Hauptversammlung
der hessischen Landergewerbeveremr-
s. b. Wörrstadt, 19. Sept.^
In dem festlich geschmückten rheinhessischen Städtchen Worr-, stcLt sand unter außerordentlicher zahlreicher Beteiligung aus li ^ßherzogtum Hessen heute die Generalversammlung de» hemio; . ^K'iöedgeiüerbeDcrctnä statt. Ter Vorsitzende Geh.
L o a ck «öffnete die Versammlung um IO1/-* Uhr und dankte sur das
$onr. Lust zu Steinbach (Rr. Erbach) eine Lehrerstelle an ter Gemeindeschule zu Seeheim; dem Lehrer Friedr. Roth ■u Hering eine Lehrerstelle an der Gcineindeschule zu Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Erledigt ist eine Lehrecstelle -ir einen kathol. Lehrer an der 6)emeindcschule zu Mühlheim.
•• Erledigt ist die Stelle des Direktors dec Iroßh. Realschule und deS ProgymnasiumS ?u Alzey.
" Der neue Dirigent unserer Militärkapelle anstelle 2t6 in den Ruhestand tretenden Musikdirektors Krauße bereits am 8. Oktober nach hier. Zum Nachfolger rrauße's ist Musikmeister Loeber vom 72. Jnsanterie-Negl- :ient in Torgau ernannt, dem ein vorzüglicher Rus als Kapcll- nieister ooraufgeht.
** Kinder auf der Eisenbahn. Da sich die Zahl feer alleinreisenden Kinder fortgesetzt vermehrt, bringt die ^senbcchnverwaltung die vor einiger Zeit erlassenen Be- rimmungen zum Schutze alleinreisender Kinder ihren Beam- m in Erinnerung. Es hrirb hinzugefügt, daß sämtliche Ztations- und Zugbeamten verpflichtet sind, den allein- risenden Kindern iirren Schutz und Beistand angedeihen ■i lassen. Den Zugführern und Schaffnern wird besonders ,ur Pflicht gemacht, die Kinder den Beamten der Anschluß- ;nge persönlich zu übergeben, damit sie den richtigen Zug rir Weiterfahrt benützen. Zugabteile, in denen sich Kinder ।Jein befinden, sind ununterbrock)en zu überwachen. Die ,‘titnber sind von den Beamten mit größter Freundlichkeit qi behandeln, damit sie Vertrauen zu ihnen fassen und ge rügt sind, ihre Fürsorge in Anspruch zu nehmen.
"Vom Polizei amt. Polizeiamtmann Reinhart hat heute einen dreiwöchigen Urlaub angetreten. Polizei- i-'retar Bilo ist mit seiner Vertretling betraut.
"RegeS militärisches Leben wird sich morgen auf dem hiesigen Bahnhof abspielen. Es fahren von hier dti8 vier Sondermilitärzüge nach Frankfurt, die die Truppen der 21. Division aus dem Manöver zurückbefördern. Die Züge fahren um 410, 640, 740 und 825 nachmittag vom Bahnsteig 1 ab. Außerdem fahren am frühesten Vormittag noch zwei und am Nachmittag fünf von Wetzlar kouimende Militärzüge hier durch. Feriler kommt morgen früh ein Zug mit Reservisten aus Berlin, der nach etwa emstündigem Auf- enthalt gegen 9 Uhr noch Frankfurt weiterfährt.
** D i e gestrige Vorstellung im Kolosseum war überaus stark besucht. An einem solch regnerischen Sonntag, .inpsindet man es dock) als eine Annehmlichkeit, daß die Stadt Ueßen über ein gutes Varietee verfügt. Alles was geboten wird, feilt weitgehenden Ansprücknm stand Es wurde schon hervor ■flefeoben, daß die Gymnastik und Tanz-Darbietungen ausgezeichnet jinö, aber auch der sonstige Inhalt des Programms, das gestern geboten wurde, erhebt sich hoch über einen: gewöhnlichem Tinge! lange!. Gute Bilder eines Kincmatographcn bringen eine an genehme Abwechslung in das Ganze, und jedermann hat das Zheater in guter Laune verlassen.
