Ausgabe 
19.6.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

SCHIRME

dc>l ,B *

Ka«l

MZ»LE 1 br«W; «A 5**^* * teil» iitijl, K' bet .Mb v*&* *«Ä"* &SJ ä,"e&

Kleines Feuilleton.

Uebet Frau Bayrhammcr lesen hnr: ,Me Herr Bohnöe so hat auch seine Partnerin, Frau Bayr- hammer, ihren tarnen aus dem letzten Blatt der Ge­schichte des Schauspiels im alten Kasseler tzoftheater durch eine hochwertige Leistun schm dauertrben, rühmlichen An­denken eingeschrieben. In einigen Svenen hatte die Künst­lerin als Lady Macbeth geradezu grandrose Momente Mrt welcher Feinheit waren alle Einzelheiten durchgearbertet und nüanziert und wie großzügig schlicht, wie wahr und selbstverständlich wirkte doch das Ganze! -tie künstlerische Wahrheit muß bei Betrachwng dieser Leistung als das Ent­scheidende in den Vordergrund gestellt werden: Frau Bapr- haurmer hat uns gestern zu suggeriern vermocht, daß sie ihre Rolle nicht spielte, sondern durchlebte. Das gilt be­sonders von der letzten großen Szene. Zwang )te uns vorher, an ein Weib zu glauben, in deni alle Dämonen des Ehrgeizes und der rücksichtslosen Entschlossenheit entfesselt sind, zog sie uns vorher unwiderstehlich dura) eine glühend lerden- chastliche, aufpeitschende Dialektik in chren Bann, so inaa)te ie am Schluß als Schatten des ursprünglichen tomglichen Weibes, als bleiche zerrüttete fiebernde Nachtwandlerin einen Eindruck, der zu den unvergeßlichen gehören rmrd, die wir aus dem alten Theater mitgenommen haben.

Die scheidende Isadora. Nicht der, Deiitsch- land den Rücken kehrenden, Isadora Duncan t)t vn Darm­stadt von höchster Stelle großes Interesse entgegcngebracbt worden, sondern ihrer Schwester Elizabeth. Xieje loirö sich an einer Neugrüudnng der Schule in Paris nicht be­teiligen, sondern ihre Tätigkeit nach Darmstadt ver­legen. Elizabeth Duncan hat mit ihren Zöglingen ni Franr- furt Wohnung genommen, wo ihr von einem Gönner der Schule das Bockenheimer Landstr. 98 befindliche .Haus bis

y- m

s* L niinnt W L-ß lte»reih e§ W1B gemacht. £ toütb« mit

te** «b»

Ws

^l'cht auf bat Jtjeugung find, U'e Qb- Dir *«» lvo sie

Arbeit ein. tn QUU Tapet r «erlzuwaüs- ung^teucr. Au.r lQ'ontn bezogt ^rtfNUiFge. Triage wünscht, etbanjaCjteuet S links.) er Seite in bit auf bem 2anbt, tciung her schien Monaten 'Preußen bafa « eine Imme, EinsLätzun.

Lanbwirte unb rd Industriellen, len unb Unruhe ichc. lJionische: ranzminister den r den ländlichen ibenl), bas gibt tschaftssleuer zu mancher fragen: agrarischen Groß,

Tie Regierung ich ist, unb hätte "vorteile heraus- gegen den Erfolg sich, s wirb immer weise der Steuer, ab; sollten unsere munkelt davon - e man es uns so en? (Sehr gull ereil emgeschatzi. trie, in den großen liche Versicherung, men ist, begrüßen it nur angetrant! )ie ärmeren, auch

Vevmischtes.

