Nr. 137
Zweites Blutt
Dienstag 15. Juni 1909
eiter Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Oberheffen
159. Jahrgang
Die „Siebener Zamllienbliitter" werden dem ^Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis «letzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
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Deutschland und Rußland.
Kaiser Wilhelm ist gestern abend zur Begegnung mit dem Zaren mit großem Gefolge von Potsdam abgereist rind begibt füfi_ heute, Dienstag abend, von Neufahrwasser an Bord der „Hohenzollern". Die „Hohenzollern" mit den Begleitschiffen geht dann sofort in See. Der Kaiser fährt den ganzen Mittwoch über und trifft Donnerstag, 17. Juni, vormittags in den Schären ein.
Inzwischen widmet die „Rossia" der bevorstehenden Mo- narchcnbegegnung in den Schären einen bemerkenswerten Leitartikel, worin es heißt: Nicht zum erstenmal besucht Vertreter der russischen Nachbarmacht den russischen Monarchen, der mit ihm durch die Bande langer unverbrüchlicher Freundschaftsbeziehungen verknüpft ist, und der gegenwärtige Besuch Seiner Majestät erscheint vor allem als ein neues Mied, welches diese Beziehungen befestigt. Aus Anlaß des bevorstehenden, bereits vor einigen Wochen angekündeten Besuches entstanden lebhafte Debatten in öffentlichen Kreisen Rußlands, Deutschlands und anderen Ländern, sowie in der russischen und ausländischen Presse. Diese Zusammenkunft wurde mit den Ereignissen des letzten Jahres in Verbindung gebracht und daran wurden verschiedene Folgerungen über ihren Einfluß auf die künftigen internationalen Beziehungen und Gruppierungen der Mächte geknüpft. Die Leser werden sich erinnern, daß wir vor zwei Monaten vollkommen die Erklärungen der „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt haben darüber, daß in der Frage betr. Bosnien und die Herzegowina Deutschland keinerlei Drohungen gegen Rußland ausgesprochen und siel) mit fernem Vermittlungsvorschlage in der freundschaftlichsten Form an uns gewendet habe. Desgleichen vermögen wir die vollste Uebereinstimmung auszudrücken mit der neuen äußeren Politik, wie sie die Deutschland zugeschriebenen Jntriguen gegen die zwischen Rußland, Frankreich) und England hergestellten Beziehungen widerlegte und aussprach, daß die Zusammenkunft beider Kaiser zum Zwecke freundschaftlichsten Meinungsaustausches keinerlei Veränderungen in den Grundlinien der europäischen Politik bedeutet, und nur darauf hinweist, daß beide Monarchen wie früher so auch jetzt ihre persönlichen Beziehungen und das gute Einvernehmen zwischen ihren Reichen aufrecht erhalten wollen, .vuerzu fügen wir unsererseits hinzu, daß Rußland seine traditionellen Beziehungen zu Deutschland immer hochschätzte und hochschätzen wird. Diese sind vollständig vereinbar mit den Butrdesverpflichtungen Rußlands und bilden das ge- > nichtigste Unterpfand für die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens. Sie widersprechen auch nicht im ge- ringsten den Beziehungen, die in letzter Zeit zwischen Rußland und England hergestellt worden sind. Daher liegt keinerlei Grund vor, irgendwelche neue politische Kombinationen oder Veränderungen in der Mächtegruppierung vorauszusehen. Rußland hat in Deutschland einen hoch- tritttvierten Nachbarn, mit dem es die vielseitigsten Verbindungen hat, und mit dem es in Freundschaft und Frieden auf der Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und der Achtung der beiderseitigen Rechte und der nationalen Ideale zu leben wünscht. Mr sind vollkommen überzeugt, daß die Zusammenkunft unseres Herrschers mit Kaiser Wilhelm diese Verbindungen befestigen wird und begrüßen in Uebereinstimmung mit dem erhabenen Oberhaupte unseres Reiches feinen hohen Gast mit unserem russischen Will- kommensruf.
politische Tagesschau.
