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17.11.1909 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 17. November 1909

Erstes Blatt

159. Jahrgang

Die heutige Nummer umfa&t 12 Seiten.

Bezugspreis monai!ici)7d'yL,Dtertel- jährlich Pft. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Bi.; durch die Post Mk.2. viertel- jährL ausfchl. Beileilg. Zeüenvrers: lokal 15 Bi, auswärts 20 Pienuiq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich füi den politischen Zeil: August

Kleines Feuilleton.

Schillers Rössel. Bon einem A-reimbe unseres $(atte3 wird uns geschlichen: Schiller baue in Mannheim vielen Äniganq mit dem nachmaligen Ho'schauspieler 'DliiUer in Wien inb brachte bei ihm manche« Abend in Geietlschait der Diann-- leimer Schauspieler und der Gattin Müllers zu. Wenn die enberen sich aber entfernten, forderte er häufig noch Weiii, Kaffee, Tinte und Papier und schrieb die Nacht hindurch Szenen z»> seiner TragödieKabale und Liebe". Müller fand ihn dann gewöhnlich Les Morgens aus einem Lehnsessel in einer Art von Starrkrampf, Io daß er ihn einmal sogar wirklich für tot hielt Die Gattin des Schauspielers Beek fragte Schiller einst, ob tlpn nicht die Gedanken ausginaen, wenn er so die ganze Nacht dichte? .Das ischt nit anders", antioorteie Schiller, der damals noch ganz den breiten, schwäbischen Tialekt sprach,aber ichaun's, wenn die Gedanken ousgehen, da mal' ich Rössel". In seine« Ma«ustr:pte« sind auch chuze Seiten, auf die er nichts als kleine Pferdchen u>id Männchen Hekritzelt bat. Wenn nun in der Folge irgend eine Stelle in Schillers Arbeite« Frau Beek nicht gefiel, fragte sie ,Hn scherzend: .Ta haben Sie wohl Rössel gemalt ?

- Björnson i « Paris. Björnstjeme Björnson, über dessen Gesundheitszustand in den letzten Wochen besorgniserregende Nachrichten bekannt wurden, ist vor ein paar Tagen in Paris em- «trofien, um bei der Kunst medizinischer Größe« Rat und Hilft zii hieben. Gleich einem Monarchen hat der greife Dichter bie^Fahrt juriicfgelegt; der König von Tänemai£ hatte ihi« feilte« Salon- vage« zur Verfügung gestellt und im Salon des Königs war das Bett auigefchlagen, in dem Björnson die Sieiie unternahm. Ein llrzt. zwei Krankenwärter und em däntfcher Ei;enbahn-Jnfvektor gegleitete« de« Zug bis «ach Paris. Ein Franzose, der dem Dichter -l'5 Köln entgegengefahve« war, schildert imMatm" feinen 6m- tt'uck. Der kühne Sänger und streitfrohe Politiker, der noch im Öveifenalter der leideuichaftliche Jüngling blieb mit de« lebhafte« ortreiBeiiben ehesten und de« großen leiichteiiDcii Auge«, in denen ^er Wiedeiichei« hoher Gedanke« flammend lohte, er lag teilnahius- auf feinem Feldbett, müde und gebrochen. Die Reoe, die sonst Die ein Sturzbach von seinen Lippen fließen konnte, gleitet miihiain 4ab halblaut dabin. Doch in den Augen glüht noch das alte 3eucr 2nb die jugendlich wache Kraft des Geistes ist durch das Leiden ^>es Körvers ungebrochen. 6r spricht von seiner Liebe zu ,<rank- :eich, bem er so viel schuldet und da§ für ihn ein zioeues Later anb geworden sei; bann aber spricht er von Norwegen und eine oerbaiiene, wehmütige Bitterkeit liegt zwischen feinen Worten. /Jlein wirkliches Vaterland, Norwegen, macht mir jetzt fchmerzliche morgen. Sie wissen, daß ich feine Unabhängigkeit erjehuie, daß

Die deutsch-englische Annäherung.

