Issue 
16/02/1909 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Nr. 39

Zweites Blatt

159. S

Erscheint täglich mit LuSnahme bcS Sonntag«.

M

DieSiehrner FainlNenblatter- werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das ..«reisblatt für den Xreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtfchafUlchen Seit- kragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e$@5L Redaktlon:^^112. Tel.»AdruAnzeigerGießen,

Dienstag 16. Februar 1909

r Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'sche» Universität!, - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

NachlaWeuer und Landwittschaft.

In der letzten Sitzung der Finanz kornmission des Reichs­tags hat Finanzministcr Freiherr v. Rheinbaben gegen­über der Agitation des Bundes der Soirinvirtc über die angeblich verderbliche Wirkung der vorgeschlagenen Nach- laßsteuer auf die bäuerliche Bevölkerung eine Reihe von Angaben gemacht, die bei weiterer Verbreitung zweifellos geeignet sein würben, die vielfach bestehenden Bedenken gegen die Nachlaßsteuer zu entkräften.

Der Finanzminister hob zunächst hervor, daß nach den Berechnungen des letzten preußischen Ergänzungssteuerge­setzes überhaupt nur ein Fünftel sämtlicher Landwirte un­ter die Steuer fallen würde. Bei vier Fünfteln aller Landwirte beträgt nämlich das Besitztum weniger als 50 Morgen. Rechnet man den Wert eines Morgens mit durch­schnittlich 200 Mk., so würde sich ein Wert von 10000 Mark und unter Hinzurechnung von Gebäude und Inventar ein solcher von 20000 Mk. ergeben.

Würde man, wie es vielfach vorgeschlagen ist, die Grenze der Nachlaßsteuer höher ansetzen, also erst etwa bei 50 000 Mark beginnen, so würde naturgemäß ein noch höherer ;Teil der Grundstriche frei bleiben.

Weiter gab Freiherr v. Rheinbaben eine Reihe von Angaben darüber, wie sich nach den Berechnungsgrund­sätzen des Nachlaßsteuergesetzes für einzelne Güter der Steuevertrag stellen würde. Dabei ist als Wert der zwan- Kigfache Ertrags wert angenommen und ist jedesmal die Hälfte des Wertes als Schulden in Llbzug gebracht. Nach dieser Berechnung zahlt ein Gut mit einem jährlichen Rein­ertrag von 3200 ML und 40000 ALk. Schulder: 120 Mk. Steuer oder 8,83 Mk. Rente während 20 Jahren. Ein Gut mit einem jährlichen Reinertrag von 8000 Mk. und 100000 Mk. Schulden zahlt 480 Mk. oder 35,32 Ttf. Iahres- rente. Ein Landgut mit 24000 Mk. Reinertrag und 300 000 Mark Schulden zahlt 3600 Mk. Steuer oder 264,89 ML Rente. Ein ganz großes Gut von 2 Adillioneu Mark mit einem Reinertrag von 80 000 Mk. und 1 Dtillion Mk. Schulden zahlt 16 800 Mi. oder 1236,17 Mk. Iahresrente. Es kann danach nicht die Rede davon sein, daß diese Be­lastung eine unerträgliche sein könnte, insbesondere ist sie für kleine und mittlere Güter mir gering und erreicht eine gewisse ansehnliche Höhe gemäß der stark progressiven Ge­staltung des Gesetzes erst bei den ganz großen Gütern.

Der Finanzminister machte weiterhin darauf aufmerk­sam, daß eine Vermögenssteuer, wie sie bei Ablehnung der Nachlaßsteuer notwendig sein würde, unter Umständen für die Landwirtschaft größere Opfer mit sich bringen könnte. Dann würde aller Voraussicht nach die Veranlagung we­nigstens in Preußen nach beit Grundsätzen des. Ergänzungs­

steuergesetzes zu erfolgen haben. Dieses aber beginnt nicht erst bei 20 000, sondern bei 6000 Mk. und ist auch nicht so progressiv ausgestaltet wie der 'Nachlaßsteuerentwurf.

Demnach würde gerade auf die bäuerliche Bevölkerung bei einer Vermögenssteuer ein erheblicherer Teil entfallen als bei einer Nach laß steuer.

Stimmungsbild aus dem preu^Äbgegrdnetenhäür.

Berlin, 15. Februar.

