Ausgabe 
15.3.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

ne

Kurz vor 2 Uhr nachmittags soll

itrobl un-

»I

Mireu.

cog^ v"ö inbleJii.

w wendig Jubiläums

1

'f Schotte

au t einer Angestellten vvrgenwrfcn haben, daß sie ihre Arbeit schlechi tue -und ihr einige Schimpfworte. zugerufen haben. Dieser Beamte soll sofort zu dem AbteilungS Vorsteher geführt worden sein, der sich darauf beschränkt habe, ihm eine Beiivarnung zu erteilen. Thibaut, der damit unzii frieden war, soll dann durch den Hauptfaal gegangen sein und gerufen haben:Ausstand, Ausstand!" Ailsbald stellten ettna 400 Telegraphisten die Arbeit ein. Unterstaatssekretär Shmian habe beschlossen, energische Maßregeln zu ergreifen, um den An zeichen von Gesetzlosigkeit, die sich im Post- und Telegravhen- dienst gezeigt haben, entgegenzutreten. Die meiften Telegraphisten nahmen auf die Aufforderung ihrer Vorgesetzten alsbald die Ar - beit wieder auf. Am Samstag abend verliessen im Augenblick der Abfahrt des Pvstzuges Paris-Bordeaux acht Postbeamte den Dienst. Sie wurden vom Dienst suspendiert und rverden wahrscheinlich gemaßregelt werden. Im Haupttelegraphenamt herrscht verhält- nismäßige Ruhe, doch wird versichert, das; von 6 bis 9 Uhr abends die Mehrzahl der Angestellten sich mit der Arbeit keureswegS beeilt habe, weshalb man 85 Telegraphisten nach 9 Uhr zur Aushilfe zurückbehielt. Der größte Teil der Telegraphisten nahm die Arbeit Wieher auf. Man hofft, daß unverweilt der normale TepescknmüLerniittelungsdienst nnederhergestellt wird, der erl-eb- liche Verspätungen erlitt.

Gin Ausstand der Pariser Telegraphenbeamten.

Tie Pariser Telegraphisten waren am <yreuag plötzlich in den Aus,tand getreten. Cs tani hierbei im Zcntral-Poslamte zu Ausschreitungen^ die den Charakter einer wahwir Revolte trugen. Die Manifestanten, denen sich die Telegraphisten und andere Beamte anschlvssen, drangen in den großen Saal des Äustanddienstcs, zertrümmertendieTelegraphen - und Telephon-Apparate und verbarrikadierten sich. Staats­sekretär Symian mit dem Polizeipcäfeklen Lopine und 50 Poli­zisten erstürmten den Saal und nun entstand e i n e w ü st e Prä - gelei, in der schließlich die Polizei die Oberhand behielt. 50 Tumultuanten wurden verhaftet. Polizei-Präfekt Lepinc erlitt eine Quetschung des rechten Armes durch Zuschlägen einer Tür. Der, Telephon verkehr nach Berlin, Vionr, Brüssel und Holland ist infolge Beschädigung der Apparate unterbrochen. Die Bev- anlasiung zu diesen svlgensä-weren Ausschreitungen cst Verhältnis- mäßig geringfügig getoefen. ** ~

ein Beamter namens Thib

)tungsvoll

ich APP®

- uu.w i^u^vuju^vu Behandlung bedürfe,

könne diese Behandlung von den allgemeinen Grundsätzen rechtlichen Verfahrens nicht toto coelo abweichen. Diese Ansicht eines so gewiegten Praktikers, der sich als solcher crucl) in den rein sachtchen Ausführungen charakterisiert, sollte nicht ungehvrt verhallen uno wird hoffentlich auch auf den Jugendgerichtstag bestimmenden Einfluß ausüben.

Dr. W. K.

