Ausgabe 
17.11.1909 Erstes Blatt
 
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to Worms, 16. Nov. Der in Untersuchungshaft be- idliche Tagelöhner Selz er hat heute vor dem Unter-

Kleine Taaeschronik.

Ein heftiger Sturm hat gestern in Schlesien be­deutende Verheerungen angerichtet. Im r l i tz er Fo r ft sind etwa 100 000 Festmeter Stämme dem Sturm zum Opfer gefallen. In Rothwasser wurde ein junger Mamt von

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Göppingen, 17. Nov. Die Lederfabrik Bader wurde durch ein Großfeuer fast völlig zerstört. Auch größere Ledervorräte sind verbrannt.

Brett, 17. Nov. Mehrere Soldaten riefen gestern abend größere Exzesse hervor. U. a. schnitten sie einigen Passanten mit dem Rasiermesser die Nasen ab. Drei der Täter wurden in der Nacht verhaftet.

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(BcrtdbfsiaaL

-m. Bad Nauheim, 16. Nov. Wegen Beleidigung durch einen Artikel des -Bad Naubetmer S2hisciqer3* Halle der Rave(b meuter Wtnterstein gegen den iHebntteur Peter Di u l d P r l o a t k l a q e erhoben. Ter Arltkel halte den Vorwiirs ent­halten, die Musiker des Kurorchesters erhielten eüw zu geringe Be- zahlung, tvas tnnsoiveniqer veriländlich fei, als der Staat 53 250 Mk. für das Kurorckefter ausgebe imb mir 35 000 Mk. von WinlerUem für Gagen zur Aiiszahlmig gelangten. Diilth bestreitet die Absicht, Kapellmeister W beleidigen' zu wollen, ihm fei es allein daran' angekommen, die soziale Lage her'Dhifiter ms rechte Licht zu stellen. Wegen Wahrnnq beieditiqter Interessen komme ihm deshalb bei § 193 zugute; werde ihm dieser Paragraph nicht zugebilligt, sei er bereit, den Wahrheitsbeweis für (eine Behauptungen m vollem Um'ange anzutieten. Tas Gericht erkannte Mull) der formellen Beleidigung für nicht schuldig und sprach ihn von Strafe und st oft en frei. Tie Kosten des Verfahrens, einschließlich der dem Beklagten entstandenen notwenbigen Auslagen, wurden dem Privat­kläger auferlegt. Der Vorsttzenbe begründete bas Urteil dahm, zwar habe Binth die Autorschaft beS Aitilels zugegeben, aber ihm stunde der Schutz des § 193 zu, da er in Wahrung berechtigter Znleiesseu und in Wahrung ethischer Pslichien gehandelt habe. Unter diesen Umständen könne dem Aiigeklagten eine Beleidigung formeller Natur nicht nachgeiviesen werden.

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entern ausgehvbenen Tor ers cblagcu. In viel« Fabrikttr mußte der Betrieb eingestellt iverden, da die eiet- trischen Leitungen zerstört nxtren.

leitet ii land die feierliche G r il n d ft e i n l c g u n g des künftigen leipziger -d a u p t b a h n b o f S statt.

In der Zigarrenfabrik von Metzger in Grötzingen (»ml Turlachi wurden durch den 23 jälyrigcn Arbeiter La» Vetter zwei Zigarrenarbeiterinnen hinterrücks ntebcrgcfLorixu, loeil sie sich weigerten, an einem non Vetter veriuilaßtt-n Streik teilzunehmcu Tie beiden Frauen starben an ihren Verletzungen, -ter Atorder erhängte sich in seiner Wohnung, nachdem er sich mehrere ^tubc beiqebrad)t hatte. j «

Iu DI ess, na wurde gestern früh em leichter, nachmittags ein starker Erdstoß verspürt, durch den mehrere 'Hauern uub Trüilimerreste einstürzte. Tie in Unruhe versetzte Beoölkermig verließ ihre Häuser.

Amtlicher Wetterbericht.

Oefsentliche Wetterdienststelle Gießen

Allgemeine Wetterlage heute morgen 8 Uhr. Tas ^ud licht Tiefbrncfqcbiet hat über Nacht ganz Mutel-, Süd- und Ost-Deutsch- land m eine Winterlandschaft verioanbell. Während in den Ebenen 4 cm »Md mehr Schnee gefallen sind, erreicht die Schneedecke m den Bergen schon in 700 m Seehöhe 50 cm nnb darüber. Taunus und Vogelsberg melden gute Schibahn.

Welteraussichten in Hessen am Donnerstag dem 18. November 1909: Aii'heiterung und ziemlich starker siroft. ?!ördliche Winde.

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Die parlamentarische Krise in England.