** Das geschlossene H a u s. Eine wichtige Entscheidung für Hausbesitzer ist, wie die „Hausbesitzer-Zeitung" Imclbct, vor kurzem vor dem Frankfurter Amtsgericht er- nangen. Tie Eigentümerin eines Hauses, in dem mehrere Uietsparteien wohnen, hatte wiederholt mit sttücksicht auf feie Sicherheit des Hauses die Haustür Sonntags geschlossen, Ii'i'il sich in der betreffenden Gegend häufig Bettler und sonstiges verdächtiges Volk zeigte und die Vermieterin eine alleinstehende ältere Frau ist. Die Mieter ließen die früh- Z.'itige Abschließung des Hauses nicht zu und verlangten liJederholt, daß in der ortsüblichen Zeit das Haus dem freien Verkehr geöffnet sein müsse. Es kam zum Prozeß, pte Hausbesitzerin wurde verurteilt, bei Meidnng einer t-eldstrafe bis zu 300 Mt. dafür zu sorgen, baß die Tür fees- Hauses im Sommer bis 10 Uhr und im Winter bis 9 Ahr abends, auch an L-onntagen, unverschlossen bleibe, iofcvic die Kosten des Rechtsstreites zu tragen.
" Besitzwechscl. Das Anwesen Ost-Anlage 9 (.Vater hafjn*), dem Wirt Emil Kalbfleisch gehörig, ging für |8i 000 Mk. an einen Wirt aus dem Waldeckschen über.
— Lich, 19. Sept. Dank des Entgegenkommens bei Ifeieiigen Bürgermeisterei konnten heute durch die Stenographen- I^ssellschaft „Gabelsberger* hier Lehrgänge für Ik^enographie und Schreibmaschine eröffnet werden. Iker Unterricht findet im Rathause statt.
Mainz, 19. Sept. Von amtlicher Seite erhielt Kom- Imeczienrat Dr. Bamberger als Bertretec der hiesigen Bürger- Lciftcrei und als Präsident der Handelskammer die Erklärung, IbLB weder eine Verlegung der hiesigen Eisen- Ifecihn-Dire ktion, noch ihre Angliederung an bitte Gencraldirektion beabsichtigt ist, wie das in den letzten I Tagen behauptet wurde.
Altenschlirf, 19. Sept. Großes Aufsehen erregt Ifeier und in der Umgegend die Verhaftung des hie- Ligen Gemeinde-Einnehmers. Er hatte n. d. Ltb. jinz. eine ziemlich große Agentur, die Untererhebungsstelle |nh den hiesigen Ort und genoß allgemein großes Der i ;r<iuen. Wie verlautet, soll es sich bei demselben um Ur- jfiüibcnfälfrfjung, Verbrechen im Amt und Unterschlagung Ifetrirbehr M ,
Frankfurt a. M., 19. Sept. Der „Verbanb ber IBiauercien von Frankfurt a. M. und Umgebung" teilt mit, |1E8 der Faßbieraufschlag von den Brauereien von I Rk. auf 250 Mk. redmiert wird und die Awsschankpreise ■cur 11 und 13 Pfg. für das 0.3- bezw. 0.4 Liter-Glas festig letzt werden. Tic Erhöhung ber Flaschenbierpreise wird Iw 3 bezw. 2 Pfg. auf 2 bezw. 1 Pfg. für die ganze ober |'(Ube Flasche herabgesetzt. Tie Zustimmung ber in Betracht liommenben Korporationen ist zu diesem Beschluß, ber von Ifetit Vertretern der Brauereien, der Gastwirte und der Ge lo«rkschaften gefaßt wurde, noch einzuholen.