Der begossene Dieb. Ein eigenartiges Miß­geschick lieferte einen gewerbsmäßigen Metalldieb, den M- beiter Fritz Stirrm und seine Spießgesellen in die £)änb der Berliner Kriminalpolizei. Sturm und die Arbeiter Karl Schwarz unb Felix Müller lebten seit geraumer Zeit von

20 Mair komme. Der Bürgermeister B&uftragtc den Polizei- , btener, mt Aameu des Wirts zu bieten und dieser bot bann, in ' der Annahme, es handle sich um den ganzen Acker, bi« zu 16 Mk

während derfrühcre Pachter des Ackers das vorherqel)cnde Gebot , mit 10,80 Mark gemacht hatte. Als der Wirt erfuhr, baß der

Acker geteilt worden ist unb er die 16 Mark für den halben Acker zahlen sollte, weigerte er sich, den Acker zu nehmen. Der Bürger- mciltcr machte hiervon bem Pfarrer Mitteilung und bemerkte, entweder müsse cme neue Versteigerung ftattfinben und dies sei wegen der vorgerücktere Jahreszeit nicht angängig, oder der '-Icker mupe dem Wirt für 10 Mark überlassen werden Der Pfarrer beurerkte hrerans, dem Bürgermeister, er möge die Sache erledigen. Der Burgermeiiter änderte bann in dem Verpackstungsprotokoll bxc Zahl 16 in 10 um, ohne sich mit den an der Versteigerung Beterlrgten ms Benehmen zu setzen, desglcicl>en änderte er- dm jetvcuig übertragenen öutnnien wie auch die Endsumme entsvrecherrd nb. Als der frühere Pächter, der 15,80 Mark geboten hatte, erfuhr, daß der Wirt nur 10 Mark zahlt, kam die Sache zur KemttuiS der Behörde, die bann ein Verfahren wegen Urkundenfälschung em leitete. Der Angeklagte war geständig, er will aber seine Handlung nicht als strafbar erkannt haben. Er bat das Gericht, falls fern Verhalten strafbar sei, Gnade vor Recht ergehen zu tapen. -ta das Gericht aber nach ben Gesetzen handeln muß, so mußte es, so bedauerlich es ihm auch war, auf Strafe ertenneni unb zwar hielt es die Mindeststrafe von 1 Monat Gefängnis ku^^tz^rgt. Zur Ehrenrettung des Angeklagten hob es aus­drücklich hervor, daß es überzeugt ist, es habe dem Angeklagten keme unredtrche Absicht iraiegdvobnt unb daß es ihm nicht darum galt, jentanben zu begünstige)! ober zu benachteiligen Dem An­geklagten wurde auch die gnadenweise Umwandlung der Freiheüs- strafe rn emc Geldstrafe in Aussicht gestellt, welche Ansicht auch von dem Vertreter bet Staatsbehörde vertreten wurde.

Vergehen gegen die Schlachthausvorschristen.

Dem Handelsmann Leop. S. aus G a m b a ch ging ein Straf­befehl unter der Anschuldigung zu, daß er die Schlachtung von Vieh, dessen Fleisch verkauft wird, in feiner Scheuer, statt in einem vorschriftsmäßigen Schlachthaus vorgenommeu hat. Auf seinen Emspruch stellte bas Schöffengericht fest, daß der von dem Angeklagten benutzte Raum mit den polizeilichen Vorschriften tm Widerspruch steht, da lveder die Wände zementiert sind, noch der Boden wasserdicht und haltbar hergestellt ist unb sich auch keine Zisterne zur Aufnahme der Abwässer dabei befindet. Es war der Angellagte der Ansicht, die Polizeiverordnung müsse auch auf den Angeklagten Anwendung finben, da er nicht das sämtliche Fleisch für sich verwendet, sondern die Hinterteile der Tiere aus rituellen Gründen anderweit absetzt. Auf seine Be­rufung gelangte die Strafkammer zur Freisprechung, da die Zahl der von dem Airgeklagten borgcnxmmtencn Schlachtungen so niedrig ist, daß von einem Gewerbebetrieb nicht geredet werden kann und er den teirweisen Verkauf des Fleisches nrrr aus rituellen Gründen vornimmt.

Die fehlende Barbierstnbe.

