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19.4.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Montag 18. April 1909

<rcmg sind: fite den weiteren Ausbau luirc cs notwendig, ebenso lia für die Erdoberfläche .auch täglich Wetterkarten in Höhen

159. Jahrgang

in Erforschung der oberen Luftschichten. Pvofossor Bersvn vom 'Uervcttorium Lindenberg berichtete über seine Forschungen auf Vicborianyassa-See in Ostafrika, wo durch 'Registerballons n 17 000 Meter Höhe eine Temperatur von77 Grad fest- :e' :ellt wurde und in Höhen oberhalb 15 000 Meter ein ständiger 3 kstwind bsabachtet werden konnte. Geheimerat Hevgesell, machte Mitteilungen über die Ballonaufstiegc auf dem Pik von >Eieriffa und auf dem KreuzerVictoria Luise" in der Umgebung kn kanarischen Küste. Er empfahl die Errichtimg eines ständigen ONervadormms auf dein Pik von Teneriffa in einer Höhe von MO Metern. Eine besondere Kommission befaßte sich mit der i)i7janisation von Stationen, über der ganzen Erde, womit der .texF verfolgt wird, durch gl-ichartige, teils int Innern der o'Ttnxentc, teils auf Inseln zu errichtende Stationen einen weiteren iejbau dec Meteorologie ins Leben zu rufen. Geheimerat- ii« nn zeigte, d« die jefcigen acrologischen Stationen diel zu

wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Nedakiion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieren.

ton 1000, 2000, 3000 Meter und höher zu entwerfen, um hier htiif) Aufschluß über die Luftdruck- und Temperaturverhältnisse M gleicher Zeit und in gleicher Höhenlage über große Gebiete u erhalten. Neben dec Vermehrung der Pilotstationen käme noch >!e Errichttlng neuer Drachenstationen in Frage: so eine schwim- nebe Station in Danzig, ferner je eine Station auf dem Brocken, m Taunus, dem .Hohen Benn, dem Feldberg im Schwarzwald, m Rhöngebirge und auf dem Gläßer Schneeberg. Für ganz tu wpa würden etwa 30 Observatorien zu errichten sein. jw den Beratungen nahm auch der Fürst von Monako persön- ich» teil.

Trleines

Die Zirkusvorstellung der Berliner 31 hnenkü i! stler, die am Samstag abend 12 Uhr int siirkus Busch stattfand, sand bei ausoerbauftem Hause statt ind hatte einen ungeheuren Beifall.

Ueber das Ergebnis der soeben beendeten Internationalen Konferenz für wissenschaftliche Luft- drffaljrt zu Monako schreibt man: Unzweifelhaft von größtem jiTteresse waren die Berichte über die verschiedenen Expeditionen

Ter Anmarsch der Truppen.

Ein Privatkorrespondent meldet unter dem 18. April, 8 Uhr 50 Minuten abends, aus Konstanttnopcl: Tie heute nachmittag oeelreiteten Gerüchte, daß die Truppen ihren Vormarsch gegen oic Hauptstadt bereits begonnen hätten, sind falsch. Wie ich durch Augenschein festgestellt habe, steht die äußerste Vorhut in Knet- 'chuek-Tschetme kds che, 25 Kilometer vor Konstantinopel. Tas Ans- iehen der Truppen ist vorzüglich, ihre Stimmung und Disziplin augenscheinlich ebenfalls. Tie Offiziere sind als Mannschaften verkleidet. Die Vorhut, die die Bahnstation besetzt hält, begrüßt die Reisenden mit dem Absingen von Freiheitsliedern: aus den Bemerkungen der Soldaten geht hervor, daß für morgen ent­scheidende Ereignisse zu erwarten sind. Tic nach Tsclnftaldsche entsandte Deputation der Kammer ist unverrichteter S<W zurück­gekehrt, da die Truppen Garantien dafür verlangten, daß die Ver- Mssung nicht gefährdet sei. Tie Gerüchte, daß die Deputation von den Truppen gefangen genommen worden fei, sind falsch. Am Nachmittag i;t der Chef des Generalstabes, Jsset Pascha, mittelst Svnderzuges nadf Tschataldscha ab gereift, um mit den Truppen zu verhandeln.

Schreckensherrschaft in Adana.

