Ausgabe 
21.1.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

'S'

Donnerstag Äl. Januar 1909

159. Jahrgang

Erstes Blatt

Unzetger Bietzen.

Die heutige Nummer umsahl 10 Seiten.

itz,Rechtsanwalt

if-taiwii

üngsricg

Cashel, 25. Jan. 1848.

Das meteorolog. Institut in Christia-' nia erhielt die Nachricht von den Varöen (Finnmarkeri), daß cun 3. November 1908 an der Nordseite der Insel eine Boje an Land trieb, welche die Mitteilung enthielt, daß die Boje am 24. Juli 1900 bei Kap Bath urst an der Nordküste Nordamerikas ca. 400 Kilometer nordöstlich von der Mündung des Mackencie ins Meer geworfen wurde. Danach ist die Boje anscheinend durch das Polarmeer zwischen Grönland und Spitzbergen hindurch nach Norwegen getrieben worden, wozu sie achteinviertel Jahr ge­brauchte. Der Weg der Boje bestätigt die Richtigkeit der An­schauungen, welche der Polarfahrer Roald Amundsen bei seiner nächsten Polarexpedition auf derFram." zu<- grunbe gelegt hat.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft? Oberpräfibent v. Schorlemer soll das Schloß S t o l z e n f e l S a n g e t n u f t haben. Ter Büigerausschuß von Mannheim Hal den Jnlendanlen H a g e m a n n aus roctiere 2 Jahre bei dem erhöhten Gehalt von 15 000 'JJif. engagiert. Ferner hat di« Familie Lanz für das Hoftheater die Neuausstattungen zu »Wallen-, stein" und »Faust* gestiftet.

Bezugspreis: monatlich75Ps., viertel­jährlich Äck. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Post Alk. 2. viertel- jährl. ausjchl. Lestellg, Zeilenpreis: lokal 15 Vs* auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil, für .Feuilleton* und -Vermischtes": Ernst Anderson; tüt »Stadt

Die Schutzfrist der Wagnerschen Werke läuft 1913 ab, weshalb schon seit letztem Sommer das Ge­rücht verbreitet ist, die Bayreuther Festspielverwalmng wolle bis dahin alljährlich Festspiele stattfinden lassen. Das Gerücht fand Glauben, da tatsächlich in diesem Jahre wieder, allerdings ausnahmsweise, Ausführungen in Bayreuth statt­finden werden. Nun aber erklärt die Fe st sp ie l o e r- waltung, daß über 1909 hinaus bis heute noch keine Bestimmungen über eine alljährliche Wiederkehr der Festspiele getroffen seien.

anwalt

oje au befindet sieb BaliQ1 .0561 Schütz).

Nr. 17

Tet Siegener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SictzrnerZamiiienblätier; zweimal roörbentl.Kitts- dlatl sUr den Kreis Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land» wirtschaftliche Seitfrageo Fernsprech Anschlüsse: für bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adiekie ha Depeschen:

KoNtrHchc Tagesschau«

Die Detrirbscmuahmeu der preußisch-hessischm Ttaatseisenbahneu haben int ^czenwer v. Js. iiu Persouenverleyr rund 0,4 Mill. Mark oder 1 Proz. mehr, im Güterverkehr 4,5 Mill. Mark oder 4,47 Proz. weniger, insgesamt einschließlich der son- ;ugen Er.tnayrnen 5,5 Mill. Mark oder 3,71 Proz. weniger^ als im gleichen Monat des Vorjahres erbracht. Zu be­rücksichtigen ist hierbei, daß der Dezamber 1908 einen Sonn­tag weniger und einen Werktag mehr als im Vorjahr hatte..

Das neue sächsische Wahlgesetz von der Ersten Kammer angenommen..