Ter Weißbinder und Barbier K- B. II. in Steinberg be­kam einen Strafbefehl unter der Beschuldigung, daß er in einem mehr als 1800 Einwohiwc zählenden Orte seine Kunden in feinem Wohn- bezw. Schlafzimmer bedient habe und er die Polizei-Ver­ordnung, die in jeder Barbierstube sich befinden muß, nicht an­geschlagen hatte. Auf seinen Einspruch gelangte das Schöffen­gericht zur Freisprechung, da Steinberg für sich nur 900 Ein­wohner zählt und deshalb die fragliche Polizeiverordnung keine Anwendung zu finden habe. Steinberg ist zwar mit Watzenborn zu einer Bürgermeisterei vereinigt unb beide Orte sind nur eine Gemarkung, die sich Watzerrborn-Steinberg nennt und etwa 2000 Einwohner zählt; doch sind die Ortschaften räumlich geh-ennt Trotzdem das Kreisamt bei Erteilung von Wirtschaftskonzessionen die Ortschaften als getrennt behandelt, war es doch der Ansicht, daß die Staatsanwaltschaft die Berufung durchfechten soll. Nach den Angaben des Angeklagten beläuft sich die Zahl seiner Kunden höchstens auf 15, die auch alle aus Steinberg sind; er besucht diese auch größtenteils in ihren Wohnungen, so daß es sich nicht ron- tierte, einen Frisiersalon zu halten. Uebrigens waren ihm die polizeilichen Beftimnrungeu. unbekannt und hat er stets ange­nommen, Steinberg sei eine Gemeinde für sich. Wenn auch die beiden Ortsckwften unter einer gemeinschaftlichen Verwaltung stehen, so muß doch angenommen werden, daß es sich um zwei verschiedene Ortschaften harrdelt, so daß die fragliche Polizei- Verordnung nicht angewendet werden kann. Das Urteil des Schöffengerichts wurde deshalb bestätigt.

Beleidigung.

Mit welchen Lappalien sich manchmal die Gerichte zu beschäf- :figcn haben, zeigte eine Privatklage des Verwalters G. P. in Lollar gegen den Mcüller H. Ehr. Letzterer hat Kinder unter feinen Obstbäumen gesehen, von denen er annahm, es seien die des ersteren, weshalb er P. zur Rede stellte. Dieser erhob Klage namens seiner Kinder ivegen Beleidigung und sowohl am Schöffen­gericht wie auch in der Strafkammer mußten drei Termine statt­finden, in denen eine große Anzahl von Zeugen zu vernehmen ivaren. Tas Schöffengericht hielt die Beleidigung für nachge­wiesen und es erkannte gegen Ehr. auf 20 Mark Geldstrafe. Dieser erhob Berufung tuib versuchte, den Wahrheitsbeweis zu erbringen, was ihm aber mißlang. Aber auch der Kläger war ?rach Ansicht des Berufungsgerichts nicht in der Lage, Beweise genug zu liefern, daß eine Beleidigung stattgefunden hat, wes­halb das Urteil aufgehoben n>crbtm mußte und Freisprechung erging.

Ejrt, bic

M

i ganzen (steuer. m Reich Ipirfim ckschofi zu dem- irgendwie cinzu- ohung notwendig [btt Mn anderen t M immer unb bete Rationen da? bem Mehr neue

- schön, mir .asm stimmen, M M anders W e- :cnt, bei RcwM.1 . Pferd hinten an. Policensteuer allerschlimmltc, » Vorteil hat - Mckr, der Sa- ie vor auf biet® iieuermffe^ uerben sth