Dr. Theodor Schiemann, Professor der Geschichte an der Berliner Universität und Bearbeiter der auswärtigen Politik in derKreuzzeitung", schreibt auf eine Anfrage einen Brief an dieNeue Fr. Presse", dem wir folgende Stellen entnehmen:

Ob Verhandlungen zwischen Deutschland und Englandzur Anbahnung guter Beziehungen zwischen beiden Staaten" statt-

Nr. 270 ter Stetzener Anzeiger erscheint täglich, außer sonntags. Beilagen. Die imal wöchentlich kictzenerZamillcnblätter; .weunalwöchentl.ri'eir- dlaN für den Ureis Sietzen (Tienstag und Freitag); .weunal monatl. Land' virtfchastliche Seitsrazen

ich mit der Feder und mit dem Worte für seine Autonomie ge­kämpft habe. Aber jetzt, da die Demokraten am Ruder sind, denke ich mit weher Erinnerung an die Pergangenheit zurück. Wie? war dies das so beiß ersehnte Regime? Eine der letzten Sorgen dieser Partei, die ich so liebte, verblüfft mich und zerrecht mir das Her;. Tie Demokraten wollen die Schriftsprache, die Sprache, die Ibfen sprach und die Grieg vertonte, durch die Volkssprache ersetzen ! WaS würden Sie sagen, wenn bei Ihnen die Sprache Racines und Victor Hugos durch niederbretonisch ersetzt werden wurde? Ach, als Achtzigjähriger gezwungen zu fein, sich von denen ab­zuwenden, bereit Triumph man während des ganzen Lebens er­sehnte, das ist eine bittere Enttäuschung! So alt zu fein und dann das zu vergleichen, was man erträumte, mit dem, was wird, das ist traurig ..."

Fortschritte der Fernphotographie. Der in Berlin lebende Physiker Ernst R u h m e r hat in Paris das Mwdcll eines Apparates anfertigen lassen, der eine Erweiterung des Korns chen Fernphotographie-Dersahrens bezweckt. 9(ul hinein noch geheim gehaltenen Wege ist es Ruhm er gelungen, eine Selen, zelle herzustellen, die auch für allerfeinste Belichtmtgsveründe- rungen empfindlich ist. Ein am Geberorte auf eine Wandfläche geworfenes Bild wird mit allen Licht- und Schatten­fein hcitcn durch den Draht übertragen. Die Aus­führungen des für die Brüsseler Ausstellung bestimmten Apparates erfordert für die Herstellung großer Naturaufnahmen sechs Mil­lionen Franken.

Ein Schauspielerfest auf einem Ozean­dampfer. Eines der interen'anteften und eigenartigsten Feste, das das deutsche Bühnenvolk bisher veranstaltet hat, ein Fest, wie es in dieser Form tvohl überhaupt noch nicht da war, slirdet, wie dem Bert. Bors. - Cour, aus Hamburg geschrieben wird, im kommenden Frühjahr dort statt. Die Veranstaltung, zu der unter Führung des Hamburger Oberregisseurs Hermann Gu r a idwn heute die Vorbereitungen getroffen werden, findet auf einem großen Ozeandampfer statt. Der Umstand, daß so viele große Künstler heute ihr Glück jenseits des großen Wassers suchen, gab die Anregung dazu, und Direktor Ballin, an den man sich desweoen wandte, gab denn auch bereits feine Zusage, durch Her­gabe eines feiner größten und schönsten Schiffe das Zustande- bringen des Planes zu ermöglichen. So wird denn das Fett der Deutschen Bühnengenossenschaft in Hamburg aus dem Schnell­dampferAugusta Viktoria'' von statten gehen, der mit seinen

Der Poftantunftsftcmpel!

DerBerliner Lokalanzeiger" meldet, das Reichspost- imt wolle den PostanlunftsstemPel bei Ein­schreibsendungen und Eilbotenbriefen wieder än führ en, falls sich ein tatsächliches Bedürfnis hierfür Herausstellen sollte.

