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13/02/1909 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 37

15i). Jahrgang

Samstag 13. Februar 1909

Gießener Anzeiger

«Meinl täglich mit AuSnahnre der Sonntags.

Eenemi-Anzeiger für Eberhsffen

an

Grenze seiner Leistungen angelaugt, Cxx sich die Anschlüsse

der

einige Aen

-:"W

nur noch nach schleuniger Erledigung einer Reihe ujv wichtiger Etats den mit diesen Vorlagen eng zusammen­hängenden Antrag der Freisinnigen und Nationalliberalen in Arbeit, der vom Staate die dauernde Unterstützung leistungsschwacher jüdischer ä u 11 u s g e m c i n -* den fordert Herr Eickhoff von der Volkspartei und Herr Tr. Friedberg von den Nationalliberalen mühten sich ver­gebens, dem Hause die Zustimmung zu diesem Anträge ab- zugewinnen: die Rechte und das Zentrum verschanzten sich nicht ohne die moralische Berechtigung des Antrags anzuerkennenhinter staatsrechtliche Bedenken, und der Antrag wurde, wie in der Kommission, so auch im Plenum unter den Tisch geworfen. Am Samstag soll nun mit der Prüfung der Pfarrerbesoldungsgesetze Ernst ge­macht werden, und wenn alles gut geht, hofft man noch vorm Wochenende das Lehrerbesoldungsgesetz in dritter Lesung zu erledigen, und gar auch mit der Berggesetz­novelle sich zu befassen. . .

anroär tct n vor behaltenen

Redaktion, Expedition und Druckerei: 6d)ul» straße ?. Expedition und Verlag: e^öL RedaUion:e^AII2.Tel.-Adr.:Auze:ger(Ziebeu.

trutzervrdeutliclv vermehrt haben. 'Namentlich bei Hochwasser, wenn ' die Turbine nicht arbeiten kann, ist das Werk vollauf in An­spruch genommen, so daß. z. B. am vergangenen Freitag keine Reserve mehr vorhanden war und das Licht zeitweise nicht hell brannte. Auch für den Betrieb der Straßenbahn ist eine Er­weiterung des Werkes notwendig', für die Bahn soll die jetzt vorhandene Tampfmaschine von 450 Pferdekraftcn verwendet wer- bcit urtc es wird vorgeschlagen, an ihrer Stelle eine neue Maschine von 600 Pferdekräften nebst neuem Kessel anzuschaffen. Ein­schließlich der dadurch erforderlichen Erweiterungsbauten und der sonstigen Anschaffungen wurden dafür 228000 Mk. angcfordert. Tas jetzige Werk hat sich zuletzt mit 11,6 Prozent verzinst und es ist anzunehmen, daß die Vergrößerung nur vorübergehend die Rentabilität ungünstig unb nur unerheblich beeinflußt.

Tie Vorlage wird debattelos genehmigt.

Aus Anregung des Berg. Heyligenstaedt wird für den Freitag abend 6 Uhr eine Besichtigung des Elektrizitätswerks vorgesehen.

Stadtv. Tr. Biermer würde es für zweckmäßig halten, wenn möglichst bald die Höhe der aufzmrehmenden neuen An­leihe festgestellt mürbe, üa nicht anzunehmen sei, daß sich der Geldmarkt zugunsten der Stähle ändern werde.

Ter Vorsitzende bemerkt, das sei bis jetzt nicht möglich gewesen, werde aber bald geschehen.

Stadtv. Heichelheim hält die Verhältnisse für die Auf­nahme einer neuen Anleihe gerade jetzt für günstig, da eine rasche Hebung der industriellen Verhältnisse leider nicht zu er- toarteit sei.

benntgen angeregt, mit denen man eiumrstarrden ist.

Die Faselhaltung wird für jährlich 1200 Mk. an Oeko' nom Gottmann vergeben.

Für die Benutzung des Anschlußgleises an bet Mar--, garetenfrütte burd;. die Lvlat-EiscnbetonAktienge^ gesellschaft hat die Bahnverwaltung einen Vertrag vorge­sehen, der u. o. eine Bcichafrung der Stadt für den Frachteingang usw. vorsieht. Man ist damit einverstanden, wenn die Firma eine Kaution von 2000 Mk. hinterlegt.

