Ausgabe 
18.6.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 140 Drittes Blatt 1S9. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntag».

DieSiebener Hamiltenblätter- werden dem .Anzeiger' otermal wöchentlich beiqeleqt, das Kreisblati für den Kreis Gießen- zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich ziveiinal.

GeyeraL-Anzeiger

für Oberhessen

Freitag IS. Juni 1909

Ktokanonsdruck und Verlag der Brühlfche» UnroerfuäiS - Buch» und Steindruckerei.

JL Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Sctml- slraße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:^^DI12. Tel.-Adr.:AnzeigerG>eßen.

9

Prachthauses bestimmt waren. Unter den Statuen befindet sich ein 2,40 Vieler hoher Eros, dessen Modellierung öoh erlesener Feircheff ist, eine Dionysos-Herme, die Statuette erneS Herma­phroditen, eine Fannsmaske, Lampen,. Bruchstücke von Geräten, große Vasen ufw. Die Bronzegegenstände sinb wunderbar er­halten. In dem so viele Jahrhunderte dauernden Bade haben sie sich mit enter dichten Schicht von Kaltabsonderungen bedeckt, nach deren Entfernung sie fast unversehrt wieder zum Vorschein kamen. Die Marmorstücke zeigen an allen Teilen, die in dem Sande ver­graben ruhten, eine ganz ausgezeichnete Erhaltung, da aber, wo sie aus dem Sande hervorragten und oom Wasser bespült wurden, selben sie wie Schwämme aus, in deren tausend Löchern sich 'Meertiere und Pflanzen festgesetzt haben.

Kirchliche Nachrichten,

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 20. I u n i, 2. nach Trinitatis: Gottesdienst.

3n der Ztadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Piarrer I). Schlosser.

Zugleich Christenlehre Sür die Neukonfirmierlen auS bet Malthäusgemeinde.

Pormiklags 9*/., Uhr: Pros. D. E ck.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MarkuSgemernoe, Pfarrer S ch io a b e.

Familien'Ausflug des Wartburg-Vereins nach Arnsburg Abfahrt mit dem Zug nach Garbenteie!, 12 Uhr 34 Alin, mittags 3n der Iohannesktrche.

Vormittags 8 Uhr : Pfarrer Bechtolsheims r.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfiri^ierten aus der LukaS- gemeinde.

Vormittags 9'/? Uhr : Piarrer A u s s e l d.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Piarrer A u s i e l d.

Abends 8 Uhr im Konfirmandensaal: Versammlung und Bibelbefprechnng.

Nächstküniligen Sonntag, den 27. Juni, soll die Kollekte iür die deutschen evangelischen Volksgenossen im Ausland erhoben werden.

katholische Gemeinde. Gottesdienst.

Samstag den 19. Juni:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheft zur heil. Beicht.

Sonntag den 20. Juni, 3. Sonntag nach Pfingsten: Vormittags von 6V, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

u um 7 Uhr: Die erste heil. Messe.

* um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

, um 9 Uhr: swcbamt mit Predigt.

» um 11 Uhr: Heil. Blesse mit Predigt.

Nachmittags un^2 Uhr: Christenlehre: darauf Sakramentalische Bruderichaits-Audacht.

Aus Stadt nnd Land.

Gießen, 18. Juni 1909.

