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20.9.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Montag '^O.Teptemver ittOtt

Reöaftion, LrpedMan und vruckcrei: Schulstratze 7.

bis vo°rnstttaA"'s"uh? Botationsbrud unb Verlag ber vrühl'schen Univ.-Vuch- nnb Steinbrnderet B. Lange.

Nr. 220

Ter Siehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich OießenerZamlliendlätter; zweimal wöchentl.XreiL- blatt färben Kreis 6itfctH ^Dienstag und Freitag); zweimal monatl. £anb-- wirtschastliche seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeige«

retzener Anzeigers

«hi " d a m /<. < < NN polinschen Teil: Auqr,st

General-Anzeiger für Oberheffen MM

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

tiöDd) den 22, uackmitlags z ui»

1 aus der Lämmer« r Anneroder Leg! t icmnattt statt.

un Berkaus fommen: massige Laaner-Zi< te und Lämmer.

Der Vorstand »les,. Ziegenzucht

^Gelehrte unb Künstler.

Die Eröffnungsrede des Kaisers.

Die Eröffnung der neuen Schackgalerie .lJ,uri)e Don. r&aif er in Gegenwart des Prinzregenten mu folgenoer rAed e vollzogen: , So

Der alte Gedonsche Bau ist allmählich dem oahn d.

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«Sllto liessen und Umgegtr: | ^ir machen hiermit un'üi. I derdarausausmerksaer^ I WerDHi Montag den 20. 2cr I mrgenommen werden rc: outag, 20., Dieuöttz irittwoch, 22. Lcvl.

Bleichstraßc:

ontag, 27,^010,.. ' litt'iDod), 29. «cvt.11

Lahuhofstraft , «tag, 4., TicnStar, Mittwoch, 6. Lklodci - Afterwcg

xtzmal von 6i.-8 Uhr --I r Die Mitglieds^ irlen sind unbedmgi M en.--1

3eit erlegen, und die schöne Sammlung des Grasen Schack hat in neue Räume übergeführt werden müssen. In Har-I monischer Umgebung und in günstiger Beleuchtung wird sie sich nunmehr den Besuchern zeigen können. Möge der Münchener, dem sie ans Herz gewachsen ist, sowie der Fremde, der in den Mauern der gastlichen Kunststadt weilt, Freude und Erhebung in der Galerie empfinden. Die Sammlung sei aber zugleicn dem Besucher ein Maß­stab für die Beurteilung der jetzigen Kunst. Sie zeigt, daß der Künstler die schöne Aufgabe hat, nicht nur die Vorkommnisse des täglichen Lebens in zum Teil drasti scher, sensationeller und abstoßender Form zur Darstellung zu bringen, sondern vielmehr unter dem Einfluß der Aesthettk nrit reinem Sinn in vornehmer Auffassung, die Flamme des Ideals in der Brust, seine Zeitgenossen über die Misere des alltäglick)cn Lebens emporzuheben und das Schönheitsgefühl des Volkes zu pflegen und zu stärken. Ich baute Ew. Königlichen Hoheit für Ihr Hr- scheinen am heutigen Tage uno bitte Ew. Königliche Hoheit nunmehr, die Galerie für eröffnet zu erklären."

Der Prinzregent erwiderte auf die Ansprache des Kaisers:

Der hochherzigen Entschließung, die kostbare Gemälde­sammlung des Grafen Schack in München zu belassen, haben Ew. Majestät einen weiteren Alt kaiserlicher Magni­fizenz hinzugefügt. Rach den Anordnungen Ew. Majestät ist der Sammlung ein neues Heim erstanden, dessen Räume wir soeben mit Bewunderung betreten und das die Kunstschätze der Schack-Galerie in bisher ungekannter Schönheit zur Geltung bringt. Ew. Majestät sind aber auch noch persönlich nach den Anstrengungen des Ma­növers hierhergeeilt, um die Galerie der Oesscntlichkeil zu übergeben. Indem ich mit Freuden der gütigen Auf­forderung Ew. Majestät folge, erlläre ich die Schack- Galerie hiermit für eröffnet.

