Zweites Blatt
ISS. Jahrgang
Nr. 269
Erlchewt täglich mit Ausnahme beS Sonntags.
General-Anzeiger für Sberheffen
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Schöllkrippen bis Partenstein, wobei er betonte, daß der Aufsichtsrat der Kahlgrundeiseubahn-Aktiengesellschaft nicht geneigt sei, sich mit der Projektierung der neuen Bahnlinie und der Ausführung deS Projektes zu befassen, da die gedachte Bahn sich jedenfalls schlecht rentieren werde. Er regte die B.ldung einer Gesellschaft nut beschränkter Haftung unter Beteiligung des Distrikts Schöllkrippen an. Der Tiltriktscat Schölllcippen beschloß dre Bildung eines prooijocqcfycn Komitee», das die Projektierung und die Aufbringung der Holten in die Wege zu leiten hat.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 16. November 1909.
Redaktion, Exveditton und Druckerei: Ccbui* straße 7. Eroedmon und Verlag; 6L Redaktion:^-^112. Tel.-AhraAnzerqerLießen,
Dienstag 16. November 1909
V. /'S. A.xk NotationSdruck und Verlag der vr übliche»
Vä UnwersitätS - Buch- und GtembvudercL Q ?V [j R. Lange, Dießen,
Dir ^Siebener Scmlllenblätter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS *Krei$blati für ften Kreis Eichen" zwenncü wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit, frage»" erscheinen monatlich zweimal.
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WMorstraft u McuL: irsvk 'M beiter ^rüLliiigökindcr'
i Herrn Goilav ftotm
des Stephan Scirmala.
** AlldeutscherBerband. Zu der am nächsten Freitag in Steins Garten ftattfindenden Versammlung wird tlnwer,itats- Vrofessor B i e r m e r die preußische Ostmarlenfrage behandeln. Tie Reihe farbiger Lichtbilder, die im Anschuß 00 Sesührl werden wird, umfaßt in ihrem eilten -Leu .öuöet au» dem Gebiet der Tätigkeit der Anicedlungskommiiicon in ^de|t^ Preußen und Posen, in ihrem zweiten Teil Lüder aus den alten deutschen Kulturstätten in diesen Sanbe» teilen, Danzig, Grau- den-, Kulm usw.
** Ehrung eines Burenkämpfers. Der -h £ 11 a r» verein .Germania 2*.Darmstadt brachte am -Sonntag. £4. er., mittags van 12 bis 1 Uhr, durch einen Teil der Mengen Regimentskapelle in Uniform, seinem Ehrenvorntzen- den, Verbandsdirektor und Leutnant a. D. £
Die neueste Ausweisung.
Dem wegen des Mülhausener Winshansskaiidals aus den sleichStanden ausgewiesenen Schcv-izer Bürger Wegelin ist es burch Bernrittelnng des schweizer cs a-en Gesandten m Berlm gelungen. seme Abreise roch nm acht -Lage hrnauszuichieben. -Lie Negierung Hal ihm erlaubt, bis zum 20. NoveanLer Sur Erledigung seiner Privatangelegenheiten im Lande zu bleiben. Wegetui hat euch den Schuß der sckstverzcrischen Regierung angerufen. und behauptet in seiner Eingabe an den Berner Bundesrat, sein Verhalten sei in der Presse tendenziös dar gestellt worden.
Degelin ist geborener Elsässer und nur bcinJJcamat nach tzchweizer. Ec ließ sich nach dem beullch-iranzonichen Krieg in her Scknveiz ein kaufen, um weder in Deutschland roch ut ^want- reich oder der Schweiz Müitärd tenst leiiren zu müsten, wie dies bie Frankfurter nach 1866 taten. Bis 1874 WE Einöurgwngen tn den Schweizer Kantonen sehr leicht, da der Bund da nichts zu lagen hatte; nach einem neuen Bundesgesetz können die Ausländer die schweizerische Naturalität mir ^werben, nachdem )ve zwei ßahre ununterbrochen in der Schweiz gewohnt hadere Fu der Schweiz wohnte Wegelm ein Sabr
Gerreide-Wochenberrcht
der Preisberichi^.cire des ^.u.icp.ii Landwirtschaftsrats Dom 9. bis 15. Nvoember 1909.
