Drittes Blatt
Nr. 291
159. Jahrgang
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Beim Rauchen.
Es ist merkwürdig und gewiß den meisten Frauen unverständlich. daß so viele Männer am Rauchen gefallen finden können- Und doch muß ein eigener Genuß darin liegen, den sogar manche Frau nicht gerne mehr missen möchte.
Sei die Zigarre gut oder schlecht, «o bleibt nach dem größeren oder kleineren Genüsse derselben im Munde und Rachen des Rauchers jedesmal ein unangenehmes kratzendes Gefühl, das nur zu leicht sich festsetzen und in hartnäckigen Rachenkatarrh ausarten kann. Diesen zu verhüten, gibt es kein besseres und zugleich angenehmeres Mittel als gleich nach beendeter Zigarre, Zigarette oder Pfeife einige Wybert-Tabletten im Munde lang sam zergehen zu lassen. Sofort verschwindet die unangenehme Beigabe des Rauchens, der Mund und Atem werden wieder frisch und angenehm. Jeder Raucher sollte daher Wybert-Tabletten beständig bei sich führen. V\ ybert-Tabletten können in allen Apotheken in Originalschachteln ä Mk. 1— bezogen werden- Depot in Gießen: Pelikan-Apotheke, Kreuzplatz 2.s£*/,„
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Vorführung von wendepflügen und Tiefiulturpflügen in der Eichener Gemarkung.
Auf Veranlassung der Landwirtschaftskammer zu SS:e§> sahen fanden in der hiesigen Gemarkung gerade vor den Vinterstürmen der letzten Tage, die uns Regengrüße und 3chneeschauer brachten, P.lugprüfungen statt, die von Herrn sZrofe sor Giievius-Gießen unter Zuhrlfenahme seines Stabes -on Assistenten und Hörern geleitet wurden. Unsere hes,i- chen Landwirte waren natürlich einaeladen: Mitglieder des tzrovinzialvereins, der Hessischen Landwirtschaftskammer, )C6 landwirtschaftlichen Lokalvereins Gießen und andere nehr. Sie waren trotz des rauhen Wetters der Einladung reich gefolgt.
Die Wiesbadener Landwirtschaftskammer war durch drei Abgeordnete vertreten, die ganz besonders e.frig dem Gang )er Pflüge beobachtend und messend folgten.
Es kamen zur Vorführung Wendepflüge und Tiefkultur- -rflüge aus den verschiedensten Landschaften Deutschlands, 1o aus dem Königreich Sachsen, Provinz Sachsen, Hannover, Neumark, Rheinpreußen, Westpreußen, Württemberg, Nassau, Rheinhessen. Die Fabrikanten oder ihre Techn Lr führten ihre Pflüge vielfach selbst vor. Die Pflüge waren -um größten Teil auf großen Ausstellungen bekannt geworden und hatten mehr oder weniger lebhafte Anerkennung gefunden.
Ein Reformpendelpflug, der am Niederrhein im Gebrauch ist, liefert in nicht zu bergigem Gelände gute Arbeit. Er fällt durch esine besondere Konstruttion ins Auge. 2r hat einen doppelten Pflugkörper an einem Grindel. Zieht der eine Pfluglörper seine Furche, so steht der andere verkehrt über ihm in der Luft, ähnlich wie beim Tampfpflug. Am Ende des Ackers angekommen senkt sich durch eine einfache Stellvorrichtung der bisher in der Luft schwebende ftiluglörper zur Arbeit nieder und der bisher arbeitende steigt in die Höhe. Dieser Wendepflug arbeitete gut. Seiner Einführung steht der hohe Preis einigermaßen im Wege ’irtb seine Anwendung verlangt lange Furchen tunl'chft in ber welligen Ebene. Der Pflug ist mit der silbernen Staats- Medaille anerkannt. P. I. Engers, Höningen, Poft Köln- dayenthal, ist der Fabrikant.
Für mittlere und leichte Böden führte Herr Heinrich bitter, Frankfurt a. M. einen Wendepflug vor, der b.lügen Anforderungen entspricht.
Einen schwereren Wendepslua zeigte die Pflugfabrit Gebrüder Eberhardt, Ulm a. d. Donau. Der vorgeführte Dechselpflug Reform-Janus ft E. S. c. 10 ist auch für IfJ'ireren Boden bestimmt und arbeitete sehr gut. Dieselbe Fabrik liefert auch zweischariae Wechsvlpflüge unter der eiclynung Superbus. Die Anwendung solcher Pflüge ist |ar,Ruralen nach gründlicher Probe in Der eigenen W.r.- schaft. Ein Urteil über die Brauchbarkeit läßt sich erst dann fallen.
> Die Maschinenfabrik Karl Böhrner-Alzep hat zwei- und tteischarige Wendepflüge hergestellt. D.e Pslüge machten
weniger zusammentritt, montierte man den Untergrunds aufwühler an den Hauptpflug selbst. Nahe hinter dem. rechten Pflugrad ist das Untergrundschar an den Grindel montiert. Es wühlt die Furchensohle auf, der unmittelbar folgende Pflugkörper wirft seine Furche über die gelockerte Furchensohle — der Boden iß bis auf 35 cm Tiefe gelockert.
