Ausgabe 
16.10.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

159. Jahrgang

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Noch fi'chl ich in den Heimatlüsten Tie stolzen Knabenträume wehn, Seb surchilos mich vor Kamps und Klüften Hinaus ins laute Leben gehn . . Und fchwürens beul die Wandertauben, Tie über Heimasielder zichn: Nie würdens unsre Eichen glauben, Daß ich ein Gaukler worden bin.

Ter Gießener Konzertverein schreibt uns: Wie im Anzeigenteil vom 9. ds. Mts. mitgeteilt, findet die Generalversammlung des Vereins am 21. d. M. statt. Es erübrigt sich aber wohl, auf das abgelaufene Vereins­jahr an dieser Stelle nochmals näher einzugehen; jeder­mann weiß, daß in das abgelaufene Kon^rtiahr die Jubö- läumskonzerte des Akademischen Gesangvereins fielen, die einen Besuch der Hauptproben wie der Aufführungen auf­zuweisen hatten wie kein Konzert ie zuvor. Tie verbündeten Vereine haben hier eine Probe ihrer Leistungsfähigkeit ab­gelegt, die als glänzend gelungen bezeichnet werden darf, und sich hierdurch zu den alten Freunden sicherlich eine große Zahl neuer erworben. Von morgen an werden die neuen Anmeldungen auf Abonnements eli-gegengmom- men; die kürzlich erschienene Abonnemei-.tseiuladung enihieit alles nähere und auch das vollständige Programm für die 10 Avonnementstonzerte des Vereinsjahrs 1 09 10. Ta die Abonnementspreise bis zu 40 Proz. gegen die Einzel­preise ermäßigt sind, empfiehlt sich die Entnahme eines Abonnements für jedermann, zumal die Karten jeden In­haber zum Eintritt berechtigen. Auch sind sämtliche Plätze nummeriert und so billig, als es der Voranschlag nur irgend erlaubt. Tab ei hat der Verein gerade für das kommende Jahr besondere Anstrengungen gemacht, um das Beste vom Besten zu bieten. Wir lesen auf dem Programm Namen von Künstlern und Künstlerinnen, die von der Kritik übereinstimmend als ausgezeichnete Vertreter ihres Faches anerkannt sind. Ein vorzügliches Orchester, das des frankfurter Palmengartens, Tirigent Herr Kaempfert

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Die spanischen Angelegenheiieu.

In Spanien ist mon ruhiger und vernünftiger, als das tobende Ausland. Die Eröffnung der Kammern, die am gestrigen Freitag stattfand, ist ganz ruhig verlaufen. Die parlamentarische Mehrheit steht vollständig auf der Seite der Regierung. Von den Republikanern wurde der Versuch gemacht, die Angelegenheit Ferrer aufzurollen, aber es gelang ihnen nicht.

Die Radikalisiert in Frankreich haben völlig den Kops ver­loren. Sehr belustigend ist, daß eines ihrer Blätter das Ein­schreiten der französischen Regierung gegen den spanischen Minister des Auswärtigen gefordert hat, weil dieser sich über die Pariser Straßknszenen abfällig geäußert habe? Der Minister habe, so meinst das Matt sich unbesuglerweise in die inneren Angelegen­heiten Frankreichs eingemischt! Daß es sich gerade umgekehrt verhält, daß man die inneren Angelegenheiten Spaniens un­behelligt lassen sollte, das kommt dem Blatte nicht bei.

Madrid, 15. Ott. In der heutigen Sitzung der Depu- tierit'en t am m er wurde zunächst das Dekret über die Er­öffnung der Cortes verlesen und von der Mehrzahl der Depu­tierten mit Beifall ausgenommen. Sodann brachte der Unter­staatssekretär des Innern ein Hoch auf den König von Spanien und aus die Armee aus, in das fast alle Anwesenden begeistert einstimmten. Die Karli st en ließen nur Spanien hochleben. Gerbera (Republikaner) rief:Es lebe Spanien, aber Spanien in Ehren." Darauf wurde Dato zum Präsidenten gewählt, der sich in seiner Ansprache in anerkennender Weise über die Truppen in Melilla und den General Marina aussprach. Die Republikaner riefen: Loben Sie die Armee, aber nicht Marina! (Widerspruch bei den Konservativen.) Der Präsident gedachte

