bedeutung. DaS Weißwurstessen icbcüit in der bayerischen Politik eine große Rolle zu spielen. Schlimmer aber sind die unzweideutigen Anspielungen, daß dem Strebertum unter den bayerischen Geistlichen ein außer ordentlich fruchtbarer Boden bereitet wirb.

*

Zum deutsch russischen Streit in Eharbin.

Die Morgcnblättcr melden aus Berlin: Die deutsche Regierung entsandte zur Untersuchung des deutsch russischen Zwischenfalles den deutschen Konsul in Mulden nach Eharbin.

Die deutsche Presse gibt, soweit sie diese Angelegenheit he- irrtcUt, allgemein der Uebcrzeugung Ausdruck, daß es sich um russische Gewalttätigkeiten handelt und daß der deutsche .Konsul in Eharbin sehr verdienstlich gebandelt hat. . Wenn durch die Entsendung des Konsuls von Mukden die Sache nur nicht auf die lange Bank geschoben wird'

Die führenden russischen Blätter beschäftigen sich eingehend mit dein Charbiner Zwischenfall. Dem Moskauer Rußkoje Slowo" wird aus Eharbiu gemeldet, daß der Vorfall wegen des Zwangsverkaufs der deutschen Bierbrauerei den Cha­rakter eines ernsten Konfliktes anzunehmen droht. Der deutsche Konsul T a u m i 11 c r habe seiner Regierung über bie Gewalttätigkeiten der russischen Polizei tele­graphisch Bericht erstattet Der russische Staats­anwalt in Eharbin hat an den Justizminister telegraphisch Bericht erstattet und erklärt, daß die Deutschen die Zuständigkeit des russischen Gerichts in Eharbin und die von der russischen Polizei beanspruchten Rechte unter keinen Umständen anerkennen wollen. Der Konsul inspiriere die Reichsdeutschen, keine Steuern zu zahlen und bcnehurc sich den russischen Behörben gegenüber provozierend.

,/Rowaja Ruß" bespricht den Eharbiner Zwischenfall an leitender Stelle und fordert die Abberufung des burschikosen" Konsuls, der Rußland leicht in einen unangenehmen Konflikt mit China verwickeln könne. Tas Nowoje Wrernja" geht noch weiter. Es fordert die Ent­fernung der Rcichsbntschen aus dem russischen Settlement, ivenu sie sich nicht anders benehmen. China habe (Ebarbin den fremden Nationen geöffnet und jeder ein Settle ment angewiesen. Außerhalb des russischen Settlements werde fein Mensch etwas gegen das Auftreten des deutschen Konsuls haben.

Man sieht, der Fall hat auch eine grundsätzliche Bedeutung, und umfontehr darf von der deutschen Regierung nicht nachsichtig alles vertuscht und um des lieben Friedens willen beigelegt < werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, L. Oktober 1909.

" Der Taschenfahrplan deS Gießener Anzeigers für den Winter 1909/10 wird den Abonnenten in der Stadt heute zugestellt. Die Landabonnenten erhalten ihn im Laufe der nächsten Woche.

Tageskalender: Stadltheater: Sonntag, d. Cf:., nachmittags 37, Uhr: .Hasemanns Töchter*, abeitbs P/i Uhr: ,C diese Leutnants/

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

Kinematographen-Theater: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung.

" Der fortschrittlich-politische Bildungs­verein nimmt am Montag mit catem Vortragsabend im Hotel Schütz, an dem Referendar Jakob über dieVer­fassung des Großherzogtums Hessen" sprechen wird, seine im August und September unterbrochene Tätig­keit wieder auf. Schon in den letzten Monaten des Winter­halbjahres und während des Sommers hatte der Verein allmonatliche Vortragsabende veranstaltet, die von zahl­reichen Gästen und Mitgliedern (der Verein zählt trotz seines kurzen Bestehens annähernd 100 Mitglieder besucht waren. Der Verein, der sich Verbreitung und Vertiefung politischer Bildung zur Aufgabe gemacht hat, beabsichtigt in dem kommenden Winter neben feinen monatlichen Vortrags­abenden, in denen polittsche und soziale Fragen zur Behand­lung kommen, noch Studienabende einzurichten, in denen unter der Führung eines .Kursus!eiters in wöchentlichen Sitzungen Themata von politischem intb sozialem Interesse im Anschluß an wertvolle aktuelle Schriften erörtert werden.