Entsetzlich lauten die Nachrichten ans Adana, wo ein Ar­menier in der Notwehr zwei Moslemen tötete. Seitdem hat die mohammedanische Bevölkerung eine Schreckensherrschast etabliert u. massakriert die Nichtmohammedaner. Tie Konsulatsberichte lauten ücriivcifelt. Die Epzcste gewinnen stündlich an Umfang. Die Eisenbahnlinie Mersina-Tarsus-Adana ist unterbrochen und teils zerstört. Adana stand heute morgen zumteil in Flammen. Die H-remden sind derart gefährdet, daß die Botschafter-Konferenz um die Entsendung von Kriegsschiffen bat.

Das WienerFremdenblatt" erfährt: Es bestätigt sich nach erner hierher gelangten Konsularmeldung die Nachricht, daß der en g l i s ch e V i z e ko n s u l in A d a n a bei einem von Armeniern angerichteten Blutvergießen verwundet worden ist.

Das zur Zeit im Aegaeischen Meer befindliche deutsche StationsschiffLoreley" erhielt Befehl, sofort nach Mersina ab­zugehen. Der englische KreuzerTiana", der nach "Malta bestimmt war, erhielt auf drahtlosem Wege Befehl, sich nach Beiruth zu begeben. 'Der italienische KreuzerFerrucio", der sich zur Zeit in Ben Ghasi befindet, hat Befehl erhalten, nach Mersina zu gehen. Die französische Regierung entsandte auf Wunsch des Botschafters in Konstantinopel noch den Kreuzer Jules Ferry als drittes Kriegsschiff nach den türkischen Gewässern.

Die Mächte.

Däe Mächte der Tripleentente verständigten sich dahin, zum Schutze des Lebens und Eigentums ihrer Staatsbürger Schiffe in die Nähe von Konstantinopel zu scyicken. Es ist noch nicht genau bekannt, m welchen Häfen die Kriegsschiffe Rußland. Englands und FranrreiclB nuämmerttreffen werden. Es bestehl die Möglich­keit, daß Rußland bei' dieser Gelegenheit versuchen könnte, die Dardanellenfrage auf eigene Faust zu lösen.

Erster deutscher Beamtentag.

Sonntag mittag fand in Berlin der erste deutsche Becmrtentag statt. Er gestaltete sich zu einer Kundgebung der gesamten deutschen Beamtenschaft gegen die Berschlep- ung der Besoldungsvorlagen und der Reichsfinanzreform. Da der große Saal,berReuen Welt", in dem die Ver- ammlung stattfinden sollte, sich für die Menge der Er- chienenen als unzureichend erwies, mußte die Versamm­lung geteilt werden und eine zweite Versammlung in der Brauerei Happold angesetzt werden. In derNeuen Welt" waren etwa 5000, in der Brauerei Happold etwa 3000 Beamte zugegen. In beiden Versammlungen sprachen die- elben Redner. Zuerst nahm Chefredakteur Coboeken das Wort zu einer allgemeinen Ucbersicht über die Entwicklung der Deamtenvorlagen. Ueber die Reichsbeamtönvorlage 'prach Oberpostsekretär Casparv, über die preußische Be­amtenvorlage Cisenvahnmaterialienverwalter Lemonia über die Gehaltsaufbesserung der Kommunalbeamten Magistrats-

Stuermer. In der Hauptversammlung vrasidierte der Vorirtzende der Beamtenvereine Groß-Berlins, Korbach. ±ie Webner f^ken sämtlich eine außerordentlich scharfe Sprache. Ausführungen wurden häufig von tosendem unterbrochen. Schließlich kam nach einer kurzen ^isnission, wahrend derer auch die Vertreter des Zentral» Verbandes peniimuerter deutscher Beamter und Ärtreter der Unterbeamtenvereme ;,u Worte kamen, in beiben Ber­fa mmlungeil einstimmig eine R e s o l u t i o n zur Annahme, in der die zum ersten deutschen Beamtentag versammelten Delegrerten aus allen Teilen Deutschlands die von 8000

Die Revolution in der Türkei.

Die Lage in Konstantinopel.

