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16.6.1909 Erstes Blatt
 
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Konkurs - Ausverkauf

Slöbel - Lager Hermann Dominicus Gietzen, Kaplansgasse 18.

W* Ausverkauf zu sehr ermäßigten Preisen.

Beginn: Donnerstag den 18. Juni 1909, nachin. 3 Uhr. Aon da an wochentags täglich zwischen 3 und 7 Uhr des Nachmittags, Sonntags zw. 11 u. 3 Uhr mittags.

künftige Gelegenheit. 3441

Der Konkursverwalter: Rechtsanwalt Dr. Spohr.

Pros. Starck das Bad, dessen Einrichtungen von Geh. Baurat Eser, dem Vorsitzenden der Badedirektion, eingehend erklärt wurden. Die Gäste wurden von der Großh. Bade- und Kurdirektion bewirtet. Auf der Terrasse, wo das Musik- korpS des Infanterie-Regiments Nr. 168 (Offenbach) konzertierte, herrschte gestern trotz der schlechten Witterung ein verhältnismäßig belebtes Treiben.

Mainz, 15. Juni. Der Neubau des städtischen Krankenhauses wird in kurzer Zeit erneut die Stadt- verordneten-Versanimlung beschäftigen. Die Ausschüsse haben beschlossen, den erforderlichen Kredit von 4 Millionen Mark den Stadtverordneten zur Bewilligung zu empfehlen.

Bingen, 14. Juni. Mit der geplanten Einlage eines Nationalparkes beim Bismarck-Denkmal auf der Elisenhöhe beschäftigte sich heute die Stadtoerordneten-Ler- sammlung. Der Ausschuß für die Erbauung des Bismarck- Nationaldeiikmals auf der Elisenhöhe hat der Stadt Bingen den Vorschlag gemacht, sie solle von der rheinischen Landstraße aus ein Viereck in Größe von 216 Morgen ansscheiden und diese ganze, sich um den Denkmalsplatz gruppierende Fläche als Hochwald mit parkartigem Charakter anlegen. Der ganze Raum darf, so lange das Denkmal steht, nicht veräußert werden. Die Stadtverordneten genehmigten einstimmig den Plan mit der Einschränkung, daß von der rheinischen Landstraße ab 50 Meter landeinwärts nicht zum 'National- park gehören sollen, da sie als Bauland freizuhalten sind.

w. Wetzlar, 15. Juni Wetzlar bekommt nun ein neues Am 1 sgeri ch t sge bäude. Bereits im Jahre 1907 maren 44 470 Mk. für Erwerbung eines geeigneten Bau- Mhes eingestellt. Zu dem stattlichen Bau, der auf die .<>01)0 iPromenade) zu stehen kommt, sind fetzt die Arbeiten ausgeschrieben. Somit wäre auch über unser uraltes Kan- tongefangnis, das bisher als Gerichtsgefängnis diente, das Urteil gesprochen. Da das jetzige Amtsgerichtsgebäude gleich falte den Verhältnissen nicht mehr entspricht, sind für beide Anstalten an gemeinsamer Stätte Neubauten vor­gesehen.

(s.) Braunfels, 15. Juni. Trotz der ungünstigen Witterung war das nm Sonntag veranstaltete Sommerfest der christlich-sozialen Partei gut besucht. Reichstagsabg. Franz Behrens sprach über dos Thema:Das Christen­tum als Lebensmacht in der Monarchie". Außerdem lüradjen noch Redakteur Oe streicher und Herr Pfarrer Werner von der Paulskirche in Frankfurt.

)( Kirchhain, 15. Juni Auf dem heutigen Rind- vlehmarkt standen etwa 120 Kühe und Rinder zum ^crBauf. Es wurden hauptsächlich frischmelkende Kühe ver­langt und gut bezahlt. Auf dem Sch we inemarkt, der mit rund 500 Ferkeln und Läufem befahren war, wurden für 46 Wochen alte Ferkel 4560 Mk., für größere 70 bis 90 Mk. und für Läufer 100140 Mk. je Paar bezahlt.