Ter erste deutsche Zugendgerichtstag

tritt in Berlin aus Einladung der Zentrale für JUgenöfür- sorge am heutigen 15. März zusammen. Das Präsidium dieser um die Jugendfürsorge hochverdienten Institution, besonders die Fürstin zu Wied, Staatsminister Dr. .Heutig und Prof. Frhr. Dr. v. Soden, haben sich dadurch den Dank aller Kreise, die für die Zukunft unserer Jugend ein warmes Herz haben, neuerdings erworben. Die Redaktion unseres größten juristischen Fachblaltrs, derDeutschen Zuristen- Zeitung", hat einen Leit ihrer neuesten 9cnmmec dem Kon­gresse gewidmet. Bon besonderer Bedeutung ist ein sehr instruktiver Aussatz des Strasanstaltsdirektors Dr. Leon­hard in Wohlau, der sich überdie Behandlung der Jugend­lichen" in dem Entwürfe der Strafprozeßordnung ausspricht. Zm Gegensätze zu der mehrfach in letzter Zeit bekannt gewor­denen Ansicht, wonach ein selbständiges Gesetz für uno über dieJugendlichen" verlangt werden müsse, kommt der Ver­fasser zu dem Resultate, daß das Maßhalten des Entwurfs inbezug auf eine Londerausbildung des Zugend-Strafpro- zesses nur zu billigen sei. Man habe hierfür zwar ein getrenntes Gesetz erwartet. Aber unsere Zugend stehe nicht neben der übrigen Bevölkerung, und erzieherische Ten­denzen, die ja übrigens beim 18. Jahre nicht aufhören sollen, vermögen und brauchen ein Justizgesetz nicht zu einem völlig andersartigen Gebilde zu machen. Man prüfe und.

Kleines Feuilleton.

De r neue Austausch-Professor Benjamin chde Wheeler, der Präsident der Univerfity of California, iutrb im Winterhalbjahr 1909/10 Vorlesungen an der Berliner Universität halten. Wheeler ist 1854 zu Oiaudolph (Mass.) ge= Uten. Er erwarb u. a. 1885 den Heidelberger Doktorgrad der Milosophie. Er ist korrespondierendes Mitglied des Kaiserlich deutschen archäologischen Instituts.

Ier Möbelstücke in «kannten billigen ige Gelegenheit für

)te.

ü bin ich in der Jile bei nur guten iesichtigung meines aufzwang erbeten.

Eigene Werkttätte

p0llti$d?e Scsges?ch«rr.

Mittklmeerreise des Kaisers.

Es steht nunmehr fest, daß der Kaiser auch dieses Jähr nach Korfu reisen ivirb. Die KaiserjachtHohenzolleru" verläßt bereits am Donnerstag den Kieler Hafen und wird sich über Gibraltar nach Venedig begeben, wo, wie die Kieler N. Nachr." mitteilen, das Kaiserpaar sich ant Diens­tag nach Ostern, also am 13. April, einschiffen wird. Das Kaiserpaar wird zuerst auf Korfu für zwei Wochen Aufent­halt nehmen. Auf der Rückreise wird Messina angelaufen rverden, da der Kaiser den Schauplatz der Erdbebenkata­strophe besichtigen will. Rach einer Information desLok- Anz." wird die Kaiserin an der Reise nach Korfu nicht teil­nehmen, sondern während dieser Zeit mit der Prinzessin Viktoria Luise ist Homburg o. d. Höhe weilen.

an üaS ®tW mit echch, sch mnWäge uspenglcrei, 8as-, Dai'

Aus Statt und Land.

Gießen, 15. März 1909.

Vergebung von BauarbcUeu.

Die Firma Winn u. Co. hat nn die Stadtverordneten-Ver- saininlung iolgende Eingabe gerichtet;

Betr.: Vergebung der Bauarbeiten am Schlachthvf-Neubau der Stadt Greßen,

. Wie wir erfahren, hat verehrt. Stadtverordneten-Versammlmig H1 4- ^^arz 1909 stattgehabten Sitzung auf Grund der Entscheidung des stadt. Vochbau-Ausschusses beschwssen, die Beton- arbeuen einer au^ivartigen Firma zu übertragen, obwohl diese teurer r,t im Angebot als wir.

