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3.8.1909 Erstes Blatt
 
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Rödelheim. Bezirksvorsteher Stellvertreter Bender-Rod- Heim hob die Verdienste unseres Landrats hervor, unter dessen kurzer Wirksamkeit die Zahl der Freiw. Wehren schon von zwei auf acht gestiegen sei. Landrat Dr. Daniel versicherte, daß ihm besonders die Förderung des Feuer­löschwesens sowie die Quellwasserversorgung seiner Kreis- gemeinden am Herzen liege. Punkt 12y2 Uhr trat die hiesige Wehr zur Hebung unter Leitung ihres Kommandanten Koch an. Sowohl die Schulübungen als auch der Brandan- oriff fielen in allen Teilen für die junge Wehr gut aus. >kurz nach 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die festlich geschmückten Straßen unseres Städtchens. Auf dem Festplatz Iftelt Bürgermeister Kühler, der Begründer uirserer Wehr, die Begrüßungsansprache, die mit dem Kaiser- hoch schloß. Das herrliche Wetter gestaltete den Kreisfeuer­wehrtag zu einem gut besuchten Volksfest.

X Hanau, 2. Aug. Ein Kamps aufLeben undTod spielte sich im Polizeigefängnis zwischen dem Aufseher Köhler und einem Zuchthäusler namens Friedrich P a p k e ab. Der Sträfling kam von München und wurde hier in Zwischenhaft ge­nommen, um später nach Wehlheiden weitertransportiert zu werden, woselbst er eine sechsjährige Zuchchausstrafe zu verbüßen hat. Zm Polizeigefängnis verlangte er den Ausseher zu sprechen. Als dieser ail der Zelle erschien, wurde er von dem Sträfling blitz- schnell hereingezogen, an der Kehle gepackt und zu Boden geworfen. Em verzweifelter Kampf entwickelte sich, namentlich hatte es der Sträslmg barauf abgesehen, dem Ausseher die Augen auszukratzen. Als schließlich der Beamte einige Hilserufe auszustoßen vermochte, erschienen seine J-rau und ein Gefangener, die ihm nun Beistand leisteten inü> ihn befreiten. Der Beamte wurde am rechten Äuge schwer verletzt. |

Saatenstand und LrnteschStzung vom |. August 1909.

Deutschen Reich.

Die Preisberichtstelle des Deutschen LandwirtschastSrats hat zum 1. August eine zweite Schätzung des voraussichtlichen Körner- imd Strohertrages für Winterroggen veranstaltet und außer­dem die Ernteschätzung erstmalig auf die übrigen Getreidearren und die Futterpflanzen ausgedehnt. Das Ergebnis der Schätzung, ausgedrückt in Prozenten einer Mittelernte, ist folgendes: W.-Roggen : Korner 96,6, Stroh 88,7 ; S.-Roggeu: Körner 95,0, Stroh 89,9; W.-Weizen: Körner 89,0, Stroh 85,5; S.-Weizen: Körner 95,4, Stroh 92,1 ; W.-Spelz: Körner 98,6, Stroh 96,9; Gerste : Körner 99,3, Stroh 96,4 ; Hafer: Körner 100,8, Stroh 99,0. Kleeheu: Stroh 68,5, Wiesenheu: Stroh 66,4.