Tie Rell-nung der L über stift ung für 1307, bie m Ent­nahme und Ausgabe mit 3287.10 Mk. abschließt, wird nicht beanstandet Ebenso wird der Voranschlag für 1909, der mit 3031.09 Mk. ab schließt, genehmigt.-,

Die ..vlthkner Za.nilien'.latter-' werden dem »Anzeiger* viermal wachen lich bcigclcflt, das HteisMatl für den Kreis Stehen" zweimal »vöchentlich. DteLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag des Lrühlfchea UnwersttätS-Buch- und Slemdruckerei.

R. Lauge. Gießen.

in MAGtil-Original-Flaschcn nichts anderes als echte M Ati<£I - Würze feilgehalten werden. Beim Nachfüllen achte man deshalb darauf, dass die Würze aus der grossen Original-MAGGI-Fiaache gefüllt wird. Auch verlange man ausdrücklich echte_3IA<xGl-Würze und weise Nachahmungen zurück.

Sitzung dev SLa-tvevorSneten.

Schluß.

Gießen, 12. Februar.

Die Erweiterung des Elektrizitätswerkes.

Wie der Vorsitzende ausführt, ist das Elektrizitätswerk

Vermischtes.

* Ein Feuerwehr-Idyll. Eine Musrerjeuerwehr besitzt unstreitig das westfälische Oertchen Ergste. Ami Diestag abend brannte das Wohnhaus der Witwe Vteter bis auf Stallung und Schmiede völlig nieder. Als abends 8 Uhr bekannt wurde daß es ,brenne, bemühte sich die Feuerwehr vergebens, ein Pferd zu bekommen, das die gute alte Spritze zum Brandplatz schaffen sollte. Hieraus beschloß man, die Spritze selbst zu ziehen, was auch mit Anstrengung aller Kräfte die Spritze Ivar seit nndeut­licher Zeit nicht mehr geschmiert worden gelang. Am Brandplatz ging es mit Eimern an die Füllung des Wasser- tastens, doch o weh: es floß fast mehr Wasser heraus, als man hineinfchütten konnte. Nachdem der Wasserkaften bann endlich verdichtet worden war, hätte man löschen können, toemt nicht die Schläuche undicht gewesen waren. Ehe sie geflickt waren, war das Haus bis auf den Grund ab­gebrannt. Die brave Wehr rückte ab, und der Spritzen­meister, der überdies am Erscheinen verhindert war, bnrftc am anderen Tage seine gute alte Spritze allein zurückholen. So geschehen zu Ergste im Jahre 1909.

Stimmungsbild aus dem pmitz. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 12. Febr.

In der Erwartung, daß das Abgeordnetenhaus am Freitag nicht nur die zweite Lesung des Justizetats unb ber Pfarrerbesoldungsgefetze' beenden, sondern auch noch die dritte Lesung des Lehrerbesoldungsgesehes beginnen könnte, hat sich Herr v. Kröcher einigermaßen getäuscht. Zwar mit dem Justizetat tarn man zu Rande; dafür sorgte der Präsident mit jugendlichem Eifer: Jedem Volksver­treter, der über die Stränge schlagen und Dinge vorbringen wollte, die in die allgemeine Besprechung gehörten, fuhr er rücksichtslos in die Parade. So kam es, daß der Rest der Justizdebatte eigentlich nur in der Vorbringung lokaler Wünsche bestand, und hatte nicht ber Zentrumsmann Schmitt eine unheimlich lange und in Wieberholungen schwelgenbe Rede als Advocatus Dci gehalten er forderte eine starke Vermehrung ber Gottesdienste für bie Gefängnisinsassen so wäre ichm sicherlich noch dazu gekommen, die Pfarcerbesolbungsgesetze unter bie Lupe zn nehmen. Dieweil aber Herr Schmitt eine gute Stunde vertan, um dem unaufmerksamen Hause unb Herrn Beseler seine Ansichten unb Wünsche zn explizieren, hielt bie Mehrheit es für geraten, sich auf bie Finessen ber Pfarrer* esetze für diesmal nicht mehr einzulassen. Man nahm

Die T a ub en t cänke, die infolge bet .^analifanon fpJxr in ihrem Wasserstaub zurückgegangen ist, soll eingeebner werden.1 Die dafür erforderlichen 300 Mk. werden bewilligt. Stadtv. EmmeliuS regt an, das Gelände und, seiner Entwässerung an bie Anlieger zu verkaufen.

