Ausgabe 
17.4.1909 Drittes Blatt
 
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Nr. 89

Lrkheinr tägNch mit Ausnahme des Sonntugs.

Grossh. Polizeiaiut. Reinhart.

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feit im Hantieren mit Streichhölzern, das Weglverfsn einer Zigarre kann einen Waldbrand verursachen.

Rotationsdruck und Verlag der Vrühftschen UnurersilätS - Buch» und Etemdruckerei. R. Lange, Gießen.

Die Siebener Zamitten''Kttter" werden dem ^Anzeiger' viermal zöchen lich beigelegt, das Krcisblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zwermal.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: 6d)uf- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGieven,

et- jlüufl*

GsngeßanSL.

Ein Städtebild von rounbei barem Anblick bietet sich dem Auge, wenn man von dem schönen Landgrai-Philipp-Plat; über den Brand nach den Marktlaube n hin einbiegt. RechkS die schönen, praklischen Markllaiibeii und links ein ekelerregender Zu­stand von alten Baracken, Misthauien und Gebälk <- ein llruer- schlupf von Ratten, Mäusen und allem möglichen Ungeziefer. J»l dieser schmutzigen 9iähe wird nun der Wochenmarlt abgehalten ruib fliegen bei Wmd und Wetter alle daraus entsteheiiden Bazillen aus die aitSgeftellteit Waren, rote Butter, Käse >c. Es wäre zu wünschen, wenn eiidlich einmal diesem nicht mehr zeitgemäßen und un- würdigen Zustande em Ende bereitet würde.

fßcHcMsfacsl.

N.B. Darmftad t, 15. April. Kriegsgeri cht. Ter '.lntervssizier £tto Keil vom Trag.-Regt. Nr. 24, der s. Z. wegen cs erlogenen 'Tistanzrittes vom Kriegsgericht zu 3 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt worden war, am Oberkriegs '.erccht aber einen Wegfall der Tegradation erreichte, halte sich auf nachträgliche Anzeige eines der kürzlich "wegen Ungehorsams oerurteiltcu Dragoner zu verantworten. Er hatte in einer Reihe ::?n. Fällen Untergebene angepumpt und auch sonst dienstliche Vorschriften übertreten. Unter Einbeziehung der früheren drei- nonatlichen Gefängnisstrafe erhielt er heute drei Monate r e i Wochen Gefängnis, abzüglich zwei Wochen Unter» uchungshaft. Der Unteroffizier Friedr. Sberm. Bethke vom Trag.-Regt. Nr. 24, der ebenfalls von jenem Dragoner angezeigt uorden ist, hat sich im vorigen Jahre in zwei Fällen der dienst­widrigen Behandlung Untergebener schuldig gemacht, das eine- mal lief er einem Dragoner, der sich ungeschickt benommen hatte, -ach, trat ihn mit Fußen, das auderemal half er einem Dragoner, . er auf seinen Befehl nicht rasch genug aus dem Zimmer herunter- am, durch Anfassen am Genick und Nachschieben zu etwas größerer tüte. Für beide leichte Verstöße wurden ihm fünf Tage N i t t e l a r r e st zuteil. Zu Großherzogs Geburtstage im v. I. satte der Gefreite im Garde-Trag.-Regt. Nr. 23 Karl Heinrich Tchäfer aus Büdingen vorübergehend in Stellvertretung des Unteroffiziers das Kommando der Kasernenwache. Er veranlaßte die auf Posten stehenden Dragoner Georg Reichart ausStock- ladt und Justus M ü l l e r I. aus Offenbach, die noch einpassieren- oen Rekruten auf das Wack>zimmer zu bringen, wo sie auf feine Anordnung ihre übrigen Biermarken und Geld in einen Ascl-en- oecher legen mußten. Tas Geld, etwa 4,50 Mark teilten die Drei unter sich. Das Gericht faßte diese Handlung als Miß­brauch der Dienstgewalt auf und verurteilte Schäfer zu v i e r z e h n Tagen, Reichart und Müller zu je zehn Tage n st r enge m 2t r r c st.