**. Jahresversammlung des Yess. Haupt- vererns der Gustav-Ad olf-Str f tu ng. Für das am 6. und 7. Juli hier statlfindende Fest ist das Programm nunmehr festgestellt. Danach sollen am 0. Juli von mittags 12 Uhr an die auswärtigen Festgäste im Wartesaal 2. Klasse, woselbst auch die Karten für Wohnung und das gemeinsame Essen ausgegeben werden, empfangen werden Mit Rück­sicht auf dre Gießener Bevölkerung, die an Wochentagen vormittags zu einem Gottesdienst nidjt erscheinen kann, ist der Festgottesdienst auf nachmittags 6 Uhr festgesetzt; Fest- predtger rst Pfarrer Berck auS Mainz-Mombach. Im Gottesdienste selbst wird der Vorsitzende des Yess. .Haupt- vererns Professor Tr ü m p er t -Darmstadt eine Ansprache halten und der Schrtstführer Det'Mi Bayer- Groß-Hlerau den Jahresbericht erstatten. Daran schließen sich Ansprachen des Vertreters des Großh. Oberkonsistoriums und des De­kans der Theologischen Fakultät. Abends 8i/2 Uhr ist in Sterns Garten eine öffentliche Versammlung, die durch Pfarrer Din g e l d ep-Darmstadt geleitet wird. Der Generalsekretär des Zentralvorstandes Pastor Braun­schweig-Leipzig spricht hierbei überEin Rundgang durch dre Arbeitsfelder des Gustav-Adolf-Verems". Ter gemischte Chor des hiesigen Evangelischen Arbeitervereins wird in dieser Versammlung singen. Mittwoch den 7. Juli, vor­mittags 9 Uhr, findet im Konfirmandensaal der Johannes- kirche die nichtöffentliche Sitzung des Berwaltunasrates und der Abgeordneten der Zweigvereinc statt. Mittags 1 Uhr ist gemeinsame- Essen in Steins Garten und nachmittags 4 Uhr in demselben Lokale eine öffentliche Nachversammlung. Hierfür ift vorgesehen ein Vortrag des- Pfarrers D. Tr. Preu sche n-Hirschhorn überCalvin und die Protestanten außerhalb der Schweiz", eine Ansprache des Pfarrers All- wohn-Marienschloß überBilder aus der Gegenrefor­mation in Oberhessen" und eine Ansprache des Pfarrers Becker-Fürth i. O. überKatholizismus und Protestan­tismus im Wirtschaftsleben". Für diese Versammlung sind Gesangsvorträge des Kirchenchors vorgesehen.

fontroUeure, Ober-Bahnhofs- und Ober-Güter-Vorsteher, bie Ober--Kassenoorsteher, Materialien-Verwalter erster Klasse und Oberbahnmetsler außer dem gekrönten Wappenschild einen vierzackigen, vergoldeten Stern; den in hervorragend wichtiger Stellung befindlichen Ober-Bahnhofs- und Ober-Güter-Vor- nehern und den Betriebskontrolleuren können 3,8 Zentimeter breite, goldene, blau durchwirkte, einfach geflochtene Achselstücke mit einer Unterlage von orangefarbenem Tuch, auf denen das gekrönte preußische Wappenschild zu befestigen ist, durch den Minister der öffentlichen 9lrbeiten verliehen werden; die als Kragenabzeichen an der Dienstkleidung der Lolomotio» führer und Zugführer befindliche Goldtresfe ivird in Fortfall kommen, beide Beamtenkategorien werden in Zukunft Joppen nach dem Schnitt der Ofstzierslitewka, ohne Vorstoß, mit Umlegekragen tragen, an dem die Rang- und Dienstabzeichen sichtbar sind.

'" OeNentliche Lefe Halle. Im Mai wurden 2 2 0 7 Bände a u s g e l i e h e n. Davon kommen aus: Erzählende Literatur 1057, Zeitschriften 340, Jugeudschrüten 323, Vers« dichtungen und Dramen 46, Literatin gejcbichte 9, Länder« und Völkerkunde 59, Kulturgeschichte 34, Geschichte und Biographien 112, Kümigeschichte 17, Naturwissenschast und Technologie 114, Heer- und Seewesen 18, Halls- und Laudwirlschail 12, Gesund- beitSlehre 2, Religion und Philoiophie 28, SloatSwissenschaii 12, Sprachwissenschaft 9, JremdspiachlicheS lo Bande. Nach aus­wärts kamen 89 Bände.

§ Elpenrod, 16. Juni. Unser neuerbautes Schul- Hans geht seiner Vollendung entgegen; es ist im Außenbau fast fertig Gewaltige Stützmauern umgeben die Vorder­seite stilvollen Gebäudes, das mit seinem hohen

Spitz. einen imposanten Anblick gewährt. Für den

tfenne nicht den Laien ist es erklärlich, warum dieses Schulgebäude auf der Ausstellung zu Darmstadt war. Mit dem stilvollen Aeußeren verbindet sich eine sehr zweck­mäßige Inneneinrichtung, die zwar noch nicht vollendet, aber dennoch erkennbar ist. Tie Gemeinden, die da ver­meinen, ihre Schulstnben mit einem Kubikmeter Luft für ein Schulkind täten es auch, sollten sich an diesem zeit­gemäßen Schulbau ein Muster zur Nacheiferung nehmen.

** Der Verbund der Detaillisten-Vereine im Großherzogtum Hessen begeht am Sonntag dem 27. Juni in Bensheim a. Bergstraße seinen ersten Verbands­lag. Außer den üblichen geschäftlichen Beratungen werden zwei Korträge gehalten und zwar überDas neue Um lautere-Wettvewerbgesetz" von Justizrat Tr. Fuld-Mainz und überDie Besteuerung der Warenhäuser und der Filiat- geschäfte auf Grund des neuen hessischen Steuergesetzes" ton W. Kalbfuß-Darrustadt und Justizrat Dr. Fuld-Mainz.

