Ausgabe 
18.8.1909 Erstes Blatt
 
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von Gonsenheim, die Schießstände und die Eingänge von Gonsenheim auf dem ExerzierplatzSand" bis zur Be­endigung des Gefechts von Zuschauern möglichst freigehalten werden. Es tvirb daher zur Vermeidung von Unbcguem- lichkeiten für die Zufchauer empfohlen, etwa crft um 10 Uhr sich in der Mhe des Exerzierplatzes cinzufinden. Die Rückkehr unseres Regiments nach Gießen ist für Donnerstag

Aus solchen Erwägungen heraus ist das BuchDeutschland toter den Weltvölkern" zu verstehen, das Dr. Paul Rohrbach, \t: frühere Ansiedlungskommissar für Südwestafrika, im Versage e:Hilfe" veröffentlicht hat, und das vor kurzem in neu durch-

*) Aus der vom Zentralbureau der nationalliberalcn Partei itrou» gegebenen WochenschriftRationalliberale Blätter".

. . . Der schwedische Masienstreik

m int Abflauen. Der Verband der schwedischen Eiienbahn-An- t-l-tcllten teilt mit, daß bei der unter den Mitgliedern des Ver- ^m>s veranstalteten heimlichen Abstimmung eine Mehrheit für )2n Sxreik nicht erzielt worden ist. Aus verschiedenen teilen des

OenLsches Reeeh.

Der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg hat sich zum Vortrage beim Kaiser und zur Teilnahme an der Geburts­tagsfeier für Kaiser Franz Josef nach Wilhelmshöhe begeben.

Bei den H u d s o n - Fe i e rl i ch ke i ten im September wird sich ber Kaiser durch den Großadmiral von Köster vertreten lachen. Die deutsche Marine wird durch eine Kreuzer-Division bei der internationalen Flottenschau vertreten werden.

Der deutsche Botschafter in Tokio, Dr. Freiherr Mumm von Schwarzenstein ist aus Schloß Eyrichshof in Franken etngetrofsen und int HotelEsplanade" abgestiegen.

Zur Tabaksteuer. Um einem in Interessent nkrei, en verbreiteten Irrtum entgcgeit^itTeten, teilt dieNordd. Allgem. Ztg." mit, daß zur Anmeldung unverzollter ausländischer Tabak­blätter bis zum 21. August 1909 nur jeder Verarbeiter (Fabrikant), nicht auch der Verkäufer oder Händler verptlichtet ist, sofern er diese Tabakblätter in einer öffentlichen Niederlage oder feinem Privatlager unter amtlichem Mitverfchluß lagern Hatz

Landes wird die Wiederaufnahme der Arbeit gemeldetz In der Ides Gefechts bei der Truppenschau müssen der östliche ^eil Umgebung von Goeteborg haben tausend Streikende in sieben | Fabriken die Arbeit wieder aufgenommen. In Goeteborg kam

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es gestern vormittag bei der Ankunft arbeitswilliger Weber in Krokslaett zu lärmenden Kundgebungen seitens der Streikenden, von denen 20 verhaftet wurden. Weitere Ansammlungen der Ausständigen wurden von der Polizei verhindertz

Kreta.

Tie Kreter ftrenben sich noch immer, die griechische Flagge zu entfernen, obgleich die Schutzmächte gedroht haben, die strittige Flagge mit Gewalt herunterholen zu wollen. Tie Konsuln der Schutzmächte teilten der kretischen Regierung mit, daß die grie­chische Flagge morgen niedergeholt werden würde und machten hierbei auf die nicht wieder gutzumachenden Folgen aufmerksam, die jeder Angriff auf die internationalen Landungstruppen haben würde. Die provisorische Regierung richtet in einer Proklamation an das Volk die Mahnung, sich dem Willen der Mächte voll­ständig zu unterwerfen.

