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Nr.S17
Zweites Blatt
Dormerstag lir. September 1909
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Gmera!-Anzeiger für Oberheffen
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1. £ti. bis 1. April erfolge 50 Mk., wenn es vom 1.
April bis
als verbesserungs-
Modeaufwand
dritten Kunstfächer
Hoftheater, die
an die weiblichen
3.
sich die
In d?r er,
Kostümen schassen, der reichhaltig genug ist, um das laufende Repertoire szenisch in einer dem Kunstwerke entsprechenden Ausstattung darbieten zu föraien;
sie must b:e Lieferung des elektrischen Lichtes, die Heizung, das Wasser, die seuerpolizeiliche Beaufsichtigung, sowie die Reinigung des Hauses usw. aus eigener Tasche bezahlen.
159. Jahrgang
Beziehung auf Abwege zu geraten, um seinen bestreiten zu tonnen.
Woher also soll er das Geld nehmen? Tie einen reichlichen fürstlichen Zuschuß genießen, oie
verlangen und beanspruchen, die Ausgaben und Einnahmen des Tirektors zu kontrollieren: oder sic nimmt das Theater in eigene Regie und stellt den Tirektor als ihren Beamten an; sie spricht dem Bühnenleiter ein bestimmtes Gehalt zu, mit dem er seiner Stellung gemäß zu leben vermag, und gewährt ihm von dem erwa erzielten Uebcrschust eine entsprechende Tantieme.
Außerdem aber sollte der Magistrat jeder Provinzstadt dem erwählten Bühnenleiter die Beiugnis einräumen, allwöchentlich ein bid_ zwei Vorstellungen mit einem Personal in kleineren
Nachbarstäbten veranstalten zu dürfen. Ter Direktor darf dabei aus das Beispiel der größten Stadttheater berufen, m solchen „Filialen" stattliche Nebeneinnahmen erzielten.
•
— Von Peary. Aus Newyork wird gemeldet: einem weiteren Interview, das Peary einem Vertreter
Rotationsdruck und Verlag der Arühlfchen UnwersuätS - Blich- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.
Es sind hauptsächlich drei Punkte, die ückmrstig angesehen werden:
1. die niedrigen Gagen der zweiten und bei den Provinz bühnen,
2. die Frage der freien Kostümlieferung
D«e »Siebener ZcnnilienblStter" werden dem .Anzeiger* oiennal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Zettfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktwn, Expedttion und Druckeret: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: esg® 51. Redaktion:e-^AI12. Tel.-AdruAnzeigerGieben.
Gewährt aber die Stadt einem Direktor die obige Vergünstigungen, dann kann sie auch ein künstlerisch geleitetes Theater
kommen bei diesen Punkten gar nicht in Betracht. EZ handelt sich hier um die Tirektoren kleinerer Provinz st ädtc, die nicht allein ohne Zuschuß von Hof oder Stadt ihre Bilanz ziehen müssen, sondern im Gegenteil noch bedeutende Abgaben zu leisten haben: die Pachtsummc für das Theater, Beleuchtung, Heizung, Dekorationen, Requisiten, Kostüme und städtische Abgaben für Feuer- und Unfallversicherung, Löschmannschaften usw.
Hier haben wir das Grundübel klar vor Augen.
Wenn eine Proviuzstadt ein würdiges Theater besitzen will, das den Namen eines Kunstinstitutes mit Recht verdient, dann muß sie mich Mittel und Wege schaffen, ben Tirektor so zu stellen, daß seine Einnahmen und Ausgaben sich zunr mindesten decken.
"2er Magistrat einer solchen Stadt muß mit dem Direktor kein Geschäft machen wollen, aus bem ber Säckel bei Stadt Nutzen zieht. Tic Stadtgemeindcn sind doch in der Lage, ihren Erziehungsinstituten bedcuiendc Vergünstigungen zu gewähren, dort geben sic. Warum wollen sie gerade vom Theater nehmen? Ist das ivürdig geleitete Theater nid)t auch ein Erziehungsfaktor von hoher Bedeutung ?
Eine Proviuzstadt also, die Anspruch auf ein Theater erhebt, dcsicn Leistungen zur Erzichung des Volkes, zur Hebung und Freude des Publikums dienen soll, muß sich zu folgenden Opfern entschließen:
1. Sie muß dem Theaterbirektor die Pachtsumme vollständig erlassen:
2. sie muß ihm einen Fundus an Dekorationen, Requisiten und
Cheaterrcssrm und Theatergesetz.