In den letzten Tagen hat in Kvnstantinovel die Bewegung den Charakter eines Kampfes zwischen denAlajlis", ben aus den torborgegangenen.Offizieren, unb benMekteblis", ben aEabemrld) geb übe len Ofsizieren angenommen. Dieser Kampf bat eine Reihe von scheußlichen fötorbm gezeitigt. Grauenhafte Einzel- heiten über bie Ernwrbung von 200 aus ber Kriegsschule heroor- gegangenen Ofnzieren werben erzählt. So würbe am Samstag ber bekannte General Izzvt Fuad Pascha, ber früher türkischer ©eianbtcr in Madrib war, in seiner Wohnung ermordet Am Freitag würben zwei junge harmlose Offiziere in Amautköj er­schossen -und Samstagnacht alle Melleblioffiziere in ber Ka­valleriekaserne von Daub Pascha vor ben Toren Stambuls von ben Soldaten getötet. Der letzte Vorgang soll sich folgendermaßen <vgespielt haben: Ein Hodscha, ber die Soldaten führte, ließ «lle Offiziere in_ben großen Kasernensaal führen und verlangte ton ihnen ben Schwur auf das Scheriat. Da bie Offiziere, 25 bis 30 an der Zahl, ben Schwur nicht leisten wollten, weil sie keinen Befehl dazu hätten, wurden sie gefesselt und bann erschössen ober erschlagen. Die Empörung über diesen gemeinen Mord ist allgemein. In einer Versammlung schlossen sich gestern die Vei> freier aller politischen Parteien unter dem NamenUnion Oto- inane" zusammen, um das Vaterland unb die Konstitution zu lHüben und Ruhe wiederherzustellen. Ob diese Vereinigung von Dauer fein und eine gewisse Wirkungsfähigkeit erhalten wird, muß abgeroartet werden. Inzwischen hat bie Kammer wieder getagt. Es waren im. ganzen 191 Stimmen zugegen. Zum Prä­sidenten wurde Nail, der Kandidat der Jungtürken, gewählt.

Beschwichtigungsversuche.

Die Zeitungen bleiben bemüht, auf das Militär und die Be­völkerung besänftigend einzuwirken. Unter dem Vorsitz des Sul­tans fand am Samstag im Mldiz ein wichtiger Ministerrat statt, in welchem beschlossen wurde, neuerdings eine Proklamation zu blassen, worin der Sultan und die Regierung auf das bestimm - icste versichern, an der Verfassung nicht rütteln zu wollen unb *ie Bevölkerung des ganzen Reichs aufgeforbert wird, zur Ruhe unb Ordnung zurückzukehren.

In einem amtlichen Extrablatt wird die an die Wilajets Saloniki, Monastir, Uesküb, Adrianopel und Janina gerichtete ».rkulardepesche als Antwort auf die hier eingegangenen Protest- depeschen veröffentlicht. In ber Zirkulardepesche werden alle be­unruhigenden f^ad)richten und Beschwerden widerlegt und es wirb darin ausgesührt, alle einschließlich des Sultans hätten ge- ickworen, bie Verfassung zu wahren und mit ihrem Leben zu ver- teibigen. Die Verfassung sei in keiner Weise verletzt unb werde euch nicht verletzt. Ferner wird amtlich mitgeteilt, daß ber Sultan atni Freitag bei der Vereidigung der Minister gesagt habe: Ich 'nabe immer die Anwendung der Verfassung ernstlich und auf- i htig gewünscht. Unser aller Ziel ist das Wohl der Nation und dss Staates. Ich bin sicher, daß wir unsere Bemühungen darauf tichten. Gott schenke uns Erfolg!

Ein Vertrauter des Sultans, der ihm nahe legte, zur Rettung ie m.es Landes abzudanken, entgegnete Abdul Hamid:Ich würbe -25 tun zu Gunsten eines meiner Söhne, aber niemals zu Gunsten ili-änes Stiefbrubers Mohammed oder zu Gunsten eines meiner liessen, welche den osmanischen Thron zertrümmern und das osmanische Reich verderben werden. Deshalb bleibe ich aus meinem P latze und werde als Herrscher sterben."

Zwei Proklamationen des Ulemas.