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für die Lagesnummer Rotation$bni5 und Verlag der Vrühl'schen Aniv.-Vuch- und Ztemdruckerei R. Lange.

bis vormittags 9 Uhr. ___ _________

beruht die Erpressung wenn auch nicht in so gemeiner Form oft auf Gegenseitigkeit. Hier naht sich ein Ehr­süchtiger, dort ein Krämerinteressent oder ein rühriger und löblicher Verein der Zeitung mit langathmigen oder kurzbeinigen Geisteserzeugnissen, und alle >ind zornerfüllt, kündigen die Freundschaft, wenn die Zeitung sich dagegen wehrt. Glücklicherweise haben wir in Deutschland trotz der vereinzelten Sumpfblüten, auf die jetzt jedermann hinge- wiesen worden ist, auch eine freie Presse. Sie soll nicht nur unabhängig vonoben", sondern auch von unten fein. Um diese freie Presse immer mehr zu verbreiten und die unfreie, zu.der auch das Sensationsgewäsch der Schmeichler trüber Volksinstinkte gehört, zurückzudrängen, dazu muß das Publikum immer mehr erzogen werden.

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Das freche Spottlied, in dem ein Junker des Narren Liebe zu dem Rittersräulein verhöhnt, zerwühlt ihn bis ins Innerste. Mit festem Schwertschwung z-rschlagt er ihm den Mund, und wie einen Narren läßt ihn der Kur­fürst richten: er wird ausgepeitscht.Er ist ja unter Narr! Unehrliche Strafe soll er tragen, damit des Kurfürsten Gnaden den bewunderten Spielmann nicht verliert, ^e Seele wer fragt darnach! Da gibt sich der Narr selbst den Tod. Jetzt begreift der Kurfürst; er hat eine Menschen­würde vernichtet, weil er sie immer nur im Narrenglanz gefeben hat und so ist er der Gerichtete.

Mutvolle Lebendigkeit wogt in dieser Dichtung, die Rittner kurz vor seinem Weggang von der Buhne verMt hat; markig und frisch und nicht ohne Humor ist feine Sprache, wirksam gesteigert die Handlung, «icher und über­legt die Technik. Aber das Bedeutsame an dem.werfe ist der ehrliche, kraftvolle Mann, der in fernem Mittel­punkt steht, der eherne Wolftiarr, mit feinem urdeutfchen Gemüts und es ist wohl feine Nebensache, daß gerade er vom Kurfürsten Schutz für Luther erbittet. Eine stählerne Bauernnatur wie Luther ist auch dieser Spielmann. Seit langen Jahren endlich wieder einmal em leiohastiger Mann auf der Bühne, der mitten im Leben wurzelt.

Kurt Gühne -ciang in der Darstellung dieses sel­tenen Menschen eine wahre Prachtteistung. Leider konnte er, wegen einer Unpäßlichkeit wohl, sein klangvolles, ge- schmeidiges Organ nicht voll ausnutzen, aber die Jnnerttch- teit und Innigkeit, mit der sich der Künstler in seinen Wolfnarren hineingelebt hatte, mit der er die seelischen Schwankungen mimisch belebte, machte diese zufällige Behinderung saft vollständig vergessen. Fräntt Koch, seine fürstliche C "'liebte, erschöpfte ihre Rolle vollkommen uni) bie katzenarüge Schmiegsamkeit, die in stetiger Liebesmr- zückung samwlgenbe Seele biefer Frau, sand in ihr eine vorzügliche Tarstellerin, der selbst der etwas perverse Zug ausnehmend gut gelang. Hermann Bakof gab die Raub- > tiernatur des Kurfürsten wesentlich gemildert wieder, und

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schuf so eine recht sympathische Gestalt. Kerry Taub a l stattete den edelmütigen Grasen von Lppel nicht nur mit seiner schönen, vornehmen Erscheinung aus, sondern gab dem Charakter dieses leimigen Mannes eine anmutenbe Vertiefung, die allen Beifalls wert ist. Edgar Pauly spielte den geckischen Kaspar mit flottem Behagen und auch Paul Urban fand sich sehr gut in seine Rolle als Zunftnarr, während sich Rudolf Goll als Hofpoet keines­wegs wohlzufühlen schien. In seiner Pose vor dein Kur­fürsten war er ausgezeichnet. Auch die übrigen Mitwirken- ben sanden sich unter KUrt Gühnes temperamentvoller Leitung zu einer schönen Einheit zusammen. Daß der letzte Auftritt Wolsnarrs zu früh erfolgte, wußte Kurt Gühne sehr geschickt zu verschleiern. K a r l N e u r a t h.