Als Antwort auf die Drohungen der Schuhmächte haben die Kreter nun beschlossen, die Festung .stanea teilweise niederzu­reißen und sämtliche Flaggen der Schuhmächte zu entfernen. Neue Verwicklungen sind also wahrscheinlich.

Zwischen den Kreta-Schutzmächten werden nun direkte Ver­handlungen gepflogen wegen eines neuerlichen ernsten Schrittes, den die Schutzmächte bei der Pforte in der Form einer Kollektiv­note unternehmen sollen, deren Ueberreichung unmittelbar be- vorsteht. In dieser Kollektivnote werden die Schntzmächte, wie verlautet, erklären, in der stretafrage habe die Pforte sich nur an die Schutzmächte und nicht an Griechenland zu wenden. Bei dem letzten Diplomatenempfang in Konstantinopel sollen einige Botschafter den maßgebenden Stellen der Pforte nahegelegt haben, man möge die erste Antwort Griechenlands als einen Erfolg betrachten.

Namens des griechischen Gesandten hat inzwischen der erste Drogoman bei dem Minister des Aenßern abermals Vorstel­lungen gegen den Boykott der griechischen Schiffe erhoben. Der Minister des Auswärtigen hatte sodann eine Besprechung mit dem Großwesir über die gegen die Boykottbewegung zu ergrei­fenden Maßregeln. Nachrichten aus Känea melden die Aus­wanderung zahlreicher Mohamedaner nach Rhodos.

DerKöln. Ztg." wird aus Konstantinopel telegraphiert: Zwei Admirale und 29 Offiziere sind mit einem Transport Munition, Torpedos und sonstigem Material zur Flotte ab­gegangen. Wie die Persönlichkeiten aus leitenden Kreisen er­klären, wird das türkische Geschwader kräftig vorgehen, wenn die Schutzmächte nicht schnell Kreta zwingen, den Statusguoante wiederherzustellen und die ottomanische Souveränität anzuerkennen. Die Vertreter der Mächte setzen ihre vermittelnde Tätigkeit fort, aber an maßgebender türkischer Stelle erklärt man, man erwarte Handlungen start Worte. Infolgedessen herrscht jetzt int diplo­matischen Korps eine pessimistische Auffassung vor.

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Parlamentarisches aus Oesterreich.

, In der Konferenz der Parteiführer dos' Abgeordnetenhauses solchen sich sämtliche Redner für die Wiederherstellung bei Ar- lrttssähigkeit des Parlaments und, für die Einberufung des Reichs- 2tes im Herbste aus. Die Vertreter der slawischen Union ei- Lnten, daß sie keinen Beschluß gefaßt hätten: in der nächsten Zession des Reichsrates würden sie Opposition treiben, mutzten *£r ihre oppositionelle Taktik sich für die Zeit nach der Ein- lecufung des Reichsrates Vorbehalten. Schließlich wurde einem xtrag Steinwender zugestimmt, nach dem GlombyMi ermächtigt ^ird, mit der Regierung und den Parteien zur Sicherung der -rleitsfähigkeit des Hauses Verhandlungen auzuknüpsen.

abend 9 Uhr zu erwarten.

** Vom Kais er Wilhelm-Regiment. Auf dem Gelände zwischen Lützellinden, Groß-Rechtenbuch, Münchholzhausen und den Stoppclbergen, wo am Frei­tag das Scharfschießen des Regiments beginnt, wer­den gegenwärtig Vorbereitungen getroffen. Ern Arbeits­kommando ist dort einquarticrt um Schanzen, Schützen­gräben, Deckungen auszuheben und die Scheiben ausKu- bauen. Andere Soldaten sind kommandiert, dem Land­wirt beim Einernten zu helfen, damit das Schießgelände bis zum Freitag leer ist. Zu Erntearbeiten bei Land­wirten haben sich, wie zur teilweisen Richtigstellung der gestrigen Nachricht mitgcteilt sei, vom Kaiser Wilhelm-Regi­ment 2-1 Mann gemeldet.