* Das Tuberkulose-Wandermuseum war in der letzten Zeit ausgestellt und besucht: im Kreis Dieburg: von Babenhausen 1450, Groß-Umstadt 1800, Groß-Bieberau 700, Reinhenn 1100 Personen; im Kreis Heppenheim; Hammelbach 800, Fütth 750, Mörlenbach 1400, Wald- Michelbach 1500, Viernheim 1300, Neckar-Steinach 1100, Wimpfen 1400, Hirschhorn 900, Nimbach 400 Personen; für den Kreis Bensheim kommt nur Lampertheim mit 1000 Be­suchern in Betracht. Insgesamt wurden in diesen Orten 57 Vorträge von Aerzten ?c. gehalten. Das Museum wan­dert nunmehr in den KreiS Erbach und von da voraussichtlich in deu Kreis Groß-Gerau. Daß das Tuberkulose-Museum im vorigen Jahre in Luxemburg Ankllang gesunden hat, wird auch dadurch bewiesen, daß jetzt schon gebeten worden ist, eS im nächsten Jahre wieder einige Zeit dort auSzustellen.

Ein neues hübsches Geschäftshaus ist in den letzten Wochen durch den Umbau der beiden Im- Heus er schen Käufer am Marktplatz entstanden. Die Firma Gebrüder Jmheuser erhält burch den Umbau ausgedehnte (öeschäftsräumlich ketten, die auch einer Großstadt zur Zierde gereick)en würden und sich auch äußerlich in ihrer vornehmen Einfachheit recht vorteilhaft in das Straßenbild einordnen. Der Um­bau erfolgte in verhältnismäßig kurzer Zeit unter der Lei­tung des Architetten Huhn und wurde im wesentlichen von hiesigen Geschäftsleuten ausgeführt. Nur einige Spezialarbeiten, die der Natur der Sache nach nicht von hiesigen Handwerkern hergestellt werden konnten, waren zwei auswärtigen Firmen übertragen worden.

Der heutige 0 bst - und Gemüsemarkt auf OSwaldsgarten zeigte ein sehr lebhaftes Bild. Ueber hundert Wagen waren vom Lande anfgefahren. Dank der günstigen Witterung sind die Landleute mit ihrer Feldarbeit soweit vor­geschritten, daß sie von jetzt ab die Wochenmärkte bester be­suchen können. Es wurde flott emgefauft und vor allem waren die Zwetschen sehr begehrt, 0e wurden im Zentner zu 3 Mk. oder das Hundert zu 1-6 Pfg. verkauft; Birnen kosteten das Pfund 8 Pfg. x

* * Diebstahl. In her Nacht vom 30. Sept, auf 1. l. Mts. erstattete ein Dieb einem hiesigen Hotel einen Besuch ab. In dem .Kontor wurde eine Schublade er­brochen und daraus etwa 80 Ml. in bar, sowie Briefmarken und die Schlüssel zum .Kasfenschrank entwandet. Der Ver­such, den Kassenschrank zu öffnen, gelang nicht. Anßerdcm ließ der Dieb noch ein Paar Ohrringe, einen Ueberzieher, einen Rock und einen Spazierstock mit Silbergriff mitgehcn

x Butzbach, 1. Okt. An der neuen Bahnli nie Butzbach-Ebersgöns wird gegenwärtig tüchtig gear beitet. Ein schweres Stück Arbert, nämlich die Unterfüh­rung der Bahn unter der Main-Weser-Bahn durch, wird jetzt ausgcsührt. Die neue Linie verläßt Butzbach-Ost in nordwestlicher Richtung und folgt einer Talmulde bis zur Straße Butzbach-Gießen. Von Pohlgöns bis Ebersgöns waren keine nennenswerten Geländcschwicrigkciien zu über winden. Bei Ebersgöns dagegen mußte ein hoher Damm errichtet werden.

