Nr. 63
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polstifd^c Tagessci-arr.
Ein bedauerlicher Grenzzwischeufall.
Wie aus Belforb berichtet wird, erfolgte geftecn mittag an bar deutsch-französischen Grenze ein bedauerlichen Zwischenfall. Ztvei Einwohner der Grenzortschaft Chavannes befMiden sich aus c>M Gcinsjagd. Der Diener, der sich in ihrer Begleitung be- ,amd, entfernte sich auf einen Augeiiblick und als die beiden Herren
Die „Eichener Zamilienblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kteisbkitt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
einen Schub vernahmen, begaben sie sich nach der Schußrichtung in der Meinung, daß, der Diener irgend ein Stück Wild erlegt habe. Anstatt dessen fand man jedoch ben Mann in feinem Blute liegen. Er war durch einen Schutz in den Kopf getötet worden. Ter Getütete befand sich 20 Meter weit auf deutsclienr Boden. Er hatte wahrscheinlich unwissentlich die Grenze überschritten. Des Mordes beschuldigt wird ein deutscl)er Jagdaufseher, den einige Jäger kurze Zeit oor dem Zwischenfall gesehen haben wollen. Ausführlicher Bericht über den Borfall ist bereits an amtlicher Stelle in Paris eingetroffen. Man wird erst eine authentische Meldung über diesen Vorfall abwarten müssen, bevor cs möglich ist, sich ein Urteil hierüber zu bilden.
*
Generalstreik der französischen Post- und Telegraphenbeamten.
Gestern ist es im Pariser Haupttelegraphenamte zu neuen Kundgebungen gekommen, wobei Fenster eingeschlagen undTele- graphendrahte zerschnitten wurden. Um 4i/2 Uhr erschienen Umer- staats sekretär Sirnyan und, Polizeipräfekt Löpine mit 50 Gardisten, die die Kundgebungen vor dem Hauptpostamt unterdrückten und vier Beamte vorhafteten. Nach einer weiteren Pariser Meldung haben die Post- und Telegraphenbeamten den Generalstreik beschlossen. — Die Telegraphenverbindung zwischen Berlin und Paris war gestern gestört.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echuk» strotze 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:^-^I12. Tel.-Adru AnzeigerGietzen,
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politisches aus Hessen.
t* Hessische Politik. In Alzen fand am Sonntag eine Vertrauensmannerversammlung der freisinnigen Partei des Wahlkreises Alzey-Bingen statt, die in einer Resolution gegen die nationalliberale Stichwohlprobe Stellung nahm und die Angriffe auf Pfarrer Korell fdjarf zurückwies. Zum Schluß heißt es: „Tie Wähler des Wahlkreises Alzey-Bingen stehen nach wie vor treu zu ihrem Kandidaten, dem sie in mvvandelbarer Treue und Dankbarkeit für seine aufopferungsoolle Tätigkeit innig verbunden sind. Jeder Angriff auf die persönliche oder politisch.' Ehren- hastigkeit Pfarrer Korells ist zugleich ein Schlag ins Gesicht der gesamten freisinnigen Wählerschaft des Kreises Alzey-Bingen."
Der Landesverband der deutsch-sozialen Partei hielt am Sonntag in Frankfurt seinen Veitretertag ab. lieber die par- tel.(sche Lage in Hessen und im Reich sprach der Vorsitzende Amtsrichter Dr. Mahr-Darmstadt. Es folgte eine lebhafte Debarte. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes, der einen günstigen Abschluß ergab, sprach Reichstags-Abgeordneter Böhme über die Neichssinanzreform. Nach weiteren Äussührungen Tr. Mahrs über die Lage in Hessen, wurde die Versammlung geschlossen.
Aus Stcrdr usrd LcrttS.
Gießen, 16. März 1909.
* ' Tageskalender kür Dienslag, 16. März: Stadttheater: „Tie Jüdin von Toledo." Ansang S Uhr.
*
* * Das deutsche Kronprinzenpaar stattete gestern nachmittag von Frankfurt aus mittelst Automobils am Grotzherzoglichen Hofe zu Darmstadt einen kurzen Besuch ab. DaS Kronprinzenpaar kam gegen 5 Uhr dort an und begab sich direkt ins Neue Palais, woselbst Familientafel stattfand. Nach 7 Uhr abends fuhren die kronprinzlichen Herrschaften wieder nach Frankfurt zurück, um nach einem Besuche des Zirkus Schumann die Rückfahrt nach Berlin an- zutretcn.
• * Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoh. der Groß- Her z o g haben dem früheren Prokuristen der Firma I. B. Weber, Buntpapierfabcik in Offenbach, Rud. Engel in Offenbach, das Silberne Kreuz mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Nach laß steuer. Der Verein der Nation al- liberaleu Jugend wird demnächst in einer öffentlichen Versammlung die Zicichssinanzreforrn, insbesondere die Nach la ßst euer besprechen lassen und zur Diskussion stellen. Finanzamtmann Bangel, Stadtverordneter zu Tarmstadr, hat sich bereit erklärt, das Thema zu behandeln. Als Vortragstag ist Montag, 29. l. M-, vorgesehen.
* * Todesfall. Im eben vollendeten 80. Lebensjahre starb am 13. d. M. in Baden-Baden Oberstleutnant a. D.
— In dem Frankfurter Verein für Geographie undStatistik und der Kolonialgesellschaft sprach heute abend Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg und erstattete Bericht über die Ergebnisse der Zentralafrikanischen Expedition, die sich auf unerforschte Kongogebictc erstreckt Ijaae. Hofrat Hagen überreichte dem Herzog die Eduard Rüppel-Me
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Wilh. Daudistel. Mit ihm ist wieder einer der hessischen Offiziere dahingegangen, die schon in den Feldzügen 1848/49 die ernste Seite ihres Berufes kennen gelernt haben. Im Feldzuge 1866 war der Verstorbene, eben zum Hauptmann ernannt, Kompagniechef im 2. Infanterieregiment, im Feldzuge 1870/71 bis zu seiner Beförderung zum Major und Ernennung zum Kommandeur des 2. Jägerbataillons Kompagniechef im 1. Jägerbataillon.
** Die Gesellschaft für Volksaufklärung veranstaltet, wie mau uns schreibt, am Donnerstag und Freitag in Steins 6k rteil zwei Lichtbildervorirage und zwar einen für Damen und einen für Herren. Die Aufklärung und Belehrung über das Eheleben, sowie Gesundhetts- und Schönheitspflege sind von ungeheurer Bedeutung für jeden Menschen, denn nur mit einem gefunden Geist und Körper können wir den Kampf umS Dasein aufnehmen und das Glück der Familie begründen. Es sollte daher niemand verjänmen, die Vortrage zu besuchen.
* * Kun st verein. Nach den bis jetzt eingelaufenen Bild.rn zu urteilen, verspricht die Ausstellung reichhaltig und hochinterc,|ant zu werden. ES gaben Die Ausstellung beschickt: Pros. Dettrnann-Königsberg, Prof. Fr. v. Uhde, R. Scholz, H. RüoiSühli-Münwen, die beiden Genre maler A. Hering-Berlin und .$?. Muller-Hamburg. Z-erner noch Pros. Frey-Mannheim. Prof. I. Hefftter-Freiburg, P. Greff- Düsseldorf, Mary Loose und B. Balentini-Berlin usw.
**DieBüchersammlungdesBürgervereins beginnt Gestalt zu geivinnen und ist in der öffentlichen Lesehalle (Ausleihezimmer) untergcbracht worden. Bisher haben vier ^Herren für sie einen Betrag von zusammen 50 Mk., sowie ein Regal und eine Anzahl von Werken gestiftet, so daß die Sammlung zurzeit aus 33 Nummern besteht. Darunter befinden sich Schriften über Bebauung, Bauordnung und Stadterweiterung (von Adickes, Hinüeldevn und Glossen, Mangoldt), ferner ausführliche Werke über die städtischen Einrichtungen in Nürnberg, Halle a. S., Köln a- Rh., München, das wertvolle eairtmeüuerE „Die Gesundheit" aus dem Verlag der Union in Stuttgart, ferner eine Reihe von Gesetzbüchern (Bürgerliches Gesetzbuch, Strafgesetzbuch, Gewerbeordnung, Handelsgesetzbuch, ^tzasrpflichlgchctz,' Kranken- ynd Unjallversiche- rungsgesetze, ferner Darjtellungen des Gesinde- und Mietrechtes, des Familien- und Erbrechtes, ferner aufklärendc Schriften über Mieter und Vermieter, Reform der Gerichte, Polizei und Publikum, Steuereinschätzung, sowie Bürgerkunde im allgemeinen. Tie Bücher können in den Ausleihestunden der Lesehalle an jedermann verliehen werden, jedoch haben die Mitglieder des Bürger- Vereins dabei den Vorzug. Kataloge sind bei dem Schriftführer des Vereins, Herrn Jaslowsky, Hotel Einhorn oder m der Lesehalle einzusehen. Hoffentlich entwickelt sich diese soziale Einrichtung des Bürgervereins im Zusammenhang nut der öffentlichen Lesehalle gut uud wird, von weiteren Kreisen benutzt und gefördert. Zuwendungen für die Sammlung, die sich aus die für das bürgerliche Leben bedeutungsvollen Dinge beschränkt, besonders Büchersendungen können an die Äoauftragien des Vereins, Lehrer Valentin Müller oder Professor Sommer gerichtet werden.
