Ausgabe 
18.10.1909 Zweites Blatt
 
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159. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 244

Erscheint fSgllch mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für OderheMn

abend in seinem Gr

m ge- chlrecht. .ns, es ilnb aus

Redaktion, Expedition und Druckerer: vchul« (trag? 7. Expedition und Verlag: -sA bl. Redaktwn:^8K 112. Tel.-Adro Anzeiger Gießen.

Gfsener Bries an den Abg. Liebermann u. Sonnenberg.

Der Gesamtvorstano der deutsch-sozialen Partei hat, wie bekannt, eine Entschließung gefaßt, in der er den Abg. Dr. Böbme, den Geschäftsführer des neuen Bauern­bundes ausfordert, sein Mandat niederzulegen. Dr Böhme antwortet jetzt in einem offenen Briefe in der Bundeskorrespondenz. Er bestreitet, daß der Gesamt­vorstand irgendwelches Recht zu seinem Schritte habe, da die deutsch-soziale Partei Dr. Böhme weder zuerst ausgestellt noch überhaupt ausschlaggebend im Wahlkämpfe unter-

Interessanteste an dem Briefe ist aber die Auf­deckung der Beweggründe, die den Gesamtvorstand der deutsch-sozialen Parte: u seinem Vorgehen aeaen Dr. Böhme bewogen habe. Dr. ahme schreibt, er habe den Ueber- tritt zum Dauernd: n nicht ohne reifliche Ueberlegung vollzogen:

Lch habe fernere dabei lediglich so gehandelt, wie ich es für die Pflicht eines fveien und unabhängigen PolittLers erachte.

Arbeit des Nationalvereins.

Unsere heutigen Aufgaben sind verwickelter als die von dazumal: schärfer die wirtschaftlichen Interessengegensätze, gesteigert bis zum Schlagwort vom Klassenkampf und vergiftet durch Klassenhaß: heißer das Ringen auf geistigem, sittlichem, religiösem Gebiet; mannigfaltiger die auf uns eindringenden Fragen des öffentlichen Lebens; verworrener die Parteien und Parteiunterschiede. Und doch, wie viel haben wir als hoffent­lich unverlierbares Erbe und Besitztum überkommen! Un­verlierbar ist der Reichsgedanke, unerschütterlich die Einheit der Ration. Man weiß es in Nord und Süd, daß nur in einem einigen Deutschland die gesicherte Freiheit, ja Existenz der Einzel- staaten möglich ist.

Wir haben gelernt, daß die Macht zum Wesen des Staats gehört, daß auch unsere wirtschaftliche Wohlfahrt daran hängt, daß wir sorgsam hüten müssen, was dem Bestand des Reichs', einer europäischen und seiner Weltstcllung dient, daß die Wider- etzlichkeit gegen $xer und Flotte nicht die Glanzleistung des libe­ralen Mannes ist.

Und unzertrennlich von Macht und Einheit soll uns die Freiheit sein, Freiheit nicht im Sinne eines ungeschichtlichen Radikalismus, sondern im Geiste eines historischen Liberalismus, der bürgerliches Selbstbewußtsein und Rechtsgefühl als eine Grund­lage des Staatslebens hochhält und zu der bildungsfähigen Lebens­kraft des Volkes Vertrauen hegt.

Daß diese Gedanken unb Ideale Gemeingut weitester Kreise unseres Volkes geworden sind, daß die Gemeinsamkeit hierin größer ist als mancherlei Parteiunterschiede, das danken wir vor allem auch der Arbeit der Männer des Nationalvereins. Der liberale Gedanke kann in Dwtschland nur kräftig sein, so lange und so weit es dem nationalen sich paart. Lernen, immer mehr alles einzuordnen in das Leben und den Dienst des Staats, und nie den Glauben verlieren an die Zukunft unseres geliebten deutschen Volkes das sei die lebendige Frucht unserer heutigen Gedenk­feier, das bleibende Vermächtnis des deutschen Nationalvereins.

Der Montag brachte noch eine Nachfeier auf der Wartburg, zu der von Jena auch noch zahlreiche Teil­nehmer des jungnationalliberalen Parteitages, der dort am Samstag und Sonntag seine Beratungen abgehalten hatte, eintraf en.