Die zweite Lesung der Finanzgesetze
tn Verbindung mit der ersten Lesung der Ersatzsteuervorlage wird auf die Tagesordnung der Mittwochsitzung des Reichs-
tages gesetzt werden. Die Steuervorlagen sollen in einer Generaldebatte nochmals besprochen werden, da die Finanzkommission dem Plenum ganz neue Vorlagen mit geringen Ausnahmen unterbreitet. Nach einer allgemeinen Debatte von vier Tagen glaubt man die Einzeldiskussion für jede Vorlage auf etwa anderthalb Tage ansetzen zu können, so daß die zweite Lesung aller Steuervorlagen, auch der neuen Ersatzsteuern, am 3. Juli erledigt sein und die dritte Lesung sich sofort anschließen könnte. Die Verabschiedung der Besoldungsvorlage dürfte in zwei bis drei Tagen zu erledigen sein, so daß etwa am 10. Juli der Reichstag sich auf den Herbst vertagen könnte.
Eulenburg.
Kriminalkommissar Klinghammer konferierte, wie der „Berl. Lok.-Anz." schreibt, gestern fünfviertel Stunden mit dem Fürsten Eulenburg in Liebenberg. Letzterer lehnte den Aufenthalt der Kriminalpolizei im Schlosse und in der Ortschaft Liebenberg ab. Klinghammer verteilte daraufhin seine Leute auf die umliegenden Orte. Für heute werden zwölf weitere Kriminalbeamte in Liebenberg erwartet. Der älteste Sohn des Fürsten, sowie Rentmeister Geritz sind gestern abend nach Berlin abgereist, um Beschwerde zu erheben gegen die Sendung von Kriminalpolizei nach Liebenberg; sie begründen diese Beschwerde mit der Betonung, daß die verlangte Kaution gestellt worden sei. — Wie die Berliner Abendblätter melden, hat das Kämmergericht den Beginn der außerordentlichen Schwurgerichtsperiode, worin gegen den Fürsten Eulenburg wegen Meineids und Versuchung zum Meineide verhandelt werden soll, auf den 5. Juli festgesetzt.
Ü deutscher hanülungrgehilsentag.
S. u. H. Stuttgart, 13. Juni.
Unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus allen Städten Deutschlands trat hier der elfte deutsche Handlungs- gehilfentag zu seiner diesjährigen Tagung zusammen. Nach den Begrüßungsansprachen der behördlichen Vertreter, denen der Vorsitzende Schack (Hamburg) dankte, wurden die sachlichen Bera- nmgen eröffnet mit der Besprechung der sozialpolitischen Standes- schau über die Jahre 1907 und 1908, über die bereits im Ausschuß des Deutschen Handlungsgehilfentages vom 22.-24. April verhandelt worden ist. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf das Referat über die Novelle zur Gewerbeordnung, das Vorholz (Hamburg) erstattete. Die umfangreichen Ausführungen des Referenten gipfelten in der Erklärung, daß nach wie vor die Erfüllung folgender Forderungen notioendig sei: 1 die völlige Einführung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe: Ausnahmen sollen nur für Arbeiten zugelassen werden, die in Notfällen oder int öffentlichen Interesse unbedingt erforderlich sind. 2. die Schaffung einer geeigneten Handelsaufsicht durch Anstellung von Handelsinspektoren. 3. die Gewährung einer ununterbrochenen Ruhezeit von mindestens 12 für die ntännlichen und 14 Stunden für die weibl. Angestellten. Für männl. Angestellte unter 18 Jahren muß die Ruhezeit mindestens 13 Stunden betragen. Die in der Gewerbeordnung vorgesehenen Ausnahmetagc sollen wegfallen, während bei Vornahme der Inventur eine Mindc;trul)ezeit von 9 Stunden gewährt werden muß. Innerhalb der Arbeitszeit muß den Angestellten eine Mittagspause von mindestens zwei Stunden gewährt werden. 4. Die Anordnung des Ladenschlusses von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, mit Ausnahmen nur in Notfällen. 5. Die Festlegung einer täglichen Arbeitszeit von höchstens 9 Stunden für Gehilfen und Lehrlinge in Schreibpuben, Kontoren und Lagerräumen, die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden sind. Für die weiblichen Angestellten, sowie die männlichen Angestellten unter 18 Jahren soll die Arbeitszeit höchstens 8 Stunden am Tage betragen. Ter Geschäftsbetrieb muß bei einer Gewährung van einer Mittagszeit von mindestens zwei Stunden spätestens um 7 Uhr, bei einer kürzeren Mittagspause spätestens um 5 Uhr abends geschlossen werden. 6. Ten Gehilfen und Lehrlingen ist für jedes Tienstjahr ein un- uuterbrocl>cner Urlaub von mindestens 14 Tagen zu gewähren."