t* Reifeprüfung am Realgymnasium. Vorige Woche faird unter dem Vorsitz des Geh. Schulrats Tr. Rausch die mündliche Rcifeprüsuug am h.esigen Realgymnasium patt. Die Prüfung bcstanoen 17 Abiturienten: Erich Ballmaun, Gipsten (Medizin), Wilheüu Bausch, Gießen (Medizin), Oskar Escher, Wetzlar (Mittlerer Zolldienst), Philipp Frey, Langgöns (Medizin-, Leonhard Hoos, Lauterbach (Kaufmann., Hermami Jmiker, Gießen (Postdicnst- Friedrich Ksing, Gießen -Landwirtschaft), HmisKvch, Gießen (Offizier), Hermann stlluß, Gießen si.Nnichiuenbauh Icon Rieth, Wetzlar (Machematik), Hans Roloff, Gießen (Neuere Sprachen), Emil strnaeishausen, Ehrmgslzausen (Jura), Hermann Schlierbach, Kinzenbach (Maschinenbau), Jörg Schlotterer, Butzbach (Ofsizier), Gustav Schmrdr, Langsdorf (Germanistik-, Robert
Die Kriegsgefahr nimmt zu.
Wie vorauszuschen war, hat die serbische Antwort auf die Er- öfsnunyeu Oesterreichs über den Handelsvertrag in Wien nicht befriedigt. Oesterreich hatte den Serben ein großes Entgegenkommen dcwiesen, daß nun keine Erwiderung gefunden hat. Die ablehnende Geltung Serbiens erfahrt dadurch noch eine Verschärfung, daß die crbischcii Rüstungen allem Anscheine nach mit verdoppeltem Eifer fortgesetzt werden.
In Belgrad wird der Ausbruch des Krieges mit Oesterreich als imDcrmeiblid) bezeichnet. Man ist dort neuerdings infolge rus- iischer Zusicherungen und der in Aussicht genommenen stark über- ä)ätzten Banden-Aktioncn allzu zuvcrsichllich geworden. Man hält :s j e tz t i n W i c u für sehr wahrscheinlich, daßeszumKriegc lommcnrairb. Man wird nunmehr nicht mehr länger Zeit vcr- icrcn. Nach nochmaliger ernster befristeter Vorstellimg wird evtl, rasch ein Ultimatum folgen. Parallel damit dürste ein noch- naligcr Schritt der Allichtc in Belgrad stattfinden. 'Iftan ist indessen überzeugt, daß alles pur die serbliche Kriegslust nicht dämpfend uirfen wird. Die diplomatische Aktion dürfte sich nod) bis April unzi.chen und erst dann durch einen Waffengang abgelöst merben.
Aus Belgrad wird ferner gemeldet, daß in den Minister- liesprechungen der. letzten Tage, an denen mehrmals der König iieilnabm, die Oesterreich feindlichen Stimmen die Oberhand be- I'ulten bähen. Novakowitfch gab den Ausschlag, während Paschitsch und Milowanowitsch bis zuletzt eine versöhnliche Stimmung her- yuftcllen versuchten. Der König verhält sich fast passiv und ist ge- fimdheitlich durch die ununterbrochene Aufregung erschöpst. General -sivkowitsch treibt Serbien dem Kriege in die Arme. Die Rüstungen 7-erden stcberl)ast fortgesetzt. Es gelten Truppen-Nachschübe an die Ilvsnische Grenze. Sonnabend ist ein Zug mit Diunition und Hand- ijomben, die für die Truppen an der Drina bestimmt sind, angegangen.