Montag 18. Oktober 1909

f Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unwersiläts - Buch» und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

TieGietzener Familiendlätter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelcgt, das Ktcisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtfchaftltchen seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

In jenen Tagen, wo er nach einem glanzenden Feldzug Staat wieder zu Ehren gebracht, Preußens König Ni festigt hatte, gab er dem Volk das allgemeine gleich' Es war der Bund des nationalen uno Liberalen ßk

Verständnis unter den Eisenachern, daß wie Bennigsen ein halbes Jahr nachher in seiner Berliner Rede es ausdrückte es die historische Mission Preußens sei, bei der Wiederherstellung eines Deutschen Reiches die Führung zu übernehmen, und daß hierbei das deutsche Volk der Alliiette sein müsse."

Es wird zum Größten in Bismarck gehören gestatten Sie, daß ich den Historiker zitiere,daß er trotz allem Wider­spruch, den er erfahren, doch die Stärke der liberalen Bewegung und ihren unersetzlichen Wert für die nationale Einigung erkannte. In jenen Tagen, wo er nach einem glänzenden Feldzug "reichens

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der nicht gesomien ist, fick dem Terrorismus demagogischer Agi- tat io n zu beugen. S e (Liebermann v. Sonnenberg- bauen, wie die übrigen deutschsvzialen K-.'llegen, das Verhalten des Bundes der Landwitte genau jo auf das schärfste verurteill wie ich, eie persönlich dabei Urteile über den Bund, seine Führer uno lerne Presse gefällt, gegen die alles das, was ich in dem Organe des Deutschen Bauernbundes über den Bund geschrieben habe, als milde Kritck zu bezeichnen ist. Sie haben ferner als Vorsitzender dec Fraktion sich für die Annahme der Er ban fall steuer unter gaw.fi m Bedingungen erklärt. Diese Bedingungen wurden erfüllt, und trotzdem trennten Sie sich von der Fraktion und stimmten dagegen, fügten sich der gegen Ihre Haltung entfesselten Agitation des Bundes in Ihrem Wahlkreise. ..

Wenn ich anders als Sie die Konseauenzen niemer ^enmxiie zog, so steht es Ihnen und dem Pattcirorstande am allerwenigsten zu, jetzt derartige Vorwürfe gegen mich zu erheben, ^enn mem Vergehen besteht ja lediglich darin, daß ich öffentlich zit,tvr- treten wage, was ich denke. Außer der Verletzung der Mastitat des Bundesvorstandes dürste es Ihnen schwer fallen^ mir naäx- zuweisen, daß ich Irgend etwas von meinem allen Standpunkte aufgegeben habe. Ich habe mich weder einer anderen Partei angeschlossen, noch habe ich alle Grundsätze abgeschworen."

Dr. Böhme sagt zum Schluß, lediglich der Wunsch, dem Bunde der Landwirte gefällig zu sein, habe die Be­schlüsse des Parteivorstandes bestimmt. Und das eine werde damit ja auch erreicht werden: die sanfte Opposotion gegen­über dem Bunde in der Erbanfallsteuer werde Herrn v. Liebermann verziehen werden. Aber zugleich sei für alle Zeiten der Glaube an die Unabhängigkeit der deutsch­sozialen Partei vom Bunde der Landwirte zerstört worden.

LandtagsabgeorSneter Schmalbach f.

Aus Darmstadt wird uns geschrieben:

