Ausgabe 
19.10.1909 Erstes Blatt
 
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Abhärtung und Winterfkiöung.

Mhärtungsfanätitcr gefallen sich darin, im Winter I leichte Kleidung zu tragen, tungegen warmtialtende für i unverzeihlichen Luxus zu erklären. Es gibt Leute unter ; ihnen, die ohne Beschwerde sogar zwischen Eisschollen . Icr.imschwiiümcn können; erinnert sei nur an Ernst -Mahner, der in den sechziger Jahren des vergangnen Ja' chunderts längere Schwimmsahrlen während des Eis- fianges im Rhein äussührte. Aber wie schätzbar ein gewisser Mad von Abhärtung gegen Kälte sein mag, so gereicht doch das llcbcrtrcibcn des heroischen Kampfes dem Körper all­mählich zum Nachteil. Ucberhaupt ist die Fähigkeit, siä, ab uHärten, bei den einzelnen Individuen so sehr ver- 'chieden, das; von einer bestinirntcn Norm gar keine Rede cm kann. Erfahrung und wissenschaftliche Untersuchungen aben erwiesen, daß der Körper bei leichter Kleidung im hinter zu einer größeren Wärmeproduktion veranlaßt, hier- durch fortgesetzt aus das Aeußerste angestrengt und dern- -ntsprecheiid schneller abgenutzt wird, als wenn er warm befleißet wäre. Natürlich zwingt die größere Warmepro- duktion zu einer reichlicheren Ernährung; es ist gerade so dic beim Ofen, der, je mehr Hitze oon ihm verlangt wird, nm so mehr Kohlen verschlingt. Leichte Kleidung hat also im Winter noch den ökonomischen Nachteil, die Lebensweise ;u verteuern. Eine warme Winterkleidung kann der Mensch wensowenig wie das Tier entbehren. Tie Vögel sind ge- chützt durch den unter und zwischen den Federn steckenden Flaum, und die meisten Säugetiere durch einen Pelz, der m Winter eine dichtere Behaarung als im Sommer an- ninunt Flaum und Pelz sind schlechte Wärmeleiter sie verhindern, daß die vom Körper ausstrahlende Warme all- inschnell an Die äußere kalte Luft abgegeben wird.

Ganz denselben Zweck sollen die Winterkleider erfüllen sie werden am besten aus Materialien verfertigt, die rls Wärmeleiter schlechtester Art bekannt sind. Tahin ge- ört Schafwolle, und diese wird denn auch am meisten iir unsere Winterkleidung benutzt. Daß Wolle zu den schlech- esten Wärmeleitern gehört, hat schon um die Wende des x Jahrhunderts der Physiker Graf Rumford sehr sinnreich I estgestellt. Er hing ein -Quecksilberthermometer in der Axe lnes unten als Kugel endigenden Glaszylinders so aus, caß Der Mittelpunkt Der Thermometerkugel m der Mitte Der Glaskugel lag. Den Zwischenraum zwischen beiden KU- , <;eln füllte er mit Schafwolle an. Alsdann steckte er den 1 ranzen Apparat in kochendes Wasser und hierauf in eine .'iältemischung von gestoßenem Eis und Salz. Und nun be- . pachtete er Die Zeitdauer, Deren Die Wolle beDurfte, um \id) um hunDert Grad Eelsius abzulühlen. Es ergab sich, * Laß diese Abkühlung in 11^8 Sekunden erfolgte. In ganz ; derselben Weise prüfte er eine Reihe anderer Materialien. < hierbei stelUe sich heraus, daß zur Mtühlung um hundert £ aad Eelsius tzasenhaar 1312, Eidcrdauncn 1305, Biber- ।eil 1296, rohe Seide 1254, Taffet 1160, Baumwolle 1046, feiner Flaä;s 1032 und gedrehte Seide 917 Sekunden be- i.oiiglen. Acithin ist 5)asenhaar unter den vorbezeichneten I Materialien Der schlechteste Wärmeleiter, hält also am wärm- s en, und ihm schließen sich Der Reihenfolge nach an: Eider- i rannen, Biberfell, rohe Seide, Taffet, Schafwolle, Baum- iuolle, seiner Flachs und gedrehte Seide. Der erhebliche llntetfcljieo zwstchen roher und gedrehter Seide läßt erken­nen, Dc.,; Die Verarbeitung Deö Materials aus Den ge- tuigcrcii oDer höheren Grad Der Wärmeleitung von bedeu- - t en Dein Einfluß ist. Auch die Qualität des Materials spielt cme Rolle. Das Haar der Schafwolle ist auf der Ober- j lüc'ye mit Schuppen besetzt und bildet in seinem natürlichen Zustande eine Menge wellenförmiger Bögen: je dichter und | regelmäßiger die Schuppen stehen und je feiner, dichter und I regelmäßiger Die wellenförmigen Bögen erscheinen, um so I i.csfer ist Die Wolle unD um so wärmer hält sie. Viel- I gekräuselte, Dicht beschuppte, leicht sich verjilzenDe Wolle " itüD dn Streichgarn und Dann zu tuchartigen Geweben, | hingegen Wolle aus längerem, weniger gekräuseltem Haar 5 zu Kammgarn unD dann zu glatten Geweben verarbeitet. : Und so wärmt 'Tuch mehr als Kamingarngewebe eine I urWahrung, Die wohl jeder sck>on selbst gemacht hat.