Tie Mißstände im Theater betrieb sind bekanntlich bereits -im Reichstage erörtert worden, und ein Theatergesetz hat man sich als Abhilfe gedacht. Es ist nun interessant, einen Fachmann von ber Bedeutung Ernst von Possarts dazu zum Worte kommen zu lassen. Wir finden in ber „Münch. Allg. Ztg." von ihm einen Aufsatz, in' dem er gegen zu weit gehenbe Forderungen, die in demselben Blatt von anderer Seite erhoben worben waren, Vwtesticrl. Ernst v. Possart schreibt u. a.:
satchncn uoerlassen. Ter monatliche Mindestbeitrag muß jedoch für männliche Mitglieder 30 Pig. und für weibliche Mitglieder 20 Pfg. betragen. Ten weiblichen Mitgliedern ist die „0'1 eichbeit" unentgeltlich zu liefern. Mindestens 20 Prozent erhobene Mi:glicberbeiträge sind an die ZcMralkasse abzuführen. Ter'Lar- tci-Vorstand ist berechtigt, einzelnen Wahlkreisen im Bedarfsfälle einen über 80 Prozent ihrer Einnahmen hinausgehenden Bettag zur Cigenvcrwendung zu überlassen." Hierzu liegt eine große Reihe von Abänderungsanttägen vor. Eine Reihe von 'Intraget bcsäläftiLcn sich noch mit dem Zcitpmikt des Inkrafttretens des neu.nt Statuts. Man will dieses erst mit dem 1. Juli 1910 rechtsgültig werden lassen, namentlich wenn ber Mindestbeitrag aus 30 Psg. monatlich festgesetzt werden sollte.
Ein recht knistUches Thema hat der Bezirkstag der Provinz Posen angeschnitten, indem er vom Parteitage die Ausnahme klarer Bestimmungen in das CrganiiationSftatut verlangt über 1) Art und Umfang der Zulässigkeit der
polnischen sozialistischen Partei,
2> deren rechtliche Stellung zur ©efamtpartei, 3) Pflichten des Zummmenarbeitens der einzelnen Organisationen dieser Partei mit der Wahlkreisorganisation. Das Referat übet den Entwurf der Kommission hat Evers (Berlin) übernommen, der in dreistündigen Anssühmngen unter zunehmender Unausmerksamkeit der Genoßen die einzelnen Bestimmiingen des Entwurses durchgeht Während der Ausführungeii des Referenten Evers läuft von liatzenstem (Berlin) eine Resolution gegen die angeblichen Grausamkeiten der s v a n l s ch e n Regierung ein. In der Debatte erbittet Frau Ottilie Bader, die Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands, die Zustimmung des Parteitages zu den Anträgen, die auf eine erweiterte Beteiligung der Genossinnen im Vorstände der Organisationen und der Partei hinaiislauien. Die Rednerin wendet sich scharf gegen die Anträge, die von einer solchen Beteiligung der Genossinnen nur wenig ivlssen wollen. — Die weiteren Vcrhand- hmgen wurden auf morgen vertagt.
1. Oktober erfolge 100 Mk. zu gewähren feien. Bezüglich der Entschädigung für die Obstbäume wurde das Ta^atum der Lotaltommission anerkannt.
In der Sacye: Bürgermeisterwahl zu Nieder^Mockstadt war der gegen das Urteil des .üreisausschusses des Kreises Büdingen verfolgte Rekurs zurüägenommen worden
10 ein rief) Kaiser von Orleshausen mußte zu Büdingen unterstützt werden. Als der O r t s a r in c n o e r b a it b ® ü «• dingen von Orleshausen Rückersatz der Kosten begehrte, verlangte Lrteshausen die Ueberlassung des Kaiser in die Pflege von Orleshausen. Kaiser weigerte sich aber, seinen Wohnsitz in Büdingen aufzugeben. Ter Cit armen* verband Büdingen klagte Deshalb oci dem Provinzial-Aus- schuß, damit dieser die Zulässigkeit der Ueberweisung Kaisers an Orleshausen ausspreche. Zn der heurigen Verhandlung ergab sich die 9tDtwendigkeir, zunächst die Aufenthalisverhäit- niste des Kaiser einwandfrei festzustellen, weshalb die Beschlußfassung ausgesetzt wurde.