Am 1. Juli d. I. wurde der voraussichtliche Körnerertrag von Winterroggen auf nur 92,2 geschätzt. Bei der Beurteilung der Prozentziffern ist zu beachten, daß die mit 100 bezeichnete Mittel- ernte im allgemeinen als eine gute Mittelernte anzusehen ist. Tas kühle und regnerische Wetter hat mit kurzen Unterbrechungen auch im Juli angehalten. Haben die häufigen und zeitweise von heftigen Winden begleiteten Niederschläge awch viel Getreide gelagert, das Umsichgreifen des Unkrauts begünstigt und in Ver­bindung mit der meist kühlen Temperatur den Reifeprozeß ver­langsamt, so waren sie nach der außergewöhnlichen Dürre im Frühjahr für die Entwickelung sämtlicher Feldfrüchte doch von lünftigem Einfluß. Allerdings ist für die ohnehin schon verspätete lernte jetzt beständiges und sonniges Wetter dringend zu lvünschen, wenn sich die Erwartungen aus eine gute Ernte auch in quali- mttver Hinsicht erfüllen sollen. Das Unwetter der letzten Tage im Juli scheint diese Hoffnungen bereits in manchen Gegenden beeinträchtigt zu haben. Jedenfalls erleiden die kaum in An­griff genommenen Erntearbeiten eine Störung, die um so un­liebsamer empfunden wird, als das Abernten des häufig lagernden Getreides an sich schon eilten größeren Aufwand an Arbeit und 3eit erfordert. Beim Wintergetreide, das iwch vielfach .unn und auch kurz im Stroh geblieben ist, dafür aber schöne »olle Aehren aufweist, Iwben die häufigen Niederschläge sehr vor- k.ilhajt aus die Körnerbildnng eingewirkt, so daß sich die Aus- pichten seit dem Vormonat vielfalch noch wesentlich gebessert haben. Ter Körnererttag von Roggen dürfte nach den vorliegenden Gerichten im Durchschnitt befriedigen: von der Qualität läßt sich dies mit Rücksicht auf das vielfach eingetretene Lagern uitb b:i ungünstigem Erntewetter noch nicht mit Bestimmtheit voraus- i egen. Mit dem Schneiden des :)roggens wurde auf leichten ^oben vereinzelt am 22. Juli begonnen, doch ist die Ernte Lefler noch nicht weit vorgeschritten. Vielfach war der Roggen zurzeit der Berichterstattung noch nicht vollständig ausgereift, utb wird in solchen Fällen wohl erst Anfang August abgemäht 1 -.erben können. Der Weizen braucht zu feiner vollständigen Entwickelung meist noch 3 bis 4 Wochen, so daß für die Ernte dieser Frucht mit wenigen Ausnahmen wohl erst die zweite Llugusthälfte in Bettacht kommen kann. Hat das günstige Wetter die Zolgen des späten Frühjahrs auch nicht mehr auszugleichen t.ermocht, und wird der Stand auch meist als dünn und lückenhaft b'»eid)nct, so erhofft man angesichts der guten Ausbildung der Mehren immerhin ein leidliches Ergebnis. Voraussetzung dabei träte allerdings, daß jetzt günstiges Wetter einträle, um ein wei- ckres Umsichgreifen des Rostes zu verhindern. Von besonderer Äedeutung waren die Niederschläge für die Soinmerhalm- rir ü d) t e, die sich nicht nur erholt, sondern vielfach sogar in Überraschender Weise entwickelt haben unb auf günstige Ernte- r-träge hinzubeuten scheinen. (£inc Einschränkung crleibct das künftige Urteil allerdings durch den Umstand, daß die Ger st c b:i üppigem Wachstum meist Neigung zur Lagerung zeigt, wovon nan eine Beeinträchtigung der Qualität befürchtet. Bei Hafer i.t Lager nur in geringem Maße vorhanden und auch die durch Fritfliege unb durch den sehr häufig erwähnten Getreideblasenfuß cnrursachten Beschädigungen scheinen die auf eine sehr gute Ernte ^richteten Hoffnungen nicht fonberlid) herabzudrücken. Auch den Hackfrüchten ist die Feuchttgkeit des abgelaufenen Monats sicht zustatten gekommen, doch vermochten die Rüben, die stellen weise auch unter Engerlingfraß leiden, den Rückstand nicht ganz enzuholen, weil die für das Wachstum so nötige Wärme bisher weist fehlte. Dagegen zeigen die Kartoffelfelder nahezu überall ein sehr günstiges Aussehen; der Regen hat das Wachstum triftig angeregt und die Vorbedingungen für eine sehr ergiebige timte geschaffen, andererseits aber die Bekämpfung des sehr über- Ipmd nehmenden .Unkrauts gehindert. Wenn auch über Ktank- tatten bisher nur ganz vereinzelt berichtet wird, so wäre doch auch rir diese Frucht der Gintritt trockener Witterung jetzt sehr von Vorteil. Die ohnehin sehr spärliche Futter ernte hat durch lv.el Regen auch sehr an Qualität verloren. Wo man mit dem Schneiden des Klees, meist ohne den erhofften Erfolg, zu Lmge gewartet hat, läßt auch der Nachwuchs sehr za wümchen übrig: zum Teil ist es die midauernd kühle Witterung, die auch tae Aussichten für den zweiten Schnitt vielfach wenig erfreulich Nstaltet. Auch das Wenige, was die Wiesen lieferten, wurde erfolge ungünstigen Erntewetters vielfach in minderwertigem Zu­stände eingebracht. Der zwette Schnitt verspricht allgemein etwas taffer zu werden, namentlich da, wo man den ersten nicht zu weit tanausgeschoben hat.