Literarisches.

De rKatalog Der Vereinigung der Kunst-- jreunbf", welcher Die Neuerscheinungen aus Dem Vereinsjahr 1909 10 enthält, bringt keine erstickende Fülle von blind und kritiklos znfanuncngetragcNLii Glücken, sondern nur wenige, dafür niKT gan?i hervorragende Nieisterwerte, die alle in Autotypien Qi>gebilDet und chren Stoffeii wie malenid)cn Qualitäten nach | rr.ft wenigen Worten beschrieben werden, so Daß man einen guten

Begriff von ihnen erhalten, sich auch ut Ruhe und Muße mit ihnen vertrcnU machen kann. Ter Preis Der aufgeführten zu enverbenben einzelnen Blätter, die den Originalen an Farben­wirkung völlig gleichwertig Zind, schwankt zwisck)en 7,50 und 60 Mark und ist für Mitglieder der Vereinigung, Die den geringen Jahresbeitrag von 20 Diark zahlen, iwch erheblich niedriger. Tizian und Lenbach, Andreas Achenbach und Hermann Kaulbach, Gabriel Max und Eugen Kampf, Paul Flickel und Ariwld Böcklin sind, um nur die wiclüigften zu nennen, mit je einem ausgezeich ncten, ihre künsllerisch>e Eigenart scharf zum Ausdruck bringenden Bilde vertreten, Böcklin sogar mit einer ganzen Mappe. Tic Mappe enthält denEinsiedler", Den-So mm er tag", dasSelbst­bildnis mit dem Tode", denFrühlingsreigen", DieHirtin bei ihrer Herde" und dien>ilDe FelsgegenD", also durchgängig Werke ersten Ranges, die mit großer Sachkenntnis so gewählt und, daß die ganze Eigenart des Meisters in technn'cir-malerischcr wie in poetisch-künstlerischer und kompositioneller Beziehung gut zur Gel­tung kommt. Hier war von der Teckpiik sirr die Wiedergabe der Farben gewiß so manches Problem zu lösen, um das tiefsatte Grün der Bäume und Matten, das glühende Blinken der Blumen, Die unergrünDliche Tiefe Des fchwarzblauen Wassers, den leuch­tenden Azur des wolkenlosen Himmels, kurz Die ganze Mannig­faltigkeit und Vielseitigkeü des Kolorits zu zeigen. Die Den Haupl- reiz und Den faszinierenden Zauber Böcklinscher Bilder ausmack>en. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, können wir hier nur feststellen, daß nc^ch den uns zugegangenen Probeexemplaren auch diese Drucke glänzend gelungen sind. Ter Katalog der Vereinigung der Kunstfreunde ist ein Katalog, wie er sein soll; kürz aber inhaltreich. Dabei übersiclülich in Text und Abbildungen. Tas Heftchen wird jedem Interessenten von derVereinigung Der KunstfreunDe", Berlin W., Markgrasenstraße 57, kostenlos und portofrei auf Wunsch zugeskellt.

Mürkre.