2luf dem Weltmarke herrschte wshrend des größeren Teiles der Bericlstswvcl,- feste Tendenz.^ Tie Anregung dazu ging diesmal von 'Jtiorbamenta aus, wo die Spekulation unter Svaxoeis aas das tebhaste Jnlondsgeichäst, aus ungünstigere ^Nachrichten aus Aegen- rinten und Australien und au- vermehrte Nach,rage zum Erport eine recht rege Tätigtest entfaltete und auch mertliche Preisbesse-
Vie (Eröffnung der iürlischen Parlaments.
Konstantinopel, 14. Nov. Leute "achmittag wurde die .Veite Seiiion des Parlaments im Thronsaale des Licheragan-Palastes, der zum Parlamentsgebäude umgewandelt st durch den Sultan feierlich eröffnet. Ter Sultan stand vor )c'm Thron unter dem Baldachin, während der Großwefic die Thronrede verlas. In der Thronrede heißt es:
Turch das Fest halten an dem parlamentarischen Regime könne Ke für das soziale und pot-tiiche Leben uncrläßliä>e Einigleic tnd Strait gewonnen werden. Der teuerste Wunsch des Sultans n die Aufrechterhaltung und die Festigung des parlamentarischen Regimes. Die Ausdehnung des Acilitärdienstes auf alle Dtto- MQiun werde die Stärke und Größe des Sta.'stes vermehren und zstde daS wichtigste historische Ereignis der nationalen Entwick- luno der Türkei. Sodann wird auf den Erfolg der Manöver m Adrianopel hingewieseu und die Notwendigkeit hervorgehoben,
Leer und die Marine zu vervollkommnen. Tie innereLage -ei dank der getroffenen Maßnahmen nicht beunruhigend; die vtämme im fernen unterwerfen sich. Die Zwischenfälle in Ljuma ivid Mossul seien nicht von Bedeutung. Die Thronrede hebt fobann die Notwendigkeit von Reformen auf dem Gebiete des tfienUichen Unterrichts und der öffentlichen Arbeiten hervor. Das Ludgecglrichgcwicht, das trotz aller Ersparnisse nicht erreicht pucde, werde durch die Zollerhöhung und durch die geplanten vloiwpolc sowie die Verbesserung der Steuerveranlagung gesichert.
hierauf wird eine Reihe von Gesetzentwürfen angekün- fcigt, insbesondere das Handelsgesetz, das Strafgesetz und das lAeietz über die WUaietsverwaltung. lieber die äußere Politik tagt die Thronrede: Unsere Beziehungen zu den Mächten sind keundschaftliche. Wir stellen mit Vergnügen fest, daß die Bemühungen der Mächte auf die Erhaltung des allgemeinen Friedeiis oerichlet sind. Dieses edle Ziel findet in uns einen aufrichtigen Inb eifrigen Förderer. Bei allem Bestreben, ihre unverjahrbaren Siechte und ihre legitimen Interessen unversehrt zu bewahren, hält die Regierung es für eine Ehrensache, ein wesentlicl)es Element der fcrbnuiig und deS Friedens zu seist.
Nachdem der Sultan das diplomatifche Korps begrüßt hatte, fuhr er unter dem Beifall der Bevölkerung in das Palais zurück, herauf hielt die Kammer ihre erste Sitzung ab. Nach bcr Bildung des Bureaus entspann sich eine lärmende Debatte darüber, ob man sofort zur Wahl des Präsidenten schreiten ober diese vertagen solle. Schließlich wurde beschlossen, die Wahi vor- AimeInnen. -Ahmed Riza, der Kandidat der jungtürkischen Partei, wurde mit 164 gegen 16 Stimmen zum Präsidenten gemaylt. Tas Resultat der Wahl wurde mit andauerndem Beifall aufgenommen. _
Konstantinopel, 15. Nov. Die Kammer wählte zu L> i - e p r a s i d e n t e n die beiden Kandidaten der Jungtürken, den Geistlichen Mustofa Az im und den Araber Elbo st a ni.
erhob.