)( Biedenkopf, 15. Juni. Die Hinterländer Herdbuch-Gesellschaft für das Vogelsberger Rind sandle heute 9 Stück Rindvieh nach Leipzig zur Ausstel­lung der deutschen Lmrdwirtschafts-Wesellschaft.

Schwurgericht.

Schluß der Verhandlung gegen den Lagerhalter Rudolph von Daubringen.)

th. Gie ßen, 16. Juni.!

Es wird in der Beweisaufnahme sortqefahren. Postsekretär i. P Al eper - Gießen hat in seiner Eigenschaft als Direktor iras Verbandes der Erwerbs- und WirtschaftSgenossenschaften für Cbcrbeh'cn mit dem Konsumverein Taubringen zu tun gehabt. Er hat alle zwei Jahre Revisionen vorgenommen, die dahin gingen, ob alle geschlichen Bedingungen erfüllt waren. Das Kalkulatorische lind das Rechnungswesen unterlag nicht feiner Prüfung. Bei lernen Revisionen im Jahre 1904 und 1906 hat der Zeuge wahr- benommen, daß die Kreditgewährung an die Mitglieder viel zu weitgehend war. Mitte des Jahres 1908 schrieb der Zeuge wiederholt an den Konsumverein Daubringen um Einreichung .'es Geschäftsberichts 1907. Nachdem er vier Mal moniert hat, chne überhaupt eine Antwort von Daubringen zu erhallen, stellte Reber auf die Tagesordnung des im Herbst stattfindenden Ver > »andstag den Antrag: Ausschluß des Konsumvereins Taubringen -ms dem Verband. Darauf kam der Rechner Gröls nach Gießen Jtö erklärte, der Vorstand habe keine der Aufforderungen er- alten. Ter Zeuge erklärte, er als aller Postbeanller habe dies i.bcn nicht geglaubt, es könne bei der Post wohl mal ein Schreiben verloren gehen, daß aber 4 Briefe und 2 Karten, an ein und die fselbe Adresse gerichtet, sämtlich nicht ankommen, Halle er für aus- «!> schlossen. Nach bem Brande ist der Zeuge nach Taubringen ge- lloinmen. Die Vorstandsmitglieder des Konsums, besonders der "Korsitzende, sprachen den Verdacht aus, Rudolph habe den Brand amgelegt, um Unregelmäßigkeiten zu verdecken. Er, der Zeuge, ioar der gleichen Ansicht, als er sah, das in den Verhältnissen des Wercins keine Ordnung war. Es fehlte an einem Verzeichnis, Ivie hoch die Mitglieder bei dem Verein verschuldet waren. Der Jcugc Metzer ist der Ansicht, daß der Direktor Wagenbach und der Ziechner Gröls brave zuverlässige Leute sind. Der Angeklagte bemerkt, er habe keine Aufforderung des Verbandsdirekwrs Metzer :.ur Einreichung eines Geschäftsberichts erhalten, es sei wohl möglich, daß Wagenbach sie erhalten, er wisse davon nichts.

Ter Verteidiger Rechtsanwalt Leun wünscht zu wissen, welche beweise der Zeuge Metzer dafür angeben könne, daß der Brand «in 21. Tez, der in T. vorgekoinmen, angelegt sei und womit er be­weisen wolle, daß Rudolph, wie er als Zeuge erklärt hat, der Brandstifter ist. Zeuge Meyer erklärtBeweise könne er nicht j afür beibringen, aber nach der ganzen Sachlage sei er überzeugt, ü!s sei so, wie er annehme. Schuhmachermcistcr Gröls, der Rechner ckes Konsumvereins, bekundet, daß brr Verein jährlich bei einem I Umsatz von ea 90 000 Mark, mit Ausnahme in 1908, jedes Jahr iiit seinem Bestehen 6 Prozent Dividende an die Mitglieder merteilt hat. Seine Tätigkeit als Rechner bestand barm, von .leit zu Zeit, so alle 14 Tage, zu Rudolph zu gehen und bie bei 3liefern vorhandene Kasse abzuholen, weiter bezahlte er die Lie wranten, nachdem der Direktor deren Rechnungen zur Auszahlung amaewiesen. Eine Kontrolle, ob die Beträge, die der Angeklagte oiblicfcrtc, stimmen, indem man etwa die verausgabten Konsum raunten zusammenrechnete, hat niemals stattgesiinden. Gröls cv- Bfärte, er ist nie auf den Gedanken gekommen, zu kon mollieren, ob der Lagerhalter auch alles Geld abliefere, was er einnehme. Es kam häufig vor, daß er kein Geld bekam, um die Lieferanten zu bezahlen, dann mußten diese warten, bis wieder Geld da war. Im Frühiahr 1908, als die Gläubiger auf

