Zweites Blatt
Samstag 17. Juli 1909
Nr. 105
159. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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kleines Feuilleton
Nicht besser ergeht es
verworien und aus dem Bilde verbannt.
Damals gastierte der berühmte Geigenkünstler
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die moralische Einheit unö die hakespeare tuirb erbarmungslos
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Berichten das Gegenteil ermittelt, sind Marktberichte natürlich nicht richtig und nicht zutreft'end. Herr Schreiner, der ia sehr tätig ist, aber selten Zeit har, die Gießener Viehmürkte zu besuchen, hat feine Ahnung, mit welcher Gewissenhaftigkeit, wenigstens hier in Gießen, von den Vertretern der Presse die Marktlage scstgestellt wird. Ohne eigenes Interesse werden Käufer wie Verläufer, vandelslcute und Metzger, natürlich nur Personen, zu denen man daS Vertrauen hat, das; sie obiektiv urteilen, gefragt nach der Preis- und Marktlage und aus den erteilten Antworten bildet sich der Marktberichrerstatter sein Urteil über die Tendenz deä Marktes. An den für das Vieh bezahlten Preiseir kann er allerdings nichts ändern, hier hält man sich an Tatsachen und diese ergeben, das; in den letzten 4—6 Wochen Fetwich billig zu haben! war, nicht nur in Gießen, sondern in ganz Deutschland. Herr Schreiner bestreitet ,ia nicht unumwunden, daß er s. Zt. vergeblich versucht hat, den Preis für Schweinefleisch in Gießen, in die Hohe zu treiben; er will nur unfern Gewährsmann für diese Angabe wissen. Wir wollen den Lesern des Gieß. Anz. die Mitteilung machen, daß Herr Schreiner selber aus der Schule geplaudert hat. Gr schimpfte damals auf die Schweine-Metzger, die seinen Vorschlag, die Schweincsleiscl>prcise zu erhöhen, abgelehnt hatten und unterschob diesen dabei das Motiv, sie wollten: billig verkaufen, um ihn kaput zu machen. Auf Befragen an einwandfreier Stelle wurden uns dagegen sehr vernünftige Gründe mitgcteilt, weshalb unsere Schweinemetzgcr die Preiserhöhung ob- gelehnt haben.
— Vom Leipziger Stadttheater. Die Stadtverord- " ■ ~ r. — Zustimmung des
Volkner, den
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
zeugung, daß der große Brite Harmonie des Ganzen störe" ;
Jt Dürbeck,
. . -.'ik Kiif <1
Adgeordneier ffifann über die politische Lage.
Darmstadt, 16. Juli.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=f@51. Redaktion: 113. Tel.-2ldr.:AnzeigerGießen.
die AuStnalnng eines Louvre-SaaleS übertrug und dabei als Thema die Apotheose Homers stellte, erfüllte er dem Künstler damit einen seiner geheimsten Lebensivünschc. Aber das Werk iollte innerhalb Jahresirist auögeiührt werden. Ingres entwarf so'ortPläne und vollendete dann das Gemälde, doch in späteren Jahren bc- schäsligte ihn das Thema immer ivieder von neuem. Er betrachtete das Louvre-Gemälde gewissermaßen als eine Vorstudie, entwari neue Kompositionen und traf immer wieder eine neue Auswahl unter den Poeten und groben Künstlern, die seiner Ansicht nach tvürdig waren, bei einer Apotheose HomcrS verewigt zu werden. Shakespeare hatte er in das Bild von 1827 ausgenommen, doch nicht aus innerer Ueberzeiigung, sondern einzig „aus menschlicher Achtung". Er stellte ihn zwischen Giulio Romano und Jean (tzoujon. Als er 1840 wieder neue Entwürfe plant, kommt er zu der Ueber-
mternationale wissenschaftliche Vereint
Tie „Lietzener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöcheiitlich beigelegt, das '«reisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Kanzleigeist ist vielleicht wirksamer als aller zornmütige Ernst.