In der ßcimgeit Sitzung der jcichsychen Ersten Kammer, die sich mit dem Wahlgesetz für die Zweite Kammer der Stände- üerianuiduug bejchä'tigle, iührte der Berichterstatter der ersten Tepuialion, Geheimer Rat Wach, u. a. aus, die Situation sei! überaus ernst und dränge unweigerlich daraus hin, daß der Be-' unruhigung des Landes ein Ziel gesetzt werde. Der Redner kon-. fiaticxte dann mit Freude, dag man sich aus den jetzt zur Beratung siebenden Vorschlag geeinigt habe, daß ha die Annahme desselben die Z w c i d r i t t e l m e h r h e i t der Z io e i t e n Kammer ge­sichert s e l und daß auch die Regierung ihre Z u st i m in« ung dazu gegeben habe- StaatSmmister Dr. Graf von p o h e n t h a l danlte dem Berichterstatter für seine verdienstvolle Arbeit um das Zustandekommen des Wahlgesetzes. Er wolle heute nicht von den Opfern sprechen, die alle, und nicht am wenigsten die Regierung, gebracht, indem die Regierung aus das von ihr bis zum letzten Augenblick jestgehaltene Berhältniswahlrecht verzichtete. Dieser Verzicht sei aber nur erfolgt, um nicht in eigensinniger Weise einen Konflikt zwischen Regierung und Kammer herbeizu- sühren. Er hosfe und ivünjche, daß durch das Zustandekommen des neuen Wahlgesetzes der innere Frieden und dis Freude am

nähme der Anleihe verpflichten mußten, bis zum 1. Ium keine der älteren Nussemvcrte aus den Markt zu werfen, um diesen für die neuesten offen zu halten. Und diese Vorsicht schien umsomehr geboten, als beim Abschluß des Emissions- geschäfteS tm Sommer dieses Jahres die internationale Lage ivegen der ausgebrochenen DrienU'tifi» und der Marokko­differenzen Frankreichs mit Deutschland eine überaus kritische war. Hätte man in Petersburg auch nur ahnen können, daß noch vor der Ausgabe der Neuesten Anleihe der politische Gewitterhimmel sich klären würde, man hätte unz>oeifelhafi den AusgabeklirS höher und den ZinSiuß niedriger angesetzt. Diese Gelegenheit ist nun verpaßt. Dasür aber dürfte auch die neue Rusfenanleihe um so größeren Zuspruch in Frank­reich finden.

Freilich, in London sieht man ihr mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Richt nur, »veil man dort Geldgeschäfte lediglich nach ihrer Sicherheit bewertet, sondern auch, weil angesichts der neuen russischen Anleihe die Bank von Frank­reich alle überseeischen Gotdvorräte an sich gezogen hat und sich demgemäß die Bank von England, deren Goldreserve zu­sehends znfammenfchmolz, genötigt sah, vor etwa einer Woche ihren Tisfont um l/t Prozent auf 3 heraufznjetzen, also das englische Geld zu verteuern. Wohl haben auch England und Holland die russische Anleihe auf ihrem Geldmarkt zugelasseu, aber schon seit Wochen warnt em großer Teil der englischen Presse die Kapitalisten anoauernd vor einer Beteiligung, so daß hier wohl das für England und Holland reservierte Viertel der Anleihe kaum gezeichnet werden dürste, es sei denn, daß die augenblicklich friedlichere internationale Lage hier ihren Einfluß geltend macht.

°agd«-'.d.7i

Vie neue russische Anleihe.

ak. Obwohl die wirtschaftliche Lage Rußlands sich nach dem japanischen Kriege nicht tm mindesten gebessert hat, da ihre fast ausschließliche Basis, die Getreideernte. in den letzten Jahren stets hinter den Erwartungen zurückblieb (1904: 2694 Millionen Pud, 1908 dagegen nur 2150 Millionen Pud), und obwohl seine innerpolltische Lage auch helite noch viel zu wünschen übrig läßt, weil Regierung und Reichs- duma die durchaus notivendigen großen Refomicn immer wieder verschieben und sich nut allerlei gesetzgeberischem Klein­kram aushalten, hat es Rußland verstanden, nicht nur den Kurs seiner StaatSpapiere seit dem Jahre 1906 um 17 Proz. zu erhöhen, sondern auch fortgesetzt neue äußere Anleihen aufzunehmen. DaS muß umsomehr frappieren, als sich doch an der Hand deS russischen Budgets schon seit langen Jahren nachweisen läßt, daß Rußland die Ergebnisse seiner Anleihen keineswegs dazu benutzt, um sich wirtschaftlich, politisch und militärisch zu konsolidieren, sondern chst ausschließlich, um auf dem Wege der Vergrößerung der Staatsschuld die Zinsen für seine alten Anleihen aufzubringen, resp. alte abgelausene Schuldtitel durch neue zu ersetzen.

