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Germanischen Kommission Proiesfor 2)iogcuborif acht nen= gefundene Niederlassungen aus verschiedenen vorgeschichtlichen Perioden zu beiden Leiten der „Hoben Straße" aiiigenommen. iurcb dies Ergebnis der Ausgrabungen schließt sich die Reche der Ketten» und Aiunleltiunde immer dichter. Wenn es gelingt, ivie unter ihnen, so auch bei ihren keramischen '-Begleitern einen engen Zusammenhang nachzuweisen, so ivird auch dadurch eine weit über das örtliche Interesse hmausgebende wissenschaftliche Frage ihrer Lösung näher gebracht. Wie Professor Dr. Wolff noch mitteilte, sind die Ergebnisse der Hanauer Forschung auf dem gegenwärtig im Vordergründe des wissenschaftlichen Interesses stebenden Gebiete der jüngeren Steinzeit so erfreulich geivesen, daß ent Aui- geben dieser llniersuchnngen umsoweniger verständlich sein würde als gerade die neuesteii Erfahrungen die bestimmte Hosfuung er» wecken, daß wir nut dem an altertümlichen Funden einst so unergiebigen Boden der „Hoben Straße" und ihrer Umgebung noch manche wissenschaftlich wertvolle Entdeckmig zu erwarten haben.
— Häckels „Fälschungen". Zu dem namcntUd} von dem Kcplerbnnd beroorgerv.fenen Streite, bei dem die bedeutendsten deut säten Naturforscher .Häckels Partei ergriffen, ist jetzt eine Schrift von Dr. 5) e in r ich Schmidt im 'Neuen Frankfurter Verlag erschienen, die diesen Kampf aktcnmäßig behandelt. „Häckels Etu b r l) onen b i l d e r , Dokumente zum Kampf um die Weltanschauung in der Gegenwar l". Tie 91 Seiten umfassende Sck)rift Dr. Heinrich Schmidts gewinnt dank der Vollständigkeit des beigebrachten Materials und läßt auch die Gegner ausgiebig zu Worte kommen. Ueucr ihren polemischen Zweck hinaus bat die Schrift den Wert einer Autu.irung über die grundlegenden Momente der Frage der Menschwerdung und der damit in Verbindung ftcbenben Probleme. Mehrere Dutzend Abbildungen erläutern eingehend, worin Häckels „Fälschungen" bestehen sollen und führen den Nachveis, daß von solchen Fälschungen nicht die Diebe sein könne.
n Aufruf Peter Roseggers fü r d i c d eu t s ch c S ch u l . in Oesterreich. In dem heißen Kampfe, den das Deutschtum in Oesterreich gegen das nametttlich an bett Sprach
grenzen immer brutaler vordringende Slawentum zu bestehen hat, bedeutet die deutsche Schule einen der wichtigsten Macht- faktoren. Tas ist auch die U.eberzeugung des Mannes, der wiederholt, so oft es galt einzutreten für völkische Bestrebungen, die ganze Bedeutung seiner Persönlichkeit in die Wag schäle warf und selbst als erster auf den Plan trat mit Wort und Tat: des „Waldschulmeisters" Peter Rosegger. In einem begeisterten i'lufruf wendet er sich an die Opserwilligteit der wohlhabenden Deutschen zugunsten der deutschen Schulen .an den bedrohten Sprachgrenzen und schreibt u. a.: „Jeder Deutsche in Oesterreich — welckrer Partei immer zugehörig — bangt für unser gefährdetes Volkstum, ist überzeugt von der Notwendigkeit einer großen gemeinsamen Abwehr und muß auch bereit sein, Opfer zu bringen. Nun habe ich gedacht, es müßten sich doch eintausend wohlhabende Deutsche finden, von denen sich jeder verpflichtete, für die nationale Sache erst zweitausend Kronen zu zeichnen und wirklich zu spenden, sobald der tausendste sie gezeichnet bat. Für den Fall, daß nicht tausend Zeichner zusammenkommen sollten, wäre für keinen die Unterschrift bindend. Es gibt so viele reiche Leute, so viel Geld auf der Welt, ick) 'halte es für ganz unwahrscheinlich, daß nicht tausend Unterschreiber zu finden sein sollten, loovvn jeder gern zweitausend Kronen auf den Tisch legte, ivenn diese im Augenblicke, als es geschieht, zwei Millionen bedeuten, denn man gibt ja nur, wenn zwei Millionen gezeichnet sind. . . . Vertrauend auf die .gute Erde, streue ich das 3 amen fern ins Vaterland imb zeichne als Erster zu den Millionen mein tausendstes Teil." An die Teutschen in Oesterreich wendet siel: der warnv- Izerzige Dickster mit diesem Appell zunächst. Sollten sich aber nicht auch im Deutschen Reiche unter den Vielen, deren Herz der Dichter Rosegger gewonnen bat, Wohlhabende genug finden, die dem Volks freund Rosegger gern einen Beitrag schickten? Sie würden dadurch die hohe Aufgabe miterfüllen helfen, die auf h ißumstrittener Scholle Heranwachsende deutsche Jugend deutsch zu erhalten, and damit eine Wehr bauen gegen die Wogen des Slawentums in Oesterreich, das auch für das Deutsche Reich von grober Bedeutung wäre.