X Hanau, 14. Nov. In der Sitzung deS Distriktsrats zu Schöllkrippen erstattete Direktor Sander von der ............Kahlgrundeijenbahn-Aktiengesellschaft ein Referat über die Le^'p, anläßlich,Verlängerung der Kahlgru.^.eisendahn von
die unhaltbaren Verhältnisse im Buchbinderhandwerk des genannten Bezirks merklich zu verbessern. In unserer heutigen Zeit, die dem Geschäftsinhaber ganz andere Lasten auferlegt als früher, war es stets befremdlich, daß der Geschäftsinhaber gezwungen war, zu billigeren Preisen zu liefern als zu einer- früheren Zeit, da sämtliche Produktionsverhältnisie günstiger für ihn lagen. Diese Zustände waren lediglich der Zerrissenheit des inneren Zusammenhalts und dem Fehlen einer durchgreifenden Organisation in Hessen zu verdanken. Turch die unablässigen Bemühungen des rührigen Vorstandes der nunmehr seit ca. 2 Jahren bestehenden Vereinigung der selbständigen Buchbinder tn Hessen, der sich die Hebung des Buchbinderhandwerks in Hessen sehr angelegen sein läßt, haben sich auch die Buchbinder obengenannter Städte überzeugt, daß der beste Schutz deS Handwerks emzig und allein un Zusammenhang besteht. Sie haben daher, einem Vor- bild der kürzlich in Gießen und Darmstadt geschaffenen Ortsgruppen nachelfernd, sich geeinigt und einheitliche Mindestpreise für Buchbinderarbelten festgesetzt, zu deren Einhaltung sich sämtliche Anwesenden durch Unterschrift verpflichteten.
x Fauerbach b. Nidda, 15. Nov. Gestern wurde die Einweihung unseres neuen Schul haus es vollzogen. Cs ist abseits von der Hauptstraße an einem stillen Platze erbaut Zur Einweihung hatte sich vom Kreisamt Büdingen Kreisamtmann Schaefer eingefunoen; Scl-ulrat Scherer war zur Teilnahme an der Beisetzungsfeicr des Rektors Backes nach Darmstadt gereist Am alten SchuU-ause stellte sich der Festzug aus. Dort hielt nach Absingung von: „Unfern Ausgang segne Gott" Schulverwalter Wolf eine kurze Abschieds rede. Das neue Schulhaus öffnete Kreisaml- mann Schaefer nach einem Gesang der Kinoer mit einer Ansprache. Der Vorsitzende des Schulvorstandes, Pfarrer Weis, sprach den Wunsch aus, daß Schillers Geist und Luthers Frömmigkeit in dem Hause gepflegt werden möge. Das Haus ist unter Leitung des Kreisstraßenmeisters Kraft zu )ridda erbaut worden.
R.B. Darmstadt, 14. Nov. Die Beisetzung des verstorbenen Rektors Karl Backes fand heute nachmittag unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung hier statt Viele Hunderte gaben ihm das letzte Geleite. 9tad) einem Traueraesang des Darmstädter Lehrersangerchors hielt Pfarrer Vogel eine ergreifende Gedächtnisrede, der er die Worte aus Korinther 15, 10 zugrunde legte: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin" usw. Nach Gebet und Segen folgte ein Ehorgefang: „Auferstehn, ja auferstehen", worauf eilte große Anzahl von Abordnungen und Vertretern unter herzlichen Worten Kränze und Palmenzweige am offenen Grabe niederlegten, so Oberlehrer Husf namens des hessischen Landeslehrervereins und des allgemeinen deutschen Letzrervereins, Oberlehrer Kaßlick namens der Ludwig- und Alice--Sliftung, Oberlehrer Lösch namens des Darmstädter Lehreroereins und des Lehrer-Sängerchors, u. v. a. Namens der na.ionallweralen Partei Hessens widmete Reichstagsabg. Dr. Osann eine prächtige Kranzspende, namens der o.aht und des fretmlugen Eczichungs- beirats Beigeordneter Müller, namens des Zentralaus- sck'usses des Vereins für Volksbildung Oberlehrer Lerch ufro. Auch zahlreiche Lehrervereine aus den Provinzen ließen als letztes Zeia-en der Verehrung Kränze niederlegen, so daß sich bald ein grüner Hügel über der frischen Grus!
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und Schule.