Die Beratung über einen Eins muck der Firma Friedel und Asprion gegen bie Berechnung der Straßenkosten für die Johannesstraße wird ausgesetzt

S. Elsoffer ljat gelegentlich seines Neubaues 6,9 Quadrat- Nieter an die Stadt kostenlos abgetreten, die zu einem Bürger­steig in dec Rittergasse verwendet wurden. Auf Ersuchen des Hernr Elsoffer beschließt man, ihm dafür die mtgeforberten Bürger- sheigkosten in Höhe von 73.50 Mk. zu erlassen.

Für die Lc ne nun na von zwei Straßen zwischen Mittelweg und Veterinärktinik ifxit man bie 'Diamcn von zwei Professoren der Beterinännebizin in Vorschlag gebracht.

Stadtv. Tr. Biermer «äußert Bedenken gegen die Wahl bed einen Namens gerade als Straßennamen, während Stadtv. Krumm die Namen von Dichtern verwendet wissen will. Stadtv. Tr. Ebel bemängelt bie willkürliche Namengebung für Straßen und miil hierzu die alten Flurnamen verwendet haben. ,

Tie Sache wird deshalb nochmals an die Baudeputation zu-, rückverwiesen.

Die Befestigung des Weges entlang der ober- hessischenEisenba h n vom Erbkauterweg bis zur Bänninget - schert Fabrik ha! sich als no tirenbig herausgestellt. Tie dafür nötigen 4000 Mk. werden bewilligt.

Für die gärtnerische Anlegung der Wieseckbösdüing an der Micestraße wurden früher 6000 Mk. benniKgt. Herr Köhler vorn Tiesbauamt hat nunmehr euren Mau ausgearbeitet, in Verbindung damit von der Bleichßraßc aus einen Fußweg längs der Wieseck attzulcgm, was 700 Mk. mehr erfordern würchc. Man ist damit einverstanden und erhöht den Kredit entsprcdrend.

Vtrschiedeues.

(Einem Gesuch von Tr. Rcinewald um Genehmigung zur. Anbringung eines Hostores an fernem1 Grundstück Licbigstr. 32 wird stattgegeben.

Ter kaufmännische Verein erhält gegenwärtig zu den .Kosten der kaufmännischen Fachschule von der Stadl einen Beitrag von 800 Mk. jährlich. Xie Schule wird von 140 Schülern besucht, die der Stadt 1200 Mk. tofert würden, wenn sie in ber allg. Fortbildungsschule mären. Auch auswärtige Städtd leisten höhere Zuschüsse zu solchen Fachichulen t Darmstadt 2500. Mark, Mainz 4500 Ml. und Offenbad. 2270 Mk. . Man be­schließ deshalb, den Zuschuß auf 1200 Mk. zu erhöhen.

Für die städtische Kaserne ist die Anschaffung eines! Ofens erforderlich geworden. Da der zur Verfügung stehende Kredit verbrauchi ist, werden die dafür nötigen 52 Mk. bewilligt.

Im Dach raum des alten Schlosses soll auf Er- luck'.en des oberhessischen GeschichtSvcreins ein 106 Quadratmeter großer VoSen» gedielt werden, was 365 Mk. kvstcn wird. Der Verein will hierzu 80 Mk. beitragen. Tie Versammlung ist Damit einverstanden.

Das Kreisamt hat in bent Verzeichnis der den Militär-

Das Straßenpflaster.

In der letzten Sitzung war die Beratung über die Pflasterung der Neustadt unb der West-Anlage zwischen Bahnhofstraße und Bahndamm, für die Schotterplatten vorgesehen waren, ausge­setzt worden, da von verschiedenen -Seiten Bedenken gegen die Haltbarkeit bet Schotterplatten geäußert wurden. Die Baudepu- tätion beantragt nunmehr für die Neustadt Umpflasterung mit den dort verwendeten Steinen, da die Regulierung ber Straße noch nicht fertig ist und vielleicht in wenigen Jahren bie Straßen­bahn duvchgeführt wird. Für die West-Anlage soll es bei den Schotterplatten bleiben, da man auf einer kurzen Strecke lftermit Versuche machen will.