Wir legen S-g-n diesen Bcschlnb in aller Form Verwahrung ein, nxiu loir uns durch dreien, als ortsansässige Firma benachteiligt oiÜrC? Dcrcfcl- Sladtverordneten-Verscunmlung er» «äu£,nr^^n'e^en uL*eTer unten dargelegten Begründung den ^eichlutz rückgangrg machen und die Arbeit uns gefl. übertragen zu wollen.

O-. beschäftigt sich mit allen in das Hoch- imb

^^"'^"0onden Arbeiten, also auch mit Betonierungen r b^ltzt die genügende Erfahrung und fachmänni­

schen Kenntnmc, um für Güte und sachgemäße Ausführung volle Garantie leisten zu können, was auch der ausschreibenden Behörde oetannt ijt, denn )ie forderte uns in engerer Submission -ur D fiert»«

nötig, ich habe die Dame mit den Worren eingeladen: Ich wäre entzückt, wenn Sie mir die Ehre gäben, mit mir zu soupieren. Eine Mnsilerin weiß schon, was das int Munde eines vom Pech verfolgten Kollegen heißt." RichtertSicher verstand die Dame, das beweisen die 10 Heller, die sie in Ihren Hut warf." Angekl.:Ja, und id) jw.r Über diese Demütigung ganz starr." Richter:So daß Sie vergaßen, den Hiu wieder aufzusetzen, selbst als andere Passanten Ihnen Almosen spendeten, bis der Waclmrann Sie arretierte." Angekl.:Ad) ja, Künstle v- vech; der Hunger und die Liebe." Das Urteil lautete auf 24 Stunden Arrest. DerKünstler" erklärte, die Strafe an­zunehmen und gleich anzutreten.

W i e n e r Z e n | u v. Auch in ruhigeren Zeilen macht sich die österreichiiche Zensur viel zu schaffen.. Seit aber das Wort- gerassel vom Balkan herüberdröhut, ist der Wiener Zensor häufig bemüht, dem Humor des Tages das Lebenslicht ausznblasen. Er iürchtet, daß die kritische Lage durch einen mehr oder minder guten Witz oerschärit werden könnte. Dies mußte erst jüngst der Wiener Komiker und Parodist Edi Rornau erfahren, der seit Jahren mit dem Studium des Seelenlebens des ,tleinen Moritz" beschäftigt, die jeweiligen Resultate seinem dankbaren Publikum preisglbt. ,TeS kleinen Moritz" grammatikalische Schnitzer, seine an Anarchis­mus grenzende Verachtung aller hergebrachten Sprachregeln hat Kornau überall populär gemacht. Vor einigen Tagen betraute er den .kleinen Moritz" mit der Ausgabe, den BegriffBelgrad" zu erklären. Und Klem-Moritz konjugiert:Ich bell grad ... du bellst grab ... er bellt grad . . . Nur einmal dursten die Sprach­regeln so schwer verletzt tverden. Tann aber legte sich der Zensor mS Millel und verbot dem bisher unbescholtenen und alle Freiheit genießendenkleinen Moritz* em Hauptwort zukonjugieren" und jo ehrlich aus die Herrschaiten Hinzuwelsen, die .gerade bellen*.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Tas Befinden Adalbert MalkowskyS hat sich nach semer Ueberiührung in die Prtvativohnung erireulid)eriueiie gebessert. Der Pattem ist schoit imstande, die Zeitlmg zu lesen. Vorgestern empfing er den Besuch deS Generalintendau'.en Graten v. Hülsen- Haeseler. Ter ziveiteKongreß derTeutschenGesell- s cy a f t für Urologie ivtrd vom 18. bis 22. April d. Js. unter Dem Vorsitz von Pojner - Berlin uub Zuckerkandl- Wien m Berlin tagen.

erholten hätte, trat der vagabundierende Schauspieler Karl Kleine dieser Tage bei der Verhandlung vor einem Wiener Gericlst vor den Richter und verkündete:Karl Kleine bettett ruckst". Die Anzeige lautete jedoch ganz bestimmt, er habe mit abgezogenem Hute eine Dame angebettelt, sei von dieser und bann von anderen Passanten beschenkt ivorden.Ganz ausgeschlossen," bestritt der Angeklagte diese Darstellung des Wachmannes,es war eine elegante, höchst charmante Dame, ich war entzückt von ihr und hab sic zum Souper gebeten." Richter:Sie wollen ein galantes Abenteuer vorspiegeln, in Ihrem Aufzuge?" ilLngekl.: Oh, Kleider mad)cn Leute, aber nicht der Mann. Es war eine