Aiern's LesiMeton.
— Aus Darmstadt wird uns unferm 12. Mar geschrieben: Im Ho ft Heater wurde heute abend wieder eine Uraufführung gegeben und zwar das Erstlingswerk eines er-fabrenen Journalisten, des Elstftedakteurs Treutber vom „Psalz- Cour in Neustadt. Tatjana, ein modernes, Schau spiel Der vaupt- wert des Stückes liegt in dem Versuch, eure edle poetstch gehobene Sprache in die .^Konversation des modernen Salons zu verpflanzen. Hierfür hat der Verfasser wohl die Form gemnüen ,ie aber nicht überzeugend in Anwendung zu bringen gewußt, wie Schon beit der Diktion, die Melodie der Lprache i|t ienre e inztg c Starte, das Buck) zu lesen muß ein Genuß sein -Mtte dem
Stücke große. Sorgfalt gewidmet und verhalf ihm mit den üunit- lern, die in den Hauptrollen ^nkbare Aufgaben landen, zu .einem starken äußeren Erfolg. Der Dichter und die Haaptdar steller mußten sich nach dem 2. und 3. Mö mehrmals zeigen. Das Großherzogspaar wohnte der -^llulnung bei.
— Aus .Hanau wird uns unterm 11. Atm gejebneben. -er Vorsitzende der Anthropologischen Gesellschaft m Göttingen, Prolesior Dr. Verworn, sowie der Ana onne- vrosessor Dr. Hei der ich in Göllingen veranstalteten kürzlich m den Gemarkungen Butter st a d t und Marköbel Ausgrabungen, um einige neolithische Brandgräber au'zlwecken, die tur die Göttinger ivlssenschaslliehen Kreiie von großem ^niereße luu, da in der Umgebung Göllingens zahlreiche Wohngruben nut a.;n licher Keramik wie hier, bisher jedoch noch kerne (oraver am- gesunden worden sind. Zuerst iand man m der wenianiing Butterstadt zwei Brandgräber. Tann wurde aus einem Arier vet Marköbel iuuerhalb einer Wohngrube ein drittes Braudgrao auy gedeckt, das nut seinem ganzen Inhalt gehoben und woh vervackl nach Götlmgen verbracht wurde, ivo es in der Anthrovolomichen Geselsichait erst vollständig ausgedeckt und ausgebeulet werden >ou. Die Totengescheuke sind von größerem wissewchaitllche» Jnterege Wie Prozessor Tr. W o l f s - Frankfurt, der bekannte Ltmessorscher, in der Jahresversamnilung des Hanauer Gejchichtsverems nnl- teilte, hat er kürzlich gemeinsam mit dem Direktor der Rönnsch-
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Nr. 112
Zweites Blatt
159. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags.
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keine Mein heil für bic Bandewle im Iteichjstag zu vorn konservativer Seite gerufen: Abwarten!
Der Wortführer der stiationalliberalen erftärt
Icr, sich
für daß
Dr. Paasche hat den Vorsitz der Finanzkommission endgültig niedergelegt.
nun einmal haben, Wirtz,
die Bereit- Regiernngs-
Entfchädigungen anszusetzen. Freilich sei die Voraussetzung, genügend Geld einkomme.
Gegen diesen Vorschlag wendet sich der Vertreter der Frei-
Freitag 14. Mai 1909
RotattonSdruck und Verlag der Brüh liehen UniversuälS - Blich- und ©teinbruderel 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul- straße 7. Expedltton und Verlag: &L
Redaktiome-EA112. Tel.-AdraAnzeigerGleßen.