— Kleine Chronik aus Kun st u ri b Wissenschaft, Siegfried Wagner teilt mit, die von den meisteti Pariser Blättern gebrachte Nachricht, die Große Oper stehe mit Frau Cosima Wagner m aussichtsreichen Verhandlungen, um „Parsioal" in Paris aufzuführen, ist völlig erfunden. — Der ehemalige Tenorist Nierzwinski, der Mitte der achtziaer Jahre viel gese.ert wurde unb die höchsten Gehälter erhielt, ist im Alter vons GO Jahren in Paris gestorben. Er nährte sich zuletzt notx dürftig durch Unterricht, nachdem er schon icüher gezwungen war, eine Stelle als Pförtner in Cannes anzunehmen. — DK
Landwirtschaftskunde hielt vorgestern in .
Sitzung ab, um die Vorbereitungen zu besprechen für den im Mai 1910 in Brüssel abzuhaltenden internationalen Kongreß für koloniale Landivirtschastskunde. — Matleussi, der Direktor des Cb|civnlorium5 auf dem Vestw, ist gestorben.
fl» n g für Paris ihre
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gehen können. Daß die nationalliberale Partei vorübergehend ine Opposition gezwungen wurde, werde ihrem Ansehen nichts icliaben, sondern nur nutzen. Daß der Block nicht lange halten .ia rbe, habe er, Redner, von vornherein gewußt. An seiner Zertrümmerung habe er aber niemals Mitarbeiten wollen. Tmt neuen Reichskanzler wünsche er ein umfassenderes Wissen und
neten-Versammlung in Leipzig beschloß unter Rates, dem Pächter des Stadtthealers, Direktor Theaterfundus für 300 000 Mk. abzunehmen, sowie chhilich für Ncuanschassungen den Betrag von 33 350 Alk. aus der Stadlkasse zu zahlen, ferner den Pachtzins vom 1. Januar ab zu erlassen und einer Erhöhung der Eintrittspreise znzustimmen. Direktor Volkner hatte erklärt, daß er ohne diese Aenderunaen den Pacht- vertrag nicht aushalten könne, ohne sich finanziell zu ruinieren. Er habe in den letzten vier Jahren über eine halbe Million Mark
SM ” ®tarter, junner 6» Zagdantei!. e Feldjagd, in der N ■6en§ und Eisenbahnslal-r ofort abzugeben. Schc. ^bote unter 4066 an k Öener Anzeiger erbeten.
einen festeren Willen, wie Bülow ihn hatte. Das; er die neuen Gesetze unterzeichnet hat, sei lein gutes Odium für ihn, da er doch der eigentliche Blockminister war. lieber seine Stellung zur Sozialdemokratte äußerte Redner, daß seine Partei nach wie vor glaube, daß die Wohlfahrt des Vaterlandes über die liberalen und demokrattschen Ideen hinweggeht und nicht über die sozial- demokrattschen Ideen. Die nationalliberale Partei stehe dem Freisinn um ein gewaltiges Stück näher als die Sozialdemokratie. Seine Partei werde stets gerne mit der nationalliberalen Partei zusammenge Heu, wenn sie so bleibe, wie sie jetzt ist. (Beifall.)
Zur Diskussion sprachen weiter die Herren Delp (Sozialdemokrat), der der Meinung Ausdruck verlieh, daß die bürgerlichen Parteien selbst schuld seien daran, wenn den Konservativen, der Machtkitzel geschwollen ist, und sich bann über die Stellung der Sozialdemokratie verbreitete. — Reallehrer K a h l sprach der nationalliberalen Partei Anerkennung aus, daß sie in den Fragen der Finanzreform fest geblieben ist. Redner schlägt folgende Resolution vor: Die heute im „Schützenlwf" in Darmstadt tagende, von Wählern der verschiedensten politischen Parteien besuchte Versammlung spricht dem Abgeordneten Dr. Osann und mit ihm der nationalliberalen Partei des Reichstages für die bei Beratung des Ecbsclmftssteuergesetzes bewahrte Stellung, sowie für die in Gemeinsamkeit mit den anderen Iinksliberalen. Parteien versuchte energische Bekämpfung einer verwerflichen, volksfeindlichen Steuermacherei der klerikal-konservativ-polnifchen Mehrheit dankbare Aiierkennung aus.