^arnn igazin [1614 .nhofstr. 35

Künstlerin, eine Kollegin." Rickster:Aber Sie hatten ja keinen Kreuzer Geld." Angetl.:Das war and)

Professor Ferdinand Lepcke, der bekannte Bil d ha u er,ist am Freitag in Berlin im Älter von 43 Jahren a^est0rben. Hauptwerke sind Der Bildhauer (Berliner Na- Mnal-Galerie), das Rückert-'-Den km al in Berlin, Krieger­denkmäler in Apolda und Gütersloh, I. Ionas (Schloßkiiche chätteilberg), zahlreiche Grabdenkmäler, Bildnisbüsten etc. Als jünger Künstler von 27 Jahren hatte Lepcke den Großen Staats- Meis und bald darauf die Goldene Staatsmedaille erhalten.

. Jubiläum der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die unter der Regierung des Kurfürstert -Rax Josef III. gegründete bayerische Akademie der 'Wissenschaften blickt am 28. Mürz ans ein 150jähriges Le stehen zurück. Die Gründung ist das Verdienst der Ge- lahrten Lori und Linpruu, deren Idee der Kurfürst freudig e^f.sriff. Die Jubelfestlichkeiten wurden durch ein Bankett beim Tnnz-Oiegenten eingeleitct, dem neben den königlichen Prinzen reiche Gelehrte beiwohnten. Im prächtig geichmücklen Fest- !~Jl des Münchener Akademiegebäudes fand eine Festsitzung ptiv der Prillz Ludwig als Vertreter des Prinz-Regenten b»awohnte. Auch sämtlid)e Minister und ein zahlreiches Publikum tnjren erschienen. Die Fest rede hielt der Präsident der Aka- bwnte der Wissenschaften, Geheimrat Dr. v. H ei ge l. Er schil­derte kurz die Geschichte der Akademie und erinnerte daran, daß der hundertjährigen Jubelfeier der Akademie die nationale Mnnelnschast der Deutsckren, die Schöpfung des Deutschen Reid>es entstanden sei. Llnch gemahnte er an die schon gelösten großen Aufgaben und an jene, die noch zu erfüllen seien. Ter Redner Bloß, dem B. T., zufolge, mit den Worten:Wer sich dem L'.enst^ der Wissenschaft widmet, darf immer nur wie Moses auf an c einen Blick ins gelobte Land werfen. Zur «v.len Wahrheit wird die Forschung niemals Vordringen, aber ruch fd?on das Strebtii nad) Wahrheit ist ein hohes Glück. Wir al ie nehmen daran teil, wir alle, ivelckse Gegensätze auck) in unieren Kreisen bestehen mögen, sind im redlichen Wollen eins, E alle, ntvgen wir in den Sternen, in der Seele des Menschen ion|d>cn, die Schicksale der Völker oder den Leisegang einer tückischen 5sud)c verfolgen, wir alle haben nur ein Ziel, eine Absicht, mög- dQlt beUe Erkenntnis, um höherem Menschentum immer näher iu wmmcm Lassen Sie mich mit dem Wunsche dos großen «M)logen Leopold v. Buch sck)ließen: Gott sdstitze die F-reiheit *1 Akadentte, dte zu regem Leben reiner Wissenschastsmämiet »Qoen&tg Ut. zev P r i n z Regent verlieh aniästlid) des ! eine große Zahl' von Auszeid-nungen.

. ~ lerpech. Jeder Zoll ein Kavalier, aber wie sehr schabigep, der beim Lumpenoall sicher einen erften Preis

Wenn die serbische Antwort wirklich so gehalten sein sollte, bann wird es schwer werden, noch an die Erhaltung ves Friedens auf dem Balkan zu glauben. Wie lange kann Oesterreich es noch ruhig mit ansehen, wie es von Serbien geradezu verhöhnt wird?