Die Vereinigung der Ulemas veröffentlichte am Samstag eine 'ß-atlamation, worin die Ereignisse vom Dienstag und Mittwoch lc ^procheu werden. Dann .hnßt es weiter: Durch 'Mißbrauch le r Freiheit und infolge der Vergnügungssucht sei zu befürchten i retDefen, daß das Scheriat kompromittiert werde. Diese Befürch- tu rig sei, Gott sei Dank, beseitigt. Es bleibe nur ein Rest von daß zwischen Soldaten und Offizieren. Um auch diesen zu be- ' Lügen, habe die Vereinigung der Ulemas Delegationen gebildet, r.ieldje bie Kasernen besuchen unb prebigen, wie nötig die Offi- iierc seien, die ben Staat so viel kosteten. Wenn die Soldaten 'm Scheriatgefetze folgen, so müßten sie auch ihren Vorgesetzten s.olge leisten. Wenn ein Offizier das Scheriat verletzt, sei es Zache der Negierung, nach dem Scheriat dessen Strafe zu bik- :enen. Wenn bie Solbaten lich selbst bas Recht nähmen, zu strafen, o verursache bies viele Fehler, unb wenn sie nicht auf Erden hierfür gesttaft würden, so bringe dies das Vaterland und ben felam in Gefahr unb sie würden im Jenseits ihre Strafen siu- ka. In der Proklamation wird die Hoffnung ausgesprochen,

Nr. 90

Der Siehener Anzeiger erscheint täglich, außer

Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich L SietzenerLamilieiiblätter;

zweimal wöchentl.ttreiL- K blattsürdenUreisGiehen w (Dienstag undFreilagl; « zweimal monall. Land-

- , ------ Alsdann wurde die Sitzung

wieder ausgenommen. Es wurden viele aus allen Teilen des Landes eingetroffene Depeschen verlesen, die fdxrrf gegen die letzten Vorgänge )yrvteftieren unb meist die Wiedeceinfetzumr dcs alten Kabmetts fordern. In allen Telegrammen wird erklärt, die Be­völkerung unb die Armee seien bereit, gegen die Hauptstadt zu marschieren. Unter den Telegrammen sind einige von den Kvrps- fonrmanbauten des jmeiten und des vierten Korps, sowie anderen lwhen Offigieren. lieber die Beantwortung der Telegramme enl- spann sich eine heftige Debatte. Tie Kammer beschloß einstimmig, die Erklärungen der Regieru'.m abzuwarten unb ihr Handeln danach nnzurichten. Das Haus wshtte den Abgeordneten Tisehauik Naf w Präsidenten und den Araber Mustavha zürn' Vizepräsidenten. Der frühe« Präsident Achmed Riza erhielt zwei Stimmen.

Der Berl. Lokalanz. meldet ans Saloniki: AuS Smyrna wird gemeldet, bie bärtigen Kriegsschiffe feien dem Komitee treu ge­blieben und kämen nach Saloniki. Enver Bey hielt gestern abend eine neue Ansprache, in ber er wiederholte, daß die Behauptung, die Konstitution stehe mit dem Scheriatgesetze in Widenpnuch, die Erfindung reaktionärer Bereiter sei. In einem hier abge­haltenen Massenmeeting wurden die schwer st c n Ausfäl le gegen den Sultan gemacht, dem vorgeworfen wurde, daß er die^ ganze Meuterei inszeniert habe, um die jung türki sche Regierung zu beseitigen.

Das Bert. Tägbl. meldet aus Saloniki: Enver Bey erklärte in einem Interview: Vor allem möchte ich sagen, daß für die Behauptung, der Sultan habe den Streich veranlaßt, Beweise fehlen. Weiter meldet das genannte Blatt aus Saloniki, die Absetzuicg des Sultans sei wahrscheinlich, wenn feine Beteiligung an dem Putsche doch "beroiefen werden sollte. Enver Bey reiste mit Mehreren Offizieren in dm Richtung nach Konftantuwpel. ob.

Das Berl. Tagbl. meldet aus Konftaritimpel: Hundert Offiziere schworen auf den Koran, den Sultan zu töten. Man nimmt allgemein an, biß Jsset, obgleich er von bent Sultan geschickt ist, bei den Komiteetruppen bleiben unb bereu Führung übernehmen wird.

r Ein seltsames Büchlein ist dieser Tage bei Friedrich Jansa in Leipzig erschienen. Es beißtVom Christlichen abschied ans diesem löblichen leben des Ebiuvürdigen Herrn D. Martini iüitheri/ bericht/ durch D. Justum Jonam M. Michaelem Celiuin vnb ander die babey gewesen/ kurtz zusammen gezogen." Es ist ein photographisch getreuer Siachdruck des äußerst seltenen Berichtes über Luthers Tob aus dem Jahre 1546, den die auf bem Titel genannten Augenzeugen eingehenb schildern.