Zahlung drangen, beschloß bev Vorstand, 1000 Mk von einer Kaffe zu borgen, die int Herbst, wo man auf (Velder redntetr, zurückbezahlt werden sollten. Jtn s)!ovember 1908 wurde die Situation kritisch. Es wuchsen die Schulden des Konsumoeretns und die Einnahmen waren Tropfen aus den heißen Stern. Der Vorstand beschloß, ^as Weihnachtsgeschäft noch mitzunehmen imi> bmtn von einem Sachverständigen Inventur machen zu lassen, mau wollte klipp und klar sehen, wie das Geschäft steht, um eventuell dasselbe aufgeben zu können. Auf Befragen des Vor sitzenden erklärte bet Zeuge, daß er die Geschäftsbücher des Lager Halters, die Kasse usw. aus dem Laden, als es brannte, geborgen bat. Ein blaues Büchelchen, worin Rudolph seine eigenen Waren entnahmen aus dem Verein ausgeschrieben haben will, hat der Zeuge ine gesehen, dieser hat ihm nachher erklärt, seine eigenen Rabattmarken seien mitverbrannt. Der Verein hat von der Provi­dentia 1500 Mk. für vernichtete Waren erhallen. Tie Schulden betrugen 12 700 Mk. Vorarbeiter Wagenbach, der Direktor des Vereins, belleidet diesen Posten feit 190-1. Er bekundet, daß Ru dolph als Lagerhalter ziemlich selbständig handelte, er kaufte ein, »vas nötig war. Der Zenge erklärt, daß er, sowie die an deren Mitglieder des Vorstandes von den Bestimmungen des Ge iwsseuschastsgesetzes keine Ahnung haben, ebenso verstehe er von einer Buchführung nichts. Man habe zu Rudolph, der die Seele des ganzen Geschäfts war, das Vertrauen gehabt, daß er dasselbe sdzon machen merbe. Die alljährliche Bilanz hat der Angeklagte gemackst, es wurde dieselbe von niemand kontrolliert, man nahm an, die Zahlen stimmen. Zeuge erklärt, er habe die Bilanz dann ab- geschrieben und mit den anderen Vorstandsmitgliedern unter- schrieben. Die Bilanz von 1907 habe ein auffallend großes Kreditorenkonlo ergeben, es habe dies unmöglich stimmen können, da habe man dann Posten, die erst im ersten Quartal 1908 von den Mitgliedern bezahlt seien, noch als ein gegangen in bie Bilanz von 1907 ausgenommen, wer bie Anschläge dazu gemacht hat, ob dieser Vorschlag von Rudolph herrührt, kann der Zeuge nicht sagen. Wagenbasti erklärt, er habe von der Ausstellung einer Bilanz nickte verstanden und sei sich der Tragweite dieser Manipulation nickt bewußt getvesen. Der Zeuge Wagenbach erklärt auf Befragen des Aiiklagevertreters, er könne nicht sagen, daß Rudolph und dessen Fainilie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Staatsanlvalt Reu ß macht den Zeugeii darauf ausmerksam, baß er vor dem Unter­suchungsrichter glatt erklärt Hal, Rudolph habe flott gelebt und sei "Abends häufig, statt in bem Konfumvereins-Laden, im Wirtshaus gewesen. Der Zeuge bemerkt, daß er diese Bekundung unter dem Eide nicht aufrecht erhalten könne, er wisse nicht, wie er dazu ge- fommen sei, so etwas zu sagen. Bahnarbeiter Wilhelm öiiaieibad) ist Revisor _ des Konsumvereins, er will von Büchern gar nichts verstehen. Heinrich Wagenbach, Betriebs leitet* der Zigarrenfabrik von Emmelius, war Vorsitzender des Aufsichtsrates im_ Konsumverein. Er hat sich gewundert, als er 1908 erfuhr, daß der Verein mit immer wachfendeu Schulden arbeitet Bei dem Braitde am 21. Dezember ist wenig burd) Feuer beschädigt, der größte Schaden entstand durch das Wasser. Der Zeuge will vou Bud>haltuug und Bilanzausstellutig rein gar nichts verstehen. Im Verein bestanden zwar Statuten, aber ba- nach ist iiie gehandelt worden. Es ist 'dem Zeugen unbegrciflidj, wie das Feuer hat entstehen können, da in dem Lagerhausc keine Feuerstätte vorhanden war.