Diese Resolution wird unter lebhaften Bravorufen fast einstimmig angenommen.
Obertelegraphenassistent Herbert dankt ebenfalls für die Vertrettrng der Interessen der Postbeamten. Nach einem Schlußwort des Reicl)stagsabg. Dr. Osann, in dem dieser u. a. dem Gedanken Ausdruck gab, daß der Block in irgend einer Form wieder kommen müsse, und der $>offmma, daß feine Partei in Zukunft in mehr Punkten mit den linksliberalen Parteien zu- sammengelnni könnte, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf das Vaterland geschlossen.
zugesetzt.
— Ein Ungeheuer aus der Tertiärzeit. Aus Belluno wird berichtet: Der Pfarrer von Ponte nette Alvi, der em eifriger Geologe und Paläontologe ist, stteß bei Nachgrabungen, die er bm Piave-User vornehmen ließ, auf em mächtiges Knochengerüst. Da die Freilegung sehr schwierig schien, so verständigte er die Universität Padua von seinem Funde. Sofort begaben (ich mehrere Professoren an Ort und Stelle und gaben ihr Gutachten dahin ab, daß es sich um ein mächtiges Ungeheuer aus der Tertiärzeit handle. Tie Ausgrabungen werden mit aller Vorsicht fortgesetzt.
— Goethe unb Shakespeare vor Ingres' R ich t erst u hl. In einem soeben in Paris erschienenen Luche über ben Meister bet klassizistischen Malerei Frankreichs gibt Boyer b'Agen einen interessanten Einblick in die charakteristische Zähigkeit, mit der Ingres alle aus feinem Wesen unb seiner Runit hervor- gegangenen unb daher ost einseitigen Anschauungen ucrieidigtc unb ui die Wirklichkeit urnsetzle. Von Anfang an war der ületucc von Montauban em begeisterter Anhänger HomerS; als Karl X. ihm
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— Ter falsche Paganini. Vor einem halben Jahrhundert, am 17. Juli 1859, starb ein in der deutschen Theater- ne.1t einst recht bekannter, origineller Nlann, der das eigentümliche Tadieust hatte, Heinrich Laube zum Bühncnfchriftstetter gemacht ■i$u haben. Es war im Jahre 1829, Laube studierte m Breslau und war nebenbei Theaterkritiker der „Aurora" und der ,,Bres- Irier Zeitung". Damals gastierte der berühmte Geigenkünstler jfB-iganini in Breslau mit solchem Erfolg, daß alle Welt von nichts anderem sprach, als von dem gespenstitchen Geiger, ^as brachte bei jugendlichen Komiker AugustWilhelmJust auf den Einsal, sich als falschen Paganini in Szene zu letzen. Laube er- zählt: „Eines Morgens trat ein Schauspieler atemlos in mein Zimmer. „Ich bin fertig!" keuchte er, „ich bin fertig! Nun helfen Sie mir!" — Wozu soll ich helfen, »wenn. Sie fertig sind? — Er war fertig mit feiner Rotte und ich sollte ihm das Stück
Md des Gleibergs zum Geschenk gemacht, das am heutigen Samstag b r Generalversammlung überreicht wirb. Damit zieht )tigere zukunftsreiche moderne Künst auf der alten Veste ein — im wahrlich feinem schlechten Vertreter. Fritz von Wille lsik zu Ruhm ge-lauat, weil er ein moderner Künstler von Eigenart in seiner Technik unb der Wahl seiner Vorwürfe ist. Das ch'rrakterisiert vor allem feine Bilder aus ber Eifel. Wie .'Hara Viebig für bie moderne Literatur, hat er die eigentümliche Schönheit dieses bis dahin künstlerisch fast unbekannten Landes riir die Malerei erobert. Die großen Züge der Landschaft dort