9ieue Titel bei der Eisenbahn. Der Eisen- bahnminister hat soeben einer ganzen Anzahl Beamten- fategorien neue Titel zugelegt. ' Eisenbahnsekretäre, dw im Wege der Beförderung zu ihrer Stellung gelangt sind, sollen sogleich und die unmittelbar als Eisenbahnsekretäre angestellten Beamten nach Ablauf von 5 Jahren seit der Anstellung die Amtsbezeichnung Eisenbahnobersekretär erhalten. Die im Bureaudienst beschäftigten Vorsteher erhalten den Titel .kommissarische Eisenbahnsekretäre", die Materialienverwalter erster Klaffe die BezeichnungObermaterialienvorsteher^ und die mit der Verwaltung eines Magazins betrauten Vorsteher 2en TitelMaterialienoorsteher". Die Weichensteller erster Klaffe heißen fortanEisenbahn-Unterasfistenten". Letztere Bezeichnung bedeutet eine Konzession des Ministers an die "llnterbeamten, die die Befähigung zum mittleren Beamten haben und auch entsprechende Posten ausfüllen.

'"Von einer neuen Dienstkleidung derEisen­bahn beamten, wie sie ein.Erlaß anordnet, gibt fetzt Minister v. Breitenbach den Eisenbahndirektionen usw. Kennt­nis. Folgende Beamte sollen Abzeichen auf den Achselstücken schalten: Die Bahnhofsvorsteher, die Gütervorsteher, die Kassenvorsteher, Bahnmeister erster Klaffe, Schiffskapitäne erster Klaffe das gekrönte preußische Wappenschild; die Betnebs-

SporL

Spuren des kollektivistischen Ideendramas nnden! Greifs Be-! Heimat flüchtet seine Muse häufiq und gern; am Herzen seine« deutung als, Dramatiker liegt ledoch vor allem in »einen volks-Mutter, in den Armen der Braut verweilt er am liebsten" tumlichen LchaiNpielen, von denen neben dem vctterländischen Und Otto Böcke! in seinem schönen Buche über die Psychologie Ludwig der Bayer ' semeAgnes Bernauer" das sur sein schaffen der Volksdichtung führt als auf das innigste der VolZeele oer-

die

bezeichnendste ist. Es bedeutet zugleich den Höhepunkt seiner dra­matischen Kunst: hier ist Greif dem Ziele seines Strebens nahe gekommen, das Drama zu schaffen, das nicht nur wieTasso" undIphigenie" in seiner strengen Gedanken- und Formschönheit an einen engsten Kreis Auserwählter sich wendet, sondern eine

Mainzer Regatta. Mit der am Samstag und Sonntag stattfindenden Regatta des Mainzer R u d e r v e r e i n s wird die Regattazeit in Süddeutschland eröffnet. Die Mainzer Regatta beansprucht wegen der Teilnahme zahlreicher angesehener und sportlich leistungsfähiger Vereine, besonders aber roegen des in Vierer- und Achter-Rennen erfolgenden Zusammentreffens des M a i n z e r und des Ludwigshafener R u d e r d e r e i n 5, das Aufschluß über das Kraftverhältnis dieser beiden in Süd­deutschland führenden Vereine geben wird, das lebhasteste In­teresse der rudersportlichen Kreise. Für Sonntag wird der Besuch des Großhcrzogs und der G r 0 ß h e r z 0 g i n erwartet.

wandten Dichter neben Goethe nur dengrößten unter den lebenden Lyrikern, Martin Greif" an. Greif geht jedoch noch über das Volkslied und auch über Goethe hinaus. Denn wenn nur seit Goethe auch nicht an Verfeinerung des Seelenlebens gewonnen haben, das menschliche Empfinden ändert sich wohl kaum, »o doch gewiß an Beobachtungs- und Ausdrucksfähigkeit der seelischen Regungen. Und bann ist Martin Greif unerreicht' in schlichtester, knappster und wahrster Form, in ein paar an- beutenben Zeilen umschließt er eine Welt des Herzens und weiß er die leiseste Schwingung des Gemütes wiederklingen zu lassen Das unterscheidet ihn von den Modernen: was bei ihnen in raffiniertester Form Ueberreizbarkeit der Nerven ist, das ist bei Greif Seele, zarteste Empfindung in einfachstem, wahrstem Aus­druck.