fc. Darmstadt, 15. April. Eine Witwe in einer Ort- ichaft des Odenwaldes Ivar mit zwei ehelichen und einem unehe- lichen Kinde gesegnet. Sie hatte bei dem Amtsgericht Höchst be­antragt, ihr die Genehmigung zur Aendernng des reli­giösen Bekenntnisses der drei Kinder zu erteilen, gemäß Artikel 111 des Ausführungsgesetzes zum $ ärger L Gesetz­buch. Da nach § 1707 "des B. G. die uneheliche Mutter das Recht und die Pflicht hat, für die Person ihres unehelichen Kindes zu sorgen, und der Vormund insoweit nur die rechtliche Stellung eines Beistandes, nicht aber ein ErziehungSrecht neben her Mutter besitzt, so ist diese auch ohne Zustimmung des Vor^ mundes und ohne Ermächtigung des Vormundschaftsgerichts be­fugt, das religiöse Bekenntnis des unehelichen Kindes zu be- liintmen. Eine vom Amtsgericht erteilte Ermächtigung war hier­nach in dieser Hinsicht überhaupt nicht nötig. Tie gegebene, Sachlage, d. h. die Selbständigkeit der Mutter in dieser Hinsicht gibt nach Ansicht des Landgerichts für Starkenburg 'den nach Artikel 111 Abs. 2 B. G. geforderten wichtigen Grund, die Er­mächtigung, auch zur Erziehung der beiden ehelichen Kinder in der Religion des unehelichen Kindes zu erteilen, da eine doppelte religiöse Erziehung von der Mutter unter dem Zwiespalt der inneren religiösen Ueberzeugung leiden müßte. Tas Recht des Artikel 111 wurde auch dadurch nicht als beseitigt erachtet, daß die Mutter noch vor Eingehung der Ehe die Erziehung der Kiitder in einer anderen Religion, der rörnischf-kathvlischen, versprochen hätte.

Die Ver»rrsachung von Waldbrärrden in straf­rechtlicher Beziehung. In der letzten Zeit mehren sich wieder, icie leider stets im Frühjahr, die Falle von leichlsinnigem und mutivilligem Jiibrandsetzen von Waldungen in bedauerlichem Maße, obwohl in den Schlllen und tn den Zeitungen regelmässige Warnungen erfolgen. In den meisten Fällen sind sich' die «reift jugendlichen Brandstifter gar nicht klar darüber, welchen Gefahren ne sich diirch ihr verderbliches Tun in ft raf recht lieber Beziehung aussetzen. Schon der, der durch Fahrlässigkeit eine Waldung in Brand setzt, wird mit Gefängnis bis zu einem Iahte oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark und, wenn durch den Brand der Tod eines Menschen verursacht worden ist, mit Gefängnis von einem Monat bis zu drei Iahten bestraft. Wer dagegen vorsätzlich eine Waldung -in Brand setzt, wird wegen Brandstiftung mit Zuchthaus bis zu 10 Iahten bestraft, wenn die Waldung entweder fremdes Eigentum ist ober ihrer Beschaffenheit und Lage nach geeignet ist, das Feuer einem fremden Gebäude oder sonstigem Raum, der auch nur zeitweise zum Aufenthalt von 'Menschen dient, oder fremden Waldungen, Früchten auf dem Felde, Bergwerken, Magazinen, Warenvorräten. Bau- und Brennmaterialien mitzuteilen. Zum Begriff der Waldung gehört nicht, daß er zur Holznntzung bestimmt ist, schon eine kleinere Holzung ist eine Waldung im Sinne des Gesetzes. Schon das für den Holzbestand gefährliche Anzünden eines Dornbusches oder dürren Grases genügt zur Bestrafung des Täters. Ein Waldbrand liegt n. d.Dstdt. Ztg." auch schon dann vor, wenn der Brand noch keinen Baum, sondern nur irgend ivelche auf dem Waldboden ivachsenden brennbaren Boden- erzeugnisse (dürres Graä!> erfaßt hat und den stehenden Bäumen gefährlich werden kann. Es ergibt sich hiernach, daß die Stras- bestimmnngen sehr weitgehend sind. Schon die kleinste Unachtsam-

Wandern and Reisen.