Diese Erklärung wurde einstimmig angenommen. Sodann! sprach Blobel (Hamburg) über die „F o r d e r u n g e n d e r H a n d - lungsgehilfen für eine Revision des Handelsgesetzbuches". Der Redner verlangte, daß das Anstellungsverhältnis nur auf den Schluß eines Kalenderviertcljahres gekündigt werden dürfe. Die Kündigungsfrist sott für beide Teile gleich sein und inindestens 6 Wochen betragen. Der § 63 des Handelsgesetzbuches soll als zwingendes Recht crflärt werden. Ferner soll der Hand-« lungsgehilfe die Ausstellung rines Zeugnisses bereits vom Tage der Kündigung ab beanspruck)en dürfen. Vereinbarungen, durch die der Handlungsgehilfe nach Beendigung seines Tienstvcrhält- nisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird (Konkurrenz- klausel) sotten für ungültig erklärt werden. Die Bestimmungen über die Berechtigung zur Haltung von Lehrlingen sollen erweitert werden, nm die Ausbildung der Lehrlinge sicherzustellen! und 'die Lehrlingszüchterei zu beseitigen.
Ueber die bisherige Tätigkeit der Kausmanns- g e r i ch t e referierte Elberding «Hamburg>. Er beklagte die ablehnende Haltung, die viele Gemeindeverwaltungen und Zenttal- bchörden der .Tätigkeit der Kaufmannsgerichte entgegenbringen. Gegenwärtig bestehen 261 Kausmannsgerichte in 576 Gemeinden. Erfreulich sei es, daß der Gedanke der Schaffung eines Rcichs- Kaufmannsgerichtes durch Beschluß des Bundesrats abgetan sei. Verlangen müsse man, daß Angestellte der Bcrufsvcrbände als Vertreter vor den Kaufmannsgerichten zugelassen werden.
Weiter beschäftigte sich die Tagung mit dem Thema Frauenarbeit im H a n d e l s g e w e r b e und nahm nach einem Referat von Döring (Hamburg) folgende Resolution an: „Der Handlungsgehilfentag erklärt sich einverstanden mit der Stellungnahme zur Frauenarbeit im Handcls- gcwerbe, die von den Vertreter:, des Deutsch-nationalen Handlungs- gehilsen-Verbandcs bei den Einigungsverhandlungen mit dem Verbände Deutscher Handlungsgehilfen am 17. Mai v. I. in Berlin eingenommen worden ist. Er hält es für dringend geboten, der Errichtung von obligatorischen kaufmännischen Fortbildungsschulen für junge Mädchen cntgcgenzuwirken, weil durch diese Schulen die Frauenarbeit im Handelsgewerbc gefördert wird. Dagegen fordert er die Errichtung von obligatorischen Haushaltungsschulen für weibliche Angestellte." — Hierauf gelangte der Entwurf einer Reichsversicherungs-Ordnung zur Besprechung. Be- richterstatter war Bcchlh «Hamburgs Ter Redner trat nachdrücklich dafür ein, daß bei der Pensionsversicherung der Privatangestellten private Ersatzinstitute zugelafsen werden. Bezüglich der Krankenversicherung sind die Handlungsgehilfen geneigt, ihre freien Hilfskassen aufzugeben, wenn für sic durch Reichsgesetz eine Versicherungsanltalt geschaffen wird, die den Bedürinifsen der Gehilfen angepaßt wird. Bemängelt wird die Reichsversicherungsordnung vor allein, weil dadurch die Handlungsgehilfen aus der Verwaltung der Krankenversicherung völlig ausgeschaltet würden. Einen Einfluß auf die Leitung der Zwangskraiikenkassen sich zu verschaffen, wäre ihnen ihrer Zahl nach unmöglich. Ties fei umso bedauerlicher, als durch die zugelasfenen Mindestleistungen, die geringe Höhe der Krankengelder und die mangelhafte kassenärztliche Versorgung wohl den Bedürfnissen der gewerblichen Arbeiter, nicht aber den berechtigten höheren Ansprüchen der Handlungsgehilfen Rechnung getragen werde. — Eine Resolution im Sinne des Referenten wurde einstimmig angenommen.