zweite Lesung

Mctalldmbstählen, die sie auf Neubauten, besonders an Rohrleitungen, ausführten. Erst kürzlich erbeuteten sic in Mariendorf für 1000 Mk. Bleirohr, daS sie bei Wählern und Schürfern zu Geld inachten. Außerdem wollen sie in der EberSwalder Straße in der Nähe einer Bankfiliale sieben Ei.nhundertmarksck)eiue, deren Verlust noch nicht an­gezeigt ist, gefunden haben. Was es damit auf sich hat, weiß man noch nicht, aber es steht fest, daß alle drei Geld hatten. Das veranlaßte Stürm, die Taufe seines Jüngsten, zu der er auch seine Freunde einlud, etwas reich­lich ausznstatten. So herrschte bald wieder Ebbe in seiner Kasse. Jetzt drängte er feine Freunde zu einem neuen Diebstahl. Diese nwllten aber noch rricht mitmachen, weil ihre Mittel noch nicht erschöpft waren. Sturm entschloß sich daher, auf eigene Faust und alle n einen Versuch zu machet!. Die Wasserleitung eines neuen .Hauses in der Luisenstraßc sollte ihn wiederflüssig" machen. DaS kam jedoch anders, als er gedacht batte. Sturm hatte die Zeit verpaßt, das Haus war bereits an die Wasserwerke angc- schlossen. Als er nun ein größeres, vermeintlich noch leeres Rohr durchschnitt, entquoll diesem ein kräftiger Strahl und begoß ihn so gründlich, daß er vor Schreck auf den Rücken siel. Pudelnaß verkroch sich der Dieb in einer Kellerecke. Tie Nachbarn, die das Wasser rauschen hörten, holten einen Schutzmann, suchten mit ihm den Keller ab und entdeckten nicht nur den Schaden, soirdern auch den, der chn an­gerichtet hatte. Triefend kam der Dieb aus seiner Ecke heraus und wurde der Kriminalpolizei zugefichrt. Durch seine Festnahme kant auch das Treiben seiner beiden Freunde ans Licht. Alle drei wurden nach dem Untersuchungs­gefängnis gebracht.

Markte.

Gießen, 19. Juni. SDiarttbcridit. Auf heutigemWochen- maifte kostete: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Tlf., Hühnereier 1 St. 78 Pfg., Käse pr. St. 68 Pf., Kasematte 2 St. 56 Pfg., Erbsen p. Pfd. 0000 Pfg., Linsen p. Pfd. 0000 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 M., Ganse pr. Pfd. 6070 Pf., Enten pr. Stück 1,80 dis 2,20 Mk., Ochsenfleisch pr. Psd. 7684 Pfg., Rui)- und Rindfleisch pr. Pfund 7080 Pfg^ Schweinefleisch pr. Psnnd 7090 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 60-84 Pfg. Kartoffeln pr. 100Kg. 7.007.50 Mk., Zwiebeln per Pfd. 0,150,00 Alk., Milch per Liter 20 Psg., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Aepfel per Ztr. 000 Mk., Birnen per Ztr. 0000 Mk. Nüsse 100 Stück 0000 Pfg., per Ztr. 0-00 Mk., Kirschen per Pfd. 25-30 Psg. Marktzeil von 71 Uhr.

Die nach- A a p 7 I a swä am Sonntag, 20. Juni, nur von stehenden «vl £11 V 12 Lhr mittags bis 12 Uhr nachts für dringende Fälle sicher anzntrelfen : |DI8/S

|»r. Stuhl, Seltersweg 79 a. Dr , Wagner, West-Anhge 49. Konntag. d. 20. Jnrei von naebm. j" _ Ti g

4 Uhr bis 9 Uhr abends nur geöffnet:

Giessen, den ü>. Juni 1909. 1111 wmcipvi.lt'UIW.

Grossh. Polizeiamt. Beinhart. B«*/6

Auszug o. ö. Standesamtrregifteni der Stadt Eichen.

Aufgebote.

Juni 11. Wilhelm Fritz L'uöioig Petzold, Lokomotivheizer in Gießen, mit Marie Luise Burmeister m Hannover. 14. Friedrich Weber, Lokomotivheizer in Gießen, mit Henriette Rumps in Ehrings­hausen. Dr. phil. Heinrich Kiefer, Lehramtsassefsor in Darm­stadt, mit Maria Boß in Marburg. Friedrich Obermann, Lehr- amtsassesivr in Ober--Jngelheim, mit Martha Lepper in Gießen. 15. Reinhold Becker, Stationsschaffner in Gießen, mit Helene Brandenburger in Waldenbach. Karl Mark, Ingenieur in Gießen, mit Mathilde Baeurle in St. Georgen. Hemrlch Angust Haß, Bankbeamter in Gießen, mit Margarete Dorothea Johanna Fincke in Lüneburg. 18. Oswald Höhme, Glasereigeschästs- inhaber in Alügeln, mit Dorothea Rosenbaum in Gießen.

Eheschließungen.

Juni 12. Georg Häuser, Buchbinder, mit Marie Bieler, beide in Gießen. Wilhelm Müller, Kaufmann in Bad-Nauheim, mit Marie Braun in Gießen. Gustav Schmidt, Geiangenauiseher in Vtltzbach, mit Anna Teckmann in Gießen. 15. Franz Rein- kchmidt, Mechaniker, mit Wilhelmine Fl bring, beide tn Gießen,

Geborene.