München, 18. Sept. Der Kaiser besuchte nach­mittags die lsier anwesenden Fürstlichkeiten. Abends fand int Hofballsaale der Residenz eine großeHoftafel statt, zu welcher sämtliche Prinzen und Prinzessinnen des könig liehen Hauses, Prinz Ernst August von Braunschweig, Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, Fürst zu Fürstenberg, der Reichskanzler v. Bethmann Hollwcg, Staatssekretär Frhr. v. Schön, der preußische Gesandte mit Gemahlin, sowie die übrigen Mitglieder der Gesandtschaft, ferner sämtliche Staatsminister, die Generalität, die baheriscben Gesandten Graf Lerchenseld und v. TucheÜ, die beiden Bürgermeister, die Vorstände des Gemeindekollegiums, mehrere Ministerial- beamte, Professoren und Künstler und zahlreiche andere h)äste geladen waren. Der Kaiser führte die Prinzessin Ludwig, der Prinzregent die Prinzessin Leopold.

Ein Trinkspruch des Prinzregenten.

Im Verlaufe der Tafel brachte der Prinzregent folgenden Trinkspruch aus:

Es gereicht mir zu doppelter Freude, Euere Majestät heute als meinen Gast herzlich willkommen zu heißen, nachdem ich mir leider versagen mußte, bei den großen Manövern, an welchen auch die bayerische Armee Anteil genommen hat. Euere Majestät persönlich zu begrüßen. Mit hoher Genugtuung hat es mich erfüllt, aus dem Munde Euerer Majestät zu vernehmen, daß die bayerischen Truppen hierbei ihre Tüchtigkeit und Sck)lagfertigkeit aufs neue bewährt haben. Meinem Dank und meiner Freude über den Besuch Euerer Majestät gebe ich Aus­druck, indem ich meine Gäste anffordere, einzustimmen in den Rus: Seine Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen, mein teuerer Freund, lebe hoch!"

Die Antwort des Kaisers.

Der Kaiser antwortete mit folgenden Worten:

Euerer Königlichen Hoheit herzliche Worte haben mick) tief gerührt Zugleich drängt es nrich, meiner Freude Ausdruck zu geben über die Teilnahme der stolzen bayerischen Armee an den diesjährigen Manövern unter der bewährten Führung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Leopold. Es hat mich hoch erfreut so zahlreiche bayerische Prinzen, vor allem Ihre Königliche Hoheiten die Prinzen Ludwig und Rupprecht im Manövergelände begrüßen zu können und zugleich von neuem zu sehen, wie die bayerischen Truppen sich auch im Frieden ihrer ruhmreichen Vergangenheit würdig zeigen. Indem ich Eure Königliche Hoheit von Herzen beglückwünsche, er­hebe ich mein Glas auf die Gesundheit Euerer König­lichen Hoheit und das Blühen und Gedeihen des dem ganzen deutschen Reiche so teueren erlauchten Hauses Wittelsbach." r

München, 18. Sept. Der Kaiser hat heute abend die Reise nach Altenburg angetreten. Ter Prinzregent gab dem Kaiser das Geleite zum Bahnhof. Außerdem waren zur Verabschiedung erschienen u. a. sämt­liche Prinzen des königlichen Hauses, der Reichskanzler r Bethmann Hollweg, der Staatssekretär v. Schön und der vreußische Gesandte v. Schlözer.

München, 18. Sept. Der Reichskanzler stattete heute nachmittag dem Vorsitzenden im Ministerrate Frhrn. v. Podewils einen längeren Besuch ab. Vormittags sanden zwischen beiden Staatsmännern, auch zwischen dem Staatssekretär Frhrn. v. Schön und Frhrn. von Podewils Konferenzen statt.

Der Kaiser in Altenburg.

Altenburg, 19. Sept. Ter Kaiser ist heute früh S Uhr 25 Mcinuten aus München hier eingetroffen. Einige Minuten später kam die Kaiserin an. Herzog Ernst II. und die Herzogin waren zur Begrüßung auf dem Bahnhöfe anwesend. Unter brausendem Jubel der Bevölkerung wurde _ic Fahrt zum Schlosse angetreten. Das Wetter war äußerst .eanertsch, dann ausklärend. Tie Fürstlichkeiten begaben sich durch die über und über geschmückte Stadt zum hoch­tragenden, stattlichen allen Schlosse, wo die Maiestären Wob- | nung nahmen. Die Einwohner Altenburgs, verstärkt durch

Der Kaiser auf Reisen.