lieber die Frage „A r b e i t s - oder K a n s m a n n s k a m - mern" sprach Claus (Hamburg), der folgende Resolution befürwortete:
„Der Handlungsgehilfentag nimmt davon Kenntnis, daß die Wünsche der gewerblichen Arbeiter nach gesetzlich anerkannten Interessenvertretungen durch die Vorlage des zweiten Gesetzentwurfes über die Arbeitskammern ihrer Erfüllung entgegengehen. Ter Handlungsgehilfentag billigt die Beschlüsse der Reichstagskom- mcfswn, die die Handlungsgehilfen von der Zuständigkeit der Arbeitskammern ausichließen und für sie eine besondere Olaudes- vertretung in Aussicht stellt. Er erwartet, daß der Reichstag den Kommissionsbeschlüssen beitritt. Von den Vervündeten Regierungen erwartet der Ausschuß die baldige Vorlage eines Gesetzentwurfes über die Errichtung von Kaufmanns kam mern."
Zum letzten Punkt der Tagesordnung „Tie Erhebung des Deutsch-nationalen Handlungsgehilsen-Verbandes über die Wirtschaftliche Lage der Handlungsgehilfen" berichtete Roth Hamburg) Wlgende Einzelheiten: Es sind mehr als 115 000 Fragebogen
Durch löetteran und Dogeisberg.
„Das freie Durchstreifen von Feld und Wald ist urdeutsch. Unsere Altvorderen kannten ihre Wälder und zerklüfteten ©ebirge und waren in lieber Heimat wirklich daheim. Der alte Trieb, sich in Gottes herrlicher Natur zu ergehen, ist uns allen geblieben, doch gibt es leider gar viele, die das erstrebenswerte Reiseziel lediglich fern der Heimat suchen, bei denen es nur heißt: Gehen wir ins Gebirge — und darunter sind die fernen Alpen gemeint — oder reifen wir an die See. Ueber unsere deutschen Mittelgebirge sieht man hinnwg. Und haben unsere Berge und damit unser geliebter Vogelsberg diese Geringschätzung und Nichtbeachtung wirklich verdient? Sicherlich nicht."