Die Zweite Kammer der Landftände hat einen chmerzlichen Verlust erlitten durch das Ableben des Ab­geordneten und langjährigen Sekretärs der Kammer, Hein­rich Schmalbach, der am Samstag abend in seinem Ge­burtsort Crainfeld in Oberhesien nach kurzer Krank­heit gestorben ist. Der Verewigte hat ein Atter von nahezu 71 Jahren erreicht; er war am 5. November 1838 in Crainfeld geboren und eines der ältesten Mitglieder der Kammer, in der er den 10. Oberhessischen Wahlkreis (Herb- 'tein-Ulrichstein) vertrat. Politisch gehörte Schmalbach dem Bauernbund, der früherenHessischen Bolkspartei", an, doch ist er nie in prononeierter Weise als Agrarier her- vorgetteten. Schmalbach, der von Beruf Landwirt war, ist in seinem Heimatsort schon frühzeitig zu den ver­schiedenartigsten Bertrauensämtern berufen worden. Er war Mitglied des Bezirksrats, Ortsgerichtsvorsteher, Standesbeamter, Mitglied des Kreis- und Provinzialland­tags, Ausschußmitglied einer Sparkasse, Vorsteher einer Wiesengenossenschaft, weltlicher Abgeordneter einer Deka­natssynode, stellvertretender Vorsitzender des Kirchen- und Schulvorstandes usw. Der Zweiten Kammer gehörte Schmalbach von 18761884 und dann vom 14. Okt. 1896 bis jetzt an. Im Jahre 1899 wurde er für die 31. Legis­laturperiode zum zweiten Sekretär berufen und fett Beginn der 32. Periode war er erster Sekretär der Kammer, welches Amt "er stets mit größter Pflichttreue verwaltete; man sah den jovialen alten Herrn immer als einen der ersten auf dem Posten. In der hessischen Volksvertretung wird sein langjähriges Wirken in dankbarer Erinnerung bleiben!

potttrZche Lagesschart.

Der LeipzigerTendenzprofefsor".

Dresdener und Leipziger Zeitungen veröffentlichen jetzt auf guten Informationen beruhende Artikel über die An­gelegenheit des LeipzigerTendenzprofessors", in denen bestätigt wird, daß der Vorschlag nid) t Dom Zentralverband deutscher Industriellen ausgegangen ist. DieLeipz, Reuest, Nachrichten" schreiben: .

Die auf dem Deutschen Hochschullehreitag in Leipzig erörterte Angelegenheit des Leipziger Tendenzprofessors wird zunngunsdm des sächsischen Kültusministertunrs ausgelegt, d. _ h.W diesem in verschiedenen Zeitungen den Vorwurf, daß es^der Absicht, durch eine neue Professur die vottswir tsckaft li cho oatultat in Leipzig für besondere Zwecke zu beeinflussen, nicht von vorn Here ui entgegengetreten wäre, sondern durch die Vorbringung der An­gelegenheit vor den Senat der Leipziger Uniüerntdt der Sache nicht gleichgültig gegenüber gestanden hätte. . . _

Demgegenüber teilt uns Kultusminister xr. Beck nut, daß alle Fragen, die die Landesuniverjität berühren, dem Herkomnien gemäß bem Senat unterbreitet werden. Das i)t auch mit ben An­gelegenheit der neuen Professur geschehen. Ganz falsch sei eck aber, von einer bestimmten Jnteressentengruppe sprechen, du die Frage der neuen Professur angeregt hätte. Es bandle sich vielmehr um eine die größten wirtschaftlichen Gegen)atze Um- chlleßende ^Bereinigung aus Mitglieder^des Handels, der Zn- >uftrie (darunter Frechändler und Schutzzöllner«, ber Banken, der Technik und der Landwirtschaft, hervorragender HochschuL« Professoren, hervorragender Mitglieder des Reichstags, des preu­ßischen^ Herrenhauses und des preußischen Abgeordnetenhauies ver- chiedener Parteien, die sich zum Zwecke der Unterttützuna von Forschungen auf dem Gebiete der getarnten Wirtschaftsgeschichte znsammengetan und u. a. den Beschluß gefaßt haben, wenn mög­lich, eme neue Professur für diesen speziellen Zwerg derVE^ wirtschast, und zwar möglichst in einem Industriestaat, -u ichasten. ?(m geeignetsten hielt man für diese Zwecke die Leipziger Uni­versität, weil dann der neue Lehrstuhl zugleich m enter dep größten Handelsstädte des Reiches stünde.