zl Fellingshausen, 16. April. Bei Jung unb Alt ist wieder die Lust zum Wandern getonrmen, und erfreut sich vor allem der Dünsberg svrtgesttzt eines regen Besuches. Alle seine Freunde möchten wir an dieser Stelle ans unser Dörfchen auf- merUam machen. Es liegt etwa 2 Stunden nordwestlich von Gießen an der Straße nach Biedenkopf, am Fuße des Dünsberges und birgt eine interessante Sehenswürdigkeit: das neue Kirchlein. Es ist an Stelle der uralten päpftlicheii Kapelle getreten, die. 1895 polizeilich geschlossen und 1898 nicbergclcgt wurde. Das neue Kirchlein öffnet auf Wunsch alten Besuchern seine Pforten.

jitertigtmfi aller ÜM. srer-ll-TetoratloiÄiM ttufecr dem Hause M'S Mr Vh Gktitcnbttfli otunto'

Sonntag, 18. April, von nachm. ff" i___ ii t

4 Uhr bis 9 Uhr abends nur geöffnet; £11106laDOtnßKß Giessen, den 17. April 1909. MiyviU|jVMlVllü

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war untersagt, aber gerade deshalb begehrt. Bei Burk an der Stadtkirche hatten wir ein trauliches, gut bewachtes Stübchen gefunden. Wie oft wollte uns der gute, dicke Wahl abfassen, aber stets mißlangen die Versuche. Man lönnte Bogen darüber füllen. Heftige Kämpfe hatten wir mit denl Tierlein Heteroptera zu bestehen, vor dem wir die Segel streichen und retirieren mußten. Die Folge war: längere, vorzeitige Herbstferien. Aber etwas Tüchtiges wurde gelernt. Daß verschiedene Freunde dem Lehrerberuf entsagten und sich dem akademischen Berufe Zuwandten, ihren Jugendfreunden aber mit geringen 'Ausnahmen Freundschaft und Anhänglichkeit bewahrten, darf nicht ver­gessen werden. , Sehr viel zum Gelingen des Frankfurter 5ages trugen die erschienenen Freunde aus dem Jahrgang 1858 bei. Wenn man die Grauköpfe (nur ein einziger schwarz köpf war noch darunter!) betrachtete, wie sie trotz hrer 50 schweren Arbeitsjahre noch lebendig, frisch, munter ind fröhlich drein schauten, wie sie förmlich jung wurden, venu eine schöne Jugenderinnerung aufgefrischt wurde, und wn Beschluß faßten: von nun an wollten sie alljährlich .usammenkommen, der tonnte sich sagen: an diesen Männern ann sich die blasierte Jugend ein Beispiel nehmen! Sie ann sich sagen: nichts ist schöner an seinem Lebensabend, rls das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht.

en und watet jchenfteuno.

^Vekla«!»

SÄ9Ä»

Die nach- IamhIa sind am Sonntag, 18. April, nur von -lebenden Äü I ülv|2 Uhr mittags bis 12 L hr nachts für dringende Fälle sicher anzutreffen: [Dl7/4

Dr. Geyer, Seltersweg 64. 15r. Richter, Frankfurter Str. 4.

8>r. Stahl, Seltersweg 79 a.

Auszug a. i>. LtanSesamrsregiftern Ser Stadt Sietzen.

Aufgebote.

April. 10. Karl Laschmsky, Gutsbesitzer und Leutnant der Reserve in Neu-Altmannsdorf, mit Berta Isenberg in Gießen. 13. Karl Krumbiegek, Knecht, mit Anna Bill, beide in Gießen. 16. Heinrich Schwarz, Metzgermeister und Wirt, mit Margarete Volk, beide m Gießen. 16. Karl Neurath, Schriftsteller und Feuilleton-Redakteur in Gießen, mit Anna Maria Sibylla Spatz in Mainz. 16. Ernst Weißbäcker, Kaufmann in Friedberg, mit Margareta Weiß in Gießen.

Eheschließungen.

April. 10. Karl Schalter, Kammann m Kirn, mit Josefine Dornhöfer in Gießen. 10. Heinrich Wilhelmi, Schuhmacher, mit Lma Gans, beide in Gießen. 10. Moritz Oswald, Lokomotivführer, mit Margarete Hexamer, beide in Gießen. 10. Heinrich Fischer, Kaufmann, mit Minna Giesler, beide in Gießen. 14. Wilhelm Hoffmann, Kaufmann in Eijerfeld, mit Johanna Fischbach in Gießen. 14. Johann Schalch, Hilfsheizer, mit Johannette Ache, beide in Gießen.