Zeppelins große Zahlt.

Die Abfahrt von Fraukfurt.

Schon in aller Frühe begann sich das Fluggelände, wo Zeppe- lüt II. fest verankert lag, mit einer ungeheuren Menschenmenge in füllen. Der Zustrom war heute noch größer als am Samstag. Eereitd um 6 Uhr wurde mit den Vorbereitungen zum Ausstieg b tgonnen. Um 67? Uhr begannen die Motore ihren Probelaut. Nachdem kurz vor 7 Uhr Cberiiigcnieiir T ü r r eingetroffen war, toiirbc bet Gasverlust burch frisches Waffetftoffgas ergänzt. Gleich- zmtig würbe Wasserballast eingeiwmmen. Tie Abiperrung durch iGititär und Polizei war heute sehr stteng. Graf Z e P p e 11 n i r., da inzwischen gekommen war, nahm eine genaue Kontrolle vor. Sie ganzen Vorbereitungen vollzogen sich mit einer, bewunderns- leerten Ruhe. Kurz vor 9 Uhr kam,Oberbürgermeister Adickes

an gefahren. Dann en'chien Minister v. Moltke mir einer größeren Begleitung, später Prinz Lskar von Preutzen, Prinz Friedrich Karl mit seinen Srnci iLvhnen, der Korpskommandant v. Eichhorn unb der Oberpräsibent ber Rheinprovinz v. Schorlemer-Lieser. Prinz «zriebrich Karl und Prinz Oskar von Preußen bestiegen die Gonbel unb besichtigten alles genau. Währenddessen war Gr a f Zeppelin im Auto eingetroffen, von der zahlreichen Menge stürmisch begrüßt. Graf Zeppelin bonhe mit herzlichen Aorten lur die vorzügliche gastliche Aufnahme, Geheimrat Tr. Gans dankte dem Grasen für den Besuch und wünschte ihm eine glückliche Rheinfahrt unb hoffte auf frohes Wiebersehen in Frank furt mit Z. III. Tie Passagiere fliegen ein. In ber vorberen Gonbel nahmen außer bem Grafen Platz der kommandierende General v. Eichhorn, Graf Zeppelin ir., Hauptmann Georgs, Dbcnngenieur Dürr, bic Kapitäne Hacker und mau, Ingenieur Stahl. In der hinteren Gondel faßen nur vier Personen, die Monteure unb Direktor Eolsmann. Fünf Minuten nach 10 Uhr gab Graf Zeppelin das Zeichen, die Motore in Gang zu setzen. Sein Kommando: Alles fertig, Achtung, los! erschallte, unb 7 Minuten nach 10 Uhr erhob sich das Liiftschisf und flieg leicht und elegant in bic Luft empor, um den Kurs nach ber Stadt^zu nehmen. Es umflog zunächst nochmals ringsum die ganze Stadt, beschrieb einen großen Bogen um den Dom und wandte sich bann ber Außenstabt zu, um bic Richtung nach MainzWiesbaden einzuschlagen.