* * Die Rangliste de§ 18. Armeekorps mit dem Stand vom 1. Mai d. Js. ist im Verlag von Löber & Co. in Frankfurt a. M. erschienen. Vom König!. General- Kommando des 18. Armeekorps ausgearbeitet, enthält die Rangliste sämtliche Offiziere, einschließlich Reserve und Land­wehr, sowie Beamte, Behörden und Geschäftsräume im Be­reiche des 18. Armeekorps und den Hessischen Hof, sowie die Landgräfliche Linie von Hessen.

V o m JnheiderWasserwerk. Nachdem die Vor­arbeiten für das Wasserwerk Inheiden erledigt, die erforder­lichen Verträge, bes. der wegen Wasserabgabe an die Stadt Frankfurt a. M. ihren Abschluß und Genehmigung gefunden, ist die mit den Gesamtarbeiten betraute Behörde,die Neu­bauverwaltung für die Provinz Oberhessen in Gießen", daran, die Wasserleitungsarbeitcn zu vergeben, zunächst die Arbeiten zur Herstellung der Hauptleitung. Dieselben bestehen in der Ausführung der Rohrgräben, Lieferung der Dichtungsmaterialien, dem Verlegen und Dichten von rund 411/2 Kilometer Guß- und Schmiederohrleitung von 70 Zentimeter Lichtweite, von rund 3 Kilometer Gußrohr­leitung von 30 Zentimeter Lichtweite ind von 1 Kilometer Tonrohrleitung von 15 Zentimeter Lichtweite.

* * In der 43. Vorst undssitzung der Land- Wirtschaftstammer, über die wir schon kurz beriet)#* feien, beschäftigte sich der Vorstand zunächst mit dem Ent- wurf einer Reichsversicherungsordnung. Der Vorstand bedauert, daß nicht eine grundsätzliche Zusammen­legung sämtlicher Versicherungszweige auf örtlichen Organi­sationen, die zu RückversicherungSverbänden vereinigt sind, aufgebaut stattgefunden hat. Zu dem Entwurf selbst sprach sich der Vorstand gegen die geplante Errichtung von Ver- sichcrungsämtern laus, da diese die bewährte Selbständigkeit der Berufsgenossenschaften ohne zwingenden Grund ein­schränken und das Verfahren selbst kostspieliger und lang­wieriger gestalten werden. Des weiteren kann der Vor­stand die zur Versicherung der unständigen Arbeiter in dem Entwurf vorgesehene Üebernahme der .Hälfte derVer- sick)erungsbeiträge auf die Kommune nicht als billig an­erkennen, da hierdurch bei dem Umlageausschlag Personen getroffen werden, die Arbeiter wenig oder gar nicht be­schäftigen. Auch gegen die geplante Hinterbliebenenver- sorgung hegt der Vorstand große Bedenken. Die durch die Gesetzgebung hierfür bereitgestellten und weiter anzusam- meluden Mittel werden wohl laum ausreick)en und die Aufbringung weiterer Beiträge, die aber mit Rücksicht auf die derzeitige Finanzlage des Reiches nicht möglich sein wird, erforderlich werden. Auch für die Errichtung der Landkrankenkassen kann sich der Vorstand nicht aussprechen. Er erachtet vielmehr wie z. Zt. die örtlichen Organisationen, in denen jedoch wenn irgend möglich, eine scharfe Trennung zwischen Gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeitern mit Rücksicht auf den besseren Gesundheitszustand der letz­teren vorzunehmen wäre, für zweckmäßia. Des weiteren wurde eine Resolution des Bezirksausschusses Flonheim- Gau-Bickelheim auf Aenderung des Reblausgesetzes dahin angenommen, daß die Regierung ersucht werden soll, sämt­liche polizeiliche Ueberwachungskosten, die bei Auffindung der Reblaus z. Zt. der Gemeinde zur Last fallen, auf die Staatskasse übernommen werden sollen. Qfegen die von dem Vogelschutzverein angeregte Besteuerung der Katzen wurde Stellung genommen, da die Hauskatze eür für hie Landwirtschaft äußerst nützliches Tier ist und die Vertilgung der verwilderten Feldlatze bereits jetzt möglich ist. Ein Antrag, man möge bei der Eisenbahndirektion dahin wirken, daß von letzterer die Verladung von Zucht- vieh an Sonntagen zugestanden werden möge, wurde ab- gelehnt. Ter Vorstand ist grundsätzlich Anhänger der Sonn­tagsruhe. 'Der Vorstand erklärte sich weiter mit dem vom Deutschen Landwirtschaftsrat gemachten Vorschlag, in Hessen! Fütterungsversuche mit Palmkcrnkuchen- mehl vorzunehmen, einverstanden. Ein Gut, auf dem diese Versuche vorgenommen werden sollen, wird noch bestünmt. Als Tag, an dem von der Hauptversammlung die Gemeinde- steuervorlage beraten werden soll, wurde der 6. September festgelegt. $ie Hauptversammlung wird auch gleichzeitig die Frage, ob im Jahre 1910 eine Landesausstellung statt­finden soll, definitiv entscheiden.