Juni 6. Dem Maler Karl Öloll eine Tochter. Dem Schrift­setzer Karl Skrzek eine Tochter, Johanna. Dem Schreiner Bertold Walther eine Tochter, Elise. 8. Dem Artisten Heinrich Enders ein Sohn, Heinrich Adolf. 10. Dem Bauführer Friedrich Rein- städtler eine Tochter, Hildegard. Dem Wcißbindermeisler Ernst Petri ein Sohn. Dem Fahrradhändler Hugo Strohbach eine Tochter. 11. Dem Kolporteur Wilhelm Kähne ein Sohn, Wil- beim Kurt. Dem Attnariats Assistenten Anton Roth eine Tochter, Elisabeth Margarete. 12. Dem Taglöhner Friedrich Ernst Schiffner eine Tochter, Auguste Luise. Dem Prokuristen Hermann Will eine Tochter, Gertrude Pauline Aiachilde. - Dem Former Georg Heller eine Tochter. Dem Küfer Julius Wohlmann eine Tochter, Rosa Alma. Dem Maler und Anstreicher Wilhelm Büttner eilt Sohn. Dem Lokomotivheizer Heinrich Fendt eine Tochter, Anna. 13. Dem Laternenwärter Friedrich Schäfer ein Sohn, Hermann. Dem Oberleutnant Theodor Friedrich Firmenich eine Tochter, Emma Ruth. Dem Ommbuskutscher Heinrich Becker eine Tochter, Hermine Margarete Karoline Friederike. Dem Ingenieur Ernst Meckel eine Tochter, Leila Berta Luise. 18. Dem städt. Arbeiter Philipp Wasium, gen. Heeg, eine Tochter, Anna Susanne.

zur Fertigstellung des Darmstädter Heims zur freien Ver­fügung gestellt wurde.

Mainz in Front! Aus Berlin wird den ,M. N. N." geschrieben: Ein grau verhängter Tag, regendrohendes Gewölk uberm finsteren Flusse, und der Kaiser kommt nicht! Obgleich der Grünauer Ruder-Regatta so das Beste fehlt, die Sonne und der Monarch, hat sie doch wieder alle Wassersportsfreunde aus dem alten Fischerdorfe aus die Beine gebracht. Die Tribünen und die User sind übervölkert, übervölkert ist die Riesenflotle von Dampfern, Zillen und Booten, die bewimpelt und beflaggt die Bahn einsäumen. Wer scharfe Augen hat, kann weitere Menschenmassen auf der Hohe der Müggelberge erspähen. Man ist heute erregter als je soll doch heule die seit Wochen allzu voreilig immer be­jahte Frage beantwortet werden: Wird Hellas den Kaiser-Vierer zum vierten Dlale landen und damit den wertvollen Preis end­gültig an sich reißen? Die ersten Rennen, so interessant sie sind, dauern den auf die Sensation des Tages Erpichten zu lange. Wohl wird beachtet, daß Berlin gleich anfangs sich den Gasten nicht durch­aus überlegen zeigt: unser Wiking und die Stettiner Sport-Ger­mania gehen im Zweiten: Vierer nach herrlich erbittertem Kampfe gleichzeitig durchs Ziel. Niemand sieht ein böses Omen darin.... Die Alexandra, das weiße Kai|erschiss, dampft heran. Prinz Eitel Friedrich vertritt den gekrönten Freund der Grüuaner Regatta. Nun werden alle Hälse länger und die Augen wünschen sich Stiele. Während sonst die Aufmerksamkeit zwischen dem Herrscher und den Nennmannschaften hin und her pendelt, richtet sie sich heute aus­schließlich auf die Boote. Hellas ist erklärter Favorit, den Spindlers- feldern werden Aussichten zligesprochen. Sie haben den Ruhm und den Ruf für sich; auf die kraftvolle Jugend des Mainzer Schlag­mannes Lorenz Eismayers achtet man wenig. Trotzdem: WaS hebt für em Bransen an, als die Tausendwerter-Eckc passiert ist? Bisher hat Hellas unbestritten geführt. Aber je naher die Boote herankommen, desto denllicher wird es, daß Nummer drei versagt. Mainz schiebt sich vor. Mainz hat sie! Bord an Boro, ein ver- zweifeltes Ringen. Indessen, dein zwanzigiährigen Eismayer ist MollerS Reife nicht geivachsen. Die Hellenen fallen zlirück. Unter rasendem Jubel gleiten die Mainzer an den Tribünen entlang, vom Beifall zittert die Regenluft sie haben's! Der Sturm will sich

Gestorbene.