— ReligiouSwt'ssenschaflliche Vorträge. Der erste der in der tatljol. Pfarrkirche in Gießen neu emgeführten monatlichen Vorträge am 15. Nov., behandelt^mucr dem Xitel „D i e Vorausfetzungen des Glaubens" die wichtige Frage vom Berhältnis von Glauben und Vernunft. Der Redner Dr. Lönartz-Franksurt wies in der Einleitung auf die Schwierigkeit hin, als sei der Glaube eine Knechtung der menschliä-cn Vernunft und darum menjchenumvücdig. Demgegenüber bewies er, daß gerade in unicrer Zeit der Glaube Die Vernunft schütze. — Zuerst muß ich wissen, daß Gott lebe und gesprochen habe. Dann erst kann ici) glauben, was er gcoifenbatt hat. Ohne diese vorherige VcrnunsterkemiMis über das Dasein Gortes urid die Tatiache der Ossenbarung sei der Glaube unmöglich. — Aber — so sagt man — ich soll etwas aniiehmeu, was ich selbst nicht einfehe und das ist menschenunivürdig. Der Redner legte zunächst aus diesen Einwurf hin dar, daß bei Mensch vielfache Erkenntnis annehme, die er nicht selbst gemacht habe. Ich weiß vieles nicht durch eigenes Forschen, sondern durch hu Versicherung anderer. Soll die,er Glaube kein Torenglauve sein, so muß ich die Garamie haben, daß ich nicht in Irrtum geführt werde und muß wissen, daß mein Gewährsmann hie Wahrheit kennt und sie sagen will. Dann aber muß ich sic aunchmen, wenn anders ich vernünftig handeln will. Diese Garamie bietet dec übernatürliche Glaube int höchsten Grade; denn Gott ist allwissend und unendlich wahrhaftig. Ich glaube seinem Worte, sobald ich weiß, daß er gesprochen hat. Nicht glauben, weil man es nicht versteht, heißt verlangen,, daß man alle Geheimnisse Gottes durchschaue, heißt sich selbst vergöttern. — Im letztui Punkt erwog her Redner die Vorzüge, die her Menschengetst huret) den Glauben erhält, vor allem: Schutz für dte wiiseltjchafttiche Forschung selbst. Glaube und Wissenschaft dienen nur der Wahrheit und können sich deshalb nie widersprechen. Der Redner schloß feine hochinteressanten Ausführungen, denen die zahlreichen Zuhörer gcspanM lauschten, mit der letzten großen Wohlcat, bic der Glaube gebe: er geht über in das Schauen, in den Vollbesitz der Wahrheit in der Ewigkeit.
Geriehtrsaal.
Darmstadt, 13. Nov. (Kriegsgericht.) Der Unter' offizier der Reserve, Kausmann Johann Adam F r e h von Bensheim wurde wegen Mißbrauch der Tienstgewält in 12 Fällen und Diebstahls bezw. Unterschlagung in drei Fällen zu einer Gesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis, Degradation und Versetzung in die 2. Klasse des Solhatenftandes Derurteilt. Es standen roch zahlreiche andere Vorfälle zur Anklage, doch erfolgte in diesen Fällen Freisprechung. Der Angellagre war 1906 als Zweijährig-F-reiwllliger bei dem Art.-Rgt. Nr. 26 hier eingetreten, ein Jahr später zum Gefreiten und nachher zum Unteroifizier befördert worden. Er benutzte seine Eigenschaft als Vorgesetzter dazu, seine Untergebenen zu Geschenken ober Darlehen zu verarllassen, nötigte ihnen anderweitig Geld ab, unterließ gegen Gescheute Meldungen und eignete sich in verschiedenen Fällen Sachen ober Geld von Mannschaften an. Die Geschäbigten wußte er durch Drohungen lange Zeit hindurch von Schritten gegen ihn abzuhalten. Nach Einleitung der Untersuchung brach er geistig zusammen, worüber sich das Gutachten eines ihn im Lazareth behandelnden Oberstabsarztes aussprach. Man unterzog ihn hierauf einer Beobachtung in der Landesirrenanstalt Philippshospitol: doch wurde festgestellt, daß Frey zur Zell der Tat verantwortlich unb auch nicht geminbert zurechnungsfähig sei.
Köln, 15. Nov. Die Strafkammer verurieilie den Hauptangeklaglen im Kurps uscherprozeß, Apotheker Weinen, der sich die ärztliche Praris feines Schwiegervaters ungeeignet halte, zu 20 Monaten Gelängnis.