... ... . „ , . ........ . großen Stabt-
t; cater, die hohe Subventionen von ber Stadtgemeinde dezieltzN,
Es kann schließlich fordern, baß angebenbe Bühncnmitgli^ber einen Befähigungsnachweis von einer Theater- oder Gesangsschulc ober von renommierten Lehrern und Lehrerinnen aufweisen müssen. Weitere Vorfchriften aber kann ein Thcaiergesetz für bie Regelung des Bühnenbetriebes nicht erteilen und was das wichtigste ist — bie oben genannten Gelbfragen vermag es nicht zu lösen.
Unb zu wessen Gunsten ist bieses notwendige (Mb über hau vt zu beschaffen? Immer doch nur für den Theaterleiter, ber ba- ourch in den Stand gefetzt )Derben soll, bie Gagen zu erhöhen unb dem weiblidieu Personal bie Last ber eigenen Ibastümbesorgung abzunclnnen, bamit basselbe nicht gezwungen sei, in moralischer
Associated Preß in Battle Harbour gewährte, erklärte er habe das Sternenbanner, das Banner der Flottenliga und das Friedensbanner auf Zeltstangen am Pol gehißt, photographische Aufnahmen gemacht und Dokumente in einer
Provinzial-Ausschutz der Provinz Oberhessen. L. Gießen, 15. Sept.
Für das zur Erweiterung des Bahnhofs Reichelsheim i. d. W. erforderliche Gelände der Mol- kcreigcnofsenschaft daselbst hatte die Lokalkommission eine Entschädigung von 3,50 Mk. für den qm, sowie eine Minderwertsentschädigung von 1,20 Mk. für den qm für Teforination des Grundstücks für ausreichend erachtet. Außerdem waren zwei durch die Enteignung in Wegfall kommende Obstbäume mit 180 Mk. tariert und für das Versetzen einer Hecke 50 Mk. zugebilligt worden. Tie Molkereigenossenschaft beanspruchte sedoch eine höhere Entschädigung. Nach eingehender Verhandlung entschied der Provinzial-Ausschuß, daß für beii Quadratmeter abbetenden, Geländes 4,50 Mk., für Minderwert im ganzen öOJ Mk. und für das Versetzen der Hecke, wenn es in der Zeit vom
Mitglieder und .
3. bie Agcrttenfragc. 'Auf bie letztere werbe uh weiter unten befonbers zurücllommcn.)
Somit also, was die erste Forderung betrifft, eine Geldfrage, unb was bic unentgeltliche Siefenmg bet Äoltümc Tur das weibliche PKrsoital betrifft, wiederum eine Geldttage. Unb diese Geldfragen sollen nun beantiwrtct und geregelt werben durch ein Theatergcsetz. ... . _
Man kann ohne weiteres bic Mauptung wtbcrlcgen, da8 ein noch so geschickt ausgearbeitetes ä-heaterAttetz imstanbe fein wirb, dem Leiter einer Provinzkühne bic zur Hebung biejer Uebcl- stänbe nötigen Gelber zu befd>affcrt. o
Was kann ent Theatergesetz für bie Reform bei Buhne tun . Es kann bic Kvnzesswnserteilung von gewtflen pekuniären Leistungen unb von Besühiguugs11achivetsen ber Mteftrondoeroerber abhängig machen. Es kann verlangen, daß bicie Konzcnwn nur an geiblräftigo Leute erteilt werde unb so hock) fein mune, baß sie Mindestens bic Deckung des Gefanrt-Gage-Etats jur zwei volle Monate unrfasse. Es kamt ferner verlangen, bak die Konzcifwn raten Leuten verweigert werbe, bie den '3ilbiutgyrab nir me tzühtung eines Kunstinstitutes nicht befitzen, daß bie Gcioetbc- orbrunig dahin abgeänbert werbe, baß^ nicht jeber Restaurateur ober Gasthofbefitzer berechtigt ist, ein ^.Heater zu leiten, wnbern daß Leute unseres Staubes, Leute, bic lozuiagen aus bem^, 6ttau2gciDfid)|‘cu sind, ober literarisch bcroanbenc „canner bei der Bciverbuug bevorzugt werben. . ,, .