Tas Komitee wandte sich mit fernem Bonchlag un vorigen. Sommer an das sächsische Kultusministerium, indem es sich gleich zeitig bereit erklärte, jährlich mit 30 000 Mark ein derartiges voltswirtschaftliches Seminar für Wirtschastssorschung in Leipzig gu unterstützen. Ein nach der Meinung des Komitees hierfür sehr geeigneter Professor, nämlich Professor Ehrenberg ur Rostock, wurde dafür in Vorschlag gebracht. Kultusminister Dr. Beck hielt es für angezeigt, diesen Vorschlag der Fakultät als der für die Entscheidung zuständigen Stelle zu übermitteln, .eitimal, weil diese Vereinigung aus so vielen im polittsthen, inbultrieilen, kaufmännischen und technischen Leben hervorragenden Persönlich feiten bestand, dann aber in der Hauptsache deshalo, weil deck Minister, wie schon gesagt, der Ansicht war, daß er unbedingt an der bisherigen Gepflogenheit festhalten müsse, nämlich bei jeder Neueinrichtung eines Lehrstuhls und bei jeber Berruung eenes Professors zunäckstt das Gutachten der betreffenden Fainltat em- zuholen Die Fakultät hat dann, wie bekannt, ihrerseits einen! Eingriff in ihr Wirken grundsätzlich und entsckneden aogelehnt, (mit der Motivierung, daß davon nie und nimmer die Rede sein könne, daß befonbevc Gruppen auf die Zufammenietzung des akademischen Lehrkörper etwa in ihrem Sinne cimrnrien tonnten.

Das ist der tatsächlick>e Sachverhalt in der viel erörterten! Frage.

Mid Händeklatschen.) . .

Der Sonntag Vormittag war der B e s i ch t i g u n g von Eisenach und Umgebung gewidmet. Mittags trat man die Wanderung ins Mariental hinaus an, zu der geweihten Stätte wo vor 50 Jahren der Nationalverein gegründet wurde. Hier stielt Reichstagsabg. Prof. Dr. Hieb er die Gedenk- und Festrede. Er führte u. a. ans, nachdem er derdumvfen freudlosen Jahre der Reaktion in Staat und Gesellschaft, in Schule und Kirche, in Wissenschaft und Literatur" Erwähnung getan hatte:

Tie Uebernahme der Regentschaft in Preußen durch Wilhelm I. belebte die Hoffnungen wieder, em frischerer Luftzug begann zu wehen. Und das Jahr 1859 brachte zwei Ereignme, die die deutsche Frage wieder in den Mittelpunkt des Tenkens und Emp­findens rückten: die Begründung des Nationalvereins und die Feier von Schillers 100 jährigem Geburtstag.

Hier in Eisenach erfolgte im Juli lene Erklärung, die den Namen von Schultze-Delitzsch an der Spitze trägt: eine feste bauembe Zentralregierung mit Na tion al Vertretung jet notwendig, nur Preußen könne das schaffen, militärisch und politisch, es habe aber auch die Pflicht, dies zu schaffen. Gleichzeitig damit traten in Hannover jene tapferen Beidem bereit Gedächtnis m unseren Reihen nicht verlöschen soll, von Bennigfen und Miquel, mit derselben Erklärung hervor. So erwuchs das Eifenacher Programm. Um die wichtigste praktisch Frage, nämlich die nach der bleibenden Führung auf dem Weg zur politifchen Einheit, ist das Eisenacher Programm schonend. ,ängstllck , herum- gegangen. Man i-eißt wkis heute eine takttfche Ruckt ichtnahme. Nicht nur hatte sich ove Spannung zwischen Oesterreich und Preußen wieder verschärft, sondern man glaubte dadurch auch denen entgegen kommen zu müssen, denen Preußens Regierung nicht die genügende Gewähr für die Richtigkeit des Wegs zu bieten schien. In Wahrheit war es doch wie ein stilles Ein-

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ater Rui u. era- tt nit liebenswustM nHermm.g.MD ilerS^ahmM zu werden. Beh­

aus der 6* t ausgeichlosM Neldungenuniei^- jjener Anie>E öä*

fromonteur hule in Köln

Zentralvorstandes.

In den Zentralvorstand wurden neu gewählt die Herren Fabrilänt D e y de ka m p -Iserlohn, Rechtsanwalt ä/c. | .Heygster - Memel und Justizrat Dr. Pagenstecher- Mannheim.