Juni 12. Philipp Benner, Stallmeister, 64 Jahre alt, Liebig- straße 55. 13. Wilhelmine Margarete Ehristiane Marr, 8 Jahre alt, Bahnhosstr. 29. 11. Margarete Heil, geb. Stephan, 61 Fahre alt, Sandgasie 40. 16. Georg Christian Roth, 6 Jahre alt, Bruchstr. 8. 17. Johann Weber, Taglöhner, 16 Fahre alt, Schützenstr. 18. Else Karoline Marie Benner, 2 Jahre alt, Große Mühlgasse 4.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

7,3° 6.

17. , 18.

Jtmi 1909

Barometer out 0° reduziert

fr

der Lull

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

18. \ 2"

753,8

17,7

8,8

59

N

4

Sonnenschein

18. 9

754,7

13,6

8.7

75

N

2

Bed. Himmel

19. | 7"

755,6

13,2

9,8

w

4

1 Höchste

Tentpc

vatur

IM 17

bis 18. Im

i -

18,4 6 C.

Verantwortlich L 23.: für Gcrichtssaal E. Anderson, für Stadt unb Land: Karl Neurath.

zunächst gar nicht legen. Es brüllen die begeisterten Unparteiischen; wilder noch brüllen die Hunderte, die Hellas den Atißerfolg von ganzem Herzen gönnen. So ein andauernd siegreicher Verein ver­letzt zu stark das Selbstgefühl der Konkurrenz, und die Sports- genosseil atmen auf, wenn er stürzt. Wie die Hellas-Mannschaften, die an beiden Negattatagen keinen Sieg zu erringen vermochten, hat Berlin überhaupt Unglück gehabt. Mehr als die Hälfte aller Preise ging nach alißerhalb. Süddeutschland zumal, das in den Atainzern und den Ludwigshafenern zurzeit unbestritten die besten Leute hat, _ schiebt sich an die Spitze des Rudersports. Unser Stolz und Hochmut müssen sich legen, für die nächste Zeit. Und den Süddeutschen wird ihren schönen Erfolg doppelt herzlich gönnen, wer ihre vornehme Kainpfart kennt. Eine so unwürdige Gesinnung, wie sie manche Vereine der Reichshauptstadt brandmarkt, findet bei ihnen keine Statt. Bei ihnen jagt man sich nicht mit unanständigen Mitteln die renntüchtigen Mitglieder ab, noch gibt es bei ihnen das abscheuliche Wandervogeltiim, das unailfhörkich von einem Klub in den anderen zieht unb berufsmäßig ben noblen Eportsgeist ver­giftet. Berlin muß diese Krebsgeschwüre ausschneiden, wenn eS auf der Höhe bleiben will. Leider haben die leitenden Manner des Ruderverbandes nicht den eigentlich selbstverständigen Mut dazu. Vielleicht wächst er ihnen jetzt, wo sie erkannt haben, daß die schönsten heimischen Schiebungen und Machenschaften Mainz nicht daran hindern konnten, in Front zu kommen.

Er weiß es auch nicht. In Danzigs Mhe, so erzählt man derTägl. Rbsch.", bekam ein tüchtiger Ver^ Walter einer königlichen Domäne von einer bekannten prenß. Oberrechnnngsbehörde die Anssordcrung zn berichten, ivic es sich erkläre, daß bei einem Bestände von 80 Kühen nur 60 Kälber gebucht seien; ber Verwalter, ein Feind alles unnötigen bureaukratischen Ballastes, besann sich turz und berichtete:Ich habe das Schreiben der Oberrechnuugs- behörde, betr, Anzahl der Kühe und Kälber auf hiesiger Domäne im Jahre . . ., dem Zuchtbullen vorgelesen. Er hat aber nur mit dein Kopf geschüttelt; offenbar kann er sich die Sack)e auch nicht erklären." Weitere Rückfragen erfolgten nicht. Die Geschichte ist noch gar nicht alt.

des

Handel

Börse, 19. Jnni, 1.15 Uhr.