WDK ssiyft ct u. Lackier mit Motor:BxA^ksiatte

1 Appel

'e |8 20 TelipimiH

' üe* ff **

Deutsches Reich.

DerReichskanzler empfing am Samstag den neu­ernannten türkischeir Militärattache Enver Bey.

Zum Prozeß Berger. Der im Prozeß Berger viel genannte Btzcadmiral Schmidt ist von seinem Poste,-t als Direktor im Reichs-Marineamt enthoben worden. Er wurde zur Verfügung des Staatssekretärs gestellt.

E i n p r e u ß i s ch e r R i ch t e r v c r e i it. In den ersten Tagen des 2lpril soll in Berlin ein Richtertag zusammen- treten, um die Gründung eines preußischen Richtcrvereins zu beschließen.

Der sozialdemokratische bayr. Landtags­abgeordnete Rollwagen-Augsburg wurde, nach einer Meldung desBerliner Tagebl." aus München, von mehreren Genossen, die ans der Partei ausgeschlossen werden sollten, ü b e r f a l l e n und nicht unbedeutend verletzt.

. AusLar-H.

Frauen und Stadtverordneten wählen. Beiden Stadtverordnetenwahlen in Kopenhagen, an denen sich zum ersten Male auch Frauen beicüigten, wurden 20 Sozialdemokraten, davon 2 Frauen, 5 Radikale, davon 2 Frauen, 16 Kandidaten der Rechten, davon 2 Frauen und ein weiblicher unabhängiger Kandidat gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 78 Prc^ent

Rnßland und Persien. Dem Reuterschen Bureau zu» folge ist in London die Meldung eingetrosfen, Rußland ent­sende eine e>otnie Kosaken nach Teheran.

Die Pfort spart. DemOsmanischen Lloyd" zufolge beabiichtigt die Türkei, aus finanziellen Gründen die Gesandt- swaften m Stockholm, Brüssel, Madrid und dem Haag a b 3 u - schaffe nf dagegen soll eine diplomatische Vertretung 111 Tokio errichtet rverden.

England und Indien. In verschiedenen Stadtteilen Caccuttas lind Drohbriefe gegen die Engländer im Umlauf. In der Redaktion der ZeitungThe Englishman" wurde eure Höllenmaschine gesunden. Henry Maedonald, der mit der Ueberwachung Verdächtiger betraut loar, soll getötet worden fein.

Kein Krieg in Mittelamerika! Nach einem dem Generalkonsulat in Hamburg von El Salvador zugegangenen Telegramm des Präsidenten der Republik herrscht rm Lande voll- ständige Ruhe und man denke nicht an einen Krieg.

Vie Lage auf dem Beitau.

Die politische Lage auf dem Balkan wird üverern- stimmend als sehr ernst betrachtet, weil Serbien unb Mon- tene^ro fortfahren, sich zu. rüsten unb Serbien außer allem Ztverfel schon an die Bewaffnung des dritten Aufgebots schreite. Zur allgemeinen Beruhigung wird nun sicherlich auch die fliachricht von der bevorstehendenInspektions­reise" des serbischen Kronprinzen nicht bei­tragen. Der Ausschuß der nationalen Verteidigung in Bel­grad verlautbart nämlich, daß Kronprittz Georg die an der Grenze von Bosnien und Allserbien konzentrierten fcrbisck)en Truppen demnächst zu inspizieren beabsichtige. Der Ükriegsminister billige diesen Entschluß, wogegen Milo- wanowilsch fick) demselben widersetze. der Begleitung des Kronprinzen wird sich der Chef des Generalstabes be­finden. Einem unkontrollierbaren Gerüchte zufolge soll es an der serbischen Grenze auck) schon zu einem Zu­sammenstoß gekommen fein, wobei auf österrei­chischer Seite ein Offizier und 6 Mann ge­iallen seien.