'.le eine gut pÄni&Dlate zStzZÄ! ben ®iphp„LDoJ,c Ul'ier te er:' fen. jjnÄ iu r
Tennen seinem Trieb nach brumalisch.'r Stilisierung entgegen. Das s)-ych'lanb zieht in größteii Wellen, deren ruhevolle Linien schrosf urterb rochen werden durch Vulkankegel mit erloschenen Kratern oäer durch tiefe walb- und fettreiche Täler. Oft steht Wasser n den Kratern, das gibt ganz eignen düsterfarbigen Reiz. Es gehört ein ganz außerordentlich feines, man möchte fast sagen, -Lmbrandtisch begabtes ober wenigstens an Rembranbt geschultes Tuge dazu, um den innerhalb einer begrenzten Farbenreihe so u^.udlichru Reichtum von Farbennüaneen dieser Landschaft zu lassen. Das Gleibergbild ist 1892 gemalt, also aus der Zeft ber ersten Regungen moderner Malerei. Die Burg ist, um ihren monumentalen Eindruck zu steigern, in düstere, durch schwere Rolfen abgeblendete Beleuchtung gesetzt, die sich in der weiteren ifeme auflichtet und so mit dem bild einwärtsführenden Hohlweg dem Bilde Raum und Tieft gibt. Die Kraft, mit der der Himmel enpfundcii und modelliert ist, das feine Gefühl für Silhouette,
zu dieser Rolle schreiben. Er hatte nämlich sicht und seine Geige so lange gequält, bis er die hauptsächlichsten grellen Kunststückchen Paganinis nachahmen konnte. Nun wollte er in der Maske des berühmten Geigers auttreten, womöglich in einem eigens dafür geschriebenen Stücke . . . Und wirklich skizzierte ich mit jener beneidenswerten schöpferischen Frechheit der Jugend noch im Lause des Vormittags das ganze Singspiel. Ein ebenso behender Komponist, Holland, machte binnen zwei Tagen aus lauter Paga- ninischen Motiven die Musik dazu, und nach acht Tagen ward ausgeführt: „N i e o l o Z a g a ni n i, der große Virtuos!" Das war das erste Stück, das von Laube auf die Bretter kam. Das Stück fand Beifall uiid bestritt für einige Jahre die Existenz des Schauspielers Just, der damit durch ganz Teutsckstand reifte. Freilich, als dies Feld dann abgegrast war, war es auch mit der Künsttercxistenz Justs übel bestellt. Wie Paganini Meister auf der 6-2aite war, so hatte auch Just nur eine Seite, auf der seine Kunst anklingen konnte. Er war ziemlich verkommen und vergessen, als er dann zwanzig Jahre später wieder zu Laube, ber inzwischen Wiener Hofburgtheater-Tirektor war, ins Zimmer trat unb um Anstellung bat. Laube machte ben erfahrenen Theaterprakttker zum Inspizienten und Komvarsenbirektor und- bekennt, daß Justs „fabelhaft wuchernde theatralische Phantasie" ihm manchen „ersprießlichen Wink" geschenkt hat. Er war unermüdlich in der Sorge dafür, baß alle feierlichen Auszüge, Volksaufläufe, Zusammenrottungen, Schlachtengetümmel usw. mit Genauigkeit von statten gingen, unb er soll auf biesem Gebiete ähnliche Mittel zum Einstudieren der Statisten angewandt haben, wie sie später bei den Meiningern üblich waren.