Der Kaiser steht wieder ganz int Mittelpunkte der öffent­lichen Aufmerksamkeit, und seine Reden und Kundgebungen fönen wieder die Zeitungsspalten. Er war in München zur 'Eröffnung der neuen Schackgalerie und hat im Altenburger .Lande sich über die Hurrarufe der Bevölkerung gefreut. Unb das amtliche Wolsfsche Bureau übermittelt alle Einzel -beiten der Begrüßungen mit einer Wichtigkeit, die einer ernsteren Sache würdig wäre. Daß der Kaiser nach München kam, war wohl nid)t zu vermeiden, aber die sich häufen­den Reisen und AeußtÄichkellen rufen.die allen Bedenken ivach. Die Ueberschwänglichkell der Reden und Handschrei­ben, die sämtlich zur Veröffentlichung bestimmt sind, darf das deutsche Volk nicht zerstreuen. Gibt es gegenwärtig nichts Wichtigeres in der Welt? Vor ein paar Tagen hat ein Berliner Blatt mit Recht die Ansicht vertrete^, daß man mit der Ernennung neuer Feldmarschalle etwas sparsamer imtgehen könnte. In der Tat, in früheren Zeiten waren alle diese bösischen Auszeichnungen und Äeußerlichkeiten auf das Notwendigste beschränkt. Das Berliner Auswärtige Amt ist wieder völlig verwaist. Der Kaiser, der Kanzler und der Staatssekretär sind auf Reisen, die altePolittk im llmherziehen"! Konnte nicht wenigstens Herr v. Schön im 'Ansivärtigen Amte bleiben, wo doch immer wichtige Dinge erledigt werden müssen? Der Reichskanzler erfüllt rine wichtige Mission. Er ist nach Wien gereist, um sich ruber unser Verhältnis äu Oesterreich genau z-u informieren. Die Wiener Presse schlägt zum Willkomm einen iHeraus herzlichen Ton an, und das beiderseitige Verhältnis ist ohne Frage seit der letzten Balkankrise inniger geworden. Jetzt müssen die positiven Vorteile, die Deutschland davon Tiat, acnmi geprüft und im Rahmen der.gesamten auswär chgen Politik auch in Men etwas mehr in den Vordergrund gestellt werden.' Daß Oesterreich bei den noch immer uw ruhigen Verhältnissen im Orient für die nächste Zell sehr auf den Beistand des starken Nachbars angewiesen ist, ist sick)er. Aber Deutschland darf nicht nur der Aushelfer fein, und der Schwerpunkt soll nicht in Men, sondern, gemäß dem Stärke- Verhältnis, in Berlin liegen. Dann werden auch die großen Lasten, die wir für die Unterhaltung der in den ALanövem Glieder,glänzend bewährten Lehrmacht tragen müssen, ni^t Lergeblrch sein.

Der Kaiser in München.

Am 14. April 1894 verstarb in Rom im hohen Alter Don fast achtzig Jahren völlig erblindet Adolf Friedrich «Kraf v. Schack, der bekannte Dichter und Schriftsteller, Der Gründer der größten und wertvollsten privaten Ge­mäldegalerie Deutsckstands. Diese Sammlung vermachte er testamentarisch Kaiser Wilhelm II., was bei einem Monn, fcer über vierzig Jahre mit der Stadt München völlig ver- »«ichsen gewesen war, ein überraschender Entschluß war. Aber Schack war in seinen letzten Jahren mit dem Re­genten von Bayern wegen der Umänderung von Ordens- |a±utcu in Mißhelligkeiten geraten und hatte es der Mün ebener Stadtverwaltung, der er ursprünglich die Galerie augedacht batte, verübelt, als diese wegen des Terrains tör die Sammlung Schwierigkeiten machte, und so wurde ler Kaiser Besitzer. Nichts hätte näher gelegen, als daß 1 mm die reidjen Schätze nach Berlin gekommen wären, und Die Hauptstadt des Deutschen Reiches würde um eine wahr- fcaft einzige Sehenswürdigkeit bereichert worden sein. Es tuar eine sehr große Generosität des Kaisers, als er be­schloß, das Erbe in Münck)en zu belassen, eine Gesälllgkeit Sowohl gegen das befreundete Haus Mttelsbach wie gegen üe SIE, die den Verlust schwer empfunden hätte. Für Len Kaiser ergab sich aus diesem Entschluß noch bte Un- Leauemlichkell, das Palais Sckwck in der Brienner Straße «mkaufen zu müssen. Aber die alten Räume waren unzu -reichend und feucht, und der Gedanke tauchte auf, bte Galerie -mit dem Neubau der preußischen Gesandtschaft zu ver­einigen. Heute geht nun die Einweihung des vollendeten Werkes in Gegenwart des Kaisers vor sich. An der Prinz- leaenten-Straße, lli dem schönsten Delle des neuen Münchens, -ist der imposante Palast errichtet worden, und zwar von Den bekannten Architetten Heilmann und Llltmann, die Zahlreiche bedeutende Bauten im letzten Jahrzehnt dort | «usgeführt haben. , . . , _