Das Thcatergesctz kann bic Spieldauer in, feineren Provinz- stabten, bic :ctzt in ber Regel von Mitte September bis zum Dümsonutag bes folgenden Jahres bauert, auf neben Abowate stcherstellen. In folchcr Maßregel liegt natur lief) fcui ©eimnn für bic Proviilztheaterbitekwtcu, bie gewöhnlich bis zum J). -iar> Stic Geschäfte machen, nach bieser Zeit leboch meistens G-10 yifeBen; aber sic gewährt einen großen Vorteil rur bie ^Mau- foreler, bie nun auch bei bem kleinsten Provitiztheater wenigstens auf einen sicheren iiebenmonatigen Verbienst rechnen aut'cn^
Das Thcatergesctz kann ferner verordnen, baR Die ^taot kMnembe bem T.rcLtor Die Verpflichtuiig mtterlegcn wttc, p.n ^tmal Dorgeroiefenen Gageetat iur bie ganze Tauer ber <rpietzeii unverkürzt einzuhalten.
Zozialdemorratischer Parteitag.
■4 Leipzig, 15. Sept.
Die heutige britte gefchäitliche Sitzung brachte zunächst einen Antrag von Geier (Leipzig), aus die Tagesordnung bes iiächsten Partenages bie S t e u e r v o l i t i k der Sozialbernokratie zu setzen. — Einladungen für Den nächsten Parteitag liegen vor von Berlin unb Magdeburg. Wahrscheinlich wirb Berlin gcmälilt werben, weil die Reichshaiiptstabt ebenso wie Leipzig bisher noch keinen Parteitag der Gesaintpartei in ihren Alauein beherbergt hat. — In der sorlgefctzlen Debatte über den varlainenlaiifchen Bericht spricht zunächst Fischer (Berlin), der Direktor des ,Vorwärts'-Ver- lages: Was die Partei, die Presie, die Fraktion und der Vorstand tun konnten m der 'Agitation gegen die 400 Millionen indirekter Steuern, das ist getan worden Es wäre ein Verbrechen, wenn der Parteitag sich nicht gegen all diesen Doktrinarismus und Fanatismus wcljten wollte (großer Beifall bei den Revisionisten). Ist es beim ein Paiteiverrat, wenn die Fraktion mit ihrer endgültigen Stellungnahme zur Erbfchastssteuer wartet, bis die politische Situation geklärt ist. (Der Vorsitzende gibt mit der Glocke ein Zeichen, daß die 10 Minuten Redezeit bald verstrichen seien).
Ter Vorsitzende Lipinski macht sobann Mitteilung über Teüresultate ber
Wahl in Koblenz.
Die Mitteilung, baß bas Zentrum bort über 6000 Stimmen verloren habe, löst ftürmi]d)en Beifall aus. (Zurufe: bic Erbschaftssteuer.)
Hoch (Hanau): Gerabc bie Wähler folge zeigen, baß wir tn ber brüten Lesung nicht für bie Erbschaftssteuer stimmen durften. (Lachen unb Zurufe: Sie wollen biese Erfolge toicber zerstören Es ist boch
eine Unverschämtheit,
)ntr hier zuzurufen, baß wir biese Ersolgc toicber zerstören wollten. Wenn heute bic Lage so günstig für uns ist, so beruht bas auf ber Empörung ber Arbeiter herüber, baß ihnen so viele inbirefte Steuern aufctlegt würben. — Bohle (Straßburg): Tie Debatte bestärkt mich in ber Meinung, baß mit allen Mitteln barauf lingcarbeitet worben ist, bic ganze Frage vor bas Forum bcs Varteitages zu bringen. (Zustimmung bei ben Revisionisten.) Man wollte bic Fraktion schon in ber ersten Lesung festlegen, tatb hat eine Uebcrrunibelimg ber Fraktion versucht. Der Rcbner wendet sich gegen bic Ausführungen von Hoch unb Singer, ber gestern als Vorsitzenber ber Fraktion unb ber Partei keinen Anstanb Kitmnmen habe, zu erklären, baß man in zwcirer unb britter sung gegen bic Erbschaftssteuer gestimmt hätte. Das könnte ben Anschein erwecken, als ob eine große Anzahl Genossen auch außerhalb bet Fraktion gegen bic Erbschaftssteuer sei. Dem- cegenübcr kann ich hur konstatieren, unb zwar im Einver- ft ä n b n i 5 mit Bebel, baß wir in der dritten Lesung für sie ccftimmt hätten. Beifall unb Unruhe.) — Kants ky (Berlin): Wir unterstützen ben Antrag Geier, bic ganze Frage auf bie Tagesordnung des nächsten Parteitages zu fetzen. — 'Ter Vorsitzende Lipinski teilt darauf mit, daß ein Schlußantrag eingegangen sei. (Aha - Rufe bei ben Revisionisten.) — Rechtsanwalt F rank steigt auf bic Tribüne unb hält bem Vorsitzenden eine Resolution vor, für bie er während der Rebe Käutsktzs Unterschriften im Saale gesammelt hat. Der Schlußanttag wirb rasch angenommen. Zur Oseschäftsorbnung erklärt Singer, baß bie Resolution Frank unb Genossen nicht rechtzeitig eingebracht sei, ba bei ihrer Einbringung bereits bie Abstimmung über ben SchLußantrag im Gange war. (Widerspruch bei ben Revisionisten.)