Geborene.

April. 4. Dem Eisenbahngehilfeir Karl Schwan ein Sohn, Wilhelm. 4. Dem Weißbmdermeister Konrad Dürr ein Sohn, Konrad Philipp. 5. Dem Sattlermeister Christian Spies eine Tochter. 6. Dem Taglöhner Karl Pitz ein Sohn, Jean Emil. 7. Dem Schreiner August Heß eine Tochter. 8. Dem Lehrer Hein­rich Walter ein Sohn. 8. Dem Hilfsheizer Heinrich Hardt eine Tochter, Emilie Ottilie. 8. Dem Klaviermacher Wilhelm Schlüter eine Tochter, Irma Helene. 8. Dem Obervoslsekretär Georg Karl Hedrich eine Tochter. 8. Dem Hilfsweichensteller Heinrich Albach eine Tochter, Elijabethe. 9. Dem Anstreichermeister Konrad Henkel eine Tochter, Anna 'Maria. 9. Dem Messerschmied Romano Mass eine Tochter, Christina. 9. Dem Mechaniker Jean Heines ein Sohn, Willy. 10. Dem Kaufmann Eugen Fuchs eine Tochter, Else Luise Kuni. 12. Dem Oberkellner Friedrich Wenk eine Tochter, Lina. 12. Dem Agenten Wilhelm Heß eine Tochter, Johanna Emilie.

Gestorbene.

April. 11. Christian Fruttg, Zahntechniker, 67 Jahre alt, Asierweg 5. 14. Katharine Sommerlad, geb. Vogel, 70 Jahre alt, Erdkauterweg 46. 15. Karoline Hohmeyer, 82 Jahre alt, Löwen­gasse 32. 15. Luise Schröter, geb. Schmall, 69 Jahre alt, Roon- straße 33.

I Lassen Sie sich nicht beirren:

Die altbewährte Maggi-Würze übertrifft jede Nachahmung. c1/« » Dies bestätigen Hunderte von Gutachten erster Fachautoritäten.

sür bie und anläßlich \ wSilbeM seifte j ä Wttiamtenen J ; mir Allen unseren idlitoi Twk

WS8 di verüben.

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können üesetz, Müs lun Konrad öanet

Neuenweg B, j ler finden gute erer ^amilie. red m der GeiöM -.cr.c: Mtft . n an der Marburgn r »zu verpachten. A «. Sritz Kremer, T irg"._______________

n. u-Kinderkleidti" d bessert au8 Eli Becker, NeueM i

Die Ernährung der Fla^HmKinder

Wird durch Tierabreichrmg von

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EmySsion

m Migeahnier Weise unterstützt und gefordert Mütternnd Pflegerinnen Nur -cht mu dieser werden von der Wirkung, über dre Marlc-d-m Fisch" wir schon begeisterte Berichte er-. bcm Garantie» Aelteu, geradezu überrascht sein.

Scotts Emulsion wird von nns auSsSlieglich im groRen verlaust, und zwar .tie lose nach Gewicht oder Matz, sondern nur i« derjtegctten Originatsiaichen in ftarton mit unierer Schutz» warte .vischer mit dem Lorsch). Scott <fc Bowne, tz.m.b.L.. Franlsurt a. M.

Besiardteile: Aeinfter Medizinal-Lebertrau 150,0, vrrma Givzerrn 50,0, unterptzospborigsaiirer > aik 4,3, unterpdospho» rigsaurer Natrou 2,0, vulv. Lra^uin 3,0, seinfter arab. (Summ« PuW. 2,0, bcftilL Wasser 129,0, Alloboi 11,0 Hierzu aromatische eur-'ne? Lln-t-, Mandel und Gaultheriaol ie 2 Tropseu.