Mit der Besprechung der Berggesetziwvelle, die schon ain Freitag auf der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses sland, wurde es auch am Montag noch nichts: die d r i t t e L c s u n g d e s L e h r e r- besold ungsgesetzes füllte die ganze Sitzung aus. Viel Neues brachte sie nicht, wenigstens nicht in den Reden aus dem Hanse Immerhin ivar cs dankenswert, daß der Abg. Cassel von der Volkspartei noch einmal mit aller Entschiedenheit betonte, ivie un­endlich grobe Opfer die Linke habe bringen müssen, als sie dem Kompromiß zustlmmte. Und cs verfehlte seinen Eindruck nicht, als der freisinnige Sprecher darauf hinwies, daß nur die Rücksicht ani das Staatswohl, die saprema lex, der entschiedenen Linken diese Opfer abgerungen habe. füllt Recht durste er erklären, daß seine Freunde auch vor den Wahlen mit ihrer Entschließung getrost be­stehen könnten. In der Forderung der Gleichstellung der Lehrer mit den Verwaltungssekretären, eine Forderung, die vorderhand unberücksichtigt bleiben mußte, für die Zukunft aber noch iticht auf- gegeben ist, stimmten die nationalliberalen Redner Dr. Schiffer und D. Hackenberg mit dem Freisinnigen überein, ebenso in der Billigung eines Zentrumsantrages, der Vorschriften über Größe und Beschaffenheit der Lehrerwohnungen forderte. Zwar dieser Antrag wurde abgelehnt, aber ein ähnlicher, der solche Vorschriften wenigstens für Schulumbauten und Neubauten fordert, sand die Zustimmung de? Hauses. Ein anderer, von den Nationalliberalen und Frelsinnigen gestellter Antrag Eickhoff, der die Erhöhung des Fonds für die Witwen- und Waisenversorgung der Elementarlehrer forderte, ging zugletch mit einem konservativen Antrag, der den Vensionsfonds für bereits emeritierte Lehrer erhöht wissen will, an die Budgetkommission.

Erfreulicherweise war daS kein Begräbnis erster Klasse: Mi­nisterialdirektor S ch w a rtzk o p ff hatte vorher unter lebhaftem Beifall des Hauses namens der Regierung das Versprechen abge­geben, daß, wie immer nach Besoldungsgesetzen, so auch hier eine Aufbesserung der Pensionäre und der Witwen und Waisen der Lehrer wie der übrigen Beamten erfolgen werde. Eine Ver­heißung, die wohl geeignet ist, manchen Lehrer und manchen Be­amten mit dem Kompromiß zu versöhnen. Warum die Regierung bis zur dritten Lesung wartete, ehe sie diese Versicherung abgab, ist freilich schwer einzusehen. Aber auch hier gilt das Wort: Besser spat als garnichtDas Gesetz wurde in dritter Lesung genehmigt mm hat die Erste Kammer das Wort. Am Dienstag steht nun die Berggejen,Novelle unwiderruflich zur Debatte; und so glatt wie bei den Besoldungsgesetzen wiro bei dieser Vorlage die parlamentarische Diskussion sich ganz gewiß nicht abwickcln.

Vad-Nauheimer Briefe, n.

Geistiges Leben.

Ter Stolz Bad-Nauheims auf dem Gebiete des Geisteslebens ist natürlich in erster Linie die neue Ernst Ludwig-Schule. Es ist

ia auch gewrß, daß eine solche Schulgründung nur in einem Orte Itüttfinben kann, der eine gewisse Kulturhöhe erreicht bat. Ander­seits wird sicherlich die wissenschaftliche Arbeit einer höheren Schule merkbaren Einfluß auf die weitere Entwicklung der Stadt gewinnen. In den drei ersten Jahren ihres Bestehens weist die Schule eine erfreuliche Zunahme her Zahl ihrer Schuler und Schülerinnen auf. Freilich hängt ihre Lebensfähigkeit an blem Prinzip der gemeinsamen Erziehung von Knaben und Mädchen, da die Zahl der Sclstiler für sich allein in absehbarer Zeit nicht genügen würde. Bei der bekannten entgegenkommenden Haltung der hessischen Negierung in der Frage der gemeinsamen Erziehung, (für die auch der Großherzog Sympathien geäußert Ijai wer­ben sich keine Schwierigkeiten ergeben, so daß die Mädchen bei uns mit den Buben um die Wette nach demSiiijä-tyrtgvn" streben und (auf besonderes Gesuch hin) eventl. auch noch die oberen Klassen bevölkern helfen tonnen.

Täß die Entwicklung der neuen Schule auch in der Bevölke­rung mit Interesse verfolgt wird, bewies der Vortrag von Frau Pfarrer Bitcksath im. Frauenstimmrechtsverein über die Mädchen- sckiulfrage. Auch der Bürger- und Stadtverkehrsverein beschäftigte; sich schon mit ihr und brachte vor allein den Wunsch zum Ausdruck, daß auch stets für eine entsprechende Zahl weiblicher Lehrkräfte mit Rücksicht auf die Mädchen gesorgt werden möge. So werben wir auch in Hessen bald an akademisch gebildete Oberlehrcrinneü denken müssen. _

Bei ihrer freigebigen und verständnisvollen Fürsorge für die Ernst Ludwig-Schule durfte die Stadtverwaltung natürlich auch der Stadtschule die nötige Unterstützung nicht versagen. Für die Beschaffung von Lehrmitteln wurde iljr die (gewiß nicht unbe- scheidene) Simrme von 70 M. bewilligt. Wichtiger aber ist die Errichtung einer 16. und 17. Schulklasse, wodurch das Lehrer- kollegimn der Volksschule um zwei Lehrkräfte vermeint wird. Wie nötig das ist, beweist wohl der Umstand, daß die Führer der unteren Klassen immer noch über 60 Kinder zu unterrichten haben.