F. C. Wiesbaden, 15. Nov. Vor der Strafkammer hatte sich heute der Baukbuchhalter Wilh. Bender von hier wegen Unterschlagung von 25000 Mark zu oeram- rootten. Nach bestandenem Einjährigen-Examen trat der damals 17 jährige Bender bei dem Bankhaus Paul Strasburger in Wiesbaden in die Lehre. Während dieser Zell hatte er Gelegenheit, in bie Konten her einzelnen Kreditoren Einsicht zu betommen. In der Hauptsaison, kurz vor der Reisezeit, eignete er sich aus einem Scheckbuch zwer Formulare an, bie er mit je 3500 Mark ausfüllte unb sie im Frühjahr dieses Jahres, kurz nach seinem Austritt, bei der Allgemeinen Elsässischen Bank in Maim präsentierte und den Betrag von 7000 Mark anstandslos ausbczahlt bekam. Nachdem er einige Tage mit zwei Damen gelebt hatte, suhr er nach Würzburg. Hier ging jedoch bald bas Gelb zur Neige, aber Bender wußte sich zu belfen. Aus seiner Lehrzeit her erinnerte er sich, baß ein Herr Dr. Rach in Mainz nutzer bei seinem Lehrhaus auch bei bem Wiesbadener Vorschubverein ein Guthaben hatte. Er ließ sich bei einer Firma in Würzburg Briefbogen mit hem Namen Dr. R. drucken, und wies auf einem solchen Formular den Vorschußverrin an, an den Gerichtsassessor Dr. Rach in Mainz, Hotel Kronprinz, sofort 12 800 Mäb? zu senden. Er selbst fuhr nach Mainz,'stieg in dem Hotel ab und trug sich als Gerichtsassessor Dr. Rath ein. Am nächsten Morgen kam der Wertbrief an und wurde ihm, nachdem sich der Hotelier für die Echtheit des Empfängers verbürgt hatte, ausgehänbigt. Abermals fuhr Benbcr nach Würzburg unb kaufte dort für 2500 Mark Schmucksachen für seine Braut, Die er ihr in Königsberg übergeben wollte, zugleich mit einem Hriratsamrag. Diese Liebesreiie tonnte er aber nicht mehr aus,ähren, ba er kur; vor her Abreise verhastet würbe. Seither, her geständig ist, will nur aus Liebe zu seiner Braut, ber Tochter eines Bam/.rs in Königsberg, gehanbell haben. Ta diese aus einer sehr vermögenden Familie stammt, mußte er große Auswcnhungen machen, anherensalls bie Heirat ins Wasser fiel. Mit bem Gelbe beabsichtigte er, ins Auslanb zu gehen um sich Dort an Seite , seiner Geliebten eine Fristen- zu gründen. Die Strascammer erkannte unter Zubilligung mildernder Umstände wegen schwerer Urkundenfälschung in emheitlichem Zusammenhang mit Betrug in zwei Fällen zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren Gefängnis.
♦* Eine Sitzung des Provinzial-Aus schufses findet am Samstag, 20. November, vormittag 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. En teig nung von Gelände in ber Gemarlung Butzoau) zur Erbauung einer Nebenbahn von Butzbach nach Ebersgöns. 2. Bürgermeistermahl zu A u l e n b l c b a ch. s. Klage der Belriebstrailtcutafsc der Domäne Marienburg gegen bie Gcmeindelra.nkenka.fse Laubach wegen Unterstützung
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politische Lagesschau.
Ter Kaiser uud die preußische Wahlreform.
Graf ReDentlow behauptet, auf das bestüitmteste pi wissen, baß bei Passus ber Thro nrede bei ber Eröffnung dcs preußischen Landtages, ber eine Verbesserung des Wahlrechts in Aussicht stellt, b^BilligungbesKaisersnlchtgehabt habe, uiid baß Fürst Bülow unb anbece eingeweihte Herren bestimmt btund gerechnet hätten, ber Kaiser würde den Wahlrechts- Passus der Thrvnccde übergehen und nickst mit zur Berleburg bringen. Ter neue Kanzler von B ethma nn-Hol lwe g , so fügte Graf Revenllow hinzu, stehe dem Bunde der Landwirte nickst allzu srewidlich gegenüber. Er neiae mehr roch links, ^nne aber die gegenwärtige traurige Sage bei Landwirtschaft aus jeurem (des Grasen- Aiunde. 9)Zan dürfe aber hoffen, datz der RerchSkanLler sch eine Mehrheit da suchen werbe, wo er sie suche.
