General-Anzeiger für Gberheffen
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Di« „«tetztner Zamiliendlätter" werden Den .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da- „Kretsblott fit den Kreit Liehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtfchafilichen Sett- fragen" ericheinen monaUich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: esg) 5L Redaktiowe-^ 112. Tel.-AdruAnzeigerGießcn.
GW Ml! L klHnet ^cr Poriinnd.
Menschen mit der Bezeugung des Evangeliums von Jesus dem Herrn in ihren mannigfaltigen Gestaltungen. Die 2.: die innerliche l'eberführung von der Wahrheit dieses Evangeliums durch den göttlidjsm Geist. Die 3.: der Gehorsam deS Glaubens gegenüber dieser innerlich wirllam nahe gebrachten Wahr- heiismacht. So ist die grundlegende cl-risrliche Erkenntnis, die mit der GlaÄensentstehimg gegeben ist, nicht birret eine Leitung unseres Intellekts, noch weniger durch ein Verzicht aus denselben, sondern durch das normale Verhalten imseres Willens gegenüber einer Tat und Gabe Gottes, d. h. sittlich bedingt. D es? s i l t - liche Bedingtheit gilt nicht nur für beten prinzipielle Entstehung, sondern auch für bereit Erweiterung und Vertiefung. Die klare Fastung der gewonnenen Erkenntnisse in die Form der Lr-rache, deren orgaitiftfje Vertu, -fung und iibersicl tliche Ccbnni'' in Ausgabe und Arbeit dec Tl e lngie. Die Theologie produziert ‘ein einziges Moment der christlichen Wahrheit, aber sie hilf: zum allseitigen Verständnis der ihr gegebenen Wahrheil. Darum ist die Tl)«ologie für die Diener der Kirche unentbehrlich, über auch für den inzelnen Laien von zwar relativen, aber doch l ohen Werte — allerdings nur die Theologie, die ein inhaltlich gleia-es G aub.mseriebris m t dem der betreffenden Laien zur Voraus- fctai.ig hat. Tie Verwirrung der Laien durch Popularisicrungs theologischer Resultate Lrnrnt daher, bah solche als allgemein gültig verkündigt werden, die sich doch nur aus ganz bestimmten V-oraus- setzungcn ergeben, weshalb der Streit um die größere Wissew- schaftlichkeit der einen oder der anderen Richtung völlig unsrucht- bar und aussichtslos ist. Die „Schicksalsfrage an die Christenheit", ob sie das Christentum der Urgem.inde, welcher Jesus bei Gegen st and des Glaubens ist, auch heute noch aufrichtig fest- halten kann, kann nicht mit wissenschaftlichen Mitteln, jonberit von Laien und Theologen in ihrem persönlichen religiösen Leben entschieden iverden. Jp der Glaube der Urgemeinde Gehorsam gegen eine Tat und Gabe Gottes in Christus durch seinen Geist, dann ist die Frage, ob Gott auch heute noch diese^at tut unjbt diese Gabe gibt. Für den Glaubenden ist diese Schicksalsfrage; gelost. Er preist für Glauben und Erkenntnis Gott, schätzt aber auch dankbar die methodisch geschulte Danl'barkeit, ivelche eine vom gleichen Grunderlebnis ausgehende Theologie zu Dienst uni> Ehren der .christlichen Wahrheit leistet. So kommt er zu einer gerechten, von Mißtrauen freien Würdigung der Theologie seitens der Laien, so zu einer Schätzung der Laien durch die Theologen, die von aller falschen Ueberhebung der Zunft frei, und rein bleibt.
Ter Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Besonders angenehm mußte auch den ferner Stehenden berühren, daß jede Polemik gegen die „moderne" Theologie vermieden wurde. Der Redner verlangte nur, daß die von ihren Voraus"- setzungen ausgehende theologische Arbeit der Positiven, die natürlich zu besonderen Ergebnissen führen muß, wegen der Differenz mit aus anderen Voraussetzungen sich ergebenden Resultaten nicht als imwissenschastlich bezeichnet, sondern voll und ganz gewürdigt werde. Es schloß sich noch eine lebhafte Diskussion an, die jedoch weniger das Zentrum als die Peripherie des Vortrages berührte.