Kartoffelmarkt-Bericht vom 18. Oktober 1909. Dortmund: Rote Taber 0.00- 0.00, andere rote Sorten 0.00 bis 0.00, Magnum bonum 2.800.00, weiße runde 2.400.00, Gelbfletschige blaue 0.000.00, rote 3.00 0.00, weiße 0.000.00. Hagen i. W.: Role Daber k. 0.000.00, andere rote Sorten 0.000.00, Magnum bonum 2.800.00, weiße runde 2.350.00, Gelbfletschige blaue 0.000.00, tote 0.00O.UO, weiße 3.700.0», Kempen: Rote Taber 0.00-0.00, andere rote Sorten 2.700.00, Magnum bonum 2.40 bis 0.00, weiße runde 0.00-0.00, Gelb­ste ischige blaue 0.00.0.00, rote 0.000.00, weiße 0.00O.Oo. Krefeld: Magnum bonum Blk. 2,102.30, weiße runde Mk. 0.000.00, Gelbfleischige rote Alk. 2.302.50, weiße 2.302.50. Köln: Rote Sorten 0.000.00, Magnum bonum 2.60-2.80, weiße runde 0.000.00, Gelbfletschige blaue 0.000.00, rote 0.00 bis 0.00, weiße 0.000.00. Plaidt: Rote Daber 2.500.00, andere rote Sorten 2.000.00, Magnum bonum 2.500.00, weiße runde 0.00 0.00, Gelbfleischige, blaue 0.000.00, rote 0.00 bis 00, weiße 0.000.00. Saarlouis: Rote Taber 0.000.00, andere rote Sorten 2.000 00, Magmim bonum 0.000.00, weiße runde 2.00 bis 0.00. Gelbfleischige, blaue 0.000.00, rote O.UO bis 0.00, weiße 0.000.00. M annh eim: Alagnum bonum Mk. 2.400.00, weiße runde 2.250.00, Gelbfleischi e blaue 2.90 bis O.UO, rote 0.000.00, weiße 0.000.00. Frankenthal: Role Sorten 1.800.00, Magnum bonum 2.200.00, weiße runde 2.00 bis 0.00, Gelbfletschige blaue 2.750.00, rote 2.75 0.00, weiße 3.000.00. M ü n chen: Magnum bonum 2.70, Gelbfleischige weiße 2.70. Regensburg: Rote Sorten 2.00, Magnum bonum 2.40 bis 2.60. (Alles per 50 Rgr.).

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch dem 20.'.Oktober: Nach kühler Nacht und Morgennebel trocken und heiter.

Griginal-Drahtmel-nngen.

Haussuchungen beim Reichstagsabgeordnelen Bruhn.

Berlin, 19. Okt. Bel dein Reichstagsabg. Bruhn, der mit seinerWahrheit" in den Erpresserprozeß vertvickelt ist, nahmen viele Kriininalbeamte zu gleicher Zeit an sechs Stellen in Berlin und sämtlichen Vororten 9! a ch f o rs ch u rt g e n und Haussuchungen vor. An den Durchsuchttngen, die drei Stunden dauerten, nahm auch der Untersuchungsrichter teil. Selbst die Oefen wurden nachgesttcht und geleert. Halb verbrannte Papiere, die man in großen Rtengen fand, wurden in Kuverts auf das sorgfältigste geborgen.

Tie spanische Politik in Marokko.

Madrid, 18. Olt. In der Kammer machte Moret der Regierung zum Vorwurf, den Feldzug von Melilla unternommen zu haben, ohne daß das Land etwas von den Plänen erfuhr. Er verlangte, die Regierung solle De­mentieren, Daß Der FelDzug auf Drängen Frank»- reichs unternommen worden sei, und sie solle die im Ausland durch die Entsendung von 40 000 Mann entstan­dene Beunruhigung zerstreuen. Zu dem Ministerpräsidenten Maura gewandt ries Moret mit erhobener Stimme:Sie haben das Vertrauen des Landes- verloren. Hieraus er-

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Ter Vorstand.

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Bon dem 2tblcben des Kameraden

Herrn August Treppiuger

setzen wir unsere Mitglieder geziemend in Kenntnis.

Um zahlreiche Beteiligung an der Mittwoch, nachm.

3 Ubr, stattfindenden Beerdigung wird gebeten.

Zusammenkunft am neuen Friedhof.

F. G. F

G. F. F

Wacker.

Wigandt.

Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, unsere Müglicder von dem Ableben unseres Kameraden

August Treppiuger

geziemend in Kenntnis zu setzen.

Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. 3 Uhr, statt.

Zusammenkunft 21/« Uhr am Turmhaus am Brand. Uniform: Tuchrock und Helm.