Mit diesem Worten leitet der eifrige Förderer des B. H. C. Prof. Gg. Bender in Frankfurt a. M. ein ihm gewidmetes Buch ein, das von vielen Wanderen mit Spannung erwartet wurde. Denn es war schon seit längerer Zeit bekannt, daß der rührige Verlag von Emil Roth einen neuen Führer durch den Vogelsberg und die Wetterau vorbereite, der alle derartigen Wanderbücher weit übertreffen sollte. Nun ist der stattliche unter Mitwirkung verschiedener Mitglieder des Vogelsberger Höhen- ttubs von Hermann Oesterwitz bearbeitete Band erschienen und schon ein flüchtiges Durchblättern verrät viele seiner Vorzüge und den inneren Zusammenhang mit dem zur Jubelfeier unserer Universität von demselben Verfasser ' herausgegebenen Führer durch Gießen, der damals mit außerordentlichem Beifall aufgenommen wurde. Diesem vorbildlichen Stadtführer ist der Wegweiser durch den Vogelsberg textlich angegliedert, d. h. er bringt in knapper . übersichtlicher Form alles, was den Wanderer nur interessieren kann, ohne ihn durch unnötigen Ballast zu lang» Zeilen oder zu ermüden. Er vermeidet aber auch sehr .glücklich die schauerliche Kürze des Telegrammstiles, in dem ^eute leider so viele Führer geschrieben sind und befleißigt 'ich mit Glück eines unterhaltenden, gefälligen Stiles. Wie ,ieim Führer durch Gießen hat der Verfasser auch bei feinem neuen Werk einen Stad tüchtiger Mitarbeiter gewonnen, "inb in Gemeinschaft mit ihnen hat er alles zufammen- tjetragen, was nur irgendwie von Belang ist. Selbst eine Zusammenstellung der Sonntagsfahrtarten in den Vogelsberg ist nicht vergessen. Aber schon der allgemeine Teil oüber den Vogelsberg, der die geographischen und geolo- mschen Verhältnisse, das Klima und die Fruchtbarkeit und rke wirtschaftlichen Zustände im Vogelsberg behandelt, gibt tlinen so ausgezeichneten Ueberblick, wie er in einem ähn
lichen Werk wohl schwerlich zu finden ist. Weit kvichtiger aber sind noch die Teile, die die Verkehrswege nach und in dem Vogelsberg verzeichnen und das geradezu musterhaft angelegte Verzeichnis der Touren in den Vogelsberg, die sowohl von den Verkehrsmittelpunkten wie Gießen, Frankfurt, Cassel, Fulda, als auch von den Eingangspunkten in den Vogelsberg gegeben sind. Dabei ist das Tourenmaterial so reichlich, wie es ein zweitesmal wohl kaum zu finden sein dürfte.
Tie Wanderungen, die natürlich besonders eingehend und liebevoll geschildert sind, gehen sehr vorteilhaft der einzelnen Bahnstrecke entlang, indem von jeder Haltestelle aus die schönsten Wege nach den einzelnen sehenswerten Punkten beschrieben sind. Dabei ist der reiche geschichtliche Stoff auf dap allernotwendigste beschränkt, so daß er niemals als unnütze Zutat empfunden werden kann. Daran schließen sich dann die Wanderungen duftch die Wetterau und durch die Rhön, die gleich meisterhaft behandelt find.
Im Anhang i stfodann die Flora des Vogelsberg es eingehend behandelt und außerdem ein längerer Aufsatz über den im Aufblühen begriffenen Wintersport im Vogelsberg enthalten, der außer einer größeren Anzahl prächtiger Schifahrten auch alle zur Ausübung dieser herrlick)en Winterwanderungen notwendigen Fingerzeige gibt und auch über Beschaffenheit und Behandlung der Schneeschuhe, Ausrüstung und die ersten Hebungen sachverständige Auskunft gibt.
Daß bei einem so großzügig angelegten Werk auch die bildlichen Beigaben und die für den richtigen Wanderer so wichtigen Karten und Pläne ausgezeichnet sind, versteht sich von selbst. Außer zahlreichen Plänen und Orientierungskarten enthält das Werk zwei große Kürten des gesamten Vogelsberges mit sämtlichen Farbenzeichen von den größeren Städten aus, eine Karte der Rhön und mehrere Stadtpläne.
So stellt sich das ganze als ein ausgezeichneter Führer bar, wie ihn nur wenige Wandergebiete unseres Vaterlandes besitzen und sowohl dem Einheimischen als auch dem Fremden wird er ersprießliche Dienste leisten.
K.N.
