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Nr. S4Ä Erstes Blatt 159. Jahrgang Freitag 15. Oktober 1909
Gießener Anzeiger
BLE General-Anzeiger für Oberhessen WM
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Die hessische wahlrechtrvorlage.
R. B. D a r m st a d t, 14. Cit. Der Ge s e tz g e b un g s - ausschuß der zweiten Kammer war heute nachmittag zu einer Beratung zusammen, an der sämtliche Mitglieder, mit Ausnahme des Abg. 2r. Gläsjing, teilnahmen.
Die Kundgebungen für Zerrer.
Ein großer Teil der Presse, der sich mit Ungestüm auf £>m neuesten Sensationsftoff von Spanien gestürzt hat, hat
Bestimmtheit, daß der Otto-Heinrichsbau uns tn seiner ehrwürdigen Schönheit erhalten bleibt und nicht „seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben" wird.
— Der Kaiser u. der Otto - H ei irrichsbau. Heber lie Anwesenheit des Kaisers im bischöflichen Palais zu <vrauen= lurg am 8. Oktober wird der „Germania" berichtet, daß .die Unterhaltung eine sehr angeregte und lebhafte war. Sie bewegte ssich fast ausschließlich aus dem Gebiete der Kunst. Sxrrn Bau- Sirektor Max Metel-Freiburg i. B., den Erbauer des Mpermkus- Denkmals, zog der Kaiser in ein längeres Gespräch über den gegenwärtigen Zustand des OLto-Heinrichs-Baues des Heidelberger Schlosses und betonte mit größter Enb- shicdenheit, daß er wieder neu gebaut und seiner u r s P r ü n g - Itchen Bestimmung zurückgegeben werden müßte, jetzt fca es noch möglich sei, an der Hand des noch Vorhandenen das bedeutende Bauwerk wieder herzustellen und den späteren Generationen zu erhalten. Ganz Deutschland fei an bem 2Bteter= erstehen dieses hervorragenden Werkes deutscher Kunst intereijiert, unbekümmert um die Wünsche gewisser Archäologen und Liebhaber voll Ruinen. Die Ansicht des Kaisers war schon früher
Kleines Fettilleton.
— Hedwig Mangel, die bekannte Berliner Schauspielerin, hat sich, wie erinnerlich, vor einiger Zeit, von der Bühne zurück- aezogen, um sich religiösen Hebungen hinzugeben. Run bmtnt aus Berlin eine Rachri äst, die die Sache in einem neuen Lichte erscheinen läßt Tie Angelegenheit der Frau Hedwig Mangel und ihrer plötzlichen Flucht von der Bühne ist in ein neues Stabünn getreten Sie teilte ihren Angehörigen mit, sie wolle lsich von ihrem Gatten scheiden lassen und eine neue Ehe mit dem Leutnant der Heilsarmee, dem ehemaligen Photographen Heß, eingehen. Ter Vater ber Bangel hat die -bilfe der Polizei in Anspruch genommen, um die nach dem Erzgebirge gereifte Tochter, wenn nötig mit Gewalt, nach Berlin mrückzubringeii. Damit hat sich die Sachlage wesentlich geändert imb es bleiben nur zwei Möglichkeiten, bic Hedwigs Wangels Msamen Schritt erftiiren. Entweder hat sich die Künstlerin Eständig in religiöse Schvärmerei verloren oder aber hatte sie tun Anfang an ine Absicht, den Leutnant der .Heilsarmee zu beiraten.
bekanntlich auch viel Entrüstung darüber geäußert, daß der Verteidiger Ferrers verhaftet worden sei. Das stellt sich als falsch heraus; der spanische Minister des Innern bezeichnete die Nachricht, daß gegen den Verteidiger Ferrers ein gerichtliches Verfahren schwebe, für unzutreffend.
Tie Tragödie Ferrers gibt den internationalen Frei heitsaposteln erwünschte Gelegenheit zu lärnrenden Spektakelszenen. Nach den heutigen Meldungen ziehen die Kund gedungen immer weitere Meise. Das Tollste hat sich ein französisches Blatt geleistet:
Paris, 14. Okt. Tas Blatt Guerre soziale, das Organ des Antimilitaristen Professor Herve veröffentlicht eine schwarz umränderte Spezial-Ausgabe, roeldjc tn großen Buch staben den Titel trägt: „S e l b st mor d Alfons XIII." Herve führt darin aus, daß Mons XIII. vom Kabinettchei Maura fein Todesurteil erhalten habe.