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griff Ministerpräsident Maura das Wort: Tie Regierung habe ihre Pflicht erfüllt und werde dies auch ferner tun. Sie werde ihre Mackü nicdcrlegen, sobald sie glaube. Dein Lande nicht mehr ickchlich zu sein. Maura rechtfertigte so­dann seine Politik in Marokko. Er erklärte, Spanien Ixtbe nach dem Abzug des Roghis für Die Ruhe bei Melilla sorgen müssen. Ter (Vang Der Ereignisse hätte gezeigt, Daß ein Nichtcingreifcn einem Selbstmord gleichgckommen iväre. Spanische Arbeiter seien ermordet worden; General Marina habe die Schuldigen züchtigen müssen, da Der Sul­tan nichts getan habe, um seine Autorität zur Geltung zu bringen. Die Cortes hätten seiner Zeit von der Be­satzung von Resttnga und Eabo del Aqua die schuldige Mitteilung erhalten und sie gutgehcißen. Warum wolle man jetzt Dagegen protestieren? (Beifall bei den Mini­steriellen.)

Melilla, 18. Okt. Gestern abend machten die Mauren einen Angriff gegen zwei bei Nador stehende Regimenter. Bon den bei Tagnina stehenden Truppen er­hielten sie in Die Flanke Feuer und wurden mit großen Verlusten an Toten und Verwundeten in die Flucht ge­schlagen.

München, 19. Okt. Im Alter von 71 Fahren starb Fürst Wrede, der vor 50 Jahren an der Durch Hum- bolDt unD Darwin unternommenen Nowara-ExpeDition teilnahm. Die auf einer Weltumseglung wertvolle wissen­schaftliche Ergebnisse erzielte.

Schwerin, 18. Okt. Zu Ehren des Königs Friedrich August fand um 6 Uhr Galatasel im goldenen Saale dcS Schlosses statt, wobei der Großherzog in seiner Ansprache aus^ führte, zwischen Dem Hause Wettin und Dem großher^glich- mecklenburgiichen Hause hätten stets fteundschaftlichc Beziehungen bestanden. In seiner Erwiderung stattete Der Stönig seinen Tank für den herzlick)en Empfang ob und bedauerte, die Großherzogin nicht begrüßen zu können. Sodann wies er auf Die Mischen Den beiden Häusern bestehenDe langjährige Freundschaft hin und führte neitet aus: @eraDe in unseren schwierigen Zecken ist es wichtig, daß wir deutschen Bun Desfürst en in der schon oon unseren Vätern vererbten Treue zus a m me n ste he n. Tann sind wir imstande und in der Lage, für das weitere Wohl unseres herrlichen Deutschen Reiches die Stellung und Das Wohlergehen unserer Häuser und Länder zu arbeiten. Um 8 Uhr abends fand im großherzoglichen Hoftheater Vorstellung statt.

Hamburg, 19. Okt. Aus Den Geschäftsräumen einer BriefmarkenhanDlung wurden für 20 000 Mark Brief­marken gestohlen. Ein Album, das allein einen Wert von 15 000 Mark repräsentiert, ist mit abhanden gekom­men.

Ofenpest, 18. Okt. Der zum Mittwoch einberufene Kronrat bezweckt, wie verlautet, ein weiteres Verbleiben des Kabinetts im Amte zu ermöglichen. Es heißt auch, daß gewisse mäßige Konzessionen m Aussicht gesteckt seien. Das Kabinett werde die Einigung aller gemäßigten Parteien des Abgeordnetenhauses versuchen und sich hierbei auf eine einheitliche Majorität und nicht auf eine Parteienkoalitwv stützen.

Kalkutta, 19. Okt. Ein h e f t i g e r W i r b e l st u r m, unter dem eine große Anzal)l von Orrschasten sehr schwer zu leiden hatten, ist über Beug alten gegangen. Viele Menschen sollen getötet sein. Zwei Güterzüge sind durch den Sturm umgeworsen worden, wobei ebenfalls Menschen umgekommen sind. Nähere Nachrichten fehlen noch, Da die Telegraphenleitungen zerstört sind.

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ist mit Recht gefürchtet, beim sie bringt schwere Tage und schlaflose Nächte für Kind und Mutter. Krnder, Die regelmäßig Scotts Emulsion erhalten, iverDen aber viel leichter und häufig ganz ohne Störung Darüber Hinwegkommen, so Daß sie und Die Mutter ruhige Nackte haben. Die Zähnchen kommen mühelos durch und sind kräftig und weiß.

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Die Anmeldungen für das Schuljahr 1910/11 werden für das Realgymnasium und die Oberrealschule:

Mittwoch den 27. Ottober,

für die Borschule: Donnerstag den 28. Oktober, jedesmal vormittags von 9Vs bis 12 Uhr in dem Schul­gebäude entgegengenommen.

Gießen, am 13. Oktober 1909. D14/ie

Die Direktion: Dr. Rausch.

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