Finanztechnisch richtig und eines großen Staates wüidig ist natürlich eme solche Wirtschaft nicht. Aber Rußland steht in finanzieller Beziehung nach wie vor »jenseits von gut und böse'. ES kann sich derartiges leisten, weil, mögen auch Deutschland und andere Länder ihm ihren Geldmarkt verschlossen haben, das kapitalkräftige Frankreich noch immer geneigt ist, seine Anleihebedürfnisse zu befriedigen. Tas liegt einmal daran, daß man in Paris im Gefühl seiner militärischen Schwäche Deutschland gegenüber das militärisch noch ohnmächtigere Rußland bet guter Laune zu hatten be­strebt ist, zumal der zweite Bundesgenosse, England, Frank­reich im Konfliklsfallc mit Deutschland wegen der Unzuläng­lichkeit seines LandheereS nur wenig nützen könnte. Sodann aber auch daran, daß die französischen Kapitalisten um ih» Rußland bisher geliehenen Milliarden zittern, die ihitcn im Falle eines finanziellen Zusammenbruchs des Zarenreiches verloren wären, und deshalb lieber neue Gelder aufbrmgen, um es zu stutzen und ihm vielleicht die finanzielle Gesundung zu ermöglichen. So wird es auch diesmal wieder Frank­reich sein, das den Lölvenanteil der neuesten russischen Staats­anleihe, deren Emission in Höhe von 500 Millionen Rubel am 22. Januar zum Kurse von 89^ Proz. und mit einer Verzinsung von 41/, Proz. erfolgen soll, trägt.

Es muß den russischen Flnanzkünstlern zugegeben werden, daß sie die Psyche des französischen Volkes sehr richtig ein» schätzen und dadurch nicht nur den Kursstand der älteren russischen Anleihen zu erhöhen wissen, sondern auch den fran­zösischen Markt dem russischen Anleihebedürfnis fortgesetzt offen halten. Dennoch scheint man diesmal in Petersburg nicht ganz ohne Sorge gewesen zu sein, wie Frankreich die neueste Anleihe aufnehmen werde. Hat man doch den Emissionskurs diesmal ungewöhnlich niedrig, den Zinsfuß verhältnismäßig hoch angesetzt und mit den Emissionsban'ken eine Verabredung dahin getroffen, daß sie sich bei der Urder-

nibranerci

- Wi'iheimstrasee

, rchitttz 2 H|t,

I. pro Pcyon. (w

' « Siefa.)

Dratum:

?'s °°°

Ä1"1

r v. a. 9

7/Ni). An der Äk-7 JSSSSLSSggS ^tropol1 1 nuar 1909 k

Konzert

retten. Abe; d

P h'iT1B5liaCnt8kapc11« M,QI19 abenbs 7 ut)i.

ZtimmAnssbil- aus öem preug. AvgeordneLe^LAS.

Berlin, 20. Jan.