Die Ferrer- Epidemie, die aus Spanien hervorbrach und sturmschnell sich auch über ganz Deutschland verbreitete, spricht nach dieser Richtung hin Bände.Die ganze Welt ist ein Klagehaus." Auch uns tut der arme Ferrer leid, obgleich wir, ebenso wahrscheinlich wie dieVoss. Ztg", basBerl. Tgbl." und zahllose andere linksliberale Organe, nicht genau wissen, was 6er Mann eigentlich war und tat. Sicher ist, daß er ein Freidenker war und in seinen Schriften revolutionäre Gesinnung offenbarte. Was war aber bas Vorspiel biefer Tragöbie? Als Spanien in Marokko Schwierigkeiten begegnete und mobilisierte, ba brach im Juli die Revolution ans, und in der Hauptstadt Kataloniens wurde ein Leben und Treiben inszeniert, das jeder Beschrei­bung spottet. Schlimmer wird wohl auch in der persischen Schrecke ns st ad t Täbris nicht gehaust worden sein als in Bar­celona. Aufruhr, Kirchenschanbung, Branbstistung und Mord das alles kann doch noch nicht vergessen sein. Dann kam der Rückschlag; die Regierung wurde des Auf­standes .Herr und begann ihren Strafseldzug, der wohl auch viele Unschuldige traf und das Land unter unverstän­digem Druck seufzen ließ. 1200, nach einer anderen Be- rechnung sogar 2000 Prozesse gegen Revoluttonäre wurden anhängig gemacht. Der gegen Ferrer weckte das weiteste Aufsehen. Tie gesamte öffentliche Meinung, so heißt es in einem offenbar ganz objektiven Berichte aus Barcelona, sah in Ferrer den Anstifter und Leiter der revolutionären Bewegung. Sollte er, der nachweislich die Revolutto­näre aller Länder fortgesetzt mit Geld unterstützt hat, in bei ^Schreckenstagen Sieh gm: nicht gerührt f)Wn? Die Ferreraner fragen nicht da-, h ach. Ans der Kriegsgerichts­verhandlung wurde nicht so viel berichtet, baß man für bie Gerechtigkeit bes Tobesnrteils sich verbürgen kann; sollen wir in "Deutschland uns darüber aufregen? Haben die Jungtürken, denen die Sympathie der Freidenker gehört, in Konstantinopel anders gehaust, als die Gewalthaber in Spanien? Wurden die Galgen mit den Gelangten nicht tagelang zum Schaustück? Wie behaglich, sogar mit einem gewissen Wohlwollen, wurde geschildert, daß die baumeln­den Leichen im Winde wehten, und niemand siel es ein, daß wohl auch ein Unschuldiger die Strenge der raschen Justiz gefühlt haben mochte! Und nun dieses Tränenmeer um Ferrer, um Hekuba!

Tie Reiterei sprengte in. türmen Attaken ein. Die Menge wich -.urück, folgte aber den Gardisten sofort, als sie zu ihrer AufsteUung zurückkehrten, und bediente sich der P s (alterst ctne , her Bauziegel und der Eis en niet en, die ne aus den

gxziij len, int ^>tn.uiiy»iiv=> iv uu>aHMn»., 4.05 tt 11 *3 h X C** mende Gas wurde angezündet und die haushoch empor» fragenden Flammen beleuchteten fürchterlich das Toben der ent- fesselten Haufen, die aus Bäumen, Bänken und Klosks Barri­kaden a u s t ü r m t e und sie nach teer Zeit ebenfalls! a n - zündet. Tie Wagen, die sich auf den äußeren Boulevards zeigten, wurden mit Steinen beworfen, stellenweise nrit Straßenbeivrcnii - ungsschlauchen begehen. _ Zwei Omnibusse, aus denen man die Reisenden aussreigen ließ, wurden in Brand gesteckt und cm» geäschert, ehe die herbeieilende Feuettvehr sie wscl-cn konnte."