R. B. D a r m st a d t, 1. Okt. Auf der Herb st messe, die aegenwärttg hier zum erstenmal auf dem großen Platz vor der neuen städtischen Schwimmanstalt ftattfinbet, wurde ein dort stehender Wohnwagen eines Budenbesitzers er brochen und ein Geldbettag von 3000 Mark, sowie eine goldene Uhr und mehrere wertvolle Schmuckgegenstände gestohlen. Als Täter kommt ein Metzgerlehrling in Betracht, der plötzlich von hier verschwunden ist.

8. Münchholz Hausen, 1. Okt. Unser zweiter Lehrer Lockemann hat uns mit dem heutigen Tage verlosten, um seiner Militärpflicht zu genügen. An seine Stelle tritt Schulamtsbewerber Karl Mandler aus dem benachbarten Kinzenbach.

töcricbtsfaal.

R. B. Darmstadt, 1. Okt. Ein Opfer seines Leichtsinns ist der 21jährige Postaehilfe Karl Hart- m ann, der Sohn einer achtbaren Mainzer Familie ge­worden, der heute vom Schwurgericht wegen Ver­brechens im Amt, Unterschlagung und Buchfälschung (§ 350, 353/54 des Straf-Ges.-B?, zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ter Angeklagte hatte die Oberrealschule mit der Reife für Prima verlassen und war vorübergehend im Eisenbahndienst und dann bei der Post beschäftigt worden. Er tvar seit dem Frühjahr 1908 als Gehilfe in Höchst, Groß-Zimmern, Seligenstadt, Mainz und zuletzt in Altenstadt und Hirschhorn tätig. Während seiner Be­schäftigung in den letztgenannten Orten hat er sich in der Zeit vom März bis Juli d. I. nach und nach 2360Mk. angeeignet, von denen er ca. 1400 Mk. für sich verbrauchte und namentlich in Animierkneipen vergeudete; den Rest der unterschlagencm Summe benutzte er zur Deckung früher begangener Veruntreuungen. Ter Angeklagte verschaffte sich die Gelder, indent er Postanweisungen und Geldbriefe unterfchlug und zur Verdeckung der Straftaten falsche ihn tragungen in den Postregistern machte. Er hatte anfangs nur eine Besoldung von 54 Mk. monatlich, später aber mehr und erhielt auch Zuschuß von seiner Familie, so daß von einer Notlage nicht die Rede sein konnte. Tic Familie hat and) den entstandenen Schaden gedeckt. Nur der Um stand, daß die Geswworenen die Jugend berücksichtigten und mildernde Umstände berücksichtigten, vermochte den Leichtfertigen vor einer Zuchthausstrafe zu deivahren.

LMchiffahtt.

Dir Flagwoche in Köln.

Paulhan mackste gestern von 3 Uhr 35 Min. ab drei Flugversuche. Er legte aber immer nur eine halbe Runde uruck. Bei einem vierten Flugversuch mürbe bei der Lan­dung ein Flügel beschädigt. Bleriol ftieg um 5 Uhr 12 Min. auf und hielt sich durchschnittlich in 12 Meter Höhe. Er flog 40 Runden in 1 Stunde 4 Min. und landete um 6 Uhr 16 Min. glatt vor dem Schuppen. Tas zahlreiche Publikum branne ihm stürmischen Beifall dar. Bleriot er reichte jciimcilig eine Höhe von 25 Metern. Nachdem Bie riot feine Fahrt beendet hatte, unternahm Preveau - te au auf der HlSriot-Mafchine Nr. 16 einen Flugversuch. Äber gleich nachdem die Räder den Erdboden verlassen hatten, erlitt die Maschine einen Schaden, der ihn zwang, feinen Versuch anfzugeben. Morgen soll der Fehler wieder beseitigt sein Zum Sckrlusse unternahm noch Pani: an mit seinem Zweidecker einige Aufflugversuche, die er kurz vor 7 Uhr beendete.