Sein 25jähri ges Dienstjubiläum im Dienste des Kreises Gießen begeht heute Kreisstraßenmeister Rohrer.

Das Gustav-Adolf-Fest des Dekanats Gießen wird Sonntag, 22. d. Mts., in Burkhardsfelden ab­gehalten werden. Es werden voraussichtlich sprechen: Pfarrer Schmidt aus Grünberg, Geh. Schulrat D. Stamm und Kirchenrat D. Schlosser aus Gießen.

Aus Stafct und Lund.

Gießen, 18. August 1909.

** Das Kaiserp aar im Taunus. Der Kaiser trifft am Donnerstag nachmittag gegen i/»4 Uhr mit dem Automobil von Mainz auf Schloß Friedwichshof ein, während die Kaiserin mit dem Sonderzug 4 Uhr 20 Mn. in Begleituna des Prinzen Oskar, von Wilhelmshöhe aus, auch auf Schloß Friedrichshof ankommt. Freitag mittag 12 Uhr findet im Beisein des Kaiserpaares und der auf dem Schloß weilenden Herrschaften die Eröffnung des Osfi- ziersgenesungsheimsFal/enstein statt. Jur An­schluß hieran sindet im neuen Speisesaal dortselbst ein Früh­stück statt, an dem der Kaiser mit Gefolge teilnirnmt, während die Kaiserin nach Schloß Friedrichshof zurückfährt. Für den Samstag vormittag ist ein Besuch der Ausstellung in Frankfurta.M. wahrscheinlich. Am Sonntag früb 9 Uhr begeben sich die Majestäten zum Gottesdienst in die Erlöser­kirche nach Homburg, von dort erfolgt die Rückkehr mittels Sonderzugs nach Wilhelmshöhe. Die Kronprinzessin von Griechenland und ihre beiden Söhne Georg und Alexander werden die Kaiserin nach Wilhelmshöhe begleiten und dort einige Tage verblcchen. Am Donnerstag findet in Lronbarg, abends i/210 Uhr, Feuerwerk mit Beleuchtung der Burg start.

** Das Regiment Kaiser Wilhelm fährt feilte nacht nm 2 Uhr 47 Min. mit Sonderzug nach Mainz zur Teilnahme an der Truppenschau vor dem Kaiser. Zu der Truppenschau erfahren wir noch, daß die große Vor­parade, die vom Kommandeur'der 25. Division, General­leutnant v. Strantz, befehligt wird, heute morgen abgebalten wird. Von den an der Truppenschau teilnehmenden Trup­penteilen nehmen an der Vorparade die Mainzer Regi­menter, von den auswärtigen die Musikkorvs und Spielleute sowie die rechten Flügelunteroffiziere und die Adjutanten teil. Zur Ankunft des Kaisers wird außer dem Groß- hcrzogspaar an dem provisorischen Bahnhof am Bahn­wärterhaus Nr. 39 der Gouverneur v. Goßler anwesend sein. Die Rückkehr des Kaisers erfolgt über die Binger Brücke, Große Bleiche zum Deutschen Haus. Sobald der Kaiser den Aliceplatz betritt, beginnt das Geläute aller Kircoenglocken der Stadt. Um 1 Uhr findet das Frühstück im Großh. Schloß statt. Wann die Abfahrt des Kaisers im Laufe des Nachmittag? von Mainz stattfindet, ist noch nicht genau bestimmt. Mit Rücksicht aus den voraussichtlichen Gang