Sie sichs denn gar nicht erklären können, warum Fans achte Sodener Mineral-Pastillen so großartig bei allen Erkaltungen der Luftwege sich bewähren, so will ich's Ihnen sagen. Die Sodener Heilguellen sind seit Jahr­hunderten berühmt. Die Bastillen enthalten aber alle wirk­samen Bestandteile dieser Quellen, die durch Abdamvfung gewonnen sind. Jst's da ein Wunder, wenn die Pastillen leben Husten, iede^Heiserkeit, jede Verschleimung schleunigst beseitigen? Em Legen und die Pastillen und die leidende Memchbeit ,braucht ibn nur zu genießen. Fays achte Sodener rann man m icbci Apotheke, Drogerie und Mneralwaffer Handlung mr 85 Psg. die Schachtel lauten. (ss--/,«

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Drittes Blatt 15L-. Jahrgang Samstag 17. April 1909

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger ftr Gherhchen

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^ÄchtM!

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Geffeutiiche Versammlung der Bundes deutscher Bodenresormer.

. .. S. u. H. Nürnberg, 15. April.

Anscblutz an btc 19. Hauptversammlung des Bundes deutscher Bodenreformer sand geftem abend hier eine gut besuchte öffentliche Versammlung statt, um die Ideen des Bundes nach autzen bin zu viopagieren. Das Hauptreferat hielt der Vorsitzende des Deutfcheii Uhrmacherbundes und Chefredakteur der Deutschen Uhrmachcrzcitung Karl Mar fei s (Berliii) über das Thema: Was verursacht dre Handels- und Jndustriekrisen?" Der Redner mrterfuchte die laiidläufigen Ansichten, denen zufolge unsere Krisen durch Ueberprodultion, Ue'berüölfecung, Maschinenarbeit ober Spe­kulation entstehen. Von lleberprobuftion könne nicht gesprochen werden zu einer Zeit, in der weite Kreise in Not und Armu lebten. Wenn alle diejenigen Wohnung, Kleidung und Nahrunc kaufen konnten, die deren bedürften, würden unsere Vorratskammerv bald lüden zeigen. Auch solle man bedenken, daß in letzter Lini rmmer Ware gegen Ware gelauscht werde, also Arbeitsproduk gegen Arbeitsprodukt. Das Angebot einer Arbeitskraft bedeute: alfo gleichzeitig auch Nachfrage nach der Arbeitskraft eines anderen Wenn fid> Angebot und diese Nachfrage nicht treffen können, fv muß irgend ein Hindernis vorhanden sein. Auch die Bc bg^btung, daß die UeberDölferung die Krisen verursache, sei lüch: stichhaltig. Die Malthns'sche Lehre sei längst widerlegt. E> übersehe, dnß die Ernährung der Menschheit mit ihrer Vermehrunc infolge der immer größer werdenden Arbeitsteilung leichter werde und übersehe fenter, daß der Mensch im Gegensatz zum Tier bii Pflanzen- und Tierwelt, bereu er zum Leben bedürfe, nicht dezi miere sondern sie durch Züchtung noch zu vermehren wisse. Ob gleich daher in Deutschland tausendfach mehr Menschen lebten al- zurzeit der Römer, habe sich doch der Vorrat an Vieh und Feld früchten nidn vermindert, sondern ins Hundertfache vergrößert Auch die Spekulation könne nicht Ursache der geschäftlichen De Pression sein, wenigstens nicht soweit es sich um Spekulation ii Börsenpapieren handelt. Allerdings gebe es eine Spekulation die schuld an dem Eintreten schlechter Zeiten habe, das sei bi Spekulation in Grund und Boden. In Zeiten des wirtschaft lichen Aufschwunges steige infolge der wachsenden Nachfrage de Wert von Grund und Boden. Daneben gehe eine riesenhafte Preissteigerung in den auf Monopolen basierenden Rohmaterialien fo daß die Preise bald eine für die Konsumenten unerschwinglich Höhe erreichen. Es werden nun Arbeiter entlassen, die nun ihrer seüs weniger konsumieren können und der dadurch hervorgerufen Ausfall bewirkt, daß andere Fabriken ihren Betrieb gleichfalls einschrönten müssen. Es kommt weiter zu Zahlungseinstellungen zu Kreditkündigungen und in kurzer Zeit ist das vollendete Bild einer weitverzweigten Handels- und Jndustriekrisis da. Ein solche Krisis hält an, bis entweder der Grund und Boden uni die Mieten billiger geworden, oder bis die technischen Fortschritte der Industrie und des Handels das Erschwingen des erforderliche, Preises möglich machen, oder bis die Arbeit und der Zins mi einem geringeren Ertrage vorlieb nehmen. Die eigentlichen Ur jachen der Wirtschaftskrisen liegen also in unserem! Bodenmonopol. Alle vorgeschlag^nen Mittel, eine Hebung der arbeitenden Mensch­heit herbeizuführen, die Streiks, Einführung von Minimallöhnen Grmrdung von Arbeiterproduktionsgenossenschaften, größere Bil düng und vermehrter Fleiß können nichts helfen. Das einzig^ Mittel besteht darin, die Erkenntnis des Uebels in die weitesten Streife zu tragen und zu fordern, daß durch Einführmtg eine: entsprechenden Besteuerung des Grund und Bodens (Steuer nach dem gemeinen Werte und Wertzuwachssteuer) die verhängnisvolle, Folgen des Bodenmonopols beseitigt werden, unter Berücksichtigung der historisch erworbenen Rechte der jetzigen Besitzer (lebbaftci Beifall). Der Direktor des hochalpinen Lvzeums in Zuoz, Pros. Dr. V e 11 c m a n n, hielt sodann einen Vortrag überBoden­reform in den Alpen". Es folgten kurze Ansprachen verschiedene, Führer der Bodenreformbewegung, woraus die Versammlung ge- jchlossen wurde.