L o n d o n, 17. 'Dtoü. Nach der Mstimmung des Ober­hauses über das Budget wird der Premierminister der begründeten Annälsme zufolge im Unterhause eine Ent- schließung cinbrinaen, welche das Vorgehen der Lords ver­urteilt und erklärt, das Unterhaus habe allem das Recht, ich mit den ©teuerfragen zu beschäftigen. Der VcrMch der Lords, die Auflösung des Parlaments &u erzwingen, wider­spreche der Verfassung. Man wird den Gegenstand sodann, lvie ferner angenommen wird, eine Woche zurück st eilen und ihn wahrscheinlich in den Konferenzen der Parteiführer meiter verfolgen, nm inzwischen die weniger strittigen Steuern rechtskräftig zu machen.

ttri Mann stark.

8. Lautem i. O., 16. Nov. Der hier anfofhge :<j Jahre alte Landwirt ArraS hat gestern seine Di en st- ,iagb erschossen. Arras steht in zweiter Ehe und hat ;;.rau und fünf Kinder. Er soll der Vater von zwei außer- chelichen Kindern des erschosfenen Dienstmädchens sein. Die lörschossene erwartete ihre dritte Niederkunft und auch hier­von soll ArraS der Vater fern.

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Deutsche Luft chiffabrls-Eksellschoft.

In der Wohnung des Oberbürgermeisters Abickes zu 'Frankfurt a. M. bildete sich vorgestern die Deutsche Luf tschif fahrt-Attienges ellschaft mit einem Kapital von drei Millionen Mark. Den Vorstand- biCben die Herren: Direktor Lols mann, von der Luft- sichifsbangesellschast Zeppeuu «Friedrichshafen und Rechts anwalt Tr. Andreac. Zum Aufsichtsrat gehören u. a.: Cbcrbütgcnnciftcr Tr. Adickes - Frankfurt a. M., Vorsitz, Oberbürgermeister Marx - Düsseldorf, Oberbürgermeister Wallraf - Köln , Oberbürgermeister Fieser - Baden-Baden, Oberbürgermeister G.'h. Rat Beutler-Dresden, Oberbürger-

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w. FrQnksurt a. M., 16. Nov. Die Stadtverordnereii- versammlung beschloß heute einflimmig, den Magistrat zu ersuchen, gegen die für das Reich geplante Werr- -nwachssteuer vorstellig zu werden. Völlig verlaufen starb vorgestern der 76jährige Scl>neidcr Johann Lang- guth in seiner Manfarden-Wohnung in der großen Sand- gasse. Cr führte ein sehr kärgliches Leben und galt für lütter arm. In seinem Nachlaß wurden jedoch außer einem geringen Bardetrag an Wertpapieren mehr als 15000 Mk. gefunden, die von der Amtsanwal.schäft beschlagnahmt wurden.

(DriginaktDrafyfmclfcungen«

Die Reform der bayerischen Retchsratdkammcr abgelehut.

München, 16. Nov. In der Nachmittagssitzuna der Kammer der Abgeordneten begründete M u c l l c r - V o f (Ltb.) einen Antrag auf zeitgemäße Reform der Retchsrats- kammer, nach welchem die Vertreter der einzelnen vaupt- erwerosgruppen, die freien Berufe, die tzochlchulen und Städte Sitze in der Reichsratskammer erhalten sollen.

Geiger .Zentrum) gab zu, daß der Wunsch nach emer zeitgemäßen Reform der Rcichsrätekammer an sich berechtigt sei, aber das Recht der Krone, nachdem diese selbständigen Ein­fluß auf die Zusammensetzung der Kammer habe, könne unter der Regentsclmst nicht preisgegeben werden .

Mueller- München (Sozialdemokrats _ trat für die ganz- lidje Beseitigung der Kammer der Reichsräte ein. V r i e g e r (Freie Vereinigung) erklärte, seine Partei stimme dem Anträge zu.

Ter Minister des Innern, von Brett re ich, führte aiis: Die Beseitigung der Rcichsrätekammer sei . unannehmbar. Das Zweilammersystem bestehe in allen Kulturstaateu. xer untrag schließe zweiseilos eine Beschränkung des Eruennungsrechtes der Krone in sich. Die Frage sei deshalb wahrend der Regentschaft größter Vorsicht zu bel^andeln.

Nach kurzer weiterer Debatte wurde der Antrag Mullcr-Dof den Sttmmen des Zentrums und der Sozialdemokraten gegen. Liberaleii und die freie Vereinigung abgelehnt.

entdeckt. _ , ,

Straßburg i. E., 17. Nov. Nach der jetzt erfolgten Beendigung der Luftschiffmanöver in l n sollen die beiden Luftschiffe P. I und M. II dieser Tage nack) Metz überführt werden. Bei ungünstigem Wetter werden die Luftschiffe mit der Bahn befördert. Z. II bleibt einstweilen noch in

Go tha, 16. Nov. Die Fortsetzung der Luftreise des P. III wurde endgültig aufgegeben. Der Ballon wird entleert und mit der Bahn nach Bitterfeld geschafft.