Die ^Gtetzener Zamilienblötter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zwermal.
Müller-Fulda für sehr beachtenswert. Er habe Vorteile für Händ- Fabrilänlen und Tabakbauern. Daher sei zu wünschen, daß die Parteien jetzt zunächst dazu äußerten.
Von der Reichspartci wird der Vorschlag gemacht, 5 Millionen
Die Polen lehnen die Banderole ab. — Ms ein sozialdemokratisches Kommissionsmitglied bemerkt, es sei
schuft ferner Freunde, in eine Turdjberatung der
Vorlage einzukreten. Es sei ihm inrniit voller Emst, und darum
erwarten sei. ..
Von ft eisinniger Seite wird das Hauptbedenken gegen dte Banderole auch inbezug auf den neuen Vorschlag aufrecht erhalten, tiämlich, daß die Steuer vom Detailpreise erhoben wird. Die Anonvmibit sei im deutschen Zigarrenhandel feit alter Zett üblich. Auch bei den echten Zigarren sei der 'Ikone ja nur Vorspiegelung, weil sie vom Trust geliefert werden.
Em nationalliberales Kommissiousmitglied nimmt das Wort, um keinerlei Mißdeutung entstehen zu lassen, daß, wenn ine Nationalliberalen bereit wären, die Abstimmung über den grundlegenden Paragraphen anszusetzen und in eine Durchberatung der Vorlage einzutreten, sie dadurch in keiner Weise dokumentieren, wollten, daß ifjre schweren prinzipiellen Bedenken gegen das Banderoleshstem in der Zigarreniudustrie beseitigt waren. Im Gegenteil, sie hätten aus dem! ganzen Gange der Debatte heute keine neuen Momente entnehmen können, die irgendwie geeignet
sinnigen.
Bei anderen Gesetzen habe man Entschädigungen nur dann bezahlt, wenn ein Monopol eingeführt würde. Es sei unmöglich, auf jede neue Anregung sofort einzugehen. Der Vorschlag der Herren Feist usw. könne gar nicht zur Grundlage einer Beratung gemacht werden. Wenn man das wolle, dann müßte doch dieser Vorschlag in die rechte Form gegossen werden. Jetzt komme ja überhaupt jeden Tag ein neuer Vorschlag. Gestern seien die Konservativen mit Feuereifer für die Wertsteuer eingetreten, heute wollen sie wieder etwas anderes. Jetzt sei es nur wichtig, die Entscheidung über die Banderole herbeizuführen.
Ein Zentrumsmitglied fordert die Regierung auf, sich darüber klar zu werden, ob der neue Vorschlag brauchbar sei.
Der Vorsitzende der Kommission, D^. Paasche, hält es für richtiger, die prinzipielle F.age zu erledigen. Jetzt in S? Beratung des Vorschlages Feist-Jädicke einzutreten, sei doch wobl nicht der richttge Weg. Bis jur zweiten Lesung sei die Möglichkeit geboten, einen richtigen Entwurf auf dieser Grundlage auszuarbeiten und dann zu beraten. Auf einen einfachen Antrag hin könne man in die Beratung eines neuen Vorschlages nicht eintreien.
.Hiergegen wird von konservativer Seite Widerspruch erhoben. Man könne auch den neuen Vorschlag nicht auf die zweite Lesung verweisen, weil dadurch den Interessenten die Gelegenheit genommen werde, sich zur Sache zu äußern. Daß die Freisinnigen so sehr auf der sofortigen Ablehnung des Banderoleprinzips beitünben, habe habe offenbar darin fernen Grund, daß sie mit einer Mehrheit für tue Banderole int Plenum rechneten.
Abg. ftretb (Kons, beantragt, die Abstimmung über den grundlegenden § 2 der Regierungsvorlage (§ 1 enthält den gestern schon erledigten Gewichtszoll- auszusetzen und die Vorlage zunächst im übrigen weiter zu beraten. Tie Grundlage der Beratung kann der neue Vorschlag Feist-Jädicke sein.
Ter Vorsitzende der Kommission, Dr. Paasche, erklärt das für geschäftsordnungsmäßig nicht zulässig. Er schlägt vor, jetzt die Gesamtabstimmung vorzunehmen. Das fei aber nur zulässig, wenn niemand aus der Kommission widerspreche. Gegen diesen Vorschlag wird Widerspruch erhoben.