Rougier machte einen Flug von 2 Stunden 41 Min 50 Sek. für den Entfernungspreis und für den Michelin- preis. Er flog in einer Höhe zwischen 30 und 40 Meter und legte über 130 Kilometer zurück. Rougier landete nur wegen der späten Stunde. Farm an machte 33 Runden in einer Stunde 31 Min. und landete wegen eines Leier- defektes. Baron de Egters machte ^mei Flüge: der erfkc dauerte 34 Minuten (12 Runden in einer Höhe zwischen 5 und 10 Vketern), der zweite dauerte 10 Minuten und ging in einer Höhe bis zu 20 Metern vor sich. Tomer machte mehrere Versuche; es gelang ihm, zweimal 15 bis 20 Meier weit zu fliegen. Die Windstärke betrug znstschen 3 und 5 Metern.

3nternatiotmfe8 Wettfliegeu in Zurich.

Die internationalen Ballon-Wettflüge begannen gestern mit einer Zielfahrt, woran 24 Ballons, darunter 1 6 deutsche, teilnahmen. Das Ziel befinbet sich am schweizerischen Ufer des Bodensees. Der Start vollzog sich bei schwachem Winde.

Die Internationale Luftschiffer Vereinigung beschloß, daß da? Wettfliegen für Flieger um den Gorbon Bennett« Preis im Jahre 1910 über eine Strecke von 100 Kilometern mit Zwischenlandungen, und zwar in einer geschlossenen Bahn von ivenigstens 5 Kilometern Länge ftattfinben soll.

Jnfolger starker Regcnsälle, die den Flugplatz in einen Smnps verwandelt haben, ist der Beginn der aut zwei Wochen berechneten Wettflüge von Paris, bie ursprünglich auf Sonntag angefetzt waren, auf Donnerstag ben 7. Oktober ver schoben worben.

Der dcutsche wettvuni».

() Frankfurt, 1 Cft.

Am zweiten Sitzungstage wurde von bem Geschistsfübrenden Dr. Wolf Dohrn zunächst der Berickü über bie Tätigkeit der Schulwmmission erstattet. Aus allem Hang ütdjt, baß die jebigt n Gewerbeschulen ihren Zwecken nicht entsprechen. Tie alte Klage, lieber die einzuschlagenden Wege zur Besseruiig gingen die Ansichten auseinaiider. Tcr eine wünschte Werkstattschulen, der andere mehr Rücksickitnahme auf das praklisckte Leden bei den Volks- und höheren Schulen Zu einer Klärung führte Die Aussprache nicht. Der Setlionsrat Tr. Vetter vom Ministerium der öffcMlichen Arbeiten in Wien meinte, in Oesterreich seien viel zu viel Gewerbeschulen. Wo sich eine Industrie auftätc, würde auch gleichzeitig eine C)cwerbeschulc errichtet, nicht znm Vorteil der individuellen Ausbildung.

Hebet ben dritten Punkt der TagesordnungDie Unter suchungen des Instituts für exakte Wirtschaftswnckning und bir wirtschaftlichen Bedingungen, der Qualitätsarbeit" berichtete Herr Johannes Buschmann aus Rostock. Tas zu beronitiflcnbc Ma tcrial ist seht spröde, uub da die Untersuchungen noch nicht ab- geschlossen sind, wirkte das, was Herr Bu'chmann Mrtrug, auf die verschiedenen Zuhörer, namentlich auf die Künstler, nickst richtig, so daß bei diesen eine Mißstimmung vor gerufen wurde. Es hanbeTt sich nämlich um die Untersuchungen der Qualitäls- arbeit, 'ihm kann es sich bei einer wiisenschaftlick)en Untersuchung der Qualität doch nur darum hanbeln, inwieweit die geleistete Arbeit, auch die des Künstlers, in Geld auszudrücken ist. Natürlich t#nul insofern bie £.ualitat nicht untersucht werden, ob sie mehr oder weniger künstlerischen Wert hat. Ta bie Untersuchungen itntfi im Anfang begriffen sind und überhaupt nur darüber gc sprachen wurde, um die Industriellen mehr geneigt zu machen, das nötige Entgegenkommen zu zeigen, so bat es keinen Zweck, auf die bisher erzielten Ergebnisse weiter einzugeh.m.