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Gießener Anzeiger
Seueral-Anzeiger für Gberheften
Zur Zrage Ser Mschpreise
wird uns geschrieben: Gestatten Sie dem Artikelschreiber zum letzten Mal das Wort in einer Angelegenheit, an der bie Mehrheit unserer Bewohner bas größte Interesse hat. Herr Metzger- meister Fritz Schreiner geht in seinen beiden Auslassungen um den eigentlichen Kern der Sache herum. An der Art und Weise, wie bie Presse Marktberichte bekommt und rote solche entstehen, hat die Oefftntlichkeft kein Interesse. Wir stellen fest, baß feit Ende Mai b. bie Preise für Schlachtvieh (außer für Schweine) erheblich! Herunterginyen. Wenn Herr Schreiner etwa zu teuer eingekauft hat, wie bres nach seinen Angaben ber Fall sein muß, io ist das seine Sache. Man hat nur nötig — abgesehen von der Durchsicht der Marktberichte aus ganz Deutschland — sich an die Landwirte zu roenben, wenn man über Viehpreise sprechen will. Ferner stellen wir fest, baß die Garnison für die Lieferung vom 1. Juli bis 31. Dezember d. I. von den hiesigen Metzgern freiwillig einen Abschlag zugebittigt erhielt. Will etwa Herr Schreiner behaupten, daß unser Militär nicht Fleisch bester Qualität geliefert bekommt und womit will er überhaupt begründen, daß man den andern Fleischkonsumenten in Gießen erheblich höhere Preise im Laden abverlangt als der Garnison. Tas ist des Pudels Kern. Tie Behauptung, daß unter den hiesigen Metzgern eine Art Vereinigung besteht, die eine freie Konkurrenz im Metzgergewerbe und damit eine Verbilligung des Fleisches verhindert, bestätigt übrigens Herr Schreiner ganz glatt. In seiner letzten Auslassung schreibt er: Wir suchen Den Mittelweg zu halten uni) wenn auch bie Verkaufspreise -einmal etwas höher find etc. Wer sind denn wir? Toch bie Metzger in ihrer Gesamtheit. Die Fleischkonsumenten werben sich bies merken. Herr Schreiner sott boch bas Fechterkünststück unterlassen, bas er sich in seiner letzten Auslassung leistet. Er hat sich nämlich inzwischen vergeblich nach Marktberichten .umgesehen, um zu beweisen, was er wegen ber Konjunktur ber Viehpreise behauptet hat. Nachbem er aus biefen
— Ein Bild bes Gleibergs von Fritzvon Wille. Der Maler Fritz von Wille hat bem Gleibergverein ein großes
Goethe; trotz aller Bemühungen französischer Goelheverehrer, bie ben Pleister immer roieber barauf Hinweisen, baß bei einer Apotheose Homers ber deutsche Olympier nicht fehlen dürfe, bleibt Ingres unerschütterlich: auch Goethe wird verbannt. Für den Klassiker Ingres sind die Berührungspunkte Goethes mit der ihm so verhaßten Romantik unverzeihlich. Dagegen weist er Mozart, dem „Raffael der Musik", den er in feinem ersten Bilde vergessen hatte, einen Ehrenplatz zu und er behält auch Michelangelo bei, den er darstellt: „in Gedanken versunken, viekteichl gepeinigt von Gewissensbissen, wenn er daran denkt, daß er bem Kult ber Antike nicht immer treu genug geblieben war".
— Titulatur-Unwesen. Unter bieser Ueberschrift veröffentlicht der Bürgermeister Klein zu Leichlingen in den Zeitungen feiner Gegend folgende Bekanntmachung vergnüglich- ironischen Inhalts: „In neuerer Zeit sind die Fälle oesonders häufig aewefen, in denen die Absender der an mich gerichteten Briese sich abmühen, mir bie Art meinet Geburt in Erinnerung zu bringen (Anrebe Hochwohlgeboren, Wohlgeboren u. s. >v.) Ta derartige Feststellungen seitens dritter doch sehr gewagt erscheinen, und ich zudem nicht das Bedürfnis empfinde, eine rein private Angelegenheit amtlich erörtert zu sehen, bitte ich, in Zukunft ähnliche Aufschriften auf Briefen fallen zu lasfeii." Diese jpöitisch-lustige Art des Kampfes roiöer altfränkische Schnörkel und umständlichen
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Ans Stadt itttfc Land.
Gießen, 17. Juli 1909.