Dichtung, die gleich der der Griechen und Shakespeares, von echt nationalem Geiste ausgehend, von lyrischem Hauche durchweht, in ihrem tief menschlichen Gehalte sowohl dem Empfinden des ästhetisch Gebildeten als auch dem naiven Gefühle des ganzen Volkes etwas zu sagen hat.

Tas ist das Kennzeichen von Greiss Kunst überhaupt: er ist fein Bildhauer, der mit formensicherer Hand im blendenden Steine Gebilde meißelt, die alles haben in ihrer makellosen Schönheit, denen nur eines fehlt, das Leben: seine Dichtung ist ein frischer Kranz, geschlungen aus grünen Zweigen und schwel­lenden Blütenknospen, die nie welken werden, weil sie gewachsen sind am ewig jungen Baum des innigsten menschlichen Gemüts­lebens. In seinen Liedern offenbart sich Marttn Greifs iDesen wohl am ursprünglichsten. Lyrik ist Gefühlsdichtung und als Lyriker wird Greif zu den wenigen wahrhaft Großen und Un­sterblichen gehören, weil er ein Genie des Gemütes ist. Eine Dichtung, die im Bezwingen der Form gipfelt, kann ebenso wie eine solche, die sich zu eng an die Kämpfe des Tages anlehnt, kaum Anspruch auf mehr als historisches Interesse bei den künftigen Geschlechtern erheben, weil unsere ästhetischen Ansichten wie unsere Ideen sich wandeln, Ewigkeitswert hat nur das ewig Menschliche, und das ist vor allem das Gefühl, das Empsinden, das Natur und Leben in uns auslöst. Lenzesjubel, Sommerreichtum, herbst­liches Bangen, Muttertrene, Tränen von Jugend und Liebe, bittres Scheiden, werden, so lange ein Menschenherz schlägt, es in Glück und Leid erzittern lassen, es sind die schlichten, uralten Motive des Volksliedes, das zeitlos ist, weil es ewig ist. Das ist auch der Umkreis von Greifs Lyrik.Alles, was er in sich ober an erobern erlebt hat", sagt Wilhelm Kosck, dem wir die beste Gesamtbarstellung von Greifs Schaffen verdanken*,oer- bichtet er zum Liebe, wie bas Volk feine eigenen Leiden und Freuden in rührenden Versen besingt. In die Jugend, nach der

Martin Greis.

Zu seinem 7 0. Geburtstag 18. Juni 19 09.

Von Dr. Marie Speyer.

Virgilen hör' ich sagen: Was ehrt ihr die Toten? Hatten

Vermischtes.

* Ein archäologischer Schatz vom Meeres­gründe. Das Museum des Bardo in Tunis hat jetzt eine wertvolle Bereicherung erfahren durch bie Aufstellung der archäo­logischen Schätze, bereu Auffindung am Meeresboden in der drohe der tunesischen Küste vor einiger Zeit berichtet wurde. Ein grie­chisches Schwammfijchcrboot von Mahedia, zwischen Sousse und Ssax, war vier Kilometer aufs Meer hiuausgesahren, und die Taucher waren kaum in die Tiefe hinabgestiegen, als sie erschreckt wieder an die Oberfläche kamen und erzählten, sie hätten unten den Rumpf eines Schiffes von seltsamer Form gesehen, dessen Seiten offen wären und im Innern Körper sich zusammenkauern- ber Riesen sehen ließen Die Fischer kehrten in den Hafen zurück, und das Gerücht von dem seltsamen Funde verbreitete sich und drang auch zu den Konservatoren der tunesischen Altertümer, die sofort eine Untersuchung vornehmen ließen. Dabei entdeckte man, daß in der Tat ein vierzig Meter langes und neun Meter breites Schiff am Meeresboden ruhte, das im Altertum hier in den Grund gebohrt sein muß. Seine Ladung bestand aus etwa sechzig Säulen von weißem Marmor, die sorgfältig in Reihen aufeinanberge(cgt waren, und neben ihnen waren korinthische und dorische Kapitelle, sorgfältig modellierte Basen und zugeschnittene Steinblöcke und auch große Statuen aufgeschichtet: alles Gegen­stände, die augenscheinlich zum Bau und zur Verzierung eines