Stadtv. Dr. Wimm en an er macht daraus aufmerksam, daß der evang. Kirchenvvrstand bezüglich des Kirchenplatzes in einer Eingabe um Anbringung geräuschlosen PflastiwS gebeten hat und fragt an, vb der Beschluß der letzten Sitzung, den Kirchen- piatz fumzupflaslxrn, nur eüi Provisorimn bedeute.

Der Vorsitzende bestätigt, daß es sich nur um ein Provisorium handelt.

Ten Vorschlägen wegen der Neustadt und der West-Anlage wird zugestimmt.

Sttaßeu- unb Eruudstücksangelkgetrheilem

Die Hofreiten Gwße Mühlgasse unb 12 wurden schon früher vom Stabterweiterungsfonds angekauft. Die schwere Er­reichbarkeit eines bei Mitbesitzer machte die Amiahme eines spä­teren Uebernahmetermins, als urspiunglick) vorgesehen war, not- löenbig, und man stimmt zu, daß als Nebeniahmetermin der 1. Januar d. I. bestimmt wirb.

Ter Kreis beabsichtigt, an der Kreisstraße Gießen- Hausen einen erhöhten Fußsteig anzulegen, was 9000 Mk. erfordern wird. Tie Stadt ist zur Gelandestellung verpftichtet und ist bereit, soweit die. Straße in ihrem Besitz ist, die Kosten zu tragen, was 2276 Mk. erfordert. Von dem verbleibenden Restbetrag hat die Feldbereinigung für die Einführung chaussierter Feldwege in die Straße 480 Mk. zu zahlen und die Provinz hat einen Bettag von 2608 M5 zu leisteii. Ter Kreis richtet nun an die Stadt das jlnfinnen, von dem Restbetrag noch einen, größeren Bettag zu zahlen, da sie das Hauptinteresse an dem Fußpfad habe. Tie Versammlung lehnt dies ab, da sie ohnedies die Hälfte der Ltteissteuern bezahlt und sonach der übrige Koeis nur 1800 Mk. von den Kosten zu tragen hat.

Für die Verlegung der Kreisstraße Gießen-Wismar ist außer bereits ftüher erworbenem Gelände noch solches von den Herren Stoß, Mcllhöfer und Walther zu erwerben, was teils durch Kans, leite durch Tausch unter Vergütung für die Obst- bänme erfolgen soll. Die Versammlung stimmt den hierüber ab­geschlossenen Verttägeii zu.

Für die Verlängerung der Wil Helmstr atze und der Lie- bigstraße, sowie für die dazwischen liegenden Verbindungsstraßen ist Gelände des SladterweiterungSfvnds nötig, für das ein Preis von 10 Mk. für den QuaDratmeter angesetzt wird.______________

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 12. Febr.

Auf hem Platze des Berichterstatters fttzt Herr Erzberger unb schulmeistert ftc Negierung und den Staatssekretär. Ein unzuftiLdentt Beamter hat ihm zugetragen, daß m seinem Burcau bie ÄrbLitszcit nur 6 oder 7 Stunden betrage, und Herr Erzüerger, ber, wie man weiß, ein sehr rlcißiger Herr ist, hat schon in der Bubgetkom'.nisston sehr .ntschicdeue Vorstellungen deswegen er- hoben. Er hat auch schon itt ber Budgettommission bie AuSdinfl erhalten, bte ihm heute Herr von Bcthmann-Hollweg erteilte. Es ist richtig, daß in einigen Berliner Acmtern bie mittleren Beamten nur eine ftebenstündigc Bureau zeit hüben: daß bie höheren Beamten, insbesondere im Rcichsamt des Innern, und gar der Chef dieses Amtes sehr, sehr erheblich länger arbeiten müssen, weiß ciurfj Herr Erzberger. 'JCber man ljat mir Rücksichl darauf, daß viele Beamte draußen in den Vororten wohnen, die englische, unuitierbroaeiic Arbeitezeit eingeführt, und mau wird dem Staatssekretär Recht geben müssen, daß eine achtstündige geistige Arbeit ohne Pause des guten etwas zu viel ist. Im übrigen lehnte cs der Staatssekretär mit Recht ab, inbezug auf die Art der Festsetzung der Bureaustunden der Verwaltung Vor­schriften machen zu lassen. Aber Herr von Bcthmann-Holiweg bedachte offenbar nicht, daß er es mit 5xrrn Erzberger zu iitn hatte. Vor dessen Gingen stiegen jene Seilettj pfuf, in denen das Reichs amt des Innern von chin und seinem Freunde Trimboru regiert wurde. Und vorn erhöhten Sitze des Berichterstatters Überblickte er den Saal und fand, daß die Lücken auf den Bänken der Blockparteien größer waren als int Zentrum und bei beit Sozialdemokraten, unb zum Ueberfluß sah er auch noch .Herrn Potthvfs unb einige andere blockunlustige Herren der freifinnig en Bereinigung besitzen, und iu rascher Erfassung der Situation versuchte er einen Handstreich, durch heu er zugleich dem Block eine Schlappe und Herrn von Bethmann-Hollweg ein Diißttauens- vvtum verschaffen Sonnte. Für seinen Antrag auf Zurück­weisung des zur Verhandlung stehenden Bcamtentitete an die Budgetkommifsion sand sich denn auch int Hammelsprung die er­wartete Antiblvckmehrheit.