Ueber bemerkenswerte Entdeckungen aus dem ältesten Peru wirb aus London berichtet: Ein be­kannter Bergwerkunternehmer, Hewftt M y r i n g , der foeben von langjährigen Reisen zurückgekehvt ist, berichtet über eine wichtige (rntbechmg von Reliquien der Ureinwohner von Peru, die er rm vorigen Jahre gemacht hat.Ich hatte eine Forfchungsexpedi trän in das Jimere von Peru unternommen unb wollte einige Bergwerksingenieure treffen, bie ein Goldfeld fm Inneren des Landes zu erschließen versuchen. Während ich auf sie wartete, unternahm ich einen kurzen Ausflug das Chimcana-Tal hinauf, in der Provinz Ljbertad. Tabei wurde meine Austnerksamkeit aus einige lange Sandketten gelenkt, die sich am Fuße höherer Berge hinzogen und die in alter Zeit künstlich aufgetragen zu fein schienen. Wir beichlossen, einige kurze Unterfuchunasschächte in bie Hügel hineinzutreiben, um zu sehen, was sie enthielten. Sehr schnell Itießen wir dabei auf ein Grab, das, wie sich herausftellte, der alten Chimu-Rasse angehörte, von der man annimmt, daß )ie diesen Teil von Peru viele Jahrhunderte vor Christi Geburt bevölkerte und von der außer lunstvollen Töpferarbeiten, die mit den Leichen zusammen beigesetzt wurden, keinerlei Spuren auf uns gekommen sind. Mit einigen Eingeborenen wurden die Arbeften fortgesetzt, und in wenigen Wochen öffneten wir 600 vis 700 Gräber und brachten etwa 2000 Tongefäße von hohem künstlerischen Wert ans Licht, einige darunter mit einer Glasur, die an unser Porzellan erinnert. Die Silikate im Boden haben diese Gefäße ganz ausgezeichnet erhalten, obwohl sie nun schon Jahrtaus, nde in der Erde ruhten."

Kleine Chronik aus K u n st u n d Wissenschaft. Die m ed iz i u i s ct) e Fakultät ber Universität Kiel ernannte Frl. Professor Zoha n na Mestorf bie Direktorin des Museums vaterländiicher Altertümer, aus Anlaß ihres 80. Geburtstages zum Ehrendoktor.

daß die Soldaten gehorchen werden, und sodann wird mitgeteilt, I mit einem Hoch auf den Sultan, oaß an die getarnte mohammedanische Provinzgeistlichkeit Ordre gegeben worden fei, ber Armee die nötigen Ratschläge zu erteilen.

Die Proklamation war dringend nötig, da die Beleidigungen, Berivundungen und vereinzelte Totschläge von Offizieren durch die Mannschaften fortdauerten.

Dine zweite Proklamation der Ulemas stellt den offenen Brief der mohammedanischen Union an ben Sultan vom Mittwoch richtig, in dem es hieß, daß es in den Händen des -Lultans liege, die Verfassung aufzuheben und die Kammer ans- zulöfeii. Im Gegenteile,^ beides müsse dem Islam entsprechend erhalten werden, da sonst große Uneinigkeit entstehen unb das Vaterland den Feinden preisge^ebcn würde. Somit fei es Pflicht aller, die Verfassung zu verteidigen. Es fei nicht zulässig, auf Befehle des Sultans zu achten, die gegen das Scherirat gerichtet Wien; daher fei es zweifellos angebracht, daß die Truppen, Ulemas, Loftas und bie Bevölkerung, welche bie Sünden des Wsolutismus kennen und schwören, die Verfassung^ zu schützen, toi dem geringsten Versuche jur Beseitigung der Verfassung ihr Leben opfern werden. Uebrigens schließt die Proklamation, sei es unmöglich unb un­glaublich, daß der Kalif und unser Meister, nxlcher geschworen bat, bie Verfassung zu schützen, eine Verfügung träfe, die Kammer zu schließen.