Bebel (zur Geschäftsordnung):
Die Resolution ist eine llebcrrumpelung des Parteitages. (Großer Lärm und Unruhe.) Es kann unmöglich darüber abgestimmt werden. Frank (Maimheini): Ich möchte mich verwahren gegen ben Verbäckst, als ob wir eine Uebcrrumpelung bes Parteitages geplant hätten. Sie kursierte hier schon eine Stuube lang, uni Unterschriften zu gewinnen unb cS war nicht vorauszusehen, baß nach KautSkv ber Schluß ber Debatte eintreten sollte. (Zurus aonibcu Revisionisten: Doch, das war schon, vvrauszusehen; große Heiter keil, sobald der Schlußantrag einlief, habe ich die Ress ftttiou auch auf Die Tribüne gebracht. Im >L^hlußmott spricht Ledebour zu ben einzelnen Anträgen. (Er wirb,fast bei jedem Satz unterbrochen.) Man würde sich selbst ins Gesicht geschlagen
wasserdichten Büchse hinterlassen.
— Was aus einem kindlichen Genie wirb. Octave Mirbeau spricht in seiner aufsehenerregenden Vorrede zum Katalog bes diesjährigen Herbstsalons auch von dem Problem der Kinderzeichnungen, dem man bei uns jetzt ebenfalls so große Aufmerksamkeit zuwendet. Dabei erzählt er eine Geschichte, die beweist, daß das kindliche Genie eine zarte Pflanze ist, die bei schlechter Pflege und ungeeigneter Behandlung leicht verkümmert. „Ich habe zwei Kinder gekannt", so schreibt er, „eins von sieben und ein anderes von neun Jahren, die ohne von jemanden ermutigt zu sein, nur von einem ihnen innewohnenden Jn- sttntt angetrieben, zeichneten. Sie zeichneten auch ans der Erinnerung, aber niemals nach der Natur, was sie täglich um sich sahen, mit Vorliebe Tiere, Katzen, Hunde, Pferde, Küße, Vögel, seltener menschliche Figuren.' Diese Zeichnungen waren etwas ganz Außerordentliches; sie zeigten eine Leichtigkeit und Feinheit, eine Stärke der Beobachtung und der Bewegung, eine Kunst der Vereinfachung und Stilisierung, die an die überraschenden Zeichnungen javanischer Meister erinnerten, von denen diese .Kinder natür- lico nichts wußten. Ich war ganz erstaunt. Das eine Kind, das seine Eltern für ein Wunder hielten, sollte nun ausgebildet und ein großer Künstler werden. Man schickte cs zu berühmten Lehrern, wo es nach Gipsmodellen zeichnen mußte und nachher nach dem lebendigen Modell. Ganz allmählich ließen die Fähigkeiten des Kindes nach nnü r.aa) ;wei Jahren zeichnete der llnglückliche matte und akademisch steife Aitsrudten wie jedermann. Die Eltern waren taturrglücklich.....Im vorigen Jahre hat er sich um den
Rompreis beworben.
haben, wenn man in dieser S:tmr.;nn irt der Zeit des persönlichen Regiments dem Schaulelpolitiker Bülow c;n?n Groschen bewilligt l/ittc. Tivid: Purer Un finit! Der Zuruf Davids ist charakteriNifch für ihn. Er hat bei ber Debatte über bas persönliche Regiment in aller Schärfe selbst erklärt, daß Bülow keinen Augenblick weiter auf feinem Posten bleiben dürfe. (Erneutt große Unruhe. David nrcldet sich 3um Wort.- Wenn wirklich: der Kernpunkt ber Frage bic Abstimmung war . . . 'Frank: Tas sagt ja niemand.) Tas geht aber aus Ihren Ausführungen hervor! Wir können nicht Misere Agitation nach einem ganz unaufgeklärten Teukvermogen einrid/ten. (Lebhafter Beifall bei ben Rabi- Ealcn.) Es folgen persönliche Bemerkungen. Lipins ki bittet als Vorsitzender, bie Debatte nicht auf
ein f0 nichtiges Niveau
Al bringen. (Zuruf: Tas ist doch unerhört front Vor sitzenden!) Es sprechen weiter eine ganze Rcihc von Genossen in Rebe unb Gegenrede.