München, 18. Sept. Um 1 Uhr fand rn der preuß. Gesandtschaft bei dem Gesandten v. Schlözer größere i; Frühstückstafel statt. Der Kaiser begab sich zuvor dort hin und empfing an der Treppe den Pr i nz r e g e n t e n. ' Er geleitete ihn nach herzlicher BegruMng in die Fen - - räume der preußischen Gesandtschaft. An der huseftenwrmw 1 gedeckten Tafel nahmen der Kaiser und der Prmzregein ine Dttttelplätze ein. Rechts vom Prinzregenten sag ö-rau j ö. Schlözer, links vom Kaiser Prinz Äidwig, «s folgten bann die übrigen Prinzen, die Herzoge, d'UC|i von Fürsten -berg usw. Dem Kaiser und dem Prinzregenten gegenüber saßen Ministerpräsident v. Podewils und ber Jvtd)s>tanolei -s. Bethmann-Hollweg: außerdem nahmen an der täfel teil: die obersten Hoschargen, die zur Ferer etngi ^offenen auswärtigen Gäste, das Gefolge des Ellers, Obcr Bürgermeister Dr. v. Borscht, der Er bauer ber (Shackg aler . *ßrof. Llltmann u. a. Nack) der Frsthsttickstafel begaben nch der Kaiser, der Prinzregent und bte übrigen Fürstin eiten in den unmittelbar an die Festraume der preußischen Gesandtschaft anstoßenden L e n b a d; s a a l neuen Schw - galerie. Dort hatten sich eingcfuiü- t jamiltcbe ba-sergeh Minister, das diplomatische Korps, ber Erzbizchvf, R^ichsrate

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den gewalllgen Zustrom aus der Umgegend, der zum Teil zu Fuß und zu Wagen, zum Teil in 92 Extra^ügen herbei geeilt war, begrüßten die Fürstlichkeiten stürmisch. Während des Frühstücks sangen auf dem Schloßhof über tausend Schulkinder, die Mädchen imt Blumen kränzen in dem Haar, patriottsche Lieber. Um 10 Uhr nahmen bie Fürstlickikeiten an dem Gottesdienst in ber Sck)loßkirche teil unb begaben sich um 11 Uhr 30 Min. unter dem Jubel der Bevölkerung zum MarktplaK. Bor bem Rathaus unb am Markt war ein prächtiger Baldachin er richtet, unter dem nach ber Begrüßung durch bie Stadl Vertretung die Majestäten, ber Herzog unb bie Herzogin Platz nahmen. Der geräumige Marktplatz war schlvar?, von Menschen, Fenster unb Dächer waren besetzt. Zmiädist hielt ber Kaiser die Parade über den Landes- und Kriegerverbanb Sachsen-Altenburg ab, der in einer Störte von 132 Vereinen mit Fahnen und Musik in drei Tressen auf bem Marktplatz Aufstellung genommen hatte. Der Kaiser fuhr die Fronten ab, begrüßte die alten Soldaten unb nahm den Parademarsch ab, ber vortrefflich ausge führt wurde. Es folgte ein Huldigungszug ber Bauern schäft des Ostkreises des Herzogtums. Zunächst trat eine Deputation von Bauern unb Bäuerinnen vor die Majestäten Der Sprecher, ein alter Bauer, mit langem, schwarzem Rock, hielt eine Ansprache, unb eine Bäuerin begrüßte die Kaiserin. Eine zweite Bäuerin überreichte Blumen. Die Bäuerinnen waren in ihrer eigenartigen Lanbestracht, mit sehr kurzen Röcken, auf bem Kopf teils ein glatt anliegcu des schwarzes Tuch, teils eine mit Hormet, unb eine hohe, mit Blumen und vielen echten Goldmünzen geschmückte Mutze. Der Kaiser und die Kaiserin reidjten den Genannten die Hand und dankten für die Ovation. Dann begann ber Fe stzug. Dieser wurde eröffnet durch Vorreiter auf prächtigen, derben Bauernpferben Altenburger Schlages. Die Bauern selbst trugen weiße ober schwarze lange Röcke ober ganz kurze Jacken (Spencer), und darüber Schärpen in deutschen und altenburgischen Farben. Nun kamen bau er» liche Trompeterkorps zu Pferde. Tie Fahnenttäger waren beritten und der Festausschuß in Wagen. Sodann folgte ein bäuerlicher Hochzeitszug, voran ein Leiter wagen mit Musikanten, Fahnenträger und Hochzeitsbitter zu Pferde, und bie Freundinnen der Braut in einer langen Reihe blumengeschmückter Wagen und Kutschen, ferner Wagen mit Blumen werfenden mindern und Brautjungfern. Besonders reich geschmückt war bas Brautpaar, ein junges Paar, das in der Tat in den nächsten Tagen getraut werden soll. Der Brautführer war zu Pferde, die Eltewi des Brautpaares folgten im Kamm er wag en mit der Ausstattung, unter der sich ein wundervolles alles Riesenbettgestell, ein Spinnrad und eine Wiege befand, sodann Verwandte und Gäste, in weiterer langer Wagenreihe zum Schluß die Freunde des Brautpaares und etwa 100 Burschen zu Pferde. Um 1 Uhr fand Familientafel im Schlosse statt.