Am Begrüßungsabend führte in seiner Festrede der Abg. Bass ermann die Versammlung in die Vergangen­heit, in die schweren, aber auch in die großen Zeiten der Partei zurück. Er führte u. a. aus:

Als der Schmied des Deutschen Reiches M ienen Jahren. 1870/71 die Kaiserkrone dem deutschen Volke überbrackste, da war os Wohl der Mitarbeit der Nationalliberalen zu verdanken, baß all die Herrlichkeiten, die bargeboten wurden, mit frifchem Geiste und nationalem Enthusiasmus entgegengenommen wurden. Und menn wir zurückblicken aus die Zeit, die nun anging, Die Zeit deutscher Gesetzgebung und deutsckM Liberalismus, die glan­zende Zeit, die hohe, große politische Forderungen ihrem Ziel näher gebracht. Tas Reich wurde ausgcbaut und die großen nationalen Ziele im Auge behalten. Glücklich die Parlament ar i^:, die an dem großen Kanzler sich aufrichten konnten, fei es als Okbrtr'en, sei cs als Gegner, » >m sic mit ihm im Var tarnen tarn men Kampf zusammenprallten. Ueöer die 70 er Jahre ist dreie Periode nicht lstuausg dem men. Eine Reihe gesetzgebenfcher Arbeiten waren vollendet und es beginnt eine Zeit, wo die materiellen ^u- i c r e H e v s i ch i n den Vordergrund drangen. Vor allein die sozialdemokratische Bewegung, die die Industriearbeiter va sich hinübei zieht und auf dec anderen Seite die Bewegung, die die Laiidbeodüerung in das gegnerische Lager führt. Eine nfmucrig. Lage! Besonders für die nativnalliberale Partei, die aus der mittleren Lini^ einen Ausgleich juckst, (-sehr richtig.) Es begann die Zeit dtzr ickowendung von der klugen Politik zu der grundsatzlosen Politik des Zentrums. In diese Zeit fallt oas Abbröckeln. Noch Einmal begann ein Auffchwmig: 1887 als Bismarck bei den Saptenatswahlen appellierte an bas Mttonal- bewußtscin imb wo die Nationalliberalen wieder mit nahezu 100 Mann in das Parlament einzogen. Auch 1893 war nochmals ein Sieg zu verzeichnen. Von da ein Wendepunkt, ^on 1893,, als das Zentrum Frieden gemacht mit der Regierung, ist dir Einfluß des Zentrums gewachsen und wie es in einer Zentrums- Versammlung einmal gesagt worden ist: Zentrum ist krumpf!

Die Blockivahlcn sind noch in frischer Erinnerung. Wie atmeten wir damals auf und wie wurde es jubelnd begrüßt, daß Fürst Bülow über Raren und Genossen hinweg an das Eolk appellierte. Verklungen und vertan ist der Block, vergangen au: igenwch. Und das Zentrum vor allem ist gerade

durch die fouservcckive Partei in den Sattel gehoben worden. Und die Per iw e, die nun ansing -- eine erfreuliche für das Deutsche :Hfich wird sie nicht sein. (Sehr richtig.) Man hat von dem Niedeiaang der nationattiberalen Partei gesprochen. Wohl war ein Auf und i!(b in der Zahl der Mandate zu verzeichnen. Wenn man aber unsere Wahlstimmen ansieht, kann man von .einem Niedergang nicht sprechen. In den Wahleii von 1903 und 1907 haben wir jeweils cincit Stimmenzuwachs von 400 000 zu ver­zeichnen. Und die Frage der Reicksfincmzreform wird schon deshalb nicht verschwinden, weil die Leistung des blau-schwarzen Blocks nngenügcnb Ivar, und wir eine neue Reichsfinanzreform zu er­warten Zabeu Sehr wahr!) Und ich bin überzeugt, daß die Erbschaftssteuer in dieser nickst .fehlen wird. Und unter diesem Gesülstrstiunkt wirb di. naiionalliberale ^Partei ihren Sieg feiern. (Lebhaster Beifall.. Schauen wir auf Deutschland: Es lastet ein läpperet Druck der Unzufriedenheit aus dem Volk. Daß das Volk sich eine so reaktionäre Reform aufdrängen lassen müßte und un- mirieben ist, das sieht man in der Zunahme der roten Stimmen , bei den Leuten Wahlen. Mr dürfen deshalb in unsere^. ReihenMißmutnichtaufkommenlassen. Wir müssen fortidjreitcit, d e Wähler aufzuklären auch für eine neue Relchs- finanzresorm. Leblwite Zustimmung.) In bem schönen Eisenach, zu Füßen der altersgrauen Wartburg inmitten des ewig grünen Waldes, müssen wir uns daran erinnern, baß hier einNationai­ver e i n gegründet worden ist und müssen ben nationalen Ge­danken Heckleuchten lassen, ob die Zeiten gute ober schlechte seien. Ilnb alle Zeit möge die national liberale Partei ein Hort des Liberalismus sein. Ter Redner schloß mit einem Hoch auf die nationalliberale Partei in Eisenach. (Langanhaltender Beifall

2hi5 Stadt und Land.