Wer an solchen grotesken Erregungen noch Geschmack findet, dem ist nicht zu helfen. In Paris geht der Ferrer- Rummel am weitesten:
Paris, 14. Okt. Die Polizei hat heute nachmittag in noch verstärktem Maße Vorkehrungen zum Schutze der hiesigen spanischen Botschaft getroffen, indem sie namentlich du Gartenseite des Botschaftspalais .durch ein starkes Aufgebot berittener Warbc beschützt. Ministerpräsident Briand erklärte einem Berichterstatter, daß die gestrigen Str aßeni'r awalle nur deshalb einen so großen Umfang angenommen hätten, weil die Nuhestörer massenhaft die Untergrundbahn benutzen konnten, um in die Nähe der spanischen Botsckvaft zu gelangen; es heißt, daß heute auch in dieser Hinsicht entsprechende Maßnahmen an- geordnet wurden. — Für heute abend sind im lateinischen Viertel Straßenkundgebungen geplant. Ein hiesiges Blatt will wissen, daß die Manifestanten, welche beute nacht die an der spanischen Kirche in der Avenue Freidland angebrachte Fahne gestohlen haben, eine in das Fahnentuch gehüllte Strohpuppe hätten verbrennen wollen, welche den König Alfons öar st eilen sollte. Das heute morgen verbreitete Gerücht, daß dec hiesige spanische 23oMarter gegen verschiedene Pariser Blätter wegen Beleidigung des Königs Alfonso Strafantrag gestellt habe, wird offiziös als unrichtig bezeichnet. — Der Vorstand des hiesigen Gemeinderats beschloß, in der nächsten Vollsitzung den Antrag zu stellen, daß eine Straße den Namen Francesco Fer- r er erhalten und daß die Stadt Paris die Versorgung und Erziehung der hier lebenden z^mi Enkelkinder Ferrersübernehme (!)
Die Auftequnq in Italien.
Rom, 14. Okt. Infolge des Beschlusses der hiesigen Arbeitskammer, der den Generalstreik proklamiert, sind die Straßenbahn beamten und Droschkenkutscher in den Ausstand Getreten, ebenso die Arbeiter bei" verschiedenen Branchen. Tie meisten Geschäfte- ]irrt geschossen. 'Die Arueitsla.'st.rner fordert zum Boykott der spanischen Schiffe auf.
Köln, 14. Ott. 'Der „Köln. Volksztg." wird aus Rom' tele- graphiert: Da U n r u h e n in der Stadt befürchtet werden, setzte der Papst alle öffentlichen Audienzen bis aus weiteres au».
Rom, 14. Okt. Während des Nachmittages waren hier alle Läden geschlossen. Manifestanten durchzogen in Gruppen die Straßen; die Polizei, die fortwährend bemüht war, sie zu zerstreuen, nahm einige Verhaftungen vor, doch sind ernste Zwischenfälle nicht eingetreten. Auch in Mailand und Florenz nahm ber Streik an Ausdehnung zu. In Spezia wurde der Generalstreik proklamiert. Zn Florenz konnten die Abendblätter nicht eil ehernen. _ In Mailand und Spezia fanden große Prvtestversammlungen statt.
Sogar die Schulen hat man in Aufregung gebracht:
Triest, 14. Okt. Als Protest gegen die Hinrichtung Ferrers verließen die Realschüler die Anstalt; sie versuchten vergeblich, die Sächler anderer Anstalten zum Anschlüsse zu bewegen. Von den Abendblättern ist nur „Piccolo della sera" erschienen. Ter allgemeine Ausstand, ber für einen halben Tag proklamiert war, ist Nachmittags fast ausnahmslos durchgeführt worden Auf Aufforderung der bemanftrierenben Gruppen sind falt alle Geschäftsläden, die Gast- und Kaffeelstinser, abends, und auch bic Theater und Vergnügungslokale geschlossen.
Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
Die Künbigung öes bayerisch-nisfischen 2lus!icferung$= vertrage;.
Eine höchst interessante Berhandlung hat in der kcherischen Kammer stattgesunden. Die Liberalen hatten in einer Ansrage an die Regierung angeregt, den Aus- lieferunqsvertrag mit Rustland zu kundigen Viel sachliche Bedeutung 0"t tem Vertrag genug nicht belzuiegen, es richtig ist, n-as der Mimsterpralldent -rNarte, iak seit 1885 Rußlmrd nur IN 4 Fallen tue Äusl>c,eruug »erlangt habe und daß nur einmal dem Verlangen statt- gegeben worden sei. Bayern hat übrigens auch in zwei Fallen die Auslieferung verlangt und erhalten.