Die Einigung der Liberalen.
Trotz der Einsetzung eines Ausschußes hat es mit dem Zusammenschluß des Lrberalismus noch weite Wege. Auf die Schmierigkeiten einer Einigung der Liberalen weist der Neichstagsabgeordnete Dr. Müller-Meiningen gegenüber dem Abg. Prof. v. Liszt in einer Zuschrift an den „Fränk. Kur." nachdrücklich hin. Er schreibt wörtlich:
Ich habe seit dem Jahre 1898, also lange vor der Heilbronner ResolrUion, in Wort und Schrift den Gedanken einer „liberalen Gemeinbürgschait" und in erster Linie den Gedanken des links- liberalen Zusammenarbeitens in und außerhalb des Parlaments vertreten-zu einer Zeit, als es viel gefährlicher und unpopulärer in Parleitreisen war als heute, für solche Gedanken offen mit seiner Person einzutreten. Atem verehrter Freund Funk (Frankmrt) war damals fast der einzige parlamentarische Kampfgenosse! Ich bin aus meiner Kenntnis der Tinge froh, daß wir heule so weit sind, und warne davor, bei jeder Gelegenheit aus Liebe mr die Sache die Schwierigkeiten zu u n t e r s ch ä tz e n und zu glauben, daß einige Dutzend Resolutionen uud gutgemeinte Zeitungsartikel uns über diese Schwierigkeiten auch nur irgendwie hinweghelien können. Bei der bevorstehenden Verschmelzung steht für die links- liberalen Parteien, vor allem für die freisinnige Volkspartei, im Falle des Mißlingens alles auf dem Spiel. Was heutzutage von „Einigung des Liberalismus" redet und dafür lärmende Propaganda macht, möge Herr Prof. v. Liszt an unseren bayerischen Z u st änöeu sehen 1 Solche Erfahrungen machen bei der größten Liebe zur Sache, die ich für mich in Anspruch nehme, vorsichtig und — vielleicht übermäßig - bedächtig. So wie ich denken ivohl meine sämtlichen näheren bayerischen Parteigenossen. Mem verehrter Freund Tr. Günther weiß ein Liedchen müzusingen I Ich verweise ans die Resolution des nordbayerischen Telegiertentages vom 3 Oktober If. Js. Und wir habens vorläufig allein prak'isch probiert I Wir wollen sehnlichst die Einigung — aber nur unter Voraussetzungen, die die Haltbarkeit der neuen Gründung absolut gewährleisten. Zum Vabanque-Sprelen habe td) feine Lust: bic Verantwortung ist mir zu groß. . Das war mem Standpunkt, und das bleibt er! * _______
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Jul. Bräutistm, Weierstttm l^ aph.-Gesellschafi berger“ Giessei sä 17 d. M., VDtmir. lOUbr, für nltötö hreiben, ^ilnämm „achmitt. ZahlM iq, besonders auch^ ‘en der Wie»
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Uirchlichpositive Vereinigung für heffen.
w. Frankfurta. M., 14. Oft.
Am 13 Oktober hielt die kirchlich-positive Vereinigung im Großl-erzogturn Dessen hier ihre Hauptversammlung ab Tie Versammlung war sehr zahlreich, auch von Damen, besucht Rach der am Vormittag abgehalteneN Vorskands- s i tz u n g folgte am Nachmittag zunächst eine geschlossene Mi taliedcr-Versammlung, geleitet und begrüßt von dem Vorsitzenden, Pfarrer Bernbeck-Okarben In ihr wurde das Wachsen der Vereinigung konstatiert, der Verstorbenen gedacht Und Bericht erstattet über das abgelaufene Jahr, ebenso Die Rechnung erledigt. Tas Hauptinteresse nahm in der folgenden allgemeinen Vefiammlung der Vortrag des Professors Dr. Bor n bä user-Marburg in Ans-ruch. Er hatte das Thema: Bedarf der Laie zur Gewinnung der christlichen Erkenntnis der Theologen? Er führte aus, daß es wvhl scheinen könne, als sei die Frage zu verneinen; dagegen sei auf das Bestimmteste auszusprechen, daß die Bedingungen sur die Gewinnung der Erttznntnis Der christlichen Grundwahrheiten für den einfachsten Laien wie für den gelehrtesten Theologen dieselben seien. Die 1. Bedingung sei das ZusaMmeutteuen des
Äittft teMililärausnahmk, spannende
Handlunz. Lacherfolg, ^unslsilni, Szm 6 do F©raudy.
stisch. ß Drama, ^ristischer Schlag«. ___[07878
Aus Stadr und Lnnd.