Auswärtige Politik.')

Angeblich treiben wir seit zehn ober fünfzehn Jahren Welt- Hielitif. Aber int großen Publikum merkt man nichts davon. in<m kümmert sich auch nicht bar um. Auch unsere Reichsbvten längen im großen Durchschnitt ben Problemen bet auswärtigen ItMitil nur ein sehr geringes Interesse manche meinen sogar: e Itj recht minimales Verständnis entgegen. Wcmr int Reichs- tiije über derlei Fragen debattiert wirb, hört man immer mir tmige Reben, die von eigener Anschauung zeugen und große l tsichtspunkfe verraten. Die andern wiederholen lustlos und ohne I kchwung, was wir schon zuvor unterschiedliche Male besser lasen, j. Eber sie deklamieren Bierbankpauken int Stile des Herrn von M ['übermann von Sonnenberg, die in Scheltreden auf benAankec" Bojer Großbritannien gipfeln. Tas alles ist nicht sehr erfreulich, W btt uns auch schon oftmals geschähet unb ist boch aus triftigen |; u it> historischen Gründen gut zto begreifen. Später als die andern Söttet haben die Deutschen einen Staat gebildet. Ungleich später jti als die Russen und Türken abgerechnet alle andern, k Nationen fochten sie ihre Verfassungskämpfe durch. In mand)cr . -sic-bung fechten sie diese Kämpfe noch heute. Auch das ist Merklärlich: denn als wir unsere staatliche Einheit aus den großen f Abzügen heinrbrachten, war sie schnell gezimmert noch & di ziemlich unfertige^ Gebilbe, bas auf Auswachsen unb Wciter- .fiint durchaus angewiesen war. Und dann: der Mann, der in bflt ersten zwei Jahrzehnten des jungen Reiches dessen auswärtige Lolitik leitete, war Otto v. Bismarck. Ein Meister jeines Faches, nie ihn die Jahrhunderte im besten Fall nur einmal hervor- . hingen. Der ließ sich wie jeder wirkliche Könner in sein ur- ' -ftmstes Ressort nicht hineinreden. Schließlich spürte, vorn alten j| Wilhelm Liebknecht zur Not abgesehen, auch niemand danach Ver- H Ungen. Tas Genie übt in solchen Stücken immer einen starken Sciuf aus. Man stellt sich nicht gern einem Mann gegenüber, Hüffen Ueberlegenheit man willig ober unwillig fühlt. Zu- ' hm hatten aulch, die, die ihn in feiner inneren Politik bekämpften, 11" kd) die lieber Beugung, daß die ausrvärtigen Angelegenheiten in ferner Hand wohl ausgel-oben waren.

So ist es ganz natürlich gekommen, daß man in Deutschland Hefen Fragen mit einer gewissen Interesselosigkeit gegenüber- Mftht linier Volk ist für sie nicht erzogen worden. Es findet für |ii auch vielfach gar keine Zeit. Der kleine politische Tagesstreit Ä tbforbiert alle Kräfte. Gerät man dann in Kommersstimmung, V schlägt man wohl mit der Hand dröhnend auf den Tisch und W erklärt, daß der alte deutsche Gott immer mit den stärkeren! Bataillonen sei und unser gutes Schwert und der Hohenzollcrn- nr unsre Feinde und Neider schon noch zu Paaren treiben würden. I T.e Hauptsache bliebe, daß wir an der bewährten Bisrnarckischen W Mik sesthielten. Weshalb Staatsmänner, die bi«* Macht des K G chlagwortes auf die Menge gut kennen, denn auch nie versäumt haben, sich als ben Erben unb Fortführer Bismarckischpr Tra- Htlionen zu bezeichnen.