DieVoss. Ztg." berichtet es aus Paris, unb -tote gab es babei auch. Alles internationale Freiheitshelden! Hoch Ferrer",nieder mit Alsons!" Ein deutsd^es Blatt hat sich auch in Verwunderung darüber ergangen, baß das yurnane England gegen den Justizmord feinen Ein­spruch erhoben habe. Welche Torheit, zu glauben, Eng- lang habe bei seinen politischen Mastuahmen jemals von reiner Gefühlsduselei sich leiten lassen unb um ein Menschen­leben diplomatische Schritte unternommen! In feiner marokkanischen Unternehmung kann Spanien gerade auf Englands heimliche Unterstützung rechnen, unb wir wüßten nicht, welches Interesse bie Briten hätten, tarn Kabinett Maura Schwierigkeiten zu machen. Wir können uns jedoch recht wohl beulen, baß für den von ber beutscheu Skaudal- prefje versorgten Teil ber öffentlichen Meinung ber Ferrer- Rummel noch nicht ertebigt ist. Vielleicht kommt jetzt eine 3eil derProtest-Resolutionen", in denen es der Deutsche so weit gebracht hat. Mau muß den Ferrer-Schmerz aus­toben Iahen, auf tränenvolle Verzweiflungsausbrüche folgt stille Resignation:Hör auf mit Deinem Gram zu fpielen". Ter extreme Liberalismus wird sich auch von diesem SckMge

Nr. 243

Der Siebener An;e»-er erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerKamilienbiätter; zweimal roöd)ent(.Krei$i blatt färben Kreis Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. £anb« wirtschaftliche Seitfragen Fernspreck - Anschlüsse: für bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen;

Anzeiger Gießen.

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polittscbe Wochenschau.

Y * Gießen, 16. Okt.

Klatschsucht und Skandal, eiuseittae Stimmungsmache und scknese Urteile sind in dieser Woche so arg ins Kraut geschossen, daß es schwer wir^.aus dieseni Meer des Irr­tums aufzutauchen. Etwas Nützliches gab es meist nicht in hin §Da war das Wahlergebnis in Koburg, das in den bürgerlichen Gruppen die widersprechendsten Urteile hervorbrachte. Die Haupt-Beteiligten, Nattonalliberale und Freisinnige, waren zwar überrascht von der Tatsache ihrer beträchtlichen Stiimneneinbnße. aber nirgends tonnte man au . ihrem Lager einen verständigen Artikel über bte Wurzel be Uebels zu Gesicht bekommen. Die beiden gleich starken bürgerlichen Gruppen in Koburg verloren je 1000 stimmen. Tie beideii Tausende waren zur Sozialdemokratte uber- aelaufen. Man sollte meinen, die Lehre sei eindringlich aenua Wer nach dem Fall der Erbschaftssteuer tm bür­gerlichen Lager nach ber Auflösung bes Reichstages ge- rufen hatte, kann durch kein Ereignis besser widerlegt werden Die Wähler der Mittelparteien sind das hat sich wieder einmal gezeigt nur durch sanfte Bande an- inanbergetettet, unb nur die extremen Parteirichtungen stellen in allen Fährnissen einen sicheren Boden dar:Dcvs ewig Gestrige, das immer war unb immer wieder kehrt." Die iluftuierenben Massen der gemäßigten Zonen in der Politik werden nur durch gute Führung, starke Persönlichkeiten, msammengehalten. Die Sache des Liberalismus ist groß unb gut, aber wie schleckst wirb sie geführt! An ferner -pitze sollte bie Intelligenz fitzen, die sich nicht durch schone Borte unb phantastisch weite Ziele betören läßt, sondern Die Macht-Tatsachen ins Auge faßt unb bie Brücke zum Nächstliegenden beschreitet. Die eifernde Rebe, die ganze Finanzreform von oben bis unten txniae nichts, ist den 't/ialdcmokraten natürlich besser zum Heil ausgeschlagen, its den Liberalen, von denen man irgend eine Tat er» ,artet hatte, da sie doch bei der dringenden Notlage des Reiches zur Mitarbeit anfänglich so bereit gewesen waren. 3b die Schattierung links- oder rechtsliberal war, erwies sich bei der Entscheidung als gleichgilttg; daß die auf der Linken stehenden Herren noch lauter gegen das zustande gebrachte Finanzgesetz gewettert hatten, hielt auch bei ihnen die Wähler flucht nicht auf. Es gibt nur eine Lehre aus diesem Vorgang: Der Liberalismus muß ein Feld bauen, auf dem er auch wirtliche Früchte hervorbringt; feine Be- lenne.r werden nur durch besonnene Führer zufammen- gehalten, die auch in schwerer und ernster Lage nicht in verzweifeltem Händeringen sich ergehen, sondern dem Boden das abringen, was er hergibt.