Gießen, 15. Oktober 1909.
** Tageskalender für Freitag, 15. Oft.: Stadttheater: „SJl a r r e n g l a n g/ Anfang 8 Uhr
*
** Beim Ueberfahren unbewachter Eisenbahnübergänge wird immer noch die nötige Aufmerksamkeit außer Acht gelassen. Nach einer von dem preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten in Berlin gemachten Zusammenstellung ist die Gesamtzahl der auf Nebenbahnen mit unbewachten Uebergängen durch Heber* fahren von Fuhrwerken vorgekommenen Unfälle ini letzten Jahre zwar geringer geworden, aber dennoch ist die Zahl der Unfälle, die faft ausnahmslos auf die Fahrlässigkeit der Geschirrführer zurückzuführen sind, noch immer sehr hoch. Tie meisten Unfälle sind dadurch entstanden, daß die Wagenführer entweder versuchten, noch vor dem Zuge, beffen Geschwindigkeit sie unterschätzten, über den Weg zu kommen, oder daß sie, wenn sie nicht ^geschlafen naben, mit Begleitern plaudernd oder im Planwagen sitzend, sich überhaupt nicht darum gekümmert haben, ob sich dem Ueberweae ein Zug nähere. Es' kann nur immer wieder darauf yingewiesen werden, beim Uebersahren von unbewachten Eisenbahngängen die nölige Aufmerlsamteit und Vorsicht nicht außer 'Acht zu lassen.
** Stadttheater. Am Mittwoch, 27. Oktober, findet ein einmaliges Gastspiel von Earl William V ü ller in einem neuen Schwant von Jacoby u. Lippsckntz, „Der Doypelmensch", statt. Zu diesem Gastspiel, bei dem wiederum die Ermäßigungen für die Abonnenten gelten, werden schon jetzt Vorbestellungen entgegengenommen.
p. Alsfeld, 14. Oft. Die Einweihung des Neubaus für die Oberrealschule findet am 24. Oktober statt. We beginnt um 11 Uhr morgens, um Vs2 Uhr vereinigt efn Festessen die Teilnehmer wieder und ein um 4 Uhr beginnendes Konzert bildet den Schluß des Festtages, der viele frühere Lehrer und Schüler in unsere Stadt führen wird. Tie Besichtigung des von Geh. überbaurat Klingelhöffer in Darmstadl entworfenen, stattlichen Baues ist während des ganzen Tages gestattet.
L. Friedberg, 14. Oft. Ten musikliebenden Friedbergern stehen für die nächsten Wochen größere musikalische Genüsse bevor. Den Reigen eröffnet die Richard Wagner-Stiftung, die am 24. Oktober unter Mitwirkung behütender Künstler ein größeres Konzert veranstaltet, dann folgt der M u s i k v e r e i n anfangs November mit einem Kammermusikabend und am 10. November folgt im Schullehrerseminar die Schillerfeier, bei der die Braut von Messina gesungen wird. Die Proben haben schon längere Zeit begonnen.
n. Offenbach, 14. Oft. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten stand die Wahl von zwei unbesoldeten Beigeordneten auf der Tagesordnung. Auf Vorschlag des Verfassungsausschusses wurde heule zunächst nur einer der Beigeordneten gewählt. Von 37 Stimmen entfielen 23 auf den linksiiberalen Fabrikanten Ludwig Kappus, Vorstandsmitglied des freisinnigen lliatSiiberalen Vereins. Für ihn stimmten die Liberalen und die Sozialdemolraten. Ter Kandidat des Zentrums, Architekt Paul Oberländer, erhielt 7 Stimmen, außerdem wurden 7 weiße Zettel abgegeben. — Für die -v ast- Pflichtversicherung der Offenbacher Schulbetriebe einschließlich der Jugendspiele wurden ■'•00 Mt. eingestellt. — Für die W a l d e r h o l u n g s st ä 11 e , die von hiesigen Erholungsuchenden stark benützt wird, werben 300 Mk. Unterstützung bewilligt, wenn die Anstalt auch auf Frankfurter Gebiet liegt. — Die Genehmigung über
Prozent der Umlage.