Ter Kommissionsvorsitzende will nunmehr über den gestern ausgesetzten Artikel IV des Entwurfs der Subkommission betr. das Inkrafttreten des gestern im übrigen angenommenen Entwurfs abstimmen lassen.
Abg. Kreth (Kons.) erhebt hiergegen Einspruch, da jetzt nur über die Vorlage der Regierung abgestimmt werden könne. Vorsitzender Paasche widerspricht dem, da die Tagesordnung nur seine Auffassung zulasse. Abg. Dr. Weber (Natl.) unterstützt diese Auffassung. Abg. Kreth-lKons. stellt nunmehr formell den Antrag, die Beschlußfassung über Artikel IV auszusetzen. Vorsitzender Dr. Paasche widerspricht dein, befragt aber die Kommission, ob sie damit einverstanden sei. Die Mehrheit der Kommission nimmt den Antrag Kreth an. Vorsitzender Paasche: I ch weiß nicht, was jetzt eigentlich noch beraten werden soll, und ich müß mir überlegen, ob i ch bie Führung der G e - schäfte weiter behalten kann. Wenn gegen die Grundsätze der Geschäftsordnung gehandelt w erden soll, dann kann niemand mehr die Geschäfte leiten. Was soll denn jetzt eigentlich geschehen?
Abg. Kreth: Tas ist sehr einfach. Nach § 2 der Regierungsvorlage kommt § 3 zur Beratung.
Vorsitzender Dr. Paasche: Soll denn jetzt der konkurrierende Entwurf durchberaten werden, nachdem ein Entwurf bereits vorgelegt und angenommen ist?
Die Abgg. Dr. Wiemer (Fr. Vp.), Dr. Weber (Natl.) und Geyer (Soz.) stimmen dem Vorsitzenden zu, und der letztere meint, daß der Vorgang vor das Plenum gebracht werden müsse.
Der Kommission hat sich eine große Erregung bemächtigt.
Dr. Paasche gibt den Vorsitz an seinen Stellvertreter D r. Spahn (Zentr.) ab.
Es entsteht ein großer Aufruhr. Dr. Weber (Natl.) erklärt, daß seine Freunde nach dieser Vergewaltigung sich nicht mehr ander Beratung beteiligen werden. Nationatliberalc und Freisinnige verlasicu den Saat. In diesem Augenblick stellt Abg. Gröber (Zentr.) den Antrag, die Sitzung zu vertagen. Dieser Antrag wird von den noch im Saal befindlichen Parteien angenommen, und auf die Tagesordnung der nächsten .Sitzung auf Vorschlag des ?fbg. Spahn (Zentr.) das Finanzgesetz gestellt. Schatzseftetär Dr. Sydow, der in diesem Augenblick aus der Budgetkommission, wo er zeitweilig an den Beratungen teilnahm, wieder erschienen war, bittet jedoch, morgen die Fahrkartensteuer zu beraten. Diesem Wunsche wird entsprochen.
sei er bereit, die Abstimmung über den grundlegenden Paragraphen der Vorlage ausznsetzen, um durch die Durchberatung Klarheit über die teckmifche und wirtschaftliche Durchführbarkeit des Systems Ml erlangen. Er habe sich durch Verhandlungen mit der Industrie überzeugen lassen, daß die von der Kommission im Prinzip angenommene Fakturen st euer nicht durch zuführen fei. Wenn die Frage so stünde: Wertsteuer ober Banderole, dann sei es Möglich, daß der größte Teil der Industrie sich unter diesen beiden liebeln für die Banderole als das kleinere liebel entscheide. Den schwersten Bedenken unterlägen aber beide Vorschläge, darum hoffe er, daß die Kommission sich doch noch auf den Antrag Weber-Mommsen einigen werde.
Auch von der Reichspartei wird die Durchberatung der Regierungsvorlage verlangt, um den Gegnern der Banderole die Vorzüge dieses Steuersystems noch einmal gründlich klar zu machen.
Bon frei) inniger Seite werden nochjmals unter Berufung auf den Täbawerein die Bedenken gegen die Banderole zusammengefaßt. Sie werde die kleinen Betriebe zugrunde richten, sind damit läme man dem Monopol sehr nahe. K e i n e s f a k l s könne die Tabakindustrie eine Belastung von 70 bis 8 0 Millionen ertragen, ganz gleich, mit welchem System. Aber die Banderole habe noch besondere Nachteile. Am besten sei zweifellos eilte Revision des Gewichtszollsystems. Bei diesem bekomme der Fiskus das Geld auch 7 Monate früher als bei der Banderole.