Trotzdem der bayerische Ministerpräsident.sich gegen tzen Akt der Hnfreundlichkeit wehrte, beschloß die Kammer Änstimmig die Kündigung des Vertrags Rußland toirb sich nicht allzusehr davon gekrankt fühlen. Aber M der sachlichen Hnbedentendheit des Vertrages tut Bayern -anz recht daran, auch den Schein zu beseitigen, als ob es einer Schreckensjustiz Rußlands irgendwie Vorschub leiste. Die sozialdemokratischeit Kundaebungen gegen russische Mutgier werden freilick) auch künftig um kein Haar schwacher .nsfallen. Wenn nur Preußen auch einmal' in die russische «rluslieferungspraxis Licht schaffen wollte und sich bei einer .«mengen Milderung auf das Parlament berufen kannte! ">as wäre umsomehr zu wünschen, als Preußen-Deutschland bekanntlich um der lieben Freundschaft willen den Russen qegenüber viel Nachsicht zeigt.
M ü n ch c n , 4. Okt. In der heut. Abendsitzung der Kammer begründete Günther (tib.) eine Anfrage, ob die Regierung gewillt sei, angesichts der bedenklichen politischen Konsequenzen den mit Ruß- i'anb im Jahre 1885 abgeschlossenen Auslieferungsvertrag zu indigen Schon im Jahre 1885 waren von allen Leiten des »auses die allerschwersten Bedenken gegen diesen Vertrag erhoben loorden. Hierauf erklärte der Ministerpräsident Freiherr ttonPvdewils:
Eine Kündigung des völkerrechtlichen Vertrages, m dem keine Kündigung vorgesehen sei, könne nur erfolgen, wenn ganz wesentliche neue Umftänbe eingetreten seien: dies sei aber hier nicht der Fall. Auf Grund des Vertrages sei bisher nur eine einzige Auslieferung bewilligt worden und zwar nur wegen gemeinen Mordes. Eine nicht genügend motivierte Kündigung würde bedenkliche politische und wirtschast- liche Folgen haben. Die Negierung werde.den Vertrag nicht kündigen, sie werde aber dahin wirken, daß bei dem Vollzug des Vertrages, wie bisher, der nationalen Rechtsauflassung möglichst Rechnung getragen werde. v
Bei der Besprechung der Anfrage betonte der Abgeordnete Müller- München (Sozialdemokrat», daß in Bayern die Abneigung gegen diesen Vertrag eine allgemeine fei. Er stellte den lormellen Antrag, die Staatsregierung solle die Kündigung des Vertrages sofort in die Wege leiten. Geiger (Zentrum) und Müller-Hof (liberal» stimmten diesem Anträge zu. Ter Mi- liistcrPräsident Freiherr von Podewils erklärte, Rußland habe ieit dem Fahre 1885 nur in vier Fällen die Auslieferung »erlangt und nur in einem Falle — wegen gemeinen Mordes — iei diesem Verlangen nachgegeben worden. Bayern habe die Auslieferung in zwei Fällen verlangt, und beide Male sei sie ’imeftanben worden. Der Vertrag sei nicht ganz »hne Wert, da die verbrecherischen Elemente den Staat meiden, lange er bestehe. Die Kündigung des Vertrages wäre ein Lkt der U n i r e u n b I i d) f e i t gegen Rußland, wozu die Re- jierung sich nicht entschließen könne. Zur Aburteilung vor Ausnahmegerichten und administtativen Maßregelungen brauche Bayern überhaupt nicht auszuliefern. .
Nachdem noch Süßheim (Sozial.) und Beck (Freie Vereinigung), sowie Quid de (Liberal) gegen den Austteferunas- »ertrag gesvrochen harten, wurde der Antrag Müller-Arünchen »if K ü n b i g u n g des Vertrages einstimmig angenommen.
— Das Preisgericht für den Wettbewerb zum Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück hat sich jetzt gebildet. Die angesehensten Namen deutscher Kunst gehören ihm an. So von Malerp Eduard v. Gebhardt, Max Klinger, Franz v. Stuck; von Bildhauern Louis Tuaillon, Hermann Hahn und August Gaul; von Architekten Theodor Fischer, Ludwig Hoffmann, Fritz Schumacher. Außerdem sind Hermann Ntuthesius, Georg Treu, Paul Elemen und Max Schmidt Mitglieder des Preisgerichts; zu den Ersatzmännern aehören Ludwig Dill, Josef Floßmann, Heinrich Grässel und Leopold v. Kalckreuth.