Es ist doch wirklich erstaunlich, was das Reichspvstamt Ach alles leistet. Seit Monaten wird über den Fortfall des Asnkunftsstempels auf das lebhafteste geklagt, und wenn man im Reichspostamte Zeitungen lesen würde, so müßte man längst davon überzeugt sein, daß es schwerlich je eine Neuordnung gegeben hat, die in der Handelswelt sowohl als auch bei dem übrigen Publikum so viel Klagen und kleryer hervorHerusen hat als gerade die Beseitigung des sAnkunstsstempels. Man kann darüber wirklich nichts Neues Kehr vorbringen. Und nun kommt das Reichspostamt und toi eint, falls sich für besondere Sendungen ein Bedürfnis herausstelle, wolle mp.ni den Postankunftsstempel wieder erführen! Dieser lal)me Entschluß wird allgemeines Kopf- fchitttcln Hervorrufen und nur insofern einen Lichtblick eröffnen, als die Hoffnung besteht, daß die geistesabwesende Leitung des Reichs Postamtes doch vielleicht wieder auf die Erde zurückkehren wird. Daß man, um Arbeit und Personal zu sparen, an eine der besten und zweckmäßigsten Einrich­tungen unserer ReichÄpost Hand anlegte, das war kein Heldenstück, Oktavio!

gesamten Räumen an diesem Tage der Festgefellfchaft gehört. Kleine Salondampssr werden die Teilnehmer zu dem tm Ham­burger Hasen liegenden großen Seeschiff hinüberführen. Me ersten Hamburger Künstler werden das Schiff zu diesem Tage schmucken und an die gesamte deutsche Bühnenwelt sollen Emladungen zu dem Ozeanfeste gelangen.

Ter Sonnensec des Mars. Camille Flmnmarftm, her bekannte Bvrstrl>er der Pariser Sternwarte, äußert sich jetzt im Herold zu den in letzter Zeit ausgestellten Behauptungen, die von einem furchtbaren Unglück auf dem 2)tar5_ sprachen.

bisher hauptsächlich überraschte, war bre stete und schnelle Ver­änderung des üluSsehens am Mars. Diese Veränderungen tonnen noch nicht beurteilt werden, aber sie haben sicher Seme unheilvolle Bedeutung, sie spielen sich weder gewaltsam noch Pto&Ucb ab. Tie Verschiebung der Pole, die anscheinend so leb haste Befürch­tungen weckt, kehrt alljährlich wieder. Dagegen smd andere Vor­gänge auf dem Mars noch völlig rätselhaft, vo etwa dte Ber - änbenntgat in jenem Marslande, das man den Loimensee genannt hat Ties ist ein runder oder ovaler Flecken, etwa von der Größe Frankreichs. Aianchmal erscheint dieser Fleck ganz rund, manch­mal länglich, manchmal einfach, manchmal doppelt, dreifach u,w. Er ist von zahlreichen Kanälen umgeben und auch diese verändern sich je nach den Jahreszeiten. In diesem Jahr imo die Wand­lungen besonders deutlich gewesen, wenngleich noch mcht deutlich genug, um sie zu erklären. Ist das Wasser oder Pflanzenwuchs! Aber aus allem schließen wir nicht auf ein Ende des Mars, sottdern im Gegenteil auf eine wunderbare Lebenskraft. Der Mars ist eim lebende Welt, wir sind nur noch nicht imstande, sie deutlich genug zu beobachten. Aber es ist kein Zweifel, daß wir eines Tages über tue Mittel verfügen werden, um unserem Wissensdrang DcftLdigung zu schaffen."