Selbst in London, wo die Lage auf dem Balkan bisher sehr optimisttfch betrachtet wurde, sind neuerdings vnfte Besorgnisse aufgetaucht. Im englischen auswärtigen >lmt besteht starke Besorgnis, daß es zu einem triege kommen werde. Die Regierung will ' h r e Politik nach der französischen orten- ieren. Es ist in englischen Regierungsrreisen ausge- lprochen worden, daß, falls Frantreick) aktiv eingreife, England vermutlich folgen werde.

Wie ist die Stimmung nun in Serbien? Man hat dort merkwürdigerweisenoch keine Zeit" gefunden, die öster- .eichischc>te zu beantworten, die in friedlicher Absicht den Serben entgegentommen sollte. Im serbischen Mini- fverium des Aeußern wird erllärt, daß man infolge *ier Erledigung anderer dringender Ange­legenheiten bisher nicht dazu gekommen sei, die Ant- icort auf Forgachs Note zu redigieren, daß dies aber an» kmgs der nächsten Woche geschehen werde. In diplorna- Lischen Kreisen verlautet, daß auch über die Textierung dieser Otote Verhandlungen zivifchen Peters­burg unb Belgrad stattii cden, uno daß erst nach 'Deren Beendigung die Ueberreichung der Antwort an For- ^ach erfolgt. Der vorgestrige Besuck) Forgachs bei Milo- Danowitsch soll der Handelsvertragsfrage gegolten haben, jedenfalls steht fest, daß Die serbische Regierung auf Die österreichische Note mit einer besonderen Note antworten ' vird. In dieser Antwortnote wird bezüglick) der bosnischen 'Politik Serbiens auf die jüngste Ziriülarnote hingewiesen unb erklärt werden, daß die Bedingungen, unter denen die österreichische Regierung geneigt sei, neue Verhandlungen über den Handelsvertrag zu beginnen, nicht alzeptrert rDerben rönnen.

Wie nach anderen Meldungen aus zuverlässiger Quelle wcrlautet, stellt die serbische Antwort aus Die letzte österr.- wngarische Note, die am heutigen Montag überreicht werden s (dl, unter Hinweis auf die serbische Zirkulardepesche vom

S8to 1S».J«hrganl, M-Mag 15. März 1909

erscheint täglich, außer BezugSpretZ:

Sonntags. Beilagen: MI monatlich75Pf.,viertel-

s'.'ermal wöchentlich jA A jA AA kZ A A jA Ä A jährlich Mk. 2.20: durch

®s®tCnC1t£T Hn^ücr

wirtschaftliche oeitfragen W' 'SSr H Mwr K HM M A'. Zeilenpreiö: lokallöPf.,

?crufprecf) - Anschlüsse: M V V W V IMSF XF XZ V mrswärts 20 Pfennig.

tür die Redaktion 112, Verantwortlich

MW General-Anzeiger für Gberhessen WK

dil Roffltionsbruc! und Verlag der vrShl'schen Unio.-Vuch- und Lteindruckerei rr. Lange, «edaktlon. Expeditlän und Orudcrci; Schulstratze 7.

_______________________________ anjciflcntcii. H. Beck.

Lchelzaun bwagen.

MM W*

Ä

MW

10. d. Mts. fest, daß die Beziehungen KU Oesterreich-Ungarn l berichtige die Strafmündigkettsgrenzen an ihrem Ort: soweit normale feien. IN Bezug auf den Handelsvertrag wirdIaber die Jugend einer strafrechtlichen Behandlung bedürfe, errlart, daß dieser von feiten Serbiens bereits im ver- *........

gangen en Jähre gesetzmäßig erledigt worden sei. Serbien sei bereit, seine Gültigkeit provisorisch bis zum Ende dieses Jahres zu verlängern. Falls indessen die beiden Parlamente Oesterreich-Ungarns den Vertrag ablehenen sollten, ersuck)e die serbische Regierung um Bekanntgabe der von den Parla­menten beanstandeten Bestimmungen des Vertrages, weil die serbische Regierung erst auf Grund dieser Bekanntgabe in der Sage fein würde, zu entscheiden, ob sie in neue Ver­handlungen ein treten könne.