Die vorgeführten Tiefkulturpilüge zeigten diese Kon- struktion. Ter Pflug braucht eine Bespannung von 3 bis 4 Pferden. Aber die Anwendung dieses Pfluges beseitigt alle Bedenken, die gegen die Tieskultur mit einigem Recht geltend gemacht werden könnten.
Tie Tiefkulturpfliige lieferten ohne Ausnahme gute Arbeit. Gebr. Eberhardt-Ulm a D., H. Schasse Nordgoltern- Hannover, Bentzky-Graudenz, R. Sack-Plagwili'Leipzrg. Aber immer wieder muß empfohlen werden, die Pflüge probeweise von der Fabrik zu beziehen, um, wenn sich unvorher-- gegebene Schwierigkeiten ergeben, den Pflug zurückgeben zu können. Es läßt sich nicht mit Bestimmtheit nach einer kurzen Probe, der man anwohnt, sagen, dieser ober der Pflug paßt für meine Verhältnisse. Hier geht wirklich nach- IjaUtgcd Probieren über Studieren.
Aber höchst wertvoll für den Landwirt sind diese Vorführungen von Ackergeräten. Man sieht das Neueste, was bic Ingenieure der Fabrikanten erdacht und konstruiert haben, um den Ansprüchen der Landwirte zu folgen oder diesen Ansprüchen vorauszueilen. Der Landwirt kann sich das als besser Erkannte baldmöglichst zunutze machen.
Gute Bodenbearbeitung ift die Voraussetzung für die An Wendung aller der anderen Hilfsmittel, die deml Landwirt zur Verfügung stehen inbezug auf Tüngung, Saat und die Pftege der Saat.
Wer gut gepflügt hat, braucht weniger zu eagen und kann mit größerem Vertrauen der Saatzeit und schließlich der Ernte entgegensehen.
den besten Eindruck. Wer sie dauernd anwenden will, soll sie vorher selbst probieren und dann erst kaufen. — Der zweischarige Pflug lieferte hier in schwerem und feuchtem Boden gute Arbeit.
Bruno Zill, Großschirna t. Sa, liefert ein^ und zwei- jdjarige Wendepflüge, einscharige mit Holzgrindel ober auch Stahlgrindel. Die Pflüge sollen beionders im bergigen Gelände die Furchen gut hinaufwerfen.
Von der bekannten Firma R. Sack, Plagwitz-Leipzig, wurde ein leichter Wendepflug M. W. 7 probiert, der gute Arbeit lieferte. Bei dem weiter vorgeführten sogen. Zwil- linas-Wendepflug dreht sich der doppelte Pflugkörper um den Grindel; der nicht arbeitende Körper steht umgekehrt über dem Stahlgrindel.
Noch zu erwähnen sind von Wendepflügen die von Maus- Kemel (Nassau), Paul Streit-Burkersdorf (Sachsen- vor- gesührten, die den vorhergenannten gleichwertig erscheinen.
Noch lebhafteres Interesse riefen die vorgeführten Untergrundpflüge hervor. — Schon seit vielen Jahren, besonders seitdem der Zuckerrübenbau in der Provinz heimisch geworden ist, arbeiten wir mit Untergrundpflügen. Dem Vorschaler folgte der tiefgehende Körper, der musterhaft das unterste zu oberst kehrte.
Dabei kam, bei einer Pflugfurchentiefe bis zu 30 cm, Boden an die Lberfläche, der noch niemals von den Sonnenstrahlen direkt getroffen war, der viel.eicht seit Jahrtaufenden nicht gelockert war, der Mangel an Licht und Luft geht.en und den Witterungseinflüssen, der Verwttternng nur sehr mäßig ausgesetzt gewesen war.
Das hatte, toenn der Untergrund fast gerade so gut, ja noch besser als die Ackerkrume war, nichts zu bedeuten. D.e Tiefkultur richtete aber vorläufig Schaden an, wenn schlechter Untergrund an die Oberfläche gebracht und an dessen Stelle bte humose, angereicherte und durch hunderftähr.ge Kultur im besten physikalischen Zustand befindliche Ackerkrume in die Tiefe versenkt wurde.
Wer da mit der Stalldüngerzufubr dem Tiefkulturpslug nicht sofort folgte und für die gr rnoliche Bearbeitung des heraufgebrachten unfruchtbaren Bodens nicht sorgte, brachte sich für mehrere Jal-re in Schaden.
Daher gingen die meisten Landwirte nur mit Widerstreben an Die Tiefkultur.
Diesen Mißständen suchte die Industrie, welche allen Vorgängen au' landwirlschastl chem Gebiet sehr ar.fmcrT am folgt, obzuhelfen dadurch, daß sie Untergrunb5p|lüge herstellte, uie den Untergrund nur lockerten, aufwühlten, ihn aber in der Tiefe liegen ließen.
Der gewöhnliche Pflug zog seine 25 cm tiefe Furche, ein Untergrundsvflug folgte und wühlte die Furchensohle ea. 5—10 cm tief aus. So konnte diese vertiefte Furche reichlich Wasser aufnehmen, die Pflanzenwurzeln tonn.en eint ringen und fanden ein Wasserreservoir vor, das ihnen während des oft trockenen Vorsommers dienlich ist.
Um nun zu verhindern, daß das in der Furche gehende Handpferd die aufgelockerte Furchensohle wieder mehr oder
Samstag 11. Dezember 1909
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
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