Preisrätsel in der Theat erbaut e sind setzt das allemeuefte Lockmittel bedürftiger Bühnenleiter. Wie aus Paris gemeldet wird, hat man damit (bei dem jedenfalls geistloien Zu­schauerkreis. T. Red.> sehr guten Erfolg erzielt. In den Pauien wird der Vorhang mit einem weißen Tüch vertauscht, aber nicht letzende Bilder erscheinen und auch nicht mißfarbene schreiende Anzeigen: auf der Fläche tauchen allerlei bunte sinnvolle Bilderrätsel auf. Das Publikum wird eingeladen, die Rastel zu lösen, und die Scharfsinnigen, die darin am erfolgreichsten sind, erhalten Preise, hübsch geschlissene Flaschen mit Blumenduft, Zt- garetter.tafifen, Facher oder auf Wurst h auch Freikarten zu anderen Vorstellungen des Theaters. Die Bst'ucher sind von der 'Neuerung e n t z ü ck t (!) und man findet letzt beinahe, daß die Pausen eigene

gewesene« Franzosen? So weil |ie voneinander wohnen, unu so weil ihre politischen Anschauungen voneinander verschie­den sind, fie haben einJJiet, die Zertrüm - merung des mit B i s tna rcks Hilfe erbauten Deutschen Reiches; jene Elsässer, um wieder zu Frank­reich zu kommen, schieben nach Westen und erwarten die passende Gelegenheit, um in Tätigkeit zu treten, diese in Frankfurt, um ihnen die Wiedererlangung des Elsaß zu erleichtern, unterwühlen die Stützen des Reichs, indem sie die Liebe zu Fürst und Vaterland dem Volk aus dem Herzen reißen. Beide Teile haben von Molcke gelernt: Getrennt marschieren, aber vereint schlagen zweierlei Wege, aber ein 3ieL Ich meine, da soll en doch jedem Vater- landsfreunde die Augen aufgehen, und alle, die sich zu den staatserhaltenden Parteien rechnen, sollten, wenn sie auch zwei- oder mehrerlei Wege gehen, ebenfalls^ein Ziel im Auge behalten, die Erhaltung, Stärkung und Festigung des Reichs, daß es die Krisis übersteht, die ihm droht von außen wie non innen. Wo so offenes Spiel gespielt wird, da muß das nicht schwer sein, da hat der deutsche Michel keine Brille nötig.

Ter Tarifvertrag für do8 Baugewerbe.

Vom Deutschen Arbeitgeberbund für das Bau­gewerbe wird uns geschrieben:

Die Verhandlungen über das neue Tarifvertrags­muster für das deutsche Baugewerbe sind dieser Tage vor­läufig beendet worden. Irgend eine Verständigung über die Abänderungsanträge habe« diese ersten Verhandlungen nicht gebracht. Es hat sich herausgestellt, daß eine ganze Reihe von Punkten besteht, bei denen sich die beiden Parteien diametral gegenüberstehen. Die meisten Anträge der Arbeit- nehmer-Oraanifationen sind für die Arbeitgeber voll g unannehmbar, andersei:s haben die Arbeitnehmer ins­besondere gegen die Forderungen der Arbeitgeber, welche sich auf die Regelung der Arbeitszeit, auf die Sicherstellung der Aktordarbeit, die Agitation auf den Baustellen, die Regelung der Arbeitsnachweis'rage beziehen, den schärfsten Widerspruch erhoben. Jedoch sind gerade diese Beitimmun- gen so wichtig, daß die Arbeitgeber von dem Zugeständnis derselben unter feinen Ums. and eu ab gehen Lnncn.

Es sind also vorläufig recht wenig Aussichten für eine erfolgreiche Beendigung der Verhand­lungen vorhanden. Die Parteien haben verabredet, die Verhandlungen später wieder aufzunehmen, sich aber über einen Termin für die Fortsetzung ihrer Beratungen noch nicht ausgesprochen. Inzwischen sotten die lokalen Verhandlungen in den einzelnen Bezirks- und Ortsverbänden stattfinden, in denen die für jeden Bezirk besonderen Bestimmungen über Lohnhöhe, Einteilung der Arbeitszeit. Kündigung usw, er­örtert werden sollen. Diese Verhandlungen werden in der Regel in den einzelnen Bezirken Deutschlands nach dem 15. Dezember beginnen. Mtt Rücksicht auf die große Be­deutung des Baugewerbes für unser gesamtes gewerbliches Leben wäre es dringend zu wünschen, daß die Verhandlungen zu einer friedlichen Verständigung führen und unferm Wirt­schaftsleben tm Frühjahr nächsten I hres bie schweren Er­schütterungen so umfassender gewerblicher Kampfe erspart bleiben.