** Kleine Mitteilungen aus Reifen und den »8 ichbarstaaten. Heinrich Seling »u F r a ur »mb a ch Bxtiye zum Beigeorneten gewählt, bcitätigt und in den ^lenn Kirgewiesen. — Das Fest der goldenen Hochzeit feierten M Samstag bei körperlicher und geiniger Frische Uhrmacher f irebricb Türk I. und Ehefrau Johanna geb. Muller zu Ebingen. - In Merkenfritz geriet das Wohngebäude Kto H. S. dadurch in Brand, daß das chährige ^ohnchen
Feuer int Herd anzündete und dabei nicht die nötige ior|id)t «getrauchte. Der Brand konnte noch im Entstehen gelöscht were.cn. ■— Bei Eichen im Siegerlande wurde gestern der -3jährige b^utzger MüUer vom Zuge getötet.
h he5 Nvl ■ Trotz
^5
Lew-*'k
Kils'"
" * w\ "shs-rd..
s tz« I W- 1. RI
> und äsind
WM WW 1' % Wien f» h ^u?n-NonncnM I MLU> lrich-Kloppenheim |
M f Prämien- I
Kahlg, bis 2
st- Frd. Grllß-^'it'l-^M ,e 20 M. Ld. LW
Phil. FiiulstisfeW
-.Preis 100 Mk.
^Münzenberg, 3. „I Mk., Rodhcim »,b j] y 2 Preise je 501 michelsl-nm, hch lshclm, 3. je 30 Ödheim, 3. W. Gvk^M MAlges-FaunbeiW 10 M: Rich. Mil Achinkel-Rieder-Ä^M 3. Vildebrand-RiefeeiM e IV. Müfec mit 1 jrl Willi. öoraä-Rei^l-» nlmcf), Üarl Bieber-lliM ^r-Beisel, L-l>. M-l bad), P. Hauser XI.«%e 3. Preise je 10 511 isel, Kd. Tilgte Äidhardt-Beienhcim, eim-Rodheirn. KlüssiJ i'5 80 Mk. L)ch. 2chi«| Stiidt-Meder-Mcisel, '3.1 Hf. hch. Fancibach-Il.-c:! lbach, K. W.
s, 8. Wehrhcim-Riefea-.M ilh. Bopp-Reichrl-feM, Xtm. vubeler-Melfesis. ul II.Rodheim, sad)tnfcl fe VI. (yamilic: l.hl 2. 80 Mk. Sch.
er-Mlbach mti> Will "• I JH. Lung-Wolrnbua I
-Beienheiin.
. Hauser XI.-dMr ^'I i Il.-Fauerbach, mnlimgni 1. I
Ostheim, 0. M I ach. ... gl rämiien. Z las st 1-1
Leibold-MuiiM,.! rk-nnung 10 M.. ^1 II 6bcr unter 12 At Leipald-Münztnbn> l L Mjcin- SjBj 9 zr. Leipold,
Mnerfennungen: V ieiiel Klaue st • l
Sauser
1 Mf. Sb. Bolp I. I teilte
Mk Klasse 1. »»1
Bf Gemeinde W*| Erkennungen 0 ^ Meim und
^.Mörlen.
AM
Arieder-Deil^issik WW
xiClflxnten dem Vertreter der Groß. Staatsregurrung Ministerial- rat Dr. Usmger und Oberregierungsrat Dr. Wagner 2 arm Habt. Weiter waren anwesend ber Vorsitzende ber Handwerkskammer Gewerberat Falk-Mainz und Svndikus Engel-Tarmsiadt. '.'lußer- dem sah man unter den zahlreichen Gästen MTeioamtmann Hohn- Oppenheim und Bürgermeister Ehrisl-Wörrstadl sowie Geheime rat Dr. Becker-Tarmstadt. Ministerialrat Tr. U s i n g e r überbrachte die Begrüßung und Wünsche der Regierung. Bürgermeister Christ und Gewerberat Falk wünschten den Verhandlungen ebenfalls guten Verlauf. T-er Vorsitzende berichtete über die Tätig feit des abgelaufenen Jahres und wies daraus hin, daß der Ausbau der kunstgewerblichen Gruppe des Landesgewerbevereins einen weiteren Umiang angenommen hat und daß auch in letzter Zeit mit dem Deufichen Lvceum-Klub Unterhandlungen geführt wurden betreffs einer Ausstellung von neuzeitlichen Volks und Hauskunstbestrebungen, die im Warenhause Wertheim zu Berlin Gelegenheit ju einer Ausstellung gaben. Im iveiteren wurde berichtet, daß zurzeit das Gewerbemuseum unter der Leitung von Tr. Kienzle einer Umarbeitung unterzogen werde Ter Vor sitzende schloß seine Mitteilungen über den Tätigkeitsbericht mit Danfesworten an die Regierung für die Unterstützung im vergangenen Benchtsjahre und forderte die Versainrnlung aus, dem Fördererber Kunst, S. K. H. dem Großherzog:einZ-sack-es Hoch aus^ zubringen, was von der Versammlung mit lebh. Bcisall ausgcnom men wurde. Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung referierte Stadw. Götz-Darmstadt über die Gewerbesteuer nach dem Entwurf des Gemeindesteuergesetzes und äußerte seine An sicht dahiugehmd, daß das neue Gesetz m seinem Eittwurse dem Handwerkerstände angepaßt sei. Gewerberat Falk- Mainz wünscht den Begriff „Gewerbe^' vom steuerlichen Standpunkle etwas weiter gefaßt als ihn die Gewerbeordnung be-r-euzt im Interesse einer gerechteren Verteilung der Steuern. Weiber wünscht der 91 ebner die Besteuerung der Warenhäuser obligatorisch zu machen Geheimorat Tr. Becker führte aus, daß das Handwerk über den Gesetzentwurf sich nicht beklagen könnte. Als weiterer Punkt wurde noch behandelt die Verlegung des Handwerker- Sonntagsunterrichts auf Wochentage. Tie Ausfüh rungen des Vorsitzenden gingen dahin, daß heute kein Beschluß gefaßt werden sollte, und es den Gewerbe vereinen anheim gc geben werden solle, dieses Thema nackpnals eingehend in den Wintermonaten in ihren Vereinen durcknuberaten und in der nächsten Dersamntlung sich eingehend hierüber zu äußern. Samt liche an der Diskussion teilneltmenden Redner spraü>eii sich ent schieden gegen eine Verlegung des Somttagsunterrich'.s aus Werktag« aus. Stadtv. R 0 ck e l - Tarmstadt, der 2. Vorsitzeitde der Handwerkskanimer, brachte folgende Resolution ein:
„Die heutige Generalversammlung lehnt zurzeit die Verlegung des Handwerker-Sonntagsunterrichtes au) den Werktag auf das Entschiedenste ab."
Diese Resolution wurde mit überwältigender Majorität angenommen. Als Versammlungsort für das Jahr 1911 wurde Grü nberg bestimmt.
Landesverband der deutschen Zlottenoeremr.
Oppenheim, 19. Sept.
Der Landesverband für das Großherzogtum Hessen des Deutschen Flottenvereins hielt heute im Kasino Lands krön zu Oppenheim seine diesjah-rige Hauptversammlung ab, die trotz des heftigen Regenwettcrs sehr zahlreich besucht war. Die Verhandlungen wurden um 11 Uhr von bem ersten Vorsitzenden, Herrn Tr. W. Marck, eröffnet. Der Redner wies auch darauf hiu, daß Großherzog Ernst Ludwig den Bestrebungen des Vereins stets das vollste Interesse entgegenbringe und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf Kaiser und Großherzog, lieber den ersten Punkt der Tagesordnung, den Jahresbericht, referierte der zweite Vorsitzende, Generalleutnant z. D. Kortvan, der die gedruckt vorliegenden interessanten Einzelheiten illustrierte. Es wird darin betont, das; die tiefen MemungSverschiedcn heiten, die im vorigen Jahre den Wechsel im Präsidium hcrvorriefen, innerhalb des Landesverbandes glücklicher weise nur ganz vereinzelt auftraten, daß aber die >)('ot= Wendigkeit ber Stellungnahme zu ihnen bie Beteiligten in außergewöhnlichem Maße in Anspruch nahm. Ter Vor- sitzenbc trat mit gleichgesinnten Vertretern anberec Verbände wiederholt über bie event. Maßnahmen zur Schlichtung bes Streites zusammen und ben Bemühungen bieser Herren sei es nicht zum