115.00

190.00

154.00

Sacherlin

aber nur in Maschen, wo ^takale aushängen.

226.70

110.50

21.60

155.50

130.50

Elektriz. Lahmeyer Elektriz. Schachert

Börse, . 180.25

19. Juni. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk .

Laurahütte . . . , Lombarden E. B, « «

Nordd. Lloyd

Türkenlose . « «

95.30

85.75

95.25

85.80

94.50

, 117.75

. 124.6'J

. 191.90

99-90

99.40

95.65

62.60

64.00

98.80

95.80

93.10

146.80

50.00

89.75

66.50

99.00

Bochum Guss . . . . Buderus E. W. . . . Tendenz: ruhig.

Berliner

Cttnada E. B.....

Darmstädter Bank e Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . Tendenz: ruhig.

Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.

90.00

146.90

Frankfurter 8*Le/e Reichsanleihe . , , B°/, do. . . . 3V,e/o Konsols 3°/e do.....

3*/t0/0 Hessen . . . . . 3l/a0/0 Oberhessen . . . 4°/0 Gestern Goldrente. . 4/s°/o Oesterr. Silberrente. 4°/0 Ungar. Goldrente . . 4\ Italien. Rente . . . 3% Portugiesen Serie I . 3°/8 Portugiesen III . 4/,% russ. Staatsanl. 1905 4/t°/o Japan. Staatsanleihe 4°/, Conv.Türken von 1903 Türken! eso......

4°/0 Griech. Monopol-Anl. . 4°/0 äussere Argentinier . 3% Mexikaner .... 47,% Chinesen . . . ,

Aktien)

Tie Prinz Heinrich Fahrt lüos und der Continental Pneumatik. In langen Tourenfahrten über schwieriges Gelände hat sich von jeher der Continental Pneumatik aufs beste bewährt und eS gibt wohl keine größere Veranstaltung, bei der diese Reifen» marke sich nicht in glänzender Weise hervorgetan hätte. Die Prinz Hemrich - Fahrt 1908 zeitigt? folgende Ergebnisse: Der Sieger und die folgenden Sieben durchfuhren die 2200 Kilometer lange Strecke ohne jeden Defekt auf Continental Pne u- m a t i k. Fm Flachrennen unb Bergrennen benutzten die Sieger und die folgenden Zwei ebenfalls Continental Pneu­matik. Cnväbnt fei hier noch, dap die Herkomer - Konkurrettzen der Jahre 1905, 1906 und 1907 und das klassische (Semmeringrennen sogar seit 1901 alljährlich in ununterbrochener Reihenfolge auf Con­tinental Pneumatik gewonnen wurden. Gewiß ein seltener und eigenartiger Rekord, der die Güte eines Retsenfabrikateö nicht treffender illustrieren könnte._____________________________________(ssu/8

Eschweiler Bergwerk . .

Gelsenkirchen Bergwerk . 178.20

Hamburg - Amerik. Paket! H6.ÖO Harpener Bergwerk. . . 190.30 Laurahütte ......

Nordd. Lloyd.....

Oberschles. Eisen-Industrie Berliner fiandelsges. . . Darmstädter Bank . . .

Deutsche Bank .... Deutsch-Asiat. Bank . , Diskonto-Kommandit . . Dresdner Bank .... Kreditaktien .....

Baltimore- und Ohie-

Eisenbahn.....

Gotthardbahn . . . .

Lombard. Eisenbahn. . . Oesterr. Staatsbahn . . .

Prince - Henri - Eisenbahn .

181.00

89.80

98.00

172.80

132.20

242.30

153.20

186.90

163.80

200.90

Spazicrstöcae

Alle Reparaturen

SONNEN­REGEN-

ST Gebr. Waag T