zernjprech - Aiüchlüffe:

General-Anzeiger für Gberheffen WG

sjü" di? Tagesnuinmer Rolationrdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steiufrruderci B. Lange. Reöaftion, Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. A«zeige«'teü^'H."Äck.

bis vormittags 9 Uhr. _____ .

finden wie Sie anfragen könnte natürlich nur von einem der beiden Auswärtigen Aemter kompetent beantwortet werden. Soviel ich sehe, ist bisher nur von der Interessengemein­schaft beider Mächte im Hinblick auf die Verwirklichung der vom Kongostaat übernommenen, aber nicht ausgeführten Ver­pflichtungen die Rede. Die Reden des Staatssekretärs Dern- bürg tragen nicht den Charakter offizieller Kund­gebungen, sondern scheinen vielmehr bestimmt, der Genn- nung weiter Kreise, die in England auirichstg gute Beziehungen von Staat zu Staat wünschen, Gelegenheit zu bieten, sich vor einer weiten Oesfenstichkeit zur Geltung zu bringen.

Die Schwierigkeit einer diplomatisch formuliertenVer­ständigung" scheint mir darin zu liegen, daß es bei unzweifelhaft vorhandenen Gegensätzen sich weniger um Tatsachen handelt als um ein M trau en, wie es seit Jahren von englttckier ^ito, und zwar zum Teil durch Drohungen, die bald verhalft, bald offen auftraten, gegen Deutschland großgezogen worden ist. Den drasttschsten Beleg dafür bot die Luftschiffpanik des vorigen Jahres. Wir sind babei durchwegs in der Defensive geweien und haben es trotzdem mehr als einmal ausgesprockfen, daß ein Zusammen­schluß beider Mächte die natürliche Lösung böte, durch roelche ew gewurzelte Vorurteile überwunden werden könnten. Wie die wigc heute liegen, steht England tatsächlich an der Spitze einer Koalition, von der wir, mit Recht oder mit Unrecht, annehmen, daß sie sich gegen uns richtet. Nach Racconigi ist das gleichsam triumphierend von Organen der Ententemächte ausgesprochen worden, wobei die lautesten (Stimmen von Osten her erklangen. , .

Daß Deutschland nicht durch Drohungen bewogen werden kann, die Verteidigungsmaßregeln aufzugeben, die es zum Schutze seines Händels und seiner Küsten nach reiflicher Erwägung für irotroenbig befunden hat, ist ivohl als erwieseti zu betrachten und, wie ich annehme, auch in England erkannt worden. Dem­nach bliebe, wenn an der Vorstellung von der deutichen Gefahr drüben festgehalten wird, nur die Wahl zwischen dem Nieder^ k ä m p f e n und der V e r st ä n d i g u n g. Unglücklicherweue nimmt aber England in dieser letzten Frage einen ganz eigentümlichen Standpunkt ein. < < r Ä

Es behauptet nämlich, mit Frankreich und stmtzlatio sei tute Verständigung möglich gewesen, weil England sich diesen beiden Staaten gegenüber in scharfem Interessengegensatz befunden hatte: diese Gegensätze habe man ausgeglichen unb daraufmn feine En­tenten abgeschlossen. Wo aber seien die 3nterci{entTagen, m welchen eiit Ausgleich zwischen Deutschland unb England herbei geführt werden könne? Sie. seien nicht zu ftnden.