— Bad-Nauheim. Unter diesem Titel bringt die Kurverwaltung eine für Aerzte bestimmte kleine Schrift zum Ver- smrd, die neben der allgemeinen Besprechung über Lage und Kuma, gesmidheittichen Einrichtungen unb über Kurmittel den Kohlew au regel) alt eines Sprudels usw. handelt
fi f ä e 9U m a n cfü r zwei Sous. Aus Paris wird beruhtet: Um bretteren Volksschichten die klassischen Meister
werke der französischen Literatur zugänglich zu machen, hat jetzt ein großes Pariser Verlagsunteriiehmen den Plan gefaßt, eine Reche der berühmtesten Werke in billigster Ausgabe neu zu drucken ^te großen 9u)inaue Balzacs, des älteren Dumas, Zolas und anderer berühmter Dichter werden binnen kurzem dem kleinen Manne zum Preise von zwei Sous, acht Pfennig, für den Roman juganglid) fern. -Lic „Bücher" sollen in eigenartiger Form cr- fcheinen: der ganze Roman wird auf acht Seiten gedruckl, die die Große und das Format einer Zeitung haben. Die Seiten sind rn sieben Spalten geteilt. Turch ein besonderes Arrangemew der Truckipalten, über das die Herausgeber einstweilen (Geheimnis bewahren, wird die Lesbarkeit trotz des etwas unhandlichen For- crftc Serk soll zunächst in einer Auflage von 100 000 Exemplaren erscheinen.
e~ $ je „Ä ilfsarbeite n" in Messina. Die bitteren Klagen und Vorwürfe gegen die mit dem Wiederaufbau Messinas betrauten Behörden mehren sich und werden immer lauter- ein engliifber Korrespondent berichtet jetzt, daß die Ausräumungsarbeiten und der Wiederaufbau immer noch nicht begonnen haben: ia selbst die Arbeitspläne sind noch nicht vollendet Die lleberlebenden fomoieren inzwischen in den hastig errichteten kümmerlichen Holzhütten. Viele tausend Tonnen von Bauholz i'b aÄb,,d’™ d'lsskomitces gestiftet wurden, lagen wochenlang bet Messina achtlos in Schlamm und Wasser Es
Ma'sen von Holz, daß sie ausgereicht Hattens, die halbe Stadt wieder auszubauen. Das ganze .H o I z, ist jetzt s p u r - los verschwunden, als ob ein neues Erdbeben und eine Flutwelle^ es weggeschwemmt hätten. In den wenigen Holz- fchuppen sind keinerlei sanitäre Maßnahmen getroffen: inan hat fte io nabe aneinander ausgebaut, daß ein einziges Feuer sofort alle verzehren ivurbe. Viele schuppen sind unmittelbar unter geborstenen Mauern errichtet, die jeden Augenblick einstürzen können „Ern Teil der wiedergekehrten Flüchtlinge hat in den Erdgeschoiien zerstörter Hauser em notdürftiges Obdach suchen !?u' e.N'.Milchen drohenden Mauerresten. Den Bedürftigen und U^lEch'ken ist durch chw Auszahlung der Hilfsgelder so gut wie feine Unterstützung geworden. Viele Betroffene die wX VJ1 ”C ” 1 h aU ihre Angehörigen verloren
Ä.&V "halten, während andere, die zurzeit ? n fe~n Don yZf|’,in,a waren, und n i ch ts v c r l or e n
ansehnliche Summen erhalten haben. Am Tonnerstag abenb faCtn die Bevölkerung der Trümmerstätte in
rnrd srSS ÜUritVUä don Schuppen und Unterschlnpswinkeln
von Mauern brach zusammen. Und dafür hat NL^^bfmnmelt! - Tie Millionen wären in unserem rr r" verwenden gewesen, als in dem „bundes- "ch letzt, wie wir gestern schon mit.
©eüfaftffjilber in seinem Lande aufregt ,sa ja! Mit Worten laßt's sich trefflich danken! Unie^ ^eser erinnern »ich wohl, daß wir gleich von allem Anfang an Sammlungen für Messina zurückgewiesen haben. T 9