Tce Freis Ztg wirb auf einen Umstand aufmerksam gemacht, der den Ausführungen des Grasen Rcventlow mehr Bedeutung «tertcilr, als man anfangs angenommen hatte. Graf Reventloto rt nämlich der Vetter der Gattin des Reichskanzlers, laau v. Bethironn-Hvllweg. Ihre Mutter roar eine geborene tzräfin Revenllow-Jersdeck unb Schlvester des Vaters des Vor- sldcnbcn des Bundes der Landwirte in Säfleswig-Holstcln. a-ieic 8eavakcbtsck)aftsbeziehung zu bem jetzigen Reichskanzler laßt bie Aittrilungen bcs Graftrn Revenllow allerbings an Gewicht gewinnen. Außerbem hat sich ja der Graf auch ausdrücklich auf Unterredungen mit bem Reichskanzler v. Brihmann-Hvllweg be- Alsyl.
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einer G-burtStagSfeier e;n Ständchen dar. Der Verein war durch eine Deputation aus Darmstadt vertretm. Tcn Schluß ber zum Vortrag gebrachten D'usiksiücke bildete die Burenhymne, bie zu Ehccn des Leutnants Leinp, ber sich m den Reihen der Buren während fceS BurenfelbzugeS den Titel eines Kapitäns erworben hat, gefpielt würbe.
= Alten-Vuseck, 15. Nov. Der Kaninchenzuchtverein fielt beute im jwchschen Saal- seine 2 0 E a l a u 5 )t e l *- lung ab. Preisrichter war Th. Biehrncuui, Bvbeuheim. An Preisen erhielten Harrmetz 2 Ehrenpreise, 1., 2. unb 3. Preis, V. Brück imb Lick-er, Trohe, je einen 1. Preis, Roch, Trohe, 2. Preis, H. Teck/ert 2. unb brei 3. Preise, sonne H. Becker unb B. Becker je einen 3. Preis. Für den MiUeldeutsckieii Kcuiinchen- zückster-Verband übergab L. Weinandt von Kleui-Lindeu hem Zua-ter Fr. Harttnetz daS Vcrbandshiplom,
§ Burkhards, 14.9100. Die am Freitag abgrhaltenc Bürgermeisterwahl erbrachte kein enbgültiges Ergebnis, sodaß am 24. b. AUS. eine Stichwahl abgehalten werben muß, auf deren Ergebnis man sehr gespannt ist. Es erhielten: Kaufmann Ludwig Schäfer III. 56 Stimmen, All- bürgermeiiter Hemrich Kunkel LL 55 unb desfen Sohn Heinrich Kunkel HL 1 Stimme.
O Zau bach, 15. Nov. Der Vorstand der Deran- itaUung von Konzerten und VortragSabenhen eröffnete gestern ein zweites VeretnSjahr durch em Konzert von Oberlehrer Dr. Schmidt aus Friedberg, Frl. Aniku Mannhardt unb Oes jugendlichen Paril Hindemith ous Frankfurt a. Di. Wahrend die beiden letzteren den Test für die Violine übernommen hatten, führte der erstere die Klavierbegleitung aus. Die Vortragsfoige bestand aus fünf Nummern, darunter drei Sonaten von Händel unb Bach unh zwei kürzere Stücke für Violine unb Klavier. Die beiben jungen Künstler führten ihre übernommene Partie mit großc»n Geschick und sicherer Eleganz durch. Tiit Sicherheit führte P. Hindemith die schivierigsien Kadenzen und Doppelgriffe aus. Ebenso spielte (3d. Mannhardt mit voller klarer Intonation ihren oft schwierigen Teil durch. Das zahlreiche Publikum sparte nicht mit semem Beifall, der nicht nnnbeu dem von früher hier bekannten Dr. Schmidt galt, der die Begleitung in diskreter Weise durchsührte.
= Friedberg, 14. Nov. Heute.fand, wie uns ge- schrieben wird, hier eine Versammlung der Buchbinderei- Inhaber der Städte Friedberg, Bad Nauheim und Butz- bach statt. Sie war von den Interessenten recht zahlreich besucht und dürfte daS erste Fundament dazu gelegt haben,