3it der AnmizkommWon des Reichstages
ftanb am Donnerstag bie Banderole zur Verhandlung.
Gcheimerat Reinboldt eröffnete die Beratung mit längeren Ausfüllungen über die Bedeutung der Regierungsvorschläge, um) Mißverständnisse ans dem Wege zu räumen. Das Haupt- bedenken habe sich dagegen gerichtet, daß durch die Anbring'.lngs der Steuerzeichen ein Markengeschäst großgezogen würde. Aber in der ganzen Regierungsvorlage finde sich das Wort Banderole überhaupt nicht. Die Regierung habe absichtlich nichts über die Ausfüh-rung der Steuer hineingeschrieben, weil sie das in engster Fühlung mit der Industrie zu machen wünsckie. Zur Zeit prii.se die Regierung den Vorschlag, die Steuerzeichen nur fortlaufend' zu numerieren, und die Anbringung von Namen auf ihnen zu verbieten, so daß das Publikum nicht erfahre, von wem die Zi- 'garren herrühren. Damit würde ein Markengeschäft unterbunden.
Von freifinniger Seite würden auch nach diesen Ausführungen die Bedenken hinsichtlich der Forderung des Markengeschäfts aufrecht erhalten. Die fortlaufende Numerierung würde eine ungeheuere Kontrolle verursachen.
Ein Zentrumsabgeordneter er Härt unter Berufung auf den badischen Abg. Üceuhaus, dm er als den Vater der Zigaretten» banberole ansprickst und der ihm jetzt gesckwieben habe, die Banderole bedeute den Ruin der mittleren und kleineren Betriebe, daß die Bairderole unter allen Umständen abgelehnt werden müsse.
. Bon konservativer Seite wird eine Durchberatung der Re- gierungsvorlage gewünsckst, denn es könne sich doch hernach eine wtehrhÄt im Reichstag für die Banderole finden, und für diesen Fall müsse man icfjlon jetzt in der Kommission das Gesetz nach MüglickZkeit zu verbessern suchen, weil man dazu später im Plenum des Reichstages keine Gelegenheit mehr haben würde.
Andreas Keller f.
In dem kürzlich zur letzten Ruhe bestatteten ehemaligen Stadtverordneten -tndreas Keller ist ein Bürger unserer Stadt von ganz besonderer Eigenart dahingegangen. Keller, ursprünglich Kaufmann, lebte seit vielen Jahren als Rentner, aber nicht als ein sorgloser Müßiggänger, sondern als ein Mann von eisernem Fleiß und unermüdlicher Betriebssamleit. Tas Vertrauen seiner Mitbürger und unserer Behörden hatte diese ausgezeichnete Arbeitskraft für zahlreiche Ehrenämter gewonnen. Ein halbes Menschenalter lang war Keller Stadtverordneter und die Seele der städtischen Baudeputation, der wichtigsten Kvm- mission der Stadtverwaltung. Gleichzeitig und bis zu seinem Tode war er Mitglied des Ortsgerichts, jener eigenartigen hessischen Einrichtung, die sich hervorragende Verdienste um die nicht streitige Gerichtsbarkcil als z^ilfSbehörde der Grundbuchgerichte erworben hat. Als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung trat Keller nach außen hin lvenig in die Erscheinung Er war kein Redner und Debatter, das Schwergewicht seiner Tätigkeit lag vielmehr bei den vorbereitenden Instanzen. Es gab nämlich keinen Zweiten in der Stadt Gießen, der die Verhältnisse unseres Grundstückmarktes in allen seinen intimen Einzelheiten so übersah, wie der Stadtverordnete und Ortsgerichtsmann Keller, schlechthin „Stadtrat Keller" genannt.