Aus der weiteren Vernehmung der Zeugen aus Daubringen ist erwähnenswert, daß der Angeklagte, solange er Lagerhalter war, zwei Kühe angesd-asst Hal und vier Schweine jahrlid) gemästet hat.

Der Inspektor Huttel von der Providentia erklärt, daß bei einer Gesellschast der Konsumverein gegen Feuer versichert war. Der Zeuge hat freu Schaden reguliert und er konnte, weil weniger Schaden durch Feuer, als burd) Wasser, entstanden war, den Verlust genau konstatieren. Es kann, als der Brand ausbrach, das Warenlager des Vereins kaum 6000 Mk. Wert gehabt haben. Der Schaden wurde auf 1490 Mk. festgestelll. Als Der Zeuge wach Daubringen kam, zuckten bie Vorstandsmitglieder, nach der Ursache des Brandes gefragt, zuerst mit der Achsel, später ließen ie dnrchbllcken, daß sie den Lagerhalter für denjenigen hielten, der .Braiwstiftnng begangen, um damit zu verhindern, daß man dahinter kommt, mir schlecht er genürndjaitet. Der Zeuge be­werft, daß ihm stkudolph angegeben, er habe nir 553 Mk. W a r c n gegen bar in 1908 aus dem Konsumverein bezogen, bie Ra­battmarken, bie er barscher besessen, seien mitverbrannt. Aus Vorhalt des Verteidigers, daß der Zeuge sick; wohl über diesen Punkt irren müsse und daß der Angeklagte vielleicht wohl gesagt haben könne, er habe seine Bezüge bezahlt an den Verein, bleibt der Zeuge dabei, der Angeklagte hat erklärt, er habe beim Verein gegen bar bezogen, er, der Zenge hat dies sogar im Protokoll über die Schabenregulierung mit ausgenommen, welches Rudolph untez-fchrieben hat. -- Generalagent Samsbrey vorn Londoner Phönix, bei welcher Gesellschaft Rudolph feine eigenen Möbel usw versichert hatte, bemerkt, daß dessen Polizc auf 10 Jahre abip- schlassen über 3400 Mk. gelautet hat, 1908 beantragte der Ver­sicherte direkt bei ihm eine Erhöhung auf 7430 Mk., die er dann später aus 8825 Mk. wünschte. In dieser Summe waren Vorräte von Drogen, Sämereien, Südweine in Höhe von 3800 Mk. ent halten. Der Angeklagte liguidierte als Schaden, Öen er gehabt, 4080./O Mk., darunter Trogen usw. mit 2100 Mk. Er hatte aus Aufforderung den Schadenersatzanfprud) schriftlich eingereicht. Tie Feststellung ergab aber, daß der Schaden nur 1137.50 Mk bc- tragm hat. Es wiirde festgestelll, daß Rudolph im Ganzen ein Mal^eine Drogeneinridüung für 600 Mk. angeschasft, davon aber ein Jahr binbitrrf) verkauft hat. Der Zenge ist der Ansicht, daß der Angeklagte die Absicht gehabt hat, seine Gesellfd)aft zu über­vorteilen.