^Die Gründung einer Ottomanischen Union.

Amj Samstagabend ist in Konstantinopel' eine genreinfame Proklanration sämtlicher politischer Parteien und Vereint gungen erschienen, die die Gründung einerOttomanischen Union" anzeigt. Die Proklamatton 'ist unterzeichnet von den Ulemas, bem lungtürkifchen Komitee, der liberalen Vereinigung, von arme­nischen, griechischen, albanesischen, bulgarischen und anderen Klubs, mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften sowie sämtlichen tücki­schen Zeitungen der Hauptstadt. Dec Aufruf erklärt, die Unter­zeichner hätten alle Streitfragen beiseite gesetzt und sich zufammen- gefunden, um das gemeinsame Vaterland zu retten, indem sie sich verpflichteten, die auf dem Scheriatgcsetz beruhende Verfassung zu verteidigen. Die Vereinigung wird versuchen, die Veröffent­lichungen in den Zeitungen diesem Ziele anzupassen. Der Ausruf teilt fest, daß das Parlament die einzige Macht für die Kontrolle der Regierung bildet. Die Vereinigung wird daher darüber wachen, daß das Parlament, welches die nationale Souveränität dar- stellt, der Freiheit des Wortes nicht beraubt werde. Zur Er­füllung dieser Aufgabe der Vereinigung wird ein Komitee gebildet, das aus Mitgliedern sämtlicher unterzeichneten politischen Parteien zusammengesetzt ist. Das Komitee wird sich an die Kammer und an die Regierung wenden, um die Notwendigkeit sofortiger ernster Maßnahmen für die Beruhigung des Landes darzulegen und wird ferner für die patriotische Aufklärung des Volkes sorgen, indem es besondere Kommissionen in die Provinzen sendet, sowie alle Zeitungen des Landes zur Mitwirkung bei dieser Aufgabe zu ge­wännen sucht. Der Aufruf drückt schließlich die Erwartung aus, daß die Tätigkeit dieses gemeinsamen Komitees allen Streitig- feiten ein Ende machen und bie Unterstützung aller Klassen und Parteien finden werde, damit Ereignisse, die schwere innere und äußere Gefahren hertoisühren könnten, vermieden werden. Der Aufruf wurde ftr den Straßen als Extrablatt verteilt. Er fand reißenden Absatz und wurde lebhaft besprochen.

Die Jungtürken.

In der Samstag-Sitzung der D e p u t i e r t e n f a m m e r teilte der Präsident mit, die Garnison von Hademkoi sei in der Haupt­stadt eingetroffen, um der Kammer für die Aufrechterhaltung der Verfassung zu danken. Es sei keine Ursache zur Beunruhigung vorhanden. Sodann wurde der Bericht des Großmeisters der Artillerie verlesen, der namens ber Regierung mit ton in Tscha­taldscha befindlichen Truppen verhandelte. Ter Bericht besagt, es sei gelungen, den Vormarsch der Truppen von Saloniki auf- zuhalten. Sollte die Regierung jedoch Maßregeln gegen die Trup­pen ergreifen, so würden sie den Vormarsch gegen die Hauptstadt fortsetzen. Der Jungtürke Jusuf Kemal wies auf die gefahrvolle Lage der Türkei unb auf die drohende Intervention ber Mächte bin. Er regte die Entsendung einer Abordnung von Deputierten nach 'Tschataldscha an. Der Vorschlag wurde angenommen. 30 Deputierte werden im Sonberzug abreifen, um mit den Truppen zu nnterhanbeln. Plötzlich ertontevorderKarnmerMili- tärmusik. Es sind die aus Hademkoi eingetroffenen Truppen, die bor dem Parlament Aufstellung genommen haben. Die Sitzung wird unterbnotfjen. Der Präsident, von einigen Abgeordneten begleitet, begrüßt die Truppen. Darauf feiert Jusuf Kemal in stammender Rede die Truppen als Stützen der Verfassung. Ei ermahnt sie zum Gehorsam, da die Verfa-ssung nicht in Gefahr sei. Ein lllema sprach alÄrann ein Gebet. Die Truppen antworteten

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