— Eine neue tschechische Hnverträglichkeit. Je duldsamer wir den edlen Tschechen gegenüber sind, desto unverträglicher werden diese. Ein neues Beispiel dafür i|t das Verfahren des Prager Gesangvereins „Hlahol", der tm Hinblick ans sein 50 jähriges Gründungsjubiläum in einem Novemberkonzerte Brahms' „Deutsches Requiem" zur Aufführung bringen wollte. Es ist ein Werk von klassischer Schönheit und Tiefe, und Brahms schrieb es unter dem Eindrücke des Todes seiner Mutter, die er über alles liebte. Begreiflicherweise ist hier von nationaler Tendenz überhaupt keine Rede. Aber nichtsdestoweniger wurde die tschechisck)e Agitation gegen dieses Werk mobil gemacht, und unter dem Eindrücke der Hetze beschloß der Ausschuß des „Hlahol" ttotz ernstem Protest des, Ehor- meisters mit allen Stimmen, daß dieses Werk nickst aufgeführt werde. Der Beschluß wurde den Mitgliedern in folgender Weise bekanntgegeben: ,^Jch weiß nicht, meine Herren, ob es Ihnen angenehm wäre, roenn zurzeit, wo die Bummel und die hesttgsten Kämpfe zwischen Teutschen und Tschechen stattfinden, auf den Plakaten für unser Konzert prangen würde: „Deutsches Requiem". Diese tschechische Heberempfindlichkeit ist selbst vielen Tschechen dann doch ettvas zu stark, und der „Ezas" tadelt dieses Vorgehen in entsckstedenster Weise. Er schließt seine Verurteilung mit yuu.t uyn 0luulcn. -E ÄUl|C« ..... den Worten: ^Wissen die Der^n, ^ß ger^^, Soimtag,
bekannt. Schon bei den Lebten Erörterungen der ^chloßtrage 10. d. Mts., m der Berliner Hosoper die ^ruiniere von Smetanas glaubte man seinen Einfluß zu spüren. Dennoch hoffen wir mit „Dalibor" ftnttrmbet ?
In der Sitzung brachte der Ausschuyreferent, A. g. v. B r en - tano, den fertiggestellten umfangreichen Bericht über die Wahlrechtsvorlage zur Verlesung, die nach den bereits früher mitgeteilten Beschlüssen verfaßt wurde und zu keinerlei Beanstandungen führte, so'idern einftinunige Genehmigung fand. Der nun demnächst im Druck erscheinende Ausschustbericht wird bei der für die zweite Haiste des .'lovember vorgesehenen Plenarberatung der Wahlrechts- Vorlage als Unterlage dienen.
o Röster bei der hudson-zulLon-zeier.
Newport, 14. Okt. In seinem Dankeswort für die Aufnahme, die ihm bei der Hudson-Fulton-Feier zuteil geworden, sagte Großadmiral v. Koester:
Diesen großartigen Empfang, dieses sreundschastliche Entgegenkommen uno tue iiberroältigenbe (8 a ft f r e u n b i cb a i t oerbanfe ich nicht zum ivenigftcn ber Achtung und dem slluseyen, ivelches bic Amerikaner deutscher Abstammung, meine deutschen Vanbsleute, in Amerika genießen. Ich bin überzeugt, daß die Jeter ein wertvolles Glied in der langjährigen Kette der sreunbicha'iltchen deutsch-amerikayischen Beziehungen bildet. Es ivar mir eine besondere Areube, baß ich Gelegenheit hatte, mit den Vertretern ber anderen Ai ächte die alte Freundschaft zu erneuern und neue angenehme Beziehungen anzuknüpsen.
Deutsches Reich.
Aus Posen meldet man: Wegen des freisprechenden Urteilt des hiesigen Schöffengerichts gegen den Mgeord- neten Stychel, welcher angektaat war, in einer Rede in Kurnik oen Lehr er st and in den Ostmarken beleidigt zu haben, hatte der S aatsanwalt Berufuiig eingelegt. In der Landgerichtsverhandlung wurde Stychel frcigesprochen, die Kosten wurden der S aaiska se auferlegt.
Sei der am Donnerstag in Posen erfolgten Präsentationswahl des Grafenverchandes der Provinz Posen zum Herrenhause wurde Graf Adam Zollowski aus Jarogniewice mit 19 gegen 3 Stimmen gewählt.
2Sttslcrud.