Gießen, 18. Oktober 1909.

**DieAnsschlagskoeffizientenfürdiehes- fischen Gemeinde-Umlaaen in den Steuerjahren 1901 und 1909 veröffentlicht die Zentralstelle für die Landes» ftatiftit. Wir entnehmen der Zusammenstellung, daß im Jahre 1901 noch 6 Gemeinden steuerfrei waren (Albach, Bersrod, Etttngshausen, Hattenrod und Staussenverg im Kreis Gießen, sowie Fischbach im Kreis Alsfeld). Im Jahre 1909 konnten sich nur noch zwei dieser Gemeinden, Ettings­hausen und Fischbach, der Steuerfreiheit erfreuen. Unter 50 Prozent erhoben 1901 69 und 1909 nur noch 33 Ge­meinden. Dagegen erhoben über 200 Prozent 1901 23 Ge­meinden und 1909 63 Gemeinden. Bemerkenswert ist, daß in beiden Jahren keine rheinhessische Gemeinde einen solchen Zuschlag erhoben hat. Von den Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern (1901 waren es 93 und 1909 102) erhoben im erstgenannten Jahr noch 6 unter 50 Prozent, während, keine Gemeinde über 160 Prozent kam. 1909 gab es unter ihnen keine Gemeinde, die weniger als 51 Prozent erhob, daocgen 3 mit 160180 Prozent und zwei, die noch darüber hinausgingen: Arheilgen mit 199 und Mühlheim a. M, mit 181 Prozent.

** Die Statistik der höheren Knaben- uno Mädchenschulen in Hessen im Schuljahr 1909/10. Die Zahl der Lehrstellen an den Gymnasien, Realgym­nasien, Oberreal- und Realschulen nebst den Vorschulen, die mit ihnen organisch verbunden sind, beträgt nach dem Hiruptvoranschlag 28 Stellen für Direktoren, 409 Stellen für fest angesteltte imb 60 Stellen für provisorische Ober-

fam die Geburtsstunde der iiationaHiberalen Partei.

den Wahlen zum konstituier enden Reichstag des norddeutsckien Bundes ging der Mann hervor, der Jahre hinüurch Bismarcks bester parlamentarischer Bundesgenosse sein sollte, der erste Präsi­dent des Nationalvereins, Rudolf v. Bennigsen. Wenn jener Gang Bismarcks von 1862 bis 1866/67 ein Meistergang staats­männischer Kunst und genialen Wagemuts gewesen ist, so war diefcr Erfolg nicht möglich ohne die vorbereitende, klärende und erziehende

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Line nctionalliberok Gedenkfeier in Eisenach.

Zur Erinnerung an die 50. Wiederkehr des Grün­dungstages des Deutschen Nattonalvereins wurde von dem Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei in Eisenach am 16. und l/. d. M. eine besondere Feier veranstaltet. Hierzu wird uns tnitgeteilt, bay eine vollständiae, die erste, authentifch-wisfenschaftttche Geschichte des Nationalvereins in dem nächsten Monat bei der Deut­schen Verlagsanstalt erscheinenden zweibändigen Werke .Rudolf von Bennigsen" enthalten sein wird:Ein deut­scher libero Politiker. Nach seinen Briefen und hinter­lassenen eichnnngen von Hermann Oncken .

Am Freitag bereits fand in Eisenach eine öffentliche polttische Versammlung statt, in der Prof. Dr. Paasche über die Reichssinanzreform und die innerpotttifche Lage sprach. Samstag war eine Sitzung des nationalliberalen

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en in der Gesches ^Anzeigers. M n Friibiahr 3fr h Saugelb aut tiot viatz in bester & ifleb. nur von Selk ^6 an b. Gieh. jtr,. lichtechten Zcniinc m einem Ltudew chern gründliche ichhilfe.

ien in der GeM iefe. Anzeigers. ,tra

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