Damit man nicht einwende, daß diese Berufsgenossenschaft, vielleicht in Rücklicht auf die Großstadt Berlin, in welcher zahlreiche Bauschwindler festen Fuß fassen können, kein zutreffendes Bild für das übrige Baugewerbe Deutschlands abgeben kann, so lassen wir die entsprechenden Zahlen mehrerer anderer Berufsgenossenschaften folgen.
Bei der Hessen-Nassauischen BmigewerL-Berufs^e- nossenschafk hatten 1 6 4 5 7 Mitglieder 13-4371,6 0 Mark aufmbringen. 531 Anträge ans Stundung gingen cm, 8 914 Anträge auf Zwangsvollstreckung mären erforderlich, 611 Pfändungsversuche blieben fruchtlos, 54 Mitglieder mußten zur Ableistung des Offenbarungseides geladen werden, bei ihrer 5 mußte die Eidesleistung durch Vollstreckung der gerichtlichen Haftbefehle erzwungen werden, 3 Sicherheitshypotheken auf Grundstücke der Mitglieder mußten eingetragen werden, die Ausfälle betrugen 1 75 24,65 Mark = l-32 Prozent
Bei der Rheiuisch-Wesrsälischen Baugewer ks-Beruisgenosiew- schaft hatten 40 000 Mitglieder 3159 4o0 Mark auszubringen. Anträge auf Stundung sind eingegangen von 54« Mitgliedern, 17 629 Anträge auf Zwangsvollstreckung waren erwrderlich, 3486 Pfändungsverfilwe blieben fruchtlos, 225 Mitglieder mutzten zur Ableistung des Ofsenbcrrungscides geladen werden, bei 55 Mitgliedern mußte die Eidesleistung durch 'Vollstreckung, der gerichtlichen Haftbefehle erzwungen werden, die Ausfälle betrugen 154 513,10 Mark = 4,89 Prozent.
Daraus ergibt es sich wohl zur Genüge, daß eine große Zahl von Mitgliedern der Bangewerks-Berufs- aenossenschaften schon heute hart an der Grenze der Leistungsfähigkeit angenommen ist; weitere Lasten können diesen Unternehmern nicht auserlegt werden, oh-ne ihre wirtschaftliche Existenz zu gefährden. Würden ihnen gleichwohl noch weitere, zumal unnütze und unproduktive Belastungen für sozialpolitische Zwecke auf- gebürdet werden, so müßten viele zu Grunde gehen. Dadurch würden aber nicht nur für das Baugewerbe, sondern zugleich für den Staat, die Gemeinden und zahlreiche andere Gewerbetreibende große Schäden herbeigeführt werden. Ob die Regierung es angesichts solcher Tatsachen und Feststellungen noch wagen wird, durch chre Reichs- sicherungsordnung dem Baugewerbe die enor- Lasten für die an sich entbehrlichen Versicherungsämter aufzuerlegen, das steht dahin: wir möchten vor einer derartigen Maßnahme eindringlich warnen.
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1909
8tel'ung
109
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politische Tagesschau.
Die Stichwahl in Coburg.
Die Stichwahl in Coburg ist auf den 23. Oktober festgesetzt. Die Natl. Korrejp. schreibt: „Es bleibt noch über eine Woche Zeit, die freilich rüstig genützt werden muß. Der Freisinn hat — woran wir für un)er Teil nie zweifelten — sich für unbedingte Unterstützung des nationalliberalen Kandidaten erklärt; über die Notwendigkeit folger Unter- tützung ist — was wir dankbar anerkennen — in seiner Prefie überhaupt von Anbeginn an nur eine Stimme gewesen. So wird es, wenn die bürgerlichen Wähler nicht erlahmen, wenn sie bis zum Wahl.ag und an ihm fefber ihre Pflicht tun, hoffentlich wohl gelingen, den sozial- demokrafischen Ansturm zurückzujchlagen und die Hoffnungen der Genossen zu schänden zu machen, die brei|t und gottesfürchtig im „Vorwärts" bereits jetzt den Sieg es- tomptieren/'
Die ostpreuhischen Konservativen.