Tas Luftschiff ging bann, wie gestern schon mitgetcUt, über Mainz und Wiesbabcn, flog bann burch ben Rhe.ngau nach Koblenz, wo es um 1 Uhr ankam, unb machte von Dort einen Abstecher nach Ems, wo es kurz vor xl->2. Uhr ankam. Nach verschiebenen Hebungen kehrte es bann um 2 Uhr nach Koblenz zurück, von wo es die Wetterfahrt antrat.

Zn Köln

begann bereits in bett frühen Morgenstunben ber Auszug nach der Luftschiffhalle^ Tie Luftschiffhalle hat eine provisorische Telc- phonverbindung erhalten; sie wird von den Ortschaften, die Zeppelin passiert, ständig über die Fahrt auf dem Laufenden erhalten. In den Morgenstunden rückte Militär und Schutz- mannschaft aus, um bic strenge Absperrung ber Halle vorzu­nehmen. In einem Umkreis von 300 Meter ist sie von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags abgesperrt. Nur Personen, bic einen Passagiersckiein bes Gouverneurs ausweisen konnten, bürsten bie Absperrungskette passieren.

Zeppelin im Gewitter.

Wie wir noch gestern abend durch Aushang an unserer Ge­schäftsstelle meldeten, kam bas Luftschiff bei R c m a g c n in ein heftiges Gewitter und in einen Sturm, ber mit 18 Meter in der Sekunde wehte und das Luftschiff znrücktrieb. Schon bei Koblenz war der Lenkballon einer starken Gewitterbildung ausgewichen und bei Neuwied manövrierte er längere Zeit, um gegen den immer heftiger blasenden Wind zu fahren. Gegen p1/2 Uhr wurde es bann von Bonn aus gesichtet, entschwand jedoch bald wieder ben Blicken. Ilm bas Luftschiff nicht unnötig ben Gefahren eines Gewittersturmes auszusetzen, entschloß man sich, nach Frankfurt zurückzukehren, wo es denn auch 10 Minuten vor 9 Uhr vor Anker ging. Von dem ursprünglichen Plan, K ö l n unter allen Umständen zu erreichen, nahm man erst Abstand, als sich das Abslaucn des Sturmes verzögerte und Köln nicht vor Mitternacht zu erreichen gewesen wäre.

Die Rückfahrt erfolgte sehr rasch, in drei knappen Stunden. Folgende Drahtnachrichten sind uns darüber zugegangen:

Koblenz, 2. Aug. Um 6 Uhr 50 Min. fuhr das Luft­schiff in sehr schneller Fahrt über Niederlahiistein und nahm die Richtung in den Taunus.

Rüdesheim, 2. Aug. Das Lustschiss hat soeben 7 Uhr 15 Min. in rascher Fahrt bic Stabt überflogen.

Ober-Jngelhcim, 2. Aug.Z. II" hat auf der Rück­fahrt nach Frankfurt a. M. um 7 Uhr 45 Min. bie Stadt passiert.

Wiesbaden, 2. Ang.Z. II" überflog um 8 Uhr die Stadl.

Mainz, 2. Aug.Z. II" geht um 8 Uhr in sehr schneller Fahrt über bic Stadt.

Frankfurt a. M., 2. Aug. Wie bic kgl. Wasserbau inspektion nmtcilt, überflogZ. II" um 8 Uhr 10 Min. bei Mainz bic Kosthcimcr Schleuse.

Frankfurt a. M, 2. Aug. Um 8 Uhr 45 Min. ver­kündeten Böllerschüsse das Hcrannahcli des LuftschiffesZ. II".

Tie zweite Landung in Frankfurt.