Was aus der Erörterung über den Dahselprozeß ge­wonnen wurde, ist toenia unb könnte doch viel sein. Der ,'Vampf gegen die Skandal- und Sensattonspresse wurde allenthawen laut verkündet, am lautesten von den Blättern, die eben in behaglicher Breite bas Tageserlebnis berLebe­welt", Ruhm und Ende der Gräsin Sttachwitz, ihrem zart- 'ühlenden Publikum verkündet hatten. Jeder hat seine Zeitung, die er verdient, und man braucht, solange es nod) die Legionen der Klatsck)basen gibt, die mit dem Lese­nd) das ' prikelnde Spamrungsbedürsnis empfinben, über biese Schmutzgefchichte absolut nicht viel Worte zu machen. Tas Änsehen ber deutschen Presse wird

GictzeneV Stafctffyeater.

Nnrrenglanz.

Ein Spielmannsdrama von Rudolf Rittner.

Rudolf Rittner, der als Schauspieler einer der ge­feiertsten Lieblinge der Berliner war, hat in seinem Drama igenc Erlebnisse zu einer gewaltig packenden, tief ergreifen­den Dichtung gestaltet, bie, trotz all ihrer Schwächen von einer ungewöhnlichen Kraft unb Begabung zeugt. In 'iefem oft harmlos naiven Spielmonnsdrama, bas manches Geschehnis auf falschen Voraussetzungen aufhaut unb auch jeelifdi nicht immer begrünbet ist, glüht eine Seibenfdjaft und eine Seele, die alle diese Mängel vergeflen laßt und -ins machtvoll mit sich sortreißt in die Stürme einer be­deutenden Künstlernainr. Wolf, der Dichter, den die eigen» süchttge Laune eines Fürsten zum Hofnarren gemacht hat, Aeser Mann, deß sttotzende Bauernkraft den für]tlid)en A-ranen das Blutbrühwarm in die Fingerspitzen" treibt, t iefer Held, dein bie Landsknechte zujubeln, er geht an den Vorurteilen der Gesellschaft zugrunde. Das Beste, was er gibt, es (ist bezahlt, seine Seele, sie ist bezahlt. . .Er ist doch unser Narr'." sagt das Fräulein, das nachts lüstern zu ihm schleicht, und bann einem anbeten die Hand reicht, um dem Spielmannskind einenehrlichen Namen" zu geben. ,,Herrenverguügen ist Naubtiersreude."

Vergeisttgt und verfeinert hebt sich die Idee des Werkes weit über seinen geschid;tlichen Rahmen hinaus und wird zur Tragödie des Schauspielers unb bes Künstlers über­haupt, der einer im letzten Grunde verständnislosen Menge fein ganzes Wesen enthüllt, der hoch über ihr triumphiert, unb als Mensch dock) scheel angesehen wirb. Ta wird demNarren" feine geliebte Kunst zur Schmach, ein Ekel erfaßt ihn vor sich unb vor ber Welt und ergreifend klingt seine ganze Seele in seinem letzten Lied:

Piui Schmach: ein Gaukler bin ich worden, Psui Schmach

Noch dröhnt daheim der Wind von Worben Um unfern Fels hoi rauh und jach, Noch klingen Torie-sqlockenlöne Zu meines Baiers Walde bin, Tarin, den Kovi voll Glut und Schone Als Kind ich einst gewandelt bin . . Noch rauschen von den Sängen nieder Tie alten Bäche kalt und El u- Und singen traute, erni: Sieoer Vom Wald, der ewig tfi u.iD war . .

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Samstag 16. Oktober 1909

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x=.'<3 v Ehesredakteur: A Goeq.

Verantwortlich lür den

_ voliuschen Teil: August

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Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrntze 7. ^.zejgente^^^^Beck.

weder durch die Dayfel- nod) die keimende nal-en Bauplätzen fanden. Nach kurzer Zeit waren die Laterne Bruhii-iG-schichte irgendwie erschüttert. Die Zeitungsleser p sa hle nieder geworfen, die^ B o ule o a rd o a u ip c? werden d-s Nachdenken lernen, weiter nichts. Uebrlgens g-r' en S^u'igzk.rrrc umgM...

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