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20.8.1909 Zweites Blatt
 
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Freitag 20. August 1909

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159. Jahrgang

Zweites Blatt

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DieSiebener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krebblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftttchra Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Die angebliche Mandatsmüdigkeit des Abg. Baffermann.

Wir erhalten - von Herrn Reichstagsabgeordneten Fuhrmann

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auf die Knie zu zwingen. Hieraus erwiderte ich, daß der Vorwurf der Landwirtschallsseindlichkeit von konservatwer toctlc em Akt der Undankbarkeit sei gegen den Abgeordneten Bassermann, der als Führer unserer Fraktion in dem schweren Kamme um den Zoll- tarii im Interesse unserer Landwirtschaft ein gut -teil seiner (Gesund­heit geopfert hätte, und daß der Vorwurf des tatenlosen '.Ibiett»- slchens am wenigsten ihn treffe, der auch bei biefen inneren und äußeren Kämpfen so wenig Rücksicht aus seine Gesundheit ge» nommen hätte, daß er sich zuweilen die Frage hätte vorlegen muffen, ob sein Gesundheitszustand es ihm erlaube, bei den nächsten Wahlen wieder zu kandidieren. Die Fraktion und die Partei ist mit mir einig in dem Wunsche, daß es uns gelingen wird, wenn der Zeitpunkt der Wahlen kommt, Herrn Baffermann zu bewegen, solche momentanen Bedeiiken zurückzustellen. Er wird dies um so leichter tun angesichts der Einmütigkeit der Fraktion und der Gesamtpartei, die auf dem letzten Parteitage einen so glänzenden und erhebenden Ausdruck gefunden hat.

Fuhrmann, Mitglied des Reichstages.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.

R. Lange. Gießen.

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Im Anschluß daran werden banrt bte Beziehungen zwischen sächsischer uub rheinisch-tvestfälischer Industrie und beider Ver- .....wie folgt erörtert:

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e-E bl. Redaktion: 112. Tell-AdruAnzeigerGießen.

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politische Lagerscharr.

Der neue Unlerstaatssekretär im Handelsministerium.

Der zum Nachfolger des aus dem preußischen Handelsministe­rium nach dem Rcichsamt des Innern berufenen Unterstaatssekretärs Richter, Regierungspräsident Schreiber, genießt den Ruf, einer unserer tüchtigsten Verwaltungsbeamten zu sein. Schreiber wurde im Juli 1873 Referendar und imAvril 1879 Affeflor im Appellations- gerichtsdezirk Halberstadt. Im August des letzten Jahres trat er aus dem Justizdienst zur allgemeinen Staatsverwaltung über. 1881 wurde er Landrat in Hadersleben, wo er ungefähr 10 Jahre blieb, bis er 1892 zum Sberregierungßrat in Arnsberg ernannt wurde. In der gleichen Eigenschaft wurde Schreiber im Juni 1897 nach Düsseldorf versetzt und mit der Stellvertretung des Regierungs­präsidenten betraut. Von dort kam er im November 1899 als Regierungspräsident nach Minden, einen Posten, den er im Früh­jahre 1903 mit dem Regierungspräsidium von Tüffeldorf, mit dessen Verwaltung er schon aus seiner früheren amtlichen Tätigkeit gu bekannt war vertauschte.