wenigsten zu danken, baß ber Flottenverein auch unter bem neuen Präsibium den alten, bewährten Kurs beibehält. Der M i t g li e der sta n d ist e t w a s z u r ü ck g e g a n g e n , so in Grebenhain unb Mainz, er war aber erfreulich stark im Znnehmen in Alzey, Wöll stein, Kelsterbach, Vilbel, Hüttcnfelb uslv. Es würbe von ber Versammlung eine Entschließung beschlossen, in ber es für wünschenswert erklärt wird, daß sich in jebem Kreise bie Ortsgruppen unb „Kleinen Stellen" zu einer Kreis- gruppe zusammenfchließen. Die Zahl ber Einzelmitglieber betrug 1908 in Hessen 10 109, wovon auf Starkenburg 4x10, auf O berhessen 3540 unb auf Rh ein Hessen 1759 kommen; die Zahl ber körperschaftlichen Mitglieber belief sich auf 132 mit 18619 Mitgliedern, bazu kommen 136 Gruppen unb 44 Kleine Stellen. Für den wegen anberrceitiger Arbeits Überhäufung zurückgetretenen zweiten Vorsitzenden Oberst Becker, dem für feine lange, verdienstvolle Tätigkeit wärmster ,Tank ausgesprochen wird, ist Generalleutnant Exz. Korman cingctrcten.
lieber Punkt 9 deS Jahresberichts, Schul- und Gesell- schaftsfahrten, referierte der Schatzmeister, Hauptmann Vellmar, der die Ausführung und die vorbereitenden Schritte näher darlegte und die Gruppen um tätigere Mithilfe dabei erfud)te. Im Anschluß daran wurde infolge einer Anregung der Kreisgruppe Main; die Berechtigung der Gruppen zur Ausführung von GesellfchaftSfahrten naher erörtert. An den Lehrerfahrten föimcii statt 6 in Zukunft 8 Lehrer teilnehmen. — 91 ad) dem vom Schatzmeister er statteten Re^nschaftSbericht betrug die Einnahme 16 084 Mark und es blieb Ende 1908 eine lleberzahlnng von 521 Mark; der Voranschlag für 1909 weist eine Einnahme von 14 350 Mk. und eine Ausgabe von 14600 Mk. auf, so daß eine lleberzahlung von 2o0 Mk. zu erwarten ist.
Nack) einem gemeinsamen 'Mittagessen hielt Oberrealschulbirektor Dr. Lahm (WormS) noch einen sehr anregenden Vortrag über bie Kieler Hauptversammlung. Tem Großherzog würbe ein BegrüßungStelegranrm geschickt.
Vermischtes.
*Chauteanbrianbnndsein Affe. Einige vergnügliche Anekdoten aus bem Leben Chateaubrianbs werden in den Rouvelles erzählt. Der Dichter hatte eine besondere Vorliebe für Tiere; so hielt er sich eine Zeit lang in seinem Arbeitszimmer einen jungen Pavian und sorgte mit rührender Liebe für diesen Zimmergenossen. Aber der Affe spielte seinem Herrn doch einmal einen bösen Streich. Es war in der Zeit, da Chateaubriand dmnit beschäftigt war, die Zdandfchriften seines verstorbenen Freundes Fon- taneS durchzusehen, die er zum Druck geben wollte. Ter Tichter harte die Manuskripte wohl geordnet auf seinem Schreibtisch liegen lassen; als er nach Hause kam, zeigte es sich, daß der Asse seine Kette zerrissen und frei war. Cl>aleaubriand beruhigte feinen Pavian mit einer Liebkosung und setzte sich dann an seinen Schreibtisch: aber die Papiere Fontanes waren verschwunden. 9J?it wachsender Besorgnis beginnt Chateaubriand zu suchen und schließlich entdeckt er sie auch: sie liegen im fetorbe des Affen, in be