Am 11. Oktober fand m Königsberg eine Dele- giertenversammlung des Ostpreußischen Konservativen Vereins statt, die von etwa 200 Delegierten und Ver. irauenSmännern aus allen Teilen der Provinz besucht war. Nach eingehender Besprechung der innerpolitifchen Lage wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:
Ein Bündnis der Konfervativcn mit dem Zentrum bat nie bestanden und liegt politisch anbei bald des Bereichs der 'Möglich- feit. Von den Liberalen allein hängt es ab, ob sie m Zu- fmift bei nationalen Ausgaben Mitarbeiten und dadurch die Hilie des Zeutrums embebrhdi machen wollen. Die Belämpiung bei deutschfeindlichen polnischen Bestrebungen ist stets eine wichtige '-Hingabe konservativer Politik gewesen und wird es bleiben, un Gegensatz zu der Haltung des Lmksliberalismiis, der last bei jeder Gelegenbeir, auch noch in allerletzter Zeit, gemeinsam mit den Sozialdemokraten die Polenpolitik Der Regierung bekämpft hat. Die Hauptvarole der konservativen Partei aber bleibt und wird allezeit bleiben: Kampf gegen die vaterlandslofe Sozialdemokratie. Die Eriolge Ostpreußens, der „Säule des preußischen Staates", gegen die Sozialdemokratie unter konservativer Führung sind ein Ruhmesblatt in der Geschichte unferec Provinz. Auch die der- zeiiigen gehässigen 'Angriffe liberaler Gegner dürfen unter keinen Umständen die konseroalive Partei in ihrem Standpunkte des gemeinsamen Kampfes gegen die Sozialdemokratie erschüttern.
Dazu lesen wir in der .Natl. Korrefp." folgende Antwort :
Wir wollen nicht verschweigen, daß aus derselben Rcsolutton sich auch so etwas wie eine Friebensl)anb entgegenstreckl. Die Hauptsache bleibe, so wirb ba befretiert, ber gemeinsame Kampf gegen die Sozialbemvkratie. Bon biesem Standpunkt wurden die Konservativen auch durch die „gchässigen Angriffe liberaler Gegner" sich nicht abdrängen lassen. Wir akzeptteren bie Parole gern; mochten aber in aller Bescheidenheit nur bemerfen, baß — wenigstens bei den letzten Wahlen außerhalb Ostpreußens — von ihr nicht viel wahrzunehmen gewesen ist. In Neu stabt- Landau hat der Bund der Landwirte, der ja hier identtsch ist mit den Konservativen, in der Stichwahl in 34 Orten nachweislich 716 Stimmen für den Sozicckbemokraten abgegeben und dadurch den nationalliberalen Kandidaten zu Fall gebracht, und m Schneeberg-Stolberg erreichten die Dündler ben)dben „nationalen Erfolg" durch Stimmenenthaltung. Was nützt uns also ber Mantel, wenn er pSrtout nicht gerollt werben soll >
Giessen,
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Das Baugewerbe und bie sozialpolitischen Lasten.
Lus ben Kreisen bes Baugewerbes erhalten wir folgenbe Zuschrift:
Die Bebeutung des Baugewerbes für bas wirtschaft- < liche Leben wirb bei weitem nicht 9enuaenb gewürdigt. ‘ Man läßt sich burch ben Bergbau, die Medall-Jndustire und dergleichen gewalfig imponieren, denkt aber nicht an - die Größe und bie Bebeutung bes Bauaewerbes als Faktor m ber Volkswirtschaft. Das kommt baher, weil es im Baugewerbe viel kleinere Unternehmungen givt, weil dieses Gewerbe an einer gewissen lokalen und technischen Zersplitterung leibet unb weil bie Zahlen, welche bie große Wichtigkeit bes Baugewerbes beweisen, nur sehr wenigen bekannt sinb. Unb boch bildet das Bauaewerbe die g r ötzte । Af n b u ।’i r i e Deutschlanbs, was ourch bie Ergebnisse der Berufs- und Betriebszählung vom 12. Fum 1907 dar- aetan wird. Zu dem genannten Zeitpunkt gab e^ m Deutschland 26 827 326 erwerbstätige Personen; von btejen kommen aus bie Industrie, einschließlich Bergbau imb ^uaewerbe 11256 254, aus bie Landwirtschaft entfallen 9883 2oz und auf Handel unb Verkehr 8 477 626 Personen. Von ben in bei- Industrie erwerbstätigen Personen kommt die größte Zahl auf das Baugewerbe; in diesem waren Erwerbstätig insgesamt 1905987 Personen. An zweiter stelle kommt das Bekleidungsgewerbe mit 1421695, Metallveiarbeitung mit 1 186 099, Eie Industrie der Nahrungsmittel mit 1 127 516, Textil>Jnbustrie mit 1057 243 und Bergbau, Hütten- und Salinenwesen mit 963 278 Personen.