In B e r n erfolgte am Mittwoch die Unterzeichnung der von einer internationalen Konferenz im Mürz vereinbarten neuen Gotthard-Verträge durch die Gesandten Deutschlands und Italiens, sowie einer Delegation des Bundesrats.
Das englische Oberhaus hat die zweite Lesung des Landeskulturgesetzes angenommen. Die Opposition stimmte dem Gesetze zu, stellte aber einige Abänderungsanträge in Aussicht.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Evkas- minister Ham a da-Pascha äußerte den hochinteressanten Plan, die ungeheueren Ländereien von Drak, die sich von Aleppo bis zum Persischen Golf erstrecken und rund 6 7 Millionen Hektar umfassen, unter Kultur zu nehmen, indem man sie einerseits der indischen Einwanderung öffnet, andererseits die Aufmerksamkeit des internationalen Judentums, soweit es Arbeit und eine neue Heimat sucht, auf dieses Gebiet lenk!. Hamada-Pascha erwägt außerdem die Säkularisierung der alten Türtenfried- höfe, deren Auflassung für Kvnstantinopel allein sieben Millionen Pfund bringen würde. Hamada erklärte: „Laßt mich die Vakufgüter nutzbar machen und ich schaffe dem Lande in zwei, drei Jahren zweitausend Elementarschulen."
Der griechische Finanz.minister legte der griechischen Kammer ein Expose vor, in dem von den geplanten Ersparnissen, die, wic bereits gemeldet, zehn Millionen Drachmen betragen sollen, die Siebe ist. Bei jedem einzelnen Ministerium sind Abstriche vorgesehen, unter den wirtschaftlichen Reformen ist besonders bemerkenswert, daß ausländische Fachleute mit der Reorganisation des Zoll wesens betraut werden sollen. Verschiedene Steuererhöhungen werden in Vorschlag gebracht; andererseits wird die Herabminderung einiger Ausgaben
— Die deutsche Kolonie in Argentinien bat beschlossen, zur Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit dieses Landes (1910) einen Brunnen zu stiften. Tie Stadt Buenos-Aires hat Tür ihn einen schönen und bevorzugten Platz zur Verfügung gestellt. Die Stifter erlassen einen Wettbewerb (es stehen 250000 Mark zur Verfügung) für deutsche Künstler. Der Wettbewerb wird von der „Gesellschaft für deutsche Kunst im Auslande" (Geheimer Regiermrgsrat Platz, Berlin-Friedenau) organisiert.
— Cook ist in Amerika ein Gegenstand der heftigsten Angriffe geworden und feine Gegner ziehen sehr Mars gegen ihn vom Leder. Nun werden auch seine früheren Reisen einer heftigen Kritik unterzogen.
Newyork, 14. Okt. /Der Führer Baoille, der Cook bei seiner Besteigung des Mont Mac Kinley in Alaska im Jahre 1906 begleitete, bat ein schriftliches Zeugnis abgelegt und eidlich bekräftig t, wonach der höchste, von Cc»ok damals erreich le Punkt noch mindestens 14 Meilen vom Gipfel entfernt war. Cook fei überhaupt nur bis zu einer Höl>e von 10 000 Fuß gekommen. Naville behauptet ferner, Cook habe ihn veranlaßt, einen Teil des Tagebuchs der Expedition uMzuschreiben, um es mit Cooks Anspruch, den Gipfel erreicht zu haben, in Einklang zu bringen. Die Photograph:e, die in Cooks Buch „Gipfel des Mont Mac Kinley betitelt ist, sei in einer Höhe von 7000 Fuß ausgenommen worden. Andere Illustrationen und Ereignisse seien ebenfalls nicht den Tatsachen enyprechend. Ter Plwto- graph Cooks, namens Miller bestätigt diese Aussagen ebenfalls unter seinem Eide.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. „I u l ch e n s Flitterwochen" heißt eine neue große Gesangs- vosse, die Otto S ch w a rz, der Komponist der Operette ,Prima Ballerina", mit dem Franksnrter Schriftsteller Adott S t o l y e gemeinsam verfaßt hat. — Tie Uraufführung des einaktigen musikalischen Lustspiels „Das heiße Eisen" von Max W o l i i findet am Sonnabend in Frankfurt a. M. statt. Der Text ist vom Komponisten nach Hans Sachs' Fastnachtspiel gedichtet irorden. — Heute ivurde durch einen feierlichen Akt das neue städtische >ttmst-Muieum in Frankfurt, das im Liebighaus untergebracht ist, der Oefsentlichkeit übergeben.