jammernswertem Zustand. Der Pavian hatte seine Zett damit auSgefiiNt, bie sorglich georbneten Bogen Siuck um Stück zu zerreißen. Dabei ahmte er getreu seinen .ixrrn nach; er hatte jeben Bogen genau in vier Stücke zerrissen, so daß mit einem reichlichen Änswanb von Gcbulb die Manuskripte sck)ließlich wieder ycrgcstellt unb gerettet roerben konnten. 8lber Chateaubriand» war mißtrauisch genwrden unb inspizierte seine Schubladen. Ihn erwartete die eigenartige Entdeckung, sic alle ausnahmslos leer zu finden; der Affe hatte sich je^ock) nick)t mit den Briefsck^aftcn und Papieren begnügt, sondern auch Chateaubrianbs Orben unb Ehre»*- zeÄen beiseitegeschasft. Im Hause begann ein ausgeregtes Suchen, aber alle 9?achforsck)ungen blieben sruchtlos, Papiere unb Ehrenzeick)en waren vcrsckMunben. Erst nach fünf ober sechs Tagen fand ber Diener dnrch einen ZufaN bie entwenbcten Gegenstände, die der Affe in einen verborgenen Winkel getragen und hier anidyeüienb mit Liebe sorgsam aufgestapelt hatte. Chateaubriand entscküoß sich cnblid), den indiskreten Zimmergejellen zu entlassen; er ersetzte ihn durch eine prachtvolle Katze, die oft gemächlid) schnurrend stundenlang aus seinem Schreibtisch saß. Um sie zu ergötzen, fertigte der Dichter aus Karton eine Marionette an, die an einem Baude befestigt war und so bewegt werdeir konnte. Mit ihr vertrieb er seiner Katze die Langeweile.
* Ein Haus in elf Stunden erbaut hat ein junger amerikanischer Architekt W. C. Carl in St. Louis. An1 seinem Hochzeitstage wollte er mit diesem raschen Hausbau seiner jungen Frau eine Ueberraschung bereden. Noch am Morgen um 6 Uhr war kein Stein und kein Brett auf dem Platze, wo der Bau sich erheben sollte. Puntt sieben fuhren bie Wagen an, bie alles Material herbei- .nleppten, Sanbstein, Badpeine, Pfosten unb Bretter. Die Llrbeitsverteilung war vorher bis ins Einzelne organisiert. Die Teile bes Gerüstes zurechtgelegt und abgepaßt, die Fenstcrftillungen fertig, so baß alles nur auf bem soliden siciuerncn Untergrund aufgebaut werben mußte, ber sofort in Angriff genommen würbe. Rach anberthalb Stunben lvar bad Funbarnent fertig. Rasch erstanb bann bas Holzgerüst, bie Mauern würben verkleidet, und während mittags um zwölf die Dachdecker ihre Arbeit begannen, arbeiteten bereits im in nein die Schreiner und die Elektrotechniker. Während die Sd>reiner noch am Treppenhause beschäftigt waren, kamen bereits die Maler, um die holzbekleideten Wände der Außenseite in Grün und Weiß zu tünchen. Punkt 6 Uhr legten alle Arbeiter ihr Gerät beiseite und verließen den Platz: die kleine Villa stand völlig gebrauchsfertig. Sie besteht aus einem Baderaum, einer Empfangshalle und zwei Hellen geräumigen Zimmern. Kaum ivaren die Arbeiter verschwunden, so fuhren die Ältöbelwagen vor und eine Stunde später empfing daS junge Ehepaar int fertig eingerichteten Hause seine Freunde zu einem festlichen EinweihungScjsen. Bei der Errichtung des Hauses wurden, so wird im Wide World Magazine berichtet, 75 000 R^gel verwendet, 11000 Fuß Ballholz, 12000' Dachschindeln oc- festigt, die Wände mit 6000 Holzleisten verschalt. Außer ocn Maurern waren 25 Tischler am Werke, 12 Dachdecker, ein Elektrotechniker. Ter aus Backstein errichtete Schornstein wurde von vier Arbeitern in 4 Stunden 45 Minuten fertiggestellt.