In Anbettacht der immer ernster werdenden Lage und der Lermisfordemden Haltung Serbiens betreibt nun auch Oestecreich- illngarn seine Rüstungen mit verstärktem Eifer. In Wien haben »ihlreiche Reserveoffiziere die Einberufungsorder erhalten, teils ach Galizien, teils itatfj dem Süden der Monarchie.
Wie das Prager Tageblatt aus gut informierten Quelle erfährt, efteht in maßgebenden Streifen die Austastung, daß es vielleicht ' dieser Woche zur Mobilisierung kommen niirb. Es wirb it maßgebender Stelle mit dem Ausbruch eines Krieges ebenfalls wie mit einer a ls bevorstehend zu cr - ch t e n d c n Tatsache gerechnet. Die Hoffnung auf eine -brocnbuiig des Krieges ist im Ällgemeiucil sehr stark gesunken, dü sei nötig, sich mit dem Ernst der Lage durchaus verttaut zu nnacheu.
Aus C et in je wird berichtet: Fürst Nitika empfing den rus- ’ ichen Gesandten Stean und den serbischen Geschäftsträger Jowano- ^astch, mit denen er längere Zeit beriet. Sodann wurde im Konak i in Thronrat abgehalten, nach dessen Beendigung sowohl Stean
Jowanowitsch neuerdings zum Fürsten berufen wurden. Der Fmrst erklärte den beiden Diplomaten, sie mögen ihren Regierungen v -ittcilen, baß bic Kriegslusst in Montenegro so groß i it, baß sic nur burch Befriedigung der montenegrinischen Wünsche ss-elöscht werden könne.
Wie das B. T. aus Petersburg erfährt, hat Iswolsky Eltern durch ben russischen Gesandten in Belgrad die serbische Regierung ermahnen lassen, alles, was als Herausforderung (itbeutet werden mrö zum Kriege führen könnte, sorgfältig zu ver- neeiben.. In biplomatischeu Kreisen glaubt man gleichwohl fast allgemein an eine entschiedene und sehr akute 5lriegsgefahr und es die int nicht, daß Herr Yon Aehrcnthal im Interesse des Friedens bi dem besten und tauglichsten Acittcl greifen wird: zu der Anforderung an die Großmächte, unverzüglich die Beratung des Ko>l- «enz-Progrmnms zu beginnen.
In der russischen Rcichsduma erklärte der Slawenfüln:cr Bob- rLiskY den.österre ich isch-s erbi scheu Krieg gemäß Test- gTianrmen für bereits ausgcbrochen. Viele Lchülcr und scdbst Schülerinnen seien im Begriff, als Freiwillige nach Serbien gii ziehen.
Ein neuer Roman von Alfred Bod.'
Was die rauhe umvirllichc Eifel für Klara Viebig, die schärfste P-arsönlichkeit unter unfern dichtenden Frauen, ist, das ist für Bock
Lessenlaud, insbefonderc der Vogelsberg, und man wird ihm trat er das bleibende Verdienst zuerkennen müssen, seine Heimat ’ die Lsteratur erobert zu haben. Der hervorragendste und eigen- acigftc Zug seiner bodenständigen, krästtgen Kunst ist die sichere, feffgefügte Gestaltung seiner knapp zusammengefaßten Romane iraiittclbar aus dem Seelenleben seiner Menschen heraus, die mut den einfachsten Mitteln durchgeführten leidenschaftlichen Motive, ■mb nicht zuletzt die verblüffende Meisterschaft, mii der er das bäuerliche Leben vor im§ lebendig macht. Mit innigem Behagen bd.aujdn man seine im vollen Leben wurzelnden Menschen und man beanerft keinen einzigen falschen Ton, keine noch so unauffällige Eenöung ihres Tun und Treibens, die nicht den Stempel rück- imtsloser Echtheit trüge. Und das ist bezeichnend für Bocks Ge- 'laltcn, daß sie gar )eiten die Gebundenheit des Herkommens irrengen, daß sie sich aber, wenn sie einmal dazu gedrängt werden, mus ihr volles Naturrecht besinnen und dadurch unsere menschliche ’i leilnahme aufs höchste steigern. Weiterhin wachsen sich Bocks ödcher immer zu höchst anschaulichen und sesselnden Kulturschll- )c::ungen und Kulturftudien aus, und gerade darum ist ihnen eine Mrz besondere Bedeutung beizumessen. So hat er sich denn feine ixene Literatur und seine eigenen Menschen geschaffen, die alle h7ie eigenen Gefühle, ihre eigenen Gedanken und ihre eigenen Stimmungen haben. Shtorrig stehen seine Menschen da und in eisen, klaren, eigenartigen Umrffsen stehen sic vor uns und vsi> wirklich neu geschaut und mit Besonderheit gegeben.