Drei Tage nur hat bie erste Lesung dieses Defizit- etats gewährt, und ein großer Teil bei Teoatten hatte mit bem Erat selbst biutivenig zu tun. Lasur sorgten bie Sozialdemokratie, beiten angcjicylä der dvoheTiden Kaisierung von zwei Dritteln ihrer Beniner ^Jlänbate ouenoar an der Produktion wirksamen Agilationsslossis für die Ersatzwahlen gelegen war, und bie Rechte, bie es sehr eilig hatte, dem Fürsten Bülow eine roarnende Antwort auf seine Paarungsrede vom Dienstag zu geben. Herr Hei­mann, einer der Bier, üoer deren yau^t das TmnotteHchw>ert der M a n b a t s k a s s i e r u n ß schwebt, hatte seine Rede in zävei Leite gefiebert: Der une, ber wvnigsvenS in etwas den Auslug einer Elatskrittk hatte, galt ber Enrpfei/.u'.ig ber Sozialdemokraten als ber einzig wahren Bertreter der Arbeiterschaft, ein An- Ivruch der Geiwjsen, zu dessen Vertretung sich der Millionen, chwere Rentner und Verchgsbuchhänbier Heimann schlechttroings nicht eben in erster Reihe eignete. Tiefer captatio bencvoieniiae für bie So­zialdemokratie eine Aufreizung ber Berliner Arbeiter gegen den Ö-reilütn zu gesellen, war der zweite Teil der zwestttindigen Rede Heimanns bestimmt, ber ben Freisinn der Perfidie bei seinem Protest gegen bie vier roten Mttmdate beschuldigte. Herr Heimann ist im allgemeinen ein Mann von guten Ümgangs- formen; aber auch er geizte nicht mit ben Ansorück-eu einer wildgewor denen Phanrasie. So, wenn er pathetisch rief, bie Zeit oes Auscuhens sei für bie Arbeiter eine Zeit des Hungerns, und was Dergleiüjen wundersame Behauptungen mehr waren, llnd dabei nmsste es ihm doch panieren, oaß er von ber märchen­haften Entwicklung ber Bolkswoylfahrt Preußens sprach, zu ber ixu; Bild von ber Sage der Arbeiter, das ber sozialdemokratische Eiferer zeickmete, denn doch wohl nicht recht paßt. Ter sZ- i n a n z - Minister ergriff bann auch die schone Ge^egenksttt b«.n Schopf, Herrn Heimann ab aosurbnm zu jähren, und leistete sich einen

durchaus diät, jckion um Euch keine Unruije zu machen.

sind, die arme Eacolme ausgenommen, bie chr rheumalische^ Zahuleiden mit wenig Unterbrechung bis jetzt gehabt hat, (heut morgen ist ihr Einer ausgezogen worden) wohl, sie grüßen Euch herzlich, und lassen Euch ihrer herzlichen Teilnahme oerüchern. Fritzchen jagt, sie könne sich ja |elb|t denken, daß Du die Zeiten über andere Sorgen gehabt hast, als lange Briete zu schieiben. Im Allgemeinen lebt man hier doch ziemlich emiörmig, wenigstens luller, als Ihr glauben möget. Als ein, wenn auch nicht Ersatz, doch Surrogat für die Musik die ich in Berlin nicht höre, sind nur liier in Der letzten Zett em paar Concerte in Wurf gekommen Eins im Theater, fast durchweg sehr schön. Das Programm könnt Ihr hiebei leien, und Ems gestern Abend. ES besteht nämlich auch hier wie Überall für ältere Jungfern höherer Bildung em Cacilien-Verein, welcher gestern seine Lote Stiftungsfeier an'dng- lieh besang und später beaß, vielleicht ganz spät auch noch betrank. Tie Wahl der Stücke sehr schön, nur allein Mozart, Haydn, Beethoven, Spohr, Mendelssohn, das half aber Alles nichts, cs war trotzdem Alles nur Leer scheene l Polyphem Spohr stand in der Glitte und tachtelte die Luit. Die Sopräne pfiffen entweder 2 Löcher zu hoch oder zu tief, die Bässe aber hatten looiel ich er­kennen konnte, zusammen volle 32 Zähne. Den Kelch voll zu machen trat noch eine extra'ette Schauspielerin auf, und suchte Mendelssohns Slawen zu beflcnnen, wäre ich em Kater ge­wesen, ich hätte mich beim Schwänze auigehangen. Genug davon, ich weiß garnicht, wte ich mit einem mal in ben Unsinn gerathen bin, es ist mir garnicht so zu Smne. Schreibt mir nur recht bald, wie es weiter bei Euch geht. Ich lebe in Gedanken jede 'Dhiiuie mit Euch durch. ^uer Adolph.

w

Menzei-vriese.

Im Janiiarhest derSieneu Rundschau" (Verlag S. Fischer, Berlin) iverden mehrere bisher unbekannte Briefe Adolf v. Menzels veröffentlicht, die aus der Kasseler Zeit des Aleisters flammen (1847 bis 48), als er dort mit dem Karton des Einzugs der hessischen Landgräfin beschäftigt war. Es sind ßainilieiibriefe ohne nähere Angabe der Adressaten. Sie zeigen den Künstler in seiner ganzen knorrigen Eigenart und sind voll Witz und Wärtne. Wir geben zwei dieser Briese hier tvieder:

E a i i e l, 19. August 1847.