" Eilzuge auf bcrMain-Wescr-BaHn. Finanzminister GnautH Hat an ben LanbtagSabg. Damm nach- steHenbeS Schreiben gerichtet: „Ew. Hochwohlgeboren beehren wir unö auf die in ber 12. Sitzung ber Zweiten Kammer ber Landstänbe vom 4. März l. IS. gegebene Anregung auf Vermehrung ber zuschlagsfreien Eilzüge auf ber' Main-Weser-Bahn ergebenst mitzuteilen, daß nach einem von bem hessischen Mitglieb ber Eisenbahnbirektion Frankfurt a. RI. eingegangenen Berichte vorn 30. v. M. eine Verrnehruiig ber Zahl ber auf ber Strecke Friebberq—Frankfurt n. M. verkehrenden zuschlagsfreien Eilzüge irn Winter-Fahrplan 1909/10 nicht zu erwarten ist." Bei bem fiskalischen Stanbpunlt ber preußischen Eisenbahn-Verwaltung nicht anberS zti erwarten.
** Stadtthcater. Die Operette „Prima Ballerina", die am nächsten Dienstag zur Aufführung gelang!, dürfte besonderes Interesse erregen, da sie augenblicklich ihren Weg über die größeren Bühnen nimmt. Die Operette, die schon im Frankfurter Opernhaus sehr gefallen Hal, ist jüngst auch in Dresden mit durchschlagendem Erfolg aufgeführt worden. — Die Handlung hat zum Sujet bie abenteuerliche Liebes- und Fluchlgeschichte der itili.nifdjrn Tänzerin Barbarina, die unter Friedrich dem Großen an der Berliner Hofoper als Prima Ballerina engagiert war. Die Vorkommnisse, die in dem Stück behandelt werden, sind größtenteils geschichtlich, hätten doch die fortwährenden Bemühungen der Barbarina, sich ihren kontrakllichen Verpflichtungen zu entziehen, beinahe zu einer tragikomischen Haupt- und Slaatsaltion des großen Königs geführt. Die heitere Handlung wird illustriert durch eine melodiöse Musik von ausgesprocheii liebenswürdigem Charaltei. Ter Erfolg der Operette ist schon dadurch verbürgt, daß unsere Bühne in Irl. Großkopf eine prädestinierte telrelerin füc die Titelrolle besitzt, wie es auch der Textdichter Max Rei-
Jn einer sehr zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung Wtt heute abend Reichstagsabg. Dr. Osann einen Vortrag lioer die» politische Luge und die neue Reichsfinanzreform. Die ' tlere sei leider nicht in dem Sinne zustande gecommen, in bem | e von ber Partei gewünsckft würbe, unb namentlich bedauere r'an bas Scheitern "ber Nachlaß steuer unb ber Erbanfallsteuer. ,-ie Steuersätze barin seien im Hinblick auf bas Ausland unb Egesichts ber Reichsfinanznot sehr mäßig gewesen und ber Ein- -(inb, baß durch diese Steuer ber Familiensinn zerrüttet werden rnirbe, fei völlig haltlos. Redner erklärt, er bedauere auf bai ! bhaftcfft' baß infolge ber Umftänbc zwei lprctzveibiente alte 'lüglieber der Partei ausgeschieben sind, aber selten sei ein •roang in ber Fraktion so frrubig begrüßt worben, wie ber der > atwnalliberalen in bczug auf bie Erbschaftssteuer. Die Konscr- itiwn, die den Sturz des Fürsten Bülow herbeigefuhrt haben, - -jögen das nrit ihrem Gewissen verantworten. Die National- l beraten hätten von ihm ein strafferes Eintreten für bie Finanz- -sormvorsckläge erwartet, aber man müsse besonders seine Ver- ! i-ienfte in ber auswärtigen Politik anerferaten und ben großen 'jrfoTg, ben er der Sozialdemokratie gegenüber zu verzeickm.cn ibc, die unter feiner Leitung auf 43 Köpfe im NeichstaA reduziert uurdc. Der Redner beleuchtet bann bie einzelnen Steuerarten \-*t neuen NeickMfinäuzreform und bie Stellung der National" : fetalen baM. Der neue Reichskmizler habe bet aften Parteien , ne günstige Aufnahme gefunden; er sei ein freier Geist mit umfassenden Kennttüssen unb freimütiger Sluffassung ber Dinge, nie sich bei ber vorurteilslosen Beurteilung bes Vereinsg-esetzrs -zeigt habe, schade sei nur, daß er sich bisher ganz von frer r. iflinärtigcn Politik fern gel;alten habe. Redner bedauert bann, btiß bei Annahme ber Besolduugsorbnung nicht mehr für bie '.osttmterbeamten und Assistenten erreicht werben konnte. Die i; itioualliberale Partei 'habe bie Erbschaftssteuer auf ihre Fahne 1: o schrieben und halte daran fest, weil sie bie einzige, zur Zeit i. ügliche sozial-gerechte Steuer sei, bie auch immer wieder kehren i.erbe, wenn bie Nvt bes Neicksts rüst. (Lebh. Beifall.)