In der Nachmittagssitzung berichtete L st Haus Hagen über die Gründung eines deutschen Musen m s s ü r K' n n st i n Handel uub Gewerbe Dieses Museum soll seinen Sitz in Hagen haben. 'Bon Herrn Qsthaus wurde dies begründet und befürwortet, toett Hagen im Industriezentrum Wcstialcns liegt, wo es sich uni einen großen Jnbustriekompler von 5 u Millionen Interessenten hanbttl. Tas Rluseum ist so gedacht, baß mustergültige Reklamedrucksachen und bergt erwarben iverhen und auch andere Gegenstände, die einen künstlerischen Wert haben und daß diese enoorbenen^ Gegenstände in Form c i n c v Wandermuseums van Stadt zu Stobt gehen und baß gleich­zeitig bas Verstänbnis und das Interesse bafür durch erläuternde Varttäge geweckt wirb. Tcr Werkbunb verpflichtet sich zunächst für ein Jahr zu einem Zuschuß von 1000 Mark zum Ankauf von geeigneten Okgcnftänben. Es wurde aus der Mitte brr Ver fammlung bereits erwähnt, oaß ein Herr, der bem Werkbunbc nicht angehört, aber großes Interesse für die Sache ;cigt. >u demselben Zweck 500 Mark gestiftet hat unb cs wäre zu wünschen, wenn diesem Opsermutc auch von anderer Seite Folge geleistet würde.

Zum Schluß wurde nach über die Ausstellung architektonisch vorbildlicher Fabrikate gesprochen. Ta der Berichterstatter Proi B a e l z l g - Brcslaii am Erscheinen verhindert mar, wurde feine Ausarbeitung von dem Geschäftsführer Tahrn porgetrageu Tic Aussprache über diesen Punkt konnte sich infolge Ausbleibens des Berichterstatters nicht so lebhaft gestalten, wie die Sache es wohl verdiem hätte. Wir werden auf diesen Punkt später gurürftommen.

vermischte».

* Kinderheiraten in Indien Seit Jahren ist die englische Regierung bemüht, die uralle Sitte der Verbnrarung kleiner Kinder in Iiwien ;u unterdrücken. Ticse üinbcrfccnat'it sind einer der schwersten Sckräden des Landes nicht nur dadurch, daß sie dem Menschen in einer der wichtigsten Fragen das Selbst besttmmungsreckü rauben, sondern auch in rein physiologisch« r Beziehung, wie sich Indjt denken läßt. Mit ihrem Bestreben, gegen diesen Volksgcbrauch anzukämpsen. bat die Regierumz in dosen fein Glück: dies lehrt nur zu deutlich die eben zu Kalkutta veröffentlichte Stattsttk. Ibr zufolge nnirbeit in den letzten fünf Jahren 200 000 Acädchen per heiratet, die unter vier Jahren alt waren, ferner zwei Millionen, berat Alter zwischen fünf und neun Jahren betrug, unb 800 000, bie ihn üben neun unb vierzehn Jahren zäl^ten.

* Erklärlich. Gasi:Der Tourist schäumt ja vor Wut Qberkcllner: ,^Ia, ben hat der Wirt tüchtig eingescift."

"ImWinter. Fräulein:Ach. noch einmal irische Roi'en! Tas werben aber wohl die letzten sein!" Bursche:GlaubS auch: Der Gartner wollte bas Bukett bem Herrn Leutnant sckwn nicht mehr pumpen!"

Kleine Toye chronik.

In der Benzolfabrik in Tittersbach bei Waldenburg gerieten heute früh infolge einer Explosion acht Raphtolinbchällcr in Braab. Ein Aufseher unb ein Arbeiter erlitten schwere