Deinen Brief erhielt ich vorgestern sJlad)mittag als ich eben von Marburg zurückkam in Sonne unb Staub gebraten, es war aber göttlich dort. Gott was habe ich da alles Schönes unb In­teressantes gesehen, am Menschenschlag, gothischer Architektur, die Sternwarle, die Universität, bie Anatomie und meinen Logiergast- Hof, ben Ritter ausgenommen, die ganze Stadt aus dem Loth, wenn nicht gebaut, so doch gesunken, ganze Gassen so:

(Zeichnung) und so: (Zeichnung)

ein wahres Spinnen- und Rattenloch, aber wie malerisch und interessant unb ivunderlich alt, verrottet 1 Unb zu tun hatte ich in 4 Tagen bas Wesentlichste burchzunehinen, ,vo ich ebenso gern 4 Wochen gehabt hätte. Gaspard, der treue Trabant, zeichnet und schwitzt beharrlich an meiner Seite. Jetzt bin ich nun im Atelier chon eingerichtet. Es ist sehr ziveckmäßig mid geräumig, und stecke in der Arbeit (noch nicht am Großen) erst noch an ber Zeich nung. Ich bin, dem Himmel sei eS Dank, sehr wohl auf, früh um 5 Uhr erwache ich selbst, und heraus. Ich trinke nicht lauter Wem, sondern auch Kaffee, und sogar Wasser. Arnolds sind gleich-all* alle wohl, unb Mittags unbin ben Abenden sind wir zusammen: sie grüßen Dich sehr schön, nameiitlich Carlo.

Ich danke Gott, daß ec es Dir wohl sein läßt.

Die recht brave wirklich zu mancheii (Suvariungen berechtigende, schon ziemlich gelungene wackere Studien bekundende bildliche Schilderung Deines Stilllebens läßt mich fast verhossen, Du feilt nicht mehr in ber Pfütze, sondern im Bach. Ochse so fort, junger Mann! Deine Fänge machen 'DleiltcrftücCe. Aber nicht ins Zwie­licht hinein!! und nicht zu viel bet Licht! auch recretcce Dich ja gehörig.

Wie sich unsere lieben vortrefflichen Freunde Deiner annehmen unb Dir das Alleinsein unterbrechen macht mir groben Trost und Freude! Sage ihnen, wie ich ihnen danke. Grüße sie Alle Ällle am» Innigste, mich einzeln an sie zu wenden, mürbe ihnen zur Litanei werden.

Unb nun schütze unb erhalte Dich Gott!

Deiit Adolph.

*»,« Ml A u 9 Ebttldz

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

wl" we ta«esnummee 8etat?onzdmS und Verlag der vrShl'schen llniv.-vlich. VN» Steinöruderei rr. tauge. NedaMon, «krpeditisn un» Druckerei: rchulftratze 7.