Daraus geht hervor, daß das Baugewerbe die bei weitem meisten erwerbstätigen Personen beschäfiigt, sonnt das größte Gewerbe barstellt. Deshalb ist es a^ch erklärlich, wenn bas Baugewerbe ben wirtschaftlichen Gradmesser im Wirtschaftsleben des Staates ab gibt und wenn eine Depression in ihm einen ungünstigen Einfluß auf tue deutsche Volkswirtschaft ausübt. Steht das Baugewerbe in guter wirtschaftlicher Konjunktur, so blüht auch das ganze wirtschaftliche Leben, liegt das Baugewerbe darnieder so haben wir einen allgemeinen wirtschaftlichen Tiefstand Dazu bedarf es keiner näheren Beweise, das haben wir in den letzten Jahren nur zu schwer empfinden müssen.
Stellen wir uns nach dieser allgemeinen Betrachtung über die Bedeutung des Baugewerbes die Frage: ob das Baugewerbe noch weitere sozialpolitische La st e n ohne Cesährdiing seiner Ertrags- und Leistungsfähigkeit üo ernennten kann, so kann bie Antwort bar auf nur ver- neinenb lauten.
In Nr. 77 ber Baugewerks-Zeitung wirb ziffernmäßig nachgewiesen, baß eine wettere Belastung ber Mitglieder der Steinbrucks-'Berufsgenosseuschaft in tarier Zeit trostlose Verhältnisse schaffen müßte. Das würbe bei den Mtt- aliebern ber Baugew erks-Beimfs g en off ensch aften leib er in noch viel höherem Maße ber Fall sein, wie folgenbe Zahlen beweisen mögen:
Bei ber größten ber zwölf BaugewerkS-Berufs^nvssen- schaften, ber Norbvstlichen B aug ewer ks - Be r u f s - Geil o s s e n s cha f t, hatten im Jahre 1907 (bas ist die letzte ber in ihren Ergebnissen vollständig abgeschlvfsewen Umlagen: der Abschluß für 1908 wirb erst nach Schluß dieses Jahres erfolgen können। rund 24000 M itglieber 442856,14 Mar k au Hu bringen. Es sind wegen der zu zahlent^n Mträge 2157 Anträge auf Stundung cingegangen, gegen 135 60 Mitglied e i ist wegen ber Beiträge unb ber auf btefe zu leistenden Vorschüsse bie Einleittmg ber Zwangsvollstreckung er- forberlich gewesen, 893 Mitglieder lind fruchtlos gepfändet worden Und ihrer 544 mußten zur Ableistung des OffenbarungscidÄs geladen werden: die Bernfsgenossenschast war gezwungen, 77 Mitglieder durch Vollstreckung der gerichtlichen Haftbefehle zur Eidesleistung zu bringen, 91 Sicherheitshypotheken auf Grundstücke der Mitglieder eintragen zu lassen imd 139 Betriebe infolge Zahl 'ingsunsähigkeit unb Unmöglichkeit, das Gewerbe fortzusetzen, •vu -lü schon. Ausgefallen ist trotz dieser intensiven Beitreibung ber Beiträge ein Betrag von 100520,14 Mark — 2,26
Nr. 24S Zweites Blatt LSS.Jahrgang Freitag Io. Oktober 1809