Das goidne Jubiläum der ,859 er Friedberger Seminar-Abiturienten.

Am 7. April 1. Js. waren 50 Jahre verflossen, seit ibte Seminaristen, die im Frühjahr 1857 im Friedberger Se­nn inar ausgenommen wurden und 2 Jahre tüchtig gearbeite- hatten, ihr Schlußeramen ablegten. 50 junge Leute traten üamals ein, 3 davon wurden durch einen frühen Tod ab- gerufen, bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, einer trat zurück. »Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß sich Die 59 er gegenseitige Anhänglichkeit und Liebe bewahrt Baben bis ins hohe Alter. DerGieß. Anz." hat bereits eine kurze Notiz über die Zusammenkunst am 3. Osterfeicr- nagc in Frankfurt gebracht. Vielleicht bieten die nach- ffolgenden MitteilunZen doch noch einiges Interesse. Nach -'5 Jahren, anno 1884, trafen sich die 59er zum erstenmal rät Frankfurt a. M. fast vollzählig. Verhältnismäßig wenige waren durch den Tod abgerufen worden. Die Zusammen- räinft war so anregend, daß eine weitere schon nach 10 J<rhren verabredet wurde, die in Darmstadt stattfand. Darauf folgte -ine weitere nach 5 Jahren: 1899 in Friedberg. Von den Dozenten lebte nur noch der hochbetagte, allseitig hoch- "erehrte Geh. Kirchenrat Dr. Diegel, dem wir unsere herz- 5iche Liebe und Anhänglichkeit durch eine besondere Ehrung > rwiefen. Tas war 40 Jahre nach unserer Entlassungs- Prüfung aus dem Seminar. Nrtn hatten sich die Reihen bedeutend gelichtet, die Köpfe waren grau, die Wangen waren faltig geworden. Aber kräftig und widerstandsfähig Zeigten sich noch die meisten. Von den 16 Abiturienten Batten inzwischen 15, d. h. ein Drittel, das Zeitliche ge- tiegnet, 31 waren noch bei guten Krästen. Wieder nach L Jahren sahen sich die Freunde und als das halbe Jahr­hundert voll war, versammelten wir uns am 3. Osterseier- r.age wieder. Hie^u wurde der Jahrgang 1858 eingoladen, fier anno 1858 mit 48 Köpfen ins praktische Leben eintrat, von denen 50 Jahre später noch 14, also 28 Proz. am Leben waren. Die 59er hatten von 47 jungen Männern voch 21, also 44 Proz. am Leben, ein Ergebnis, das um ff) günstiger erscheint, als der Lehrerberuf an Leib und Seele große Anforderungen stellt. Die Versammlung am st. Osterfeiertage in Frankfurt verlies überaus anregend: mitunter brach der fröhlichste Jugendmut durch, besonders wenn lustige Streiche mitgeteilt wurden. Wirtshausbesuch

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