dis vormittags 10 Uhr. 0

in9u^®»i,^SC ss*^ R

MS

enipsi-blt *

grimmigen Turnierritt iu Jxr die So-studemokratie, ber mit bem Etat ungefähr ebensoviel zu tun hatte wie Herr Heiinanns Sprach. Unb auch Herr von Arnim Tusedorn ließ den Etat sein unb bcfdjäftigte sich, nach einer kurzen Polemik mit den Rednern der Linien an den Vortagen, recht eindringlich, aber auch recht vorsichtig die Worte auf die Goldwage legend, mit ber Rede Bülows. Zufrieden sind die Konservativ^en da- m i t nicht, daraus machte er kein Hehl. In Sachen ^>chücking hat Uncn ber Kanzler zuviel Entgegenkommen gegenüber Herrn Wiemer gezeigt, unb von seiner AMahnung, bie Nachlaßsteuer zu bewilligen, wollen sie wenig wissen. Daß der konservative Rediter weitere Erörtermrgen über die Schüclingaffäre anfünbigte, war auch nicht dazu angetan, den Kanzler mit freudigen GesüNen: zu erfüllen. .Herr v. Loebell, des Fürsten Bülow nächster Zeitgenosse, lauschte den vorsickstigen Worten des Redners mit sichtlicher, beinahe ängstlicher Spannung, der Ministtrprasibcut selost war nicht ersclsteneit. Ein paar sachliche Reden bie folgten; Darunter eine wirksame Abfertigung des Zentrums und ber So­zialdemokratie durch ben Nattoualliberalen Schmieding. Und Dann kann es zu guterletzt zu einem kleinen parlamen­tarischen Skandal. Herr Fischbeck trat der sozialoemo- kratischen Verdächtigung, als haoe er bei den Wahlprotesten ein Doppelspiel getrieben, in wucksiigen Sätzen entgegen, und als er, schwer gereizt durch die Schnuchangen desVorwärts", die Taktik der Genossen eineTal'ttk der Wegelagerer und Strolche" nannte, brach ein ohcenöellmoender Sarin los. In den stürmijcl)en Beifall, mit dem Rechte unb bürgerliche Linke dieses sck>arfe Wort auf­nahmen, mischten sich luntenbc Pfuirufe der Sozialdemokraten, uito der Abg. Hossma n n ries dem Redner in Heller Wut ent­gegen :Aus Ihnen spricht der Cognac!" Oho! schallte es aus den Reihen ber BurgerlickMU, unb Herr v. Kroecher suckste ben Sturm mit einer seiner trockenen Mahnungen zur Äöästigung zu scknfttgen. Ader es ging noch einmal los, als Fischbeck lebe Bo- einfiussung der Freisurnspolitik durch die Sozialoemvkratie von der Hand wies unb Hoffinaim schrie:Er hat sich im Ssnegel gesehen!" Erst ailmuhttch venchattte der Lärm, und das Haus vertagte sich, um am Aiontag neuen anderen Diugea ben frei» sinnigen WahlrechtScmtrag in Arbeit zu nehmen.

Arnolds 1 wart (Bermg G. Ealttvey, München) bemerkt baju: Die SSibaz eumatifdies lichkeit bet byzantinischen Phra.c mag selten so grotesk erschienen sein, wie im Angesicht so entsetzlichen nationaler:^Unglücks. Ander- jeits sprach ber Pos siche Augeorbnete in ber Sprache Italiens» die nnt üom-schiusiiglichen Worten freigebiger als die unfrige ist. Es wäre eine törichte Frage, ob in gleicher Lage auch ein beutfdjer Fürst so geantwortet hätte. Aber es wäre schön, wenn sich der­artige Antworten auch bei uns für minder große Gelegenheiten einbürgerten, denn was bei uns an byzantinischem Geschwätz Monarchen unb Prinzen zngemutet wird, das macht nachgerade, nicht nur die Redner unb die Zuhörer lächerlich, sondern die An-« gefeierten selber. Setzt sich ein Jfcänig eine Viertelstunde auf einew Polsterstuhl und jagt dann:Ich erkläre diese Ausstellung für, eröffnet," so wird ihm versichert, daß man durch diese (^nab3 beglückt sei, übernimmt er irgend ein Protektorat, was ihn ebenso ruenig bemühe, so erklärt man sich hochbeglückt, ein Besuch irgend­wo aber versetzt ben Besuchten in ben Zu stand ber Seligkeit. Tem jüngsten Prinzen wird geantwortet, als loenn sein pflicht-» schuldiges Jntere>se die höckchte Auszeichnung unb sein konventio­nellesSehr schön!" das maßgeblickchte Urteil wäre. Sie sind nickst alle so geschsit wie Viktor Emanuel, sie glaubens womöglich selber, dann aber ist es ben Herren Ergebenen doch auch nur so lange reckst, wie es sich zufällig mit ihren Wünschen bereinigt

Reden Sie doch keine« Unftnn!* TO bet König von Italien nach Messina ab fuhr, sprack) ihm ein Deputierter von der Hossnung, die Amvesenheit ©einer Acaiestät luerbe das Volk dort trösten. Da verliefe den König die surüdt^ltenbe ____ev* hin bem äimmef fei' gedankt, wohl und un- Höflichkeit, die an ihm gerühmt nnrd, und sein Unwillebrach in ausgesetzt wacker ün Sattes ve7halte' üuch in Essen, Trinken,!die Worte aus:Redest Sie doch Lernen Unjutu!" - Der Kunst-