.In seinem neuen Sioman, den Parisern, führt uns Bock wieder L ein oberheffisches Dorf und wie bei feinen früheren Werken ver- eV! er uns auch hier wieder ohne Umschweife in eine bewegte Handlung. Es ist ganz erstaunlich, mit rvelcher Knapphett Bock äiaen Stil gebraucht. Wer sich in diese Stilistik versenkt, der mertt M bald, daß da jedes Wort auf seine Wirkung erwogen und all sauberem Bedacht lsingestellt ist, und durch eben diese knappe, dCir Umständlichkeit abholden Form, gibt er feinen einzelnen *)i bern eine außergewöhnliche Plastik und Rundung. Und wie ill.s in diesem Stil rythmisch schwingt, unb wie viel verhaltene 6UrFejntb schweigende Kraft sich in diesen kurzen Sätzen offenbart
Tiefste und das Oberflächlichste, Trivialste, wie es das 8o«iksleben eben bietet, wohnt hier, wie es nur der Dichter kann, uchbarlich beieinander und vereint sich zu einem vollen Einklang.
Mit dem Tode des alten Pfarrers, der von seinen Bauern nichts im Walde gefunden wirb, beginnt der Roman, unb schon
*) Alfred Bock: Die Pariser, ein Roman aus Hessen. Salag von Egon Flcischcl, Berlin,
bei diesem nächtlichen Waldgang werden die Pariser gcstreist, und die Hauptfigur der Erzählung, der Bürgermeister, tritt uns in sckmrfer Klarheit vor Augen. Er hat vor Jahr unb Tag eine Reihe von Familien burch seine Llusbeuterei zu Gmnbe gerichtet unb sie zum Verlassen der Heimat gezwungen. Viele Jahre haben sie in Paris als Straßenkehrer ihr Brot verdient, aber in der Fremde ist der Haß gegen den Unterdrücker in der Heimat nicht erloschen. Ms bann im Jahre 1870 bie Deutschen aus Frankreich ausgewiesen wurden, kommen die Pariser zurück, entschlossen, den alten Feind zu stürzen. Die Spechtsmarie ist die Leiterin der Agitation. Src möchte ihren Sohn gern als Nachfolger des Bürgermeisters fehen, unb der Kampf, der nun an hebt unb das ganze Dorf in zwei Parteien scheidet, wird mit -einer ivunberbaren Anschaulichkeit vorgeführt. Man Könnte glauben, der Dichter habe von frühester Jugend an inmitten dieses rauhen Menschenschlages gelebt, so pertraut zeigt er sich mit seinen Sitten, mit seiner Sprache unb seiner Denkweise. Tie Bilder des bäuerlichen Lebens unb Treibens, die er mit markigen Zügen hinwirst, sind voller Leben und doppelt wertvoll, tvell die alles gleichmachende neue Zeit mit ihrem starken Strom gar bald alles hinweggeschwemmt haben wird, was uns jetzt noch als echt ländlich und bäuerlich entgcgen- blicft
Die Handlung des RomaneS erzählen, hieße, sie ihrer heimlichsten Reize entkleiden. Neben der Gestalt des Bürgermeisters, aus die der Dichter seine ganze Charakterisierungskunst verwandt hat, treten auch alle anderen Gestalten, wie des Bürgermeisters Tochter Annegret, seine Frau, fein Sohn, der Sägemüller, fein Gegner, der Spechtskarl, und noch viele andere hervor. Eine ergreifende Gestalt hat Bock in dem blinden Aiandlersfranz geschaffen. In seiner Hütte verklärt sich alles zur reinsten Poesie, und der Schluß des Romans, wo der Blinde mit der Bürgermeist^rs- tochter, seiner Jngendsi-eundin, neuem Leben entgegensährt, wächst sich zu einem Gemälde voll erschütternder Tragik und zugleich voller 5)offnungsseligkeit aus.