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von 20 aus 24 Psg. pro Liter hatten am 1. August nach derFreis. Ztg/ eine Anzahl Brauer und Wirte zu F u r t h i. W. eintreten lasten. Da aber das Publikum daraufhin seinen Bierbedarf vor­nehmlich bei denjenigen deckte, die zum alten Preis abgaben einige Bierquellen, deren Besitzer mit der Erhöhung des Preises nicht einverstanden waren, boten das Bier sogar unter dem alten Preis an so stellte eine größere Zahl mit dem BierpreiS in bic Hohe gegangener Brauer und Wirte den alten Preis, d. t. 20 Pfg. pro Liter, wieder her. Wie der Lokalverband der Vereinigten Gastwirtsvereine Leipzigs, so hat auch der (sozialdemokratische) Verband der Freien Gast- und Schankwirte Deutschlaiids, Zahl­stelle Leipzig und Umgebung, denstarren Standpunkt der Leipziger Brauereien bezüglich der Höhe des BraiisteuerauffchlagsE aufs schärsste verurteilt und den qesorderten Aufschlag von 3,20 Mk. abgelehnt. Es wurde beschlossen, den Leipziger Brauereien bis zum 20. August eine Frist zur Ermäßigung des Braustcuer- ausschlags zu setzen. Eine Nichlherabsetzung des Ausschlags bis zu diesem Termine soll als Kampfeserklärung gelten. In Fran k- f u r t a. M. haben sich die Brauereien, Gastwirte und Flaschen­bierhändler wegen des Bierpreises auf folgende Beschlüsse geeinigt, die allerdings nach der Zustimmung der Plenarversammlung der einzelnen Verbände bedürfen: Die Brauereien, die ursprünglich einen Aufschlag von 4 Mark pro Hektoliter beabsichtigen, sind letzt mit 3 Mark zufrieden. Die Gastwirte wollen den Bierpreis bet a/10 von 10 auf 12 Pfennige, bei 7t0 von 12 auf 14 Pfennige er- höhen. Die Flasche Bier soll 3 Pfennige teurer werden. In Magdeburg haben sich Brauereien und Gastwirte dahin ge­einigt, daß die Brauereien für das Hektoliter Bier statt 17 Alk. 20,50 Mk. erhalten. Die Gastwirte wollen 2 Glas Bier ä4/10 Siter zu 35 Pfg. verabfolgen, eventuell '/,» Liter zu 15 Pfg. Das Flaschenbier soll im'Detailhandel 12 Pfg. pro Flasche kosten. In Alains hat der Verband der Vereinigten Brauereien be­schlossen, von diesem Donnerstag ab den Bierpreis um 3 Mk. pro Hektoliter zu erhöhen. In Bochum hat der Blerkrieg, der auch dort ausgebrochen ivar, merkwürdige Folgen gehabt. Es ist, da die Wirte nicht geschlossen vorgingen, nach derKöln. Ztg." nicht nur nicht gelungen, kleinere Gläser und erhöhte Bierpretse einzuführen, sondern emige Wirte sind sogar im Konkurrenzen er dazu übergegangen, die Bierpreise zu ermäßigen! Während früher ' die Straße verkaufte Bier 30 Pfg. kostete, erhält man es

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geladen hatte, klagen doch die sächsisch-thüringischen Webereien, daß die deutschen Unterhändler bei dem deutsch-portugiesischen Handelsvertrag anscheinend in Unkenntnis der bestehenden Ver-- hältnisse die wichtigen Interessen dieser Branchen gänzlich ge­opfert hätten. Sehr beachtlich ist deshalb auch die von der Sächsischen Industrie", dem £rgan des Verbandes sächsischer Industriellen, gegebene Anregung, der neue Staatssekretär des Innern, der frühere preußische Handelsminister möge eine In­formationsreise durch die nichtpreußischen Industriegebiete unter­nehmen. Man sieht, während man auf der einen Seite Sachsens Industrie schon politisch bevorzugt glaubt, daß auf der anderen Seite derselbe Argwohn gegen andere JndustriegMete vorherrscht.

Der nationalliberalen Fraktion des Reichstages kann natürlich nichts ferner liegen, so bemerkt hierzu dieRatl. Kvrr.", als irgendwelche Gebiete der deutschen Industrie gegen andere aus­spielen zu wollen. Auch aus wirtschaftspolitischem Gebiete ist ihr, wie auf dem Gebiete der Sozialpolittk die mittlere Linie gewisser­maßen vorgeschrieben. Mögen hier und da auch ein paar Groß­industrielle, die Herrn Tille noch ernst nehmen, zeitweilig mit einer Hinneigung zu konservativen Gedanken kokettiert haben oder noch kokettieren: das Gros der deutschen Jndusttic im Westen und in Sachsen wird gemeinsam in der nationalliberalen Partei für berechtigte Forderungen der Industrie, sofern sie mit dem Allgemeinwohl sich decken, stets eine sachverständige Förderung und Vertretung finden.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhefien

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folgende Zuschrift: . .

Es geht durch die Blätter eine Mitteilung, wonach ich m Lyck erklärt hätte, daß der Abgeordnete Baffermann bei den nächsten Wahlen nicht wieder kandidieren würde. Da diese Nachricht von einzelnen Zeitungen mit den verschiedensten Kommentaren wieder­gegeben wird, mochte ich folgendes dazu bemerken:

In der Versammlung in Lyck griff ein konservativer Partei­sekretär in maßloser Weise dielandwirtschastsfeindliche" national­liberale Partei und insbesondere ihre Führnng an, die bei der Reichs­finanzreform durch ihr Abseitsstehen versagt und der Fraktion die Zu­stimmung zur Erbschaftssteuer nicht aus fachlichen Gründen, sondern 1 nur zu dem Zwecke aufgenötigt hätte, um die konservative Partei

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errofikn Ib&i5 zur natwuainberalcn Partei wie folgt erörtert:

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Natlonalllberale Partei und Industrie.