Sachverstänbiger Kmismann Althof ist der Ansicht, daß Ru­dolph sehr wohl in der Lage war, Ordnung zu hallen, er hat dies aitri) in den Jahren 19041908 getan, beim bis bahin ist ba« Lagerbuch derartig geführt, daß es einen Ueberblick gewährt Im Jahre 1908 da ging alles drunter und drüber. Es scheint, daß i'id) Rudolph gesagt hat, aus der Wirtschaft wird dod) nichts, nun laß es gehen wie cs will. Tas Lagerbud) des Angeklagten stimmt nicht mehr mit dem des Wagenbad) überein: die Rech­nungen wurden nicht inelxr ordnungsmäßig eingetragen. Ter Sach­verständige hat nur eine Bilanz vorgefimden, er ist aber der An­sicht, daß der Verein von Hause aus mit Fehll'eträgeu abgeschlossen hat. Nach einer Ausstellung mußten am Tage des Brande--, für 14 331,98 Mark Waren vorhanden fein. Tiefe fehlten aber und es fallen davon, gering geredmet, dem Lagerhalter 6605,05 Mark von dem Manko zur Last.

Ter Konsumverein arbeitete, als der Brand miSbrach, mit einer Unterbilanz. Woher dies tarn, wo die fehlenden Waren geblieben, war von den Sachverständigen nicht aufzuklären.

Tamit war bie Beweisaufnahme beeubet. Staatsanwalt Nenß pläbierte entschieden für schuldig der begangenen Untreue und Betrugsversuch, er war aber auch der Ansicht, daß Brandstiftung vorliegt. Rechtsanwalt Leun war der Ansicht, daß die Geschworenen den Angeklagten als gewissenhafte Richter in allen Punkten frei- sprechen müßten.

Tie Geschworenen verneinten nach i'2 stündiger Bera­tung durch den Wahrsprud; die Schuld wegen des Verbrechens der Brandstiftung nnd ebenso wegen des Betrugsversuchs, bejahten dagegen die Frage, ob der Angeklagte gegen den Konsumoerein Daubringen eine Untreue begangen, woraus der Gcrichtshos auf

eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten erkannte, die chirch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wird.

(SericbßjaaL

Darmstadt, 15. Juni. Tic Folgen eines Ehe- scheidungsprozesses beschäftigten "heute bete Schwur­gericht. Der Fabrikarbeiter Joh. Kaiser in Offenbach hatte im vorigen Jahre gegen seine Frau eine Ehescheidungsklage wegen Ehebruchs angestrengt, bie aber abgewicsen imirbe, nachdem der Hauptzeugc, der 45jährige Lederarbeiter Eicks- Horn, der Vater von 9 Kindern ist, jeden geschlechtlichen Verkehr mit der Frau eidlich in Mrcdc gestellt hatte. In­folge dieses Ausgangs der Ehescheidungsklage versöhnte sich Kaiser wieder mit seiner Frau, die ihm nun aber ein­gestand, doch mit Eichhorn intim verkehrt zu haben. Tie Folge dieses Eingeständnisses war eine Anzeige an die Stacttsanwaltschaft und die Anklage ivegen Meineids gegen Eichhorn und wegen Anstiftung dazu gegen die Frau Kaiser. Während Eichhorn heute sicher behauptete und dies auch durch briefliche Beweise bestätigte, daß er von der Frau seiner falschen Aussage angestiftel mürben sei, blieb die Angeklagte dabei, daß hier nur ein Racheakt des Eich­horn vorliege: den intimen Verkehr mit ihm mußte sie zu- 9eben. Tic von den Rechtsanwälten Dr. Osann nitb Neu- s chä f f er verteidigten Angeklagten wurden im Sinne ber Anklage für schul big befunden und Eichhorn zn 1' Ja h r e n Zuchthaus (unter Zubilligung ber Strafmilderungs- grünbe bes § 157 Str.-G.-B.) unb Frau Kaiser wegen Bei­hilfe zu iy4 Jahren Zuchthaus, sowie beibe zu fünfjährigem Ehrverlust verurteilt.

kleine Tageschrontk.

In Berlin wirb vermutlich schon in ben nächsten Tagen mit dem Probefliegen mit Wrig h t'fchen Flugmaschmen begonnen werben, die vorläufig in der Parseval-Batlonhalle nntergcbracht sind.

Die Familie Lanz in Mannheim st i s t e t e eine Million Mark zum Gedächtnis an ben verstorbenen Kommerzienrat Lanz und zwar für die Errichtung einer der Universität .<) e i b c l- berg anzugllebernben Akademie der Wissenschaften. Der G r o ß h e r z o g von Baben hat das Protektorat über diese Stiftung bereits übernommen.