Dieser neue Roman Bocks zeigt ihn wiederum auf der Höhe seiner Kunst, die so fest im vollen Leben und dem Volkstum wurzelt, und darum nriro ihr auch Dauer befchicden sein über alles das ijinans, was zünftige Vielschreiber alljährlich auf den Markt werfen.
Karl Neurath.
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b Qi Ile, mit der die Ehreumügliedjchaft der Gesellschaft verbunden ist,
— Herrmann Julius Meyer f. Aus Leipzig meldet die „Tägl. Rundsch.", daß Herrnmnn Julius Meyer, bet Senwrchef und frühere Inhaber des Bibliographischen Instituts, m der Naatt vom 12. auf den 13. Nllirz gelt o r b e n i,l. Meyer wurde geboren am 4. April 1826 in Gothv. Er ging 1849 al£ Flüchtling vor der polittschcn Reaktion nach Amerika, wo cr in Newyort ein Zweiggeschäft des Bibliographischen Jnuiluls gründete. 1856 kehrte er nach Deutschland zurück, übev- ncchm nach dem Tode seines Vaters in Hllddurghauseu Has Verlagsgeschäft des Bibliographischen Instituts unb gestaltete es durch neue V.rlagsiocrke uoii_0)iuiü) aus u. i,i großem Maßc um. Von diesen ist an einer ersten stelle Meyers Konversationslexikon zu nennen. Daneben gingen einher bie „Bibliothek ber deutschen Klassiker", bic geographisä>e Zeitschrift „Globus" (1862—1866), die eilte Auflage des von A. Brehm auf Veranlassung Meyers geschriebenen „Tierlebens" (1864—1869-, Meyers „Reisebücher" (seit 1862- und das einbändige „Handlexikon des allgemeinen Wissens" das als der sogenannte „Meine Meyer" weiteste Verbreitung fand. 1874 verlegte Meyer das Bibliographische Institut nach Leipzig, der Zentrale des deutschen BuckchaiidetS. Hier erschienen neue Werke, wie „Meyers Focksiexika", Neumanns „Gev- graphischcn Lexikon des Deutsck-en Reichs", Klassikersericn mti> die groß angelegte „Allgemeine Naturkunde". 1885 übertrug Meyer die Leituna des Biblwgrapbiicl-en Instituts auf seine Söhne Dr. Hans Meyer und Arridt Meyer, zu denen 1903 noch Dr. Herrmann Meyer getreten ist.
— Die Entscheibung im Petersburger Schachturnier. In der letzten Runde des Jirternarionalcu Schach- mciilerturniers in Petersburg siegten Sallve über v. Jaeymamr, Schlechter über Speyer, Dr. Lasker über Teichmrann, Duras über Miefes unb Dr. Bern,lern über Spiclmann. Die Partien Tovta- lower-Rubmftein, Snosko-Barvwsti-Forgacs, Dr P"VIis Erich l^hn unb Burn-Tus^Chotimirski endeten mit Remis. Die Ertt- fchcidung hiipichtlich bei ersten fünf Preise ist somit bereits ev- to -9tn - aL den. ersten und zweiten Preis (2000
nno 7o0 yuibel' Dr. Emanuel Lasker aus Newyork (14-/,) unb Zkba Aubinfteiu aus Lodz (W/2) 1 den dritten unb vierten ^J°o0^ 400 Rubel) teilen Olbrich Du ras aus Prag (11) r\C --^a nu«uS Änd)e-n (11) und der fünfte ^ers (280 Rulnl- fclllt an Dr. Osiip Bernstein aus Odessa. Tie SBertetlungter übrigen Preise hängt von dem Ausgange der Haiigepartten -oalwe-Erid) Cohn, Tcichmann-Speyer unb DuL- ChotimrrSki-Tr. Perlls ab.
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Zweites Blatt IFV.Jahrgang Dienstag 16. März 1869
Erscheint tikgilch mll Ausnahme des Sonntags. Xx xfc /*. Jk-a aa a a . L a. a a . Rotationsdruck und Verlag der Brübl-ich«
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General-Anzeiger für Gberhesfen