August Bcbel:
Infolge meiner schwachen Gesundheit war ich gezwungen, bcrcits zu Pfingsten Berlin zu verlassen, ick) liabq also b-?n Verhandlmigeil nach Pfingsten nicht beiwohnen komicu und habe mich auch brieflich nicht^hmcingcmischt. Nach Schluß beS Reichstages erhielt id> ton Singer einen orientierenben Brief. Ich schrieb ihm, bie Sache fei ja crlebigt, aber ich würbe cs für unrichtig gehalten Haben, wenn wir gegen biese Vorlage in britter Lesung gestimmt Hätten. (Beifall.)
Tarauf wirb über bie Anträge abgeftimmt. Tcr Antrag bcs 5. sächsisd)cn Kreises auf gleichmäßige Einteilung bei RcichstagswaHlkrcise wirb angenommen, begleichen ein Antrag des 4. sächsischen Kreises auf Herabsetzung ber fünfjährigen Legis- laturpeiiobe auf bie uifprünglid) breijahrige. Die Resolution Essener, in her bic Ablehnmig bei Erbschaftsst'mer mißbilligt wirb, wirb mit großer Mehrheit abgelehnt. Angenommen werben ferner eine Resolution Berlin I., bic sich gegen ein Zusammengehen mit bem Liberalismus richtet. Tcr Vorsitzenbe Singer teilt barauf mit, baß von einer Reihe Genossen b;c Angelegenheit her württcmbergischen Hofgängcrei
im kameiabschaftlichcr Weise zu erlcbigen getrachtet werbe. (Lebhafter Beifall.' Von ben Teilnehmern an bem Ausfluge fei bic Erklärung cingcgangen, baß burch ihre Teilnahme an bem Ausflüge nicht bcadsichttgt gewesen sei, an einer monarchischen Tc- monftratiou mitzuwirken. Wenn bas Gegenteil behauptet werbe, so beruhe bas auf unrichtigen Voraussetzungen ober mangelhasten Infornrationen. Wenn Sie gewußt hätten, baß ber Ausslug zu einer monarchischen Demonstration benutzt werben sollte, wären sie zurüdgebliebcn. — Id) möchte nun meine Meinung bahin aus sprechen unb hoffe der Zustimmung des Parteitages sicher zu sein, baß biese Erklärung aud) von ben übrigen Mitgliebem ber nriirttenv bergischen Fraktion geteilt wird. Singer schlägt vor, nach dieser erfreulichen Erklärung bie Angelegenheit für crlebigt zu erklären unb in ber Tagesorbnung fortzuiahren. Di. Liebknecht begründet bann folgenden Antrag von Potsbain-Dsthavellanb: „Ter Parteitag brandmarkt mit Absd-eu bie blutigen Greuel, unter benen bie Gegenrevolution in Rußland ihren weißen Schrecken verbreitet." In her Begründung führt Dr. Liebknecht aus, baß bas bcutsche Volk ben Boden, ben der Zar betteten habe, für bejubelt halte. Tcr Antrag rourbc auf Anttag Singers ohne Tebatte aitgenoinmcn.
Darauf trat bic Mittagspause ein.
In der Na chm i tftags s i tzun g herrscht eine allgemeine Abspannung unter ben Tetegscrten. Bebel ist nicht ersck/ie- nen. Ebenso fehlen aatbere heroorragenbe Führer. Zur Verhandlung gelangt der
neue Organisationsentwurf der Partei, ber diese schon mehrere Jahre beschäftig: uno be’fcit alte, auf bem Parteitage in Jena im Jahre 1905 beschlossene Fassung nunmehr einer neuen weichen soll. Zu ben einzelnen Paragraphen bes Entwurfes liegen eine g.mze Reihe von Abänberungsanirägen vor. Ter §4 bei? Entivurses bestimmt, baß Organisationen, benen weibliche Mitglieder angeboren, diesen eine Vertretung irt Vorstände gewähren m u s 1 c n. Einige Anträge wollen bie Bestimmung abschwächen. Die Mitglicberociträgc loerben in bem Kom missioiisciitwurse im § 5 wie folgt geregelt: „Tie Festsetzung ber Mitglieberbeiträge ist den Bezirksverbänden unb Lmlbesorgani-