Tie Behauptung eines süddeutschen Zentrumsblattes!: der <(ustritt des Freihernt v. Heyl aus der Reichstagsfrattivn habe tEe Krisis in bet nationallib. Partei zur Folge gehabt und zu- Inch mit ihm sei bis auf die sächiische auch bic garue gctbipenbenbe A industric abgewandert, gibt demLeip». -utgeM." Gelegenheit, in einem sehr instrnktiveit Aufsatz das Verhältnis zwischen In- Ilustrie und nationalliberaler Partei ins rechte Licht hu rücken. Zunächst wird da festgestellt und mir tönnat nach unserer Kenntnis der Tinge hinzlifügen: nut Recht sestgestellt daß die Finanzen der .natioiralliberalen Partei bereits seit caaumer Weile nicht mehr von den Beiträgen einzelner Finanz- ntöfien abhängig sind. Die Zahl der jährlich an die Zentralkasse eichenden Mittel verteilt sich auf Tausende von Beiträgen aus dchl verschiedensten Sckiichten, von den kleinsten Spenden trüge- : ntgen, imd bic Fiitonzar der Partei sind dadurch erfreultcher- neile viel besser und tiefer verankert, sie selbst ist so auch viel unabbäncriger von den Stimmungen und «Strömungen in ein- : htnen Gruppen, als wenn sie auf hohe Beiträge weniger Grvß^

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^nitren niemals bestanden, wohl aber war die Auffassung in tar SyndikatSfrage eine verschiedene bei den tonangebenden Per- säMchkciteii des ^hlensyndikateS imb Stahlwerksverbandes einer- stitS und der verarbeitenden Jildustrie Nicht nur «Sachsens, sondern cJer Industriegebiete andererseits. Nur daß 'der Protest gegen

bte zuweitgehende Herrsck)erstellung der maßgebenden Jndustrie- Eattche durch einen Vertreter der sächsischen Industrie, den Ab- raorbneten «Stresemann, erfolgte, und baß bic nationalliberale »cattton die von ihm eingenommene Stellungnahme billigte, mag in der rHeinisch-ivestsälischen GroßindMttie bas Gefühl poütifd>er ^Vereinsamung Ijcroorgcrufen haben, da sie früher gewohnt war, un Reichstage sachkundige und gewandte Vertreter ihrer Interessen List sehen, währeiib die letzten Reichstagswahlen durch das Bündnis !püschen Zeiitrum und Sozialdemokratie sie dieser Vertretung /kraubten. Teshald aber und weil die nationalliberalen Ver­

treter Sachsens, wie die Abgeordneten Merkel, Sttesemann und g^ber der sächsischen Industrie sehr nahe stehen unb sich ihrer ffnnch 'Kräften annehmen, von einer Bevorzugung der sächsischen «Industrie innerhalb der nationaUiberalen Reichstagsftattion zu Istrecken, Wäre ebenso ungerechtfertigt, als wenn man von ' anec Bevorzugung der rheinisch - westfälischen Industrie zu der

Zrit gesprochen hätte, Wo der Abgeordnete Dr. Beumer der Rnchstagsfraktion angehörte, wahrend das Wnigreich Sach- I n mit seinen gewaltigen Jnbustrieinteressen durch keinen > c nzigen natimudliberalnt Abgeordneten vertreten war.

,,nt übrigen hat die Industrie Rheinland-Westfalens stets eine hcrDorragenöc Stütze an der preußischen Regierung und auch au den meist aus Preußen hervorgegangenen Staatssekretären

11 ib Beamten des Reichsamtes des Innern gehabt, denen aus der _ Zeit ihres preußischen Dienstes die Verhältmsse des wichtigsten vccußischen Fndusttiegebietes genau bekannt waren, während sie ii.r außerpreußischen Industrie oft offne die gebührenbe Würdigung > gcflenüberflanben. Konnte doch noch vor kurzem in Berlin bie Textilindustrie berührend Konferenz von Amts wegen ibcruieii werden, ohne daß inan die sächsische Industrie dazu

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