Wer Zentrum und Sozialdemvttatie waren heute nicht immer so emttächtiglich zusammen. Sobald gowerkschafttiche Fragen zur Verhandlung stehen, geraten die feindlichen Brüder von den sozial- demokratischiLn und den christlickien Gewerkschaften immer toit^er aneinander, uni) her Gegensatz in der Tonart komntt spieck>md zum Ausdruck. Do.S zeigte -ich heute bei zwei Gelegenheiten: in den Fragen der Rentenkontrolle und der Statistik .Über die Tarifverträge. In bent Wunsche, daß bei der Prüfung der Erwerbsunfähigkeit für den Bezug von Renten möglichst milde verfahren werde, sind die Lertteter beider Arbeiter- ürganifatronen sicherlich eins, nnd auch der freisinnige Oberbürger- Meister von Hagen, »err Cuno lonc der Meinung, daß man tn dem berechtigten Bemühen, die BersAherungseinrichtirngeu gegen Mißbrauch zu wahren, manchmal zu burenutiatisch und engherzig vorgehe. Ader der Ton macht auch hier b4c Musik, nnd von neuem erbrachten die Wortführer der Sozialdemokratie den Be­weis, daß es dieser Partei vor allem auf die agitatorische Wirkung ankommt. Auch heute zog der chriUich-nationale Arbeiterführer GiesbcrtS einen scharfen Strich zwischen sich und dem Vor­sitzenden der sozialdemokratischen GLneralkomNtission, Legren; er gab ihm mit ungeschminkten Worten zu verstehen, daß seine stlrt nicht bie geeignete fei, Aideiterfoihcrungat mit Azrssickft auf Erfolg zu vertreten. »

Eine Reil>e von Kapiteln ans dem vielgestaltigen Bereich des Reichsamte Innern zog in ber heutigen Verhandlung vorüber MUpi (/me Anzahl von Wünsdieu und Beschwerden aus den ver­schiedensten Gebieten wurden in meist kurzen Reden erörtert. Von allgemeinerem Interesse ist darunter nur noch eine Frage; sie betrifft die Behandlung der Ausländer an unseren technischen Hoch- und Fachschulen. Es Ivar ein Ar­beiters ekrekär aus dem Zentrum, Herr Schiffer, der cs zur Sprache brachte, daß in der Ueberschwemmung unserer .Kollegien Mb Laboratorien mit Ausländern eine Gefahr für bie deutsche Industrie liege. Die Freisinnigen Gvthein, Dove tinb Stengel, letzterer ein Universitätsprofessor, rvchrten sich gegen diesen Versuch, ixeFreizügigkeit ber Wissenschaft" anzutasteu, und der Sozialdenwkrat Dr. Frank trat chm hierin bei. Ten gegenteiligen Standpunkt vertraten die Wortführer bet Rechten, der Abg. 5t'reth und mit besonderer Schärfe auch Freiherr v. Gamp, der ber hierbei hauptsächlich in Betracht kommenden chemischen Jndusttie nicht fernsteht.

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