Vor einigen Jahren ist aus dem hiesigen Staatswissenschaftlichen Seminar eine Doktorarbeit über „die lvirtschaft- lichen Verhältnisse des Grund und Bodens der Stadt Gießen in den letzten 2d Jahren" IjerOorgegan^en und hat allenthalben lebhafte Beachtung gefunden. Erne solche schwierige und verantwortungsvolle, nationalökonomische Untersuchung wäre schlechterdings unmöglich gewesen ohne die zuverlässige und tatkräftige Unterstützung seitens Kellers. Er war der eigentliche Lehrmeister des jungen talentvollen Toktorauden gewesen. Kellers kommunale Wirkfamteit fällt hauptsäckstich in die Gnauth'sche Aera der städtischen Politik, also in einer Epoche des größten Aufschwungs. In den Sitzungen unseres Stadtvorstandes spielt wie überall die Grund - und Boden- frage die erste Rolle. Als 1895 Gnauth den Stadterweiterungsfonds schuf, war Keller seine rechte Hand. Beide Männer hatten aber in ihrer neuen Bodenpolitik, besonders im Anfänge, mancherlei geheime und offene Widerstände zu überwinden, ihr schließlicher Sieg bedeutete indessen einen mächtigen Fortschritt in der städtischen Bebauuug-AoAse und der obrigkeitlichen Beeinflussung des Jmmobilienmarktes. Kein Wunder, daß gerade Keller zahlreiche Gegner, ja Feinde, hakte, denn seine bvdenpolitifchen Maßnahmen verdarben vielen anderen ihr Spiel. Besondere Verdienste hat er sich auch um die Landesuniveriität erworben. Ein Teil der Kliniken entstand auf städtischem Grund und Boden, ein anderer Teil des Geländes wurde von der Stadt für den Fiskus erworben und an ihn überlassen. Wie früher für das Kaufmännische BereinshauS, für die Turnhalle, für dis Johanniskirche die Stadt das Gelände gestellt hatte, so !vurdc später auch für das Provinzialsiechenhaus und noch später für die neue Irrenanstalt, immer durch Vermittlung der Stadt, das nötige Bau- nnb Gartenland beschafft. Ohne ein geschicktes Eingreifen der Kommunalverwaltung wäre auch die stolzeste Errungenschaft unserer Stadt, das Stadttheater, wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Der Ankauf der sogenannten „Schüler'schen" Besitzung, auf der jetzt das Theater steht, leitete ja die ersten Arbeiten des Stadterweiterungsfonds ein. Es folgt dann der Ankauf der v. Rabenau/sch en Besitzung und andere Geländeerwerbe, teils zur Ausführung von Straßenanlagen, teils für Erbauung billiger Arbeiterwohnviertel, teils für staatliche Zwecke verschiedenster Art. Bei allen diesen Transaktionen hatte der kluge Andreas Keller die Hand im Spiele.
Es ist ohne weiteres klar, daß ein Mann von solcher Gründli^keit, Gewissenhaftigkeit und Sachtenntnis in das Ortsgericht und in die Steuereinschätzungskommission gehörte. Verband er ja mit seinem Wissen und seiner geschäftlichen Routine eine ungewöhnliche juristische Begabung, eine untrügliche Personentenntnis und die nötige Zurückhaltung und Amtsverschwiegenheit. In steuerlichen Angelegenheiten war er eine aneriannie Autorität, und deswegen hat ihn die Provinz auch in die Landeskommission für Steuersachen nach Darmstadt entsandt, und die Re- aierung zum Mitglied der Brandversicherungslammer des Landes erwählt. Große Verdienste hat sich Keller ferner»
Abg. Müller^ Fulda lZentr.) fragt an, wie das Reichsschatzamt sich zu dem Projekt stelle, die Jnlandfteuer und den Zoll auf den :)iohtabak herabzusetzen, und dafür die Banderol-c einzuführen. Dieser Vorschlag sei doch wohl erwägenswert, denn er bringe zmvege, daß die Qualität der Fabrikate nicht leide und doch mehr Geld in die Reichskasse bringe. Der Vorschlag gehe von Gruppe, meist süddeutscher Fabrikanten, aus, an deren Spitze die Herren Feist imb Jädicke stünden.
Geheim erat Reinboldt erklärt, dieser neue Vorschlag, der einen Ausbau der Wertsteuer bezwecke mit Ermäßigung der Roh- mat er rat st en er, sei zweifellos gangbar. Dabei konnte auch dte überaus lästige Inlandskontrolle des Anbaues wegfallen, zunächst aber müsse festgestellt werden, wie viel Geld hieraus zu
seien, diese Bedenken zu entkräften. Die Nation al liberalen feien nach w i e vor Gegner des B a n d e r o l e s y st e m s, das ihnen in seinen Folgen geradezu verhängnisvoll für die Zi- gnrreninbuftric erscheine. Sie würden im Interesse der Zigarren- Kleinbetricbe und Zigarrenarbeiter gegen die Banderole stimmen.
Ter Wortführer der Konservativen erklärt den neuen Vorschlag