* Im Gamsgebirg. „Hären Se mal, mei kutester .Herr Ekonom, gehn denn bei Eich de Leite nid) mehr in den sck)eencn achten Nalionalgoskieme?" — ,.Mir Hamm kons mehr. Mir Hamms olle an die Freinden verläfst."
Meteorologische Beovachtrrugen
der Station Gieße».
September
1909
Barometer auf 0° reduziert
Temperatur der rtiü
'Absolute sieuchligleil
'Relative Feuchtigkeit
2
>0 A
Windstärke
Weller
19.
2“
746,4
13,0
10,6
96
W
4
Regen
19.
9*
745,4
130
10,9
98
sw
4
Bed. Himmel
20.
7’*
746,8
12,3
10,1
96
NW
2
Bed. Hunmel
4
höchste
emperc
itur tu
1 18.-
-19. September —
-4- 13,3'6.
Niedrigste ,
H
18-
-19.
H
4- 10,3'0.
Gieheneö wettertzienft.
Voraussichtliche Witterimg für .heheu am Dienstag bem 21. September: Zeilwene heiter. Nur im Dlorben noch vereinzelt 'Regenschauer. 9lad)i§ kühl, nm Tage etwas wärmer wie heule.
GriginaL-Drahtmeldttirgen.
Die Fahrt des Zeppelin III.
Düsseldorf, 20. Sept. Z. 3 wird um die Mittagsstunde von hier direkt nach Essen fahren und bei geeigneten WitLerungsverhältni,len eine Rundfahrt in das Industriegebiet unternehmen. Arn Abend wird der Ballon nach Essen znrücktehreii.
•
Essen, 20. Sept. Aus Anlaß der heutigen Ankunft des ,5. IIP hat der Oberbürgermeister bie Schließung sämtlicher Schulen verfügt. Der Betrieb ber Krupp'schen Werke ruht von 10 bis 12 Uhr.
Berlin, 20. Sept. Ter Reichsbankdiskont würbe ü011 31/2 auf 4 Proz. unb ber Lombardzins- fuß von 4 1/2 auf 5 Pr 0z. erhöht.
Berlin, 20. Sept. Ter türkische Generalissimus Mahmud Schewket Pasd)a, ber vorgestern hier eingetroffen ist, hatte im Laufe bes gestrigen Tages eine längere Unter» rebung mit bem hiesigen türkischen Botschafter. Heute abenb wirb er nach Essen weiter reisen, um Schießversuchen auf bem Kruppschen Werke beizuwohnen.
Petersburg, 20. Sept. Tie „Nowoje Wremja" meldet, es seien Nachrichten aus Papan eingetroffen, nach benen bort ein neuer ürieg mit Rußlanb bas Tagesgespräch bilbe. Tie japanische Streitmacht werbe anbauernb vermehrt unb besonbers bas Verpflegungswesen aiisgestal- tet. Während bie größten Aufmerksamteiten ber Armee zugewenbet werben, werbe ber Ausbau ber Flotte vernachlässigt. Es sollen bereits Dutzenbe von Luftschifsen im geheimen fertiggestellt fein. Es geht in Tokio das Gerücht, Her Krieg solle im Jahre 1910 zum Ausbruch kommen.
New York, 20. Sept. P eary läßt dementieren, daß cr beabfichttge, nach dem Südpol zu geben. Seine Gattin habe ihn veranlaßt, von diesem Plane Abstand zu nehmen.
Seit mehr als 40 Jahren iit in Hunderllain'enden von Fällen die vorzügliche Verdaulichkeit und Nährwirkung des Neslle'schen Kinder- mehles, das die Kinder so gern nehmen, gründlich ervrobt worden, /immer gleichmäßig und gebrauchSierNg, slers bekömmlich, nie wuerrid oder sich zersetzend, bringt das ReMe-Mebl den Säugling durch die schwierige Periode des Sommers glücklich hindurch. »sV, VIS / TKA RTFN in Jc^er beliebigen Schriftart und Kartonsorte, ■■ ■ - sowie mit Zirkeln aller studentischen Ver
einigungen liefert zu mäßigen Preisen die Brühl'sehe Univ.-Druckerei.