Als gegen 7 Uhr bekannt wurde, baßZ. II" bic Rückfahrt nach Frankfurt angetreten habe, strömte sofort eine zahlreiche Menschenmenge nach dem Ausstellungsgcländc. Das Betreten bes Flugplatzes erwies sich jedoch als unmöglich, da er polizeilich abgesperrt wurde. Zum Landen luaren Mannschaften des 81. In­fanterieregiments seit 3/<7 Uhr berettgehalten worben.

Das Flnggclänbe war durch ben heftigen Gewitterregen in einen Sumpf verwandelt. Trotzdem hatte Aiajor v. Tschudi alles klar zum Gefecht gemacht. Bevor bic alarmierte Garnison herbeikam, bereitete er an der Spitze ber ^Kapelle ber 81 er zum Empfang vor. Kaum waren bic Vorbereitungen beenbet, als bas Luftschiff in ruhigem Fluge erschien. Das Ankertau fiel, unb in wenigen Minuten war das Schiff stnrmsichcr vor Anker gelegt. Als bie Menge des Grafen aufichtig wurde, erklang bas NationalliedD c u t j ch l a n d , Deutschland über alles" und bic Begeisterung und bie Huldigungen für den Grafen waren unbeschreiblich. Tas Automobil des Grafen blieb int Morast stecken und konnte nur burch die Hilfe des Publikums, das kräftig anfaßte, fortgeschoben werden.

Der Graf schwenkte fortwährend grüßend bic weiße Mütze. Unter Begleitung eines Beritts Artillerie fuhr das Auto durch bic dichtgedrängte Menge nach dem Karlton-Hotel. Tort sammelte sich rasch eine ungeheure Menge an, bic fortwährend Hochs aus Zeppelin ausbrachte.

Ein Propeller abgesprungen.

Frankfurt a. M., 3. Aug. 10 Uhr 25 Min. norm. Z. II" ist um 10.02 Uhr roicbcr ausgestiegen, ist aber bereits um 10.13 Uhr wieder gelandet, ba ber Motor in ber vorberen Gonbel nicht regelrecht arbeitet.

Aus bem gestrigen Festbankett zu Ehren des Grasen Zeppelin stellte sich auch ein Spczialvcrtretcr der Vereinigten S t a a t c n v o n No r b a m c r i f a , ber Aeronautiker Mr. George O a k l e h T o t c e b i u n., ber zum Stubinm ber Ausstellung hier weilt, vor. Er teilte bem Grasen Zeppelin mit, baß er zum Ehrenmitglieb des Aeroklubs ber Vereinigten Staaten ernannt sei.

lieber bie Beschädigung des Luftschiffes erhalten wir folgendes Privattelegramm:

-*. Frcknkfurt a. M., 3. Aug. 11 Uhr '40 Min. Der Z. II" wurde um 4 11 br heute früh einer Nachf ullung unterzogen und sollte zwischen 8 unb 9 Uhr aufsteigen. Tie ?kr- beiten verzögerten sich aber bis 10 Uhr, ba man noch auf einige Maschinenteile, bic in ber Stabt abgefeilt werben, warten mußte. Kurz nach 10 Uhr erhob sich bas Luftschiff, das von bem Grafen selbst gesteuert würbe unb nur von seinem Neffen unb dem Personal besetzt war, in elegantem Bogen, lieber dem Fabrikgelände am Röderwald sah man von der hinteren Gondel einen größeren Gegenstand herab stürzen, dem bald ein noch größerer folgte. Ter Zusckxmer bemächtigte sich eine große Unruhe, ba man einen schweren Unfall befürchtete. Der rechte Hintere Propeller war abgeflogen. Tas Luftschiff mußte des­halb nach 10 Minuten landen unb kam in großem Bogen zur Erde, wo es schnell verankert wurde. Der inzwischen herbei gcsck-asfte Propeller ist an der Achse durchgebrochen unb Kart verbogen Ter Schaden an d e m Luftschiff selbst ist nickt bedeutend, obwohl es an dem Propeller- ansatz ebenfalls verbogen unb be schädigt ist. Von einer ernsteren Beschädigung kann nicht bic Rebe sein, boch wirb bas Luftschiff kaum vor morgen auf ft eigen können.