Einen erfreulichen Fortschritt hat der anfangs aus mancherlei Mißverständnissen Hercuts heftig befehdete Bildungsverein zu ver­zeichnen. Die durch ilyn arrangierten Ausführungen des Rhein- Mainischen Wandertheaters hoben die Anerkennung so breiter Kreise gefunden, daß auch der Stadtrat sich nunmehr zu einer Unterstützung des genannten Vereins bereit finoeit ließ. Es soll ibmi zur Anschaffung guter Bücher für dieses Jahr die i^mnnic von 100 Mark zur Beringung gestellt werben. Daß diese Summe noch nicht für jedes Jahr jm Voranschlag festgelegt'worden ist, ist auf die Opposition des Stadwerordneten Jakobi zurückzuführen, der anscheinend den Unterschied zwischen Vergnügungsklubs und ge­meinnützigen Vereinen nod) nicht recht ersaßt Hal. Auch mit ein Erfolg der besseren Darbietungen des Bildungsverein s> bürfto es Wohl sein, daß eins der üblichen geringwerliaen Wander­theater so wenig Publikum fand, daß es seine Vorstellungen! schließlich ganz einftcllen mußte. Der betreffenden Scham oieler- truppe mag dieses Urteil hart erscheinen. Sicher aber ist, daß im Interesse des Voltes die minderwertigen Wandertheater ebenso bekämpft werden müssen, wie die Schundliteratur. Zu Vortrags-, Veranstaltungen haben dem Bildnngsverein leider die Mittel ge­fehlt. Nur wollten wir den 100 jährigen Geburtstag Darwins! nicht ohne Erinnerung vorubergehen lassen. Es wurde deshalb Herr Professor Kinkel Gießen gebeten, uns am Samstag den 6. Februar einen an den Namen des großen Forschers anknüpfen- den Vortrag zu halten.

Der Vortragsversin bietet nach wie vor künstlerisch werst- volle .Abende. Für Samstag den 13. Februar hat er sogar die

(st

?o.

Z :

s

Ä" p

% öv

er

-s er l$o o

~ 3-

e ^4.2 UD

2.®

3 SSy o« 2'° to"* 5-CO ^5=

2 s*« srs'p <=' r» **

3 S

er <=2

3 E?: s 2 => rj

»*

V1 « ~ es

'cr-s £r~ cr«u o, ,3 »> £ « * ~ &

o IQj

® B

' 2 .

** o

crö'.E, cs

er

3 CO

§ @S'

2-^' o » 3 :

2.^)0 a o

ä co

"2 2-'cr

= = - ^21

= ® TT".

2.S'- ton

3& = p

Ö'Sj-.'s

ggoo o Sfo'

§ §

= .= er 2."

C'ci. ro ra o»

- [ 2 2 = ÄS

%» £ ZS = 2 "

= -= sre

LS"!

2 =*= o-«-: 2-cr

=

2's °

-LZ.d

'S TT"

=>

=> 2

= |i=- o » CT

SW

«'"* = 3-m

-

Z - = ' ä uo, 52= ' f 2.5 2*

2 TT ».er«.

WZ, D <a "* «SU 3

L 00 »'S

i = = jgo'gS 2=2 * - et» C> ZZ ^»5*

er

-er re at*

s e

<D

»S =

3 = «Si>

« O': o

tr

S'X-'o r» =

Cr

5 5^-

3i e ° o " SS

2d = CD r**=r- _ ro 2 o = 3 @

= iso 2 . 2 5 .tz*

5

= er

Cv 'So r>

0-^2.' [25 @ $5 Z8 -

cd er 3."- n 3«-»

F T T5»

CO*-'

2*« - = e "* cy Ta'ro

K

~ 3 Zn = =

-LZ

CD

er- 5 ?

» » = »

« 59

S C h "* 5 CD »30 « «

,=

2.= CD

3M = cs

_ = 2

=:Qr_7

W

= ezr- 3

2.ÖDcr S-yJ

2 2.3^

=. 5 - » -

e

-

^3^»

Cf gz

o; cu er 2

w- O rD ±0,0-0''-

3 - ^.3:= 3-= =

r» 'n Z3/"1 2 2 föo

3 = -tos

2.

Seöft 2'=-er~ r» ^2 3 2 ' ö

E E. 2 a Ef er *2 -

-SS« Ec

-m =

,@3'2'=? = rs 3 et. 3- n 3> .S « r» ei

2 n - er =: A" S ' Ocr»

«V x, CD ° ' 2p tf 2 ° ?

U X s 3, « iS ro 2"er7=p

«'S ro

TT® H

C0 Uo

= 5w

[2 3 » - 'S:

» 5,-o*^S p%' =t: =tS?2__

Gr T

®7T=-s «

s-Z 3

» 3^-L^

" p tyro rt «

w

'S c-