Ostentatton kann keine Eigenschaft eines echten .Kunstwerkes lein", hat Greff selbst gesagt:man wird einmal erkennen ^ alles Titantentum, alles imponierende Auftürmen zyklopischer Baustücke, alles Verleugnen der Vorgänger und der Tradition alles Propheten- und Messiasspielen, aller vorgegebene Sturm und Drang nichts bedeutend war gegenüber der stillen, frommen der in nch und die Natur versenkten ahnungsvollen Künstlerseele' lieberblicken wir die Entwicklirog, die unsere Literatur und be- wnders bie Lyrik im 19. Jahrhundert genommen hat, so finden wir datz sttt den Tagen der Rom«anttk in allem Kampf und Streit der schulen, über; Uhland, Eichendorff, die Droste, Mörike die Lchar der stillen Auserlesenen, wie Greif sie einmal nennt in ununterbrochener Reihenfolge in den Wolken sich bie Hände reicht unb datz Greff selbst, als letztes Glied m der Kette, das heilige' Erbe überleitet in kommende Zeiten.

Ten nachfolgenden Generationen werden sie eine legio ful- mmatnx scheinen: wir aber mögen Goethes Worten gedenken

den Lebendigen ihr Teil geben". Noch lebt Martin Greff nicht blotz der Dichter,, der wird es immerdar, sondern auch der Mensch. Ww die meisten wahrhaft Großen, so ist auch er ein Euffamer. Wer nch der Gesamtheit gibt, der versäumt leicht den Augenblick, ans eigene Glück zu denken. Dem ganzen Volk liegt darum aber auch die Dankespflicht ob. Sie wird nicht in zreüomrtionen abgetragen, sondern im Erfüllen der stummen Dichterbitte:Lernt mich verstehen in meinem besten Sein, in meutern Werk!"

Doch ihren Lohn und Freude, da sie lebten; Und wenn ihr uns bewundert und verehrt, So gebt auch den Lebendigen ihr Teil; Mein Marmorbild ist schon bekränzt genug, Der grüne Zweig gehört dem Leben an/' Tasso I. 3.

Wenn Goethe auf Augenblicke herniedersteigen könnte zu seinem Dolle, um mit ihm seine Gedenktage zu feiern, so würde er aus der Ueberfülle der Kränze, bie ihm bargebracht werden, heute einen Nischen vollen Zwerg lösen, ihn Martin Greif zu reichen.

Denn Marttn Greif gehört zu denen, die leben. Wie alles tmebkräfttge, verheißungsvolle Leben, hat auch die Blume seiner Dichtung leise in der Stille sich erloschen. Als er 1868 ieine erfte Liedersammlung in die Welt hinaussandte, ging sie ziemlich aniytloS vorüber, dreizehn Jahre ließ die zweite Auflage auf sich märten. Nach und nach nur hat die zwingende Gewalt des un­vergänglich Großen und Schönen, das in Greiss Dichtung ruht, sch die Herzen seines Volkes erobert, und mit immer neuen Gaben warb der Dichter um bie Anerkennung der stillen sich all­mählich mehrenden Gemeinde Verstehender, die abseits vom Tages- l..rm des rauschenden Erfolges steht und doch die einzige Bürg- ieöaft eines dauernden Ueberganges in das Leben kommender Ge­wiechter ist. Mit der siebenten Auflage seinerGedichte" 1903 schenkte er uns den Band seinerNeuen Lieder und Mären", b'.c Jahre 18731900 umspannen ein reicksts dramatisches Schaffen:Korsiz Uhlfeldf' 1873,Nero" 18769)tarino Hälieri" 1878,Francesca da Rimini" 1878,Liebe über alles" 1878,Prinz Eugen" 1879,Hans Sachs" 18621894,Heinrich b'tr Löwe" 1886,Tie Pfalz im Rhein" 1887,Konrabin" 1888, Subtotg der Bayer" 1891,General Aork" 1893Agnes Semaner" 18941900.

Aus dem. Münchener Milieu ist Martin Greff hervorgegaugen, üDer seine Kunst geht nicht in der Form auf. Im Drama folgt

e< Shakespeares und Otto Ludwigs Bahnen. Wohl liegt auf ein­zelnen Szenen seinerFrancesca" ein Glanz hehrer klassischer SHöuheü, der anTasso" undDes Meeres und der Liebe *) Wilhelm Kosch, Martin Greis in seinen Werken. 2. Auf-

Wellen" gemahnt, unb in seinem Hohenstausenzyklus kann mau'läge. Leipzig 1909, C. F. Amelangs Verlag.

£ i

* "LM