Indes trennen uns von Bismarck, als dein Leiter unserer tu3roärtigen Geschäfte, bald zwei Jahrzehnte, und in dieser Frist at unsre alte Erde doch einige Umdrehungen gemacht. Die Wahrheit ist, daß das Bismarckische System mit dem Dreimächte- ' tondnis und dem Vertrag mit Rußland als Rückendeckung auf L visre Zeit überhaupt nicht mehr anwendbar ist. Otto v. Bismarcks W Lufül hatte ein politisches Tableau int Auge, für das Europa bie Welt bedeutete. Seither ist die Möglichkeit, nur europäische Politik zu machen, versunken. Frankreich hat sich, von uns 8 tcgünstigt, ein Kolonialreich von unermeßlicher Ausdehnung ge- passen. England strebt sichtlich danach, die Verbindungslinie zu Jnben zwischen seinem nordasrikanischen Besitz, unb Indien. Nord- Sta hat längst begonnen, aktive Politik zu treiben, und jede drei Mächte ist in der glücklichen Sage, sich selbst zu ge- ; innerhalb ihrer heimischen und überseeischen Grenzen zu erzeugen, wessen sie bedarf. Damit ziehen für Deutsch- langsam unbehagliche Zeiten herauf. Es kann gar nicht iert" sein, wie in den Tagen Otto v. Bismarcks, denn um Jahr vermehrt sich seine Bevölkerung um 800000 u die nach Betätigung und Lebensspielraum suchen. Die aber ist so gut wie ausgeteilt: fast an jedem Punkte müßte 1 kchtschland mit den Interessen von Mächten zusammenstoßen, he sich früher dort sestsetzten. Nur eine kluge, von staatspoli- tschm Rücksichten unterstützte Handelspolitik und ein systematisch, Ion ebensolchen Gesichtspunkten geleitetes Auswanderungsweseu Heiden uns noch, wenn wir nicht von den großen Weltmächten! kibrückt und wieder unter die Staaten zweiter Ordnung versetzt derben wollen.

Nr. 182 Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch 18. August 1808

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erscheint täglich, außer monatlich7öPi.,viertel-

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General-Anmger für Oherhessen WZW

Annahme von Lnzeigea 6z *v 1 i " » u. Land" und ^Gerichts»

Üs vörnüttaA^uhr^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und 51eindruckerei R. Lange. Redattion. Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. ^^eigenied^^^ed.

:"vbencr Auflage erschienen ist. Ein gutes unb em nützliches hid?, bas von jebem Vaterlanbssreunb gelesen werden sollte, eines aus der Schule der allzu Geräuschvollen, die mit ein aar krastmeierischcn Phrasen alle sorgenden Gedanken in die Sucht geschlagen zu haben wähnen. Im Gegenteil, ein sehr tocfsiernes, kaufmännisch rechnendes, fast phantasieloses Buch. Di- rleit eines Mannes, der erstaunlich viel von der Welt gesehen lat, der von närrischer Verliebtheit in das eigene Volkstum fern t; der aber ben doch wohl von uns allen geteilten Wunsch hat, biedern Volkstum Ansehen unb Geltung in ber Welt erhalten leibe. Ein Mittel dazu und zwar ein ganz unerläßliches ! die Beschäftigung der Nation mit diesen Fragen, ^-ie alte uiennknis und die alte Jnteresselosigkett müßen auchören. Die Achts-als-Diplomatenpolitik hat ouSgelebt. Auswärtige Politik totfi heute von der Gesamtheit der Nation getragen weiden.