TaS Stablthealer in Troppau steht seil 1 Uhr nachts in Flammen. Tas Fener brach aui ber brüten Galerie bes Theaters, das seit voriger Woche geschlossen ist, aus. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Feuerwehr und Garnison arbeiten ununter­brochen.

Ter Korporalches bes 42. Infanterie - Regiments Viktor- Wagner in Sarajevo wurde von einem Gefreiten wegen eines germgnigigen Wortwechsels mit dein Bajonett er- Hoche n.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 16. Juni. Schweinemarkt. (Crq.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkaufe standen 1239 Schweine. Bezahlt wurden: für Schweine 1. Qual. 7071 Pig., Lebendgewicht 55,0 bis 55,5 Pfg.; 2. Qualität 6970 Pig., Lebendgewicht 54,500,0 P'g., 3. Qual. 6468 Pig. Geschäft gut, Ueberstanb keiner.

Gießener Wetterdienst.

voraussichtliche Witterung für Hefte» am Donnerstag dem '-7. Juni: Trübung unb Regen, kühler. Nördliche Winde.

Original-Drahtmel-nngen.

Frankfurt, 16. Juni. (Amtliche Meldung.) Auf bem Bahnhof von Steinau bei Schlüchtern stieß ber aus­fahre nbe Güterzug Nr. 6743 mit bem von Fulba kommeu- ben Güterzug Nr. 6830 zusammen. Die Züge fuhren sich in bie Flanke unb zwar so heftig, baß 1215 Wagen ent­gleisten. Die beiden Maschinen, die ebenfalls entgleisten, sind stark beschädigt. Der Betrieb ist sehr gestört, da bie Gleise vollstänbig gesperrt finb. Infolge bes Unfalles müssen bie Züge FrankfurtBebraBerlin unb umgekehrt über Gießen geleitet werben. Der D-Zug 2 von Berlin nach Frankfurt traf mit zwei Stnnben Verspätung hier ein, ba er von Bebra über Kassel geleitet werben mußte.

Hanau, 16. Juni. Der Lanbrat von Beckerath würbe zum Polizeipräsibenten von Hannover ernannt.

Karlsruhe, 16. Juni. Das Magazin ber Gebrüder rsannkuch brannte heute nacht nieber. Der Schaben beträgt über 100 000 Mark.

W i c it, 16. Juni. Wie i n G in u n b c n verlautet, wirb ber König von England im Laufe dieses Sommers ber Familie Cumberland in Gmunden einen Besuch abstatten.

Rom, 16. Juni. Aus verschiedenen Teilen Italiens wird über heftiges Schneegestöber berichtet. In Vineenza liegt eine mehrere Zentimeter hohe Schneedecke.

London, 16. Juni. Die Times meldet aus Konstan­tinopel: Tic Pforte hat bezüglich der Haltung der Mächte in der Kretafrage keine weiteren Midi Leitungen erhalten. Sie weiß jedoch, daß zwischen den Schutzmächten zurzeit ein Meinungsaustausch stattfindet. Die türkische Regierung wird ober nach wie vor nicht dulden, das; in ihre Hoheitsrechtc eingegriffcn werde. Dagegen hat sic nicht die Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten der Insel zu mi)djen und die Krctenscr könnten in dieser Beziehung ganz außer Sorge sein.

London, 16. Juni. Tie Birminghamer Daily Post versichert, in den letzten Tagen sei eine Begegnung zwischen König Eduard und Kaiser Franz Josef verabredet worden, die wahrsdjcinlid) im Herbst in Ischl stattfinbcn wird. Tie österreichische Regierung werb." König Ebuard zu einem amtlickien Besuch in Wien ein laben. Dieser Einladung werbe allem Anschein nach entsprochen werben.

Konstantinopel, 16. Juni. In ber Umgebung von Castoria fanb ein mörberischer Kampf zwischen g r i c cki i s ch e n B a n b e n unb türkischen Gendar­men statt, wobei letztere vollständig aufgerieben wurden. Tie Griechen zogen sich mit Einbruch der Dunkelheit in die umliegenden Wälder zurück.

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