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Tuttlingen, 16. Nov. Bei der Landung des schweizerischen BallonsMars" geriet ein kleiner Knabe unbemerkt unter die fallende Ballonhülle und er­stickte. Er wurde erst nach einigen Stunden als Leiche

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P den XtreiSamtinann Muhl vertreten, der eine Herz. «he Ansprache hielt und dem Bürgermeister Fatum daS ihm Ivcm Gcoßherzog verliehene Ehrenzeichen für langjährige -nie Dienste am Bande des PhilippsordenS überbrachte, »rrr Beigeordneter Wolf erhielt eine ehrenvolle Belobigung -reb das KreiSamt.

P Schlitz, 15. Nov. Zum 150. Geburtstage Frie- ,ch Schillers veranstaltete der Verein zur Förderung der 4«meinen Bildung gestern abend in der Turnhalle eine Seiet. ßSfnet wurde sie durch einen von einer Dame gesprochenen Pro- ,a folgte der Priestermarsch aus Athalia. Die besten hie- ÜV,'n musikalischen Ärästc hatten sich zur Verfügung gestellt und 'Xn Vorzügliches. Die Glanzleistung des Abends war ;edensalls , Festrede von Aktuariats-Assistenten Peppler. In schwung-

Vortrag beleuchtete der Redner das Leben und Schäften Äillers Reicher, nicht endenwollender Beifall lohnten den Ätecher Weiter kamen zum Votttag die LiederAn den Früh- und An die Freude": die von einem Toppelguartett s.hr 7 vorgetragenen Lieder hatten jedoch sichet noch mehr Bei- .vr gefunden, wenn sich eine den räumlitiKti Vethaltniften ent- »eckende größere Anzahl Sänget beteiligt hätte Seht reichen 3>;faH sanden auch die SchülerchöreReitttlied undMit Pfeil, dem Bogen", sowie die von Schülern der höheren «raetschule und Volksschule vvrgettagenen Deklamationen, Epi- vn aus derGlocke", Monolog und Melchthal-Szene aus Iilbelm Tell". Als musikalische Genüsse, welche noch geboten »7rden, sind zu nennen Trio Nr. 2 Satz II von Beethoven >u»d Trio Nr. 6 Satz I von Haydn.

L. ^riebbera, 16. Nov. Unsere herrliche Stadt- Ikirche, der sog. Wetterauer Dom, welche erst im vorigen ;chre ein neues Orgelwerk erhielt, wird jetzt auch Heizung «kommen. Kirchenvorstand und Gemeindeverwaltung haben dafür ausgesprochen. Die betreffenden Pläne liegen den oberen Behörden in Darmstadt vor, an deren Genehmigung .,ohl nicht zu zweifeln ist. - Ende der nächsten Woche wird icr eine zweite Schillerfeier stattsinden. Ste geht vom trbrerfeminar au5 und wird mit der Feier von Groß. «rzogS Geburtstag verbunden. Es ist dieBraut von Ressina' in Aussicht genommen. Der Chor ist über hun-

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uäMngsrichter ein endgültiges Geständuts abge­rat Rach seiner Aussage ging er am Mittwoch nachmittag ?u Frau Scheid, die dabei das Ansinnen an ihn stellte, den Üikbrer Kruger um^ubringen, worin er schließlich einwilligte. Frau Scheck) gab Selber fünf Mark, um ein Rasiermesser m kaufen, das Selzer dann auch erstand, worauf er zu Frau Scheid zurückkehrte, die bann mit dem Lehrer KTuger fort- c.inq mit dem Bemerken, daß sie ihn betrunken machen wolle. Selzer hielt sich unterdessen in einer Kammer ver­borgen. Spater kam Frau Scheid mit Kruger zurück,, der itd) in trunkenem Zustande schlafen legte. Selzer wurde setzt von Frau Scheid aufgefordert, bie Tat auszufuhren. irr trat vier- oder fünfmal in die Sckslafftube, doch fehlte ihm zunächst der Mut, die Tat auszuführen. Endlich packte

. er Kruger an dem Kopf, hielt ihn fest und schvß dem Schlafenden eine Kugel in t:~ .

brachte chm den Schnitt in den Hals bet. Nachträglich bat auch die neunjährige Tochter der Frau Scheid erklärt, baß ihre 9)hitter nachts mit einem Manne im Zimmer petvefen sei. Selzer verließ nach der Tat das Haus.

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