Ter Graf verließ bald nach ber Landung bas Luftschiff und begab sich in die Stadt.

Die R e f c r d e t c i l c werben jedenfalls von Friedrichshafen herbeigefchafft werden.

Arbeiterbewegung.

Stockholm, 2. Aug. Tic von der 'Jlrbeitgebcmcreinigiöto ins Werk gesetzte Aussperrung, bic bisher 50 000 Mann umfaßte, wurde gestern auch auf etwa 80 000 Eisen Hüttenarbeiter ausgedehnt. Dreißig Fachverciue hatten vorgestern die Nieber- Icgung der Arbeit beschlossen Zur Leitung des Streiks wurde ein Komitee von 25 Mitgliedern ernannt. Das Landes^ fefretariat richtete an die nicht organisierten Arbeiter bi: Auf- forberung zum Anschluß mit ber Erklärung, daß ein jeder, ber bis zum 15. August sich in bic Organisation äufnehmen läßt, alle moralischen und ökonomisck-en Untersttitzungeii erhalten soll, bic bie alten Mitglieber zu beanspruchen haben und bie den Folgen vorbeugen sollen, bic diese große Kraftprobe mit sich führen dürfte.;

Kleine Tageschronik.

Aus der Vogelwiese in Dresden brach gegen 6 Uhr, abends ein Grotzkeuer aus, das mit raiender Schnelligkeit um sich griff und in kurzer Zeit 60 Zelle, 16 Karusselle u. a. m. em- äscherte. Der gesamten Feuerwehr Dresdens gelang es gegen 7 Uhr, den Brand einzudäninien. Ob Rienschenlcben zu beklagen sind, ist noch nicht feftgefteQt.

Zum Rektor der Universität Berlin für das Jubiläumsjahr 1909 10 wurde ber Literarhistoriker Professor Dr. Erich Schmibt gewählt.

Einwohner von Rinteln entbecEten am Messelberge eine Tropfsteinhöhle.

Unter ben Schwestern desPrcsideneh Hospitals" in Kal­kutta ist die Cholera ausgebrochen. Sechs europäische Schwe­stern und vier europäische Patienten sind der Krankhett erlegen.

'Märkte?^

Gießen , 3. Aug. D!arkt bericht. Auf heutigem Wochen- markte kostete: Butter pr. Psd. 1.151.20 Alk., Hühnereier 1 St. 89 Psg., Eittcneier 1 Sl. 8 Pfg., Släfe pr. St. 68 Pf., Erbsen p. Psd. 0000 Pfg., Linsen p. Psd. 0000 Pfg., Tauben vr. Pr. 0,801,00 Alk., Hühner pr. St. 1,001,60 Alk., Höhne pr. Stuck 0,801,80Alk., Gänse vr. Psd. 6070 Ps., Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Alk., Lchsenfleisch vr. Psd. 7084 Psg., jvuh- uud 9iiubsleisch pr. Psund 7080 Psg., Schweinefleisch vr. Pfund 7090 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 94 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 7074 Psg., Hammelfleisch pr. Psd. 6084 Psg. Kartoffeln vr. 100 Kg. 7.008.00 Alk., Zwiebeln per Psd. 0,150,00 Alk., Alilch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 0000 Pig., per Zentner Alk. 0.000.00., Aepsel per Ztr. 000 Alk., Birnen per Ztr. 0000 Alk. Russe 100 Stück 0000 Psg., per Ztr. 0-00 Alk., Kirschen per Psd. 2500 Psg. Alarktzett' von 71 Uhr.

fc. Franksurt a. M., 3. Aug. Heu- und Strohmarkt. Angesahren waren 14 Wagen Heu (neues) und 1 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Alk. 4.505.00, Stroh Alk. 2.700.00. Alles je 50 Kg. Die Zusuhr kam aus Lberhessen uud den Kreisen Die­burg und Gelnyausen. Geschäft gut.