Trinksprüche.

Altenburg, 19. Sept. Heute abend 7 Uhr fand im herzoglichen Schloß Galatafel statt, bei der der Her­zog Ernst folgenden Trinkspruch ausbrachte:

Der Besuch, mit dem Eure Kaiserliche Majestät ge­meinsam mit Ihrer Majestät der Kaiserin uns ehren, er­füllt die Herzogin und mich mit innigster Freude. Ich bitte, den Ausdruck tiefster Daulbarkell zu Füßen legen zu dürfen. Wir erkennen darin ein Fortbestel)en Der gütigen Gesinnung, mit der Eure Majestäten in früheren Jahren uns beglückt haben. Von neunzehn Jahren ge­noß Altenburg zum erftenmale bie hohe Auszeichnung, den Schirmherrn des Reiches in seinen Riauern zu emp­fangen, heute wie damals tönt heller Jubel ihm ent­gegen, gehoben noch durch die Anwesenheit Eurer Majestät Erlauchten Gemahlin.Treu und beständig" lautet ber Wahlspmch meines Hauses. Freudigen Herzens darf ich in dieser festlichen Stunde bezeugen, baß mit nur meine Altenburger in unwandelbarer Treue zu Kaiser unb Reich stehen, voll Dank für den Segen friedlicher Zeit, voll erprobter Treue in ernsten Tagen. Mit bem aus tiefstem Herzen kommenden Wunsch, daß Gottes Segen auf Eurer Majestät und Ihrer Regierung, auf Ihrer Majestät der Kaiserin und dem Kaiserlichen Hause ruhen möge, erhebe ich mein Glas mit dem Rufe: Seine Majestät der Kaiser, Ihre Majestät bie Kaiserin hurra, hurra hurra!

Altenburg, 19. Sept. Der Kaiser erwiderte auf den Trinkspruch des Herzogs mit folgendem Toast:

,/Don ganzem Herzen danken bie Kaiserin und Ich Eurer Hoheit für die freundlichen Begrüßungsworte und den uns bereiteten liebenswürdig en Empfang. Aufrichtig freuen wir uns, daß es uns vergönnt ist, Eure Hoheit und die Herzogin in der Hauptstadt chres Landes be­grüßen und den Gefühlen herzlicher Freundschaft und Zuneigung Ausdruck geben zu können. Die kerndeutsche Gesinnung des altenburgischen Volkes, welche Eure Ho!>eit mir soeben bezeugt haben, ist mir wohl bekannt. Die herzerhebenden Eindrücke, die ich bei meinem ersten Be­suche Altenburgs empfangen habe, sind mir in frischer Erinnerung. Heute hat mich bie festliche Stimmung unb der Helle Jubel ber freudig bewegten Menge von neuem erkennen lassen, daß bie Liebe zu Kaiser und Reich den Altenburgern tief im Herzen sitzt. Was Altenburgs Söhne einst in blutigem Kampfe haben erringen heften, sind feine Bürger heute bestrebt, in friedlicher Arbeit zu er­hallen. So bildet Altenburg ein Hort deutscher Treue, ein Vorbild deutschen Fleißes und deutscher Tüchtigkell. Die Kaiserin vereinigt sich mit Mir in den innigsten Wünschen für Eure Hoheit, die Herzogin und bas schöne altenburgische Land. Möge es unter ber segensreichen Regierung seines Erlauchten Fürsten auch wellerhin blühen und gedeihen. Eure Hoheiten, ber Herzog und die Herzogin Hurra, hurra, urra!" H

Altenburg, 19. Sept. Der Kaiser begibt sich