Dem Vorttag schloß sich eine sehr lebhafte und interessante Debatte an.
Oberpvstafsistent Kolb meinte in ber Diskussion, die Pvst- 1 D<anrten feien eigentlich ein Opfer der politischen Verhältnisse i»worden. Es sei ihm aber ein Bedürfnis, den Parteien, die M >ia Postbeamten in ihrem schweren Kampf unterstützt haben, ■ sn erster Linie der nationalliberalen Partei und besonders Herrn W Dr. Osaim, herzlichsten Dank auszusprechen.
Pfarrcr Korell führt aus, es sei eigentlich nicht Sitte, ■ .’cü der Gegenkandidat eines Abgeordneten in dessen Versamm- '1 i mg geht, um seinen politischen Standpunkt zu vertreten, doch i Der gegenwärtige Aloment so wichtig, daß eine Ausnahme K ।'rechtfertigt scheint. Er verbreitete sich dann seinerseits über ■ bi: gegenwärtige Parteikonstellation und sprach seine Freude bar- W u. .icr aus, daß bei Dr. Osann keinerlei Gefühlsüberschwang Platz W -.griffen, daß er vielmehr als ruhiger unb sachlicher Politiken ■ niito)cfi-cn hat. Er sei heute int Auftrag seiner Partei hierher- :< !'ommcnA um ben Führer der hessischen Nationalliberalen zu ■ hören, nicht um ihm irgendwelche Schwierig reiten zu niadjcn, | ' -. im das wäre falsch bei einer Partei, von deren Wafftirorüber- . ur'iaft ber Freisüm in Hessen in Zukunft boch abhängig sei. Der r reif hm ioerde seine zukünftige Stellung zur nationalliberalen i'I (Partei davon abhängig machen, welchen Standpunkt sie zu den U Ywcrrcn v. Hehl unb Oriola cinnehmen werde. Nur wenn hier H ''rite reinliche Scheidung eintritt, daß diese Herren keinerlei Ein- ■ i'iiß mehr erhalten, werde man mit der nationalliberalen Partei
BÄ ÄS« chergevenzu lassen,
Uh. M
füc ben Wechsel der Bodcngestaltung, bas sind künstlerische Werte d-cs Bildes, Die hoffentlich schon am Sonntag auf recht viele Besucher des Gleibergs einwirken werden. Uebrigend ist bas Bilb — das ist bürchaus nicht unwichtig, zu erwähnen — außerorbent- lü) gut durcl) Karl L. Leib in einen einfachen, diskreten Nahmen ins sä)warz gebeiztem Eichenl)olz gefaßt. Gute Bilder sind ein b-rvorragerrbcs Erziehungsmittel, das wissen bald schon alle. Und b'Timt möchte ich in biesem Zusammenhang gleich bie Anregung cerssprechen, bie Stabt Gießen möge eine kleine Stabtgalerio h -ssischer Meister schassen. Das konnte ja tteru angefangen werden, iLjcr es wäre auf jeden Fall bei ber raschen Preissteigerung guter Kunstwerke eine vortreffliche Kapitalsanlage.
Christian Rauch.