Nun ist nichts falscher als diese Behauptung Stoss zu enter Verständigung gibt es nur allzuviel. Zunächst tarne da dte Ko- loniatpolitik in Afrika in Betracht, um SBeifbiele zu nennen, die Frage der Walftschbai und Katangas, in Auen die Frage der Bagdadbahii und überhaupt die orieirtaluche Frage: tm fernen Osten hat erst kürzlich die Frage der Eifenbahnen Gegen­sätze aezeiat, die mit gutem Willen beseitigt werden.konnten, uiid so fort, wer mit gutem Willen, den BodM für erne Ver­ständigung sucht, bem kann es nicht fehlen. Diesen guten Willen aber finden wir in den leitenden Sretien Englands mcht unv deshalb scheinen mirVerhandlungen" vorläufig tm höchsten Grade unwahrscheinlich." ei . ,

In diesem Briefe sind interessante Punkte, und wir geben ihn wieder, weil er auch ein Stück Stimmung in unseren politischen Kreisen wiederspiegelt. Selbstverständlich sind die Schwierigkeiten, welche gerade einer Verständigung zu Be­schränkungen der Flottenrüftungen begegnen, hier nicht einmal ungebildet. Wir lesen übrigens heute auch in der ^Köln. Volksztg/ einen Artikel, der vor einer Flottenversländigung mit England warnt.

Der üeuüch-schwcherische NiederlaffuagLoertrag.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In der vorigen Woche fanden in Bern zwischen deutschen und schwerzertschen Delegierten Verhandlungen über die Revision des bestehen­den deutsch-schweizerischen Niederlassungsvertrages vom 31 Mai 1890 statt. Der Vertrag regelt die Beotngungen für die Niederlassung der Angehörigen des Deutschen Retches

politische Lagesschart.

Zweierlei Wege und ein Ziel.

Vom Lande erhalten wir folgende Zuschrift:

In letzter Zeit haben zwei Vorkommnisse die Aufmerk­samkeit in Anspruch genommen, das eine int Reichsland, wo in Mühlhausen in einem häufig von Offizieren besuchten Gasthaus die Marseillaise mit großer Begeisterung gesungen und die deutsche Nationalhumne ausgepfiffrn wurde, oas andere in der ehemaligen freien deutschen Reichsstadt Franl- furt a. M., wo am 14. d. M. der Baumeister des Deutschen Reichs und dessen erster Kanzler am Fuße seines Denkmals von zwei Rednern unter bem Beifall einer mehrere tausend Köpfe starken Versammlung öffentlich verhöhnt wurde. Tie im Reichsland waren gewesene Franzosen, denen die ruhige deutsche Art für ihre unruhige Natur nicht paßte, die in Frankfurt a. M. waren gewesene Deutsche; denn wer den Mann, der uns erst ein mächtiges starkes Reich vorbereitet, und dem deutschen Volk die Wege gewieselt Hai, es zu erreichen, der selbst mit seinem König und Herrn Hand in Hand in diesem Werk gegangen ist, wer den Mann als Unterdrücker seines Volkes verunglimpfen kann der ist teilt Deutscher mehr. Tie Vertreter der öffentlichen Gewalt haben in beiden Fällen verschieden gehandelt: im Reichsland haben sie den Anstifter des Skandals jofort über die Grenze geschickt, mit Recht: auf den Schweizerbergen kann er Marseillaise litt Frairzösisch und Deutsch singen. In Frankfurt dagegen haben sie den Unfug ruhig gewähren taffen, sie haben den Dr. Ouarr' seinenQuark" breittreten lassen. Etwa mit Recht? Ja, ganz mit Recht! Solcherlei Ausbrüche dürfen nicht hinter verschlossenen Türen laut Kerben, bie müssen in jedermanns Ohr dringen, tie müssen tzeigen, was unser Deutsches Reich für Männer in sich birgt, solcherlei Ausbrüche müssen jedem, der sein Vaterland lieb hat, Schamröte ins Angesicht treiben, sie müssen auch dem Ruhigsten das Blut in Wallung bringen, sie müssen in ihm das Gelübde wachrufcn: Mit solchen Genossen kein Bund, lieber mit jedem anderen! Tenn Mas ist das Ziel dieser gewesenen Deutschen und jener