Kartofsel markt-Bericht vom 2. Aug. 1909. Dortmund: Weiße runde, Kaiserkrone Mk. 2.50, Gelbfl. ovale 3.25, Holländer Aläuse 3.40, Nieren, Paulsens Juli 3.00. Kempen a. R h.: Neue Kartoffeln 3.00. Krefeld: stlieren, Paulsens Juli 2.80, irühgelbe 3.00. Willich: Nieren, Paulsens Juli 2.8CL Köln: Neue Kaiserkrone 2.50, Rosen (frühe) 2.30, Nieren 2.75/ Hollander Aläuse 2.90. Saarlouis: Rosen (frühe) 3.00. Mannheiin: Frühgelbe 4.10, frühe weiße, Kaiserkrone Mk. 3.10. (Alles per 50 Kgr.).

Gießener Wetterdienst.

Uorauöstchtliche Wttteruug für Hessen am Mittwoch bent 4. August: Aufheiternd. Trocken. Kühl. Nördliche Winde.

Orrginal-Drahtmel-ungen.

Berlin, 3. Ang. Wie bie National-Zeittmg erfährt, findet, bic Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren auf dessen Rückfahrt nach Rußland statt.

Hannover, 3. Aug. Wolkenbruch artige Regen­güsse und Gewitter sind gestern über den südlichen Teilen der Provinz Hannover niebergegangen unb haben an Garten unb Felbern furchtbare Verwüstungen angerichtet. Die Flüsse sind über bie Ufer getreten. Auch aus bem Werra- und Fulda-Tal werden große Ueberschwemntungen gemeldet.

Görlitz, 3. Aug. Eine große Feuersbrunst zerstörte einen Teil des Bergwerks Glückauf in Lichtenau. Der Schaden wird auf 200 bis 300000 Mk. geschätzt.

Wien, 3. .Aug. Wie bas Frcntdenblatt meldet, wird bie Vorstellung des Reichskanzlers B e t h m an n -H 011 w e g bei Kaiser Franz Josef in Wien in den letzten Tagen des September erfolgen.

Paris, 3. Aug. DerMatin" meldet aus Oran In Port Say wirb seit gestern früh aus der Gegend von Melilla h eftiges Geschützfeuer vernommen. Die Eingeborenen bekunden ein lebhaftes Interesse für den Gang der Ereignisse. Sie erklären, daß die Riffbewohner entschlossen sind, den Kampf mit äußerster Energie fortzu­setzen und in Melilla einzudringen.

P a r i s, 3. Aug. Durch die Maßnahmen der spanischen Regierung ist der G e n e r a l a u s st a n d, der gestern in Spanien beginnen sollte, gescheitert. In Madrid be­schränkt er sich auf die Arbeitsniederlegung einer Anzahl: Maurer. In Barcelona und Coruna, wo man besondere- Befürchtungen hegte, wird in allen Fabriken und Grubew gearbeitet. In Barcelona wurde die Arbeit überall wieder^ ausgenommen. Tie telegraphischen Verbindungen sind wie­der hergestellt und man hofft, im Laufe des heutigen Tages' auch den Eisenbahnverkehr auftiehmen zu können. Derr: Minister des Innern erklärte, die Zensur mit weniger' Schärfe als bisher handhaben zu wollen.

Paris, 3. Aug. TerMatin" veröffentlicht einem längeren Artikelüber den Bau des Pan arna-Kanals, worin behauptet wird, daß hervorragende Techniker er­klärten, die von der amerikanischen Regierung vorgesehenen Summen von 2 235 000 000 würden nicht genügen, um die Arbeit nach den Plänen der Regierung zu beenden.

Gibt es für Kinder im Wachstum und auch für Erwachsene wohl etwas Besseres als

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